Nr. 2S. Erstes Matt. Sonntag den 3. Februar 1889. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigkblatt für den Kreis Gießen. Bureau r S ch u l ft r a ß e 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MoniagS. Dreijährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch bte Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Vf, Amtlicher Hyeit. betreffend: Die Vertilgung der Raupennester. Gießen, am 1. Februar 1889. Das Großherzoglichc Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien bezw. Lokalpolizeibeamten des Kreises. Wir beauftragen Sie, in Ihren Gemeinden unter Hinweis auf § 368 pos. 2 des Reichsstrafgesetzbuchs und art. 80 der Feldstrafgesetzes zur Vertilgung der Raupennester an Bäumen, Sträuchern und Hecken unter dem Bemerken öffentlich auszufordern, daß gegen diejenigen, welche dieser Aufforderung nicht längstens bis zum 1. April l. I. entsprochen haben werden, aus Grund der genannten Gesetzerstellen Anzeige erhoben, sowie daß die Vertilgung aus Kosten der Säumigen angeordnet werden würde. Wir erwarten, daß Sie die Feldschützen bei Erfüllung ihrer Obliegenheiten in dieser Beziehung überwachen und die bezüglich der säumigen Baumbesitzer anzuordnende Reinigung alsbald nach Ablauf des Termins anordnen, sodaß die Säuberung bis zum 15. April überall vollständig ausaeführt ist. Außerdem ist gegen die Säumigen.Anzeige zur Feldrüge nach § 368 pos. 2 Str. Ges. B. zu erheben. Auf den der Gemeinde gehörigen Grundstücken wollen Sie die Säuberung von den Raupennestern auf Gemeindekosten alsbald veranlassen. Wenn hiernach auch jeder Baumbesitzer selbst zur Vertilgung der Raupennester verpflichtet erscheint und dieselbe gegen ihn gezwungen werden kann, so empfiehlt es sich doch vielmehr, wie es in manchen Gemeinden üblich ist, daß die Gemeinde die Vertilgung in die Han) nimmt. In den betreffenden Gemeinden, welche diesen Weg eingeschlagen haben, werden taugliche Personen bestellt, welche auf Kosten der Gemeinde und unter Aufsicht des Ortsvorstands die Säuberung der Bäume vornehmen, wodurch eine bedeutend größere Garantie für eine gründliche Reinigung geboten wird. Wir können Ihnen dieses Verfahren nur empfehlen. v. Gagern. Bekanntmachung. Betreffend: Die Ausstellung der Deutschen Landwirthschaftsgesellschast zu Magdeburg 1889. Nachdem Seitens Großh. Ministeriums den landw. Vereinen des Großherzogthums der Betrag von 3600 Mark zur Verfügung gestellt worden ist, mit daraus Beihülfen an Landwirthe des Großherzogthums zu gewähren, welche die obige Ausstellung mit Vieh beschicken wollen, bemerke ich, daß die Unterstützung sich erstreckt auf Uebernahme der Transportkosten, der Unfallversicherung und des Standgeldes, jedoch mit der Beschränkung, daß auf dieselbe nur von denjenigen Landwirthen Anspruch erhoben werden kann, welche die auszustellenden Thiere durch eine Commission mit Erfolg besichtigen lassen, die aus einem Mitglied der Oberen landw. Behörde, einem Mitglied des Landesausschusses und einem von dem Unterzeichneten zu benennenden Sachverständigen bestehen wird. Dabei füge ich noch an, daß auch Zugochsen (Zugvieh) ausgestellt werden können und d- ^bezüglich dieser noch ferner Entschädigung für verlorenen Arbeitsverdienst: gewährt werden kann. 's Anmeldungen oder weitere Anfragen bitte ich alsbald an mich zu richten. ' Friedelhausen, am 27. Januar 1889. Der Präsident des landw. Vereins von Oberheffen ____________________________________Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau. Gefunden: 1 silberner Ring, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 weißes Taschentuch, 1 Kinderschuh, 1 Iltisfell, 1 Schleier, 1 Hundehalsband. Gteßen, am 2. Februar 1889. Grobherzoglicher Polizeiamt Gießen. 9 Deutschland. Darmstadt, 1. Februar. Aus Petersburg, 30. Januar, wird der „Darmft. Ztg." gemeldet: Se. König! Hoheit der Großherzog, Se. König!. Hoheit der Erbgroß- h,erzog und Ihre Großh. Hoheit die Prinzessin Alix sind heute Nachmittag 5 Uhr glücklich hier angekommen. Ihre Kais. Hoheiten der Großfürst und die Großfürstin Sergius waren schon in Gatschina, Se. Maj. der Kaiser und die anderen Großfürsten hier am Bahnhof zur Begrüßung erschienen. Darmstadt, 1. Februar. Das Großherzogl. Regierungsblatt (Beil. Nr. 4) enthält: 1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums, die Errichtung eines Großh. Schiffs- Aichamts in Mainz betr. 2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums, die Untersuchung der Rheinschiffe und Ausstellung der Schiffsatteste betr. Hamburg, 1. Februar. Hauptmann Wißmann traf heute hier zwecks Beschaffung der Einkäufe für die Expedition ein und reist morgen nach Halle, um sich von seinen Angehörigen zu verabschieden. (F. Z.) Hesterreich. Wien, 1. Februar. Heute Nacht wurde von der Kommission, welche aus den Vertretern des Oberhofmeisteramtes und des Oberhofmarschallamtes bestand und welcher der Oberhofmeifter des Kaisers, Fürst Hohenlohe, präsidirte, der auch ein Vertreter des Ministeriums des Aeußern und des kaiserlichen Hauses beigegeben war, das Testament des Kronprinzen eröffnet und publizirt. Das Testament datirt aus dem Jahre 1886 und zwar noch aus der Zeit vor der Erkrankung des Kronprinzen. In demselben setzt der Kronprinz Rudolf zur Erbin seine Tochter Elisabeth ein. Der Kronprinzessin Stephanie wird auf Lebenszeit der Fruchtgenuß eingeräumt. Eine Bestimmung des Testaments verfügt, daß der Sektionschef Szögyenyi mit der Sichtung und Ordnung der Papiere des Kronprinzen betraut werde. Das Vermögen des Kronprinzen besteht aus einer Baarsumme in Werthpapkeren, der Insel Lacroma und dem Besitzthum Meierling. Nach den getroffenen Anordnungen wird die Bestattung des Kronprinzen in den einfachsten Formen sich vollziehen. Mit Ausnahme des Königs und der Königin der Belgier werden keine Mitglieder fremder Fürstenhäuser erwartet. Es ist auch an die Höfe das Ersuchen gerichtet worden, keine Mtlitärdeputationen abzusenden, sondern nur die Obersten jener Regimenter, deren Inhaber Kronprinz Rudolf war, werden an dem Leichenbegängnisse sich betheiligen. F. Z. Telegraphische Depeschen. Wolff'S lelegr. Correspondenr-Brrreark verli«, 1. Februar. Der Kaiser besuchte gestern den Fürsten Bismarck. — Der „Reichsanzeiger" meldet, daß für den Kronprinzen von Oesterreich eine dreiwöchige Hoftrauer angeordnet worden ist. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Preisausschreiben für das Nationaldenkmal Kaiser Wilhelms. , Berlin, 1. Februar. Der Reichstags- und Landtags-Abgeordnete Magdzinski (Pole) ist heute auf der Reise von Berlin nach Posen im Waggon gestorben. 1. Februar. Nach dem „Militärwochenblatt" ist Prinz Alexander von Battenberg auf sein Nachsuchen aus seinem bisherigen Dienftverhältniß ä la suite des Regiments Gardes du Corps und des zweiten hessischen Dragoner - Regiments ausgeschieden. Berlin, 1. Februar. Nach dem „Militärwochenblatt" ist Generalarzt Leuthold, Leibarzt Seiner Maiestat des Kaisers, zum Corpsarzt des Garde Corps ernannt an Stelle des Generalarztes Wegener, der mit dem Rang eines Generalstabsarztes in Pension tritt. Berlin, 1. Febnrar. .Die „Nordd. Allg. Ztg." bemerkt zu der Reuter-Melduns in Betreff der angeblichen Kriegserklärung deutscherseits an Samoa, daß eine Kriegserklärung tot völkerrechtlichen Sinne, also von Seiten des dorttgen Konsuls oder com- mandirenden Offiziers, nicht wahrscheinlich sei, weil kein Auftrag dazu ertheilt worden ser; ferner weil es an einem dortigen Gegner fehle, dem der Krieg eMärt werden konnte. Tamasese ist deutschfreundlich, Mataafa aber war von Deutschland nicht als Herrscher anerkannt. Durch eine Kriegserklärung an ihn würde man ihn aber als Herrscher anerkennen. Es sei nicht ausgeschlossen, daß die in Samoa vorhandene deutsche Streitmacht durch emen Angriff der Mataafa'schen Partei im Wege der Noth- webr und Repressalie thatsächlich in Kriegszustand gerathen sei, der aber nicht bte völkerrechtlichen Consequenzen eines internationalen Krieges habe. Als vor mehreren Jahren an ber spanischen Küste von carliftischer Seite ber deutsche Offizier Schmidt erschossen wurde, sei es Niemandem eingefallen, dem uns befreundeten Spanien den Krieg zu erklären, dagegen waren unsere Schiffe bemüht, an der Küste Angehörige der carliftischen Streitmacht abzufangen, um an diesen Repressalien für die Erschießung zu üben. Die Affaire in Samoa liege analog, die deutsche Stteitmacht könnte ohne wei- tere Instruktion zur Abwehr und Vergeltung des auf sie gerichteten Angriffs seitens der Mataafisten solche am Strande, wenn sie erreichbar seien, bestrafen. Ob dies der ^och unbestimmt, jedenfalls trage eine solche Abwehr nicht den Charakter eines deutscherseits erklärten Reichskriegs. (Amtliche Nachrichten können erst in einigen Tagen Eintreffen.) Ä !• Februar. Die amtliche „Wiener Zeitung" gibt bekannt, daß der Kronprinz sich durch einen Revolverschuß entleibt hat. Der Kronprinz zeigte, dem „Amtsblatt" zufolge, in den letzten Wochen mehrfach krankhafte Nervenaufregung. Die Aufregung in der Bevölkerung ist ungeheuer. Der Kaiser gestattete erst heute Mitternacht die Bekanntgabe des Selbstmordes. Nachdem die Obduction unabweislich diese Thatsoche ergeben, willigte ber Kaiser schweren Herzens in bie Anträge Kalnoky's, Tisza s und Taaffe's ben Sachverhalt ungeschminkt veröffentlichen zu lassen. Laut mir bekannt geworbenem Protokoll ’iffnete ber Kronprinz Mittwoch um halb 7 Uhr früh bte Thür seines Schlafgemachs, beauftragte den Kammerbiener, Wagen zu bestellen zweifellos um allein zu bleiben. Der Kronprinz entkleibete sich hierauf, versperrte die -Ä"'legte sich ins Bett und schoß sich bei Kerzenlicht eine Kugel in die rechte schlafe Die Kugel drang aus ber Mitte ber Kopfbecke hinaus; diese Angaben wurden später durch vr Widerhofer bestätigt. Als der Kammerbiener zurückkam, wartete er b^rM^^bstuckszeit, wohl wissenb, baß ber Kronprinz in der Regel schnell und fest 0Ttt liTH Wien, 1. Februar. Die „Wiener Zeitung" schreibt im nichtamtlichen Theile: &te gestern von uns über das niederschmetternde Eretgniß bezüglich des Kronprinzen gebrachten Mittheilungen stützten sich auf die ersten Wahrnehmungen, die von der nächsten Umgebung des erlauchten Dahingeschiedenen unter dem betäubenden Eindruck des schicksalsschweren Vorfalles hierher gelangten. Von dieser e>eite wurde, nachdem die Thüre zum Schlafzimmer erbrochen worden, bet dem Eintritte der Kronprinz entseelt im Bette gefunden. Auf diesem ersten Eindrücke beruhten die hierher gelangten Mtttheilungen und die Annahme eines Schlaganfalles. Von den Anwesenden wurde Professor Widerhofer mittelst dringenden Telegramms nach Meterling berufen, wohin er mit dem nächsten Zuge sich begab. Widerhofer constatirte bet der sofortigen Untersuchung, datz am Kopfe des Verewigten eine beträchtliche Schußwunde mit ausgebreiteter Loslösung der SLädeldecke und der Schädelknochen vorhanden war, welche den sofortigen Tod zur Folge gehabt haben müßte. An der Seite des Bettes, in unmittelbarer Nähe der rechten Hand, befand sich ein entladener Revolver. Die Lage der Waffe ließ keinen Zweifel darüber, daß Ne Tödtung mit eigener Hand erfolgt war. Da die Dienerfchafr in den Nebenhäusern vertheilt und der der Person des Verewigten zugetheilte Diener Aufträge zur Bestellung der Jagd erhallen und das Haus auf kurze Zett verlassen hatte, konnte die erfolgte Detonation nicht gehört werden. Die sofort nach Meierling entsendete Commission nahm den Thatbestand mit den Nebenumständen protokollarisch auf. Manche Personen der nächsteu Umgebung nahmen in den letzten Wochen mehrfache Zeichen krankhafter Nervenausregung wahr, so daß man an der Ansicht festhalten müsse, das schreckliche Ereigniß sei der Ausfluß momentaner Stnnes- verwirrung. Außerdem klagte der Kronprinz seit einiger Zett häufig über Kopfschmerzen, die er selbst auf einen Sturz mit dem Pferde im letzten Herbste zurückführte. Der Unfall wurde aber seinerzeit auf ausdrücklichen Befehl oes Kronprinzen geheimgehalten. Wien, 1. Februar. Die Sektion der Leiche des Kronprinzen begann gestern Abend um 9 Uhr Zu derselben waren beigezogen der Vorstand des pathologisch-anatomischen Instituts, Professor Kundrat, die beiden Leibärzte Widerhofer und Auchen- thaler, sowie eine Hofcommtssion. Die Obduktion war um Mitternacht beendet, worauf im Laufe der Nacht die Leiche nach dem großen Spetsesalon überführt und dort aufgebahrt wurde. Wien, 1. Februar. Das Leichenbegängniß findet vorbehaltlich der Genehmigung des Kaisers am Dienstag Nachmittag um 4 Uhr statt. Es verlautet, der Kaiser wünsche eine einfache Leichenfeier. Der Leichenzug begibt sich auf dem kürzesten Wege nach der Kapuztnerkirche, wo die Beisetzung Sonntags ftattfindet. In der Nacht wird die Leiche aus dem Schlafgemach in die Hofburgkirche übertragen. Am Montag Vormittag ist dem Publikum der Zutritt gestattet. Wien, 1. Februar. Die heute ausgegebene Hofansage beraumt das Leiche u- begängniß des Kronprinzen auf Dienstag den 5. ds., Nachmittags 4 Uhr, an. Die .Hoftraueransage bestimmt eine dreimonatige Hoftrauer, vom 5. Februar ab strenge Trauer bis 4. März einschließlich, die zweite Periode bis 4. April einschließlich und die letzte bis 4. Mai einschließlich. Paris, 1. Februar. Der „Temps" glaubt nicht an die Wirksamkeit der Abwehr- maßregeln, wovon in der gestrigen Kammersitzung gesprochen worden; es sei wichtig, die Politik zu andern. Die Kammer hätte, indem sie gestern das Cabtnet ausrechl- erhalten, keineswegs der radikalen Politik beigestimmt, sondern die Majorität wollte einfach erklären, daß sie nicht Floquet für den Ausfall der Pariser Wahl verantwortlich mache und daß sie weiter auf seinen Scharfblick bei der Befolgung der Politik rechne. Die letztere müsse, ohne neuerdings Spaltungen in die Reihen der Republikaner der Kammer zu tragen, zunächst bezwecken, diejenigen Wähler, welche der Republik verloren gegangen, wieder zu gewinnen. London, 1. Februar. Dem Wunsche des Kaisers Franz Josef entsprechend, daß die Leichenfeier einen privaten Charakter trage, begibt sich der Prinz von Wales nicht nach Wien. London, 1. Februar. Das „Bureau Reuter" bezeichnet das gestern kursirende Gerücht, England beabsichtige, sich von der Blokade an der ostafrikarnschen Käste zu- rückzuztehen, als absolut unbegründet. Sansibar, 1. Februar. Der Sultan verlieh dem deutschen Konsul das Groß- kreuz mit Brillanten seines Ordens. __________________________________________ , Wien, 2. Februar. Die „Wiener Zeitung" veröffentlicht das auf Grund des protokollarisch aufgenommenen Sectionsbefundes der Leiche des Kronprinzen Rudolf abgegebene Gutachten, wonach erstens der Kronprinz an Zertrümmerung des Schädels und der vorderen Hirnpartien gestorben, daß zweitens die Zertrümmerung veranlaßt ist durch einen aus unmittelbarer Nähe in die vordere Schläfengegend abgefeuerten Schuß, drittens, daß der aus einem Revolver mittleren Kalibers abgegebene Schuß geeignet war, die beschriebene Verletzung zu erzeugen, daß viertens ein Projektil nicht vorgefunden wurde, da es durch die im linken Ohre constatirte Ausschußöffnung ausgetreten ist, fünftens ist es zweifellos, daß der Kronprinz sich den Schuß selbst beigebracht und der Tod augenblicklich eingetreten ist, und sechstens: vorzeitige Verwachsung der Pfeil- und Kranznaht, auffällige Theile der Schädelgrube, sogenannte fingerförmige Eindrücke an der inneren Schädelknochenfläche, deutliche Abflachung der Hirnwandung, Erweiterung der Hirnkammer sind pathologische Befunde, welche erfahrungsgemäß mit abnormen Geisteszuständen einhergehen und daher zu der Annahme berechtigen, daß die That im Zustande von Geistesverwirrung geschehen ist. Gezeichnet Professor Hofmann, Kundrat, Wiederhofer. Lokales. A.V. Gießen, 2. Februar. Der hiesigen Section des Deut sch en und Oefterr. Alpenvereins ist neulich ein in mehrfacher Beziehung recht werthoolles Geschenk zuge- gangen. Es sind dies30Chromo Lithographien aus dem Prachtwerk „D i e O e st e r r e t ch i s ch e Gebirgswelt" nach Naturaufnahmen des bekannten Malers A. Gerasch. Um die großartige, vielbesuchte Gebirgswelt Oesterreichs mit ihren Bergriesen und zahlreichen Seen im Bilde wiederzugeben, hat die Verlagsbuchhandlung „Leykamm" zu Graz die herrlichsten Punkte dieser Alpenwelt von dem vorgenannten Künstler nach der Natur aufnehmen lassen und es ist demselben in der That gelungen, mit geübtem Blick die schönsten malerischen Ansichten zu finden und mit geübter Hand auf dem Papier in Farben festzuhalten. — Das Prachtwerk selbst erscheint in zwanglosen Heften, je € Ansichten in dem gefälligen Format von 17x25 cm enthaltend, und wird gewiß in den Kreisen der Alpenfreunde ungetheilten Beifall finden. Die vorliegenden Hefte umfassen beispielsweise herrliche Ansichten aus den Hohen Tauern (dem Glocknergebiet), dm Raibler Bergen, dem Maltathal, aus dem Salzburgischen und aus der Umgegend von Villach und Klagenfurt u. a. m. Dieselben sollen bei der in Kürze stattfindenden Monatssitzung der hiesigen Section zur Ansicht aufgelegt werden. Gießen, 2. Februar. Die Witterung ist eben dermalen so abnorm, daß man meinen sollte, das Frühjahr stände unmittelbar vor der Thür. Daß unter solchen Verhältnissen der Übliche Redactionsschmetterling sich einfindet, ist nicht zu verwundern. Wir quittiren denn auch hiermit den Empfang eines Citronenvogels, welcher gestern im Walde gefangen und uns heute früh zugestellt wurde. Gießen, 2. Februar. Wie in früheren Jahren, so auch Heuer beabsichtigt der „Gießener Zitherkranz" einen Maskenball am 2. März zu veranstalten, der in keiner Weise gegen die früheren an gediegenem Arrangement zurückstehen wird, worauf wir Freunde und Gönner des Vereins schon jetzt aufmerksam machen. Gießen, 2. Februar. Heute wurde die Dr. Schüler'sche Besitzung für den Preis von 91,000 JL an Herrn Maurermeister Winn aus Lich verkauft. Vermischtes. — Annerod. (Verspätet). Eine sehr schöne Feier war's diesmal: „Kaisers Geburtstagsfeier". Als um 7 Uhr Abends der Festzug (Fackelzug) mit Festmarsch durch's Dorf gezogen und auf dem Kreuzberg wieder anlangte, wurde nach Abgabe der drei Ehrensalven des Krieger Vereins während des Gesangs: „Heil Dir im Sieger- kranz" unsere schöne Kirche mit bengalischem Licht überstrahlt, auf Alle den frischesten und erhebendsten Eindruck machend. Die weitere Feier fand im Saale der Krone statt, wobei nach einem trefflich vorgetragcnen Gesang des Vereins Herr Lehrer Deines eine echt patriotische Festrede hielt, bei deren Schluß die Anwesenden ein begeistertes Hoch auf den Kaiser ausbrachten. — Frankfurt, 1. Februar. Auf den fertiggefteUten Strecken der Waldbahnen wird der Betrieb kommenden Dienstag eröffnet werden. Montag findet eine Probefahrt und Besichtigung der Bahnanlage statt. Zu derselben sind u. A. auch die Zeitungsredactionen eingeladen worden. Nachträglich ist der Direction gestattet worden, Züge mit 5 Wagen ohne Locomotioe zu fahren. Ursprünglich war die Zahl auf 3 festgesetzt. — Frankfurt, 1. Februar. Das große Rolhschtld'sche Terrain an der Günthersburg dahier, umfassend 2,200,000 Frankfurter Werkschuh, auf welchem seinerzeit das erste deutsche Schützenfest abgehalten wurde, ist an ein Consortium verkauft worden. Von der genannten Ziffer verbleiben 1,700,000 Quadratfuß für Bauterrain, der Rest fällt in bereits projeclirte Straßen. — [Verlorene Kälber). In einer der Nächte der vergangenen Woche bot die Bahnstrecke von Tantow bis Casekow bei Pasewalk einen höchst sonderbaren Anblick dar. Hier und da standen auf und neben der Strecke zum Erstaunen der revidtrenden Bahnwärter veritable Kälber, die zähneklappernd, soweit ihnen das möglich ist, in die frostige Natur blickten und sich geduldig von den Bahnwärtern in ihre Ställe geleiten ließen. Man fand im Ganzen ihrer zehn und als Erklärung für diese Himmelsgabe die Thatsache, daß der um Mitternacht von Berlin abgegangene Viehzug dieselben — verloren hatte, indem das Eisengitter entweder zerbrochen oder die eine Thür nur mangelhaft verschlossen war und sich beim Fahren geöffnet hatte. Gestärkt durch Speise und Trank wurden die Kälber, die sich bei ihren Purzelbäumen übrigens kein Leid zugefügt hatten, am nächsten Tage nochmals verladen und dieses Mal sicher an ihren Bestimmungsort weiter befördert. — Im Gefängniß erfroren sind, wie der „Berliner Börsen-Courier" meldet, in dem Städtchen Zirin (Posen) zwei Arbeiter, welche je eine achtzehnstündige Haft an Stelle von ihnen zu zahlender Schulversäumnißstrafen in Höhe von 1JL 85 und 1 JL 60 $ zu verbüßen hatten. Der Jammer der ihrer Ernährer beraubten Familien soll herzzereißend gewesen sein. — Das Technikum Mittweida (Königreich Sachsen) zählt im jetzigen 22. Schuljahre 839 Schüler, welche die Abtheilung für Maschinen - Ingenieure und Elektrotechniker, bezgl. die für Werkmeister besuchen. Unter den Geburtsländern bemerken wir: Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Rußland, Schweiz, Großbritannien, Dänemark, Holland, Jlalien, Rumänien, Schweden, Norwegen, Bulgarien rc., aus Asien, besonders Java, Sumatra, Ostiridien, aus Afrika: Capland, ferner Nord' und Südamerika und Australien. Die Ettern der Kinder gehören hauptsächlich dem Stande der Fabrikanten und Gewerbetreibenden an, ein Beweis für das Vertrauen, welches das Technikum in den maßgebenden Fachkreisen genießt. — Die Aufnahmen für das Sommerbalbjahr beginnen am 15. April. Programm und Jahresbericht erhält man unentgeltlich von der Direction des Technikum Mittweida (Sachsen). K. Eingesandt. Herrn Ernst Weidemann, Liebenburg a. Harz. Vor etwa Jahresfrist haben Sie mir für ein armes krankes Mädchen 10 Packete Homerianathee geschickt. Die erste Wirkung des Gebrauchs war, daß sich bei der Brust- und Lungenkranken eine Art Schlafsucht einstellte, so daß, wenn sie kaum auf- gestanden, sie schon wieder Schlaf verspürte. Allmälig verlor sich das schwere Athmen, der Husten, die Appetitlosigkeit, und mit der Zeit trat völlige Genesung ein, nachdem viele Jahre lang die Hülfe der Aerzte vergeblich in Anspruch genommen worden. Ich spreche Ihnen nachträglich meinen herzlichsten Dank aus. Pfarrer Arnold. Unter? gröningen. 953 HLwdeL sur8> DeErtzv. Gießen, 2. Februar. Auf dem heuttgen Wochemnarkt kostete: Butter, pr. Pfd. JL 0,80—0,88, Hühnereier, 1 St. 5—6 2 St.--Enteneier 6—7 X Ganse- eier 11—12 H, Käse pr. St. 5—8 Käsematte pr. St. 3 H, Erbsen pr. Liter 17 Linsen pr. Liter 28 Tauben pr. Paar JL 0,90—1,00, Hühner pr. St. JL 1,00—1,60, Hahnen pr. St. JL 1,60—2,20, Enten pr. St. JL 2,00—2,30, Ochsenfleisch pr. Pfd. 60—68 H, Kuh- und Rindfleisch 45—54 <$, Schweinefleisch 50—60 <4, Hammelfleisch 54—64 L, Kalbfleisch 50— H, Kartoffeln pr. 100 Kilo Jt 6,00—0,00, Zwiebeln per Gentner JL 8,00—0,00, Milch pr. Liter 12—18 H, Weißkraut pr. St. — Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen. Aufgebote. Januar: 28. Balthasar. Schreiber, Hofkutfcher zu Darmstadt, mit Elisabeth Helfrich zu Dieburg. 28. Gustav Adolf Steinweg, Schuhmachermeister zu Frankfurt a. O., mit Charlotte Träger zu Bernburg. 30. Jacob Weller, Heizer bei der Main-Weser- Bahn zu Gießen, mit Maria Müller zu Alten-Buseck. «hes-ließnngen. Februar: 1. Karl Hofmann von Wetterfeld, Schreiner dahier, mit Anna Margaretha Schäfer von Harbach, wohnhaft dahier. Geboren». Januar: 23. Dem Hülfsbremsel bei der Main-Weser-Bahn Heinrich Engelbach ein Sohn. 24. Dem Schreinermeister Franz Wigandt ein Sohn. 25. Dem Schreiner Louis Roloff ein Sohn, Konrad Wilhelm Karl. 25. Dem Magazinarbeiter Christoph Hahn ein Sohn, Fritz Johann Christian. 26. Dem Bierbrauer Franz Günther Zwillingstöchter. 27. Dem Weißbinder Heinrich Feußer ein Sohn, Wilhelm. Februar: 1. Dem Fabrikarbeiter Johannes Fehl eine Tochter. Gestorben». Januar: 25. Margarethe Hannappel, geb. Glässer, 26 Jahre alt, Ehefrau von Landmann Johann Hannappel zu Meudt. 26. Ludwig Schuchcud, 68 Jahre alt, Steuerpfandmeister zu Friedberg. 26. Henriette Fischer, geb. Kohlermann, 58 Jahre alt, dahier, Wittwe von Metzger Fritz Fischer. 27. Georg Philipp Christian Ludwig Noll, 75 Jahre alt, Director der Actienbrauerei dahier. 27. Philippine Kauf, geb. Hauß, 80 Jahre alt, Wittwe von Postpackmeister Johann Melchior Kauf dahier. 28. Karl Büttner, 3 Monate alt, Sohn von Dienstknecht Heinrich Büttner dahier. 29. Elisabethe Schmidt, 67 Jahre alt, ledig, Haushälterin dahier. 30. Margarethe Karoline Haubach, 2 Jahre alt, Tochter von Maurer Ernst Haubach dahier. 30. Elisabethe Stoll, 23 Jahre alt, lebig, Dienstmagd von Eisemroth. 31. Karl August Werner, 2 Jahre alt, Sohn von Werkführer Valentin Werner dahier-. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute. Den 26. Januar. Emil Konrad Philipp Schüßler, Metalldreher zu Gießen, und Marie Christiane Luise Caroline Schürz, Tochter des Drechslermeisters Fritz Schürz zu Gießen. Den 1. Februar. Carl Hofmann, Schreiner zu Gießen, und Anna Margarethe Schäfer, Tochter des Ackermanns Heinrich Schäfer III. zu Harbach. Getankte. Den 26. Januar. Dem Professor Dr. Carl Ferdinand Friedrich Müller ein Sohn, Albrecht Martin Carl, geboren den 8* December 1888. Den 27. Januar. Dem Bahnarbeiter Jakob Balser eine Tochter, Elisa Dina, geboren den 7. Januar. Denselben. Dem Fuhrmann Kaspar Herdl ein Sohn, Johann Wilhelm, geboren den 22. December 1888. Denselben. Dem Schlosser Ludwig Becker eine Tochter, Anna Marie Elisabeth, geboren den 1. November 1888. Denselben. Dem Bremser Martin Ohr eine Tochter, Marie Mariane, geboren | den 22. December 1888. Denselben. Dem Kellner Wilhelm Müller ein Sohn, Heinrich, geboren den ! 9. December 1888. Denselben. Dem Flaschenbierhändler Alois Blum ein Sohn, Alois Fritz, ! geboren den 1. Januar. Denselben. Dem Schlossermeister Martin Dörr eine Tochter, Johanna Caroline Christiane Katharine, geboren den 4. Januar . Denselben. Dem Schlosser Wilhelm Ranft eine Tochter, Auguste Theodora Sophie Henriette, geboren den 18. December 1888. Den 31. Januar. Dem Braueretbesitzer Eduard Röhrle ein Sohn, Gotthilf Eduard Carl August, geboren den 10. Januar. Beerdigte. Den 26. Januar. Carl Julius Martin Emil Gustav Petri, Weißbinder, alt 28 Jahre, starb den 24. Januar. Den 28. Januar. Ludwig Schuchard, Steuer-Pfandmeister aus Friedberg, alt 68 Jahre, starb den 26. Januar. Den 29. Januar. Henriette Fischer, geb. Kohlermann, Wittwe des Metzgers Fritz Fischer, alt 58 Jahre, starb den 26. Januar. Denselben. Pbtlippine Kauf, geb. Hauß, Wittwe des Postpackmeisters Johann Melchior Kauf, alt 80 Jahre, starb den 27. Januar. Den 30. Januar. Georg Noll, Director der Actien-Brauerei, alt 75 Jahre, starb den 27. Januar. Den 31. Januar. Elisabeth Schmidt, Haushälterin, alt 67 Jahre, starb den 29. Januar. Den 1. Februar. Dr. Friedrich Curschmann, Dtrector der Realschule und des Proavmnasiums xu Friedberg, alt 40 Jabre. starb zu Friedberg den 31. Januar. Brodpreise vom 3. bis 17. Februar 1889. der Bäcker $ 1 Kar. (2 Pfd.) Weißbrod . ... 27 bei Carl Lenz und F. Schreiner 28 2 „ (4 Pfd.) Weißbrod .... 54 bei Carl Lenz und F. Schreiner 56 1 „ (2 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 25 1 „ (4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 50 2 „ (2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 23 bei Carl Lenz 22 2 „ (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 46 bei Carl Lenz 44 3 „ (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte bei I. Lein, L- Keil, K. Haas 69 der Brodverkäufer 1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod . ... 27 2 „ (4 „ ) „ .....54 1 „ (2 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 25 2 r (4 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 50 3 „ (6 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 1 „ (2 „ ) Lchwarzbrod 2. Sorte 23 2 „ (4 , ) Schwarzbrod 2. Sorte 46 3 , (6 , ) Schwarzbrod 2. Sorte Giehen, den 2. Februar 1889. Großherzogliches Polizeiamt Giehen. Fresenius. Allgemeiner Anzeiger. • BekswNLwachzmg. Die Anschaffung und Unterhaltung von 2 Faselochsen — Vogelsberger Race — soll, da der Vertrag mit dem seitherigen Halter abläuft, anderweit vergeben werden. Uebernehmer wollen ihre Offerten binnen 8 Tagen auf unserem Bureau einreichen. Gießen, den 1. Februar 1889. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Keller, Beigeordneter. 965 Kleinkinder Bewahranstalt. Von nächster Woche an werden die Beiträge für unsere Anstalt für das Jahr 1889 erhoben werden. Ganz nach Belieben der freundlichen Geber kann der Jahresbeitrag auf einmal oder auch viertel- und halbjährlich gezahlt werden. Die Beiträge werden erhoben von unserer Anstaltsdienerin Elise Werner; Niemand sonst ist beauftragt und berechtigt, Geld für unsere Anstalt zu erheben. An die Freunde und Wohlthäter unserer Kleinkinder-Bewahranstalt richten wir die herzliche Bitte, uns auch in diesem Jahre freundlichste Unterstützung gewähren zu wollen. Wir haben für 210 bis 220 Kinder in unserer Anstalt zu sorgen und sind hierbei zumeist aus Liebesgaben angewiesen. Gießen, den 2. Februar 1889. Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranstalt. Dr. Naumann. = JTafdjenöier=3lieörr(age aus dem Münchener Bürgerlichen Brauhaus per Flasche 30 Freiherr! Rredesel'fcheS Burgbier . „ „ 20 „ 936 C, Roth, Mallthorstraße 5. Verkaufsstellen: Auf Burg Gleiberg sind die Weine im Glas zu haben. 2.— 2.— 2.50 2.50 Chr. L. Thomas, Neuenbäue 10. Friedrich Leo, Seltersweg 71. 1.30 1.40 1.50 1.50 2.— Gehr. Adami, Mäusburg 14. Aug. Noll II., Bahnhofstr. 53. Carl Petri, Marktplatz 18. Ferner halte ich Lager in direct importirten italienischen, griechischen, portugiesischen, Cap-, ungarischen, französischen, sowie deutschen Weinen. 6817 Madeira u. Pajarete JL Sherry.....„ Malaga u. 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