Ur. 251 Freitag den 26. October 1888. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Schul st raße 7. — Erschein, täglich mit Ausnahme des Montag«. QÄSÄÄÄÄ Politische Rundschau Gießen, 25. October. Kaiser Wilhelm weilt nunmehr wieder in der Mitte seines Volkes und in den begeisterten Begrüßungsartikeln, in denen die deutschen Tagesblätter ohne Unterschied der Partei die Heimkehr des Kaisers feierten, spiegelte sich die stolze Genugtuung der ganzen DZatton über die großartigen Erfolge wider, welche die nun beendigte Kaiserfahrt nach Süden umrankten. Die großen Reisen des jugendlichen Herrschers an die Höfe der befreundeten Souoeraine sind jetzt bis auf Weiteres zum Abschlüsse gelangt und wird derselbe während des Winters von seiner Residenz aus nur kleinere, theils der Jagd, theils anderen Zwecken gewidmete Ausflüge unternehmen. Bereits an diesem Freitag wird der kaiserliche Herr den ersten Jagdausflug nach seiner Heimkehr aus dem Süden unternehmen und zwar, wie bekannt, nach Blankenburg am Harz und hieran werden sich in kommender Woche die Reisen des Kaisers nach Hamburg zur Theilnahme an der Zollanschlutzfeier und nach Leipzig behufs Theilnahme an der feierlichen Grundsteinlegung zum Retchsgerichtsgebäude schließen. Jedenfalls sind aber die umlaufenden Gerüchte, als ob der Monarch demnächst den Höfen von Madrid und Lissabon, ja wohl auch von Athen „Antrittsbesuche" abzustatte^ gedenke, entschieden als unbegründet zu bezeichnen, da eben der Kaiser den Winter über Deutschland nicht verlassen wird. Die genannten festlichen Ereignisse in Ha mburg und Leipzig werden sich beide in äußerst glänzender Umrahmung vollziehen, entsprechend der hohen politischen Bedeutung der beiden Acte. Von ihnen lenkt zunächst die Zollanschlutzfeier in der alten Hansastadt die Aufmerksamkeit auf sich, da der Kaiser bei derselben von einer hochapsehnlichen Versammlung, unter ihnen der Reichskanzler Fürst Bismarck, die Mehrzahl der preutzischen Minister und der Reichsstaatssecretatr, die Vertreter der übrigen Bundesstaaten und eine stattliche Reihe sonstiger Würdenträger und hervorragender officieller Persönlichkeiten, umgeben sein wird. Obschon die Feier erst am Montag statlsindet, reist der Kaiser doch schon am Sonntag von Potsdam, refp. Berlin ab und übernachtet beim Fürsten Bismarck in Friedrichsruh, mit welchem er sich dann am nächsten Morgen nach Hamburg begiebt. Die altberühmte Hansastadt wird dem Kaiser einen großartigen Empfang bereiten und ebenso harrt feiner in Leipzigs Mauern, wo das Oberhaupt des Reiches am Mittwoch erscheinen wird, eine glänzende Aufnahme. Die von österreichischer Seite — vom Wiener „Fremdenblatt" — über neue russische Truppenverschiebungen ausgestoßenen Allarmrufe erfahren jetzt von andern Seiten eine wesentliche Abschwächung. Beispielsweise äußert sich die Berliner „Post" dahin, daß diese neuerlichen Truppenverschiebungen bereits im vergangenen Frühjahr angekündigt worden seien und daß die europäische Gesammtlage eine kriegerische Action Rußlands nach Westen völlig ausschließe; auch seien mit dem Besuche Kaiser Wilhelms in Petersburg die deutsch-russischen Beziehungen fortdauernd gute und freundliche. Diese Bemerkungen des fretconseroatioen Blattes entsprechen offenbar der Sachlage und wenn man außerdem das immer bestimmter auftretende Gerücht von einem bevorstehenden Gegenbesuche des Czaren am Berliner Hofe in Erwägung zieht, so ergiebt sich aus alledem allerdings die Unwahrscheinlichkeit eines drohenden Hirrter- grundes der signalisirten abermaligen Truppendtslocattonen an den Westgrenzen Rußlands. Räthselhaft bleibt es freilich dann immer, weßhalb eigentlich diese doch kostspieligen militärischen Operationen vorgenommen werden; vielleicht giebt die russische Presse über deren Grund Aufschluß. Seitdem im österreichischen Ministerium Taaffe mit dem neuen Justizminister Grafen Friedrich Schönborn ein ausgesprochener Czechenfteund sitzt, wagen sich die Czechen mit ihren nationalen Wünschen immer offener hervor. Nichts mehr und nichts weniger fordern sie jetzt, als die Wiederherstellung eines eigenen böhmischen Staatsrechtes und gleichsam als die Besiegelung desselben die Krönung des Kaisers Franz Josef zum König von Böhmen, also ungefähr eine ähnliche Stellung Böhmens zum Gesammtstaate Oesterreich, wie sie bereits Ungarn einnimmt. Wie man sich in den Wiener Regierungskreisen diesen ungeheuerlichen Wünschen der Czechen gegenüber verhält, ist noch nicht bekannt, aber unter dem Taaffe'schen Regime ist ja in Oesterreich nichts mehr unmöglich geworden, vielleicht bringt man da nun auch den staatsrechtlichen Trialismus glücklich zu Stande! Da übrigens am Mittwoch die Wintersession des österreichischen Retchsrathes eröffnet worden ist, so dürften in dessen Verhandlungen die an die Ernennung' Schönborn's zum Minister anknüpfenden Fragen vermuthltch ein lebhaftes Echo finden. In Frankreich haben sich jetzt zu den Erörterungen über die Verfassungsrevisionsfrage auch solche über brennende Finanz- und Budgetfragen gesellt. Wie scharf auch in letzterer Beziehung in der französischen Deputtrtenkammer die Gegensätze auf einander stoßen, geht z. B. daraus hervor, daß der monarchistische Deputtrte Daynaud die Finanzpolitik des gegenwärtigen Cabinets eine „wahnsinnige" nannte und auch die repudlikamschen Gegner des Ministeriums Floquet setzten demselben hart zu, namentlich wegen der Einkommensteuer-Vorlage des Ftnanzministers Peytral. Vielleicht wird das Ministerium in finanzpolitischer Beziehung noch einen schwereren parlamentarischen Stand haben, als in der Angelegenheit der Verfassungsrevision; wenigstens sind im Senate Erklärungen abgegeben worden, welche bekunden, daß diese Körperschaft, obwohl gerade sie von den Revisionsgelüsten der Radicalen stark bedroht wird, in dieser Frage der Regierung zunächst noch keine principielle Opposition zu machen gedenkt. Aeutschland. Darmstadt, 24. October. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Prof. Stamm von Gießen. nn Darmstadt, 24. October. Bei dem gestern Nachmittag zu Ehren der Anwesenheit Se. Majestät des Königs von Sachsen und Sr. König!. Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen im Großh. Palais gegebenen Galadiner versagte abermals Die electrische Lichtanlage, indem wieder die Bleischaltungcn abschmolzen. Die hohen Herrschaften befanden sich eine Zeitlang im Dunkeln, bis, da die Gasleitung im Palais entfernt ist, Seitens der Dienerschaft mittelst Kerzen Licht geschafft wurde. Die Anlage ist wie im Großh. Hoftheater von der Edison-Gesellschaft hergestellt. Berlin, 23. October. Die „Nordd. Allgem. Ztg." bespricht die jüngsten Vorgänge in Havre und sagt, daß dieselben, zusammengehalten mit der Mißhandlung deutscher Studenten in Belfort und der Verweigerung einer gerichtlichen Vertretung der geschädigten Deutschen und anderen Vorfällen, zeigen, wie Frankreich von der hohen Stufe der Civilisation, auf welcher es zur Zeit, als sein Staatswesen 'geordnet war, stand, immer tiefer herabgesunken sei. Dadurch schließe sich das französische Volk aus dem Kreise der gesitteten Nationen selbst aus. Aber Deutschland unterhalte Beziehungen zu civilisirten sowohl wie zu wilden Nationen und habe gelernt, sich in beide einzuleben. TekgrapHisch« Aepifchen. Walls'S leUgr. Corresporrdenz. Bureau. Berlin, 24. October. Die städtische Deputation zur Begrüßung des Kaisers bei seiner Rückkehr von der Reise wird Samstag Mittag vom Kaiser im hiesigen Schlosse empfangen werden. Der Kaiser hörte heute die Vorträge des Geh. Cabtnets- raths Lucanus und des Staattzministers Grafen Bismarck. Zum Diner waren die Professoren Bergmann und Gerhardt geladen. Berlin, 24. October. Die „Berl. Pol. Nachr." melden, daß Kaiser Wilhelm sich dafür entschieden habe, dem Reichskanzler am 29. d. M. die Ehre seines Besuches zu erweisen, um in Friedrichsruh den Vortrag des Kanzlers öntgegenzunehmen. Die vom Fürsten für die Rückkehr des Kaisers bereits angemeldete Reise nach Berlin unterbleibe somit. Es wird in der Mittheilung hinzugefügt, daß das bedeutsame Licht, das solchermaßen auf die zwischen dem Monarchen und seinem vornehmsten Berather obwaltenden persönlichen Beziehungen geworfen wird, die Situation in bemerkenswerther Weise erhellt. Kaiser Wilhelms wiederholter Besuch in Friedrichsruh führe eine Sprache, welche keines Commentars bedürfe, um das zwischen ihm und dem Reichskanzler bestehende Vertrauensverhältniß zu bocumentlren. — Dasselbe Blatt hört, daß im Etat für 1889/90 sowohl die völlige Aufhebung der Relictenbeiträge der Elementarlehrer, wie auch die Erhöhung der Alterszulagen für dieselben vorgesehen wird. Gleichzeitig werden auch die Fonds für eine Verbesserung der äußeren Lage der Geistlichen aller Bekenntnisse, welche in 1887/88 von 3 255 612 JL auf vier Millionen Mark vermehrt worden, eine weitere erhebliche Erhöhung erfahren. Regensburg, 24. October. Der Reichslagsabgeordnete Dr. Frhr. v. Gruben (ult.) ist gestern Nacht 11 Uhr gestorben. Bremen, 24. October. Einer Londoner „Lloyd"-Meldung zufolge ist der Lloyd- dampfer „Neckar", welcher bei Shanghai auf den Grund gerathen war, nach theilweiser Löschung der Ladung wieder flott geworden. Wien, 24. October. Der Berliner Brief der „Pol. Corr." führt aus, daß die Beziehungen der drei verbündeten Regierungen nach den Kaiserbesuchen in Wien und Rom auf so mächtigem Fundamente ruhen, daß jeder Anprall gegen dieselben als unerschütterlich zurückgewiesen wird. Die Darstellungen, wonach die Begegnung des Kaisers Wilhelm mit dem Papste für beide Theile gleich unbefriedigend gewesen, seien durchaus unwahr. Dieselben gingen von Personen aus, denen die guten Beziehungen, die zwischen dem deutschen Kaiser und dem Papste herrschten, unangenehm seien. Eine Veränderung der Verhältnisse, welche sich zwischen dem Kaiser und dem Papst historisch herausgebildet hätten, wäre weder beabsichtigt noch erhofft worden. Zahlreiche Anzeichen lägen dagegen vor, daß der Papst die volle Bedeutung der ihm durch den Besuch Kaiser Wilhelms erwiesenen spontanen Aufmerksamkeit würdige, während der Kaiser über die impontrende Größe des beim Empfange Tn Anwendung gekommenen Ceremoniells die größte Anerkennung geäußert habe. Neue Abmachungen wären weder in Wien, Rom und Petersburg, noch im Vatikan in's Auge gefaßt worden. Wien, 24. October. In der heutigen ersten Sitzung des Abgeordnetenhauses legte der Ftnanzmtntster v. Dunajewskt das Budget für 1889 vor. Nach demselben beträgt das Gesammterforderniß 538 345 786 fl., die Gesammtbedeckung 538 515 245 fl. Es ergiebt sich demnach ein Ueberschuß von 169 459 fl. Das Budget erscheint mithin gegenüber dem Vorjahre um 21 544 819 fl. günstiger. PariS, 24 October. Nach einer „Havas"-Meldung wird der bisherige Geschäftsträger in München, Mariani, an Stelle des Grafen Mony Botschafter im Quirinal werden. Paris, 24. October. In der Revisions-Kommission sprach sich heute Boulanger für Auflösung der Kammer und Einberufung einer constituirenden Versammlung aus. Die unabhängige und vor Dem Lande verantwortliche Executivgewalt müsse in den Händen einer Constituante liegen, welche Maßregeln treffen müsse, um dictatorischen Mißbräuchen vorzubeugen. Im übrigen bezieht sich Boulanger auf feine früher über diesen Gegenstand abgegebenen Erklärungen. London, 24. October. In der heutigen Sitzung der Untersuchungs-Commission in Sachen Parnell gegen die „Times" zeigte der Vertreter der letzteren, Generalanwalt Webster, an, er werde den ehemaligen irischen Deputirten O'Shea citiren, welcher bezeugen werde, daß Parnell das Manifest an das Volk, welches die Ermordung Lord Cavendish' und Burke's verurtheilte, mit Widerstreben unterzeichnet habe. Webster legte ferner die Urschrift des vielgenannten Briefes Parnell's vor mit der Erklärung, daß Letzterer die Morde im Phönix - Parke aus politischen Parteigründen verur- theilt habe. Rom, 24. October. Der Papst empfing heute Mittag etwa tausend neapolitanische Wallfahrer und erwiderte auf die vorgelesene Adresse: Die Italiener hätten durch ihre Kundgebungen anläßlich seines Jubiläums die Feinde der Kirche Lügen gestraft, welche glauben machen wollten, daß ganz Italien dem Papstthum feindlich gesinnt fei und dahin strebe, die Gläubigen vom Papststuhl loszutrennen, von dem allein das Hell kommen könne. Anstatt das Papstthum zu bekriegen, sollten die Feinde dasselbe mit Achtung umgeben und ihm seine Freiheit gewähren. Aber ganz im Gegentheil hierzu setzten die entarteten Söhne den Papst, insbesondere nach seiner Rede an den italienischen Clerus, herab, trotzdem diese doch nichts Neues enthalten, sondern nur gegen die unwürdige Lage des apostolischen Stuhles reflamirt hätte. Er, der Papst, habe stets die Freiheit und Unabhängigkeit gefordert und frage sich daher, warum man sich zu neuen, dreisten Unternehmungen gegen den päpstlichen Stuhl veranlaßt gesehen hätte? In Rom insbesondere sei der Kampf heftiger als anderswo in Folge Der Sekten und des dort concentrirten Haffes gegen die weltliche Macht des Papstthums. Man wage, die begangenen Usurpationen und Gewaltthättgketten durch neue Injurien zu bekräftigen. Ohne die großen Geschicke Roms zu begreifen, wollten die Feinde dasselbe zur einfachen Hauptstadt eines Königsreichs herabsehen, während Rom Die Königin und die Hauptstadt der katholischen Welt sei. Was immer man thun möge, Rom werde die Hauptstadt der katholischen Welt bleiben, weil daselbst der Stellvertreter Christi refibtre, der seine Pflichten kenne und sie niemals aufgeben werde. — Nach der Rede ertheilte der Papst der Versammlung seinen Segen. Lokales. O Gießen, 25. October. Den Lesern de- .Gießener Mmeiatr* kann um verbreiteten irrigen Nachrichten zu begegnen, die erfreuliche Mtttheilung gemacht werden, daß Herr Geh. Kirchenrath Prof. Dr. Köllner sich am gestrigen Abend noch recht wohl befunden hat und im Locale des hiesigen Gesellschaftsveretns als Lebender anwefend war. . 25* O^ober. Das gestrige Concert des Süddeutschen Männer-Sextetts ?ptCk * rl-n roar //»^,sehr schwach besucht. Nach dem Gebotenen zu urtheilen, ist es dem Zuhörer erklärlich, daß die Leistungen dieses Sextetts die ehrenvollste F«erkfi!?UI?ri' ?c en, boher Persönlichkeiten, die durch im Besitze der Gesellschaft S bnMiCt ^le Zuschriften ersichtlich ist, fanden. Wir verfehlen des- C^ncert^usmerksam^zu machen.d"^ '^"' "°W auf bQ§ beutc abenb »-"findend- cy 2cl?bcr- Seht uns Nachstehendes zur Veröffentlichung zu: In allernächster Zeit steht uns ein großer künstlerischer Genuß bevor. Die Schwestern eÜa ^brrart d'Ecchieppo, zweianmuthigeErscheinungen, werden bei uns Einkehr üa ten, um durch ihren Gesang und ihr Klaotersptel unser #U(fCn‘ \ waren vor mehreren Jahren Zeuge eines Concertes, in dem die Künstlerinnen auftraten, und erinnern uns noch lebhaft des Triumphes, mit welchem die Gräfinnen gefeiert wurden. Die Damen fesseln durch ganz eigenartige Solooorträge und stehen im Zusammenspiel und im Duettsingen unerreicht da. Das Concert stndet am Sonntag den 18. November statt. w ®*m' ^„October. Der „Osservatore Romano" schreibt: „Wir haben dm M^^n Etal enischer und auswartiger Blätter über das, was der Unterredung ml Papste und dem Kaiser voranging, sowie über das, was während und nach derselben geschehen ist bereits ein formelles Dementi entgegmgesetzt. Da diese ^"er indessen ihre unwahren Behauptungen hartnäckiger als gewöhnlich aufrecht erhalten so erklären wir erneut, daß diese Mtttheilungcn nicht im Gerstgsten begründet sind. a Lifsabo«, 24. October. Eine officielle Depesche aus Tanger meldet, daß der inE--°ch°-S^utftu-rn tt-ß° 8la00C 015 G-nugthuung für di- Er-ignifs- e- I -delgrad, 24. October. Das „Amtsblatt" veröffentlicht ein Schreiben des S?n&8' J?0™ 5. Metropoliten als Oberhirten der autokephalen serbtfchen Kirche ^rin 'b^^'ch-'dung auszufpr-ch-n. Hierauf folgt -in Aktenstück des Metropoliten, worin die am 5 October 1875 zwischen dem König von Serbien und der Königin CTttort'roirb6 erzbischöflichen Segens eingegangcne Ehe als gelöst und geschieden Bukarest, 24. October. Von den 75 Wahlen zum ersten Wahl-Collcaium der Kammer stnd bis letzt 49 bekannt. Von diesen sind 45 regierungsfreundlich und vier opposttionell au-ta-fallm. Vermischtes. Grünberg, 24. October. Am gestrigen Nachmittag hat dahier die feierliche Einweihung des neuen Schulhauses stattgcfunden. Vor der alten Schule bei der Kirche gab Lehrer Reust in warm empfundenen Worten den Gefühlen der ver- sammelten Schulkinder, Lehrer und Gemeindeoertreter Ausdruck beim Abschied von den alten, wenig taugl chen und doch mit, manch lieber E.innerung verknüpften Räume,u worauf sich nach einem Gesang der Schulkinder der stattliche Festzug, an welchem auch Herr Promnttaldtrec or Freiherr v. Gagern theilnahm, in Bewegung s-hte nach dem neuen, westlich der Apotheke gelegenen Schulhaus. Dort hielt Herr Schulrath Büchner b.e gedankenreiche mit passender Ansührung Lutberffcher Wortt über die Bedeutung der Erziehung in Schule und Haus geschmückte Weiherede, und der Kirchenchor liest sein- Weisen ertönen. Mit kurzen Worten überreichte danach der bauleitende Herr Kreisingenieur die Schlussel des Neubaus, welche Namens der Gemeinde Herr Bürger- metster Pracht cntgegennahm, um nach einer tiesgesühlten Ansprache das neue Gebäude zu -r>chl,eßen. Dort versammelte dann noch der Herr Provtnziatdtteclor in einem der Sale insbesondere den Stadtvorstand und die Lehrerschaft, um dem Ersteren feine Anerkennung auszusprechen für fein opferbereites Vorgehen in Sachen des Schulbaus die Lehr er aber auch zu fernerem getreuen Wirken auf ihrem Arbeitsselde zu ermahnen, dabei vor Allem die „religios-st tlichen" Ziele unseres Schulwesens heroorhebend. Di- anschliehende Besichtigung des neuen Schulhauses und s-in-r Zubehörden ersab die volle Beftiedigung der zahlreich Erschienenen. Frei und sonnig gelegen umsastt das Hauptgebäude vier groste Sale für die Volksschule, zwei kleinere für die erweiterte Schule, -in Lehrerzimmer und eine Hausverwalterwohnung; die Eingänge, der Treppenbau und die Corridore sind geräumig, die Säle f-lbst hoch, luftig und hell Der Hauptbau ist auf einem Lungstetnsockel in massivem Backsteinrohbau ausgeführt, fünf der neuen Säle sind mit eisernen beweglichen Subsellien ausgestattet. Der Vor- anschlag von 51000 JL für den Neubau sammt innerer Einrichtung und allem Su^6°r 1° V,ei bcr xUmfU£u!*.0 nicht einmal erreicht worden sein. Das Ganzmacht nach Anlage und Ausstattung ebenso der Gemeinde, wie dem Bauleiter und den Bauhandwerkern alle Ehre. „ Eine gesellig- Zusammenkunft im Gasthof zum Hirsch vereinigte Abends di- Fefttheilnchmer noch bei manch gutem Wort, wovon wir insbesondere die tiefdurch- dachte, von ernem milden, freien Gerste durchdrungene Rede des Herrn Starrer «ow über das V-rhältniß von Schule und Kirch- h-r°°?h-b-n. - War onach ch n d-1 g-strig- Tag zu einem Fest- und Ehrentag für di- Gemeinde geworden, so wird nicht wirken bet ®C0en bCr ncuen @d,ule füc ihre Glieder noch auf lang- Jahrz-hnt- hinaus A Mainz, 24. October. Vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts bat heute ein, vorausstchtlrch mehrere Tag- währender, sehr umfangreicher Srocefc welcher gegen den Gerichtsvollzieher Engel von Bingen perich t ist Inae 0 Itt schuldigt, in nicht weniger wie 72 Fällen th-ils des Vergehens im Amte Lira der Urkundenfälschung und theils des Betrugs sich schuldig gemacht,u Men 'S ber Anklage hat Engel vielfach Gebühren b-«chn-ft bie ihm «er' ga? MchtV nur in geringeren Betragen zustanden; ferner hat er unbefugter Weise gebühren, Thetlzahlungsgebühren, Retsegebühren, HütergebührenKavttalaeb^ -in- R-ih- sonstiger Gebühren b-r-chn-t, burch welche entroeber ber @15u6lae?6ntar h r Schulbner benachtheittgt würbe. Auf diese Artsinb vonEngelbie .&h?“b£ einzelnen Fallen so in die Höhe geschraubt worden, dast sich vielfach ^ftstr-ltta-n Forderungen um mehr als das Doppelte überschritten haben. Neben hoben von Urkunden zeugen ein- lange R-ih- Belastungszeugen gegen Enacl wesbalb schon oben bemerkt, der Proceß jedenfalls mehrere Tag? in Anspruch nehmm^wird — Frankfurt, 24. October. Meine vor einigen Taaen 0111^11110, daß die Stadtverordneten-Versammlung den vom Comitö für^das^KQ Wilhelm-Denkmal in Aussicht genommenen PlatzWoßmarkt, nich?k H antb wurde, hat sich bestätigt. Gestern Abend wurde über diese Denkmals bezw nichtöffentlicher Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung berathen und'skbe^da nicht von einem einzigen Redner wurde der Rostmarkt besürwor" " Ä? -oLrwbl sprach sich für den Platz vor dem Hauptbahnhofe aus und es ist nirbt „ ÄSu d-fi dort das Denkmal -inen prächtigen und würd.gcn Standort hab^n würd L sehen wird dasselbe dort i-d-nfalls von Jung und Alt und könnte nach dieftr Richtu^a' d h. als Erinnerung an di- glorreiche R-gierungszeit des ersten D-u fiben Katters kttnen besseren Ptatz finden. Aber auch der Platz vor dem „Frankfurter Hof" ist ein günstiger und auch dort wurde das Denkmal eine Zierde und ein DtelbemitnhLA VI jekt sein. Die Diskussion über die Platzsrage endigte damit daß die Sstd^ dm Magistrat ersuchten, mit dem Comitö in neueVerhandlungenzu tote Wtectel , Die seit gestern dem regelmäßigen Betrieb übergebene P/k?Vtrabe wurde sehr stark besucht; es mangelte zeitweise an Platzt "00 com- plette Mahlzeiten wurden gestern verabreicht und auch sonst wurde dem hnrt Sä. »ug-fpr-ch-n. U-b-r Quantität und Qualität hört- man!mr^L°b-ns- Trier, 18. October. Die Nähmaschine armer Leute ist unvfändbar — mH Entscheidung schließt ein sich um die Nähmaschine drehender Proceß ab h Lnstanzm durchlaufen hat. Eine Firma hat bet einem toeiÄ ! !?en^ ne Pf^nbcn lassen. Auf erhobene Beschwerde entschied das Ami» fci' 1)0 sich um ärmliche Verhältnisse handst Das Lanb° wlhmVrfu Cfc Entscheidung wieder auf und erklärte, die Unpfändbarkeit der Nähmaschine nicht anerkennen zu können. Die bei dem Oberlandesgericht einaelentl Berufung hatte den Erfolg, daß die Entscheidung des Landgerichts umaestvben »nh k » Unheil des Amtsgerichts wiederhergestellt wurde Ind?n^Entschechunasa?ün^?m ausgesprochen, ^ß die Nähmaschine der Frau des Arbeiters zu den nicht de^ Pfänd'un« fürÄM^ n0,6"eabifl iur Ausübung b-s B-rusl größere? S L'r.hpapLk-L dick? gL7T^-L^'goL^ Soldene Halskette, eine Anzahl Fingerringe mit Brillanten' Silbe?" ^tne ^^?rne Kaffeelöffel, eine Lorgnette aus vergoldetem Silber, eine goldene Eyltnderuhr, ein schwarzer Rohrstock mit mattaoldenem frnnn? Ä I Elfenbetngriffen und theilweise mit Edelsteinen — sD te neue Garnisondienst-Vorschrift.l Die vielfachen 9ibSnh» das neue Exercter-Reglement für die Infanterie fürd??Ausbtlduntt 9?e e£> D' lnachten eine Umarbeitung der Garnisondienst-Jnstruktton vom 22. November 1883 nothwendig, wobei zugleich die erforderliche Rücksicht auf die Aus- ÄtV Infanterie M/87 und auf die verschiedenen Aenderungen Ossictere zu nehmen war. Wenn die Grundzüge der bisherigen Garnisondienll-^n. äm *,n^?,tfb,i6c6aUc?,t ™orbcnJtnb- b-b-n hoch in manch-rauch rnunb-' ' ^^kfferungen stattgefunden. Zu den letzteren gehört zweifellos die 23eftimm- Disciplinarstrafbefugniß ausgestatteten Officiere d?s Truppentheils mit für die ordnungsmäßige Ausführung des 3Ä@fc°r0e tra0CIl ^den. Diese Officiere dürfen an Wachen und Posten in einer die äußere Form des Dienstes nicht bloßstellenden Weise Belebrnnnen ilnh Snro* deendißung des Wachtdienstes auch Strafen erthetlen sie bleiben auch^'L.Ät b^°fi-nb-n Abth-ilung (R-gim-nt, Bataillon, Compa nft) SH® lm Wachtdienft in dem Verhaltnrß von Vorgesetzten. Dies war bisher nicht der l^a in fUa ir?Cnb IS-eI4c Vergehen im Garnison-Wachtdienst ^anb Gouverneurs, bezw. Commandanten oder ®arnt^on:^el^ef^en• 5- war es nicht gestattet, gegen einen auf Wache oder PMn Soldaten seiner Compagnie unmittelbar etnzuschreiten. Eine kleine Verschärfung in dem Bei halten der Mannschaften auf Wache liegt darin daß dieselben nur bißhP^f* Cn trC Decken auf der Pritsche ruhen dürfen,' während sie d'eses bisher schon von Eintritt der Dunkelheit dursten. Für das Aufziehen der Wacken der Ehrenbezeugungen sind einige Abänderungen nöthtg geworden hphitTn?111611 ®bfn. Fortfall des Aufnehmens und Anfasfens des Gewehres ant Sn hnnn letzt eine jede Wache beim Herausrufen mit Gewehr bei Fuß Kbae'be^ bk mH huber”^m,en und präsentsten, während bei dem täglichen Sckildmn^n -a » " ^ 2 0a,n) in Fortfall gekommen sind. Für die Geweht über still sieben"^ D? ^^^""bezeugungen nämlich präsentsten und mit mh-s bte Soldaten stets mit Tornister auf Wache ziestn so fortan mit zwei vorderen Patrontaschen auf Posten stehen sehen. Für die Officiere sind im Wachtdienft die Epaulettes fortgefallen sie werden nur getragen, wenn die Mannschaften im Paradeanzug erscheinen; für den Kircken- Uu^mussen aber stets die Epaulettes angelegt werden Auch bie gewöhnlichm eldungen der Officiere bei Urlaub, Commandos, Versetzungen erfolgen im Dienst- ?".iUh0C; E Achselstücken und Schärpe, im Paradeanzug nur dann wenn dieser Ausgabe angelegt wird und die Meldung daselbst ftattfindet. Neu A-k»" k^owu^n ist die Vorschrift über das Aufhissen der Flaggen auf Militär-Dienst- gebauden und Festungswerken; an bestimmten Tagen wird von Morgens 8 Uhr bis Sonnenuntergang geflaggt. Außer den Geburtstagen des regierenden Kastervoor-s find das die Geburtstage der Kaiserin-Großmutter und der Kaiserin Friedrich ferner ork^aUtJS?r§£a0, x rSeptember und der Sonntag, an welchem dasKrönunas- und ^mA11«8 0hc^clcrt 2-September ist hierdurch amtlich zu einem militärischen aA^Obenrcm:OTben ’ au^ surfen die Truppen ihre Kasernen an besonderen für ^,.^Echtigeren Erinnerungstagen beflaggen. Eine besondere Anerkennung verdient die ^^b"igung der Fremdwörter, von denen nur wenige, wie Patrouille O^onanz, betbehalten find Letzteres Wort ist für den Kalefaktor eingefühtt welcher auf Officierwachen den Stubendienst (Auskehren, Aufräumen u f w } in ner- feben hat. Dagegen ist für Reveille" das' gute Wort „Wecken" gesetzt wordm- Anstatt h^°n^r 8 «8r nk V-nOk »Ehrenbezeugung". Der „Officier vom Ortsdienft" und die „Nebenronde sind für den „Officier du jour“ und „Visittrronde" einaetreten • besorgen das „Nachsehen" (Revrdiren) der Wachen wasaufGrund^^ AF^nbuches (Wacht-Jnftruktionsbuch) nach bestimmtem Muster (Schema) st das Wachtpostenbuch einzutragen ist. Beim Vorbeimarsch der Wachen haben bie ßörH (eotoyiren); einzelne Abänderungen dürfen wegen VerMtnisse getroffen werden, und zur Kirche werden an bestimmten Tagen „Abordnungen (Deputationen) entsandt, welche die Kirche ihres Glaubens" Konfession) ZU besuchen haben. Das „Alter" (Anctennetät) eines Truppen,^ seinen Platz bei der Parole-Ausgabe; das Wort „Parole" ist geblieben - dasselbe LULLÄ-'Äff "~w "b- äww’F&ä große Parade, abgenommen durch den Kronprinzen; nachher Ktrchenparade und Gottesdienst in der Garntsonkirche und den sämmtlichen anderen Berliner Kilcken w t r i m ^jeEnnbrlne, Festmahle in der Ressource und von Seiten des Künstler-Vereins. Ausführlich berichtet die Vossifche ^eituna" nn» dst" Turnfest in der Hasenhatde an diesem Tage, womit zugleich ^r^m Trübungen für das Jahr geschlossen wurden. Viele Zuschau r warm gekommen und standen n den Schranken des Turnplatzes. Das Lied: Hör' lie^e bische Jugend, an »gesungen außerhalb des Turnplatzes am Ende der Rennbahn auf einem Hügel (wohl der letzt noch vorhandene Friesenbügel), leitete das Fest ein. wurde „Schwarzer Mann" auf dem Rixdorfer Felde gespielt. Auf dem Turn- i*rUr6C ,0cturnl: F^.bi- und Stabspringen, Barlausen, Ziehkampf Ringen Das Ganze schloß ein großer Wettlauf auf dem Felde. Abends zogen Alle mit Fackeln An?if^6ü6cr0cn' E?bem sie sangen: „Auf, danket Gott und betet an". Hier^wurde ^"0^undet unter dem Gefang: „Nun danket alle Gott" und anderer wurden Lebehochs ausgebracht auf den König, auf die Sieger in dem Freiheitskriege, auf die Turner. Ein Hurrah wurde gerufen gegen alle Feinde des SahVÄ*’ r sV kbcm wurde hoch oben ein „Weißfeuer" angezündet. 2 k lncbei" der vielleicht von Jahn selbst stammt, da fester gar nicht gedacht ist, der Wunsch um größere Betheiligung Seitens der Berliner ous- f!UsCein Volksfest werden, ein Allerdeutschenfeft. Es war r e^l,iRQ8 l«tc Ä^bersest, das Jahn in Berlin feierte. Im Jahre 1819 gebracht ®efanßni&' toeil cr bic höchst gefährliche Lehre der deutschen Einheit" auf- ^toar$ ganrseid. Satin mervellleux von Er15® bis Mk ft80 per M-t. - 13 dual.) - v-rs-nb-t r°b-n- unb t0-= 2tnb bas Fabrtk-DöpSt «. Hennebere (ft u. K ©ofltef.) Zürich. Muster umgehenb. Brief- kosten 20 Pf. Porto. ' [8647 KottesdiM der israelitischea KeligioosaeWiU 3» Uhp^Samsta-Ab-Ä 5e'ü^am§t<10 ®OrmittaB 8” »hr. Samstag Nachmittag Hande» und Berkchr. a4’ Octol5e„r;„ (Fruchtmarkt). Rottzer Weizen M. 17.25, weißer Kartoffel^ 12 6°' ®erfte •* 9'45' ^afcr JC 6.55, Erbsen ue OO.OO, Freitag den 26. Bctbr. d. 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