Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Samstag den 29. September M 1888. Vureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. -reis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn, mrch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps> Amtlicher Hßeil. Betreffend: Die Ausführung des Unfallverstcherungsgefetzes. Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur Kenntniß der Jntereffenten gebracht, daß der Vorstand der Berufsgenoffenschaft der Feinmechanik Section VIII zu Karlsruhe den Herrn Oberinspector Karl Allekotte zu Karlsruhe zum Beauftragten, und den Fabrikant Lours Wetzell in Meder-Erlenbach bei Frankfurt a. M. zum Vertrauensmann im Sinne der Unsallverstcherungsgesetzes, bezw. zu des letzteren Stellvertreter den Nähmaschinenfabrikant Adam Opel m Rüffelsheim bei Mainz für dar Großherzogthum Hessen ernannt hat- Gießen, am 25. September 1888. Grobherzoglicher Kreiramt Gießen. Dr. Boekmann- _______________________________ Betreffend^ Die Ausführung des Unfallverstcherungsgefetzes. Gießen, den 25. September 1888. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an Großherzoglich«» Polizeiamt Gießen «nd di« Großberzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden de» Kreise». Wir benachrichtigen Sie hierdurch, daß der Vorstand der Section VIII der Berufsgenossenschaft der Feinmechanik zu Karlsruhe den Herrn Fabrikant Louis Wetzehl in Nieder.Erlenbach bet Frankfurt a- M. zum Vertrauensmann und den Nähmaschinenfabrikant Adam Opel in Rüsselsheim ber Mamz m dessen Stellvertreter für das Großherzogthum Hessen ernannt hat. Auf Grund des § 54 des Unfallverstcherungsgefetzes beauftragen wir Sie, die Benachrichtigung über Einleitung einer Untersuchung über die bet Mitgliedern der Berufrgenossenschast der Feinmechanik erngetretenen Unsalle an den genannten Vertrauensmann bezw. dessen Stellvertreter zu richten. vr. Boekmann. ____________ Politische Rundschau. Gießen, 28. September. Mit dieser Woche hat diejenige Reise Kaiser Wilhelms ihren Anfang genommen, welche das glanzvolle Gegenstück zu der epochemachenden Meeresfahrt des deutschen Herrschers nach Norden bilden wird und die dem Besuche der süddeutschen Fürftenhöfe und weiter der Höfe von Wien und Rom gewidmet ist. Die Südenfahrt des deutfchen Kaisers wird vermuthlich noch herrlichere Bilder entrollen und sich überhaupt noch glänzender gestalten, als dies bereits bei seiner ersten großen Reise der Fall war, dies erhellt schon aus den Zurüstungen, die man allenthalben zum Empfange des jugendlichen Trägers der deutschen Kaiserkrone getroffen hat und wozu erst die letzten Tage durch die officielle Bekanntgabe des Programmes für den Katserempfang in München einen neuen Beitrag geliefert haben. Dem äußeren Glanze der zweiten großen deutschen Kaiscrreise entspricht aber auch deren innere Bedeutung und wenn das Erscheinen des Kaisers in Süddeutschland vornehmlich bekundet, daß auch unter dem Nachfolger der beiden ersten Hohenzollernkaiser der deutsche Süden untrennbar vereint mit dem Norden sein wird, daß auch unter Wilhelm II. ein unzerreißbares Band alle deutschen Stämme umschlingt, so beweist der bevorstehende Besuch des neuen deutschen Kaisers in Wien und Rom vor allen Dingen, daß der feste Friedensbund, der noch unter dem ersten ruhmgekrönten Herrscher des deutschen Reiches zwischen Deutschland, Oesterreich und Italien geschlossen wurde, unentwegt fortdauern wird und mit freudigster Zustimmung begrüßen nunmehr die Völker des Dreibundes die begonnene Südenfahrt Wilhelms II. Die Wahlbewegung itt Preußen nimmt jetzt täglich an Lebhaftigkeit zu und fast in allen Wahlkreisen sind nunmehr die Eandidaten der einzelnen Parteien aufgestellt. Nur die officielle Bekanntgabe des Wahltermins läßt noch immer auf sich warten und ist es in der Thal die höchste Zeit, daß sich die Regierung endlich zu diesem Schritte entschließt, zumal über die Verzögerung desselben schon jetzt sich in politischen und parlamentarischen Kreisen Befremden kundgiebt. In den Pester Regierungskreisen bat die Wahl des der gemäßigten Opposition angehörigen Baron Kaas zum Retchsrathsabgeordneten für den inneren Wahlbezirk der Stadt Pest unangenehm überrascht. Den genannten Wahlkreis vertrat bislang der unlängst verstorbene Cultusminister Trefort und galt er als einer der sichersten Sitze für die liberale ungarische Regierungspartei; um so überraschender ist es, daß bei der Ersatzwahl für Trsfort ein Oppositionscandidat gesiegt hat. Welche Ursachen diesen Umschwung herbeigeführt haben, entzieht sich noch der Beurtheilung des Fernerstehenden, wenn jedoch die ungarischen Oppositionsblätter in dem Vorgänge eine bedenkliche Erschütterung des Eabinets Tisza erblicken, so heißt das offenbar zu weit gegangen, denn unbestreitbar weiß Tisza noch wie vor zehn Jahren die Mehrheit des ungarischen Volkes hinter sich. In Frankreich zeigen sich die ersten Umrisse einer neuen M i n i st e r k r i s i s. Die Budgetcommission der Deputirtenkammer hält an den Abstrichen von 5 Millionen, die sie beim Marinebudget gemacht hat. trotz des Widerspruches des Admirals Krantz, des Marineministers, fest. Da die Commission auch bei andern Ressorts, namentlich beim Militärbudget, bedeutende Abstriche vorgenommen hat, wogegen die betreffenden Ressortchess entschieden protestiren, so ist eine partielle oder auch gänzliche Mintster- krisis nicht unmöglich. Doch wird die weitere Entwtckeluug der Sache vermuthlich erst von dem Votum des Kammerplenums abhängen, welch' letzteres zwischen dem 15. und 19. October zusammentritt. In England widmet man dem Auf stände in Nordafghanistan ungemeine Aufmerksamkeit. Bislang lauten indessen die Meldungen über dre Erhebung Jschak Khans noch immer zu verworren und widerspruchsvoll, als daß man sich selbst in den englischen Regierungskreisen ein genaues Bild von der augenblicklichen Lage in Afghanistan zu entwerfen vermöchte. Immerhin ist in ihnen die Anschauung vorherrschend , daß der Aufstand Jschak Khans dem Emir Abdur Rhaman günstigsten Falls noch einige Zeit zu schaffen machen werde, da die Truppenmacht des Emirs zu einer raschen Unterdrückung der Erhebung nicht genügt. Keine Woche vergeht jetzt mehr, welche nicht eine oder mehrere HiobSposterr Ostafrika brächte. Als jüngste derselben erscheint die wiederum durch „Reuters Burau" gemeldete Ermordung zweier Beamten der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft durch Eingeborene in Ktlwa, nachdem dieser Unthat soeben erst der so blutig zurückgewiesene Angriff der Eingeborenen auf die deutsche Station in Bogamoyo vorangegangen war. Ein energisches Eingreifen des Reiches zum nachhaltigen Schutze der immer stärker bedrohten deutschen colonialpolttischen Unternehmungen in Ostafrika erweist sich da mehr und mehr als eine Nothwendigkeit; ob vielleicht auch England hierbei mit vorgehen würde, da schließlich auch die britischen Jntereffm durch die um sich greifende europäerfeindliche Stimmung in der oftafrikanischen Bevölkerung bedroht erscheinen, muß noch dahingestellt bleiben. Immediatbericht des Reichskanzlers Uber das Tagebuch Kaiser Kriedrich's. Vom Reichskanzler Fürsten Bismarck ging am gestrigen Tage dem Justizminister folgendes Schreiben zu: Berlin, den 25. September 1888. Ew. Excellenz beehre ich mich, in der Anlage Abschrift eines Jmmediatberichtes vom 23. ds. Mts. mit der Eröffnung ergebenst mitzutheilen, daß Se. Majestät oen von mir darin gestellten Schlußantrag genehmigt, die Veröffentlichung des Berichtes befohlen und mich beauftragt haben, Ew. Excellenz um Ausführung der Allerhöchsten Willensmeinung zu ersuchen. von Bismarck. Der Bericht an den Kaiser lautet: Friedrichsruh, den 23. September 1888. Auf Ew. Kaiserlichen Majestät Befehl beehre ich mich, bezüglich des in der „Deutscher: Rundschau" veröffentlichten angeblichen Tagebuches des hochseligen Kaisers Friedrich Folgendes zu berichten: Ich halte dieses Tagebuch in der Form, wie es oorliegt, nicht für echt. Seine Majestät, der damalige Kronprinz, stand 1870 allerdings außerhalb der politischen Verhandlungen und konnte deshalb über manche Vorgänge unvollständig oder unrichtig berichtet sein. Ich besaß nicht die Erlaubniß des Königs, über intime Fragen unserer Politik mit Sr. Königlichen Hoheit zu sprechen, weil Se. Majestät einerseits Jndis- cretionen au den von französischen Sympathien erfüllten englischen Hof fürchteten, anderseits Schädigungen unserer Beziehungen zu den deutschen Bundesgenossen wegen der zu weil gesteckten Ziele und der Gewaltsamkeit der Mittel, die Sr. Königlichen Hoheit von politischen Rathgebern zweifelhafter Befähigung empfohlen waren. Der Kronprinz stand also außerhalb aller geschäftlichen Verhandlungen. Nichtsdestoweniger ist es kaum möglich, daß bet täglicher Niederschrift der empfangenen Eindrücke so viele Jrrthümer thatsächlicher, namentlich aber chronologischer Naturen den Aufzeichnungen enthalten sein könnten. Es scheint vielmehr, daß entweder die täglichen Aufzeichnungen selbst oder doch spätere Vervollständigungen von Jemand aus der Umgebung des Kronprinzen herrühren. Gleich in der ersten Zeile wird gesagt, daß ich am 13. Juli 1870 den Frieden für gesichert gehalten hätte und deshalb nach Varzin zurückkehren wollte, während actenmäßtg feststeht, daß Se. Königliche Hoheit schon damals wußte, daß ich den Krieg für nothwendig hielt und nur unter Rücktritt aus dem Amte nach Varzin zurückkehren wollte, wenn er vermieden würde, und daß Se. Königl. Hoheit hierin mit mir einverstanden war, wie das auch in den angeblichen Aufzeichnungen vom 15. noch auf der ersten Seite des Abdrucks mit den Worten ausgesprochen ist, daß der Kronprinz mit mir darüber vollkommen einverstanden war, daß Frieden und Nachgeben bereits unmöglich seien. Es ist auch — Seite 6 — nicht richtig, daß Se. Majestät der König damals nichts Wesentliches gegen die Mobilmachung eingewendet hätte. Se. Majestät glaubte, und der Kronprinz wußte dies, den Frieden noch halten und dem Lande den Krieg ersparen zu können. Se. Majestät war in Brandenburg und während der ganzen Fahrt von da nach Berlin meiner Befürwortung der Mobilmachung unzugänglich. Aber sofort nach Vorlesung der Ollivier'schen Rede auf dem Berliner Bahnhofe und nachdem mir Se. Majestät die wiederholte Vorlesung der Rede befohlen hatte und dieselbe als gleichbedeutend mit einer französischen Kriegserklärung ansah, entschloß der König sich proprio motu und ohne weiteres Zureden zur Mobilmachung. Se. Königl. Hoheit der Kronprinz, über die Nothwendigkeit der vollen Mobilmachung am Tage vorher mit mir einverstanden, hat dann wettere Schwankungen durch Verkündigung der königlichen Entschließung mit den Worten: „Krieg! Mobil!" an das Publikum, d. h. an die anwesenden Offictere, abgeschnttten.. Es ist ferner nach meinen damaligen Besprechungen mit dem Kronprinzen nicht möglich, daß Se. Königliche Hoheit (Seite 7) mit diesem Kriege einen „Ruhepunkt im Kriegeführen vorausgesehen" haben soll, da Se. Königliche Hoheit die allgemeine Ueberzeugung thetlte und zum Ausdruck brachte, dag dieser Krieg, wie er auch ausfallen möge, „die Eröffnung einer Reihe von Kriegen", eines kriegerischen Jahrhunderts sein werde, dennoch aber unvermeidlich sei. Seite 16 scheint unmöglich, daß der Kronprinz gesagt habe: „Er setze die Verleihung des Eisernen Kreuzes an Ntchtprcußen mit Mühe durch", da ich noch in Versailles, also Monate später, im Auftrage des Königs den Kronprinzen wiederholt zu bitten gehabt habe, mit der Verleihung des Eisernen Kreuzes auch an \ Ntchtprcußen oorgehen zu wollen, und Se. Königliche Hoheit dazu nicht sofort geneigt j fand, es vielmehr wiederholter Anregung Sr. Majestät bedurfte, um die befohlene Maßregel in Fluß zu bringen. Besonders auffällig bei Prüfung der Echtheit ist der | chronologische Jrrthum, daß eine lebhaftere Dtscussion mit mir über die Zukunft Deutschlands und die Stellung des Kaisers zu den Fürsten erst in Versailles ftattge- ’ fanden habe. Dieses Gespräch fand schon am 3. September in Donchery statt, und [ teilweise bei einer noch früheren Verhandlung von mehrstündiger Dauer, von welcher ich mich nur entsinne, daß sie zu Pferde, also wahrscheinlich bei Beaumont oder Sedan stattfand. In Versailles haben Erörterungen von Meinungsverschiedenheiten zwischen Sr. König!. Hoheit und mir über die künftige Verfassung Deutschlands nicht mehr stattgefunden. Ich darf vielmehr annehmen, daß Se. Königliche Hoheit sich von der Richtigkeit der von mir für das Erreichbare gezogenen Grenze überzeugt hatte, denn ich habe mich bet den wenigen Gelegenheiten, wo die Zukunft Deutschlands und die Kaiserfrage in Gegenwart beider höchsten Herrschaften zur Sprache kam, des Einverständnisses Sr. Königlichen Hoheit, den Bedenken Sr. Majestät gegenüber, zu erfreuen gehabt. Die Behauptung des Tagebuches, daß Se. Königliche Hoheit beabsichtigt haben könne, Gewalt gegen unsere Bundesgenossen anzuwenden und denselben eventuell die von ihnen treu gehaltenen und mit ihrem Blute besiegelten Verträge zu brechen, ist eine Verleumdung des hochseligen Herrn. Derartige vom Standpunkte des Ehrgefühls wie von dem der Politik gleich verwerfliche Gedanken mögen in der Umgebung Sr. Königlichen Hoheit Vertreter gefunden haben, aber sie waren zu unehrlich, um in seinem Herzen, und zu ungeschickt, um bei seinem politischen Verstände Anklang zu finden. Ebensowenig stimmt mit den Thatsachen, was in dem Tagebuch bezüglich meiner Stellung zur Kaiserfrage 1866, oder zur Jnfallibilitätsfrage oder zu der des Oberhauses und der Reichs-Ministerien angeführt ist. Der Kronprinz ist nie darüber zweifelhaft | gewesen, daß das Kaiserthum 1866 weder möglich noch nützlich gewesen wäre, und ein ! „norddeutscher Kaiser" wohl ein „Empereur", aber kein geschichtlich berufener Ver- | mittler der nationalen Wiedergeburt Deutschlands gewesen sein würde. Ebenso war ! die Oberhaus-Jdee in Donchery am 3. September zwischen uns abgethan und Se. j Königliche Hoheit überzeugt, daß die deutschen Könige und Fürsten für eine Annäherung ? ihrer Stellung an die der preußischen Herrenkurie nicht zu gewinnen sein würden. Die ! Jnfallibilität war mir stets gleichgültig, Sr. Königlichen Hoheit weniger, ich hielt sie j für einen fehlerhaften Schachzug des damaligen Papstes und bat Se. Könial. Hoheit, | diese Frage während des Krieges wenigstens ruhen zu lassen, aber den Eindruck, daß ich sie nach dem Kriege betreiben wolle, kann Se. Königliche Hoheit niemals gehabt und in ein täglich geführtes „Tagebuch" eingetragen haben.— Sette 10 wird berichtet, daß Se. Majestät der König den Entwurf zu dem Briefe an den Kaiser Napoleon an Graf Hatzfeldt dtkttrt habe; der Kronprinz war zugegen, als der König mir befahl, den Brief zu entwerfen, und dieser Entwurf vom Grafen Hatzfeldt der allerhöchsten Genehmigung durch Vorlesen unterbreitet wurde; es ist auch hier nicht glaublich, daß bei einer täglichen Einzeichnung ein derartiger Jrrthum vorkommen konnte. Ich halte nach allem diesem das „Tagebuch" in der Form, wie es in der „Deutschen Rundschau" abgedruckl ist, für unecht. Wenn es echt wäre, so würde auf feine Veröffentlichung meiner Ansicht nach der Artikel 92 des Strafgesetzbuchs Anwendung finden, welcher lautet: „Wer vorsätzlich Staatsgeheimnisse oder Nachrichten, deren Geheimhaltung für das Wohl des Deutschen Reiches erforderlich ist, öffentlich bekannt macht" u. s. w. Wenn es überhaupt Staatsgeheimnisse gibt, so würde dazu, wenn sie wahr wäre, in erster Linie die Thalsache gehören, daß bei Herstellung des Deutschen Reiches Kaiser Friedrich die Absicht vertreten hätte, den süddeutschen Bundesgenossen die Treue und die Verträge zu brechen und sie zu vergewaltigen. Eine Anzahl anderer Anführungen, wie die angeblichen Urtheile Sr. Königlichen Hoheit des Kronprinzen über Ihre Majestäten die Könige von Bayern und Württemberg, die Anführungen über den Brief des Königs von Bayern und dessen Entstehung, die angeblichen Intentionen der preußischen Regierung gegenüber der Jnfallibilität fielen, wenn sie wahr wären, ganz zweifellos in die Kategorie der Staatsgeheimnisse und der Nachrichten, deren Veröffentlichung den Bestand und die Zukunft des Deutschen Reichs, die auf der Einigkeit seiner Fürsten wesentlich beruhen, gefährdet, also unter Artikel 92 des Strafgesetzes. Wird die Publikation für echt gehalten, so liegt der Fall des Art. 921 des Strafgesetzbuchs vor; wenn aber, wie ich annehme, die Veröffentlichung eine Fälschung ist, so tritt vielleicht in erster Linie der Art. 9211 in Wirksamkeit, und wenn über dessen Zutreffen juristische Zweifel obwalten sollten, so werden außer Art. 189 wegen Beschimpfung des Andenkens Verstorbener, wie ich glaube, auch andere Artikel des Strafgesetzes die Unterlage eines gerichtlichen Einschreitens bilden können, durch welches wenigstens die Entstehung und die Zwecke dieser strafbaren, für die hoch- seligen Kaiser Friedrich und Wilhelm und für Andere verleumderischen Publikationen an's Licht gezogen werden können.. Daß dies geschehe, liegt im Interesse der beiden hochseligen Vorgänger Ew. Majestät, deren Andenken ein werthoolles Besitzthum des Volkes und der Dynastie bildet, und vor der Entstellung bewahrt werden sollte, mit welcher diese anonyme, im Interesse des Umsturzes und des inneren Unfriedens erfolgte Veröffentlichung in erster Linie sich gegen den Kaiser Friedrich richtet. In diesem Sinne bitte ich Ew. Majestät ehrfurchtsvoll, mich huldreich ermächtigen zu wollen, daß ich dem Justizminister Allerhöchstdero Aufforderung zugehen lasse, die Staatsanwaltschaft zur Einleitung des Strafverfahrens gegen die Publikation der „Deutschen Rundschau" und deren Urheber anzuweisen. von Bismarck. An Se. Majestät den Kaiser und König. Aeuychtand. Berlin, 26. September. [Oiftlrung der weiteren Ausgabe der Auszüge aus Kaiser Friedrichs Tagebuchs Die Mttthetlung der „Freis. Ztg.", daß die weitere Ausgabe des Octoberheftes der „Deutfchen Rundschau" mit den Auszügen aus dem Tagebuche Kaiser Friedrichs sistirt ist, lautet wörtlich: „Nachdem die in Berlin verfügbaren Exemplare des Octoberhcftes der „Deutschen Rundschau" mit dem Tagebuch Kaiser Friedrichs bei der Verlagsbuchhandlung von Paetel bereits am Samstag vollständig vergriffen waren, erhielten wir von der Verlagsbuchhandlung in Berlin die Zusicherung, daß wir Mittwoch Nachmittag nach Ankunft neuer Exemplare aus der Druckerei in Altenburg in den Besitz der weiterhin erforderlichen Exemplare kommen würden. Es waren nämlich bei der mit unserer Expedition verbundenen Buchhandlung bis dahin weitere 320 Exemplare fest bestellt worben. Indessen kam am Mittwoch unser Bote von der Buchhandlung mit dem Bescheid zurück, daß die weitere Ausgabe des Tagebuchs sistirt sei. Bei nochmaliger Anfrage seitens des Leiters unserer Expedition ließ sich die Verlagsbuchhandlung auf eine neuere Erklärung nicht ein. Auf die Frage, ob wir denn später die uns fest zugesicherten Exemplare erhalten würden, wurde uns der Bescheid, daß wir nähere Mittheilung erst morgen erhalten könnten." Telegraphische Depeschen. Wslff'K telegr. Sorrespondenr. Bureau. Berlin, 27. September. In der gestrigen Bundesrathssitzung wurde den Anträgen Preußens und Hessens, sowie den gemeinschaftlichen Anträgen Preußens und Hamburgs wegen erneuter Anordnungen gegen die Socialdemokratie (Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes für Berlin, Stettin, Hamburg-Altona und Frankfurt- Offenbach) die Zustimmung ertheilt. Der Vorsitzende thetlte mit, daß der Zeitpunkt an welchem der Anschluß Hamburgs und Bremens an das Zollgebiet erfolgen soll vom Reichskanzler auf Grund eines Beschlusses des Bundesraths aus den 15. October festgesetzt sei. — Der „Rcichsanzeiger" enthalt eine Bekanntmachung des Ministers des Innern laut welcher die Wahlmännerwahl auf den 30. Octobcr, die Abgeordnetenwahl auf den 6. November festgesetzt wirb. » riT( Berlin, 27 September Die „Nordb. Allg. Ztg." erinnert angesichts ber ab- Jf1Ltiflen Urteile über den bayerischen König Lubwtg in bem angeblichen Tageouch bes Karsers Frtebrich daran, baß bie entscheibende Kunbgebung ber nationalen Gesinnung ßubrotflS nicht in der Frage der Nebaction seiner formellen Anregung ber Kaiserwürbe abschon auch diese den Dank Deutschlands für ewige Zeiten verdiene, fonbern in ber '^"bllenEntschließung liege, womit er unmittelbar nach ber am 15.Juli 1870 erfolgten preußischen Mobilmachung am Vormittag bes 16. Juli die Berathungen seiner Minister durch den kurzen telegraphischen Befehl beendete, die Armee zu mobilisiren. Durch die,en hochherzigen Entschluß aus ganz freier Initiative habe sich Ludwig ein unzerstör- bares D-nkmal in den Herzen des deutschen Volkes gesetzt. „Keine nachträglich- Kritik ^aiin o i cs es Verdienst rauben; ebensowenig, daß er in voller Consequenz seiner prompten patriotischen Entschließung nicht nur der Herstellung des Kaisertums zugestimmt, son- bc™,™ Forderung desselben in einem eigenhändigen Schreiben an den König Wilhelm ges ellt hat Ebenso unvergessen bleibe die deutsche Gesinnung des bayerischen Stammes, ^blche in ber heldenmuthigen Tapferkeit der Bayern im ganzen Verlaufe des Krieges ihre Bethatigung gefunden habe. ö Berlin, 27. September. Im Samoa ist in der Person Malietoa's II. ein - Zenromg gegen Tamasese ernannt worden. Die Lage der Fremden wird durch die Sire m ^fn Kampfe nicht gefährdet, da ein deutsches und ein amerikanisches Kriegsschiff anwesend sind. . s Merlin, 27. September. Laut Mittheilung der Paetel'schen Verlagsbuchhandlung wird das Octoberheft ber „Deutschen Runbschau", welches bas Tagebuch Kaiser Frieb- richs enthalt, nicht mehr ausgegeben. Stuttgart, 27. September. Zu Ehren bes Besuchs Sr. Majestät bes Kaisers prangt die ©rabt in festlichem Schmuck. Uebcrall sieht man prachtvolle Dekorationen, vom Bahnhofe durch bie Schloßstraße an bem Königsbau vorbei bis zur Manie ist eine großartige via triumphalJergefteM, auf welcher 10 Pyramiden, die mit dazwischen stehenden Mastftangen durch Guirlanden verbunden sind, sich erheben Die Maststangen tragen Gruppen von Fahnen und die allegorische Figur der Württemberaia mit bem Palmzweig. Seine Majestät wird bet ber Ankunft am Bahnhöfe von bem König unb den sammtlichen königlichen Prinzen nebst bem Gefolge unb bem Hofstaat empfangen, ferner werben bie Staatsminister, bie Präsidenten öeiber Kammern bie preußische Gesandtschaft, fammtliche Generäle und Regimcnts-Commandeure, der Ehrendienst, forme die L-tadtbehörden anwesend fein. Leipzig, 27. September. Das Reichsgericht hob das freisprechende Urtheil des Landgerichts in Nürnberg vom 18. April gegen Grillenberger unb Bernhard wegen Verbreitung verbotener Druckschriften auf unb verwies bie Sache nach Fürth zurück. 27/ September. Der Kaiser ist heute roieber eingetroffen unb besuchte Mittags ben König von Griechenlanb, welcher österreichische Uniform trug. Der Kaiser verweilte eine halbe Stunde im Hotel des.Königs unb kehrte darauf nach ber Hofburg jurucf, woselbst kurz barauf ber König von Griechenland zum Gegenbesuche eintrat Der Kaiser fuhr sodann zum Besuche des Prinzen von Wales. Rom, 27 September Der „Moniteur" erklärt, bezüglich des Ceremoniells beim Empfang des Kaisers Wilhelm im Vatikan seien noch keine endgültigen Bestimmungen getroffen. aD.r, 27. September. Dem Vernehmen nach wird der Empfang des Kaisers Wilhelm durch den Papst wahrscheinlich am 14. Oktober stattfinden. Rom, 27. September. Der Papst empfing eine Anzahl italienischer Geistlicher unter der Führung des Erzbischofs von Turin und erwiderte auf die von Letzterem verlesene Adresse, daß er in Bezug auf die unverjährbaren Rechte des päpstlichen Stuhles niemals einen Vergleich eingehen könne. Der italienische Strafgesetzentwurf sei ein neuer Angriff auf die Kirche und ben Clerus. Er hoffe aber auf Gott, ber stets Alles am besten leite unb auch fitzt Alles zum Besten ber Kirche dienen lassen werde. Lissabon, 27. September. Der neue deutsche Gesandte Wäcker-Gotter wurde heute vom Kronprinzen, welcher ben noch abwesenben König vertritt, in feierlicher Audienz empfangen. Derselbe gedachte in seiner Antwort auf die Ansprache des Ge- sandten der .gemeinsamen Interessen beider Länder in Afrika und des freundnachbar- lichen Verhalmisfes, welches dort zwischen den beiden Regierungen bestehe. Belgrad, 27. September. Gerüchtweise verlautet, Radiooj-Milojkooic, Gerichtsrath, Ehrrftic, ber Sohn bes Ministerpräsidenten, und ber Abvokat Giorgievic sinb worben ^ra0C Cabinetwechsels vom König Milan nach Gleichenberg berufen Konstantinopel, 27. September. Der von Wien kommenbe internationale Zug ist in ber vergangenen Nacht bei Murabci entgleist, weil ein Büffel auf bas Geleise qerathen war. Es würbe Niemanb verletzt. Newyork, 27. September. Die Berichte aus ben Bezirken bes gelben Fiebers lauten etwas beruhigenber. Aus ben Südstaaten wirb Frost gemelbet. Die Quarantäne wirb weniger streng beobachtet. Aus Jacksonvtlle würben heute 103 neue Fiederansälle gemelbet; acht Personen sinb gestorben. Newyork, 27. September. In einem von ben republikanischen Senatoren vorgeschlagenen Zolltarifentwurf werden Abstriche von fast 70,000,000 Dollars gemacht- hiervon entfallen auf die Tabaksteuer 30,000,000, auf die Zuckersteuer 25,000 000 Doll.' alsdann wird der Schutzzoll auf Wollwaaren erhöht unb zwar für feinere Wollwaaren' die zu Kleibungsstücken verarbeitet werben, um 12 ober 13 Cents pro Pfund. Die Zollsätze für anders verarbeitete Wollwaaren, sowie auf Seide bleiben unverändert. Die Zolle auf verschiedene Arten von Stahlwaaren werden dagegen erhöht diejenige aus Zucker und Reis werden um die Hälfte vermindert. Schließlich wird in'bem Entwürfe bie völlige Abschaffung bes Tabakzolles beantragt. Vermischtes. k rc- 2L September. Das schon seit vielen Jahren schwebende Project der Errichtung eines Volksbades hier ist jetzt endlich soweit gediehen, daß sich die Stadtverordneten im Prmcip darüber klar gemorbcn, daß zwei solche Badeaim.ttteii, die eine tn ber Altstadt unb bie andere in ber Neustadt erbaut werben sollen Für royrbc. inr gestriger Stabtoerorbnetensitzung in dem oberen Stadnheile ein Platz bestimmt unb gleichzeitig ber erforberliche Betrag von 52 000 „M bewilligt Das mit einem Turnsaal verbundene, nach Lassar'schem System einzurichtenbe Bad wirb Männer er halten3 2ßanncbaber fur Frauen und 9 Brause- unb 3 Wannebäder für , Peinliches Aussehen erregt bie gestern erfolgte Verhaftung bes Geschästs- fuhrers einer bebeutenbcn Bauunternehmung hier. Derselbe hatte bislang für fihr wohlhabend gegolten und auf einem ziemlich großen Fuße gelebt unb überrascht eS Lokales. Gießen, 28. September. Auf ber Reise von Tetmolb nach Stuttgart passirte gestern Nachmittag gegen V-3 Uhr Se. Majestät ber Kaiser mittelst Sonberzuges bie hiesige Elation. Der Aufenthalt währte nur so lange, als zum Wechsel ber Maschine nothig war. Empfang fand nicht statt. n „Hetzen, 28. September. Die oberen Klassen bes Realgymnasiums unb ber ^eaffchule bringen fommenben Dienstag Abenb ihrem von hier scheibenben Director Fackelzug. Am folgenben Tage wirb Director Weyrich durch Großh. Oderschulrath Sold an feierlich in feine neue Stellung eingeführt. - Auf bie L 3. an bte Schuler ber oberen Klassen obiger Anstalt ergangene Einlabunq zur Errichtung von Krankentragercolonnen im Falle eines Krieges haben 28 Schüler ihre Dienste angeboten. . v Gießen, 27. September. (Schwurgericht.) In nicht öffentlicher Sitzung verhanbelte der Gerichtshof heute die Anklage gegen ben verheirateten Fuhrknecht @eorg Volz von Nieder-Mockstabt wegen Sittlichkeitsoerbrechens, bie britte bieser Art in ber nur 5 Falle umfaffenben Session. Das Urtheil lautete auf eine Gefängniß- fitafe oon 2 Jahren, sowie Aberkennung ber bürgerlichen Ehrenrechte auf bie Dauer von 3 Jahren. — . — wir hören ist schon ein großer Theil ber Theater-Gesellschaft bes Herrn Dsrector Reiners eingetroffen unb werben bernnächst bie ersten Proben beginnen. ?^f^o^""6s-Vorftellung ist auf Montag ben 8. October festgesetzt unb soll von ber stattlichen Noottaten-Zahl, welche Herr Director Reiners für die hiesige Bühne eröffnen" "T^sdemonas Taschentuch", Schwank von Rudolf Kneisel, ben Reigen Ä "b?n 6ebCUt£nbin Un'°r!chl°gung°n zu hören, b.e dem D-rhast-I-n zur Last | um aus jeder dieser einzelnen Stunden aus die far.iausenden Monate, n°m Januar - hiesige Polizei ha' gestern einen fremden Arbeiter nach seiner Heimath ! Spinne Flieg"" Made 'das kStge Wette"/"sowie E?n.'ö- "Kr.kas"°Krkn"hU Aus' escortirt, der jungst ewige lautend Mark geerbt und solche hier in wenigen Tagen mit sichten u. s. w im Voraus »u künden - L h'Ä' jSk!8''® “t ’ Kellnern, WirtbSmadchen, Kutschern -c. in sinnlosester Weise verschwendet hatte. Bis eine Hauptrolle «vielen unh fnn 7 hi, dem Speise und Trank auf einige bunderi Mark war die aanre Erbschaft kst-on oeriudel und sogar die „St Micha lsminne" noch vertreten ist, der auf einige hundert Mark^war die ganze Erbschaft schon verjubelt. — Die von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Polizei-Organisation wird voraussichtlich bereits am 1. Januar 1889 m's Leben treten. Der Bürgermeister ist eben in Gemeinschaft mit den betreffenden Commissionen mit der Erwägung der einzelnen Personalfragen beschäftigt. mwLr namJ % f^uem Gedächtnisse; — doch verschmähen auch die Dänen es nicht, Ä!!! % UI?b Ernle-S udien an diesem Tage zu betreiben. — Am Allermeisten aber etert England das Mtchaelsfcst! Dort hat eine Unzahl alter Bräuche ihr Asyl ge- noch Michaels'Kuchen" von besonderer Schutzkraft und darf die berühmte „Michae!ls-Gans als Vertreterin und Vorläuferin ihrer deutschen Schwester, der Martini-Gans, mcht fehlen. — Auch in Deutschland findet ja viel buntes Treiben 1 ? lUt ■ Michaelis, doch sind diese Michaelisfreuden leider sehr gemischt mit des Dasems Schatten-, Geld- und Wechselseiten und „freudvoll und letdvoll, gedankenvoll sein!" heißt eigentlich des Tages Losung. Katholische Gemeinde. . 19. Sonntag nach Pfingsten. Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um Vr8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag: Morgens von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 7 Uhr Frühmesse; um */rl0 Uhr Traueramt für die Abgestorbenen mit Predigt; Nachmittags um 2 Uhr Andacht für die Abgestorbenen. Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen. Gvangklische Gemeinde. Gottesdienst. , .18. Sonntag nach Trinitatis, den 30. September: rKirchenvrsrtatton durch Herrn Prälaten Dr. Habicht aus Darmstadt. _ . . r E Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Schlosser. .,. ^*5 3ahre confirmirten Mädchen werden aufgefordert, im Vor- m lttagsgottesdrenst sich einzuftnden und die Plätze um den Altar einzunehmen. Nachmittags 2'/, Uhr: Pfarrer Dingeldey. Die lm laufenden Jahre confirmirten Gymnasiasten und Stadtschüler, Realschüler werden aufgefordert, im Nachmittagsgottesdienst sich ernzufinden und die Platze um den Altar einzunehmen. .. m Kmderkirche fällt aus; dieselbe beginnt wieder am Sonntag, den 7. October; He J8orbereUung dazu findet statt am Freitag, den 5. October, Nachmittags 3 Uhr in der Kirche. ö * * mc Di- Pfarrgeschäfte in der Woche vom 30. September bis 6. October besorgt Pfarrer Schlosser. b — Frankfurt, 27. September. Aus Kronberg ist die Nachricht nach Wiesbaden gelangt, die Villa Reiß sei nunmehr definitiv für die Kaiserin Friedrich angekauft worden. Soweit aus hiesigen sonst wohlunterrichteten Kreisen bekannt wird, beruht die Meldung auf Wahrheit. — Seit vorgestern circulirte hier das Gerücht, Kaiser Wilhelm werde auf seiner Mse nach Stuttgart unsere Stadt passiren und kurze Zeit in den Fürstenzimmern des neuen Bahnhofs verweikro. Thatsächlich ist es aber anders gekommen. Der Kaiser hat Frankfurt nicht betreten; der Sonderzug fuhr bis Bockenheim und wurde von dort über die Mainstation und Louisa weiterbesördert. Die Ankunft in Bockenheim erfolgte 3 Uhr 50 Minuten, die Abfahrt 3 Uhr 55 Minuten. Das Gefolge des Kaisers war schon heute Vormittag hier eingetroffen und im Frankfurter Hof ab- flefttegen. In demselben befanden sich: Graf Herbert Bismarck, Generallieutenant v. Brauchitsch, Wirklicher Geheimer Rath v. Lucanus, Generallieutenant v. Wittich, Generallieutenant v. Hahnke, Hofmarschall Graf Pückler, Flügeladjutanten v. Pfuel und v. Zitzewitz u. s. w., im Ganzen etwa 30 Personen. — sAm Michaeltstag.j Er wird im Allgemeinen jetzt nicht überall mit Ehrenpforten und Salve's empfangen, der 29. September, denn mit ihm endet eigentlich 'des Jahres gute Zeit, und die theure, rauhe tritt dafür in ihre altverbrtesten, herkömmlichen Rechte, ein Ereigniß, das ehedem weit freudiger und lustiger begangen ward als heutzutage. Nimmt doch St. Michel als Erzengel, Fahnenträger und Teufelsbesieger in der Legende einen besonders hohen Platz ein, die getauften Heiden wählten gerade ihn mit Vorliebe zu ihrem Schutzengel und der Apostel der Deutschen, Bonifacius, Pflegte ihm die Kirchen zu weihen, die sein frommer Eifer stiftete. Einst waren es sogar zwei Gedächtnißtage, welche die Kirche dem heiligen Michael widmete: der 15. März und 8. Mai, bis seit Anno 834 noch ein Dritter htnzukam, der zum Unterschiede „die Engelweihe" genannt wurde und der fortan mehr und mehr das Hauptfest bildete. Besonders im Norden von Europa hält man große Stücke auf das „Engelsfest"; — in Schweden zündet man am Vorabend die Michaelisfeuer an, aber die gute alte Sitte, den zur Michaelizett stattfindenden großen Markt zum öffentlichen Kampfplatz für Schlichtung aller Meinungsverschiedenheiten oder gar verkürzter Rauferei zu machen, — eine Sitte, die an die einstigen Volks- und Gemeinde-Versammlungen, „Herbst- Thing" geheißen, erinnerte, — verschwand mit dem Erscheinen unseres Jahrhunderts. Die Norweger schätzen St. Michael besonders als — Wetterpropheten! Deshalb beobachten sie gern an seinem Tage von Morgens 6 bis Abends 6 Uhr die Witterung, Obstverstcigming. Mittwoch den 3. Oktober, Nachmittags 1 Uhr, -soll das Obst der Gemeinde Dorf-Gill, bestehend in einer großen Quantität Zwetschen, meistbietend versteigert werden. Zusammenkunft im Ort. Dorf-Gill, den 27. Septbr. 1888. Großh. Bürgermeisterei DorpGill. Knopper. 7736 vbstoersteigerun. Dienstag, den 2. Oktober, Vormittags von 10 Uhr an, soll das der Gemeinde zustehende Obst, bestehend in Aepfeln, Birnen und Zwetschen, öffentlich versteigert werden. Der Anfang ist beim Teich im oberen Theil des Orts. Rödgen, am 26. Septbr. 1888. Großh. Bürgermeisterei Rödgen. _________Jnderthal. 7702 Gutsverpachtung. Das Gräfliche Hofgut F l e n s u n g e r Hof, in unmittelbarer Nähe der Bahnstation Mücke gelegen und rund 172 Normal-Morgen haltend, ist von Petri 1889 anfangend zu verpachten. Pachtliebhaber wollen sich melden an 7755 Laubach (Oberheffen) Gräflich Solmstsche Renlkammer. Dienstag den 2. Moder, Nachmittags 2 Uhr, in dem Hause Franksurterstratze 12 \ dahier, läßt der einzige Bruder u. Erbe des ' verstorbenenLandgerichtsrathsHrn Opper- j mann zu Gießen, die zum Nachlasse des Letzteren gehörige häusliche Einrichtung, • namentlich: 2 Betten, 2 Sopha's, Kleiderschränke, | 1 Secretär, 1 Eisschrank, Tische, ; Stühle, 1 Waschcommode, 1 Stand- | uhr, 1 große Badewanne, Spiegel, Bilder und sonstige Hausgeräthschafteu, ferner Küchengeräthe, Herren - Kleidungsstücke rc. 2C. durch den Unterzeichneten öffentlich gegen Baarzahlung versteigern. Versteigerung bestlmmt. Gießen, den 28. September 1888. Engel, 7744 Gr. Gerichtsvollzieher. Darmstädter Pferdeloose ä 2— ! Friedberger „ h 1.50. ! empfiehlt L7351] Julius Wallach. - Allgemeiner Anzeiger. Konservatorium für Musik Coblenz a. Rh., Löhrstraße Ur. 68. Das Wintersemester beginnt am 1. October. Der Unterricht umfaßt Clavier, Orgel, Kunstgesang, alle Blas - und Streich-Instrumente, Theorie, Musikgeschichte, Aesthetik rc. rc. 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Einzusührende Gäste sind beim Vereinsdiener anzumelden. 7748 Der Präsident Feciiherband Giessen Samstag, den 29. d. M., Abends 8 Uhr: Hauptversammlung in der Restauration „zum Stern“ Vorstandswahl, darauf musikalische Unterhaltung. 7753 Der Vorstand. Neuester Mit-Fiilirplaii aller tu Gießen ankommenden und abgehenden Eisenbahnzüge in der Expedition des „Gießener Anzeiger", sowie bei den Aeitunqsträgern zu haben. Preis 20 Psg. Redaction: A. Schcyda. - Druck und Verlag der Brühl'ichen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Di« heutig« Nummer enthält 1 Blatt «ud 1 Beilage 7742 Eine Familienwohnuna und eine Schlafstelle zu vcrm. Bahnhofstraße 30. 7746 Ein Famtlienloais ^parterre) zu vermiethen. Wolkengasse 11. 7745___________________________ Für Einjährige Ein möblirtes Zimmer mit Kabinet an einen Einjährigen zu vermiethen 7597 Grünbergerstraße 46. 7743] Möblirtes Zimmer zu vermiethen. Grünbergerftraße 39. _ VereiFFrohsinn. General-Versammlung am 29. September i m Vereinslocale. Tagesordnung: 1) Vorstandswahl, 2) Stiftungsfest, 3) Verschiedenes. Die älteren Mitglieder werden gebeten, zahlreich zu erscheinen. 7738 Der Vorstand. Ich warne hiermit Jedermann, sowohl meiner Frau als auch meinen Söhnen etwas zu borgen, indem ich für Nichts hafte. Lollar, 28. Septbr. 1888. 7754 Theodor Kimmel. | Junggesellen-verein Ziehen. Samstag, den 29. September, Abends 8 Uhr: Feier des 10jährigen Stiftungsfestes im Verein-lokal. Programm: Festsitzung, Abendessen, Commers. Neues Theater in Gießen. (Cafe Leib.) Dem hochverehrten Publikum der Stadt Gießen hiermit die ergebene Anzeige, daß die Eröffnung der diesjährigen Theatersaison am Montag den 8. October erfolgt. Gestützt auf eine achtzehnjährige Bühnenerfahrung ist es mir gelungen, ein Lustspiel-Ensemble für Gießen zu engagiren, welches sich mit denen der besten Theater in jeder Beziehung zu meflen berechtigt ist. Ich erlaube mir daher an das hochverehrte Publikum die ergebene Bitte zu richten, das meinem Vorgänger geschenkte Vertrauen auch auf mich zu übertragen, und durch eine rege Theilnahme am Abonnement mein Unternehmen zu stützen. Das Abonnement erstreckt sich vorläufig auf 20 Vorstellungen und können die erstandenen Karten auf daffelbe nach Belieben Verwendung finden. Der Preis stellt stch: Ein ganzes Sperrsitz-Abonnement 20 JL „ halbes ,, ,, 12 ,, „ ganzes I. Platz- „ 12 „ „ halbes „ „ „ 7 „ 50 H. Vorauszahlungen finden nicht statt, sondern erlaube ich nur den Betrag nach Absolvirung der 10. Vorstellung einzuziehen, oder aber dem hochverehrten Publikum zu überlasten, denselben an der Abendkaffe selbst zu entrichten. An Neuheiten habe ich mit großen Kosten die besten Erzeugniste der modernen dramatischen Literatur käuflich erworben und werde eifrig bemüht fein, dieselben in Abwechselung mit älteren gediegenen Werken dem hochverehrten Publikum in untadelhaster Weise vorzusühren. Indem ich nun noch besonders erwähne, dem bewährten Kunstgeschmack Les hiesigen Publikums, wenn irgend thunlich, Rechnung zu tragen,