Nr. 7S Erstes Blatt. Mittwoch den 28. März 1L8L. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis »ießen. 1 Bureaur Schulstraße 7. Jerttschland. ][ Darmstadt, 26. März. Wie schon erwähnt, findet nächsten Mittwoch in der hiesigen Schloßkirche die Confirmatton Ihrer Großh. Hoheit der Prinzessin Alix statt. Das Programm bestimmt als Beginn der Feier die elfte Vormittagsstunde, die Confirmatton erfolgt durch den Superintendenten Oberconststorialrath Dr. Sell. Selbstverständlich wird der Grobherzog an diesem Tage im Neuen Palais keinerlei Rapport übhalten, der freie Verkehr durch das Großh. Schloß wird ausgehoben. — Gestern Vormittag ist ohne vorgängige Ankündigung Se. Königl. Hoheit der Prinz Heinrich von Preußen, der hohe Bräutigam unserer Prtn- zessin Irene, in Begleitung de« Kapitän-Lieutenant« v. Usedom, zu Besuch der Großh. Familie hier eingetroffen. Dec Prinz liebt derartige Ueberrasqungen, bei seinem letzten Besuche hier machte er es ähnlich. — Prinz Christian von Schleswig-Holstein, der Schwager unseres Großherzogs, iß gestern Vormittag zu Besuch der Großh. Familie hier eingetroffen. Der Prinz nahm an der Großh. Tafel Thell, reiste aber schon im Laufe des Nachmittags wieder von hier av. Berlin, 25. März. Unter den fürstlichen Persönlichkeiten, welche zur Beisetzung des Käfters Wilhelm nach Berlin gekommen waren, hat der jugendliche Kronprinz von Italien die allgemeine Aufmerksamkeit in ganz besonderem Maße in Anspruch genommen und befriedigt. Die Bevölkerung Berlins, welche in jenen Lagen schmerzlicher Erregung das gesammte Deutschland auch insofern vertrat, als aus allen Theilen des Reiches Abgeordnete von Körperschaften und hervorragende Persönlichkeiten hierher gekommen waren, bekundete bei jeder Gelegenheit den Werth, den sie darauf legte, den zukünftigen Herrscher des befreundeten Landes, das dem deutschen Volke während der Tage seiner schweren Prüfung so zahlreiche und herzliche Beweise seiner Theilnahme gegeben hatte, von Angesicht zu Angesicht schauen zu können; und es unterliegt keinem Zweifel, daß sie ihrer Befriedigung darüber in lauten und freudigen Zurufen Ausdruck gegeben haben würde, wenn der traurige Anlaß, welcher den Kronprinzm von Italien nach Berlin geführt hatte, nicht solche oder ähnliche Kundgebungen als unstatthaft ausgeschlossen hatte. Ader auch in politischen und in Hofkretsen, in denen man den Kronprinzen Victor näher beobachten konnte, hat dessen Erscheinung und ganzes Auftreten den vorthetlhaftesten Eindruck hinterlassen. Man hat sich darüber gefreut, daß derselbe dem Fürsten Bismarck die Ehre eines persönlichen Besuches erwiesen hat und hat in diesem Entgegenkommen einen Hinweis darauf erblickt, daß auch das zukünftige Italien gesonnen ist, die guten Beziehungen zu Deutschland, welche unter der Regierung des jetzigen Königs zur Wahrung der Interessen Deutschlands und Italiens und des Friedens der Welt auf festen Grundlagen hergestellt worden sind — in ihrem ganzen Umfange aufrecht zu erhalten. In Hofkretsen wird die Liebenswürdigkeit des Kronprinzen, sowie die überraschende Reife seines Verstandes, welche sich in jedem seiner Worte kundgab, allgemein anerkannt, und diesem Urtheile pflichten auch Diejenigen rückhaltlos bei, denen der hiesige italienische Botschafter, Graf de Launay, durch eine Einladung zu einem Mahle zu Ehren des italienischen Kronprinzen Gelegenheit gegeben hatte, sich diesem vertraulicher zu nähern. Unter den Gästen des Grafen de Launay befanden sich außer mehreren hervorragenden deutschen Ossicieren auch der Staatssecretär des Auswärtigen, Graf Bismarck, welch letzterem Kronprinz Victor die Ehre erwies, sich längere Zeit mit ibm zu unterhalten. Berlin, 25. März. Das „Militär-Wochenblatt" schreibt unterm 24. d. M-: „Es darf auch in der tiefen Trauer dieser Zett an dem Gedenken der Armee ein Tag nicht unbeachtet oorübergehen, welcher unter anderen fröhlicheren Verhältnisfen gewiß der lebendigsten Antheilnahme sicher gewesen wäre. Am 25. ds. Mts. werden fünfzig Jahre vollmdet sein, seit Otto von Bismarck zur Fahne des Garde - Jäger- Bataillons den Eid der Treue schwur. Die ganze Welt weiß, wie er ihn gehalten, wie sein ganzes Leben dem Dienste des Königs und des Vaterlandes geweiht geblieben ist. Die Armee, deren Tapferkeit und Hingebung der von ihm geführten Poliltk stets die zuverlässigste Grundlage geboten hat, rechnet es sich zur höchsten Ehre, ihn zu ihren verdientesten Generalen zählen zu dürfen. Unvergessen werden ihr die anerkennenden Worte bleiben, die der Reichskanzler in der denkwürdigen Reichstagssitzung vom 6. Februar dss. Js. sprach. Und wenn er diesen Theil seiner Rede mit den Worten schloß: „Darin sind wir Jedermann überlegen und deßhalb können sie es uns nicht nachmachen", so klingt aus den Herzen der Armee, in die er vor 50 Jahren eintrat, ihm der Wunsch entgegen: „Gott erhalte ihn noch lange, denn ihm wird es keiner nachmachen!" Berlin, 25. März. Wie man aus Bundesrathskreisen hört, hat der vom Reichstag beschlossene Gesetzentwurf über die Sonntagsarbeit wenig Aussicht, die Zustimmung der verbündeten Regierungen zu finden. Dagegen soll im Bundesrath die Geneigtheit herrschen, der ganzen Frage eines erweiterten Arbeiterschutzes auf Grund der Reichstagsbeschlüsse der jüngsten und der vorigen Session (Kinder- und Frauenarbeit) näherzutreten und dem Reichstag eigene Anträge auf diesem Gebiete zu unterbreiten. Wenn sich dies bestätigt, so hätten die wiederholten Anregungen des Reichstags die beabsichtigte Wirkung gehabt. — Fürst Bismarck, der heute sein fünfzigjähriges mllitärisches Dienstjubiläum feiert, erhielt heute Morgen ein außerordentlich warm gefaßtes Beglückwünschungsschreiben von Kaiser Friedrich, das der Flügeladjutant v. Brösigke im allerhöchsten Auftrage überbrachte. Die hier anwesenden königlichen Prinzen, als erster der Prtnz- regent von Braunschweig, brachten persönlich ihre Glückwünsche dar. Eine Abordnung des Heeres, bestehend aus dem General-Feldmarschall Grafen Moltke, dem Kriegs- mintster Bronsart v. Schellendorff, dem Chef des Militärcabinets v. Albedyll und dem Eommandeur der Gardejäger Frhr. v. d. Horst als dem Vertreter des Truppentheils, bet dem der Fürst den ersten Fahneneid geleistet, wird heute Abend gegen 6 Uhr zur Beglückwünschung erscheinen und beim Fürsten zu Mittag bleiben. Berlin, 23. März. In den Controlversammlungen, welche demnächst stattfinden, werden dm Mannschaften der Landwehr ersten Aufgebots ihre Mtlitärpäsfe abgenommen. Es handelt sich darum, die in dm Pässen vorhandenm allgemetnm Bestimmungen zu entfernen und durch andere, dem neuen Wehrgesetz entsprechende zu ersetzen. Außerdem hat man die Absicht, diejenigen Stellen im Paßbüchlein, welche den Vermerk tragen: „Uebergetreten zur Landwehr am ... . oder übcrgetretm zum Landsturm am . . . ." durch Papterstreifen zu überklebm und darauf folgenden Vermerk zu machen: „Uebergetreten zur Landwehr ersten Aufgebots am . . . ." Der vermerk, welcher vom Ucbertrttt zum Landsturm handelt, kommt für die Folge natürlich -in Wegfall. — Im Jahre 1887 sind dem Armee-Verordnungsblatt zufolge tm ganzen Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlolm« Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Heere nur acht Beschwerden über die Beschasimheit der an die Truppen verausgabte« Naturalien erhoben worden, von denen vier als begründet erachtet sind. Von dem Corps-Intendanten sind gegen die betreffenden Lieferanten in drei Fällen Geldstrafen verhängt worden; einem Lieferanten ist infolge wiederholter Verletzung seiner vertragsmäßigen Verpflichtungen die Lieferung abgenommen worden. — Das Kaiserliche Post-Zeitungs-Amt erläßt einen Auftuf zur Sammlung aller Zeitungen und Zeitschriften, welche aus Anlaß des Htnscheidens des Kaisers Wilhelm seit dem 9. ds. Nachrufe, Gedichte oder Zeichnungen gebracht haben. Berlin, 23. März. Der folgende Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten wird im neuesten „Eisenbahn-Verordnungs-Blatt" publicirt: „Bezüglich der Verladung unfc Beförderung von lebenden Thieren auf Eisenbahnen ist darüber geklagt worden, daß die gehörige Abfertigung und Verladung der Sendungen, sowie das Rangiren und Umsetzen der Wagen auf Zwischenstationen vielfach nicht ausreichend von Seiten der Stations- vorftände überwacht, sondern die Sorge hierfür oft unteren Beamten und Bahnarbeitern, ohne genügende Controle überlassen werde. In Folge dessen sei häufig eine sorgfältige Behandlung der Viehwagen beim Rangiren nur durch Verabreichung von Trinkgeldern yi erlangen, auch sei ohne solche ein rechtzeitiges Tränken der Thiere auf Tränkstationen nicht immer zu erreichen. Indem ich die königl. Eisenbahn-Directionen von Neuem anweise, die- Erleichterung und Sicherung des Viehverkehrs mit Aufmerksamkeit zu überwachen und Zuwiderhandlungen gegen die vom Bundesrath und von mir erlaffenen Vorschriften mit Nach- druck zu verfolgen, erwarte ich unter Hinweis auf die gemeinsamen Bestimmungen für alle Beamte im Staatseisenbahndienst vom 15. Januar 1876 und auf die gegen die Annahme von Geschenken und Trinkgeldern sonst ergangenen Vorschriften, daß derartigen Pflichtwidrigkeiten der im Staatsdienst beschäftigten Beamten und Arbeiter auf das Strengste entgegengetreten werde. . ArauLreich. Pari-, 26. März. Nisard, Mitglied der Akademie, ist gestorben. — Einzelne Zeitungen betrachten da- Resultat der Deputirtenwahl im Departement Aisne, wo General Boulanger zur Stichwahl kommt, als eine der Kammer und der Regierung ercheilte Warnung. Die Mehrzahl dec Blätter äußert sich noch nicht über das Wahlresultat. Es heißt, Laguerre werde heute darüber interpelliren, daß die Polizei in Marseille die Wahlzettel für den General Boulanger mit Beschlag ^belegte, well sie nicht den Namen des Druckers trugen. — Graf Alten überreichte heute Präsident Carnot ein kaiserliches Handschreiben, worin Kaiser Friedrich für die Entsendung des General« Billot bei den Beisetzungsfeierlichkeiten dankt. Carnot sprach bei der Entgegennahme des Schreibens feine aufrichtigsten Wünsche für die baldige vollständige Wiederherstellung des Kaisers au«. — „Temps" bespricht die Wahlen in Marseille und im Departement Aisne. Er glaubt nicht, daß die 45,000 Wähler Boulanger's lauter Boulan- gisten seien, ebensowenig wie die Majorität Pyars in Marseille aus lauter Revolutionären bestehe; aber es existirten in diesen Departements und unzweifelhaft in vielen anderen viele Unzufriedene, welche jede Gelegenheit benützen, ihre Gesinnungen auszudrücken. Es träten dieselben nur allzu sichtbar hervor, nur eine entschlossene Mehrheit allein könne hierin Aenderungen herbeiführen, doch fei es zweifelhaft, ob die gegenwärtige Kammer eine solche Majorität ergebe. Der „Temps" fordert die Nation vringend auf, endlich über sich selbst die Herrschaft wieder zu gewinnen. — Aus Parlamentskreisen wird mitgetheilt, mehrere republikanische Depu- tivte sprachen sich dahin aus, die allgemeine Lage taffe es nicht für angezeigt erscheinen, daß die Kammer auseinander gehe, ohne vorher eine große polnische Debatte hervorgerusen zu haben, an welche sich die Blldung eines neuen Cabinets schließen könnte. Letzteres müßte sich zur Aufgabe machen, in Anlehnung an die verschiedenen Gruppen der Majorität ein Regierungs-Programm zu entwerfen, welches geeignet wäre, die öffentliche Meinung zufrieden zu stellen, um so die bei den Wahlen am Sonntag hervorgetretene Aufregung der Gemüther zu beschwichtigen. Wahrscheinlich beschließen die einzelnen Majoritättz. Gruppen morgen über die Ausführung. Paris, 26. März. Das Untersuchungsgericht vernahm heute Mittag den General Boulanger. Das Verhör dauerte nur 10 Minuten. Die Entscheidung des Gerichts wird erst bekannt gemacht, nachdem dieselbe dem Präsidenten Carnot mllgetheilt worden ist. England. Dublin, 26. März. Gestern Nachmittag fanden Ruhestörungen in Voughal statt. Der Deputirle O'Brien beharrte darauf, auf einer verbotenen Pächterversammlung zu sprechen und fügte sich auch nicht dem Verbote der Polizei. Der Richter Plunkett ließ schließlich 50 Soldaten und Polizisten ein* schreiten, welche mit Bajonneten und Stöcken die Menge zerstreuten, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Plunkett selbst ist im Gesicht leicht verletzt. Rußland. Petersburg, 26. März. Wie die „Nordische Telegr.-Agentur" vernimmt, hat der Kaiser von Rußland dem Staatssecretär Grafen Bismarck den Alexander-Newskt'Orden verliehen. Telegraphische Depesche«. lvolff'S telegr. Torr^pmrdem ■ Bvres«. > Berlin, 26. März. Se. Majestät der Kaiser nahm Vormittags die Vorträge Winterfelb's und Wilmowki'S entgegen. — Eine CabinetSordre deS Kaisers bestimmt: „Die Generaladjutanten, Generale d le enlte und Flügeladjutanten Meines in Gott ruhenden Herrn Vaters treten sämmtlich in derselben Eigenschaft zu Mir." Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag«. Die Erhöhung der städtischen Trottoirs. 12. Kostendecreturen. 13. 14. 15. 16. 8. 9. Berlin, 26. März. Die „Nordd. Allg. Zeitung" vernimmt über das Befinden des Kaisers, vag die letzte Nacht zuwesten durch Husten unterbrochen war. Der Auswurf ist geringer. Die Aerzte erwarten sehnlichst den Eintritt wärmerer Witterung, um dem Kaiser den Genuß frischer Luft zu gewähren, den derselbe sehr entbehrt. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Der Kaiser verlieh den Prinzen Ludwig von Bayern und Friedrich von Hohenzollern den Schwarzen Adlerorden und ernannte den General Winterfeld zum Generaladjutanten. — Die Kaiserin empfing Vormittags im hiesigen Palais die Vorstände der unter ihrem Protektorate stehenden Wohlthätigkeitsvereine. — Dem Vernehmen nach soll Graf Wilhelm Hohenau, ältester Sohn des verstorbenen Prinzen, zum Fürsten von Liegnitz ernannt fein. Berlin, 26. März. Der „Reichs-Anzeiger" publicirt die Gesetze über Verlängerung des Socialistengesetzes bis zum 30. September 1890, sowie über die Abänderung des Reichsoerfassungsartikels 24 (fünfjährige Legislaturperioden). Berlin, 26. März. Die „Germania" schreibt: Der Nuntius Galtmberti, welcher mit dem Reichskanzler und dem Cullusminister v. Goßler lange Besprechungen 'hatte, nahm von hier die Ueberzeugung mit, daß die Beziehungen zwischen dem Papst- $um und Preußen durch den neuen Herrscher fortgesetzt und der kirchenpolitische Frieden weiter ausgedehnt und befestigt werden würde. Wenn der „Obseroateur Fran-ais" berichtet, daß hinsichtlich der Schulfrage, der religiösen Orden und der kirchlichen Vermögensverwaltung den Katholiken neue Concessionen gemacht werden würden, so können solche Mittheilungen keinen Anspruch auf Authenticität erheben. Elbing, 26. März. In Folge eines Dammbruches ergießt sich die Nogat in 'die tiefliegende Niederung, welche zwei Meilen weit schon überschwemmt ist. Die Bewohner flüchten mit ihrer Habe nach Elbing, dessen Vorstädte bereits überschwemmt sind. Danzig, 26. März. Bevor der Nogatdammbruch bei Jonasdorf eintrat, fand eine bedeutende Eisstopfung bei Halbstadt statt. Das Wasser in der Weichsel staute so, daß ein großer Tbeil Marienburgs überschwemmt, die Post und das Gerichtsgebäude rmter Wasser gesetzt und Menschen in Lebensgefahr geriethen, insbesondere die Insassen des Gefängnisses, welche durch die Feuerwehr gerettet wurden. An der Nogatmündung find acht Dörfer überschwemmt, mehrere Häuser eingestürzt. Viel Vieh ist ertrunken. Die Eisstopfung der Danziger Weichsel wurde durch Pioniere gesprengt, theils vom Hochwasser beseitigt. Hier nimmt der Eisgang bis jetzt einen glatten Verlauf. Danzig, 26. März. Heute Nacht gehen die beiden ^letzten Compagnien des hiesigen Pionierbataillons mit dem gesammten Pontonmakerial nach Elbing ad, da dort noch viele Menschenleben durch die Hochfluth gefährdet erscheinen. — Auch die Drausensee-Ntederung ist überschwemmt, 10 Quadratmeilen stehen unter Wasser. Marienburg, 26. März. In Folge des Durchbruchs des rechten Nogatdeiches ist der kleine Werder überschwemmt. Bremen, 26. März. Hier hat sich ein Comttö für Errichtung einer Reiter- Iatue Kaiser Wilhelms gebildet, das aus Mitgliedern des Senats, der Kaufmannschaft und der Gewerbetreibenden besteht. Karlsruhe, 26. März. Ueber das Augenleiden der Großherzogin erfährt die „Karlsr. Ztg.", daß demselben die letzte traurige Zett zwar nicht günstig gewesen sei, daß eine Verschlimmerung des Leidens sich aber nicht kundgegeben habe. Paris, 26. März. In dem Processe gegen Wilson wegen des Ordenshandels hat der Appellhof das Uctheil des Zuchtpolizeigertchts ausgehoben und ein Wilson frei- Lprechendes Erkenntniß gefällt. — In dem vom Appellhof im Procesie Wilson gefällten Erkenntniß wird die Handlungsweise Wilson's, sowie der anderen Mitbeschuldigten auf das Schärfste getadelt, jedoch gleichzeitig heroorgehoben, daß die Freisprechung erfolgte, weil auf die betreffenden Vergehen keine Bestimmung des Strafgesetzbuchs Anwendung finde. { deuern, 27. Dtärz. Wie seit Jahren bereits, so findet auch Heuer wieder anr Charfreitag in der Pfarrkirche zu Beuern eine liturgische Andacht statt. Die Gesänge werden durch den hiesigen Kirchengesangverein, der unter der Leitung seines Dirigentm, des Herrn Lehrer Musch dahier, auch in diesem Jahre wieder die sonntäglichen Festandachten zu erbaulichen Gottesdiensten gestalten half, ausgeführt und besteben m Vh T°nsätzen von Heßler, Crüger :c. Doch wird auch das geistliche Lied und die Motette nicht unvertreten sein. Gedruckte Programme sind im Pfarrhaus zu haben. Wir machen die Freunde der geistlichen Musik, sowie die Lieb- $a$*cr der liturgischen Andachten auf den Gottesdienst mit dem Bemerken aufmerksam daß er Nachmittags um 2 Uhr beginnen wird. 1 ,am' „A ?^/nz, .24. März. Vom frühen Morgen an wüthet über der hiesigen Gegend heute ein heftiger Sturm, der verschiedentlich beträchtlichen Schaden verursachte Umzaumungen, Dächer, Schornsteine litten stark Roth. Am stärksten zeigten sich die ^-^ungen des Sturmes an dem Rhein und in der Neustadt, wo der Sturm in den ersten Morgenstunden einen solch orkanartigen Charakter annaüm, daß er alles nieder- zureißen schien. Bei dem Sturme wechselte während des Tages ständig Heller Sonnenschein mit Regenschauern ab. ."Aonkf. Alg^und das „Franks. Journal." haben letzter Tage von hier aus die gleichlautende Miltheilung gebracht, das Mainzer Stadttheater stände wiederum vor einem Krach und müßte wahrscheinlich noch vor Ostern geschlossen werden. Beide Blätter, die sich immer rühmen, über Mainzer Verhältnisft sehr gut unterrichtet zu sein, sind mit dieser Nachricht mystificirt worden. Theoterdirector Prey- marer dementirt die Mittheilung in den hiesigen Blättern auf das Entschiedenste und zeigt an, daß vor Schluß der Saison noch eine Reihe heroorragenver Künstler bter gastiren würde. * △ Aus Rheinhessen, 26.März. Der praktische Arzt Dr. Daub in Bingen eine allgemein geschätzte und beliebte Persönlichkeit, wurde am Samstag Abend als er sich eben in einem Wirthshause mit Kartenspiel vergnügte, von einem Schlaganfalle betroffen und war sofort eine Leiche. Der Verstorbene war erst vierria Jahre alt. 9 * — Das bekannte Gasthaus zum „Weißen Roß" in Bingen ist um die Summe von 200,000 «X, einschließlich des Inventars, an Herrn I. Httzel, Besitzer des „Pariser Hofes" in Bingen, verkauft worden. — Am verflossenen Freitag ist aus dem Gesängniß in Ober-Ingelheim ein alter Verbrecher ausgebrochen. Nach langer Jagd hat man denselben gestern in Ober- hilbersheim wieder erwischt. Frankfurt, 26. März. Gestern fand im Saale der Polytechnischen Gesell- Miast dahier eine Versammlung statt, deren einziger Zweck Besprechung und eoent Beschlußfassung über die Errichtung eines Denkmals für unfern Heimgegangenen Kaiser Wilhelm war. Da Herr Oberbürgermeister Dr. Miquel noch nicht von Berlin zurückgekehrt war, kam man über eine allgemeine Besprechung nicht hinaus. Es wurde indeß ein engeres Comitü gebildet, bestehend aus den Herren Baer-Goldschmidt, Dr. Ebster und v. Mumm, welches sich bezüglich der weiteren Schritte mit dem Herrn Oberbürgermeister in Verbindung setzen soll. 11. Verkauf städtischen Geländes an der neuen Caserne. Die Straßenreinigung betr. Gasbeleuchtung in der Mühlgaffe. Ueberbrückung der Wieseck in der Bleichstraße. Ausbau der Steinstraße. Gießen, 27. März. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung a» IvoimerStag den 29. MLrz 1888, Nachmittags 4 Uhr. 1. Vacanzrechnung erledigter Lehrerstellen an den städtischen Schulen pro 1887/88. 2. Ausstellung eines Dampfkessels in dem Bahnhof der Main-Weser-Bahn. 3. Gesuch des Georg Kraft um Erlaubniß zum Wirthschaftsbelrieb. 4. Die Holzversteigerung vom 19. März betr. 5. Die Friedhofswcge. 6. Gesuch der Jacob Noll Wwe. wegen vorläufiger Belassung ihres Treibhauses auf dem Friedhof. 7. Gesuch der Firma Andreas Euler um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes. Verwerthung des Schlachthausdüngers. 10. Gesuch des Maurermeisters Balthasar Strauch um Erlaubniß zur Anlegung eines Canals. Handel ßuid Berketzr. , ^“ra- Aiff dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund JL 0.95—100, Hühnereier pr. St. 5-6 H, Gänseeier St. 10—11 Käse vr. St. 5—84, Ä5fcmatte 3— H, Erbsen pr- Ltter 17 H, Linsen 31 H, Tauben per Paar 85 bi- 100 L^M"br per Stück X 0.90-1.30, Hahnen pr. Stück X 1.50-2 00, Enten per Stück X 2.00—2.40, Gänse per Pfund 00-00 Ochsenfleisch per Pfund 58 bis 60 Kuh- und Rindfleisch 45-50 4, Schweinefleisch 54-60 4, Hammelfleisch 54 bis 64 Kalbfleisch 40—46 Kartoffeln per 100 Kilo X 5.00—5.50, Milch per Liter 12—18 4, Weißkraut Stück 0—00 4, Zwiebeln per Centner X 12.00—14.00. „ .^ÄrunkEurt, 26. März. (Getreide-Vreise.) Weizen eff. hiestger u. Wetterauer fremder x 17,75-20,50, Roggen eff. hies. X 13,75-14,00, fremder ** 00/00—*00,00 Gerste effectio hiesige und Wetterauer X 15.50—17,50, fremde X 00,00-00,00, Hafer eff. hies. X 14,00-14,50, fremder X 00,00-00,00. Gießen, 27. März. Durch freundliche Vermittelung des Herrn Dr. Adolf Mettenheimer dahier empfing die Direction des hiesigen Realgymnasiums heute von jetzt m Amerika lebenden ehemaligen hiesigen Realschülern die Summe von 745 X 35 4 alä nachträgliche Festgabe zu der heute vor einem Jahr begangenen Feier des 50iahrigen Bestehens der Anstalt. Die von rühmlichster Pietät zeugende, d,e Geber wie die empfangende Schule in gleichem Maße ehrende Gabe war von folgendem sreundlichen Schreiben begleitet: An wohllöbliches Directorium :c. Als vor Jahresfrist das 50jährige Jubiläum des Bestehens Ihrer Anstalt gefeiert wurde überreichten Ihnen einige der jetzt in Chicago lebenden früheren Summe mit _ der Bestimmung, dieselbe nach eigenem Ermessen für ßtc ^ule oder deren Schuler zu verwenden. Unterzeichnete brauchen wohl nicht tc^ gerne den Chicagoern angeschlossen hätten, aber sie erfuhren leib er erst dann von dem löblichen Unternehmen, als es schon zu spät - Doch reifte in uns sofort der Gedanke, in ähnlicher Weise wie die West- lichen unserer treuen Anhänglichkeit an die liebe und verehrte Schule, der wir FMnJ.Ausdruck zu geben. Betrachten Sie deshalb beifolgende kleine Summe, die wir in ähnlicher Weise wie die vor Jahresfrist von Chicago übermittelte zu verwenden bitten, als einen Beweis, daß weder Zeit noch Raum in uns das treue Angedenken an Ihre Anstalt, in der wir die schönsten Jahre unserer Schulzeit verlebten, hat auslöschen können. V Wenn unsere Gabe auch erst ein Jahr post feetum eintrifft, so dürfen wir doch überzeugt sem, daß sie ür gleichem Geiste ausgenommen werden wird wie die erste amerikanische, namentlich da durch dieselbe der ursprüngliche Fonds in einer Werst vermehrt werden wird, daß durch denselben ein bleibender Nutzen erzielt werden rann. v 0 M't der Versicherung unserer höchsten Achtung zeichnen in alter Treue New-Nork, im März 1888. Dr. W. Mettenheimer, New-York. Dr. W. Simon SRartimm-p 5- ei6ncr- Ne--N°rk"H°»Kämm°7-7: Laut eines anliegenden Verzeichnisses haben sich an der Schenkuna auberbem nachsolgende Herren beiheiligt: H. Lips, New-York: Kämmerer g. und SU. L-chi-sfer, Brooklyn; A. W. Bramm, Brooklyn; A. L Scharm an n Brooklyn; H.Goldmann, New-Nork; Or.W.Dickorö Cincinnati vr A Philadelphia: G-br. Kreuder, New-Äork; W. Iughard Brooklpn M Ehre untz Dank den wackeren Männern, die ihrer Heimath und der Stätte ihrer Jugendbildung auch in weiter Ferne und nach Jahrzehnte langer Trennung eine io treue Erinnerung bewahrt haben. ' Gießen, 27. März. Ein gewisser Meinberg aus Braunschweig, welcher voraab concessionirler Kammerjager mehrerer Königlicher Anstalten zu sein, trieb hier vor einigen Tagen sein sauberes Handwerk in der Weise, daß er kleine Schächtelchen mit Anisen Gramm Inhalt, angeblich Gift zum Vertreiben von Ungeziefer, für 1 x an hiesige Einwohner verkaufte. Während der Begleiter Meinbergs mit seinem Giftkasten DOncm • Schutzmann angehalten und zur Wache gebracht wurde, hat sich der :c. Memberg aus dem Staube gemacht und sich hier nicht wieder sehen lassen Anr Aufklärung bezw. zur Beruhigung der Käufer sei bemerkt, daß der Inhalt der mit einem Giftzeichen versehenen Schächtelchen ganz ungefährlich, nur Borax ist und einen reellen Werth von 5 $ repräsentirt. & * 1 2 3 4 5 6 7 lCTl «rx.., T Die in der Lahn am Samstag geländete Leiche ist als die des Maurers Wilhelm Hofmann von Dutenhofen festgestellt worden. Der Verstorbene ist m Weihnachten von Dutenhofen nach Wismar gegangen, um dort Geld in Empfang L nehmen Mid ist auf dem Heimweg jedenfalls in der Dunkelheit in die Lahn geratben und vom Strom an eine ruhige Stelle im Lahnbett hinter dem Felsen hingeschwemmt worden. Dort hat ihn eine Schicht Sand zugedeckt, welche letztere von der Bagger- maschme weggenommen wurde, so daß der Leichnam an die Oberfläche des WasierS kam. - Verkauft wurde heute das A. Kcller'sche Haus, Seltcrswea 71, für dir Summe von 65000 X an Herrn Friedr. Leo. 0 1 otc Literarisches. , — 8u den am meisten gekauften Büchern gehört mit Recht der Allerwelts- berather ^Meyer's Hand-Lexikon^, und wer diesen getreuen und schier allwissenden Mentor noch nicht zur Seite hat, der ihm in allen Fällen Bescheid, auf jede Frage kurze, aber klare und vor Allem richtige Antwort gibt, dem sei die Subscriptton auf die neue, vollständig umgearbeitete 4. Auflage angelegentlichst empfohlen. In 40 Dreißigpfennigheften großen Formats erscheinend, wird sie gegen früher eine Bereicherung von nahezu 20,000 Artikeln erhalten, dazu einen ganz neuen Apparat von 14 Karten der Geographie und Geschichte, sowie, zum Theil in prächtigen Farbendrucken, eine große Anzahl von naturwissenschaftlichen, technologischen, statistischen und politischen Tafeln. Karten und Beilagen 2c.; seine jetzt schon nach Hunderitausenden zählende Verbreitung wird also sicherlich eine noch viel allgemeinere werden. (Höllische Zeitung.) — ^Wiener Mode^. Das Heft vom 15. März (das letzte des ersten Quartals zeigt ganz erstaunlich viel Schönes und Nützliches und rechtfertigt den guten Ruf den die „Wiener Mode" in überraschend kurzer Zeit erworben hat. Als besonders gelungen bezeichnen wir den farbigen Umschlag (ein reizender Frühjahrshut), die Ansicht »on Abbazia, sowie die Mehrzahl der geschmackvollen und anschaulichen Modebilder, die allen Richtungen der Mode entsprechen. Auch der Wäsche- und Handarbeitstheil sicht durchaus auf der Höhe der besten Erscheinungen dieser Art. Aus dem Inhalte des Beiblattes „Im Boudoir" heben wir die Beiträge von Emil Ritterhaus, Emst Eckstein und Gräfin Ballestrem, sowie den interessanten und schön iöuftrirten Aufsatz: „Beethoven in Hetzendorf" besonders hervor. Wir müssen unser Erstaunen darüber aussprechen, daß eine solche Fülle in Bild und Wort für den Preis von 1 fl. 50 fr. (2Vz X) vierteljährlich geboten werden kann, was wohl nur durch eine sehr starke Auflage erklärt werden kann. Im vorliegenden Hefte zählen wir z. B. mehr als 80 Illustrationen! Gchtff-uacdrtchten. Bremen, 24. März. sPer transatlanttschen Telegraph.) Der Schnelldampfer Saale, Capt. H. Richter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am a Murz von Bremen und am 16. März von Southampton angegangen war, ist heute 3 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Kirchliche Anzeige« -er Stadt Gieße«- Evangelische Gemeinde. G o t t e 8 d i e n st. Gründonnerstag, den 29. März: Vormittags 9Va Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Beichte und heiliges Abendmahl. Charfreitag, den 30. März: Vormittags 9V, Uhr: Pfarrer Schlosser. Abends 6 Uhr: Liturgische Andacht. Pfarrer Dingeldey. Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser. 1. Osterfeiertag, 1. April: Vormittags 91/» Uhr: Pfarrer Dr. Nauman». Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dingeldey. Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die Armen der Gemeinde. Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser. 2. Osterfeiertag, 2. April: Vormittags 9 & s« $ o> V) V) E CD Einladung zum Abonnement auf •;ias| Die Arbeitsstube |w Zeitschrift für leichte und geschmackvolle Handarbeiten mit farbigen Grigi- nalmustern für Canevasstickerei, Application und Plattstich, sowie zahlreichen schwarten Vorlagen für Häkel-, Met-, Strick- und Stickarbeiten aller Art. Neu: Eolorirte Vorlagen für farbige Filet-Guipüre und Häkel-Arbeiten. Monatlich ein Heft mit reich illustrirtem Tert, einer farbigen Tafel mit fein colorirten, stylgerechten Lriginalmlistern nnb einer Unterhaltungsbeilage. Die Arbeitsstube bietet sowohl Müttern als Lehrerinnen reiches Material, in ihren Töchtern und Schülerinnen den Sinn und die Neigung zur Handarbeit zu erwecken und zu fördern. Einige Urthei Dosfische Leitung (Berlin). Der Verlag von F. Geb Hardi in Berlin bietet mit seiner hübsch ausgestatteten „Arbeitsstube" eine reiche Fülle von Vorlagen für leichte und geschmackvolle Handarbeiten. 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