Nr. 281. Zweites Blatt. Sonntag den 1. December 1889. General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den TLveis Giefzen. Redaction, Sypcbmon und Druckerei: SAutstratze Ar.7. Fernsprecher 51. Die Gießener Aamikien blätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der chießcaer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS Montags. Kreßmer Anzeiger m Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Vorm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Aamikienblatter. Alle Annoncen-Burcaux de- In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Der Dcrrot'sche Siscnbahn-Zoncntaris. Bei dem allgemeinen Interesse, welches die Einführung des Perrot'schen Zonentarifs in Ungarn und voraussichtlich demnächst auch auf anderen Bahnstrecken für das ganze reisende Publikum — und wer zäklt heutzutage nicht zu diesem! — hat, dürste eine kurze Erläuterung dieser Reform für Manchen wohl willkommen sein. Schon vor 20 Jahren führte Herr Dr. Franz Perrot (jetzt in Mainz) den Beweis, daß es möglich sei, den Eisenbahn-Personentarif und das Packetporto ganz ähnlich einzurichten, wie das Briefporto. Die Reform des Packetporto wurde denn auch im Jahre 1874, zuerst in Deutschland, dann in Oesterreich-Ungarn re., schließlich theil- weise wenigstens auch hn Weltpostverkehr nach den Vorschlägen Perrots eingeführt. Nur der Eisenbahn-Personcntarif hält sich noch aus der ungefähren Höhe seines ursprünglichen Bestandes. Alle Anregungen Perrots aus diesem Gebiete scheiterten an der Befürchtung einer Schmälerung der Einnahmen. Der Gedanke und die Begründung deS Zonentarifs für den Eisenbahn-Personenverkehr beruht nun auf folgenden statistischen Thatsachcn: 1) Der gegenwärtige Tarifirüngs- modus hat einen irgend nennenswerthen Fern-Verkehr für Eisenbahnreisende bisher überhaupt nicht entstehen lassen. Mehr als fünf Sechstel des Personenverkehrs spielen sich aus eine Entfernung von höchstens 4—5 Stationen ab. Die Person wird in Deutschland im ganzen Durchschnitt aus 28,8 Kilometer, d. h. auf eine Entfernung von durchschnittlich 4 Stationen transportirt. 2) lieber 75pCt. der bewegten Sitzplätze werden bei dem bisherigen Taris leer gefahrenes kann bis zur doppelten Frequenz mit dem bisherigen Personal und Material bewältigt werden, also ohne relativ erhebliche Steigerung der Kosten. An Gewicht von Personenwagen befördern die Bahnen zehnmal soviel als an Gewicht von Personen. 3) Die Verdoppelung der Frequenz ist mehr als genügend, um bei dem zweistufigen Zonentarif (wie ihn Perrot ursprünglich vorschlug: bis 10 Meilen und über 10 Meilen) die alte Einnahme wieder herzustellen. Der heutige Taris rechnet (auf den preußischen Staatsbahnen) pro Person und Kilometer in der 1. Klasse 8 Pfg., 2. Klasse 6 Pfg., 3. Klasse 4 Pfg., 4. Klasse 2 Pfg. - Gegenüber den Einwendungen von dem finanziellen Risiko macht Perrot nun den Vermittelungsvorschlag, vorläufig drei oder vier Zonen zu bilden. Da fünf Sechstel des Verkehrs sich bis zur 4. oder 5. Station bewegen, so könne man die Sätze so weit lassen, wie sie eben sind und von da an den Zonenverkehr beginnen lassen. Dann seien die Haupteinnahmen sicher und das Risiko verschwindend. Von der 5. Station könnte sieh dann ein zwei- oder dreistufiger Zonentarif anschließen und zwar würde die erste Zone 5 weitere Stationen, also die 6. bis einschließlich 10. Station, die zweite Zone 10 weitere Stationen, also von der 11. bis zur 20. Station umfassen, und es würden in die dritte Zone alle übrigen Stationen von der 21. bis zur Landesgrenze entfallen. Was die Preisstellung für die drei Zonen betrifft, so ergebe sich dieselbe aus den Grundsätzen des Zonentarifs überhaupt, im Zusammenhalt mit den für die fünf ersten Stationen beibehaltenen Preisen des bestehenden Tarifs etwa in folgenden Ziffern, immer von der Abgangsstation aus gerechnet: 1.—5. Station (ea. 40 Kilometer) annähernd die bisherigen Preise. 6.—10. Station (ea. 40 bis 70 Kilometer) 3. Klasse 80 Pfg., 2. Klasse 1.40 Mk., 1. Klasse 2 Mk. 11. — 20. Station (ea. 70 bis 130 Kilometer), 3. Klasse 1 Mk., 2. Klasse 2 Mk., 1. Klasse 4 Mk. 21. Station bis zur Landesgrenze 3. Klasse 2.50 Mk., 2. Klasse 5 Mk., 1. Klasse 10 Mk. Eine solche Tarifermäßigung würde namentlich auch für die Arbeiter von großem Vortheil sein, weil sie dann mit Leichtigkeit sich an anderen, auch entfernteren Orten Arbeit suchen können, wenn sie zu Hause feine finden. Der Erfolg, den das System in Ungarn errungen hat, trotz der dort eingeführten 14 Zonen, veranlaßte bereits den österreichischen Handelsminister, die Sache auch für Cisleithanien in Erwägung zu ziehen. In Spanien ist ebenfalls auf einer Strecke der Estremadura-Bahn der Zonentarif in Wirksamkeit. Wie bereits gemeldet, erwägt die Hessische Ludwigsbahn die versuchsweise Einführung des Zonentarifs für die Strecke Mainz-Worms. Soeben wird gemeldet, daß die Commission des Verbandes Deutscher Touristenvereine für Verkehrserleichterung an den preußischen Minister für öffentliche Arbeiten Herrn von Maybach eine Eingabe gerichtet hat, in welcher um probeweise Einführung des Perrot'schen Zonentarifs auf den Linien der Kgl. Eisenbahn-Direetion Frankfurt a. M. gebeten wird. (Ist inzwischen abgelehnt worden). Locales niid provinzielles. Gießen, 30. November. * Stadtverordneten Versammlung am 28. November. Anwesend : Herr Bürgermeister Gnauth, Herren Beigeordnete Keller und Langsdorff, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Georgi, Grüneberg, Dr. Gutfleisch, Hoch, Hornberger, Jughardt, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schopbach, Simon und Vogt. — Die gestrige Sitzung wurde probeweise in der Anordnung der Sitzplätze für die Stadtverordneten, wie sie sich infolge der Vermehrung um vier für die Folge ergibt, abgehalten. — Herr Bürgermeister Gnauth berichtete zunächst über die Eröffnung des Fest- und Spiel Hauses in Worms, der er auf an ihn ergangene Einladung beigewohnt. Was den Bau des Wormser Festhauses betreffe, so könne dessen Ausführung, trotz der eigenartigen Lösung der an ein solches gestellten Aufgaben, für die Errichtung weiterer der artigen Bauten, z. B. für Gießen, nicht als Muster dienen. Die über das Festspiel selbst geübte, weniger günstige Kritik in den Zeitungen müsse auch er theilen; es sei indeß zu hoffen, daß der in Worms betätigte Opfersinn (bekanntlich sind die Kosten für das Spielhaus im Betrage von 300,000 M. durch ein Geschenk von 100,000 M. von Herrn Schön, der Rest durch Sammlungen aufgebracht worden) auch in Gießen lebe und nur geweckt zu werden brauche- vorerst möge man aber streben, das Interesse an städtischen Schöpfungen zu erhalten. Was die sonst vom Herrn Bürgermeister besichtigten Anstalten in der Stadt Worms betreffe, so fiele eigentlich nur ein Vergleich des Wormser Stadthauses mit dem hiesigen zu Ungunsten von Gießen aus, während in Bezug auf Straßen die Stadt Gießen den Vergleich mit Worms aushalte, die hiesigen Anlagen aber denjenigen von Worms voraus seien. Das Wormser Gaswerk liefere jährlich 1,000,000 Cbm. Gas, das Wasserwerk täglich 5000 Cbm. Wasser- dieser große Wasserverbrauch der Schwesterstadt Worms habe seinen Grund in der Verwendung des Wassers zu industriellen Zwecken (große Gerbereien), während in Gießen der täglich angenommene Wasserzufluß von 550 Cbm. lediglich Wirthschaftszwecken diene. — Herr Commerzienrath Adolf Noll hat nachgesucht, fein bis 1892 laufendes Mandat yls Stadtverordneter infolge anhaltenden Krankseins jetzt schon niederlegen zu können. Es wird beschlossen, das Gesuch mit Rücksicht auf die hier vorliegenden Bestimmungen des Art. 112 der Städteordnung zu genehmigen und Herr Bürgermeister Gnauth ermächtigt, Herrn Noll das Bedauern über die Gründe, die ihn zur Niederlegung seines Mandates veranlaßt, auszusprechen. Das Gesuch des Herrn I. M. Schulhof um Erlaub- niß zum Ausschank von Branntwein wird nicht befürwortet. Polizei wie Stadtverordneten-Versammlung vermögen trotz des länger als 30 Jahre ohne Copeession betriebenen Branntwein-Ausschanks ein Bedürfniß zur Ertheilung der nachgesuchten Coneession nicht zu erblicken, da in allernächster Nähe vier mit Branntweinschank verbundene Wirthschasten sich befinden. — Heber den folgenden Punkt der Tagesordnung, Erbauung eines Knabenschulgebäudes, berichteten wir, soweit dies den Bau betrifft, bereits in voriger Nr. Es kommt sonach der Plan des Herrn Architect Haas zur Ausführung. Herr Bürgermeister Gnauth nahm nach Schluß der Be- rathung über den Plan Veranlassung, Herrn Haas schon jetzt für die Förderung der Arbeit bis zu diesem Stadium den Dank der Versammlung auszusprechen. — Die Rechnungen über die Vorschule des Gymnasiums und des Ne al - g y m n a s i u m s für 1889 werden genehmigt. Die Einnahmen und Ausgaben der Realschule belaufen sich aus ea. 71,000 M., Feuilleton. Hessische Dichter der Gegenwart. Von Dr. Ella Mensch. VII. ^Nachdruck verboten.! Fast alle unsere lebenden Dichter sind von einer unglücklichen Liebe beherrscht. Es ist dies die durch nichts zu ertödtende, durch keine Mchtbeachtung, keinen Mißerfolg zu erkältende Liebe zum Theater. Ein Stück auf die Bühne zu bringen, von der Scene herab auf die Gemüther der Zeitgenossen zu wirken! das scheint „ein Ziel, aufs innigste zu wünschen". Wenige erreichen es. Hingegen fällt es nicht so schwer, ein Drama auf den Markt zu bringen. Es finden sich noch immer Verleger, die ein einigermaßen gut gebautes, stofflich interessantes Stück in Vertrieb nehmen, es an Bühnen und Zeitungen schicken, ja wohl gar den Muth haben, dem Erstling Nachfolger zu geben. Die hessische Literatur hat an solchen Buchdramen auch keinen Mangel. Ein Zufall, eine Reihe günstiger Umstände gehört dazu, um ein Buchdrama über Nacht zu einer Bühnennovität zu stempeln. Denn man hat wohl zu unterscheiden zwischen einem Werk, das von vornherein ohne jegliche Rücksicht auf die Bühnenverhältnisse geschaffen wurde — dies ist das eigentliche Buchdrama — und einem Stück, das nur durch Schicksalsungunst den weltbedeutenden Brettern fernebleibt. Aufmerksame Leser unserer großen illustrirten Zeitschriften werden feit einer Reihe von Jahren unter populär gehaltenen naturwissenschaftlichen Aufsätzen, die viel Interessantes und Neues aus der Thierwelt zu berichten wissen, die Namen Adolf und Carl Müller finden. Die Bekanntschaft mit den Naturforschern, die mit ihrem großen, gemeinsam verfaßten Werke „Thiere der Heimath" weit über das Hessenland hinausgedrungen sind, stellt sich viel schneller her als die mit dem Dichterpaar Adolf und Carl Müller. Der erstere ist feit einer Reihe von Jahren als Dramenschrift- steller thätig. Seine Tragödie „Faust", die sich in die Reihe der Versuche stellt, das Goethe'sche Werk zu beenden, bezw. weiterzuführen, ist im Großen und Ganzen von der Presse mit Wohlwollen aufgenommen, obwohl man sich nicht verhehlen kann, daß gerade dieser Stoff, der so ganz und gar dem Leben des 18. Jahrhunderts angehört, sich für unsere Zeit schwer zu einem festgefügten künstlerischen Organismus gestalten dürfte. Die zweite größere Wihnendichtung, mit der Adolf Müller auf dem Plane ersWenen ist, heißt „Thusnelda". Es gibt gewisse historische Stoffe, die, weil sie an sich schon dramatisch sind und dem Dichter auf halbem Wege entgegenkommen, immer von Neuem zur poetischen Belebung anlocken. Solche Stoffe, die den ganzen Mechanismus des Dramas : Exposition, Verwickelung und Auflösung, alles das, was der Dichter sonst erst schaffen muß, 5Mits in sich tragen, sind in der deutschen Geschichte: die Befreiung Deutschlands vom Römerjoch durch Hermann und die Zeit der Hohenstaufenkaiser. Beide Themen sind von verschiedenen Geistern aufs Verschiedenartigste behandelt worden. Unter all den Dichtern, welche die sympathischen Gestalten des Hermann und der Thusnelda von der Bühne herab auf das Nationalgefühl wirken lassen wollten, haben sich Kleist mit seiner „Hermannschlacht" und Halm mit dem „Fechter von Ravenna" die größte Beachtung errungen. Letztere Tragödie zeigt uns bekanntlich die zwar äußerlich gedemüthigte, aber in ihrer stolzen Geisteskraft noch ungebrochene Germanenfürstin Thusnelda zu Rom in der Gefangenschaft, in dem Rom des Caligula, woselbst man ihr Kind, den Sohn Hermanns, als Fechter auferzieht und ihm systematisch das Bewußtsein seiner Abkunft und seiner Aufgabe für das Schicksal des Vaterlandes raubt. Adolf Müller hat sich in seinem fünfactigen Trauerspiel „Thusnelda" eine ähnliche Aufgabe gestellt. Auch er führt uns in das kaiserliche Rom, woselbst die gefangene Thusnelda einen aufreibenden offenen und geheimen Kampf gegen die Gewalten zu bestehen hat, die ihr den Sohn — bei Adolf Müller ist dieser noch ein zartes Knäblein — entreißen wollen. Der Confliet wird verschärft durch den Umstand, daß Thusneldas leiblicher Vater in der Reihe der Widersacher sich befindet und seine Ränke es zu Wege bringen, daß Thusnelda unterliegt. Ein historisches Jntriguenstück kann man das Ganze nach Anlage und Durchführung nennen. Als wir das Stück vor einem Jahre lasen, berührte uns angenehm die der Hauptsache nach confequente Zeichnung der Charaetere und die fließende, durch einen gewissen markigen Nachdruck ausgezeichnete Sprache. Wie wir hören, hat der Autor mittlerweile das Drama einer vollständigen Umarbeitung unterzogen, und da wir nicht wissen, auf welche Punkte sich dieselbe erstreckt und ob verschiedene formale Unzuträglichkeiten, welche uns damals auffielen, ausgemerzt sind, müssen wir mit unserer Besprechung dieses Werkes innehalten. Mit seinem neuesten Opus „Die bekehrten Emanei- pirten" bewegt Adolf Müller sich auf einem Gebiete, das in feiner burlesken Seite von Benedix (Dr. Wespe) und Sonntag (Frauenemaneipation) nachgerade erschöpft sein dürfte. Die Dinge, die man verspottet oder lächerlich macht, müssen auch wirklich im Leben existiren, nicht blos in der Phantasie der Autoren und den Zeichnungen der „Fliegenden Blätter". Niemand sollte versäumen, sich den Wriftnachts-Katalog, dendas Versandtgeschäst Mey & E> Chris t bausnslä nder u Samstags bleibt mein Geschäft bis 5 Uhr Abends geschloffen. 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Es wird die „Zuverlässigkeit" meiner Behauptung, die Stadt habe den Hauptprozeß verloren, angezweifelt. r , Zur Begründung wird der lediglich und allein aus die Kostenvertheilung bezügliche Schlußsatz des Urtheils angezogen. Es genügt, die Klagebitte der Stadt hierher zu setzen. Die Stadt beantragte, das Gericht wolle aussprechen: „daß bei der bevorstehenden Feststellung des Werthes der hiesigen Gasbeleuchtungsanstalt durch „Experten gemäß § 3 Absatz 1 des Gasbeleuchtungsvertrages vom 17. September lööa der „vom Herrn Beklagten im Betriebe dieser Anstalt erzielte und ,zu erzielende „Gesch ästsgewinn nicht in Anschlag zu bringen und die Ausgabe der Experten „demgemäß zu begrenzen sei." Die Stadt war der Kläger, von ihr ging der Angriff aus, sie ries das Schiedsgericht an, sie verlangte Ausscheidung des Erträgnißwerthes aus deü verschiedenen Factoren, die den „wahren Werth bestimmen. ., Das Gegentheil entschieden die Richter, die Stadt unterlag mit ihrem Begehren, der Erträgnißwerth mußte mitberücksichtigt werden. Daß ich die mir damals mehrsach von solchen, die mit der Sache besaßt waren, Leautzerte Auffassung, die Stadt schulde mir, abgesehen von Grund und Baulichkeiten, nur den Werth der Gassaorr als „altes Eisen", abwehren, und es schließlich aus die schiedsrichterliche Entscheidung ankommen lasten mußte, war für mich gewiß sehr peinlich. Allein es war meine sehr ernste und, da das in dem Werk befindliche Capital nur zum kleineren Theile mir gehörte, in keinem Falle zu umgehende Mcht. Zu II. Es scheint mir, daß zu der hier besprochenen Frage der Herr Angreifer s°elbst, insbesondere an der im Drucke gerade herausgehobenen Stelle, darthut, daß Berechnung des geschäftlichen Werthes und Forderung von mir in Gegensatz gestellt waren. Es ist und bleibt eine Unwahrheit, daß „ich meine Forderung aus eine Million berechne , worunter nichts anderes verstanden werden konnte, als daß ich eine Million gefordert hatte. Hier bin ich indeß veranlaßt, einige in der Erklärung von deren Verfasser noch angeführte Ziffern aus dem aus Wunsch der Stadt übergebenen Schätzungsmaterial in ihrer richtigen Bedeutung sestzustellen, weil daran in dieser Erklärung gemäkelt wurde. . Es bestand dieses Material in Zusammenstellungen der wichtigsten der mannigfachen Factoren, die den Werth einer Gasanstalt bedingen. „ - ~ ,x Die erste stellte aus den betr. Bestimmungen in den Beleuchtungsvertragen einer großen Anzahl anderer Städte fest, daß als der Ertragswerth im Mittel ungefähr das 1 Drache des Ertrages betrachtet werde. 2 Die Herren Experten bezifferten diesen Ertragswerth später sogar aus das 16fache bev Ertrages - — sie nahmen allerdings für die Zeit nach Ue der gang des Werkes an die Stadt einen wesentlich geringeren Ertrag an, als er vorher war. Wenn bei Besprechung dieser Ausstellung auch vorwurfsvoll gesagt ist, daß das Erträgnis; anfänglich auf zwischen 55000 und 60000, im späteren Prozeß aber auf nahezu 70000 JL beziffert sei, so ist die naheliegende Erklärung hiervon einfach die, daß ersterer Betrag, wie in dem betr. Schreiben [4] angegeben, das voraussichtliche mittlere Erträgniß aus den Jahren 1881/82, 1882/83 und 1883/84 darstellte, während im Prozesse einmal das Erträgniß des letzten Jahres, 1885/86, als nicht weit von 70000 JC. von meinem Herrn Anwalt angegeben wurde. Zur Beurtheilung des zweiten wesentlichen Factors der Werthbestimmung, des Bauwerthes, war eine Zusammenstellung der Beschaffungskosten der sämmtlichen einzelnen Bautheile der Fabrik gefertigt worden, die, wie in dem Begleitschreiben erläutert war, für die Gebäude diejenigen Werthe enthielt, mit welchen sie im Brandkataster stehen, für die Apparate die Anschaffungskosten. Diese Zusammenstellnng bezifferte sich auf 499600 — Da die Herren Experten bei ihrer Feststellung des Bauwerthes nicht den Anschaffungspreis, zu dem eine gleiche Fabrik damals zu errichten gewesen wäre, sondern den Bauwerth zu bestimmen hatten, welchen die Anstalt nach ihrer Ueberzeugung in ihrem damaligen Zustande hatte, mußten sie natürlich zu einem anderen Resultate kommen,- sie haben an jedem Objekte, je nach dessen Alter, welches ihnen bei jedem einzelnen angegeben war, die nach ihrer Auffassung angemessene Amortisation in Abrechnung gebracht, die bei einzelnen Gebäuden und Apparaten bis zu 50 pCt. des Werthes und mehr angenommen wurde. So bezifferten sie den Bauwerth der Fabrik im damaligen Z ustand e auf 320,000 Mark. Nicht habe ich mich darum in dieser meiner Aufstellung zu meinen Gunsten geirrt. Ebenso verhält es sich mit der Schätzung des Er t r a g s w e r th e s meinerseits und seitens der Herren Experten. Ich hatte als solchen das lö^fadje des damaligen tatsächlichen Ertrages angegeben, diese sagten: er ist das 16fache des nach unserer Meinung zukünftigen Ertrages nach Uebergang des Werkes an die Stadt. Zu III. Es ist und bleibt unwiderlegt, daß das von mir abgelehnte Ansinnen der Zulassung einer Vorabschätzung so ungewöhnlich, als unberechtigt war. — In welchem Maße, das zeigt Herrn Director G r o h m a n n s Schreiben. Zu IV. Es ist und bleibt eine nnzulässige Angriffsweise, aus einem Rechtsstreite, weil man in demselben den Erfolg des Sieges für sich hat, Capital zu schlagen, in der Weise, wie geschehen. — Nach meiner Ueberzeugung genügte die von mir abgegebene Erklärung, 4 Monate vor dem 1. October meine definitive Entschließung mitzutheilen, auf alle Fälle aber keine Störung im Betriebe an diesem Termine zuzulassen, vollkommen, um jedes Hemmniß in der Betriebsübernahme auszuschließen. Zu Y. bemerke ich lediglich, daß, trotz allen Deutelns, die Behauptung bestehen bleibt, daß in unklarer, verschiedenartige Deutung gestattender Form gesagt wurde: „Ich habe mit dem Ansehen meines „Amtes auf die Schiedsrichter im Processe gegen die Stadt zu wirken vermocht". Von Schwierigkeiten, die mein Verbleib im Amt als Beigeordneter vor dessen Niederlegung hätte verursachen können, hatte ich keine Ahnung; — auch heute bin ich überzeugt, daß, wäre die jetzt geäußerte Meinung meines Widersachers von den Stadtverordneten getheilt gewesen, von irgend einem Mitgliede dieser Corporation mir eine Andeutung in dieser Richtung nicht vorenthalten worden wäre. Soviel zur Abwehr gegen die Angriffe. Weil aber aus Anlaß dieser Erörterungen Manche, die den städtischen Angelegenheiten ferner stehen, zu der Meinung kommen könnten, es sei die Erwerbung der Gassabrik seitens der Stadt, so wie geschehen, nicht besonders werthvoll oder Vortheilhaft für dieselbe gewesen, gestatte ich mir noch wenige, nicht gerade zur Abwehr des Angriffs gehörige Worte. Zur Zeit meines Erwerbs der Gasanstalt war dieselbe ein erträgnißloses, vergeblich von den Unternehmern in den Zeitungen ausgebotenes Werk- — auch die Stadt, so groß ihr Interesse an dessen eigenem Besitze war, hatte nicht den Muth, oder besser gesagt, war zu vorsichtig, es zu kaufen. Ich hatte den Muth, das zu thun, und das Vertrauen, die Anstalt zu heben. Anfangs noch lange fast ertragslos, später mäßige Verzinsung erreichend, gelangte die Gasfabrik gegen den Vertragsablauf zu hoher Blüthe und Rente und fiel dann der Stadt als gut geordnetes Werk am 1. October 1886 mühelos zu. Sehr groß sind bereits jetzt für die städtischen Finanzen die Früchte dieser anfangs langsamen Entwicklung. 3 Im verflossenen Geschäftsjahre erzielte die Stadt aus der Gassabrik, für welche sie 440.000 JL bezahlt hatte, ein Erträgnitz von 71,012 Mark. Dieses Ertragnis entspricht: einer Verzinsung von 13 !?w ^Schenillch ’ beigN' *Ä> 81 Montags- fotzenden Xflj Betreffen Das Gl «n »le G NN der beglich regeln (M, blatt 267)« nißmäßtgen ß würde, hat 0 -es Verkehrs 1. Die i Gerne gestat in i thierc gleite -oliz das frei 2. Dies erthe jeben druck 3. Sie die kiche brach 4. Die i auf bi , Solern S theilmg Mine liegend erachtei zugleich das gründen wolle Betresfent Das Gr au die G befitzeuden nähme der/ Wir brau' Achter MM A'cher ■>>6. »i* Neu h .JMSe^eiib ft M »?: ^etnbet - rt7Qfa und t ^anetntn fleäen ©ontraoe 3«'W *) Sobald rnde an b“ Äßj äbeti HN 1 gS;1, ‘>«5,