Nr. 280 Drittes Blatt. Donnerstag den 29. November 1888. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. teure*»: Schulstraße 7. Erscheint tüglich mit Ausnahme des MontagS. >reiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Dringerlohn. 'urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Psi Politische Rundschau. Gießen, 28. November. Von den in der Thronrede angekündigten Vorlagen befindet sich ein Theil erst in der Ausarbeitung und gilt dies von der Novelle zum Krankenkassengesetz, sowie von den bezüglich der ostafrikanischen Angelegenheiten angedeuteten Vorlagen. Neber die letzteren verlautet bis jetzt nur, daß sich unter ihnen eine Vorlage befinden werde, welche die Aufbringung der Mittel für das deutsche Blokade-Geschwader in Ostafrika betreffen soll. Vorschläge zur Arbetterschutzgesehgebung, speciell was die Frauen- und Kinderarbeit anbelangt, sind seitens des Bundesrathes nach seinen jüngsten Beschlüssen nicht zu erwarten, trotzdem wird aber diese wichtige Frage im Reichstage infolge der von den Freisinnigen zur Arbetterschutzgesetzgebung eingebrachten Anträge wiederum zur Erörterung gelangen. Ein practtsches Resultat läßt dieselbe indessen nicht erwarten, der Bundesrath hat ja seine ablehnende Haltung in dieser Frage zu deutlich documentirt. Auch die vom Eentrum und den Conservattven wiederum eingebrachten Anträge auf Abänderung der Reichsgewerbeordnung, die auf Einführung des Befähigungsnachweises hinauslaufen, haben, angesichts der verneinenden Beschlüsse des Bundesrathes auch nach dieser Richtung hin, durchaus keine Aussicht auf Erfolg und dasselbe würde von etwaigen Anträgen in Sacken der Sonntagsfeter zu gelten haben. Die Stärke der einzelnen Fractionen des Reichstages zu Beginn des neuen parlamentarischen Feldzuges stellt sich folgendermaßen dar: Die Deutsch- conservatioen zählen 75 Mitglieder (incl. zweier Hospitanten), die Freiconservativen 39 Mitglieder, das Centrum weist 99 Mitglieder auf, die drei welfischen Hospitanten mitgerechnet; die Fractton der Polen ist 13 Mann stark, die Nattonalliberalen erscheinen mit 95 Abgeordneten, drei Hospitanten mit inbegriffen, die Deutschfretsinnigen zählen 36 Mitglieder und die Socialdemokralen 10 Mitglieder, „Wilde" giebt es 22, unter ihnen sämmtliche elsaß-lothringischen Abgeordneten, mit Ausnahme des bei den National- liberalen hospitirenden Vertreters für Straßburg (Stadt) Dr. Petri. Erledigt sind zur Zeit sechs Mandate, von denen je zwei in nationalliberalcn und clertcalen Händen waren, während die Socialdemokraten und die Conservattven je eines der erledigten Mandate besaßen. Der im deutschen Emin-PaschaEomitv über die geeignetsten Schritte zur Aussuckung Emin Paschas ausgebrochene Conflict ist nunmehr beseitigt worden. Das Comito beschloß in einer am Sonntag in Berlin abgehaltenen Sitzung, welcher u. A. auch Oberpcäsident v. Bennigsen beiwohnte, einen Theil der dem ComilS bereits zur Verfügung stehenden Gelder zu dem Zwecke zu bewilligen, daß Premierlieutenant Wißmonn so schnell wie möglich nach Ostasrika abgehe, um zu untersuchen, auf welchem Wege die Expedition losgehen könne und dann mit einer ersten Eolonne den Versuch zu machen. Aus Ostafrika selbst liegt von neuerlichen Meldungen nur die Dtttthetlung der „Times" vor, die ernste Krankheit des Sultans von Zanzibar verzögere den Beginn der actioen Operationen des deutsch-englischen Blokadegeschwaders; was die Krankheit des SultanS mit der Blokade zu thun haben soll, ist allerdings schwer verständlich. Weiter meldet die „Times", daß das ursprüngliche Ucbereinkommen zwischen Deutschland und England dahin abgeändert worden sei, daß die deutschen Schiffe den südlichen, die englischen den nördlichen Theil der Zanzibarküste blokiren werden; endlich wird noch berichtet, daß die deutsche Marinebesatzung in dem wichtigen Küstcnplatze Baga- moyo sich wieder auf die Schiffe zurückgezogen habe. In der Schwei) haben am Sonntag zwei größere politische Acte stattgesunden. Im Canton Bern wurde eine Volksabstimmung über die Frage, ob die cantonale Verfassung einer theilwetsen Revision zu unterziehen sei, vorgenommen, welche mit ca. 5600 Stimmenmehrheit die Ablehnung dieses Vorschlages ergab. Ferner fand im Canton Zürich die Wahl eines Mitgliedes zum Nationalrath statt und wurde hierbei der von den Socialdemokraten unterstützte Candidat der radical-demokrattschen Partei, Redacteur Locher, mit 8845 Stimmen gewählt, während der gemäßigt liberale Candidat Bertschinger nur 5597 Stimmen erhielt. Der Vorgang beweist, daß die unruhigen und revolutionären Elemente im Canton Zurüch mehr und mehr Oberwasser gewinnen Im Budgetausschusse des österreichischen Abgeordnetenhauses gab der Landesverlhetdigungsminister Graf Welsershetmb verschiedene nicht unwichtige Erklärungen militärisch-politischer Natur ab. Besonders ist die Erklärung hervorzuheben, daß für eine prompte und rasche Mobilisirung der Landwehr Vorsorge getroffen werden müsse, da die allgemeine militärisch-politische Lage entweder eine bedeutende Vermehrung des Heeres oder Vorsorge dafür, daß die Landwehr dem Erfordernisse brauchbarer Feldtruppen entspreche, erheische. Man braucht diesen Worten des österreichischen Landesvertheidtgungsministers keine beunruhigende Bedeutung unterzulegen, aber sie bekundet doch auf's Neue, daß man es allseitig für gerathen hält, sich fortgesetzt auf den möglichen Eintritt kriegerischer Ereignisse nach Kräften vorzubereiten. Das deutsche Schulgeschwader traf auf seiner Ausfahrt aus den österreichisch- ungarischen Gewässern am Sonntag tn Castelnuovo, einem am nördlichen Ufer der Bucht von Caltaro gelegenen Hafenplatze, ein und ging von hier am Dienstag wieder tn See. Im französischen Herenkefsel gährt und brodelt es wieder einmal lustig. Die Gerüchte über einen vom Ministerium Floquet angeblich geplanten Staatsstreich, sowie über eine geplante Auflösung der Patriotenliga, die neuesten Scandalaffairen in der französichen Deputirtenkammer und endlich das abermalige verschärfte Auftreten des Boulangismus — all' das vereinigt sich zu einem politischen Kunterbunt, das nichts weniger als für eine ruhige Weiterentwickelung der Verhältnisie in Frankreich spricht. Namentlich macht sich aber die herausfordernde Haltung Boulanger's und seiner Freunde von der Patriotenliga von Neuem bemerklich, wie aus dem jüngsten Pronunciamento Boulanger's und DSroulsde's erhellt. Ersterer entwickelte auf einem tn Paris stattgefundenen Banket wieder einmal sein „Programm", das die alten phrasenhaften Versicherungen und die alten Angriffe auf die gegenwärtige französische Regierung enthält. Am gleichen Tage, am Sonntage, hatte auch der Führer der Patrioten- liga, Herr D6rouldde, eine donnernde Rede zur Verherrlichung Boulanger's und gegen j Regierung wie Parlament vom Stapel gelassen, die indessen ebensowenig wie die Banket- J rede Boulanger's zu den befürchteten Zwischenfällen ernsteren Charakters führte. Nur | kam es Sonntag am SpLtabend, als sich der Ex-General von dem Banket nach seiner \ Wohnung begab, zu den üblichen lärmenden Straßenkundgebungen für den Ex-General, so daß die Polizei eine Anzahl der ärgsten Schreier verhaftete. Literarisches. _ T" Musikalischer Hausfreund. Blätter für ausgewählte Salonmufik. C. A. Koch's Verlag (I. Sengbusch) tn Leipzig.) Billig und gut, diese zwei Eigenschaften haben dem „Musikalischen Hausfreund" in einem Jahre so viel Gönner verschafft, daß er in der periodischen Musik-Literatur eine geachtete Stellung einnimmt. Und das mit Recht, denn die Zeitschrift, welche pro Quartal in 6 Nummern ä acht Quartseiten, Preis 1 JL, erscheint, hat sich die Aufgabe gestellt, jungen Componisten den Weg in die Oeffentlichkeit |u bahnen, Familien gute und nicht schwierige Hausmusik zu liefern und mit ausgewähltem Lesestoff in unterhaltender Form zu versehen. — Ueber „F. Soennecken's Briefordner" (D. R. Patente Nr. 38758, 40 139 und S 4053 V) schreibt die Zeitschrift für Handel und Gewerbe, Organ für die deutschen Handelskammern (Nr. 22): An Stelle des sonst allgemein üblichen Ueberschreibens der Briefe und des Ablegens derselben in Gefächer (das Einlegen in Mappen und etwaiges Etnbinden ist immer weniger gebräuchlich gewesen) war seit einigen Jahren in vielen Geschäften die Einrichtung der „Biblorhaptes" getreten. Wie Jedermann bekannt, bestehen dieselben in einem schweren Umschlag und der in denselben zu legenden Mappe mit Stiften, auf welche die Schriftstücke aufgespießt wurden, um dann schriftlich in ein Register eingetragen zu werden. Es wurde dadurch der sehr wesentliche Vorthetl einer festen, buchförmigen Ordnung der eingehefteten Papiere erzielt. Dabei waren aber nicht die Nachlheile der Einrichtung zu verkennen, aus der Mitte der Mappe konnte kein Sckrtft- ftück unbeschädigt herausgenommen werden und das schriftliche Registriren war fast so zeitraubend als das Ueberschreiben. Man hat diese Uebelstände in Amerika seit lange durch Anwendung von kostspieligen Apparaien mit beweglichen gebogenen Drähten oder Röhrchen zu vermeiden gesucht. Neuerdings hat in Deutschland die bekannte Firma F. Soennecken's Verlag in Bonn einen Briefordner construtrt und in den Verkehr gebracht, der berufen erscheint, die Regtstrtrungsweise in Geschäften, im Haushalt und bei Behörden, das Ordnen und Aufbewahren der sämmtlichen Briefschaften gänzlich und zwar vortheilhatt umzugestalten. Mit der Einführung der Soennecken'schen Briefordner hat für die Gesckäfts- papicre, wie Briefe, Rechnungen u. s. w., das Ueberschreiben, das Ablegen in Gefächer, oder das Einkleben bezw. Etnheften und schriftliche Registriren ausgehört. Die Schriftstücke werden statt dessen wie die Wörter in einem Worterbuche buchartig nach Alphabet und Zett in Mappen einaeordnet. Die Mappen haben ein Röhrckenpaar, in welches sich ein Stäbchenpaar einscktebt; man kann an jeder beliebigen Stelle des Alphabets das tn der Mappe befindliche mit Buchstaben bedruckte Register aufscklagen und ist dann im Stande, den Brief oder die Rechnung ohne Weiteres bequem einzulegen oder ohne Beschädigung herauszunehmen. Damit die Papiere leicht aus den Stäbchen und Röhrchen auf- und abgleiten, werden sie vorher mittelst des Lochers, welchen jedes Geschäft nur einmal anzusckaffen hat, mit zwei Löchern versehen. Bei Benutzung von Soennecken's Briefordnern (Preis Art I JL 1.25, Art II X 1.35) sucht man keinen Brief und keine Rechnung mehr, sondern man schlägt sie aus in derselben kurzen Zeit, wie man ein jedes Wort tn einem Wörterbuche aufschlägt. Will man einen auf längere Zeit sich erstreckenden Briefwechsel mit einem Geschäftsfreunde nachsehen, so hat man die Briefe nicht mehr, wie seither, in dem Briefgefache zusammenzufuchen, oder auf verschiedenen Stellen einer oder mehrerer Mappen aufzuschlagen, was zeitraubend ist und keine klare und rasche Uebersicht gewährt, sondern man findet dieselben tn Soennecken's Briefordner der Zett nack geordnet auf einer Stelle beisammen. Dasselbe ist bei Rechnungen und anderen Schriststücken der Fall. Wenn eine Waare neu bestellt werden soll, dann entstehen meist die Fragen: wann, unter welcher Bezeichnung, wieviel und zu welchem Preise die Waare zuletzt geliefert wurde. In Soennecken's Briefordner liegen die Rechnungen des betr. Lieferanten der Zeit nach geordnet auf einer Stelle beisammen und gestatten, im Nu aufgeschlagen, auch in einem Augenblick festzustellen, was man sucht. Die Soennecken'schen Briefordner können daher mit Recht Jedermann empfohlen werden. Verzeichnis der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadl Gieße« vom Monat November 1888. Je 50 Kilogramm kosten: Ms «3 g 85 R 25 50 26 00 27 00 26 00 6 00 76 95 7 06 4,00 3 0012 94 16 14 17 00 21 50 9 92 8 71 8 39 CD £ *a" B OQ 85 33 8 T ö 30 0 93 64 B 50 3e Ve Kilogramm kostet 50 58 58 £ £ 12 K 8D 80 66 21 53 ■e 15 22 £99 o _ n-'s (S*E e £ c U Q e. a a*e gx 3 N HZ ZI o 53 § S 99- 313 2018 L 72 ATimtv Col lA/isrn Hoflieferant Sr. Maj. d. Kaiser* u. König* Bonn, Berlin und • «J Wv. Antwerpen, empfiehlt als unübertroffen, ihre seit mehr als 8877 50 Gebrannten Java Kaffees LiL" Ti ———■■ । ■■ Lebensmittel-Branche käuflich sind. Allgemeiner Anzeigers RoliniiOliel: Sessel, Blomenlische etc., Trliiöiplililappsioöle von Mk. 2.80 an bei 9488 Th. Bruck, Schloflgafle 16. Gänzlicher Ausverkauf. Wegen Wegzug nach Frankfurt a. M. muß mein Lager vollständig geräumt werden und verkauft deßhalb sümmtlichc Waaren zu jedem annehmbaren Preise. M. Kann, Marktstraße 2370 S. ElsofEer. 8780 Mein Ausverkauf Gütigen liefere bei Haus. Bestellungen sehe ich gerne entgegen und Abnahme von mehreren Flaschen frei in'ö Daniel Heil, _____ Lindenplatz 3. Stotlwerck’sche Chocoladen Sachgemässe, durch die neuesten maschinellen Erfindungen verbesserte Fabrikationsmethode und Verwendung von nur gutem und bestem Rohmaterial sichern den Consumenten von Stollwerck'schen Chocoladen- und Cacao-Präparaten rn empfehlens wer thes, der Angabe der Etikette entsprechendes Fabrikat, □essen Vorzüglichkeit durch 26 Hof- Diplome und durch 31 Ehren-Diplome goldene, silberne etc. Medaillen anerkannt ist. Entschieden billiger wie überall kauft mau sämmtliche Artikel IMrtl* null -Stiefel in größter Auswahl und streng reeller Bedienung bei Wollewaaren. Wegen Aufgabe nachverzeichneter Artikel.'sverkause dieselben zu jedem annehmbaren Preis: Damen- und Hlnder-Haputzen, Hüllen, Tücher, Kragen, Damen- und Hinder-Böcke und -Hosen, Müffchen und Boas, Pulswärmer etc. 9o25 J. H. Fuhr, 25 Sonnenflraße 25. Flaschenbier. E Hiermit empfehle ich einem geehrten Publikum Prima hellfarbiges Exportbier 23 Pfg Prima dunkelfarbiges Exportbier 25 „ Prima hellfarbiges Lagerbier 18 „ aus ötr Ärlikn-Braukrcl Gießen. LIEFER ANTEN - ( CHOCOLADEP dauert nut noch kurze Zeit und gebe ich den Rest meiner Waaren zu sehr billigen Preisen ab. 7171 Exportbierbrauerei Jsistus HildebraKe in meinem Atelier in Frankfurt a. M. ausgeführt werden, tritt keine Preiserhöhung ein. ® Hochachtungsvoll M X D* Cohn fr. G ® F rankfurt a. M. Giessen. S • ♦♦ Spezial Geschäft für Dam-ii Mäntcl-Branchr. ♦♦ L HWHH—HHj—a— bei ; Andreas Guter. Täglich geöffnet von 6 Uhr Morgen» bis 1 Uhr Abends Sonntags dis Mittag 12 Uhr. _ . D'e Hellen lind durch Dampf geheizt. F8162 ; Außer verschiedenen Salzen und Mutterlaugen sind sämmtliche Bade- i Extracte, als: Fichtennadel-, 'Nalz-, Loh-und Weizcnkleie-Extracte zu haben. ! «ME» Abonnements weiden jederzeit entgegengenommen. Sämmtliche Normal-Artikel 7836] Bücher, Leitungen, Akten, > n ----------- Briefe zum Einftampfcn, i Das Flechten von Stroh-und altes Papier rc. rc. kaufe zu den höchsten Rohrftühlen, sowie das Auf- ae§Pr £ouiM Kothenberger, j ro«d)*””on$OU'fnitfl^nwirb6ut 1___Neuenweg 22. g und sehr bllllg ausgesuhrt von [9417 Ausgekämmte Haare t Philipp Henkel, kauft H. Plank, Kaplansgasse 2.°° * Stuhlmacher, Sonnenstraße 14. CO s Q {2, öd" O F O > CO 3 Specialität: Momeutaufnaliitieiie S Atelier geöffnet von Morgens 9 Uhr bis Abends 4 Uhr. 3 Hochachtungsvoll tp Gebrüder Müller, n von Prof. Or. G. Jäger empfiehlt zu Original-Preise« Frledr. Teipel 9424 Markt 16.