Nr. 153. Freitag den 5 Juli 1889. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Dureanr Schulstraße 7. Erscheint tSglich mit Ausnahme des MontagS. Ä^ährlkch2MmiMPf mitBringnloh«, .____________________________ ________ ___________________________________________Durch die Post bezogen vtertchahrlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Tßeit. Gießen, am 1. Juli 1889. Betreffend: Das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen arr die Grotzherzoglicheir Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstand sind, werden an Erledigung unserer Verfügung vom 14. Juni l. I. mit Frist von 8 Tagen erinnert. __v. Gagern.__ Betreffend: Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Werterau Gießen, am 2. Juli 1889. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen die Großherzoglichen Bürgermeistereien Avendorf a. d. Lahn, Bellersheim, Bettenhausen. Birklar, Dorf Gill, Gber. stadt, Großen Linden, Grüningen. Holzkeim, Hungen. Inheiden, Klein Linden, Langd, Lang GönS, LangSdorf, Leihgestern, Lich, Muschenheim, Obbornhofen. Ober-Hörgern, Rabertshausen, Rodheim, Steinheim. TraiS Horloff und Utphe. Sie werden, insoweit Sie noch im Rückstände stnd. an baldige Einsendung der in unterem Ausschreiben vorn 23. August 188U — Anzeiger Rr. 201 — vorgeschriebenen Tabelle nach dem unten abgedruckten Muster über Die In dem letzten halben Jahre crepirten Thiere erinnert, wobei namentlich in bet Spalte «Bemerkungen" die Angabe über die Krankheit des Thieres und die Art der Beseitigung des Cadavers nicht zu vergeben ist v. Gagern. Tabelle über die in der Gemeinde.....*. vom . . . 18 . . . bis......18 . . . crepirten oder gelobtsten Thiere- Ord.- Nr. Monat Datum Namen der Besitzer Der crepirten oder Thiere Zühl ■ Gattung Mdleten Alter Jahre Bemerku ngen über Krankheit, wenn solche durch de« Thierarzt jeftgestellt ist, sowie übet hie Art der Beseitigung der Cadaver. s Politische Rundschau. Gieren, 4. Juli. Mit herzlichen Segenswünschen begleitet die gesammte deutsche Nation die zweite Nordlandsfahrt, die auch in diesem Jahre Kaiser Wilhelm nach Norwegen zum Besuche der berühmten norwegischen Küsten, der wunderbaren Lofoteninseln und des Nordkap unternommen hat. Sehr bedauert muß es werden, daß von dieser Kaiserfahrt wahrend der Seereise selbst nur wenige Nachrichten zu uns zurück tn's Vaterland gelangen können, doch wird wohl unmittelbar nach Beendigung der Kaiserretse und wohl auch noch zum Thetl wahrend derselben eine malerische Schilderung derselben bekannt werden. Soweit die bisherigen Nachrichten reichen, passirte die kaiserliche Z)acht „Hohenzollern" mit dem Begleitschiff bereits am Dienstag früh die dänischen Küstengewässer und fuhr am Mittwoch durch das Kattegat und das Skagerak in die norwegischen Gewässer. Die Rückkehr des Kaisers nach Berlin wird erst am 27. Juli erwartet, es scheint daher, daß der Kaiser mit seiner gegenwärtigen Nordlandsfahrt eine Anzahl Ausflüge nach den landschaftlich berühmtesten Sehenswürdigkeiten Norwegens verbinden wird. Auf dem Geviete der inneren Angelegenheiten herrscht schon beinahe völlige Ruhe, nur die Ausschüsse des Bundesralhes halten noch eifrig Berathungen ab, auch dürften zur Bewältigung der zahlreichen Vorlagen noch mehrere Plenarsitzungen des Bundesralhes nöthtg sein. Die österreichischen und ungarischen Parlaments-Delegationen beschäftigen sich in den letzten Tagen neben den Budgetarbeiten vorzugsweise mit militärischen Angelegenheiten. Als wichtig heben wir daraus hervor, daß in der ungarischen Delegation der Kriegsminister erklärte, daß bis zum Frühjahre 1890 sämmtliche 13 Armeecorps mit dem neuen Repetirgewehr bewaffnet sein würden. Nach den bis jetzt vorliegenden Ergebnissen der Landtagswahlen in Böhmen haben die Altczechen an die Jungczechen 21 Sitze verloren, also hätten die Jungczechen jetzt 27 Mandate. In den deutschen Wahlbezirken Böhmens sind alle früheren Abgeordneten wieder gewählt worden. Aus Petersburg wird gemeldet, daß laut kaiserlicher Verfügung an den diesjährigen russischen Herbstmanövern kein einziger auswärtiger Mtlitär-Attachö thetl- nehmen darf. Die scharfen Abweisungen, welche der Papst Leo im jüngsten Consistorium der Haltung der italienischen Regierung und den Urhebern des Gtordano-Bruno-Denk- males hat zu Theil werden lassen, haben in Rom eine gewisse Erregung heroorgebracht, zumal man seltsamer Weise das Gegentheil von Tadel und Rüge seitens des Papstes als Ergebniß des Eonsistoriums erwarten zu dürfen glaubte. Gerüchtweise verlautet sogar, daß im päpstlichen Consistorium die Frage der zeitweiligen Uebersiedelung des Papstes nach Spanien oder Oesterreich erwogen worden sei, um den fortwährenden ktrchenfetndltchen Demonstrationen in Rom ein Paroli zu bieten. Die Aufregung über die Confiseation der Delagoa-Bay-Eisenbahn durch die Portugiesen hat sich in England wieder gelegt und soll im Einverständnisse mit Portugal die Affaire durch ein Schiedsgericht beglichen werden. — Der erste Lord des Schatzes, Smith, legte dem Unterhause zwei Botschaften der Königin vor, worin eine Apanage für den Prinzen Albert Victor verlangt, die Verlobung der Prinzessin Louise mit dem Earl of Fife mttgetheilt und zugleich Apanage für die Prinzessin verlangt wird. Die Berathung darüber findet an diesem Donnerstag statt. Labouchdre meldete sich zum Wort gegen die Vorlagen. Unter großer Begeisterung fand in Kraljewo am Dienstag die feierliche Salbung deS Königs statt. Die erste Glückwunschdepesche traf von dem österreichischen Gesandten von Hengelmüller ein, welcher im Namen des Kaisers Franz Josef Glückwünsche und Gefühle der Freundschaft für den König Alexander ausdrückte. Bei dem Empfang des russischen Gesandten Persiani hob der Wortführer der Stadtgemeinde von Kraljewo hervor, daß das einstige Zusammenwirken der Russen und Serben für die Befreiung des serbischen Volkes stets in der Erinnerung jedes Serben lebe. Die Serben seien von Sympathien und den Gefühlen der Dankbarkeit für die mächtige russische Nation erfüllt. Der russische Gesandte drückte seine Freude darüber aus, der Salbung des aus der ruhmreichen Dynastie stammenden und von lebhaften Sympathien der russischen Nation begleiteten Königs beiwohnen zu können. In der in Bern tagenden Konferenz, betreffend den Simplon-Tunnel, wurde dieser Durchstich für eines der nützlichsten Werke dieses Jahrhunderts erklärt. Der italienischen Delegation wurde übertragen, nach erfolgtem Einvernehmen mit der Schweiz durch technische Sachverständige die Trace zu bestimmen, welche den Wünschen der italienischen Regierung entspräche. Diese solle die Grundlage für die Discussion der Conferenz bilden. Die schweizerischen Delegirten behielten sich die endgültige Entscheidung in Betreff der Trace ausdrücklich vor. Ein Kopenhagener Blatt läßt sich aus St. Petersburg schreiben, daß man daselbst sehr lebhaft über die Stellung Dänemarks im Kriegsfälle dtskutire. Dänemarks einzige Rettung sei der Anschluß an Rußland, da eine Übereinkunft zwischen Schweden und Deutschland getroffen sei, die sich gegen Dänemark richte. — Diese russische Illusionen widerlegen sich erstens durch eine kürzliche Erklärung König Oskar's von Schweden, daß weder eine mündliche noch eine schriftliche Ueberetnkunft mit Deutschland bestehe, und zweitens durch die ausgezeichnet guten Beziehungen zwischen den Höfen von Kopenhagen und Berlin. In Dänemark wünscht Jedermann neutral zu bleiben. Die dänische Presse protestirt sogar gegen die Unterstellung, als sei Dänemark der natürliche Bundesgenosse Rußlands. Darmstadt, 3. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Landgerichtspräsidenten Knorr von Gießen. nn. Darmstadt, 3. Juli. Die Erste Kammer setzte heute Morgen ihre Berathungen fort und behandelte als ersten Gegenstand den Gesetzentwurf, die Errichtung einer Landes-Ereditkasse betr. Staatsminister Finger entwickelte hierbei die Gesichtspunkte, von welchen Großh. Staatsreaierung ausgegangen, um einem wenn auch nicht dringenden Bedürsniß der Credit bedürfenden ländlichen Bevölkerung abzuhelfen. Die neu zu schaffende Kasse soll nur zu landwirthschaftltchen Zwecken zur Verfügung stehen, um hierdurch eine beständige Klage der Landwirthschaft aus der Welt zu schaffen. Seitens des Ausschusses Erster Kammer wird beantragt, entgegen den Beschlüssen Zweiter Kammer, dieser Kasse wettergehendere Rechte, als die in Art. 2 und 3 des Gesetzentwurfs bezeichneten, einzuräumen, spricht sich auch gegen eine Vereinigung der Kasse mit der Hauptstaatskaffe aus. Graf Laubach motivtrt in eingehender Weise die Gründe, welche den Ausschuß zu diesen Anträgen bewogen, und bittet das Haus, denselben zuzusttmmen. Das Haus schließt sich einstimmig den Anträgen des Ausschusses an, genehmigt dagegen debattenlos die anderen Gesetzesparagraphen. Die nun folgenden Punkte finden in rascher Folge ihre Erledigung nach den Anträgen Zweiter Kammer. Nur bei dem Anträge, der Stadt Friedberg die sogen. Seewiese käuflich zu überlasten, ergreift Graf Laubach nochmals das Wort, um der Regierung anheimzustellen, bet der Normtrung des Preises möglichst schonend zu sein, da er eine gewisse Sympathie jür die Stadt Friedberg hege und weil dieselbe durch den Verlust seiner Garnison schon geschädigt genug sei. Mtntfterialpräsident Weber kann aber die Ansicht des Herrn Grafen nicht theilen. Die Normtrung des Kaufpreises sei nach genauen Ermittelungen geschehen und demgemäß vollständig richtig bestimmt. Ein Präjudiz dürfe man nicht schaffen, cs sei denn, daß man diese Wiese der Stadt Friedberg schenke. Die Kammer beschließt hiernach einstimmig nach dem Antrag des Ausschusses. Hierauf vertagt sich das Haus auf unbestimmte Zeit. Berlin, 2. Juli. In Marinekreisen verlautet, daß der Kaiser vor der englischen Reise nicht nach Berlin zurückkehrt, sondern von den Lofoten nach Wilhelmshaven und von dort mit der ganzen Flotte nach Cowes geht. Diese Meldung der „Voss. Ztg." findet einen Anhalt in dem Bericht der „Nordd. Allgem. Ztg." über den Aufenthalt des Kaisers in Kiel, an dessen Schluß eS heißt: „Wie verlautet, geht die „Hohenzollern" nach der Rückkehr von den Lofoten direct nach Wilhelmshaven, um von hier aus mit der Manöverflotte nach England zu gehen." Telegraphische Depeschen. Wolff's telegr. Korrespondenz-Bureaus Berlin, 3. Juli. Das Urtheil in dem Sensationsproceß gegen die Armee- lieferanren Wollanck und Hagemann wurde heute verkündigt. Hagemann wird mit fünf Jahren Gefängniß und fünf Jahren Ehrverlust, Wollanck mit anderthalb Jahre Gefängniß bestrast. Berlin, 3. Juli. Den „N. Polit. N." zufolge ist an Stelle des ausscheidenden Generaidtreciors der indirecten Steuern, Hasselbach, Prooinztalsteuerdtrector Schomer zu Stettin ernannt worden. Wien, 3. Juli. Nach der „N. Fr. Pr." ist die Fahrt des Donaumonitors „Maros" lediglich eine Uebungsfahrt, sie steht nicht mit den Vorgängen in Serbien im Zusammenhänge. Der Monitor erhielt die Instructionen für die Fahrten bereits im Mat, tr dürste im Laufe des Sommers auch hierher kommen. Lemberg, 3. Juli. In Folge ihres Steges bet den galizischen Landtagswahlen bilden die Rulyencn nunmehr eine zur selbstständigen Antragsstellung berechtigte Fraktion. Der frühere Landtag wies keinen Bauer auf, diesmal sind deren sechs gewählt. Trieft, 3. Juli. Eine Deputation der hiesigen italienischen Colonie überreichte gestern dem ttalienischen Generalconsul Durando eine Vertrauensadresse. Paris, 3. Juli. Heute fand in den Gruben bei Saint Etienne eine Explosion schlagender Wetter statt; gegen 300 Bergleute waren in den Gruben eingefahren, bisher wurden zahlreiche Leichen, wenig Lebende herausgeholt. Man befürchtet, daß 200 Arbeiter umgekommen sind. London, 3. Juli. Heute fand ein glänzender Empfang des Schahs in der Guidhall statt. Der Weg vom Bucktnghampalast nach der Guildhall war auf das Prächtigste geschmückt; die Truppen bildeten Spalier und eine ungeheure Menschenmenge war herbeigeströmt. In Beantwortung der Adresse der städischen Behörden erttgrte der Schah, er schätze die Freundschaft, Macht und Industrie Englands hoch, und hoffe, sein Besuch werde eine neue Aera zwischen England und Persien eröffnen. Der Feier wohnten der Prinz und die Prinzessin von Wales mit Söhnen, der Herzog von Cambridge, Lord Salisbury, die Minister, Botschasler und andere Nota- bilitäten bei. London, 3. Juli. Bei dem Dejeuner zu Ehren des Schah von Persien in Guidhall sagte Lord Salisbury: „England wünsche Persien gutes Gedeihen und Stärke, es beanspruche keine ausschließlichen Vorrechte, sondern nur für sich dieselbe Handelsfreiheit, wie für andere Nationen. England erstrebe mit Persien keineswegs die Freundschaft, die zu einem Krieg oder Angriff, sondern zu Eroberungen des Handels und der Industrie für die ganze Welt führen solle. London, 3. Juli. Das Unterhaus erledigte in der Etnzelberathung die schottische Universttätsbill. Im Lause der Debatte willigte die Regierung ein, den Testeid für die nicht theologischen Lehrstühle aufzuheben. Brüssel, 3. Juli. Der Generalgouoerneur des Congostaates telegraphirt, daß der Dampfer „Lulealaba" von 1860 Tonnen, der am 18. Mat von Antwerpen abgegangen, den Congo aufwärts bis Matadi befahren hat. Der letztgenannte Ort werde somit als Ausgangspunkt der neuen Congobahn anzusehen sein. Chriftiania, 3. Juli. Nach etngelaufener Meldung besucht Kaiser Wilhelm Stavanger, Bergen und Throndhjem. Die Regierung wies die Ctoil- und Mtlilär- behörden an, sich in jeder Weise zur Verfügung zu stellen. — Der Kaiser traf auf der „Hohenzollern" um IV/a Uhr Morgens in Stavanger ein und reiste ohne ans Land zu gehen, zunächst durch das Hardangerfjord nach Odda weiter. Der Kaiser erfreut sich des besten Wohlbefindens. — Das Storthing wurde ohne Thronrede geschloffen. Belgrad, 3. Juli. General Gruttsch ließ — laut der „Pol. Corr." — im Namen des Königs durch den Gesandten Hengelmüller dem österreichischen Kaiser die Gefühle seines lebhaften Dankes aussprechen für die ihm anläßlich seiner Salbung übersandten Versicherungen der Freundschaft. — Die Regierung berief die Truppen zurück, welche wegen der Ruhestörungen in Novibazar an der Grenze ausgestellt waren. Belgrad, 3. Juli. Unmittelbar nach der Salbung des Königs sandte der Mtnifterpräiident Gruic zwei Telegramme an Milan und Natalie ab, in welchen er ihnen die Salbung mittheilte. Daraus trafen Beglückwünschungen von Milan und Natalie ein, ebenso von den Kaisern von Oesterreich-Ungarn und Rußland. Bukarest, 3. Juli. Gegenüber den falschen Nachrichten, welche gewisse panslawistische Blätter in Betreff Rumäniens veröffentlichen, geißelt die „Jndependance Roumaine" diese unpassende Sprache und sagt, daß es angesichts der so großen Gewalt der russischen Censur erlaubt sei, sich über die Nachsicht derselben gegenüber diesen Blättern zu wundern, deren Tendenzen in unbedingtem Widerspruche zu der vom Petersburger Cabtnete befolgten politischen Richtung stehen; es wäre wünschenswerth, daß die Abenteurer, welche sich in Bukarest befinden und von hier aus lügnerische und Rumänien schädigende Nachrichten verbreiten, genau überwacht würden. Vermischte 4. Friedberg, I.Juli. Der hiesige Weißgerber Seligmann betreibt sein Geschäft in zwei etwa 10 Minuten von einander entfernten Lokalen, indem das Waschen der Felle an der Ufa, die weitere Zurichtung derselben innerhalb der Stadt ausgeführt wird. Die Steuerbehörde war nun der Ansicht, Seligmann habe für seinen in zwei räumlich getrennten Lokalen stattfindenden Geschäftsbetrieb zwei Patente zu lösen und ließ denselben, da er, gestützt auf die Erlaubnis der Bürgermeisterei, nur ein Patent gelöst hatte, wegen Gewerbesteuerdefraudation verfolgen. Das hiesige Schöffengericht sprach den Beschuldigten frei, indessen das Landgericht Gießen hob auf eingelegte Berufung der Staatsanwaltschaft das schöffengerichtliche Urtheil auf und verurteilte Seligmann wegen Gewerbesteuerdefraudation. Gegen dieses Erkenntniß erhob nun der Angeklagte Revision bet dem Oberlandesgericht zu Darmstadt und dieser oberste Gerichtshof des Großherzogthums sprach den Beschuldigten kostenlos frei, von der Ansicht ausgehend, daß es sich in vorliegendem Falle lediglich um einen Gewerbebetrieb, ausgeübt in am selben Orte befindlichen und räumlich getrennten Gewerbslocalen, handle, sonach auch nur ein Patent bei der Bürgermeisterei zu lösen sei. — Wer mehrere, einerlei ob gleichartige oder verschiedenartige Gewerbe in mehreren abgesonderten Gewerbslocalen betreibt, muß für jeden solchen Gewerbsbetrieb ein besonderes Patent lösen und jeden besonders besteuern. Wer aber nur ein Gewerbe betreibt, muß nur ein Patent lösen und muß das Gewerbe nur einmal besteuern, einerlei, ob er das Gewerbe in einem Gewerbslocal oder ob er es in mehreren ganz abgesonderten Gewerbslocalen in derselben Stadt betreibt. Diese Entscheidung unseres obersten Gerichtshofs ist sehr wichtig, denn die Steuerbehörden haben daS Gesetz seither anders ausgelegt und es haben viele Gewerbtreibende, obgleich sie nur ein Gewerbe dennoch für jedes abgesonderte Local ein besonderes Patent gelöst und ihr Gewerbe doppelt und dreifach besteuert. Von nun an brauchen dieselben nur ein Patent zu losen und nur einmal Steuer für ihr Gewerbe zu bezahlen , . Ze"""' 30 Juni. Seit vorgestern stellten 500 Kohlenauslader im hiesigen Hasen ihre Arbeit ein. Hauptgrund des Ausstandes ist etgenthümlicherweise nicht die Ueberhaufung, sondern der Mangel an Arbeit. Die Leute arbeiten nämlich im Accord eAne ungenügende Anzahl Wagen stellt, so können sie ihre Arbeits- krZte nicht vollständig oerwerthen. Daher der Ausstand, der in diesem Falle ein praktischer Protest gegen Wagenmangel ist. v ZUriver stt Lis - gsrerriL. — D" außerordentliche Professor Lic. theol. Johann Meinhold zu Greifswald ist in gleicher Eigenschaft in die evangelisch-theologische Fakultät der Universität Bonn versetzt worden. 1 LaadwtrthschaftUch« Nachricht««. (Nachdruck verboten.) — (Bereitung eines guten Johannisbeerweines.) Allen Freunden eines guten Beerenobstweines kann die Fabrikation des Johannisoeerweines nach folgender Anweisung auf das Angelegentlichste empfohlen werden, da man mit Recht von demselben, behaupten kann, daß er die Perle aller Beerenweine ist. Wenn richtig bereitet, ist er ebenso gut als der beste sranzösische Rothwein, dessen Farbe er auch zeigt. Dabei besitzt er ein vorzügliches Aroma und Bouquet und in von untadelhafter Reinheit, so daß er Kranken und Reconvalescenten dewnderS dienlich ist und niemals Kopfschmerzen verursacht. Kein Wunder also, daß die Production dieses edlen Getränkes in den letzten Sauren en°rm zugenommen hat. Wer nur etmge Johanntsbeerbüsche in seinem Garten hat, sollte nicht unterlassen, sich jährlich ein Fäßchen selbst zu bereiten. Die Sache ist gar nicht so schwierig und der Preis stellt sich, wenn man die Arbeit und den Werth, der Beeren nicht rechnet, pro Flasche auf 10 bis 20 Pfg., für welchen überaus niedrigen Preis man sich den Genuß eines sehr gesunden und wohlschmeckenden Getränkes ver- schanen kann. Die Zubereitung geschieht auf folgende Art. Die bei trockenem Wetter gepflückten ^rauben werden abgebeert, dann in großen Schüsseln mit den Händen zerdrückt; hierauf wird die Masse in ein Haartuchsieb geschüttet, so daß der Saft ab- laufen kann. Die im Siebe zurückbleibenden Treuer werden bann in einem geeigneten Gesäß mit ein wenig Wasser übergossen und bleiben zum Auslaugen an einem kühlen Orte 24 Stunden stehen, woraus sie ebenfalls abgepreßt werden. Der so gewonnene Sa t mutz nun mit einem entsprechenden Wasser- und Zuckerzusatz tn einem reinen Weinsatzchen vergahren. Aus 1 Liter Saft nimmt man 2 Liter Wasser und je nach der Starke des zu erzielenden Weines 1—2 Pfund Hutzucker. Hat man fein Wein- fätzchen zur Verfügung, fo können auch Spiritus-, Rum- und Branntweinfässer Verwendung finden, müssen aber erst mehrmals mit kochender Sodalauge ausgebrüht und mit reinem Wasser nachgespült werden. Ist das Fätzchen ganz geruchlos und rein, so bringt man den Most hinein, legt das Faß in einem Raum, wo die Temperatur 14 bis 16° R. beträgt, bedeckt das Spundloch mit einem umgekehrten Weinglase und wartet nun ruhig den Beginn der Gährung ab, die gewöhnlich in einen Tagen eintritt. Ist dieselbe in vollem Gange, so w.rd das Spundloch mit einer Gähnohre verschlossen, die man sich leicht für ein paar Pfennige selbst Herstellen kann. Die Anwendung derselben ist nöthtg, weil sonst Essigbildung eintreten würde. Hat das Zischen und Brausen im Fasse aufgehört, was tm October oder November der Fall sein wird, so füllt man das Faß mit Wein, in Ermangelung mit Zuckerwasser ganz voll, spundet es fest zu und bringt es in den kühlen Keller. Damit es stets spundooll bleibe, mutz man häufig nachfüllen, besser ist die Anwendung der Füllflasche. Im März ist der Wein völlig klar geworden, die Hefe hat sich zu Boden gesenkt und es ist nun Zeit, ihn von dem Bodensatz abzuziehen, um ihn getrennt von der Hefe in einem eigenen Fäßchen, das ebenfalls immer spundvoll gehalten werden muß, der vollkommenen Ausbildung entgegen zu führen. DaS Abfüllen geschieht mittelst einer Hebevorrichtung, dasselbe mutz aber mit großer Behutsamkeit bewerkstelligt werden, damit die Hefe nicht aufgerührt wird. Den Bodensatz gießt man durch einen Filter oder ein Tuch, damit die Hefe zurückgehalten wird. Hat man fein zweites Fätzchen zur Verfügung, so kann das Gährsaß auch als Lagerfatz dienen. Dian läßt den Wein bann klar in einen Eimer, einen glafirten Topf, aber nie in ein Metallgesätz ab, reinigt das Fatz durch Ausspülen und bringt den Wein wieder baldmöglich hinein. Das Faß muß tm kühlen Keller lagern und stets spundooll gehalten werden. Nach 6—8 Wochen ist der Wein gut ausgebildet; er wird auf Flaschen gezogen, die fest verkorkt und verlackt im Keller stehend oder liegend aufbewahrt werden. Aus diese Weise behandelt erhält man einen vorzüglichen Johannisbeerwein, der einem guten Rothwein tn nichts nachsteht, nur daß der Unterschied tm Preise ein ganz bedeutender ist, eben aus diesem Grunde ist es auch zu wünschen, daß der Johannisbeerwein weit mehr confumtrt wird, als dies bisher der Fall ist, da er viel gesünder und besser verdaulich ist, wie die billigeren französischen Rothweine. Schiffs Nachrichten. Bremen, 2. Juli. (Per transaUantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Elbe, Capt. R. Sander, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 22. Juni von Bremen und am 23. Juni von Southampton abgegangen war, ist heute 6 Ubr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Temperatur in Gießen. Juni 1889. Niederste 4- 5,5 °B. Mittlere ...... 4- 16,12 „ Mittel früherer Jahre 4- 13,12 „ Höchste 4- 26,8 „ Im Juli 1865 erreichte das Thermometer . 4- 27,5 „ Niederschlag an 11 Tagen 0,81 Par. Zoll. „ im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen . 2,90 „ „ Im Jahre 1865 betrug der Niederschlag nur . . 0.54 „ „ Der wärmste Juni, so lange hier beobachtet wird. Die Roggenernte hat in den letzten 35 Jahren nicht so früh begonnen wie diesmal. Handel und Verkehr. Limburg, 3. Juli. (Fruchtmarkt). Rother Weizen Jü 15.75, weißer j Weizen 15 45, Korn JL 1100, Gerste 8.40, Hafer JL. 7.35, Erbsen JL 00.00; Kartoffeln JL 0.00. r'________ Seiden-Reste schwarz u. farbig für Schürzen, Besatz und Mäntel rc. in Coupons von V2—8 Met. Einsend, einer Seiden- ob. 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Mai stattgefundenen Verloosung zum Besten der Alice- Schule sind emtge Gewinne nicht abgeholt worden. Dieselben können noch nächsten Montag, Dienstag und Mittwoch in Empfang genommen werden; bis dahin nicht abgeholte Gewinne werden zum Besten der Alice-Schule anderweitig verwendet.5607 Regenschirm, schwarzseidener mit braunem Griff, Montag Abend aus der Damengarderobe in Stein's Garten irrthümlich mitgenommen. Gefl. bonf. abzugeben 5593 Kräftiger Hausbursche gesucht. Offerten unter H. W. 50 an die Exped. dieses Blattes.5599 Ein Wiesenhobel ist am Schwarzlachweg abhanden gekommen. Wer über den Verbleib desselben Ai's- kunft geben kann, erhält gute Belohnung von Oeconom Helfrich, Gießen 55'88 5589] Für eine einzelne Dame wird ein 3i linier mit Kabinet zu miethen gesucht. Zu erfragen bei der Exped- d- Bl- Zugelaufen ein kleiner Hund. Gegen Jnsertions- gebühren abzuholen bei 5592 Kuhl, Neustadt 57. 56 )4 Eine Flickerin für Weih- zeug gesuMt. Wo? sagt die Exped. d. Bl. Gefunden m hrere Ketten aus dem Wege von Gießen nach Lollar. Abzuholen gegen die Jnsertionsgebühren bei 5595 Fr. Jung, Klein-Linden. 5602 Ein stadtkundiger Hausbursche per sofort gesucht von C. G. Kleinhenn, Bahnhofstr 59. 5591] Zwei bis drei Gesellen, sowie e^nen Lehrling sucht Ang. Bey Schreinermftr., Klein-Linden. 5585 Ein junges Mädchen sucht Stelle in einem Spiel-, Kurz- oder Weißwaaren- G.schäit. Offerten unter M. E. in der Expedition dieses Blattes abzugeben. 560 ' Ein Mädchen vom Lande für Hausarbeit gesucht per 20. Juli. Näheres in der Exped d. Bl. 5500) Ein 14jähriges Bürschchen einer benachbarten Ortschaft findet in einem hi'sigen Geschäft dauernde Arbeit. Näheres durch die Exped. d. Bl. 3T Das Fahren von Karren mit Wäscke nach btt Schwall scheu Bleiche kann nur du ch dre Ostanlage geschehen. 5508 5515] Ein tüchtiges Mädchen für Haushalt gesucht. Frau Keßler, Neuenweg 33. 5573] Dienstmädchen gesucht. Frau Louise Förtsch, Wetzsteingasse. 5394 Ein unverheiratheter Kutscher mit guten Zeugnissen gesucht von Friedr. Textor, auf der Hardt. Jahrgang XXV. Jubiläums-Band. Die Nr. 39 enthält u. a : Daheim ff § Die weiße Dame von Blumeck. Forts. Roman von 21. von Freydorf. — Herr Omnia Eine Geschichte aus dem Riesen- gebirge Von Heinrich Seidel. — Gut getroffen. Nach dem Bilde von Oskar Gräf. — In Spanien. VU. Reise- briefe von Wilhelm Thiele— Das Seewesen auf der „Deutschen allgemeinen Ausstellung für Unlallverhütung zu Berlin " Von Hans Bodrdt. Mit zehn Illustrationen. — Altägyptisches Kunstgewerbe. — AmFamilientisch: Freundes- näue. Gedicht von Auguste von Reichenau. — Friedrich der Große und Pastor Gründel- — In unserer Spielecke. 1. Blatt: Aus der Zeit — für die Zeit. ' 2. und 3. Blatt: Frauen-Dahetm. Probenummern gratis durch alle Buchhandlungen oder von der Daheim-Expedition in Leipzig. 5591] Möblirtes Zimmer in der Nähe der Klinik Ende Juli gesucht. Off sub A D. an die Exped d- Bl. Rur noch 2 Tage sind Wormser Loose ä Mk. 2 — hier zu haben bei: Julius Wallache C. Nuckelshausen, Schloßgaffe 5, Carl Lehr- _____mund Wwe. Gust. Gerhard, Friseur, Carl Petri. 5486 Gesehäfts-Verlegung. Meinen werthen Kunden hiermit zur aefl. Nachricht, daß fich mein GeschäftSlokal von jetzt ab Neustadt 33 — gegenüber dem seitherigen — befindet. Achtungsvoll 5409 JFr. Wetcke»'« V ersuchen Sie gefälligst die vorzüglichen [118 •Iseva-Kafffee’s der Dampf-Kaffee-Brennerei M. Schuster, Bonn, Höchste Auszeichnung Cöln 1889: Goldene Medaille. Verkaufest.: Heb. Wallach, Giessen, Markt 8. Die Giessener und Marburger Burschenschafter veranstalten am 6. Juli 1889 einen 3MT Burschenschafter - Commers "MU Giessen (Steines Garten) zur Feier der Gründung der deutschen Burschenschaft, wozu das unterzeichnete Comite ergebenst die alten und jungen Burschenschafter einladet. Beginn des Fest-Commerses 8 V2 Uhr. Das Comite: Gymnasiallehrer Dr. Welffenbach (Alemannia-Giessen). Landrichter Dr. Liukenlield (Germania-Giessen). Professor Dr. Fischer (Alemannia-Heidelberg, Alemannia-Halle). Dr. Paulus. Gymnasialoberlehrer (Arminia-Marburg). Beckmann, cand. med. (Alemannia-Marburg). Derfarth. cand. med. (Arminia-Marburg). Glässing II., cand. cam. (Alemannia-Giessen). Glässing I.« stud. jur. (Germania-Giessen). 5577 Um stille Theilnahme bitten 5578 Giessen, den 3. Juli 1889. Gießen, den 4. Juli 1889; 5600 4 Juli LourSLMG m $mtnei Börse vow Die tieftrauernde Iamitie Kuppet. Tendenz: schwach. 161.25 97 80 136 60 163.00 TelegraHhisÄer Oefterr. Ereditactien 20.35 -20.40. 4.16 -4J20, Mimner-Turn-Derem Gießen. 21 bfafert zum Gauturnfest «ach Wetzlar Sonntag den 7. ds. Mts, Vormittags 813 Uhr. seos DiSconto-Com.-AlüheUe Lombarden Ostpreußen Bochumer Gußstahlactien Die tiefbetrübten Eltern H. Boller und Frau, geb. Noll. 1889. 227.75 51.60 100 25 20540 Oesterr. StaatSbahn-Actien Laura-Actien Darmstädter Bankactien Abmarsch nach Watzenborn mit ml Zusammenkunft bei Kamerad Häuser (Schiffenberger Thal). 5576 Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme bei dem Tode und der Beerdigung unseres lieben Sohnes, Bruders und Enkels Heinrich, sowie für die zahlreichen Blumenspenden und die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Schlosser sagt ihren tiefgefühltesten Dank Disconto-Commandit-Anth. Darmstädter Bank-Act. Oesterreich. Credi 20 Francs-Stück'' 10 do. Todes-Anzeige. Freunden und Bekannten machen wir hierdurch die traurige Mittheilung, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, unser innigst geliebtes Söhnchen Hermann heute Nachmittag P/4 Uhr nach nur 3 tägigem schweren Leiden im Alter von IV2 Jahren in ein besseres Jenseits zu sich zu rufen. Coursbericht von E. Wasserschieben, Bankgeschäft. Frankfurter Börse vom 4. Juli 1889. Schlußcourse 1 Uhr 15 Mtn. 16.30 I Enal. Souvereigns 16 22-16.26 | Dollar« in Gold Tendenz: besser. Wiener Hof. Sonntag d«n 7. Juli, von Nachmittags 4 Uhr ab: Sommerfest des Giessener Zitherciubs (Wohlthätigkeitsverein) verbunden mit großem Coueert, Schaubuden und Spiele verschiedener Art. Aufsteigen de- Teufels und seiner Großmutter in Lebensgröße. Abends Illumination de- ganzen SartenS. Zum Schluffe: Große- brillante- Feuerwerk. Entree ä Person 30 Pfg. — Mitglieder frei gegen Dorzeigen der Karten. Dre Einnahme ist nur für Kleidung armer hiesiger Kmder auf Weihnachten bestimmt. Der Vorstand« NB. Bei ungünstiger Witterung findet das Fest 8 Tage später statt.5516 4 pCt. Reichsanleihe 3V2 vCt. do. 4 pCt. Preuß. Consols 31/2 pCt. do. 4 pCt. Ungar. Goldrente 4Vs pCt. Oesterreich. Silberrente 107.90 5 pCt. Italiener Rente ult. 96.00 104.25 4 pCt. Griechen 80.00 106.60 4 pCt. 1880er do- 90.80 105.55 Russische 11. Orientanleihe 63.90 86.20 4 pCt. unif. Eayoter 91.50 72.30 6 pCt cons. Mexikaner, große Stücke 94.50 228.70 Oesterreich. Staatsbahn-Actien 205.00 163.60 Lombard. Eisenbahn- „ 102.50 258.12 Galizische do. „ 17400 Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.