Nr. 231. Freitag den 4. October 1889. Amts- und Anzeigebiatt für den Kreis Gießen Durearrr Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Vf. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf' Gießen, 1. October 1889. Setreffenb: Die Ausnahme der taubstummen Kinder in die Taubstummen-Anstal'en der Landes. Erzeugt Wieviel Geschwister Unterrichtet am Leben gestorben Q N s 5 S N Ä 2. a 11. 13. 14. 17. 18- Bei der Geburt war alt taub geworden Umfang der Taubheit a s -n 3 N 10. Namen der Taubstummen Namen der Eltern und ihre Beschäftigung. Veranlassung der Taubheit. 15. ä; 051 O e» ^3 a Politische Rundschau Gießen, 3. October. Der Reichstag ist laut kaiserlicher Cabinetsordre, wie schon erwartet wurde, anf den 22. Oktober einbernfen worden und es trennt uns somit nur noch ein Zwischenraum von wenig mehr als zwei Wochen von dem Wiederbeginne der parla- mentarischen Thätigkett im Reiche. Der Fortgang, den die nöthtgen Vorarbeiten in den verschiedenen Reichsämtern wie auch im Bundesrathe nehmen, berechtigt zu der Hoffnung, daß der Reichstag bei seinem Zusammentritte schon genügend Arbettsmaterial vorflnden wird; speciell durste die Vorberathung des Etats pro 1890/91 im Bundesrathe bis zu dem genannten Termine vollständtgt beendigt sein. Hoffentlich wird man nun auch einer baldigen Bekanntgabe des gesummten Arbettsprogrammes für die heran- nahende Reichstagssesston von zuständiger Seite entgegensetzen dürfen, denn obwohl über die hervorragendsten Aufgaben derselben kein Zweifel mehr besteht, empfiehlt sich doch auch b^uglich der andern etwa zu gewärtigenden gesetzgeberischen Arbeiten baldige rÄ %C,rn Iet,tcr 3eös-n Blättern bis jetzt noch nicht bestätigt worden und scheinen fie auch einer thatsächlichen Unterlage zu entbehren. . „ . Ostafrika übermittelt der Telegraph eine wichtige Nachricht. Durch D-cr-t des deut chen und des englischen Admirals sowie des Bcschlshabers des italienischen * "Staffetta- ist die am 29. Aovemb.r 1888 erklärte Blokade an der ostllfrikan,.chen Küste aufgehoben worden. Ein weiteres Dccret des deutschen Ge- Ichwaderchess, Admiral Deinhardt, bestimmt, daß jede Einfuhr von Waffen und Kricgs- material an der unter Verwaltung stehenden Küste Ost-frikas verboten ist. - Die Sn’ b5,®?Lab?, “n d-r oftafrikanischen Küste nach beinahe einjähriger Dauer bekundet, bah die b-theiligt gewesenen europäischen Mächte den Hauptzweck der Matzr-ael d e Sclavenaus,uhr sowie den Handel mit Waffen und Kriegsmaterial an den bislang blokirt gewesenen TheUen der ostafrikanischen Küste zu verhindern, als im Großen und Ganzen erreicht betrachten. Deutscherseits werden indessen von dem Geschwader d-8 ?bm1.ro!L3)e^6arilt baS Panzerschiff „Carola" und der Aviso „Pfeil" zum Schudder deutschen Inter elfen an der Zanzibarküste zurückbleiben. V * * 5 „ . 3" Holland wird das öffentliche Interesse noch immer zumeist durch den Ausstand der Rotterdamer Ouaiarbeiter in Anspruch genommen. Die Strtkenden ro”a™ D®n,l^ren Sorberungen in keinem Punkt- abweichen und di-Schiffseigenthümcr als die Arbeitgeber, weigern sich, nachzugeben, also fast genau dasselbe Bild, welches der Strtke der Londoner Dockarbeiter wochenlang darbot. Zwar wurden in einer am Montag Abend ftatlgehabten Versammlung der strtkenden Quaiarbeiter Delegirte gewählt um mit dem Comilö der Schiffseigenthümer zu unterhandeln, doch haben diese Unterhandlungen vorerst noch zu keiner Einigung geführt. Die Strtkenden beschlossen den Bedürftigen unter ihnen unentgeltlich Lebensmittel zukommen zu lassen. Frankreich besindet sich anläßlich der am kommenden Sonntag, den 6 Dctofier’ zu vollziehenden 1«0 Stich zahlen zur Deputirtenkammer in nochmaliger Wahl- aufregung. Für die Republ aner handelt es sich bei den engeren Wahlen darum ihren am 22. September errungene, Sieg zu vervollständigen, während die antirepublikantschen steten natürlich bestrebt sind, für sich bei den Wahlen des 6. October noch möglichst D berauszuschlagen, indessen stehen die Aussichten für die Republikaner erheblich günstiger als für ihre Gegner. Auch haben ja Präsident Carnot und Ministerpräsident Tirard in ihren gelegentlich der Pretsverthetlung im Weltausstellungspalgste - H-uscollecte zum Besten der genannten Anstalt innet^a™be»«Xi t&umF u&Beranfta(kn unh h Dccember L I. eine Einsammeln von Gaben für dieselbe in der Sicht Gießen im Monat October gestattet haben b 6 6 Vertreter der fraglichen Colonie das Gießen, am 2. October 1889. Großherzoglich-s Kreisamt Gießen. ______________________________________________v. Gagern. ergebenst eLgelch?°^' l°ndwirthschaftlichen Bezirksvereins und alle sonstige Freunde der Landwirthschaft werden zu dieser Versammlung hierdurch Die Herren Bürgermeister werden ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung Kenntsüß zu geben Tagesordnung: p ö ö 1) Vorlage der Rechnung pro 1888/89. 2) Festsetzung des Voranschlags pro 1889/90. 3) Bezug von Saatsrucht (Hafer) oder Saatkartoffeln aus ftemden Gegenden. 5) Wahl^des^Ausschusses.''' °°" Friedberg über Obstbau und Gründung einer Obstbauvereinr. Gießen, den 3. October 1889. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. — Jost, Regierungsrath. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Ortsfchulvorstände Des Kreises. Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 7. September 1857 sehen wir Ihren Berichten darüber entaeoen i„ Ä S.Ä -»ÄS; ‘3S Ä’ÄÄ'ÄÄ'Ä MS*b“ b» — _____ v. Gagern. ' " 8 16. S • Q? Z I Bs 12. - £ 3. 8. 5. 9. gehaltenen Reden nochmals die Republik gehörig herausgestrichen, welche Kundgebungen von der Versammlung auch mit lebhaftem Beifalle ausgenommen worden sind. Sofort nach der Rückkehr der Königin Natalie nach Belgrad ist zwischen ihr und der zu König Milan haltenden Regentschaft der offene Kampf ausgebrochen. Am Montag sollte die Königin die erste Begegnung mit ihrem Sohne, dem jugendlichen Könige Alexander, haben, aber es ist aus dem Plan vorläufig noch nichts geworden, weil, wie eine officiöse Belgrader Meldung besagt, die zwischen der Königin-Mutter und der Regentschaft bestehenden Differenzen noch nicht beglichen sind. Uebrigens soll Natalie bet ihrer Durchreise in Bukarest erklärt haben, sie werde in Belgrad bleiben, was sich freilich schon vorher denken ließ. Was die otelverbreiteten Gerüchte anbelangt, daß Milan nochmals persönlich in die Belgrader Dinge etngreifen wolle, so werben sie durch die erfolgte Abreise des serbischen Ex-Monarchen von Karlsbad nach der Schweiz schlagend widerlegt. In Rescht in Persien ist nach einer Meldung des „Grashdanin" die Cholera aufgetreten. Russtscherseits wurden nach der persischen Grenze hin die nölhigen Vorbeugungsmaßregeln getroffen. Telegraphische Depeschen. Wolffs telegr. Korrespondenz-Bureau. Berlin, 2. October. Auf Befehl des Kaisers fand heute Vormittag zu Ehren der Gesandtschaft aus Zanzibar ein Gefechtsexercteren von 2 Jnfanterieregtmentern, 2 Schwadronen, 2 Batterien und einer Traincolonne auf dem Tempelhofer Felde gegen einen marktrten Feind statt. Die beiden Gesandten stellten sich in einem offenen Vierspänner zwischen beiden Gefechtslinien auf; die Uebung machte großen Eindruck auf dieselben. Rach dem Parademarsche, welchen Eavallerte im Trabe beschloß, sind die Gesandten in die Stadt zurückgekehrt. In ihrem Hotel wurden die beiden Gesandten auf Wunsch des Kaisers von Professor Anton von Werner sctzzirt. Nachmittags 3 Uhr fand die Abschiedsaudienz im Auswärtigen Amte statt. Die Gesandten reisen morgen von hier ab und besuchen die Höfe von Weimar, Dresden, Wien, München, Karlsruhe, überbringen dem Reichskanzler Geschenke nach Friedrichsruhe und schiffen sich in Hamburg nach London ein. Berlin, 2. October. Die „Berl. Pol. Nachr." melden: Die am 22. d. Mts. zu eröffnende Reichstagssession wird sich außer mit dem Etat, einschließlich der Vorlagen, welche gleichfalls Aufwendungen für Reichszwecke erheischen, vornehmlich mit der Bankfrage und dem Socialiftengesetz befassen Vor Allem muß eine Abänderung des Reichsmtlitärgesetzes vom 2. Mat 1874, wonach die Frtedenszadl der Armeecorps auf 18 festgesetzt wurde, getroffen werden; wenn zwei neue Armeecorps zu errichlen sind, bedarf es einer Novelle. Bezüglich der Ftnanzfragen genauere Angaben zu machen, wäre wohl verfrüht, doch können wir heute bemerken, daß eine durch Mehrüberweisungen nicht gedeckte Vermehrung der Matrtkularumlagen nicht zu vermeiden sein wird. Die grundsätzliche Abänderung des gegenwärtigen Banksystems, besonders die Organisation der Reichsbank, ist nicht beabsichtigt, dagegen wohl eine Einzeländerung im Interesse der Reichsfinanzen. Die Socialtstenvorlage ist nicht wieder auf ein kurzfristiges Pro- vissrtum berechnet, sondern vielmehr auf eine dauernde definitive Regelung, die den Charakter eines Spectalgesetzes gegen die Bestrebungen der Soctaldemokratie hat; wenn die allgemeine Beschränkung der bürgerlichen Freiheit vermieden werden soll, ist es selbstverständlich, daß ein solcher Gesetzvorschlag das Mittel zur wirksamen Abwehr jener Bestrebungen bieten muß. Der Schluß der Zession ist vor Weihnachten oder im Laufe des Monats Januar in Aussicht genommen, um die allgemeinen Wahlen so zeitig vorzunehmen, daß dringenden Falles eine Flühjahrssession statlfinden kann. — Die bisherigen Berathungen der Reichscommtssion zur Errichtung eines Kaiser-Wtlhelm-Denkmals trugen den Charakter von Vorbesprechungen; die eigentlichen Verhandlungen werden in den nächsten Tagen beginnen. Man hofft, die Commission werde die Arbeiten so fördern, daß das Resultat dem Kaiser noch vor seiner Abreise nach Athen vorgelegt werden könne. Berlin, 2. October. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht im nichtamtlichen Theile Folgendes: „Se. Majestät der Kaiser und König hat von dem Inhalte der „Kreuzzeitung" vom 26. o. Mts. Kenntntß genommen und die darin ausgesprochenen politischen Auffassungen und Angriffe auf andere Fractionen lebhaft gemttzbtlligt. Se. Majestät gestatten keiner Partei, sich das Ansehen zu geben, als besäße dieselbe das kaiserliche Ohr. Der Kaiser sieht aber in der Verständigung und gegenseitigen Schonung der staatserhaltendcn Parteien untereinander eine für unser parlamentarisches Leben sachlich nützliche Einrichtung und hat die Allerhöchste Mißbilligung der dagegen von der „Kreuzzettung" gerichteten Angriffe und Desinuattonen unzweideutig ausgesprochen. Se. Majestät sieht in dem Carlell eine den Grundsätzen Seiner Regierung entsprechende politische Gestaltung und vermag die Mittel, mit denen die „Kreuzzettung" dasselbe angreift, mit der Achtung vor der Allerhöchsten Person und vor unseren verfassungsmäßigen Institutionen nicht in Einklang zu bringen." Schwerin, 2. October. Se. Majestät der Kaiser hat sich heute Morgen 71/« Uhr mit dem Großherzoge und den anderen hier anwesenden Fürstlichkeiten zur Jagd nach Friedrichsmoor begeben. Das Wetter hat sich aufgeklärt. Schwerin, 2. October. Ihre Majestät die Kaiserin besuchte heute Vormittag die Domkirche iuä weilte längere Zett tn der Heiltgenbluts-Kapelle am Sarge des Großherzogs FrtWlch Franz II. Auf dem Rückwege nach dem Schlosse stattete Ihre Majestät der Großherzogin Alexandrine einen Besuch ab. Späterhin begaben sich die Kaiserin, die Großherzogin Marie und die Herzogin Johann Albrecht zu Wagen nach der Lewttz, dem Schauplatz der heutigen Jagd. Die Rückkehr erfolgte am Nachmittag. Se. Majestät der Kaiser und der Großherzog übernachten heute in Friedrichsmoor. Stuttgart, 2. October. Wie der „Staatsanzetger für Württemberg" meldet, hat der Staatsanwalt über das Verhallen der Bediensteten bet dem gestrigen Eisenbahnunglück Erhebungen eingeleitet, die indessen noch nicht abgeschlossen sind. Bald nach dem Unglück begaben sich die Minister Dr. v. Renner und o. Schmidt, der Prtnz Hermann von Sachsen-Weimar und der General v. Alvensleben an Ort und Stelle. Der Ministerpräsident v. Mittnacht und der Chef der Generaldtrectton waren wegen Eröffnung der Linie Leutktrch-Memmingen abwesend. Die Verwundeten wurden in hiesigen Spitälern untergebracht. Prinz Wilhelm traf Nachmittags 3 Uhr von Ludwigsburg hier ein und begab sich sofort nach der Etsenbahndirection. Der König sandte seinen Cabinetschef Dr. v. Griesinger und ordnete die etwa nothwendige Unterstützung der bedürftigen Verunglückten an. Die Königin sandle den Oberhofmetster v. Reischach, welcher am Bahnhofe der Ausladung der Verunglückten anwobnte. Eisenach, 2. October. Die Grundsteinlegung des Lulher-Denkmals verlief in großartiger Weise. Der Erbgroßherzog, sowie eine zahllose Festoersammlung wohnten derselben bei. Eisenach, 2. October. Heute Vormittag fand in der Georgskirche die Sitzung der Generalversammlung des Evangelischen Bundes statt. Der Erbgroßherzog nahm an derselben Theil und wurde beim Eintritt vom Gesammtvorstande empfangen und begrüßt. Vor dem Eintritt in die Tagesordnung beschloß die Versammlung die Absendung folgenden Telegramms an Se. Majestät den Kaiser: „Ew. Kaiserlichen und Königlichen Majestät huldigt die dritte Generalversammlung des evangelischen Bundes ehrfurchtsvoll und allerunterthänigft in unwandelbarer Treue. Sie erfleht Gottes reichsten Segen über Ew. Majestät und das ganze Kaiserliche Haus. Sie bittet, Ew. Majestät wollen geruhen, von den Arbeiten des Bundes, seinen Sorgen, Kämpfen und Hoffnungen Allergnädigst Kenntntß zu nehmen. Sie lebt der zuversichtlichen Hoffnung, daß es unter Ew- Majestät weiser Regierung dem evangelischen Bunde gegeben sein werde, die evangelische Kirche festigen uno fördern zu helfen, zum Segen von Volk und Vaterland, und zum Aufbau des Gottesreiches, in welchem alle wahren Bekenner Jesu Christi geeinigt werden- Der Vorstand des evangelischen Bundes Graf von Witzingerode." Hirschberg, 2. October. Die Gebirgsflüsse beginnen bei anhaltendem Regen auszutreten; der Zacken überschwemmt bereits theilweise die Sandoorstadt. Wien, 2. October. Hier vorliegende Berichte aus Canea bezeichnen die fortgesetzten Klagen der griechischen Presse über türkische Grausamkeiten als gänzlich ungerechtfertigt. Wien, 2. October. Der „Polit. Corr." wird aus Belgrad gemeldet, daß der Ministerrath den Ministerpräsidenten Gruic beauftragt habe, die Verhandlungen mit der Königin Natalie zu leiten; zwei Conferenzen blieben erfolglos. Auch der Metropolit Michael sei bemüht, einen Vergleich herbeizusühren. , . 2. October. Zu Ehren des Ministerpräsidenten Tisza fand heute hrerselbst ein glanzendes Festmahl statt. Nach einem von dem Obergespan auf den Kaffer und die Kaiserliche Familie ausgebrachten, mit Begeisterung aufgenommenen Toast wurde Tisza ein Trinkspruch dargebracht. In Beantwortung desselben erklärte der Ministerpräsident, der Friede sei nach menschlicher Voraussicht gesichert. Indem er weiterhin die gegen seine Person gerichteten Angriffe zurückwies, toasttrte Tisza di-j-nlgen, welche bte mrsaffungsmäblgen Rechte des Landes gegenüber Jedermann ?^^rtheidigen entschlossen und bereit seien, die Freiheit auch gegen diejenigen zu chützen, bte bte Waffen ber Freiheit mißbrauchen, unb auf biejenigen, bie gewillt eten, bte Ruhe unb Eintracht zwischen ben oerschiebenen Klassen allen Angriffen gegenüber zu bewahren. Die Rebe Ttsza's würbe mit großem, lang anhaltenbem Betfall ausgenommen. 1 Großwardein, 2. October. Der Ministerpräsibent Tisza ist heute Vormittag hier eingetroffen. Das zahlreich auf dem Bahnhofe anwesenbe Publikum bereitete ihm einen glänzenben Empfang. Kopenhagen, 2. October. Heute faub eine große Hofjagb statt, an welcher ber Prinz von Wales theilnahm. Der Zar und die Großfürsten beschlossen im letzten Augenblicke, sich an derselben nicht zu betheiltgen. Madrid, 2. October. Auf der Station der Nordbahn Aravalo fand ein £r?n.Y”rn'10B zwischen dem von Jrun kommenden Expreßzuge und dem Postzuge von Madrid statt; es soll mehrere Verwundete gegeben haben. Konstantinopel, 2. October. Die soeben ins Leben getretene officiöse „Agence Constanttnople" bezeichnet die Nachricht der „Times", der Sultan habe eine Jrade betreffend bte Rebuction ber türkischen Armee erlassen, für erfunden; wahr sei nur, daß Ersparnisse aui militärischem Gebiete erwogen würden, ohne daß bis jetzt eine Entscheidung getroffen sei. Newyork, 2. October. Bet den gestrigen Wahlen in den vier neu aufgenommenen Untonsstaaten siegten in Nord-Dakota, Süd-Dakota und Washington die Republikaner. Dieselben wählten ihre Candtdaten für die Staatsämter, den Congreß in Washington und die Staatslegislatur. Hierdurch werden für jeden dieser drei Staaten je zwei republikanische Sitze im Senat zu Washington gesichert. Im Staate Montana siegten die Demokraten. Die Vorschläge betreffend das Verbot des Verkaufs geistiger Getränke und Einfüdrung des Frauenstimmrechts wurden in allen vier Staaten verworfen. Lokales. * Gießen, 3. October. Die Anwaltskammer für den Oberlandes- gerichtsbezirk Darmstadt tritt zur ordentlichen Versammlung für 1889 am 5. October hier zusammen unb lädt hierzu die Mitglieder behufs Berathung unb Beschlußfassung über bie unten bezeichneten Gegenstände ergebenst ein. Auf ber Tages- orbnung stehen: 1) Erstattung beS Jahresberichts bes Vorstanbes über seine Tätigkeit. 2) Die Prüfung unb Abnahme der seitens bes Vorstanbes zu legenden Rechnung. 3) Die Bewilligung der Mittel zur Bestreitung des für die gemeinschaftlichen Angelegenheiten erforderlichen Aufwandes unb bie Bestimmung bes Beitrags der Mitglieder auf Grund eines Voranschlags. 4) Die Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern an Stelle ber geschästsorbnungsmäßig austretenden Mitglieber Dr. Dtery, Dr. Gutfleisch, Dr. Leoita, Metz I. unb Petri. 5) Die Wahl von zwei Nachrechnern unb deren Stellvertretern zur Prüfung ber Jahresrechmmg. 6) Bewilligung eines Beitrags zur Hilfskasse für beutsche Rechtsanwälte. — Nach Schluß ber Verhandlungen wird in Steins Garten ein gemeinschaftliches Mittagsmahl stattfinden. — Zu Nutz unb Frommen ber Freunde von Goldfischen theilen wir Nachstehendes über die zweckmäßigste Behandlung dieser Thtere während ber kalten Jahreszeit mit: Die Goldfische haben, namentlich im Winter, viel unter unzweckmäßiger Behandlung zu leiden, denn nur wenig ist es bekannt, daß sie in den Monaten November, December, Januar, Februar gar keines Futters bedürfen. In diesen vier Monaten kann also die Fütterung ganz eingestellt werden, da durch die Futteraufnahme leicht eine für die Fische tödtliche Verstopfung herbeigeführt werden kann. Dagegen ist den Goldfischen auch im Winter alle zwei Tage frisches Wasser zu geben, wobei darauf zu achten ist, baß bas reine Wasser möglichst dieselbe Temperatur hat, wie das alte, jenes ist zu dem Zwecke längere Zeit vorher in dem Zimmer aufzustellen, in welchem sich der Goldfischbehälter befindet, damit es durch die Zimmerwärme die richtige Temperatur enthält. Es sei noch bemerkt, daß in den Monaten März, April unb Mat, also ben auf bie Fastenperiobe folgenden, nur sehr wenig und erst allmälig mehr unb mehr Futter gereicht werben darf, weil sich der Verdauungsapparat des Fisches erst wieder an die Futterausnahme gewöhnen muß. Vermischtes. * Friedberg, 2. October. Die Aufregung, bie sich unserer Gemeinbe-Ange- horigen angesichts ber Gemeinberathswadl bemächtigte, ist hoffentlich mit ber gestrigen Wahl beschwichtigt. Von ben 790 Wahlberechtigten machten trotzbem nur ca. 50% von ihrem Wahlrechte Gebrauch, unb bicse wählten so zersplittert, daß die Wahlcommission bis Nachts Vgll Uhr mit ber Auszählung ber Stimmen zu thun hatte. Es würben gewählt: C. Trapp mit 471, E. Engel mit 394, I. Koob mit 289, C. Damm mit 274, E. Hirsch mit 271, E. Windecker mit 250 und L. Waas mit 244 Stimmen. Von den sonst aufgestellten Candtdaten hatten die meisten Stimmen: H. E. Haustein 234, A. Windeckec 166, A. Valentin 139, Ed. Preußer 105, W. Kreu- ter 99, H. Rausch 57; die übrigen zersplitterten sich auf 40 Namen. 2 Zettel waren ungültig, weil sie mehr Namen enthielten, als Stadträthe zu wählen waren. — Mit welchen Mitteln übrigens für bte Wahl der verschiedenen Candtdaten gewirkt wurde, zeigt folgender, wohl kaum ernstlich zu meinender, im „O. A." veröffentlichter Wahlaufruf: „Freunde! Auch wir wollen sorgfältige Wahrung unserer Interessen. Der Laib Brod darf künftig blos 30 Pfg. unb bas Pfund prima Ochsenfleisch blos 50 Pfg. kosten. Leber wurst gilt als Zugabe. Halten wir stanbhaft zusammen und wählen wir in ben Gemeinberath bie Herren rc." Darmstabt, 2. October. Die Frau bes in ber Hochstraße wohnenben Schneiders Sch. machte gestern Nachmittag ihrem Leben durch Ertränken im Woog ein Ende. Wie man hört, hatte bte Frau, welche auch als Trägerin eines hiesigen Blattes beschäftigt war, ihr Päckchen Zeitungen einem bei ihr befinbltchen Knaben mit ber Weisung übergeben, einstweilen fortzugehen, sie werbe nachkommen. Sie eilte aber darauf an ben Woog, wo sie ihr Halstuch an ben Uferranb legte und bann in ber Nähe bes Frauenbabes ins Wasser sprang. Das Wasser ist bort am Ufer gar nicht tief, boch scheint die Unglückliche halb in tieferes Wasser getrieben zu sein. Zwei Mäbchen, welche balb nachher bie Stelle passirten, sahen bie Frau noch an ber Oberfläche. Auf die Hülferuse ber Mäbchen eilte Herr @unber herbei, bei bie Frau noch mit dem langen Rettungshaken erfassen unb in bte Nähe bes Users bringen konnte, wo er ihr ben Kopf tn die Höhe hob, bis es gelang, sie ganz aufs Trockene zu bringen. Die beiben rasch berbetgeholten Aerzte Dr. Gerlach unb Dr. Plagge konnten nur ben Tob conftatiren. Die Leiche würbe noch am Nachmittag in bie Leichenhalle bes Friebhofs gebracht. Weber das eigentliche Motto der traurigen That der Frau ist Bestimmtes nicht bekannt. N. H. V. A Aus Rhein Hessen, 2. October. Als CuriosuM verdient erwähnt zu werden, daß bei der gestrigen Gemetnderathswahl in Freiweinheim ber Höchstbesteuerte ber Gemeinde unb erste Adjunct von ber Wahl ausgeschlossen werben mußte, weil er nicht in der Wahlliste eingetragen war. Frankfurt a. M., 2. October. Heute früh zwischen 5 und 6 Uhr hat ein Etsenbahnsecretär in Sachsenhausen seine Frau im Bette mit einem Hammer erschlagen. Der Thäter ist verhaftet. Man oermuthet, daß ber Mann irrsinnig und bte Thal tn einem Wuthanfall ausgeführt hat. Eltville, 1. October. sHohe Obstpreise.j Die Gutsoerwaltung der Villa „Sicambria" hier verkaufte 200 Stück Aepfel edler Spalierobstsorten zu dem selten hohen Preise von 100 JL (jeder Apfel 50 H) an einen Herrn in Chemnitz. Voriges Jahr bezog derselbe Herr von der Villa „Sicambria" die Aepfel zum Preise von 30 H das Stück. — Berlin, 1. October. Welchen großen Einfluß die Eanalisation auf die Verwaltung des hiesigen Straßenreintgungswesens ausüdt, ist daraus schon ersichtlich, daß von den früher vorhanden gewesenen 435,000 laufende Meter laufenden Rinnsteinen etwa 290,000 laufende Meter regelmäßig gereinigt und gespült werden mußten; heute ist von diesen Rinnsteinen ein kaum noch nennenswerther Rest übrig geblieben. Der Wasserverbrauch zum Spülen betrug 1883/84 noch 512,397 cbm, 1888/89 dagegen nur noch 133,272 cbm. Die Kosten der Reinigung der Rinnsteine waren ehemals auf mindestens 500,000 JL jährlich zu veranschlagen. Die jetzt auf ein Minimum verringerte Arbeit der Rtnnsteinrctnlgung wird indessen durch die Reinigung der zahllosen Eanalisattonspullts vollkommen ausgewogen. — lieber das Eisenbahnunglück bei Vaihingen wird der „Franks. Ztg." aus Stuttgart geschrieben: Eine bittere Ironie des Schicksals wollte es, daß gerade am Tage, an welchem der Verkehrsmintster und die Vorstände der k. General-Direction der Staatsetsendahnen an dem frohen Felle der Eröffnung einer neuen Bahnlinie an der bayerischen Grenze thetlnahmen, in nächster Nähe der Landeshauptstadt ein so folgenschweres Eisenbahnunglück sich ereignete, wie es Württemberg seit vielen Jahren nicht gesehen. Ohne der amtlichen Untersuchung vorgreifen zu wollen, darf doch bereits gesagt werden, daß eine arge Nachlässigkeit, ein grober Verstoß gegen eine Hauptoorschrtfl des Etsenbahndienstes vorltegt. Zu einer Zett, zu welcher fahrplanmäßig der Personenzug 222 die Strecke Vaihingen — Haltestelle Wildpark — Hasenberg zu befahren hatte, ließ man auf eben dieser etngeletsigen (!) Strecke von Station Hasenberg aus eine Maschine abgehen, ohne hiervon den Stattonsmeistcr in Vaihingen zu unterrichten. Wen die größere Schuld trifft, den Stattonsmetster in Hasenberg, der die Maschine ohne Anzeige in Vaihingen abgehen ließ, ober den Zugführer des Zuges 223a, der die Maschine requirtrt haben und bei seiner Ankunft in Vaihingen hiervon ebenfalls keine Anzeige erstattet haben soll, wird die gerichtliche Untersuchung ergeben. Als der Abgang des Personenzuges von Vaihingen auf Station Hasenberg angemeldet war, da wurde dem dortigen Sta- tionsmeister die gefährliche Situation klar und er ließ Alarmsignale geben, aber dieselben kamen zu spät. Die Stätte des Unglücks bot einen unbeschreiblich trostlosen Anblick und das Stöhnen und Wimmern der Verwundeten, die unter dem Trümmerhaufen begraben lagen und großenteils nur mühsam herausgeschafft werden konnten, machte einen erschütternden, herzzerreißenden Eindruck, lieber den Zusammenstoß gibt ein Mit- \ reisender des Personenzuges folgende Schilderung: Der Zug fuhr auf einer scharfen (S-uroe in schnellstem Lauf auf eine entgegenkommende Locomotive. Hinter dem Stcher- heitswagen kam zuerst ein Wagen 3. Elaste, derselbe ist vollständig zertrümmert; dann folgte ein Wagen 2. Elaste, dieser schob sich in den nächstfolgenden Wagen 3. Elaste, in dem ich saß. Der vierte Wagen, gleichfalls 3. Elaste, schob sich ebenfalls in meinen Wagen herein. Wie ich mit meinen leichten Verwundungen davongekommen bin, ist mir völlig unklar. Krachende Holzsplitter flogen mir dicht am Kopf vorbei und eine eiferne Stange ging mir durch Ueberzieher, Rock und Hose hart an der Hüfte vorbei. Im Wagen 2. Elaste saß ein Major mit einer Dame; der Major hat eine Stirnwunde bekommen und scheint schwer verletzt. In dem hintersten Wagen des Zuges saß eine große Anzahl Rekruten, welche heute in den Dienst gestellt werden sollten, dieselben blieben sämmtlich unverletzt, da die hintersten Wagen stehen blieben. Bemerkt sei noch, daß nicht eine Frau Pongratz, sondern ein junger Mann, bei dem sich eine auf den Namen Pongratz lautende Visitenkarte befand, gelobtet wurde. I Literarische». s 2?ustrirt« Zeitung. Wöchentliche Nachrichten über alle Zustände, Ereignisse nrf>.a^!,dnl Äenc^e u™tr3'a0c8octoid,te- öfttntttches und gesellschaft- I ches Leden, Wissenschast und Kunst, Musik, Theater und Mode. Jedm Samstag Don 24 S°U°sktt-li. Verlag von I. I. 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Ehr. Pieiich) in Gießen. Di« heutige Nummer enthält 1 Blatt und 1 Beilage. Vermischtes. fer8X“” BCre“ä Fr°u, wurden noch lebend aus den Wellen des Ci««.», t. 1 M ö uuyyticyi. äs "'S«"« L«ÄLLMZMMLsL fei. Diese Angabe -rfch -n umsomehr tiautoa ÄlÄ ^u'schland gewandert Schreibens kundig ist. s-br STJÄ,?' W J* .»W. der kaum des Niederste ’illlllllllli SM Verlag des Brühl’sche Druckerei Soh ulstrasse No. 7. sr Giessen. okuag in u r imimim n n 11 n 111 m 11 m j $= ä" ääs zugesührt worden. .^luchlchm ist vorgestern seinen Eltern durch Schub Jeiiage zu ük. 231 des „pießener fliyetqer“ Mittlere Mittel früherer Jahre . Höckste .... Niederschlag an 14 Tagen — 3,7 ob. + 8,82 „ + 11,00 „ Temperatur in Gießen. September 1889. * * • ♦ - - - + 20,5 im Äm-7^herer Jahre an 12 Tagen .' Ä P"- 3Uitocr|UiU»-66toaia. ber °ngewaMmMath!mEk^an°di7Uni°?rsiM D^rpa? b?ruf7n w°"rden'' s-yÄtawffs asissn Professor aÄuZn^'unioe"fttäMuVr^Hb ur’g in"d"r^Schwe1> -EßMUZLLMMr ä-ää-«» .Wiener ^°r bekannten Zeitschrift MMZMSWM SMMMWM Abonnementspreis; man begreift kaum wie es"möalick Df-m minime ftsaw t aSWS*««« s s.Si£EB”E«52ÄÄÄ l°hnung°n für Habhaftm°ch7ng der T äter ausgesch" "^ W noch große Be- ’S 's" ‘s ÄS”u#S.*ti: S t®teallt °°n F«.h (Obrnwatt) Ä , taÄ^fÄ üb-s B.Äa'sx-'- - «..sä® Sri”Tr’"F‘?”““" «’ÄÄWft Ä5?Ä S “ÄÄMSft““ SWKWWS8 MMWSS8 aar^rto >, 2. ) >» n h 3. n n n 2.60 Mer Plakat - Fithrplnn aller in Gießen ankommenden und abgehenden Eisenbahnzüge in der Expedition des „Gießener Anzeiger", sowie bei den geitungsträgern zu haben. Preis 20 Psg. 7920 Zwei unmöblirte Zimmer mit Separat-Eingang per 1. October zu vermieden.__Alicestraße 11, parterre. 7925] Möblirtes Zimmer;u oermiethen. Bahnhofstraße 57, 2 Tr. Absolut reine Destillate! 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