Nr IMS Erstes Blatt. Donnerstag den 28. Juni 1888.' Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Lurearrr Schulstraße 7. DerNationalconvent der republikanischen Partei Nordamerikas stellte am Montag nach einem halben Dutzend vergeblicher Wahlgange den Senator Harrison als republikanischen Eandidaten für die Präsidentschaft aus. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn. Durck die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Deutschland. Darmstadt, 26. Juni. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst^ gerich' ^en Privatdocenten Professor Leo v. Willmann zum Lehrer an der teW*e6n Gerichtsassessor Karl Theobald in Gießen zum Staatsanwalt bei dem Landgericht'der Prdöinz Oberhessen — zu ernennen. Hamburg, 26. Juni, 11.35 N. In Kopenhagen ist im großen Sundswall eine Feuersbrunst ausgedrochen. Es liegen hier Berichte vor, wonach em großer ^beil der Stadt, sowie die Vdrstädte Normalm und St enhammer vernicht et sind. Viele Menschenleben sollen zu Grunde gegangen sein. Gegen 9000 Menschen srnd obdachlos. Es herrscht Mangel an Lebensmitteln. lr5- Ü-) Reichstag. <«• Berlin, 26. Juni 1888. (2. Sitzung) Der Reichskanzler Fürst Bismarck tritt bei Beginn der Sitzung in das Haus ein und nimmt am Bundesrathstische Platz. -- ;; ... - m . , , . « Der Präsident thetlt mit, daß in einer Rerhe ausländischer Parlaiuente der Theilnahme an dem Tode Sr. Majestät des Kaisers Friedrich Ausdruck gegeben worden und spricht denselben Namens des Hauses den Dank für diese wohlthuenden Kundge^^ng^ Präsident v. Wedell-Piesdorf bekannt, daß er dem Auftrage des Hauses entsprechend nachstehende Adresse an Se. Maiestat den Kaiser in Beantwortung der gestrigen Thronrede entworfen habe: Allerdurchlauchtigster Großmächtigster Kaiser und König'. Allergnadigfter Kaiser, König und Herr! In bitterem Schmerz trauert mit Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät der Deutsche Reichstag um den Heimgang Seiner Maiestat des Kaisers Friedrichs lebte ber Zuversicht, daß in Seiner Hand das Werk, welches Seine Majestät der unvergeßliche ftatter bewahrt, daß unter Seiner weisen Leitung Deutschlands Wohl in krteducher Arbest zu herrlicher Entwickelung geführt werden würde. Gott hat es anders beschlossen. Stach einer Regierung von wenigen Monaten mußten wir unseren geliebten Kaiserlichen Herrn in's Grab sinken sehen. Die schönen Hoffnungen, welche auf Ihn gestellt waren, sind dahin, aber Sein Andenken wird in den Herzen. dÄtAi- Volkes fortleben, das leuchtende Vorbild, welches Er durch hmgebende Pflichttreue in schwerer Zeit, durch Heldenmuth im Handeln und im Dulden gegeben hat' "Urd nimmermehr vergessen werden, wird noch auf kommende Geschlechter eine mächtige Wirkung^üben.her ^ude und innigem Dank haben wir aus Eurer Majestät Munde vernommen, daß Allerhöchstdieselben entschlossen sind, die Wege zu wandeln, auf welchen Seine in Gott ruhende Majestät, der Kaiser Wilhelm, bas Vertrauen Seiner Bundesgenossen, die Liebe des deutschen Volkes und die wohlwollende Anerkennung des Auslandes gewonnen hat. „ Eure Majestät wollen die Reichsverfassung unverbrüchlich wahren, die Gesetzgebung zum Wohle Deutschlands, insbesondere zum Schutzs der Schwachen und Bedrängten ausbauen, Recht und Gesetz schirmen und aufrecht ^halten. Der Reichstag ist bereit, Eure Ma;estat in der Ausführung dieses Willen- mit aller Kraft zu unterstützen, er hofft, daß der Allmächtige zu seiner Arbeit das ®CUn66ureb$ia^fträtC’ ftnb entschlossen, gestützt aus bewährte Bündnisse und B-- ziehungen, den Frieden aufrecht zu erhalten, so lange der Krieg nicht eme un- aufgedrungene Nothwendigkeit ist. Um den Frieden zu sichern und wenn er dennoch gestört werden sollte, ihn mit Ehren zu erkämpfen, wollen Eure Majestät die Schlagfertigkeit unseres Heeres erhalten und pflegen. . r.s. Der Deutsche Reichstag zollt dieser erhabenen Kundgebung Eurer Majestät seinen ™“enro®^at-ein ppfer scheuen, welches zur Sicherung unseres Vaterlandes nöthig ist, wie wir einmüthig bewilligt haben, was unser Hochseliger Kaiser Wilhelm von uns forderte, um den Frieden Deutschlands zu bewahren. Wir hegen aber das Vertrauen, düß der Friede des mit seinem Kaiser und den verbündeten Negierungen fest geeinten deutschen Volkes von Niemand gestört werden wird. Möge es Eurer Kaiserlichen und Königlichen Maiestat beschieden sein, unserem Vaterlande eine lange Zeit ungetrübten Glücks zu bringen. Möge Gott Eurer Majestät und dem Kaiserlichen Hause Seinen gnädigen Schutz verleihen, möge Er unser Deutsches Vaterland segnen und behüten. , In tiefster Ehrfurcht verharrt Eurer Kaiserlichen unb Königlichen Maiestat . Allerunterthänigster Der Deutsche Reichstag. Das Haus nimmt von diesem' Entwürfe stehend Kenntniß und nimmt denselben debattelos einstimmig an. (Beifall von allen Seiten des Haifies.) Das Präsidium wird beauftragt, diese Adresse Sr. Maiestat dem Kaiser zu I überreichen. Bekanntmachung. SÄ"*“" * _ Politische Rundschau Gießen, 27. Juni. Noch niemals wieder seit der Eröffnung des ersten deutschen Reichstages, seit dem 21. März 1871, hat sich die Eröffnung deS Reichsparlaments innerhalb eines so glänzenden Rahmens vollzogen, wie dies am vorigen Montag der Fall war und in dieser so glanzvollen äußern Umrahmung des Er°nmmgsact-s gelang» zugleich dessen besondere B-dcuiung mit zum wirkungsvollen Ausdruck. Vor Allem bekundete die erhabene Fürstenversammlung, die sich an di-s-mTag-um> den Kaiser schaarte, daß es sich um einen außerordentlichen Dorgang handelte und diesen Charakter trug ja auch der diesmalige Zusammentritt des Reichstages, die Bunde - fürsten huldigten durch ihr Persönliches Erscheinen dem neuen Ob-rhanP,- desReiches und Mil ihnen im Verein die versammelten Vertreter ^d-r Nation und die hoh^ politische Bedeutung dieser Kaiserhuldtgung liegt klar ru ^age. Es wird hierdurch all Welt kund gethan, daß trotz der io erschütternden Ercignrsse, d» über Deutschland innerhalb weniger Monate dahingebraust sind, das feste Gefügedes deutschen Reiche nicht im Entferntesten ins Wanken gekommen ist und daß auch in Zukunft sich die deutschen Fürsten und die deutsch- Nation treu und einig um den Km er, den ob-r,»n Träger des Reichsgedankens, schaaren werden! — Die Erosfnungsseierl^ke t selbst bot wohl als hervorstechendstes, malerisches Moment den Zug der Fürstlichkeiten rn den Weißen Saal des Berliner Residenzschlosses dar. Sämmtliche regierende Fürsten waren , mit dem purpurnen lang herabwallenden Sammetmantel der Ritter vom Schwarzen Adlerorden geschmückt, ebenso di- übrigen diesem hohen Orden angehorcnden Fürstlichkeiten An ihrer Spitze schritt, umgeben vom König von Sachsen und dem Piinz- Regenten von Bayern, Kaiser Wilhelm II, den Fürstlichkeiten s-drittm di- verschiedenen Hoschargen in ihren flimmernden Uniformen und die Trager der Reichsinsignien voran. Der Weiße Saal war in Trauer gehüllt; Festons von schwarzer Crepe umgaben die silbernen Wandleuchter an den Wänden, zogen sich an den Arkaden hrn, umflorten den Baldachin des Thrones, während an dem mit Purpursammet überzogenen, mit reicher vergoldeter Schnitzarbeit versehenen Thronscssel ebenfalls schwarze Festons bcrabhingen. Wahrlich, es war ein imposantes und gerade durch den Kontrast der Farben zu so wirkungsvoller Geltung kommendes Bild, welches aber in seinem Glanze und seiner eigenartigen Pracht der politischen Bedeutung des ganzen Erostnungsacles nur enUprach-^ssnung be§ Reichstages folgte am Montag um drei Uhr di- erste Plenarsitzung, welche vom Präsidenten von Wedell-Piesdorf mit einer, das Gedächtniß Kaiser Friedrichs III. feiernden Ansprache eingeleitet wurde, an deren Schluß ber Präsident ein Hoch auf Kaiser Wilhelm II. ausbrachte, in welches das Haus enthu siastifch einstimmte. Der vorgenommene Namensaufruf ergab die mehr als ^reichende Beschlußsähigkeit des Hauses und nachdem durch Zuruf das seitherige Präsidium v Wedell-Piesdorf, Dr. Buhl und v. Unruhe-Bomst wiedergewahlt worden war, be chloß das Haus die Thronrede mit einer Adresse zu beantworten; der Entwurf derselben stand für Dienstag auf der Tagesordnung. Schließlich wurde das Präsidium noch ermächtigt, der Kaiserin Victoria Augusta und den beiden verwlttweten Kaiserinnen das Beileid des Reichstages auszudrücken. Die Meldung Berliner Blätter von angeblichen Reibungen zwischen dem Reichs- kanrler und dem Generalquartiermeister Grafen Wald er see wird von der „Nordd- Allg. Ztg." als eine Fabel und als ein tendenziöses Machwerk bezeichnet, lediglich zu dcin Zwecke bestimmt, Unfrieden zu stiften. o, äS)ie Nordd Allg. Ztg." wendet sich schars gegen den „P-ster Lloyd , welcher di- Proclamation Kaiser Wilhelms II. an das preußisch- V°lk in ganz g-m-in-r und gehässiger Weise angegriffen hatte. Die „N. A. Z." meint angesichts des Umstandes, daß der P-ster Lloyd" die öffentliche Meinung Ungarns reprasen ir-n solle, war- es von Fnte'rcsse ob di-S auch von dem ang-d°ut-Icn Artikel gelte, ob di-Auslaffungen desselben also v^n der ungarischen Nation gebilligt würden. Wenn dies der Fall wäre, so würden zweifellos die herzlichen Gesühle, welche die deutsche Thronrede für Oesterreich- Ungarn zum Ausdruck- bring-, bezüglich Ungarns -in- wel-ntUch- Modisicatwn -rs°hr-n. Die österreichisch-ungarischen Delegationen erledigen letzt ihr Arbeits^ ■tvnfnm nndmerabe mit Dampf. Die ungarische Delegation genehmigte am Montag unverändert das Marinebudget, ferner den Voranschlag des Finanzministeriums, des obersten Rechnungshofes, die Schlußrechnungen und endlich das Budget des - Aeußern, lettteres mit einem Vertrauensvotum für Kalnoky. Dre osterrerchische DUegation ihrerseits genehmigte am gleichen Tage ebenfalls unbeanstandet die Voranschläge des aemeinfamen Finanzministeriums und des obersten Rechnungshofes, sowie die Zoll- aefälle den außerordentlichen Occupationscredit und das Marinebudget. Die Budgetcommission der österreichischen Delegation endlich erledigte am Montag in iwei Sitzungen beit „47-Millionen-Eredit" und bewilligte denselben schließlich einstimmig, nachdem der Kriegsminister und der Marinecommandant (Marineminister) über die Verwendung des Eredits vertrauliche Mittheilungen gemacht hatten. cvm enaliscken Nnterhause sollte an diesem Mittwoch die Abstimmung über 'den Antrag der Gladstonianer, welcher die Handhabung der irischen Verbrechenbill tadelt, stattfinden. Das Cabinet Salisbury rechnet für sich auf eine Mehrheit von 70 bis 80 Stimmen. Vermischtes. Sonntag feine ”369. ßuftbftUon = Auffahrt uÄtai™‘ i>en Frieden zu stören fuchttn. Z.aUen° gegenüber fetze d-rKgij-r dk Freundfchast des 1 M Ktnd/r " 8wm‘“#«8 20 * °°" 12 Uhr ab 50 * für Erwachsene und 20 Staatssecrelär o. Bötticher theilt hierauf eine allerhöchste Botschaft mit, mittelst welcher der Reichstag geschlossen wird. Präsident v. Wedell: Lassen Sie uns dem festen Vertrauen in Deutschlands Zukunft, welches uns erfüllt, Ausdruck geben, indem wir rufen: Se. Majestät der Kaiser Wilhelm er lebe hoch! 1 ' Das Haus stimmt dreimal begeistert in diesen Ruf ein. Telegraphische Depeschen. Wolff's telegr. Korrespondenz, Bureau. Berlin, 26. Juni. Der König von Sachsen und die Großherzöge von Baden und Hessen waren gestern Abend bei den Majestäten zum Thee. — Der Kaiser verbrachte die ersten Morgenstunden mit Erledigung der Regierungsangelegenheiten. Um 11 Uhr stattete der Großherzog von Hessen vor seiner Abreise den Majestäten einen Besuch ab. Mittags um 12 Uhr fand tm Pfeilersaale des Schlosses die feierliche Vereidigung der Staalsmtnifter statt, woran sich sofort eine Staatsministerialsitzung anschloß, welcher der Kaiser präsidirte. Rach derselben empfing der Kaiser einige Generäle und andere höhere Militärs zur Abstattung persönlicher Meldungen und arbeitete hierauf mit dem Kriegsmunstcr. Vorher war Albedyll zu kurzem Vortrag empfangen. — Der König von Sachsen und andere zur Zeit noch in Berlin anwesende deutsche Fürstlichkeiten begaben sich um 12 Uhr nach Friedrichskron, um sich von der Kaiserin Victoria zu verabschieden. Der König von Sachsen gedenkt um 4 Uhr mittels Sonderzugs nach Dresden zurückzukehren. Berlin, 26. Juni. Die Eröffnung des Landtags erfolgt genau mit demselben Eeremonrell wie die des Reichstags. Dle Retchsinsignten werden von denselben Persönlichkeiten getragen werden. Die Kaiserin-Königin wird der Feier in der Loge rechts vom Throne beiwohnen. — Entgegen der gestrigen Meldungen eines Wiener Blattes erfahren wir, daß zur Zeit keinerlei Verhandlungen über Zollmaßnahmen irgend welcher Art zwischen der deutschen und der österreichisch-ungarischen Regierung schweben. Berlin, 26. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." conftatirt, daß anläßlich der Reichstags-Eröffnung und der Thronrede die deutschen Fürsten gekommen seien, um durch ihre persönliche Gegenwart der Welt zu bekunden, daß das neue Deutsche Reich in sich gefestigt dastehe, getragen von dem Geiste von 1871. „Das deutsche Volk bekunde in feiner legalen Vertretung, dem Reichstage, im Einzelnen lebhafte Zustimmung, wie ihm auch das Bewußtsein des Zusammenftehens Aller für Kaiser und Reich ein Element des politischen Empfindens je länger je mehr geworden ist. Der Kaiser ist entschlossen, Frieden zu halten mit Jedermann; er wird ein Hort des Friedens wie sein Großvater. Richt nur unser Volk, sondern die ganze gesittete Welt wird dem Kaiser für diese Verheißung danken. Was der Großvater begonnen, wird der Enkel im Anschlüsse an die christliche Sittenlehre vollenden, das Werk socialer Reformen." — Der „Kreuzzeitung" zufolge behält der Kaiser die Abzeichen des Generalmajors bei, wie Friedrich Wilhelm III. es seiner Zeit auch gethan. Ferner werde Prinz Albrecht die Investitur des Ritterschlages der Johanniter auf der Sonnenburg infolge des Todes des Kaisers Friedrich erst im August abhalten. — Die Beileidsadresse der städtischen Behörden Berlins wirb der Kaiser morgen Mittag aus den Händen der Deputation von Mitgliedern der Stadtverordneten entgegennehmen. — Das „Mrlitärwochenblatt" meldet die Ernennung des Prinzen Albrecht von Großbritannien zum Secondelteutenant * la suite des Infanterie- Regiments Nr. 95. — Heute Abend 6 Uhr fand beim Reichskanzler zu Ehren der anwesenden Minister der Bundesstaaten ein Tiner statt, woran thetlnahmen Bötticher, Lutz, Lerchenfeld, Hohentbal, Mittnacht, Marschall, Finger, Retdhardt, Prollius-Erammburgsdorf, Herrward, Erosigke, von Bonin, von Stark, Spring, Behn-Lübeck, Krüger, Gtldemeister und Versmann, Graf Rantzau, Roltenburg, sowie Legattonsrath Schwartzkoppen. Berlin, 26. Juni. Die „Nordd. Allgem. Ztg." knüpft an die vom „Dagblad" und „Kuryer Warschawski" gebrachte Aeußerung des Dr. Mackenzie, der Kaiser Friedrich habe m fernem und seiner Gemahlin Interesse, sowie aus höheren moralischen und praktischen Gründen gewünscht, wenigstens eine kurze Zeit zu regieren, und sagt Dieses sei eme positive Fälschung. Kaiser Friedrich, welchem die denkbar höchste Vorstellung von den Pflichten und von der Stellung des Kaiserthums innewohnte, hatte keinen Zweifel gelassen daß er die Regierung nicht antreten würde, wenn eine unheilbare Krebskrankheit zweifellos festgestellt wäre. Andererseits waren die eventuell dazu berufenen Persönlichkeiten entschlossen dem Kaiser die Kränkung und die Anregung der Frage zu ersparen, so lange er nicht selbst die Initiative ergriffe. Deshalb war es die Aufgabe Derjenigen, die den Kaiser auch bei der Unfähigkeit zu regieren auf den Thron bringen wollten, denselben über seinen Zustand zu täuschen. Es ist somit festgestellt, daß ein unbedeutender englischer Arzt von radical politischer Gesinnung sich heraus genommen hat, in die Geschicke der Nation bestimmend einzugreifen. Wien, 26. Juni. Das „Fremdenblatt" bezeichnet den gestrigen Tag in Berlin als einen geschichtlichen Augenblick auch für das übrige Europa. Jedes Wort der Thronrede lei oon dem festen Entschlüsse begleitet, die ausgesprochenen Grundsätze zur unbedingten Wahrheit zu machen. Jeder fernere Zweifel über die von allen Wechseln unabhängige Fortdauer des Bündnisses mit Oesterreich sei zerstreut, wodurch Jene bekehrt wurden, die auf eine Erschütterung des Bündnisses speculirten. Die Thronrede werde dem Frieden eine neue mächtige Unterlage leihen. — Die „Presse" meint: Die Thronrede sei die Sprache eines starken Charakters, einer großen Intelligenz, eines redlichen, wohlwollenden Mannes, eine echte Friedensbürgschaft. Auch Oesterreich wünsche gute Beziehungen zu Rußland. - Die „Neue Freie Preffe" nennt die Thron- rebe eine Friedensbotschaft. Auch Oesterreich würde es als eine Erlösung preisen wenn es gelange, Rußland für die conseroative Polittk der Friedensliga zu gewinnen — Die „Deutsche Zeitung" charakterisirt die Thronrede als eine Botschaft der Kraft und der Friedensliebe. — Das „Extrablatt" sieht in der Thronrede ein bewährtes Regierungs Programm von durchsichtiger Klarheit; es sei vollkommen das Programm des Großvaters. c- c Stockholm, 26. Juni. Der König ist mittels Exttazuges nach der Stadt Sundeswall abgereist, welche durch eine Feuersbrunst beinahe völlig zerstört ist Rom, 26. Juni. Sämmtliche Abendblätter sprechen ihre hohe Befrtediauna über den friedlichen Ton der deutschen Thronrede aus. yoye ^esrieotgung über . ^E>M, 26. Juni. Die Morgenblätter drücken sich über die Thronrede Kaiser 8Äblms sehr sympathisch aus. Die „Opinione" sagt, die Thronrede sei überaus o. /, Pest- 26 Juni Der „Nemzet" bemerkt zu der Auslassung der „Nordd. Allg. Ztg. betreffs des Artikels des „Pester Lloyd" über die Proclamation Kaiser Wilhelms l 2 V ?-re1K ^be sich für den deutschen Kaiser, die deutsche Nation und das deutsche Bundnitz allenthalben die ehrfurchtsvollste, sympathischste und wärmste Anerkennung kund. Ungarn wünsche aufrichtig, daß Deutschland diese Stimmen vernehmen mochte. Der „Pestt Naplo" weist entschieden die Ansichten des „P. L." zurück- Hl 7* ungarischen Presse, sowie im politischen und parteilichen Leben Ungarns mache sich keine andere Auffassung geltend, als die der aufrichtigsten Freundschaft für Deutsch- ^H?^^??besondere hielten sämmtliche politische Parteien Ungarns an dem Bündnisse test welchem sie bei jeber Gelegenheit Ausbruck gäben. Diese That- fadje itluftrire lebhaft genug bte Auffassung unb bte politischen Bestrebungen bet unga- rlschen öffentlichen Meinung gegenüber Deutschland. e 0 London, 26. Juni. Sämmtliche Morgenblatter besprechen die Tbronrede Kaiser Wilhelms überaus günstig Die „Morning Post" sagt, die Worte des Kaisers Frieden und Furchtlosigkeit. Die „Times" bezeichnet die Thron- als schlicht und mamstich, welche nichts enthalte, was ein Einschlagen einer neuen Wulf anbeuten fonnte. Der „Daily Telegraph" meint, die Worte des Kaisers lauteten WnungSDoa für Aufrechthaltung des Friedens in Europa unb er beglückwünscht $ Qn£' ,cf ,in bct” ueueri Herrscher einen roürbigen Nachfolger beider hoch- seligen großen Patrioten und hochherzigen Monarchen erhalten habe. Der „Standard" bemerkt, es mache einen vortrefflichen Eindruck, diese männliche Botschaft zu lesen die die Ziele und Grundsätze der Politik Deutschlands entschieden offenbare, Niemandem drohe und Europa das Schaufviel gewibmtt H * ** ^iIitärrctc^ bcr Vertheidtgung und Beschirmung des Friedens Lokales. t>em K^ser aus dieser Veranlassung das goldene Verdienstkreuz verliehen — Die Seconde-Lteutenants Kreuter I. und Buffe [elfterer 2. Bataillons, wurden zu Premier-Lieutenants befördert ' ' * ^Mant des ^ute in acht Tagen, den 4. Juli, findet in Alsfeld das- 8 rVrA 1 LI* I19 e fa n g fe ft statt. Den Mittelpunkt des Festes bildet ein musikalisch reich ausgestatteter Gesanggottesdienst in der Walpurgiskirche bei dem die Äir(bengefangoeretne oon Alsfeld, Gießen, Grünberg, Lardenbach Lauterbach, Londorf und Grunberg Mitwirken werden. Dieser Gottesdienst beginnt Nachmittags 21/» Uhr rechtzeitiger Anmeldung del dem Vorsitzenden des hiesigen Vereins, Herrn Pfarrer L-chlosfer, können alle hiesigen Festthetlnehmer Fahrpreisermäßigung erhalten. PcSÄ”/ 20 £tu v = ® a u.] Wir können nunmehr bestimmt baö ba3 durch das Ableben Sr. Majestät des Kaisers Friedrich in Frage 2agen (am tJ unb 8.' July stat.finden w1rd!'° be^omi1^ an btn bestimmten q, • l ■ r o feuern, 2o. Juni. Der gestrige Trauergottesdienst für weiland Kaiser- Friedrich III zu welchem ber hiesige Geistliche alle Einwohner ber Gemeinde ohne Unter- schied der Religion undKonfession emgeladen hatte, verlief in sehr erhebender Weise. Die Kirche war ubersirllt. Auf dem Altäre brannten die Kerzen, die nebst den stilvoll gearbeiteten 7^°7/*En Leuchtern aus echter Bronce der Kirche von einem hiesigen Ehepaare unlängst, gestiftet worden sind. Alle Thellnehmer der Feier, selbst die Kinder nicht ausgeschlossen waren tn ^rouerkleidung erschienen. Auch der Kriegerverein hatte sich wie am 18. März b. I. gelegentlich ber Trauerfeier für Kaiser Wilhelm I. nach gehaltener Kirchenparade unter fernem dermaligen Präsidenten, Herrn Gemeindevorsteher Lepper, in corpore ein- gefunden. Daß endlich auch der Kirchengesangverein durch den Vortrag verschiedener Choräle die Feier würdig gestalten half, das versteht sich nachgerade fast von selbst. Diesmal jedoch hat uns Verein, bez. dessen Dirigent, Herr Lehrer Musch, noch zu besonderem Danke verpflichtet, indem er zugleich des verstorbenen Kaisers Lieblingslieb „Wenn der öerr ein. ^euze schickt ^ erbaulicher Weise zum Vortrag brachte. Die Gedächtnißpredigt, auf ^rund des vorgeschriebenen Tex es Jak. 1, 12 - „Selig ist der Mann, der die Anfechtuna Erduldet, denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat, denen die ihn lieb haben" — gehalten, behandelte das Thema: „Es mag ein Mensch wohl blühen im Sonnenschein des Glückes, es muß ber Christ aber reifen in der Sonnen gluth der Anfechtung". Mögen die Worte, möge die ganze Feier nicht ohne< Segen bleiben in einer Zeit, wie kaum eine andere so mächtig drängt auf religiöse Ver- 3ugebe9nUnb ^uer Gemeinde zugleich, die so sichtbar bestrebt ist, diesem Zuge sich hm- r, — ^LanVurt,<.a* 26. Juni. An einem elfjährigen Knaben aus Seckbach, welcher hier Krankengeld erhoben hatte, wurde am Samstag Abend ein frecher Raub- anfaß verübt. Dem Kinde hatte sich ein Stromer, welcher Kenntniß davon haben mußte, daß dasselbe Geld bei sich führte (21 40 ^), zuaesellt und es unweit Seckbach gewürgt unb ber Summe beraubt. Der Räuber hatte ben armen Knaben mit Tobt- uechen bebroht, falls er um Hilfe rufen werbe. - In letzter Zeit tauchen hier roieber falsche Zweimarkstücke auf. Die Falsifikate tragen bte Jahreszahl 1877 unb bas Münz- Zeichen A. — Kommenden Sonntag findet im Palmengarten hierfelbst das in Folge der Landestrauer verschobene Velocipeb-Wettfahren des Frankfurter Btcycle-Clubs statt. — Im Zoologischen Garten wird ber bekannte Aeronaut Carl Securius nächsten. ISÄS/ISÄS-S? ä.S&S.SÄSS & wiss-nsfreihei, ci„e Ablurdität sei, wenn ihr die B-deutnng d-s^Rechls^^b-taele^t we^7 ^0^0 gegen bte Unterbrückung unb den Absolutismus die Setbellia»nn nn 87t fdT a*CnjuUHfi«UtiOnen Unb §iC Bestrebungen d-^tike^nkch ÄQ-r°Una7h°bn7.g- Mit 26. Juni. Großfürst Wladimir nebst Gemahlin und Gefolae Lffch7n u^'den?°S ®r°6fÜrf,en *n früheren Sommern in den . m ^iCar?I5t!c^ welche bereits die Thronrede Kaiser Wilhelms besprochen bnhen richtig sr7d'uch?n"^de Aw°j/'Lr'-7j°^^L SXMl Rußland gute Beziehungen zu unkr^aIten, "tonne “fr ^günftigen SÄ ttächtigen brauche. b°6 bkfe§ bk Unabhängigkeit feiner eigenen Politik zu beein- _ derttn, 27. Juni. [(Eröffnung des Preußischen Landtags.! Die von >Lr. Maiestat dem Kaiser und König gehaltene Thronrede besagt: Die kurze Zeit der Regierung Seines Vaters habe gezeigt, mit weich' herzlicher Theilnahme das Vaterland erHtten“1 ClbCn Unb schmerzlichen Verlust es durch dessen Htnscheiden- orachdem bte Krone auf Ihn übergegangen, habe er bas Bebürsniß gehabt, ben. Landtag um sich zu versammeln unb vor bemfelben ungesäumt bas eibliche Gelöbniß abzulegen daß Er die Verfassung unverbrüchlich halten und in Uebereinftimmuna bamit nach btefen Gesetzen regieren will. Wie Sein Vater sich bie Politik Seines Dereroigten Großvaters angeeignet, thue Er bies auch unb werbe mit ber gleichen Gewissenhaftigkeit die Rechte der Volksvertretung achten, die verfassungsmäßigen Kron- rechte wahren. Er ist der Meinung, daß die Verfassung eine gerechte Vertheilung bei der Mitwirkung der verschiedenen Gewalten enthält. Seine Majestät wird allen religiösen Bekenntnissen Schutz gewähren. Er ist befriedigt daß durch die neue kirchenpolitische Gesetzgebung sich die Beziehungen zwischen Staat und Kirche annehmbarer gestaltet haben. Er wird den kirchlichen Frieden erhallen sieht die Reform der inneren Verwaltung der letzten Session wesentlich als abgeschlossen Mit- feft an den für das Finanzwesen geltenden altpreußischen Uebcrlieferungen und'blickt mit Befriedigung aus die jetzige Finanzlage. Seine Majestät will das Ziel der Steuererleichterung der Gemeinden und minder Begüterten weiter versolgcn, gedenkt der von der Ueberschwemmung Heimgcsuchten und schließt mit den Worten Friedrichs des Großen, daß der König ber erste Diener des Staates sei. 4- Kassel, 26. Juni. Eine schauerliche Liebestragödie, welche mit Recht Aufsehen erregt, hat sich heute in aller Frühe hier zugetragen. Es handelt sich dabei um ein bereits im reiferen Lebensalter stehendes Liebespaar und kann nicht, wie zuerst es hieß, davon die Rede sein, daß das Doppelverbrechen in judendlicher Aufwallung und Ueberspanntheit verübt worden ist. Der Buchhalter Ernst Kannegießer, 32 Jahre alt, und die Verkäuferin Dorette Meister, 28 Jahre alt, wurden heute Morgen 6 Uhr. in ihrem Blute schwimmend, auf freiem Felde an dem Verbindungsweg zwischen den Kasseler Friedhöfen und Rothenditmold aufgefunden. Kannegießer hatte seine Geliebte im linken Arm, der Revolver, mit dem die unselige That verübt, lag zur Seite; bei der Geliebten hatte die Kugel das Ziel nicht richtig getroffen, die Kugel war unterhalb des Herzens eingedrungen und das junge Mädchen gab noch schwache Lebenszeichen von sich, weshalb sie ins Landkrankenhaus getragen wurde. Kannegießer hatte Rock und Weste aufgeknöpft und auf dem bloßen Hemde den Revolver aufgesetzt, so daß das Hemd rings herum verbrannt war; die Kugel hatte das Herz mitten durchbohrt und der Tod war sofort eingetreten. Kannegießer war früher an der Bahn angestellt, hatte sich da Unregelmäßigkeiten zu schulden kommen lassen und wurde entlassen. Darauf war er als Buchhalter in Weckerhagen a. d. Weser und zuletzt schon seit längerer Zeit auf der „Casseler Eisengießerei" als Buchhalter thätig. Am Sonnabend hatte er mit seinem Chef ein Zerwürfniß und wurde ihm seine Stelle gekündigt, soviel man hört. Vermuthet wird, daß hierin die Veranlassung zu der schaurigen That zu suchen ist, da Kannegießer 'sich in prekärer Lage befunden haben soll; die bei ihm Vorgefundene Casia betrug 1 JL und einige Pfennige. Mit dem Fräulein Meister, welches hier in einem Weiß- waarengeschäfte seit Längerem als Verkäuferin fungirte, hatte er schon seit 4 Jahren angeblich ein Liebesverhältniß unterhalten und nächsten Freitag den 29. Juni, dem Geburtstage der Braut, sollte öffentliche Verlobung stattfinden. Ob sich hier in letzter Stunde ein Hinderniß in den Weg gestellt hat, wer weiß es. Die Meister stammt aus achtbarer Familie, sie ist die Tochter eines EisenbahwZugführers. Daß sie mit der unglücklichen That einverstanden war, scheint aus'den näheren Umständen zweifellos hervorzugehen; sie ist das einzige Kind ihrer Eltern und der im Dienst ergraute Vater hat bereits mit seiner Frau die silberne Hochzeit gefeiert. Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. Luft 19V-, Wasser 18V- Gr. Gießen, den 27. Juni 1888. Rübsamen. Bekanntmachung. OberhesMe Eisenbahnen. Die Arbeiten und Lieferungen für die Vergrößerunader Bahnwärterhäuscr Nr. 6 und 8 (bei Rödgen) im annähernden Betrag von 760 Mark pro Stück sollen auf dem Wege des schriftlichen Angebotes vergeben werden. Plan, Kostenanschlag und Bedingungen liegen in dem Expeditionslocal zu Großen-Buseck zur Einsicht auf. Verschlossene schriftliche Angebote sind bis zum 11. Juli portofrei bei dem Unterzeichneten einzureichen. Alsfeld, den 20. Juni 1888. Der Großh. Eisenbahnbaumeister: 5302__________Scho berth.___________ Submission. Zwecks Erbauung .einer Straßenbrücke über die Wieseck sollen nachstehende Arbeiten mittelst Submission vergeben werden: veranschlagt zu Maurerarheit JL 6968 47 Steinhauerarbeit (in Lavabasalt) „ 4272.— Schlosserarbeit „ 1100.— Weißbinderarbeit „ 420.— Pflaster- u. Chaussirarbeit „ 716.— Die Angebote für die bezüglichen Arbeiten sind spätestens am DonnerS- tag, den 3. nächsten Monats, Vormittags 11 Uhr, auf dem Stadt- bauamte einzureichen, woselbst vorher in den üblichen Amtsstunden die einschlägigen Voranschläge, Zeichnungen und Uebernahmsbedingungen offen liegen. Gießen, den 27. Juni 1888. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. __A. Bramm._____5323 Jmmobiliar- Bersteigerung. SamStag, den T k. Mts., von Nachmittags 4 Uhr an, sollen auf dem Bureau des Gr. Orts- gerichts Merlau die zur Concursmafle des Johannes Wöll von Merlau gehörigen Immobilien, als: 1) Mühle (die Triebmühle), 2) ca. 12V2 Morgen Acker- und 3) ca. SVa Morgen Wiesenland, unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen ver- stgert werden. Die Mühle, bestehend aus Mahlmühle mit zwei Gängen und Oelmühle, mit guter Wasserkraft, liegt bei dem Dorfe Merlau, V4 Stunde von der Bahnstation Mücke und befindet sich wie die übrigen Gebäude in gutem baulichen Zustande. — Das Gut liegt zum größten Theil um die Mühle. Nähere Auskunft ertheilt der unterzeichnete Masseverwalter. Grünberg, am 26. Juni 1888. Der Maffeverwalter: Karl, 5303____________Sparkafferechner. Monlsg, den 2. Juni, Nachmittags 2 Uhr, werden in der Wohnung des Abraham Bey fuß (Afterweg 23) die zum Nachlaß desselben gehörigen MSbel, als: zwei Betten, Sopha mit 6 Stühlen, Kommode mit Glasaufsatz, zweithüriger Kleiderschrank, Sessel, Küchenschrank, Haus- u. KüchengerLthe rc. versteigert. 5321 Im Auftrag: F. Hoffmann, Ortsgerichtsmann. Akt gemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Am 1. Juli d. Js. wird die Neubaustrecke Laasphe-Feudingen dem Betriebe übergeben, und tritt der zum 1. Juni bereits veröffentlichte Fahrplan in Kraft. Hannover, den 26. Juni 1888. Königliche Eisenbahn-Direction. 5319 Bekanntmachung. An den Werktagen vom 1. bis incl. 20. k. Mts. findet für Gießen die Erhebung der directen Steuern und gleichzeitig der Brandversicherungsbeiträge statt, wobei die Reclamanten ihre bewilligten Erlässe in Selbstperson in Aufrechnung bringen resp. in Empfang nehmen können. Großherzogliche Districts - Einnehmerei Gießen I. Bekanntmachung. Behufs Anordnung einer Neuwahl des Vorstandes unserer Gemeinde für das verstorbene Vorstandsmitglied Herrn Isaac Hanau liegt die Liste aller Stimmberechtigten drei Tage lang aus dem Bureau des unterzeichneten I. Vorstehers zur Einsicht offen, damit Einwendungen gegen den Inhalt der Liste, welche nur in dieser Frist zulässig sind, vorgebracht werden können. Gießen, den 28. Juni 1888. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Gießen. M. Homberger. 5322 Dienstag den 3. Juli, Nachmittags 2 Uhr, wird im Saale des Cafs Leib eine Parthie feiner, autgehaltener Möbel, als. 1 Plüfchgarnitur, 1 Caufeufe mit Sesseln, 1 Sopha mit 6 Rohrstühlen, 1 kleiner Sessel, 1 Klavierstuhl, ovale Tische, 1 Ausziehtisch in Eichenholz, 1 ovaler Ausziehtisch, 1 Zunder Marmortisch, 1 Notenständer, 2 Gtagvren, 1 Waschkonsol mit Marmor, 1 Sitzbadewanne, 1 Nähtisch, 2 große SJafcn. 2 gemalte Blumentöpfe, 1 Dejeuner, 2 Lampen, 1 Standuhr, 1 Pendulc, 1 Wecker, verschiedene Alfenidesachen u. s. w. versteigert. Im Auftrag: 5320 Hoffmann, Ortsgerichtsmann. Die Rübsamen’sche Bade und Schwimm Anstalt eröffnet. Für den Schwimmunterricht und Aufsicht sind erprobte Kräfte da und stehen unter meiner speciellen Aufsicht. Das Schwimmen der Damen findet in den Wochentagen von Morgens 6—10 Uhr unter Aufsicht statt. Das Baden der kleinen Mädchen im Kinderbad wird stets überwacht und geleitet, ebenso das Schwimmen der Mädchen im Bassin. Unterrichtsstunden und Badezeit für die Schuljugend find an den Wochentagen Vormittags von 10—12 Uhr und Nachmittags von 3—7 Uhr, an Sonn- und Feiertagen nur Vormittags von 6—12 Uhr. In diesen Stunden wird gute und strenge Aufficht geführt, so daß die verehrt. Gltern in jeder Beziehung beruhigt sein können. Ich lade zum Abonnement ganz ergebenst ein und bemerke, daß alles Nähere in der Anstalt, wo auch die Liste zur gefälligen Einzeichnung offen- liegt, zu erfahren ist. __ .. _ L. Chr. Bubsamen, Nurn- und Schwimmlehrer. Um meine abgeschloffenen Contracte in IXohlen rasch abzustoßen, gebe in Wagenladungen von 30 Ctr. und mehr I. Änthracitkohlen, gewaschen und gesiebt, I. gewaschene »kußkoblen 1. Größe, L melirte Koblen, 60% Stücke, 40% Nüsse, per Juli und August lieferbar, frei vor das Haus geliefert, zu vorjährigen Preisen ab. v Die Preise der Kohlen sind bedeutend gestiegen und empfehle ich diese vortheilhaste Offerte zur g'efl. Beachtung. 5176 Ferd. Bapst Wwe. Arbeitsvcrgebung. Montag, den 2. Juli c., werden dahier nachv. Arbeiten vergeben; die schriftlichen Gebote müssen bis 11 Uhr eingegangen sein. 1)für Ätzbach: Maurerarb.z. 278,25 2) „ Launsbach: Schreinerarb. z. 81,00 , Wegearbeit z. 205,00 , 3) „ Salzböden: Schreinerarb. 265,70 w . Maurerarb. z. 167,25 „ 4) „ Odenbausen: Wegearbeit z. 1169,58 „ Kostenanschläge können hier eingesehen, werden. Krofdorf, den 26. Juni 1888 5304 Das Bürgermeisteramt. Kirschen- Bersteigerung. SamStag, den 30. d. M., Nachmittags 4V2 Uhr, werden die Kirschen am Schulberg und am Trieb versteigert. Zusammenkunft am Schulberg. Gießen, den 27. Juni 1888. Großh. Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. 5314 Keilgeöotenes. Soeben ist erschienen und in allen Buchhandlungen vorräthig: [5311 Eine Rede für Jung und Alt, gehalten in der Friedberger Realschule am Tage der Trauerfeier für Kaiser Friedrich lll. von l>r. (’urschmann mit Porträt 18 Pfg., frco. nach auswärts bei Einsend. 0. zu in Briefmarken. Verlag von Emil Roth, Gießen. Königs-Reisstärke SrcuGivGat »uw Slottan 2497 &wvvt SiocMacfc. Ililllfl'IIIIVITlS in allen Qualitäten mit Firmendruck empfiehlt zu billigen Preisen Brühl sche Druckerei. 5326] Sauerkirschen zum Einmachen zu haben auf der Liebigshöhe.________ 5299 Eine große einjährige schön getigerte Dogge zu verkaufen. Näheres in der Exped. d- Bl._________ 5317] Gute Speiserartoffeln, auch in kleineren Quantitäten, können abgegeben werden b. Gg. LarrrpirS II.,Seltersw 75. 5287 Ein Bursche für Feldarbeit wird gesucht. Näheres Eichgarten 19. Suwt cyiöcMxrcfv. 2498 Spelzspreu I 5103 bei August Schlesstnger. V. II. € . Z«m Hoherodskopffest Abfahrt der Section Gießen: Samstag den 30. Juni, Nachm. H Ubr 42. zahlreiche Betheiligung wird ersucht. 5318 ... S"brten Publikum zur gefälligen Beachtung, daß ich von bsu'e 1 an täglich mein Panorama mit Firma: y Rausolier’s lltelrirte tilleiie 5309 Kirchenplatz 8. von grs* werden sofort gesucht von Coursbericht der IranKsurter Börse 5253 Reichsbank-Disconto 3% 26. Juni 1888. Franks. Bank-Disconto 3u,0 95.30 alte 101.30, neue 102.50 97.30 Telegraphischer EourSbericht der Berliner Börse vom 27. Tendenz: fest. Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. 103.00 102.50 97.50 103.80 90.60 66.10 98 20 149 60 ÖD O 03 153.50 92.90 82.40 82.60 106 80 103.40 107*00 105.00 106.70 gesucht 5297 16.13-16.17 16.11 -16.15 20.30-20-35 4.16—4.20 Graf Almaviva Dr. Bartola . . . Rosine, seine Münde) Basilio, Musiklehrer Figaro, Barbier . . Marzeline .... Ein Notar .... Ein Officier . . . 45£, 857, HW 443, Juni 1888 209.50 36.40 82 00 97 30 Disconto-Eom-Antheile Lombarden 4% Ungar. Goldrente 5% Gemischte Russen 5267 Ein zuverlässiger Packer gesucht. Näheres in der Exped d. Bl. Carl V. Milder. Franz Schulze. Adelina Weuiz. Paul Greeff. Emil Bartram. Rosa Wings. Robert Simon. Gustav Hassel. Hermann Hetz Bleichstraße 2. Geübte Lumpenfortirerirrrren Deutz 1127, 433, 747, 1151 Fulda 758, 130, 425, 1000. Alsfeld 758, 130, 425, 1000. Gelnhausen 9äu, 335, 658. Nidda 6'8, 93o, 335 656. Schotten 930, 335, ß56. Schiffenberg 6»«, 930. * bedeutet Schnellzug, die fetten Ziffern die Nachtstunden von Abends 6 bis Morgens 559. Fermietyungen. 5300] Ludwigstraße 45 ist der mittlere Stock, bestehend aus 7 Zimmern nebst allem Zubebör, eventuell auch mit Pferdestall und Burschenzimmer vom 1. Octbr. l. I. ab anderweit zu vermiethen. Für eine der größten Hypothekenbanken Frankfurts nehme Auftrage zu billigstem Zinsfüße unter günstigsten Bedingungen entgegen. F. Holberg, Montag, den 2. Juli 1888: Der Barbier von Sevilla. Komische Oper in 3 Acten von Rossini. Personen: 3,/2°/o Solms-Braunf. Oblig. 4% Gießener Oblig. 4% Oefterr. Goldrente 41/5°/o Oefterr. Silberrente 5% Portugiesen Oblig. Darmft. Bank-Actien Geldsorten. Ems-Coblenz 530, 821* 9« 716*. Deutz 630, ioco, 1225, 455. Fulda 610, H50, 735. Alsfeld 6'0, Uso, 500, 735. Gelnhausen 705, 12™, 4". Nidda 705, 12W, 442, 855. Schotten 75, 1210, 442, 855. Schtffenverg 442, 8 5. Ankunft in Gießen Ich wohne nunmehr bei Herrn Kaufmann Christian Wallenfels am Marktplatz. Fr. Barth, Rechtsanwalt. 4,/2% Franks. Landwsch. Creditbk. Oblig. 4% Hamb. Hypothbk.-Pfandbr. HWo do. 5% Buderus Oblig. __w. KitzeB, Ilersfeld. 5137 Ein ordentliches Dienstmädchen zu sofortigeffi Eintritt gesucht. Zu erfragen in der Exped. d. Bl. 3269] Schönes Kneiplocal abzugeben. _____Sonnenstraße 14. Wetzlar 530, 63o, 821*, 949, 10°°, 1159 1225 442, 455, 715*, 857, ^is Weilburg),' 905 (bis Betzdorf). 07' Dudenhofen 6<°, 1000 1159 9°5. Frankfurt l13, 8oe, 939*, 11« iie* 2« 432, 729, 848*, 1Q50, 1159*. ' ' Grotzen-Linden 806, 2«' 720. Lollar 7*5, 232 (Localzug). Marburg 2^, 520 *, 6lti, 8"* 1130 431 62u, 658*, 8°0, 1123. ' ' * Gaffel 226, 520*, §12* 1430 431 620 65«*, 8°°, 11 3 ' ' Wetzlar ?oi (von Weilburg), 7«» (von Betzdorf), 94o, 1127 loo* 330 433 658, 747, 829*, HW, H51 ' ' Dudenhofen 759, 11-7, 330, 74'7, Ems-Coblenz 940, 100* 330 «so 11« Miethgefuch 5272 Eine Wohnung von 5 bis 6 Zimmern mit Burschen- und Mäd- chenstube in der Nähe des Ludwigs- Platzes zum 1. September oder 15. August zu miethen gesucht. Offerten mit Preisangabe an die Erped. d. Bl. erbeten. Ausgekämmte Haare Z k-ust H. Plank, Kaplansgasse 2^ Diener, Wache u. s. w. [5256 Anfang präcise 8 Uhr. Billete zu allen Plätzen vorher nur in der W. Ferber’schen Universitätsbuchhandlung. Nummerirter Sperrsitz . . 2 ° Erster Platz, (nichtnummerirt) 1 „ Gallerie........50 Einmalig. Gastspiel der König!. Hofopervom Hoftheater zu Cassel im Neuen Theater (Cafe Leib) zu Giessen. Fahrplan. Abfahrt von Gießen nach: Frankfurt 2", 408, 5«*, 6^, 8<8* nie 150, 442, 626, 706* 8°8. Großen Linden 624, 150, 8°«. Lollar l40 (Localzug). 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Januar 1887; das Erdbeben 1887; die Katastrophe von Zug in der Schweiz, '• JuU 1887; der Brand der komischen Oper zu Paris im Mär, 1887 Sodann die prachtvolle Aussicht vom Berge Rigikulm in der Schwei; von welchem Punkte aus man die herrliche Schwei; 40 Stunden weit im Umkreis zu überblicken vermag. Eine Total-Ueberstcht von New-Aork und Brook yn m Amerika, nach der neuesten Ausnahme im Jahre 1887, sowie eine -pElandschaft, naturgetreue Darstellung des nördlichen Eismeeres, mit -7aav auf Eisbären, W-llroffe und Walfischfang. Extra-Tableau: der Niagarafall in Amerika. 3 1 Eintrittspreis: Erwachsene »O Pfg., Kinder IO Pfg. Zu zahlreichem Besuche ladet ergebenst ein 5325 Adolf Rauscher von Gmünd. Kurhesstsche Thlr. 40 Gerienloose I lnicht zu verwechseln mit sogenannten 20 Thlr.-Loosen). Einzige Gewinn- 8 Ziehung im Jahre 1888 am 2. Juli. Gewinne von X 108,000, 24,000 2c. I Ganze Loose a jl 395 und abzüglich des geringsten Gewin es Vi » X 140: ■ Vt * 70; i/4 ä x 35; V5 ä 28; %