Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bureau r S ch u l st r a ß e 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Nr. 22S Drittes Blatt. Sonntag den 30. September 1888. iehcner Anzeiger Betreffend: Die landwirthschaftliche Winterschule des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen zu Büdingen, Winter-Cursus 1888/89. Bekanntmachung. Der Unterricht der landwirthschaftlichen Winterschule zu Büdingen beginnt in diesem Jahre Donnerstag den 1. November und wird Ende März kommenden Jahres geschlossen. Die Anstalt, zunächst für die Befriedigung des Bildungsbedürfnisses des mittleren und kleinen Landwirths bestimmt, wird den Schülern neben der Fortbildung in den Realfächern die Grundlage für den rationellen Betrieb der Landwirthschast übermitteln. Es erstreckt sich der Unterricht auf Ackerbaulehre, Viehzucht, Obstbaumzucht, landwirthschaftliche Betriebslehre, Schreiben, Rechnen, Mathematik, Deutsch, allgemeine Naturkunde, Verfassungs- und Verwaltungslehre. Der diesbezügliche Lehrplan ist nach dem von der Grobherzoglichen Regierung für die landwirthschaftlichen Winterschulen festgestellten Unterrichtsplan entworfen und erstreckt sich auf zwei Winterkurse. Es bestehen daher zwei zusammen gehörige Klaffen. Unterrichten werden außer den beiden Landwirthschastslehrern Dr. Ullmann und Andrae, Lehrer Diehl sen. aus Bleichenbach, Lehrer t P. Freimann Veterinärarzt Gerhard. Hofapotheker Kraußer jun., Lehrer Ruth. Der Unterricht ist durch eine Sammlung werthvoller Lehrmittel unterstützt. Auch wird durch zahlreiche Excursionen nach nahe gelegenen mittleren und größeren Gutswirthschasten und Hofraithen, nach größeren Obstbaumschulen und gewerblichen Etablissements, durch Feldmeß'Uebungen und Feldtaxationen, durch Besichtigung von zusammengklegten Feldern, von zweckmäßigen Wiesenanlagen und Drainagen die practische Seite im Unterricht besonders berücksichtigt werden. Die Unterrichtsstunden sind so gelegt, daß Schüler aus solchen Ortschaften, welche nicht weit von Büdingeu oder in der Nähe der Oberhessischen Eisenbahn liegen, zu Fuß ober per Bahn täglich den Weg hin und zurück machen können. Diejenigen Schüler aber, welche in Büdingen Wohnung und Kost nehmen wollen, können solche zu mäßigen Preisen erhalten. Zum Eintritt in die untere Klasse sind Absolvirung der Volksschule und einige Kenntnisse von dem practischen Betrieb der Landwirthschast Vor- bedlngung; in die obere Klasse können nur solche jungen Leute ausgenommen werden, welche entweder im Vorjahr bereits die untere Klasse einer landwirth- schastlichen Winterschule mit Erfolg besucht ober sich doch anderweitig die in derselben zu erwerbenden Kenntnisse angeeignet haben. Vom Besuch der Fortbildungsschule sind die Schüler der landwirthschaftlichen Winterschule entbunden. Das Schulgeld beträgt für jeden Kursus 12 «X Schüler, welche die obere Klaste absolvirt haben, diese aber in dem darauf folgenden Jahre nochmals besuchen, sind von der Zahlung des Schulgeldes befreit. Anmeldungen sind schriftlich oder mündlich an die Mitglieder des Kuratoriums oder an den Dirigenten der Anstalt, Landwirthschaftslehrer Dr. Ullmann, ju richten. Auch sind dieselben zu anderweitiger, bezüglicher Auskunftsertheilung gern bereit. Büdingen, den 20. September 1888. Das Kuratorium her landwirthschaftlichen Winterschule: Klietsch, Kreisrath. Knas, Bürgermeister. Nos, Bürgermeister. Maser, Bürgermeister. Dr. Oßwald. Dr. Ullmann. Deutschland. Berlin, 28. September. Mehrere Blätter melden, daß man die Spur derjenigen Persönlichkeit, welche die Veröffentlichung des angeblichen Tagebuchs Kaiser Friedrichs veranlaßt hat, bereits gefunden habe. Nach dem „Börsencourier" ist sogar die Person des betreffenden Mannes bereits eruirt. Wie das Blatt allerdings etwas unklar hinzufügt, geschah dies nicht durch die Haussuchung, welche man bei dem Berliner Verlage der „Deutschen Rundschau" vorgenommen hat, aber nach dieser Haussuckuna. Kassel, 28. September. Am Sonntag den 7. October findet hier die Landesversammlung der nationalliberalen Partei Kurhessens statt. Als Redner werden auf- Ireten: Professor Enneccerus-Marburg, Professor Meyer-Jena und Generalsecretär Patzig-Berlin. K 0 § K S S s» Gieße«, 29. September. Im August v. I. brachten wir reine Notiz bezüglich eines in der Nähe von Basel geschehenen Kindesraubs. Die 6 Jahre alte Bertha Brunner aus Lauwyl wurde vermißt und war z"letzt in Begleitung eines Mannes ge- . sehen worden, der das Aussehen eines Seiltänzers oder Zigeuners hatte. Die Staats- : anwaltschaft in Basel setzte damals eine Belohnung von 300 Frs. auf Entdeckung und Wiedererlangung des lebenden Kindes aus; es gelang jedoch nicht desselben habhaft zu werden, wohl aber führten die angestcllten Recherchen zur Entdeckung eines an dem ; Kinde verübten schreckliche- Verbrechens. Lorenz Bilger heißt das Scheusal, welches sich nach einem Berichte der „Frankfurter Zeitung" am 22. d. Mts. vor dem Schwurgerichte zu Freiburg i. B. wegen der Anklage, am 6. August v. I. die Bertha Brunner geraubt, mißbraucht und ermordet zu haben, zu verantworten hatte. Der Angeklagte, ! ein verheiratheter Maurer aas Neuweiler im Elsaß, leugnete anfänglich die That, legte ledoch in der Verhandlung ein umfassendes Geständniß ab und wurde demgemäß zum , Tode verurtheilt. „ _ Gießen, 20. September. Sichler's Hypodrom erfreut sich unausgesetzt eines - äußerst zahlreichen Besuchs. Es tft so, wie der Ausrufer unaufhörlich versickert: „Es - macht Spaß, es macht Vergnügen; es ist interessant und amüsant." Jede Pidce bietet neue Abwechslung und die mitunter recht drolligen Scenen erhalten das Publikum 7 fortwährend bei guter Laune Wer sich für einige Pfennige eine vergnügte Stunde bereiten will, versäume nicht den Besuch der Reithalle. n 5 n n Vermischtes. Darmstadt, 28. September. In verschiedenen Provinzen Italiens scheint Zeitungsnachrichten nach, wie fast alljährlich, unter dem Hausgeflügel die sogen Hübnercholera, eine sehr ansteckende Krankheit, zu herrschen, welche da, wo sie auftritt nickt unbedeutenden Schaden anzurichten pflegt. ' Diese Krankheit, welche durch einen Spaltpilz verursacht wird, geht nicht allein aus Hühner, sondern auch auf anderes Geflügel, wie namentlich auch auf Gänse über und kann auch auf Kaninchen übertragen werden. Der Verlauf der Krankheit ist meist ein sehr rascher. Eharakteristische Krankhektserscheinungen werden dabei nicht wahrae- nommen. Die erkrankten Thiere sitzen in der Regel mit geschlossenen Auaen und ne- sträubtem Gefieder da und verenden meist bald ohne sichtbaren Todeskampf^ Bei Hüb- nern erscheint der Kamm gewöhnlich dunkel. Durch das schnelle Verenden der Thiere sind die Besitzer oft veranlaßt, an Vergiftung zu glauben. Nachdem schon wiederholt Einschleppungen der genannten Seuche nach Deutschland stattgefunden haben, ist neuerdings wieder vom Netchsamt des Innern daraus hingewiesen worden, daß es sich empfehlen dürfte, die Interessenten auf die Gefahr aufmerksam zu macken. ®1 wh£ d°her, um einer größeren Verbreitung der Seuche im Inland und namentlich auch um die Geflügelhalter vor dem Schaden zu bewahren, der ihnen beim Bezug von Federvieh aus Italien droht, diesen sowohl als namentlich auch den Händ- u beim Ankauf von Geflügel, welches aus Italien stammt oder welches mit solchem in Berührung gewesen ist, möglichste Vorsicht anzuwenden und die anzu- > kaufenden Thiere nickt allein genau auf ihren Gesundheitszustand zu prüfen, sondern dieselben auch einige Tage von dem übrigen Federvieh isolirt zu halten und bei etwaigen Ausbrüchen der beuche eine gründliche Desinfection vorzunehmen, welche namentlich in der sorgfältigen Begießung der benutzten Räumlichkeiten und der Excremente der kranken und verdächtigen Thiere mit Carbolsäurelösung oder sonstigen Desinfections- mitteln zu bestehen haben wird. Am meisten wird es sich empfehlen, das birect aus Italien kommende Geflügel einer entsprechenden Controle zu unterziehen. A Mainz, 28. September. Die vor einiger Zeit durch die Blätter gegangene Nachricht, daß Generallieutenant von Winterfeld von dem Posten als Gouverneur von Mainz zurücktritt, findet jetzt dadurch ihre Bestätigung, daß Herr v. Winterfeld für den 1. Januar 1889 in Darmstadt sich eine Wohnung gemtethet hat. In Mainz sieht man den seitherigen Gouverneur mit Bedauern scheiden. — Auf dem hiesigen Centralbabnhof gerieth heute in den ersten Morgenstunden ein erst vor Kurzem in Dienst getretener Hülfsarbeiter zwischen zwei Wagen eines Güterzuges, wodurch er mehrere schwere Verletzungen daoorrtrug. Wahrscheinlich wird dem Verunglückten ein Bein abgenommen werden müssen. — Eine Beerdigung, die an frühere Zeiten erinnert, fand gestern hier statt. In vollem „Wichs", in Schurzfellen und große Winkel tragend, verbrachten nämlich Zimmer- gesellen euren Zunftsgenossen nach dem Friedhof. An den Winkelhaken prangten Sträußchen von Rosmarin. — Die ersten dichten Herbstnebel lagen heute Morgen wie auch am Abend auf dem Rhein. — Ein Mitglied des hiesigen Radfahrerclubs hat mit einem Collegen von auswärts am verflossenen Sonntag die Parforcetour ausgeführt, in 20 Stunden die 300 Kilometer lange Strecke von Rüsselsheim am Main nach Durlach in Baden auf dem Zweirad zu fahren. Die Abfahrt in Rüsselsheim erfolgte in der Nacht vom Samstag auf Sonntag um 12 Uhr 1 Minute und die Rückkunft daselbst Sonntag Abend 11 Uhr 35 Minuten, die Rastzeit während der Fahrt betrug 31/2 Stunden. — Der seiner Vollendung entgegengehende Neubau des hiesigen Gymnasiums soll nach einer Mittheilung des „M. T." erst nach den Herbstferien 1889 in Benutzung genommen werden. — Ein bedeutungsvoller Tag ist für eine ganze Anzahl junger Leute der 1. October. Wir meinen für diejenigen, welche an diesem Tage aus dem Civilleben scheiden und den bunten Rock der Soldaten anziehen, das heißt also neugebackene Einjährig-Freiwillige werden. Denselben steht in diesem Jahre eine besondere Auszeichnung, wenn man es so nennen darf, bevor. Sie sind nämlich die ersten, welche, abgesehen von den schon ausgebildeten „Versuchsmannschaften", zum ersten Mal nach dem neuen Exercierreglement ausgebildet werden. Auf ihre Ausbildung wird infolgedessen ein besonderer Werth gelegt werden, da sie ihren drei Jahre dienenden Kameraden, welche einige Wochen später wie sie eintreten, zum Muster dienen müssen. Die Wochen ihrer Ausbildungszeit werden daher gerade nickt die angenehmsten sein und mancher Schweißtropfen wird bis zu ihrer Vollendung fließen. Doch das darf die jungen Vaterlands- vertheidiger wenig geniren, und wenn sie Lust und Liebe zum Soldatenstand mitbringen, werden sie auch die größten Strapazen und Anstrengungen mit Leichtigkeit ertragen und ihre Rekrutenzeit wird ihnen stets eine angenehme Erinnerung für's ganze Leben sein! — Die Kosten einer amerikanischen Wahlcampagne bieten besonders im gegenwärtigen Moment, in welchem wir unmittelbar vor den Wahlen stehen, manch interessante Handhabe zu Vergleichen mit unseren diesbezüglichen Verhältnissen. Einen Interview mit einem der competensten „praktischen Politiker" Newydrks, der sich sein halbes Leben mit Einrichtung in Wahlagitationen abgegeben hat, entnehmen wir die merkwürdige Thatsache. daß das Vergnügen, der Erwählte des Polkes zu werden, in Amerika auf dem Lande viel kostspieliger ist als in den großen Städten. Unser Gewährsmann, Herr Jakob Heß in Newyork, sagt darüber: „Unter normalen Umständen kostet einem Manne eine Wahlcampagne in der Stadt Newyork zwischen 5000 und 10,000 Dollars (20,000 bis 40,000 JL). Um aber in den Landdistricten zum „Nominalen", also zum Eandidaten zu gelangen, muß man schon weit mehr springen lassen. Da sind außer Druckkosten in den übrigen gewöhnlichen Ausgaben noch die enormen Kosten für Fuhrwerk während der ganzen Wahlcampagne zu bestreiten. Alles zusammen beläuft sich auf ca. 40,000 Dollars (160,000 Da müssen die Leute aus der Umgegend . per Wagen zu den Wahlversammlungen, Konferenzen, Besprechungen u. s. w. abgeholt und zurücktransporttrt werden. Natürlich werden auch die Wähler zu den Urnen htn- kutschirt. Ich meine nicht etwa, daß die Wähler direkt mit baarer Münze bezahlt werden: Der Wahlcandidat begibt sich gewöhnlich zu den Wagenoerlethern in den verschiedenen Dörfern und Städten des Wahldistrikts und erklärt, daß er seine Wähler nicht gern zu Fuß nach den Wahllocalen gehen lassen möchte. Gewöhnlich macht er alsdann mit dem Verleiher aus, daß dieser 5 Dollars (20 vM) pro Kopf für jeden Wähler erhält, den er mit seinen Wagen zur Urne transportirt. Dies ist ein so gewöhnliches Verfahren, daß es keinem Leihstallinhaber einfällt, irgend etwas Ungehöriges in dieser Art von Wählertransport zu finden. Zu den Kosten in ländlichen Wahl-Campagnen aber bildet dieses Arrangement einen ganz bedeutsamen Posten." — Man sieht, es ist doch ein theures Vergnügen, amerikanischer Congreßmann zu ! werden. — Heber die Melbourner Weltausstellung kommen Nachrichten nach . Deutschland, denen zufolge die deutsche Abtheilung im Ganzen cin recht erfreuliches i Bild bietet. Das Einzige, was allenfalls daran auszusetzen wäre, ist die Zerlegung ' derselben an verschiedene Stellen des Gebäudes, eine Einrichtung hh, m des letzteren zusammenhängt und gegen welche daher deulsc^rsests Bauart konnte. Deutschland hat jetzt besetzt? 1. bie ötlbnJaH m ca 2. das sogenannte Hauptgebäude mit 6000 Quadratfuß- 3 die °tnhii ftrhL 71000 Quadratfuß; 4. den Maschinenraum mit 20 OW QuliÄ!nü!^b^ihetlung mrl BW®®® in besonderen Räumen untergebracht sind, ergab sich von selbst Masch nen Disposition der Ausstellungsräume. Nur das Nebeneinanders BW ääsSBs Allgemeiner Anzeiger. 7425 Liste 7545 PH. Weller, Küfer, Wolkengasse 24. der Export-Cü für Deutschen. Cognac Köln a. Rh., bei gleicher Güte bedeutend billiger als französischer. Ueberall In Flaschen vorrätig. Man verlange stets unsere Etiquettes. Diretter Verkehr nur mit Wledenerkiufem, 3ÄT Wer Sprachen kennt, ist reich zu nennen. "Wz Lieferung von 100 000 Stück eichenen oder buchenen Bahnschwellen l. 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