Samstag den 30. Juni Nr. ISO 1888. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Durean r Schul st raße 7. * ., . . .. Qr 8kaU4 c ? • Preis vierteljährlich 2Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Erscheint täglich mit Ausnahme Les.MitYtags. ■ Lurch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mdrk 50 Pf. Amtlicher Hßei l. \ *• Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach § 10 des Regulativs vom 26. Februar 1875 der Kreisausschuß während der Zeit vom 21. Juli bis 1. September Ferien hält. ' Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen. 'Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen sind dieselben ohne Einfluß. * l Gießen, am 27. Juni 1888. Der Kreisausschuß des toifes Gießen. * • Dr. Boekm anm.______, ________________.__ Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach $ 12 des Regulativs vom 26. Februar 1875 der Provinzialausschuß während der Zeit vom 21. Juli bis 1. September Ferien hält. ' Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen. Auf den Laus der gesetzlichen Fristen sind dieselben ohne Einfluß. Gießen, am 27. Juni 1888. Der Provinzialausschuß der Provinz Oberheffen. Dr. Boek mann. ___• ____• . __________________________ Politische Ueberfkeht. Gießen, 29. Juni. Zwei Thronreden und zwei ParlamentSsesfionen innerhalb einer Woche — eine solche parlamentarische Woche hat Preußen und Deutschland noch nie erlebt! Allerdings handelte es sich in der zweitägigen außerordentlichen Reichstagssession nur darum, die Thronrede Kaiser Wilhelms zu beantworten und dieselbe Aufgabe hatte auch der preußische Landtag in seiner ebenfalls nur zwei Tage umfassenden Session zu erledigen, aber diese so kurze Tagung kann weder der Session des Neichsparlamentes, noch jener des preußischen Landtages die ihr zukommende Bedeutung schmälern. Diese Bedeutung aber offenbart sich in der freudigen Zustimmung zu den Kundgebungen des Kaisers und Königs in den Ausdrücken des Vertrauens und patriotischer Treue, welche in den Adressen des Reichstages und der beiden Häuser des preußischen Landtages als Antwort auf die Thronreden Wilhelms II. niedergelegt sind und die einstimmige und debattelose Annahme der Adressen in den drei Parlamenten erhöht nur den Werth dieser loyalen Kundgebungen seitens der Vertreter der deutschen Nation und des preußischen Volkes. Selbstverständlich verleihen aber die Thronreden, mit denen Kaiser Wilhelm die außerordentlichen Sessionen des Reichstages und des Landtages eröffnete, den letzteren erst ihre eigentliche Bedeutung und was Wilhelm II. als Kaiser und als König zum erfftcnmale vor den Parlamenten gesprochen hat, es wird für immer ein Markstein in der deutschen und preußischen Geschichte bleiben. Wenn der jugendliche Monarch in seiner Thronrede im Reichstage mehr seine künftige auswärtige Politik entwickelte und betonte, daß er hierbei den Friedens- traditionen seiner beiden großen Vorgänger auf dem Kaiserthrone unentwegt folgen werde, so enthält die Thronrede im preußischen Landtage naturgemäß das innerpolitische Programm Wilhelms II. als König von Preußen, demselben voran steht das eidliche Gelöbniß des Königs, die Verfassung fest und unverbrüchlich zu halten und in Uebereinstimmung mit ihr und den Gesetzen zu regieren. Mit einem berühmten Worte Friedrichs des Großen schließt König Wilhelm II. seine Thronrede, indem er versichert, er werde sich stets das Wort seines großen Ahnen gegenwärtig halten, daß in Preußen „der König des Staates erster Diener ist. Wie die Rede des Kaisers bet Eröffnung des Reichstages, am Montag, so wird auch seine Kundgebung vom Mittwoch, vor dem preußischen Landtage, das ganze Land und das ganze Reich mit Vertrauen beim Beginne der neuen Regierung erfüllen. Auch abgesehen von der äußeren Pracht und dem Glanze, unter welchem sich die Eröffnung des ersten Reichstages und des ersten Landtages unter Wilhelm II. vollzog, werden dieselbe deutungsvollen Staatsacte mit ihren Mittelpunkten, den Thronreden des Kaisers und Königs, in der Erinnerung des Volkes fortleben und es knüpft sich an sie die zuversichtliche Hoffnung,daß nach all' den aufregenden und schmerzlichen Ereignissen, welche unser Vaterland in den letzten Monaten betroffen haben, für Preußen und Deutschland nunmehr wieder eine lange Zeit ruhiger und stetiger Entwickelung anheben wird. Die Krisis im preußischen Ministerium des Innern ist doch noch nicht entschieden. In neuester Zett war Herr v. Achenbach, der Oberpräsident der Provinz Brandenburg, bestimmt als Nachfolger Puttkamer's genannt worden, Herr v. Achenbach soll nunmehr aber definitiv abgelehnt haben. Der am Donnerstag erfolgte feierliche Schluß der österreichisch-ungarischen Dele- aationSsesston hat dadurch noch eine besondere Weihe erhalten, daß die ungarische Delegation am Tage vorher nochmals ihre vollste und freudigste Zustimmung zur Allianz Oesterreich-Ungarns mit Deutschland ausdrückte. Zugleich gab der Minister- vräsident Tisza hierbei Erklärungen ab, welche augenscheinlich eine eclatante Genug- thuung für Deutschland wegen der gehässigen Kritik des „Pester Lloyd" an der Pro- clamatton Kaiser Wilhelms bedeuten sollen. Außerdem wendet sich dre gesammte tonangebende Prefse tlngarns gegen dt- Auslassungen des Pester Lloyd" und erklärt die ungarische Nation hege die wärmst- Freundschaft für Deutschland. Hiermit erscheint dieser Zwischenfall, welcher einen Augenblick einen leisen Schatten auf das deutschösterreichische Verhältniß zu werfen drohte, als vollständig beigelegt. In der Schweiz beginnt man jetzt, offenbar durch das Beispiel Deutschlands angeregt, der socialpolitischen Gesetzgebung ebenfalls erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Von Seiten des Nationalrathes ist der Bundesrath beauftragt worden, mit denjenigen Staaten welche bereits eine Arbeitergesetzgebung anstreben, in Beziehung zu treten, um durch internationale Verträge oder eine internationale Arbeitergesetzgebung gleichartige gesetzliche Vorschriften, namentlich über den Schutz minderjähriger Personen, Beschrän- klmgen der Frauenarbeit, Sonntagsruhe und über einen Normalarbeitstag zu erzielen. Der hier angeregte Gedanke einer internationalen Arbeitergesehgebung ist ganz gut, aber seiner practtschen Durchführung dürsten denn doch schwer zu überwindende Hindernisse entgegen stehen. . ' • Die Städte SundKVall Und-Umea, an der Ostküste Schwedens gelegen, find völlig niedergebrannt. ' Der hierdurch entstandene Gesammtschaden wird auf 25 bis 30 Millionen Kronen angegeben und sind durch diese Brände gegen 12,000 Menschen obdachlos geworden. Es haben §ich in zahlreichen Städten Schwedens sofort Eomites für die Abgebrannten gebildet; auch, besuchte König Oscar die-heimgesuchten Städte. Darmstadt, 28. Juni. sMilitärdienstnachrichten.^ Kreut er I., Sec.-Lieut. vom 2. Grotzh. Hess. Jnf.-Regt. (Großherzog) Nr. 116 zum Prem.-Lteut. befördert, Riedejel Frhr zu Eisenbach, Sec.-Lieut. von der Cao. 1. Aufgebots des Landw.- Bats.-Bez. Gießen, zum Prem.-Lieut. befördert. Berlin, 27. Juni. Der Entwurf der Adresse, welche das preußische Abgeordnetenhaus an Seine Majestät den König zu richten beabsichtigt, lautet: Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser und König, Allergnädigster Kaiser, .König und Herr! Mit Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät betrauert das preußische Volk in tiefem Schmerz den Heimgang seines nach schwerem Leiden in Gott ruhenden Kaisers und Königs. Ihm war es nicht vergönnt, seine hochherzigen, auf das Wohl des Landes gerichteten Absichten zu verwirklichen. Die herzlichL Liebe und Bewunderung seines Volkes aber hat er in vollem Maße erworben durch die ruhmvolle Vklrwtrkung an der Herstellung der nationalen Einheit, durch seinen Heldenmuth im schwersten Leiden, durch seine unwandelbare Pflichttreue bis zur letzten Stunde und vor Allem durch die vertrauensvolle Liebe, die er selbst seinem Volke entgegenbrachte. Eure Majestät haben das eidliche Gelöbniß abzulegen geruht, die Verfassung zu halten und die Zusicherung ertheilt, die Gesetze und die Rechte der Volksvertretung achten und schützen, die verfassungsmäßigen Rechte der Krone wahren und ausüben zu wollen. Mit Dank nimmt die Landesvertretung dieses fürstliche Wort entgegen, einig mit Eurer Majestät in der Anerkennung der Nothwendigkeit, die Rechte der Krone gewissenhaft zu wahren und die Rechte des Volkes und seiner Vertretung ungeschmälert zu erhalten. Eurer Majestät Entschluß, den Bahnen zu folgen, welche die Begründer der deutschen Einheit, Kaiser Wilhelm I. und der in Gott ruhende Kaiser Friedrich III. ihrer Politik im Reiche wie in Preußen oorgezeichnet haben, ist des Dankes und der freudigen Zustimmung aller Preußen sicher. Eurer Majestät Zusicherung, nach den bewährten Grundsätzen des erlauchten Hauses der Hohenzollern die freie Ausübung aller religiösen Bekenntnisse schützen zu wollen, findet in unseren Herzen lauten Widerhall. Daß Eurer Majestät Bemühungen, den religiösen Frieden zu erhalten, von Erfolg sein werden, hoffen auch wir. Dankbar erkennt in Eurer Majestät Worten das preußische Volk die sichere Gewähr für die Erhaltung, Befestigung und Ausgestaltung der Selbstverwaltung. Wie Eure Majestät, ist auch die Landesvertretung von dem Bestreben erfüllt, unter Aufrechterhaltung der bewährten Grundsätze altpreußischer Finanzpolitik eine noch gerechtere Verthetlung der Steuern und eine Erleichterung der Gemeindelasten herbeizuführen. Mit Eurer Majestät erkennen wir in dem auf gegenseitiges Vertrauen gegründeten Zusammenwirken der Regierung mit der Landesvertretung im Dienste des Vaterlandes die sichere Gewähr für die Förderung der Wohlfahrt des Landes. Eurer Majestät danken wir und dankt mit uns das preußische Volk, daß Aller- höchstdteselben Gerechtigkeit und Pflichtgefühl zum Leitstern Ihres Regiments erkoren haben. Wie Friedrich der Große durch das von Eurer Majestät erneute hochherzige Wort seine völlige Hingabe an die Pflicht, sein Volk und das Vaterland bezeugte, so hat ihm auch das preußische Volk in höchster Gefahr, in tiefstem Leid unter schweren Opfern die Treue gehalten. Wir geloben Eurer Majestät, die Treue zu bewahren, die Preußens Volk seinen Herrschern in guten und bösen Tagen gehalten hat. In tiefster Ehrfurcht ersterben wir als Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät allerunterthänigftes, treu gehorsamstes Haus der Abgeordneten. Telegraphische Depeschen. Wolst's lclcgr. Correspondenz • Brrrearr. Berlin, 28. Juni. Der Kaiser empfing gestern vor seiner Abreise den rumänischen Staatsminister Earp. Nach seiner Ankunft in Potsdam besuchte der Kaiser die Friedenskirche. Heute Vormittag arbeitete der Kaiser mit dem Krtegsminister und empfing den Admiralitätsrath Dietrich. — Der „Kreuz - Zeitung" zufolge haben die Generale Treskow (9. Corps), Witzendorff (7. Corps) Abschiedsgesuche etngeretcht. Die Generaladjutanten ©ra; Lehndorff und Fürst Radziwill sind zur Disposition gestellt. Ferner will die „Kreuzzeitung" das Gerücht betr. Caprivi's Entlassungsgesuch für richtig und mit wichtigen Oaantsationsfragen der Marine zusammenhängend halten. Eine anderweitige Be- ftätiauna fehlt. — Die „Nationalzettung" stellt als sicher hin, Wedell-Ptesdorf werde Hausminister. — Die „Post" bezeichnet das in Parlamentskreisen verbreitete Gerücht, Achenbach werde Minister des Innern, als unbegründet. Berlin, 28. Juni. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß Unterstaats- secretär Studt der Nachfolger von Lucanus im Unterstaatssecretariat des Cultus- mintsteriums werden wird. Berlin, 28. Juni. ^Abgeordnetenhaus.^ Der Adreßentwurf wurde ohne Debatte einstimmig angenommen und das Präsidium mit der Ueberreichung der Adresse beauftragt sowie mit der Vermittelung des Beileidsausdruckes des Hauses an die regierende Kaiserin, die Kaiserin-Wittwe Victoria und die Kaiserin Augusta. Darau schloß der Präsident die Sitzung mit der Ausbringung eines dreimaligen Hochs au Se. Majestät den Kaiser. — sHerrenhaus.) Der Adreßentwurf wurde gleichfalls ohne Debatte einstimmig angenommen und das Präsidium mit der Ueberreichung beauftragt. Der Präsident schloß die Sitzung mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser. Nachdem die beiden Häuser des Landtages die Adreßentwürfe an den Kaiser ohne Debatte einstimmig angenommen hatten, erfolgte nach gemeinsamer Sitzung der beiden Häuser der Schluß des Landtages durch den Minister von Maybach. Nach einem dreimaligen begeisterten Hoch auf den Kaiser ging das Haus auseinander. — Der bekannte Eommisstonsrath Engel, Inhaber des Kroll'schen Etablissements, ist beute Morgen in Folge eines Herzschlages gestorben. Dresden, 28. Juni. Eine Huldigung, welche gestern Abend dem Könige im Schloß Pillnitz anläßlich seiner Theilnahme an der Eröffnung des Reichstages dargebracht wurde, verlief in glänzendster Weise. Viele Dresdener Eorporationen, Gesangvereine, Mtlttärvereine, Polytechnikervereine, Schüler der Thterarzneischule nahmen an der Huldigung Theil. Oberbürgermeister Dr. Stübel hielt eine Ansprache, worin er der Trauer der letzten Monate gedachte und gleichzeitig der Freude darüber Ausdruck gab, daß der Kaiser jetzt verkündet habe, in den gleichen Wegen wandeln zu wollen wie der Begründer des Reiches. Wir begrüßen es jubelnd, schloß der Redner, daß Eure Majestät nach wie vor in unerschütterlicher Treue zu Kaiser und Reich den Sachsen vorangehen wollen und daß Eure Majestät mit dem Kaiser Wilhelm nicht nur durch übernommene Pflichten, sondern auch durch innigste Freundschaft verbunden ist. Redner schloß mit einem Hoch auf den König, der den Vertretern der Residenz seinen Dank für die ihm dargebrachte Huldigung aussprach. Dieselbe habe ihm große Freude bereitet, weil ihm die Begrüßung eine Beruhigung sei, daß der Schritt, den er als König des Landes zu thun für Pflicht hielt, auch die Billigung der Bürger der Residenz gefunden habe. Die Feier schloß mit einem allgemeinen Gesang. Karlsruhe, 28. Juni. Die Ernennung des Großherzogs von Baden zum Generaloberst mit dem Range eines Feldmarschalls ist, wie die „Karlsr. Ztg." mtt- Ihetlt, geschehen mittels eines Handschreibens, das Kaiser Wilhelm dem Großherzog vor der Retchstagseröffnung überreichte und das sich dahin ausdrückt: Der heutige bedeutungsvolle Tag habe durch seinen schönen feierlichen Ausdruck für die Größe und Einigkeit des deutschen Vaterlandes in dem Kaiser die Gefühle aufrichtiger Verehrung und Dankbarkeit für den Großherzog besonders warm angeregt. Aus den Mit- theilungen des Großvaters kenne er die wesentliche Mitwirkung des Großherzogs an der Neuerstehung des Reiches. Er gedenke mit tiefer Dankbarkeit, wie ihm Der Großherzog jederzeit ein väterlicher und nützlich berathender Freund gewesen sei. Der Großherzog möge daher die Beförderung als einen Ausdruck feiner Dankbarkeit und Liebe erkennen. Wie«, 28. Juni. Das „Fremdenblatt" bezeichnet die preußische Thronrede als ebenso bedeutsam wie glückverheißend. Sie biete durchaus den Beweis einer hochherzigen und erleuchteten Auffassung der erhabenen Mission. Friedrichs des Großen Ausspruch, wiederholt von dem Kaiser, sei das freudigste Wort, welches die Station vernehmen konnte. — Die „Presse" sieht in der eventuellen Begegnung der Kaiser Wilhelm und Alexander eine hochbedeutsame praktische Betätigung der ernsten Friedenspolitik Deutschlands. Paris, 28. Juni. Präsident Carnot empfing den Grafen Münster, welcher fein Beglaubigungsschreiben überreichte. Rom, 28. Juni. Fürst Lichnowski, der, um den Thronwechsel anzuzeigen, in außerordentlicher Mission zum Vatikan gegangen ist, wurde heute vom Papste im Thronsaale empfangen. Der Papst sprach verbindlichst über Kaiser Wilhelm und drückte die Hoffnung aus, daß sich die Lage der Kirche immer mehr bessern möge. Er lud alsdann den Fürsten in sein Privatzimmer zu einer halbstündigen Unterhaltung. Hierauf begaben sich Lichnowski und Schlözer zum Cardinal Rampolla, welcher morgen zu Ehren der außerordentlichen Gesandtschaft ein Diner gibt. Madrid, 28. Juni. Die Deputirtenkammer lehnte das Amendement der Con- seroatioen, den Zolltarif zu erhöhen, mit 135 gegen 54 Stimmen ab. Kronstadt (Ungarn), 28. Juni. Anläßlich von Grundregulirungsverhandlungen wurde in der Gemeinde Töldwar die Gerichtscommifsion von einer aus verschiedenen Gemeinden zusammengerotteten Menge — etwa 1600 Personen — mit einem Steinhagel empfangen. Der Oberstublrichter ist leicht, der Notar schwer verwundet. Die Gensdarmerie gebrauchte die Waffen. Von den Aufrührern ist einer todt, viele sind verwundet. Die Mitglieder der Commission konnten sich nur mit Mühe retten. Vorkehrungen zum Schutze der bedrohten Grundbesitzer sind getroffen. Lokales. Gießen, 26. Juni. Am Schwarzen Brett der Universität befindet sich folgender Anschlag: Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz an die Großh. Landes-Universität. Auf den Bericht vom 20. d. M. erwidern wir Ihnen das Nachstehende: Die Mitglieder des Corps „Starkenburgta" haben zweifellos dadurch gegen die akademische Dtsctplin verstoßen, daß sie geduldet haben, daß atud. G. — obwohl ihnen bekannt war, daß und aus welchen Gründen derselbe vom engeren Senat mit der Strafe der Ausschließung von der Landes-Universität belegt war — in ihrer Mitte die Farben des Corps tragend und damit sich als ein Mitglied des Corps darstellend, an einem öffentlichen Orte erschien. Lägen bestimmte sichere Anhaltspunkte dafür vor, daß das Corps „Starkenburgia" mit diesem Verhalten eine förmliche Demonstration flegen den engeren Senat, beziehungsweise dessen Straferlaß gegen atud. G. beabsichtigt habe, dann wäre selbst eine strengere Strafe als die vom engeren Senat verhängte Suspension von 4 Wochen gerechtfertigt gewesen. Das in den Akten vorliegende Material bietet aber für die Annahme einer solchen Absicht keine sichere Grundlage und halten wir es unter diesen Umständen für zulässig, bei der Strafzumessung mildernden Maßstab anzulegen und die Suspension auf die Dauer von 14 Tagen zu beschränken. Wir beauftragen Sie, hiernach zu verfügen, dabei aber das Corps „Starkenburgta" in unserem Namen noch ausdrücklich vor ähnlichen Verstößen gegen die akademische Disciplin zu verwarnen, gez. Finger." Gießen, 29. Juni. „Der Barbier von Sevilla" ist bekanntlich von seinem Schöpfer Rossini ohne Ouvertüre in die Welt geschickt worden. Da sich das Bedürfniß nach einer Einlettungsmusik trotz dem geradezu großartigen Erfolge der köstlichen Oper aber im Laufe der Zeit doch herausstellte, so hat Rossini die sogenannte „Elisabeth- Ouvertüre" später für den „lustigen Barbier" componirt und wird dieselbe an allen großen Opernbühnen jetzt gespielt. Selbstoerftändltch bekommen wir bei Dem Gastspiel der Casseler Hof oper am nächsten Montag dieses anrnuthigeMusikwerk mitzuhören. Die musikalische Leitung führt der Köntgl. Musikdtrector Heinz Nagel. Außerdem wird Herr Kammersänger Paul Greeff noch als besondere Einlage das wunderbare Baßlted »In vino veritaa“ singen. Vermischtes. Darmstadt, 27. Juni. Wie verlautet, soll die hessische Gensdarmerie demnächst eine Aenderung an ihrer seitherigen Uniforms-Ausrüstung erhalten. Die seitherigen Kleeblätter auf den Achseln sollen hiernach für den täglichen Dienst in Wegfall kommen und an deren Stelle carmoisinrothe Achselklappen treten. Die Kleeblätter würden für die Folge nur noch bei festlichen Gelegenheiten angelegt werden. nn. Darmstadt, 28. Juni. Vor dem Generalarzt des 11. Armeekorps fand beute eine Hebung der Krankenträger der 25. Division statt, um diese auf ihre Kriegs- ruchttgkert zu prüfen. Zu diesem Zwecke fand eine Gefechtsübung des Jnfanterie- Regrments Nr. llöjtatt wobei eine Anzahl Soldaten die Verwundeten und Todten markirten. Noch wahrend des Feuergefechts begannen die Krankenträger ihre Arbeit, indem sie m raschester Weise die betreffenden Verbände anlegten und den Transport verwundeten vornahmen. Nach der Hebung fand eine eingehende Prüfung und Kritik über die angelegten Verbände Seitens des Generalarztes und der versammelten Regtmentsarzte statt und soll die Hebung zur vollen Zufriedenheit ausgefallen fein. , ~ Sein fünfzigjähriges Bürgerjubiläum feierte am Dienstag den 26. Juni er., Herr Schneidermeister und Stadtverordneter Eberhard Kaiser. (Der Jubilar ist benachbarten Wteseck geboren und erlernte das Schneiderhandwerk bei Herrn Schneidermeister Schwaab in Gießen. Am 24. Juli feiert Herr Kaiser, so Gott will, seine goldene Hochzeit. Anm. d. Red.) Wohl selten ist es, daß sich ein Mann in sammtlichen Kreisen der Bürgerschaft eine fo allgemeine umfassende Liebe und Achtung erwerben konnte wie dieser Jubilar. Sein schlichter Sinn, sein edler Charakter, seine biedere Offenherzigkeit mußten ihm Jeden, mit dem er in Berührung kam, zum Freunde Oewmnen. Das zeigte sich auch an diesem Ehrentage. Von nah und fern trafen zahlreiche gleitet von duftigen Blumenfpenden. In Anerkennung seiner um die Stadt Custrin erworbenen Verdienste — wir dürfen hierbei wohl speziell an das Kiezerthor denken — wurde dem Jubilar das Ehrenbürgerrecht verlieben. Unter ?UT?n0A« 2 Bürgermeisters Herrn Krakau erschien eine Deputation des Magi- strats und der Stadtverordneten und überreichte Herrn Kaiser nach einer Ansprache i>e8 H°rrn Bürgermeisters, worauf dann der Jubilar in tief bewegten Worten dankte, laffen^b^rst fun^tD°a ausgefuhrten Ehrenbürgerbrief, dessen Text wir hier folgen _. Ehrenbürgerbrief. Wir Magistrat und Stadtverordnete von Cüstrin haben beschlossen, dem Schneidermeister und Stadtverordneten Herrn Eberhard Kaiser bei seinem siinfzigiährigen Bürgerjubiläum in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste, welche er sich wahrend seiner mehr denn 40jährigen Amtsthätigkeit als Stadtverordneter in unserer Stadt erworben hat, das ri, . r Ehrenbürgerrecht ju verleihen, und haben wir zum Zeugniß dessen ihm diese Urkunde ausgefertigt. Custrin, den 26. Juni 1888. L- S. l. S. Der Niagistrat. Die Stadtverordneten. Krakau. Gottlob. Fuhrmann. Müller. Lange. Milisch. H. Gottschalk. Em. Richter. , . △ ptain j, 28. ^uni. Das traurige Vorkommniß in einer hiesigen Badeanstalt tragisches Nachspiel bekommen, indem sich der Bräutigam des ertrunkenen Mädchens gestern Abend aus Gram durch Erhängen das Leben zu nehmen suchte. Der unglückliche junge Mann, ein Schuhmachergehülfe von hier, wurde zwar noch lebend abgeschnitten, doch ist sein Zustand ein derartiger, daß an ein Aufkommen nicht mehr zu denken. Die Eltern des jungen Mädchens trafen gestern Mittag hier ein und roobnten am Abend der Beerdigung bei. Die Leiche der mit ertrunkenen Hebamme ist bis jetzt noch nicht gelandet und ist dieselbe wahrscheinlich unter dem Badhaus weg- getruben. Die Thatsache, daß das Mädchen einer baldigen Niederkunft entgegengesehen unr° '"ner Herrath mit dem jungen Schuhmacher allerlei Hindernisse in den Weg gestellt haben, gibt in Verbindung mit dem Umstande des intimen Verkehrs mit einer ^bamme hier zu allerlei mysteriösen Gerüchten Veranlassung, die zu reprobuciren wohl nicht angezeigt, deren Auftauchen aber den Ausgang der gerichtlichen Unterfudjuna mit großem Interesse entgegensehen lassen. = Frankfurt, 28. Juni. Ich theilte Ihnen schon mit, daß im Zoologischen ©arten am Sonntag eine Luftballon-Auffahrt ftattfinben wird. Witzige Köpfe könnten nun auf den Einfall kommen, daß diese Ballonfahrt zu Ehren „Bethfy's", des Ele- phanten des Gartens, stattfinden werde, der mit Sonntag in die Reihe der Jubilare -ritt„ »B-.hsy" tst am 1 3ulf 25 Jahr- im Garten. Das „Thterch-n" hatte, ais di- Gesellschaft es käuflich an sich brachte, eine Höhe von 2,12 Meter, beute mißt es 3 Meter ist also in dem Vierteljahrhundert 88 Zentimeter gewachsen. Der Jubilar ist z. 'st 39 Jahre alt. Früher gehörte der Dickhäuter einem Menageriebesitzer, der seine liebe Noth mit ihm batte, denn „Bethsy" ging gerne durch und zeigte auch keinen besonderen Sinn für Gehorsam. Mit dem zunehmenden Alter ist sein Betragen besser geworden- beute ist Jubilar der Liebling der Gartenbesucher, die er durch seine vielfachen Kunststücke amüftrL Daß Elephanten sehr alt werden, ist bekannt, allerdings wirkt die Gefangenschaft verkürzend auf die Lebensdauer. Der Coloß verzehrt täglich 50 Pfund Heu. 16 Pfund Brod und 4 Pfund Reiß mit 12 Pfund Weizenschaale gemischt, also m Summa 82 Pfund, abgesehen von den zahlreichen Gaben, die er von den Garten- besuchern, namentlich den Kindern in Gestalt von Biödchen, Zucker, Johannisbrod rc erhalt. Kommenden Sonntag wird dem Jubilar gewiß eine ganz besondere Ovation gebracht, indem ihm dankbare Kinderherzen vielleicht einen Korb Brödchen oder etliche Pfund Zucker verehren. Bethsy wird sich dafür durch Vortrag einiger Stücke auf der Orgel oder Mundharmonika dankbar zeigen. ~ Von der Diemel, 28 Juni. sDie Sonne bringt es an den Tag.^ Im Sommer des Jahres 1882 erregte das geheimnitzoolle Verschwinden des Mühlenbesitzers Drescher auf der Eilhäufer Mühle in Waldeck allseitig ungewöhnliches Aufsehen. Und das mit vollem Recht. Drescher war ein wohlsituirter, in der Gegend bekannter und angesehener Mann; er hatte einige Zeit vorher die Mühle und das dazu gehörige Grundeigenthum seinem Sohne abgetreten und lebte nun auf der sogen. „Leibzucht". Eines Tages hieß es, der alte Drescher ist verschwunden, Niemand hatte von ihm etwas gesehen noch gehört und die wunderlichsten Gerüchte wurden laut. Der Sohn war untröstlich und gab an, der Vater sei spät Abends auf den Anstand gegangen und seitdem nicht wieder zurückgekehrt. Manche glaubten es, daß dem so sei, viele twey nicht. Dann hieß es wieder, der alte Mann habe aus Lebensüberdruß Hand an tdj selbst gelegt und mehr oder minder verblümt wurde der Verdacht ausgesprochen >aß der Sohn seinen Vater indirect in den Tod getrieben habe. Ja es kam sogar soweit, daß in einem größeren Prozeß vor dem Landgericht zu Kassel der junge Drescher von der gegnerischen Seite als einwandsfreier Zeuge nicht anerkannt wurde, indem ihm geradezu direct oorgehalten wurde, es sei der Verdacht laut geworden, daß er einen Vater zu dem verzweifelten Schritte veranlaßt habe. Doch geheimnißoolles Dunkel lagerte über dem auffallenden Vorfälle und schon hatte man die Hoffnung auf-- gegeben, daß jemals Aufklärung darüber erfolgen würde. Und nun kommt plötzlich 2'cht m diese dunkle Affaire und zwar von einer ganz unerwarteten Seite! — Der wegen der beiden Mädchenmorde in Erlinghausen verhaftete Bauernsohn Johannes Prior dortselbst hat nämlich, wie wir aus authentischer Quelle erfahren, von Gewissensbissen mächtig gepeinigt von selbst eingestanden, daß er in Gemeinschaft mit feinem Vater den Mühlenbesitzer Drescher damals ermordet hat. Er gibt an, daß er und sein Vater damals im Walde auf waldeckisches Gebiet gegangen waren, um Streu zu freveln. Dabei feien sie plötzlich von einem Manne, der ein Gewehr getragen, überrascht worden und im Glauben, es sei ein Forstbeamter, hätten sie ihn von hinten Überfällen und erschlagen und die Leiche im Walde vergraben. Erst nach geschehener That entdeckten sie, baß es der alte Drescher war. Den Thatort hat er genau beschrieben. Prior hat also drei Morde verübt. Literarisches. — Ein neuer Roman von E. Werner Alpenfee" beginnt soeben in der Gartenlaube zu erscheinen. — Die Zimmergymnastik. Ihr Wesen, ihre Bedeutung und Anwendung. Für gebildete Laien faßlich dargestellt von Dr. med. ©lünfelb. Mit 50 Abbildungen. Preis 1 JL. Verlag von Martin Hampel in Berlin W. Nicht nur unsere Jugend, deren theilweise schwächliche Entwickelung wesentlich durch Mangel an genügender körperlicher Thätigkeit bedingt wird, sondern auch erwachsenen Personen, die durch ihren Beruf zu sitzender Lebensweise gezwungen sind, im Uebrigen aber durch Mangel an Zeit und Gelegenheit sich die Theilnahme an einem Turnverein versagen müssen, gibt das Buch eine wohldurchdachte Anweisung, die allgemeinen gesundheitlichen Vortheile der Gymnastik im eigenen Wohnzimmer, also ohne tien Gebrauch von Geräthen, genießen zu können. Sodann verfehlt der Verfasser nicht, die durch Heilgymnastik zu bekämpfenden Krankheiten und die praktische Anwendungs- weise in jedem einzelnen Falle einer eingehenden Besprechung zu unterziehen. Durch die beigegebenen 50 Abbildungen wird es jedem Laten ermöglicht, die vorgeschrtebenen Hebungen in der für den Erhalt oder die Erlangung des körperlichen Wohlbefindens erfolgreichsten Weise durchzuführen. P. K. Rofegger'S Ansgewählte Werte. Pracht-Ausgabe. Mit 600 Illustrationen von A. Grerl und A. Schmidhammer. In 75 Lieferungen. Lexikon- Octav. ä 50 Pfg. (A. Hartleben's Verlag in Wien.) Von diesem bereits früher erwähnten, wohlfeilen Prachtwerke liegen nunmehr fünfzehn Lieferungen vor, welche deutlich erkennen lassen, daß die Verlagshandlung redlich bestrebt ist, einen der besten und beliebtesten Schriftsteller unserer Tage — wie es P. K- Rosegger thatsächlich ist — in einer desselben nur würdigen tllustrirten Ausgabe zu verbreiten. Die an den in Holzschnitt sorgfältigster Art reproducirten Illustrationen beteiligten Künstler, A. Greil und A. Schmidhammer, setzen ihr ganzes Können ein, um die reizvollen Erzählungen P. K. Rosegger's bildlich zu umrahmen und mit innerer Freude verfolgt man das gegenseitige Verständniß, welches Text und Illustrationen verrathcn. Die Schriften Rosegger's sind überall bekannt, soweit die deutsche Zunge klingt — sieht man dieselben aber in dem neuen stattlichen Gewände, von competenten Meistern auf das anmuthigste illustrirt, so ist es ein doppelter Genuß, sie immer und immer wieder zu lesen. Möge sich darum eine neue Gemeinde um diese Pracht-Ausgabe von P. K. Rosegger's Werken sammeln; sie erheben ja, in ihrer einfachen, liebenswürdigen Weise das Herz zur Freude am Schönen und Edlen und erfrischen das Gemüth, wie der Thau die Alpenblumen. — In der Bibliothek der Gesammtliteratur (Verlag von Otto Hendel in Halle a. d. S.) erschienen soeben: Nr. 211. 212. Minnesinger. Deutsche Liederdichter des 12., 13. und 14. Jahrhunderts aus der Manesse'schen Liederhandschrist und anderen Sammlungen ausgewählt und neuhochdeutsch übertragen von Franz Weber. Geheftet 50 H, in eleg. Ganzleinenband mit Rothschnitt 75 in hocheleg. Prachtband mit Goldschnitt 1 50 Nr. 213—216. Archenholtz, Geschichte des siebenjährigen Krieges, geb. 1 Ji, eleg. geb. 1 25 Nr. 217—219. Rabener's Werke. Auswahl von Aug. Holder, geh. 75^, eleg. geb. 1 JL. Nr. 220. Körner, Die Gouvernante. — Das Fischermädchen. — Der vierjährige Poften, geh. 25 eleg. geb. 50 H. Nr. 225. Wellmer, Kaiser Wilhelm. Ein Lebensbild in kleinen Zügen vom großen Kaiser, geh. 25 eleg. geb. 50 H. — Der Druck ist, wie bei den früher erschienenen Bänden, deutlich und groß, das Papier gut geglättet und stark, der Preis im Ver- hältniß zur guten Ausstattung ein erstaunlich geringer. Jeder einzeln käufliche Band ist mit Einleitung und Titelbild versehen. Vollständiges Verzeichniß sendet die Verlagsbuchhandlung gratis und franko. IT ftlMVM Am COnd. Bouillon ist eingedickter reiner KV In KB! BIM HTl a « il X Fleischsaft ohne Zusatz von billigen Suppen- co krautern. Bequem.Gebrauch, fein. Geschmack. A Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. G o t t e s d i e n st. 5. Sonntag nach Trinitatis, den 1. Juli: Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Nachmittags 2Vs Uhr: Pfarrer Dingeldey. Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser. Katechismuslehre für die Neuconsirmirten aus dem Gymnasium und der Stadtschule Vormittags 11 Uhr in der Friedhofskapelle, Pfarrer Dingeldey. Am 6. Sonntag nach Trinitatis, 8. Juli, Feier des heiligen Abendmahls im Vormittagsgottesdienst. Beichte am Samstag zuvor, Nachmittags 2 Uhr. Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 1. bis 7. Juli besorgt Pfarrer Dr. Naumann. Katholische Gemeinde. 6. Sonntag nach Pfingsten. (Peter und Paul). Von 6 Uhr an Beichte. Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion. Um VglO Uhr: Hochamt und Predigt. „ 2 Uhr: Andacht. Gottesdienst in der Synagoge. Freitag Abend 715 Uhr, Samstag Morgen 800 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 915 Uhr. Gottesdienst der israelitischen Religionsgrsellschast. Freitag Abend 7*5 Uhr, Samstag Vormittag 800 Uhr, Samstag Nachmittag 4°° Ubr. Samstag Abend 910 Uhr. Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. Luft 14, Wasser 17 Gr. Gießen, den 29. Juni 1888. RÜbsamen. Gberhesßsche Ejseudahmn. Unter dem Titel „Deutscher Eisenbahntarif für die Beförderung von Leichen, Fahrzeugen und lebenden Thieren, Tbeil I" gelangt am 1. Juli d. I. auf sämmtlichen deutschen Eisenbahnen ein Tarif zur Einführung, welcher die einschlägigen betriebsreglementarischen, die dazu erlassenen zusätzlichen Bestimmungen, die allgemeinen Tarifvorschristen und den einheitlichen Nebengebührentarif enthält. Gegenüber den bisherigen Bestimmungen führt dieser Tarif die wesentliche Neuerung ein, daß für lebende Thiere in halben Ladungen Frachtsätze nicht mehr bestehen und an Stelle derselben solche für einzelne Stücke Vieh allgemein zur Anwendung kommen. Gleichzeitig tritt unter Aufhebung des Tarifs vom 1. Avril 1885 nebst Nachträgen ein neuer Tarif für die Beförderung von Leichen, Fahrzeugen und lebenden Thieren, Theil II für unseren Lokaloerkehr in Kraft, welcher die speziellen Bestimmungen und Tarifsätze, soweit letztere nicht schon im erwähnten Theil 1 Auf rahme gefunden haben, enthält. Diese Bestimmungen und Tarifsätze gelangen auch in den direkten Verkehren mit geringen Abweichungen zur Anwendung. Soweit durch die neuen Tarifsätze in vereinzelten Fällen Frachterhöhungen ein- treten, findet die gegenwärtige Berechnungsweise noch bis zum 15. August d. I. statt- Unsere sämmtlichen Expeditionen geben dieserhalb jede gewünschte nähere Auskunft- Gießen, den 28 Juni 1888. • 5381 Großherzogliche Direction- Montag den 9. und Dienstag den 10. Juli, wird das vollständige Mobiliar des Hrn- Lehrer Haas, Bahnhofstraße 33, im Hause des Herrn Sattler Friebel wegzugshalber versteigert. Es kommen zum Aus- gebot: 1 amerik. Schaukelstnhl, 1 amerrk. Ubr, 1 Derticow, 1 Garnitur, Sopha, Stühle, ovaler Tisch und Spiegel, Teppiche, Kommoden, zweithüriger Kleiderschrank, Photogravhierahmen, 2 Petroleumheerdchen, Haus- und Küchengeräthe- 5365 Im Auftrag: Louis Rothenberger, Taxator- Ileikgeöotenes. 5359 Ein Kindersttzwagen (Amerik), ein Schlafwagen mit Bettzeug und ein Velociped zu verk. Bahnhofstraße 56. Neue holländische Vollhäringe heute erste Sendung bei 5388 A. Koen Nacht., -Hamburger Fisch- u. Delicatessen-Handl. Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Betr.: Die Ausführung des Bauunfallversicherungsgesetzes vom 11. Juli 1887. Unter Bezugnahme auf das Ausschreiben Großherzoglichen Kreisamts Gießen vom 24. Dezember 1887 in Nr. 303 des Gießener Anzeigers und die daselbst veröffentlichten Bekanntmachungen fordern wir alle diejenigen Personen, welche danach zur Einlieferung der geforderten Nachweise verpflichtet erscheinen, auf, diese Nachweise pro Juni d. I. unter Angabe der verwendeten Arbeitstage und der verdienten Löhne oder Gehälter auf dem vorgeschriebenen Formular bei Vermeidung der im Gesetz angedrohten Ordnungsstrafe bis längstens 3. Juli L I. an uns abzuliesern. Wir bemerken, daß zur Einlieferung dieser Nachweise verpflichtet erscheinen: a. alle Privatpersonen, welche Bauarbeiten nicht gewerbsmäßig als Unternehmer, d. h. für ihre eigene Rechnung ausführen lassen; b. diejenigen, welche Arbeiter bei dem Ofensetzen, Tapezieren, Stubenbohnen, Anbringung, Abnahme und Reparatur von Wetter- rouleaux u. s. w. beschäftigen, und c. diejenigen Bauhandwerker, welche Bauarbeiten ausführen, die zu ihrem gewerbsmäßigen Betriebe nicht gehören. Gießen, 28. Juni 1888. 5389 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _____________________A. Bramm.__ Bekanntmachung. Diejenigen Dienstboten des Sparkassebezirks Nidda, welche nach § 23 der Statuten einen begründeten Anspruch aus den Bezug einer Prämie aus der Sparkasse haben, wollen ihre Gesuche unter Anschluß der von den betreffenden Bürgermeistern beglaubigten und den Inhalt als wahr bescheinigten Zeugnisse ihrer Dienstherrschaften bis längstens Gnde Juli d. I. bei dem unterzeichneten Director einreichen. Nidda, den 22. Juni 1888. • Der Sparkassedirector: 5362 _______________________________________Stork._________ Iiiventiir-AusverkaüT zu denkbar billigsten Preisen. Wilhelm Attig, 5373___________________________9 Seltersweg 9.________ Ich wohne nunmehr bet Herrn Kaufmann Christian Wallenfels am Marktplatz. Fr. Barth, 5309 Rechtsanwalt. 5383] Tüchtige Mädchen für Küche und | 5382 Ein Acker Korn zu verkaufen. Haus finden sofort Stelle durch Näheres bei Süttenberger, im Hause Frau Hüttenverger, Neuenweg 2. ! des Herrn Bäcker Germann. 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Tenor im Burggraf. oooocxxxaoioooQooooo Concordia. Heute Samstag den 30. Juni: Famillenabend in der Restauration Stein (Busch), Seltersweg. 5387 Der Vorstand. Wetzlar 5», 6», 82‘* 9», io», 1159 i2-s 4", 455, 715», 857, (bis Weilburgs 905 (bis Betzdorf). Dudenhofen 6», 10ou, 1159 905. Deutz IP7, 433, 747, 115i. Fulda 758, 1», 425, 1000. »Alsfeld 758, iou# 425, 1000. Gelnhausen 9», 3^, tz». Nidda 6», 930, 335 656. Schotten 930, 335, 656. Schiffenberg 6», 9». * bedeutet Schnellzug, die fetten Ziffern die Nachtstunden von Abends 6 bis- Morgens 559. 28. Jnni 1888. Franks. Bank-Disconto 3% Abfahrt von Gießen nach: Frankfurt 241, 406, 525*, 6« 81c*, 11» 1» 4", 626, 706*, 806. Großen Linden 624, V», 8««. Lollar 1^ (Localzug). Marburg 12^*, V=, 343, 8», 951* 11« P>*, 4", 855*, 907. Caffel 1204*, 128, 313 8», 95»* ip.« 1-1*, 444, 855*. ' iWaiuenlos. § Hast Du Brief in F. erhalten? Bin ungl., daß k. Brs. vorfinde? Du bist doch nicht krank? Schreibe bitte sof. an Deinen Dich ewig liebenden (Q. 95.) Stern. Radfahrverein Giessen. Sonntag den 1. Juli: Bereinswur nach Nauheim. Abfahrt der Fahrer Morgens 6 Uhr vom Seltersthor. Passive Mitglieder und Damen Mittags mit Zug 1 Uhr 50 Minuten. 5366 Der Vorstand. Wohne von heute an: Bahnhofstrasse 31 § M. Loeser Wwe., Liqueurfabrik. Frankfurt l13, 8«, 939*, 11«, pe* 2« 432, 729, 848*, 1050, 1159*. ' ' Grotzen-Linden 806, 249, 739. Lollar 7«, 2d2 (Localzug). Marburg 226, 520*, 6», , 62U, 658*, 8°°, 11«. Caffel 2'6, 5»*, 8»*, H3o, 431 320 65’*, 800, 1123. Wetzlar 7«i (von Weilburg), 75» (von Betzdorf), 9», 1127, luo* 330 433 ö5«, 747, 829*, HW, H51 Dudenhofen ip?, 3^ 74'7, Ems-Covlenz 94U, loo* 330 asg 329*- 11». Stein’s Garten. Samstag den 30. Juni 1888: OOHOIRT des Zapf sehen Vocal - Künstler - Quartetts (Muster-Kuartett) ans Wiesbaden. Anfang 8 Uhr Abends. Entree Pfg. Programm 5 H. 5339 NB. Als Einlage kommt Dr. Blumberger’s neuestes Gedicht, comp. von 8 Wehrland: »WirDeutschen fürchten Niemand, als Gott allein!* durch b Sängerz. Vortrag. 3KE" ungünstiger Witterung im Saal. Programm. Von 4 Uhr Nachmittags ab: Empfang • der Vereinsvertreter (Caf6 Schnell). Um 7 Uhr: Turntag (Stein's Garten). 8V2 Uhr: Großes Banket (das.) Morgens 6 Uhr: Weckruf und Böllerschüffe. Von 7 Uhr ab: Empfang der fremden Turner (Caft Schnell). 8 Uhr: Sitzung des Preisgerichts (Stein's Garten). 10 Uhr: Musterriegenturnen und Früh-Coueert (das.) — Mittags 1 Uhr: Aufstellung des FestzugeS (am Wallthor). Abmarsch: 2 Uhr. Nach Ankunft ,auf dem Festplatz: Lied: „Ein Ruf ist erklungen 2C" Festrede. Freiübungen. Wett- und Kürturnen. — Abends 9 Uhr: Großes Feuerwerk. — PreiSvertheilung. — Coneert und Tanz. Das Fest-Comitr. (Jurschmann mit Porträt 13 Pfg., frco. nach auswärts bei Einsend v. zu in Briefmarken. Verlag von Emil Roth, Gießen. Brennholz. 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Bl- Miffionsversarnrrrlung wird gehalten Sonntag, den 1. Juli d. I. zu Alten - Buseck. Der Gottesdienst m der Kirche nimmt Nachmittags VJ2 Uhr seinen Anfang. Bet günstiger Witterung findet Nachfeier im Freien mir Ansprachen und mit Gesängen eingeladener Kirchengesangoereine statt. Alten-Buseck, den 25. Juni 1888. in Oöwald's Garten zum ersten Male hier aufgestellt habe. Erkenntlich - lebensgroße, mechanisch bewegliche Figur an der Kaffe, „ Schnee» wtttchen" darstellend. ' " a ®c^.r??aerie enthält: Das Allerneuste: Die Leichenausstellung Sr. Mai. Soifer Dichelms im Dom zu Berlin, sowie Den Leichenzug vom Dom aus na$ dem Mausoleum in Charlottenburg; die furchtbare Ueberschwemmunq in Ostpreußen rm Aprrl 1888; den Untergang dec italienischen Erpedition im E"6pab von Dagalt durch die Abyssimer, 25. Januar 1887; das Erdbeben oon 9ZiMa 23. gebuiar 1887; die Katastrophe von Zug in der Schweiz, 7. JuU 1887; der Brand der komischen Oper zu Pans im März 1887 Sodann die prachtvolle Aussicht vom Berge Rigikulm in der Schweiz, non welchem Punkte aus man die herrliche Schwei; 40 Stunden weit int Umkreis zu überblicken vermag. Eine Total-Uebersicht von New-Nork und Brooklyn m Amerika, nach der neuesten Aufnahme im Jahre 1887, sowie eine Polarlandschaft, naturgetreue Darstellung des nöxdlichen Eismeeres, mit Jagd auT toltoten, Wallrosse und Walfischfang. Extra-Tableau: der Niagarafall in Amerika. ö Eintrittspreis: Erwachsene TO Pfg., Kinder IO Psg. Zu zahlreichem Besuche ladet ergebenst ein 5325- Adolf Rauscher von Gmünd. Vermischte Anzeigen. 3269] Schönes Kne plocal abzugeben. _______________Sonnenstraße 14. 5137 Ein ordentliches Dienstmädchen zu sofortigem Eintritt gesucht. Zu erfragen in der Exped. d. Bl. Wermietyungen. 5111 Im Haus:! Neuenweg 38 ist eine Wohnung von 2 Zimmern, Cabinet und Zubehör zu vermiethen.________________ Südanlage 18 L 7 Zimmer. 4907________________Hch. 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