Ar. 202 Erstes Blatt. Donnerstag den 30. August 1888.
(<)icßenet Anzeiger
Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. v Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Bureaur Schulftraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. .
Amtticher Hßeit.
Betreffend: Die Enteignung von Gelände in der Gemarkung Hungen zur Erbauung einer Nebenbahn von Hungen nach Laubach.
Bekanntmachung.
Nachdem die Gemeinde Hungen zum Zweck des Baues einer
Nebenbahn von Hungen nach Laubach die Enteignung des nachverzeichneten Geländes:
Ord-
Größe des ganzen
Größe der zu entNr.
Flur
Nr.
Grundstücks Meter
eignenden Fläche Meter
Bezeichnung
Besitzer
1.
4
459
350
1
Grabgarten, die Baumgärten
Philipp Zimmer.
2.
4
463
493
128,7
daselbst
Derselbe.
3.
4
460
1419
38
daselbst
Heinrich Jakob Stein.
4.
5.
4
4
354
355
725
1506
120
340
Wiese bei den Schuttkrautgärten, daselbst
Derselbe. Karl Fendt.
6.
4
110
1825
108
Grasgärten, Rothsgärten
Christoph Karl Bender.
7.
13
162
787
92
Wiese, die Hubbacherwiese,
Derselbe.
8.
13
163
281
46
daselbst
Derselbe.
9.
13
164
481
88
daselbst
Derselbe.
10.
13
165
438
105
daselbst
Derselbe.
11.
4
356
1553
600
Wiese bei den Schuttkrautgärten
Karl Seibert.
beantragt hat, so wird der Plan nebst dem Anträge der Gemeinde Hungen mit Anlagen in der Zeit
von Donnerstag den 6 September bis zum Donnerstag den 20. September I. I.
auf dem Büreau der Großherzoglichen Bürgermeisterei Hungen zu Jedermanns Einsicht offengelegt und wird Tagfahrt vor der Local-Commission auf:
Donnerstag den 20. September l. I., Nachmittag- V22 Uhr,
auf das Rathhaus zu Hungen zur Verhandlung über den Plan und die zu leistende Entschädigung hierdurch anberaumt.
Die Eigentümer des oben verzeichneten Geländes und etwaige Nebenberechtigte werden hierdurch aufgefordert:
». Einwendungen gegen den Plan bei Meidung des Ausschluffes und Annobme der Einwilligung in die beanspruchte Abtretung oder Beschränkung, d. Erklärung auf die angebotene Entschädigungssumme bei Meidung dec Unterstellung der Annahme des Angebotes, e. Anträge auf-Ausdehnung der Enteignung bei Meidung des Ausschluffes mit solchen,
6. Anträge aus Aufrechterhaltung bestehender Lasten (Art. 19) bei Meidung des Ausschlusses mit solchen,
o. Anträge auf Einrichtung und Unterhaltung von Anlagen im Sinne des Art. 14,
k- etwaige noch unbekannte Ansprüche und Rechte an das zu enteignende Grundstück, in dem Termin vorzubringen.
Sofern in dem Termin Einwendungen gegen den Zweck und Plan, sowie die damit in Verbindung stehenden Anträge nicht voraebracht werden sollten dann wird in dem bezeichneten Termine
Donner-tag den 20. September l. I.
zugleich über die Höhe der Entschädigung und die mit ihr zusammenhängenden Fragen verhandelt werden.
Gießen, am 29. August 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
..__I- V.: Jost, Regierungsrath.___________________________6906
Betreffend: Ein auf dem gestrigen Viehmarkt dahier zurückgebliebenes herrenloses Kalb.
Bekanntmachung.
Auf dem gestern dahier abgehaltenen Viehmarkt ist ein herrenloses Kalb zurückgeblieben. Derjenige, welcher Ansprüche an dasselbe machen zu können glaubt, wird aufgesordert, dieß alsbald dahier zu thun, widrigensalls das Kalb als gefundener Gegenstand betrachtet und zu Gunsten der Armenkasse veräußert wird.
Gießen, am 29. August 1888. Großherzogliches Polizeiamt Gießen-
Fresenius. 6925
Politische Rundschau.
Gießen, 29. August.
Die Einberufung des preußischen StaatSrathes soll im Spätherbfte bevorstehen und werden als Zweck der Berufung dieser Körperschaft preußische Gutachten über Reichstagsvorlagen bezeichnet. Es könnte sich dies auf die Arbeiter-Alters-Ver- sorgung wie auf das Genossenschaftsgesetz beziehen, welche beiden Entwürfe noch ihrer Erledigung durch den Bundesrath harren.
Die anläßlich der Ernennung des Grafen Moltke zum Präses der LandeSvertheidigungs-Commisfion aufgetauchte Nachricht, die genannte Commission würde demnächst zusammentreten, wird jetzt als unzutreffend bezeichnet. Es heißt, daß man bezüglich der Gegenstände, welche die Commission zu beschäftigen haben würden, erst die Ergebnisse der bevorstehenden Herbstmanöver, und zwar sowohl die zu Lande, als auch diejenigen der Flotte, abwarten wolle.
An diesem Donnerstag findet im sechsten Berliner Wahlkreise die Reichstagsersatzwahl für Hasenclever statt, der man auch außerhalb der Reichshauptstadt mit Interesse entgegensteht. Dasselbe concentrirt sich namentlich darauf, wie sich das Stimmenverhältniß zwischen dem Candidaten der Freisinnigen und demjenigen der Eonseroatioen, resp. der Cartellparteien stellen wird. Bet den Wahlen des vorigen Jahres war letzterer in dem genannten Berliner Wahlkreise seinem fortschrittlichen Concurrenten um beinahe 6000 Stimmen voraus, so daß nicht der Fortschrittler, sondern der Cartellcandidat, wäre es zur Stichwahl gekommen, in derselben mit Hasenclever zu ringen gehabt hätte. Da diesmal eine engere Wahl sehr wahrscheinlich geworden ist, so ist die Spannung begreiflicher Weise nicht gering, ob in diesem Falle der Cartellcandidat oder der Candidat der Freisinnigen mit dem Vertreter der Arbeiterpartei, Herrn Liebknecht, in die Schranken zu treten haben wird.
Die Begegnung, welche der Italienische Ministerpräsident auf der Rückreise von Friedrichsruh in Eger mit dem Grasen Kalnoky.gehabt hat,bildet noch immer den Brennpunkt der diplomatischen Lage. Zwar ist vom Secretair des österreichischen Ministers des Auswärtigen einem ihn „interviewenden" Correspondenten der„R.Fr.Pr."
i in bündigster Weise erklärt worden, es seien in Eger keinerlei politische Abmachungen | oder Vereinbarungen getroffen worden, ebensowenig wie Massauah und der italienisch- ; französische Conflikt in Friedrichsruh Veranlassung zu Erörterungen geboten hätten, aber das hindert nicht, daß die Zusammenkunft zwischen Crispt und Kalnoky, mit der Entrevue von Friedrichsruh im Hintergründe, noch fortgesetzt die Tagessituation beherrscht. Was namentlich der Egerer Zusammenkunft ein eigenartiges Relief verleiht, ist der Umstand, daß gleichzeitig die großen Flottenübungen Frankreichs und Italiens begonnen haben und fast möchte man geneigt sein, denselben angesichts des gespannten Verhältnisses zwischen beiden Mächten eine bestimmte Bedeutung zuzuschreiben. Die Franzosen manöoeriren mit einem großen Geschwader unter persönlicher Anwesenheit des Martneministers Admiral Krantz bei den Hydres-Jnseln und besteht dasselbe aus der eigens mobtlisirten Reserve-Flotte für das Mtttelmeer und dem sogenannten Evolutionsgeschwader, zusammen 21 Fahrzeuge. Diese imposante maritime Machtentfaltung des französischen Nachbars scheint nun in Italien etwas beunruhigt zu haben, vielleicht wittert man dort gar einen französischen Handstreich auf Tripolis, denn die italienische Manöverflotte hat plötzlich veränderte Directionen erhalten, durch welche sie von den sicilianischen Gewässern aus in kürzester Frist in den Gewässern von Tripolis erscheinen kann. Außerdem ist aber auch das italtenischerseits zusammengezogene Uebungsgeschwader ungewöhnlich stark und diese gegenseitigen Schiffsdemonstrationen sind ein hinlänglicher Beweis von dem Mißtrauen, mit dem sich Frankreich und Italien betrachten. Doch glaubt man in diplomatischen Kreisen nicht, daß diese Demonstrationen einen ernsteren Zweck haben könnten und besonders verneint man, daß Italien zu einer jedenfalls dann isolirten Action schreiten könnte, eine Anschauung, welche durch die beruhigenden Erklärungen der Crispi'schen „Riforma" über den Friedenscharakter der Begegnungen Crispi's mit Bismarck und Kalnoky ihre Rechtfertigung finden.
Nach einer Depesche aus Messina vom 27. August passirte das italienische Geschwader am Sonntag Abend die Meerenge von Messina, um sich nach Augusta zu begeben. Augusta ist ein Hafen in der südsictlianischen Provinz Syracusa und. führt von hier der kürzeste Seeweg nach der afrikanischen Küste.
Der russisch« Kaiser hat für einige Zeit seinen Aufenthalt in Jlzinskoje, dem unweit Moskau gelegenen Landgute des Großfürsten Sergius, genommen. Ob alsdann der Czar noch nach Kopenhagen zum Besuche des dänischen Hofes gehen wird, bleibt noch abzuwarten, jedenfalls dürften aber, so lange Alexander III. in der ländlichen Stille von Jlgtnskoje weilt, in der russischen auswärtigen Politik keine besonderen Ueber- raschungen zu gewärtigen sein.
Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. . n/x Lust 15, Wasser 15 Gr.
Gießen, den 29. August 1888. Rübsamen.
Literarisches.
~ Sammelstelle des besten, was unsere moderne Unterhaltungsliteratur
bietet, hat sich Schorer's Familienblatt von jeher bewiesen und von Jahr zu Jahr steigerte sich sein Ruf, das vielseitigste, interessanteste und bestillustrirte aller Journale zu sein. In der -rchat, es ist ein echtes Familienblatt und werth, bei Alt und Jung immer neue Freunde zu finden. Besonders hat die prächtig ausgestatlete handliche Salon-Ausgabe alle guten Eigenschaften eines rechten Hausbuchs, sowohl was den Text als auch was die Illustrationen betrifft, welche auf's Sorgfältigste gewählt und
• 0Ö?Lv^ugltch ausgefuhrt sind. Wenn wir Eingangs sagten, daß genanntes- Blatt m sich die besten Erzeugnisse unserer modernen Unterhaltungsliteratur vereinigt, so erhalten wir soeben einen neuen Beweis dafür durch das jüngst erschienene erste Heft des vierten Jahrganges der Salon-Ausgabe, denn es wird uns darin mitgetheilt
neue Jahrgang einen Roman von Nataly v. Eschsttuth bringen wird, eine Nachricht, welche gewiß überall auf das Angenehmste überraschen wird. Auch der in Hest 1 beginnende Roman „Im Bann der Liebe" von Sahra Hutzler, derselben, die so gemuthooll das Leben unserer Kleinen zu schildern weiß, wird berechtigtes Aufsehen zachen. Es /reut uns auch, mittheilen zu können, daß Schorer's Familienblatt jetzt beginnt, öffentlich für eme allgemeine, gesetzlich geregelte Sonntagsruhe energisch einzutreten. Dies ist eine der brennendsten Fragen unseres öffentlichen Lebens und wir werden tn Schorer's Familienblatt die mannichfaltigsten Aussprüche hervorragender Persönlichkeiten der Gegenwart über diesen Gegenstand vernehmen. Die „Rundschau über die Schulreform" wird ebenfalls fortgesetzt. - Der Preis eines Heftes ist 75 Alle 4 Wochen erscheint ein solches.
Kandel und Werk ehr.
m ,27 c F?r die zu gewährenden Beförderungsvergünsttgungen für Ausstellungs- Gegenstande hat der deutsche Etsenbahnverkehrsverband, wie die „Voss. Ztg." erfährt folgende Bestimmungen und Voraussetzungen vereinbart: 1) Für die Hmbeförderuna zum Ausstellungsorte wird stets die volle Fracht berechnet. 2) Die Rückbeförderung an den Aussteller des ersten Original-Frachtbriefes erfolgt frachtfrei, wenn die Be- strmmungen unter 3., 4. und 6. erfüllt werden. 3) Bet der Hinbeförderung ist das Gut im Frachtbriefe ausdrücklich als Ausstellungsgut zu bezeichnen. Bet Vereinigung von ^u?!lElluugsgut und Ntchtausstellungsgut zu einer Frachtbriefsendung ist die fracht- frete Rückbeförderung der Theilsendung ausgeschlossen. 4) Die Aufgabe zur Rückbeförderung muß innerhalb vier Wochen nach Schluß der Ausstellung und stets auf der nämlichen Station erfolgen, wo das Gut in Empfang genommen wurde. Dabet sind sammtltche Frachtbriefe für den Htntransport und eine Bescheinigung des Aus- stellungs-Eomtt^'s darüber, daß die Gegenstände ausgestellt, aber unverkauft, bezw. unverlooft geblieben sind, vorzulegen. 5) Wird vom Ausstellungsgut nur ein Thetl verkauft, so wrrd der Rest gegen Vorlage der unter 4) erwähnten Papiere ebenfalls frei zuruckbefordert. 6) Die Rückbeförderung darf nur in einer Sendung frachtfrei an den Aussteller des Original-Frachtbriefes für die Hinbeförderung erfolgen. Die fracht- fre e Rucksendung in mehreren Theilsendungen ist nicht zulässig. 7) Für die als Gepäck aufgegebenen Gegenstände ist frachtfreie Rückbeförderung ausgeschlossen. 8) Das auf dem Hinwege als Eilgut beförderte Gut wird auch auf dem Rückwege bei Vorlage mit ^t^?rr?r?d31bricf etlgutmäßig frachtfrei befördert. 9) Bei der Rückbeförderung ist Werth-Declaration zulässig, Jnteresse-Declaration dagegen ausgeschlossen. 10) Für besondere Leistungen bet der Rückbeförderung (Verwiegen, Verladen, Versicherungen :c.) werden die tarifmäßigen Nebengebühren berechnet.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S tclegr. Lorresponderiz, Burearr.
Berlin, 28. August. Der Kaiser traf um 6 Uhr 35 Minuten auf dem Potsdamer Bahnhofe ein und fuhr direct zum Schloß zum Besuche des Königs von Griechenland. Abends fand in den Gemächern des Kaisers ein Diner statt, welchem der König und der Kronprinz von Griechenland, der griechische Gesandte und die beiderseitigen Hofstaaten beiwohnten. Der König fährt morgen früh 8 Uhr 25Min. via Warnemünde nach Kopenhagen.
Berlin, 28. August. Der Kaiser wird heute nach Empfang seiner Kinder, die heute Morgen Oberhof verlassen haben und Nachmittags in Potsdam eintreffen werden auf einige Stunden nach Berlin kommen.
— Ihre Majestät die Kaiserin Augusta kam heute Mittag über Charlottenburg wo Allerhöchttdieselbe das Mausoleum besuchte, nach Berlin, empfing tm Palais den diesseitigen Gesandten bet dem Vatikan, von Schlözer, und kehrte sodann nach Potsdam zurück.
— Ueber die Weiterreise des Königs von Griechenland sind noch keine näheren Bestimmungen getroffen worden.
Berlin, 28. August. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die die Verabschiedung des General-Feldmarschalls Moltke betreffenden Schriftstücke. Moltke erbat am 3. d. M. den Abschied, da er bei seinem hohen Alter das Pferd nicht mehr besteigen könne. Der Kaiser erwiderte darauf am 9. August: Für ihn und für die Armee sei der Gedanke, den General-Feldmarschall nicht mehr aus dem Posten zu sehen, auf welchem derselbe das Heer zu den wunderbarsten Stegen geführt, die je die Kämpfe eines Heeres gekrönt haben, ein überaus schmerzlicher. Dennoch wolle er, wenn auch schweren Herzens, dem Wunsche willfahren. Um aber den General-Feldmarschall Moltke um das Wohl und Wehe des Vaterlandes beschäftigt zu sehen, bitte er ihn, dem Kaiser; dem Vaterlande und der Armee zu Liebe, das Amt des Präses der Landesverthetotgungs - Commission anzunehmen, welches seit dem Heimgänge seines Vaters unbesetzt gewesen sei.
_ x Dberhof, 28. August. Die Königlichen Prinzen haben mit ihrer Begleitung heute früh die Ruckreise nach Potsdam angetreten.
Drewitz, 28. August. Die Königlichen Prinzen trafen heute Nachmittag um 5 Uhr 15 Minuten hier ein und fuhren von hier zu Wagen nach dem Marmorpalats.
Wien, 28. August. Das Kronprinzenpaar ist heute Abend nach Gmünd (Bayern) abgereist.
— Der Erzherzog Carl Ludwig mit Gemahlin begibt sich am 30. August zu der Taufe des jüngsten Prinzen nach Berlin, wo ein zweitägiger Aufenthalt in Aussicht genommen ist. |
Paris, 28. August. Einem Telegramm des „Temps" aus Toulon zufolge i wird das Mobiltsirungs - Geschwader am Montag auseinandergehen und nach dort zur Abrüstung zurückkehren. w
Paris, 29. August. Im deutschen Botschaftshötel gab gestern ein Individuum, welches bereits in den letzten Tagen wiederholt daselbst erschien und den Kanzleibeamten Tournouer zu sprechen verlangte, aber abgewiesen worden war, einen Pistolenschuß auf Tournouer ab mit den Worten: „Endlich werde ich doch einen getödtet haben" Tournouer blieb unverletzt, der Thater wurde verhaftet, er heißt Garnier, ist 66 Jahre und will durch den Krieg und Unglücksfälle um sein Vermögen gekommen sein
Lokales»
^ *** Gießen, W. August. Vor seinem Scheiden von Gießen gedenkt Herr Oscar Zack in der Woche vom 19.—26. September noch drei Vorträge zu halten
19., 23 und 26. stattfinden sollen. Für den ersten Abend ist Shakespeares „Sommernachtstraum", für den zweiten eine epische Dichtung' von Adolph Mitzenius, und für den dritten Goethes „Egmont mit Aeethovens Musik in Aussicht genommen. Letztere wird von unserer wackeren Kraußeschen Capelle unter Leitung ihres Dirigenten ausgeführt werden. Wir wachen unsere geschätzten Leserinnen und Leser schon heute aufmerksam circuUren^wird.^^^ Oletchzettig, daß in den nächsten Tagen eine Lifte zur Subscription 1in8 I Rücksicht auf die diesjährige nasse Witterung wird
uns au9 dem Tagebuche eines verstorbenen hiesigen Büraers über hfp nhnTirhpn im Jahre 1829 Folgendes milgelheilti „Der Sommer im Jahre 1829 war so nab, daß es von Johanni mit weniger Ausnahme bis Anfang November immerwährend regnete Den zweiten October war das Wasser so groß, daß es üb r den kleinen Steinweg ging - ungefähr da, wo jetzt die Synagoge steht Kaum der zehnte Theil des Grummets konnte eingebracht werden; auch die Frucht und Kartoffeln J™’11? Aut "?*? 2?",^ und zwar naß nach Hause gebracht werden. Den 26. November
*on kalt, den 4. December fuhr Herr Kaspar Löber sein Grummet noch jiuu) jpau9<
Deutschland.
Berlin, 27. August. Den diesjährigen Kaisermanöoern — auf deren Bedeutung in tacnscher Beziehung schon Kaiser Wilhelm I. beim letzten Neujahrsempfang die Generale aufmerksam gemacht hatte — wird in allen beiheiligten Kreisen mit großer Spannung entgegengesehen. Es werden dabei in Thätigkeit treten 54 Bataillone Infanterie, 70 Schwadronen, 40 Batterien. Die sonst übliche Betheiligung zahlreicher fremdländischer Offiziere an den Kaisermanöoern fällt in diesem Jahre weg; es werden lediglich die in Berlin beglaubigten Militär-Bevollmächtigten zugezogen werden. Die frühere Gepflogenheit, fremde Offiziere an den Manöoern als Zuschauer theilnehmen zu lassen, hat doch zu mancherlei Jnconvenienzen geführt und dürfte vorläufig wenigstens in Deutschland nicht mehr Platz greifen. Auch Rußland ist dem deutschen Beispiele gefolgt und hat für dieses Jahr von der Zuziehung fremder Offiziere bei den großen Manöoern Abstand genommen. Dagegen wird den deutschen Kaisermanöoern diesmal ein besonders illustrer Gast ein auszeichnendes Gepräge geben: Erzherzog Albrecht, der General-Jnspecteur der österreichisch-ungarischen Armee, wird im September hier erwartet und zwei unserer bewährtesten Armeecorps werden es sich zur hohen Ehre rechnen, vor dem ruhmreichen Sohne des Siegers von Aspern Beweise ihrer feldmäßigen Ausbildung zu geben. Die diesjährigen Herbstübungen dürften übrigens für alle deutschen Truppen- theile von besonders practischer Bedeutung sein, da zum ersten Male sämmtliche Truppen vollständig mit dem neuen Gepäck ausgerüstet zu den Manöoern erscheinen und nunmehr auch die Erfahrungen hinsichtlich der Verwendung des Magazingewehres ungleich mehr in Fleisch und Blut übergegangen sind als im vorigen Jahre. Endlich beanspruchen die Herbstübungen 1888 auch noch ein historisches Interesse, als in denselben zum letzten Male die deutsche Infanterie als nach dem alten Exercierreglement ausgebildet auftreten wird. Es verschwinden damit viele liebgewordene Traditionen; aber neue Waffen verlangen auch neue Formen und somit bedeutet die jetzt zu Ende gehende Uebungsperiode nur einen erfreulichen Uebergang zu verbesserten und dem modernen Gefechte mehr entsprechenden tactischen Formen, welche der Ausbildung unserer Infanterie em verändertes Gepräge geben sollen.
Berlin, 27. August. Die türkische Regierung ist, wie der „Anz. f. d. Havell." I erfährt, gewillt, aus Preußen Büchsenmacher zu gewinnen. Die Direction der Gewehrfabrik zu Spandau hat unter ihren Büchsenmachern Umfrage gehalten, wer geneigt sei, in türkische Dienste zu treten. Drei haben sich bestimmt bereit erklärt, das Anerbieten der Türkei anzunehmen. Es wird bei der Auswahl der Leute Werth auf Kenntnisse in der französischen Sprache gelegt.
An unsere geehrten Abonnenten.
Wiederholte Beschwerden, welche in den letzten Tagen uns kund wurden, veranlagen unsdie geehrten Abonnenten unseres Blattes zu bitten, jede Unregelmäßigkeit der Austräger uns mit kurzer Notiz gefl. direct zu Nur dadurch sind wir in Stand gesetzt, Abhilfe zu schaffen. Die Austräger sind angewiesen, den Anzeiger in die 28ohnung der Abonnenten zu bringen und nicht, wie vielfach zu geschehen scheint, auf Treppen und Muren abzulegen.
Die Expedition des „Gießener Anzeiger"».
1? Fieiscli-Exrract, Pepton u. Bouillon
AlvÄl&lHöi Itfil S smd in kurz. Zeit bereits mit 16 Ehrendiplomen u. goldenen Medaillen ausgezeichnet worden.
Vermischtes.
j nn- Darmstadt, 28. August. An dem der Firma Lildebrandt aehnrln«. i '°°b-n 'm Bau beftnblijfcn 8ro&arti0en Jieftaurationäbau^ut ben^Sutai8§pIaB0erriBneU ftd) heute Morgen um W Uhr ein schrecklicher UnglückSsaU. Durch SiachlässjgkeKattl man versäumt, die nach der Straße gelegenen Fundamentmauern eines alten Gebäudes abzusprießen. Kaum begannen die Arbeiter heute Morgen ihr Tagewerk, als sich eine Steinmasse von über 100 Cubikmeter loslöste und 3 Arbeiter unter fick bear H
war ba8 ©cfÄrei der Verschütteten und erst nach einer angestrengten Arbeit ^eselben dem Tode zu entreißen. Zwei der Arbeiter davon lam ^ verquetscht, wahrend der dritte mit weniger schweren Verletzungen August. Ein biederes Bäuerlein aus den Gefilden des Odenwaldes stand gestern Mittag mit seiner besseren Hälfte vor einem unserer ersten Delicatessenladen und beschaute sich mit Wohlbehagen all die Herrlichkeiten für den ^??gen HL. *r Auslage. Da fällt fein Blick auf ein Plakat mit der Aufschrift
Ö,?ne PS ^tucro12 Welches Über einer Anzahl geräucherter Aale hängt „Des muß es neu Sort aus unsere Colonien sei, weil die so groß sinn da fnnnte ^mme", replicirt unser Bäuerlein zu seiner Ehefrau und Beide dem Geschäftsinhaber wird der Bauer jedoch Äm^^in»»«!^-"-"^ "/rkfam gemacht und er verläßt das Lokal mit langem Gesicht ^enf?."0 00 $ n aU$er* Cl llDd?: "Do derst ihr auch so kaan Zettel an die Dinger
j;- : s.seie Fahrt der Eisenbahnbeamten auf allen zum Vereinsverbände
8-ä°m?/"rs?^nstrecken soll nad) anderweitiger Meldung neuerdings durch einen Erlaß Ministers wesentlich eingeschränkt worden fein. Es sollen den Beamten fünftiabin "dbem roetVem eWe clnmaIi0c serienreife und für besonders dringende Fülle 28‘ August. Der Luftballon mit dem bekannten Luftschiffer Sim- b 3tDel€n Äderen stieg gestern Nachmittag von der irischen Ausstellung hier- auf, um den Kontinent -u gewinnen; er fiel aber am Abend um 6 Uhr bei
Ä,S, Ü bM ”>* »"»-».
jÄÄÄ/sSSä ÄÄ"
^rfmber des "Fernsprechers , d. h. er hat das Telephon „Fernsprecher" getauft er bat b e Mben TetuJn bfe "3io^?oft"' »v°stlag-rnb" unb „eingeschrieben" crfunben* hnt Atzten Bezeichnungen tur „poste restante“ und „recommanbirt". Schade
® selbst in's Deutsche übersetzt. „Doctor" ist nicht deutsch'
nSt hn tu Qr s ebenfalls mcht deutsch, „Poft" ist nicht deutsch, „Excellenz" ist nicht deutsch und — o Ironie des Schicksals — Stevban" selbst ist Anstatt Dr :,,, J n Äl'ttdj. Als^o^>orwärts:
s Stephan, Staatssecretar trn, Reichspostamt, Excellenz", wird es heißen: u^d 2^^ Kranz, Menschen-Zwangsvergesellschaftungs-Gehetmschreiber im Reichsbrief- mk üch-?hau^t°n?ch7m°^^ksA7L''°'"-" n,d,t to6n «»- dann wissen
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Philipp Römer V. von Wieseck wird zur Abnahme der Schlußrechnung und zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußver- zeichniß Schlußtermin auf
Montag, den 1. October 1888, Vormittags 9 Uhr, bestimmt.
Gießen, den 27. August 1888. Grobherzogliches Amtsgericht.
Langsdorfs. 6898
Jagdverpachlung.
Die am 28. August I. I. abgehaltene Jagdverpachtung ist nicht genehmigt und soll daher Montag, den 3. September L I, Vorm. 10 Uhr, aus dem Rathhause dahier anstatt auf 6 auf 9 Jahre nochmals verpachtet werden.
Waldgirmes, 28. August 1888.
Bernhardt, 6918 Bürgermeister.
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Allgemeiner Anzeiger.
Zum 2. September.
Wie in den vorderen Jahren, kommen wir auch in diesem Jahre zum bevorstehenden Nationalfefl vom 2. September mit der Bitte um Gaben für die Invaliden und die Hinterbliebenen gefallener Soldaten des Krieges 1870/71. Ueberall, wo man an jenem Tag, in Gotteshäusern oder bei sonstigen Vereinigungen, dieses Fest feiert und sich dessen erinnert, was vor achtzehn Jahren geschah, möge man auch jener Opfer des Krieges dankend gedenken und durch Gaben je nach Vermögen dazu beitragen, daß ihr Loos auch weiterhin verbessert werde. Ist doch durch die schweren Erlebnisse dieses Jahres das deutsche Gefühl wieder stärker angeregt und die Erinnerung an jene große Zeit wieder lebhafter erweckt worden.
Wir bitten insbesondere, wie früher, die «vangelifchea Pfarrämter und KircbenvorSände, gemäß der ihnen von Grobherzoglichem Ober.Consistorium ertheilten Erlaubniß, bei den betr. Festgotterdrensten Collecten für jenen Zweck zu erheben. , ,
Unsere Zweigvereine ersuchen nur, wie seither möglichst für Ver- breitung dieser Ansprache und Durchführung unserer Idee zu wirken, ins- besondere an geeigneten Orten Sammelbüchsen aufzustellen.
Alle, welche uns demnächst die Erträgnisse von Sammlungen zu übermitteln haben, bitten wir, dieselben durch Posteinzahlung an unseren Schatz, meister, Herrn Brandverstcherungs-Rath Hechler dahier, einzusenden.
Darmstadt, den 1. August 1888.
Der Vorstand
des Hülfsvereins im Großherzogthum Hessen für die Krankenpflege und Unterstützung der Soldaten im Felde, als Landesverein der Kaiser-Wilhelms-Stiftung für deutsche Invaliden.
A. Weber, Mnisterialpräsident, A. Buchuer, Geh. Oberconststonalrath, Vorsitzender. Schriftführer.
Bekanntmachung.
Die Hebregister über die Tilgungsrenten in der Stadt Gießen pro 1888 liegen 8 Tage lang auf unserem Bureau zur Einsicht eines jeden Betheiligten offen.
Gießen, den 28. August 1888.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
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