Dnrearrr Schulstraße 7. Betreffend: General-Versammlungen des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf, Nr. 172 Zweites Blatt. Donnerstag den 26. Juli 188Z «iicßener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bekanntmachung. . - Donnerstag dea 2«. Juli l. I., Nachmittags 2 Uhr, wird eine Generalverfammluna des BezirkSvereenS Gtetzen ,u H un ge n in dem „Solmser Hof» (bei Herrn Jockel) abgehalten werden. “ lanvw.rtdfchaftl.ch.n Alle Mitglieder des Vereins und Freunde der Landwirthschast werden zu dieser Versammlung hierdurch freundlichst eingeladen. Tagesordnung: 1) Feststellung des Voranschlags des landwirthschaftlichen Bezirks Vereins Gießen pro 1888. 2) Beschlußfassung über den Entwurf der Statuten des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. 3) Berathung über die zur Vertilgung der Raupen an Obstbäumen zu ergreifenden Maßregeln 4) •«»»•Pt«* Schlenke von Gießen über das Thema: ,3t bie WverMerung aud) für ben tobten G"ßen, den 14. Juli 1888. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. —------ ------ _____---Jost. Berlin, 23. Juli. Es erregt in hiesigen Kreisen einige Verwunderung bafc auch angesehene auswärtige Blätter sich ganz ernstlich mit der Frage haben beschäftigen können, ob das Gerücht, würben beulscherseits Entwaffnungsvorschläge gemacht u^den, begründet fei oder nicht. Der Pariser Times-Eorrespondent, der die Nachricht französischer Blatter, daß Graf Herbert Bismarck in Paris die Abrüstung verlangen Werb& "U* s^ed,t aI§ Unsinn bezeichnet, fügt dieser Berichtigung hinzu, es sei nur da von die Rede gewesen, daß die Mächte FEreich freundschaftliche Vorstellungen machnr NEn wegen eines wahrend der Pariser Ausstellung geplanten Socialisten-Congreffes. D'es konnte zu der falschen Nachricht Anlaß gegeben haben. Der Times-Eorrespondent hatte es bei dem ersten Theil ferner Berichtigung belassen sollen, was er derselben hin- .grund^s wie das Gerücht von den deutschen Abrüstungsplänen. Deutschland hat mrt der Par ser Weltausstellung nicht das geringste zu thun unb will uuch mchts zu thun haben, und es ist einzig Sache der Franzosen, ob sie zu der Zeit Socialrflen-Eongresse rn Paris dulden wollen oder nicht. (Köln.Ztg.) $?rrten bei solchen Gelegenheiten aus dem Munde des Kronprinzen und der Kronprinzessin manches anerkennende und ermuthigende Wort. 4 2113 hn Jahre 1884 die Kochschule im Pestalozzi-Fröbel-Hause eingerichtet wurde war eine der ersten Schülerinnen Prinzessin Victoria; nicht selten nahm sie die von fphC’th-en ^Et nach Hause und der Kronprinz verfehlte nicht, gelegentlich seine Erledigung über die kochkunstlerischen Leistungen seiner Tochter auszusprechen fr,r serner kurzen Regierung hat Kaiser Friedrich sein besonderes Interesse ur die Frobel sche Erziehungsmethode dadurch bethättgt, daß er der in Lambura lebenden hochbetagten Wittwe Fröbel's eine namhafte Pension bewilligte $ 9 — ,, Eine Schöpfung der Kronprinzessin, welcher ihr hoher Gemahl seine besondere Theilnahme zuwandte, war die Gründung des Vereins für häusliche Gesundheitspfleae im Jahre 1875. Derselbe beschäftigt sich mit Ausbildung von wissenschaftlich gebildeten mit Feriencolonien Versorgung der ärmeren Klassen mit 0uter un* ^?brn zu sehr mäßigen Preisen, mit häuslicher Armen-Krankenpflege För- ftrhU%i*r ^eil]lid)Ceit und gesundheitlicher Lebensweise rc. Der Kronprinz beteiligte sich gleich mit einem hohen Beitrage und von der zur silbernen Hochzeit bargebrachten Spenbe wurden 1'0,00 JL und die bei derselben Gelegenheit von der Stadt Berlin übernHefen fur cin Krankenpflegerinnen-Heim von fast 120,000 diesem Verein . . Ende des Jahres 1885 wurde zum Besten des Vereins für Volksernebuna buusliche Gesundheitspflege auf besondere Anregung und unter Mithülfe der Kronprinzessin in den ^eüsalen des Rathhauses ein Bazar veranstaltet. Die ganze kronprmzliche Familie nahm den lebhaftesten Antheil an demselben. Nicht nur bet ber ifhpnnTn0, U-n? btiuL Schlüsse erschienen die hohen Herrschaften, sondern sie verweilten leben Tag wahrend ber Dauer des Bazars mehrere Male in ben schön geschmück t b«->» >«>. Waften in ber Sommerzeit, hat die Kronprinzessin ein Kinderheim geschaffen, in roekbem be'r 5eeibnarte^trn®4gingm.6ner unb ßcifli0e SpfIe0e finden, während die Müttc( Eine Schülerin aus dem Pestalozzi-Fröbel-Hause ward dorthin berufen zur -cit- ÄX £ Ä “ ?.r ^"L°^A°rsteherin und zur Einführung der FrKelschen Methode in das Kinderheim. Das besonders eingehende Interesse, welches der Kron prinz allem, was mit Bornstedt zusammenhängt, widmete, erstreckt sich natürlich auch oben geniuink Anstalt. Aber auch der Bau von Arbeiterwohnungen, Fürsorge ur R-rch- und Schule gingen aus dem cinmüthigen Wirken beS hohen Paares für die Bornstedter Bevölkerung hervor. ,ur vlc Der Gedanke, gesunde und zweckmäßige Wohnräume für den Arbeiterstand überhaupt zu schaffen, lag beiden ganz besonders am Herzen und daß sich für diese üm±4fi 8fc“4t " D-u'sch-°nd oerhältnißmätzig wenig Theilnahme z^gte, dl- iUUUHll lv I lv | tul • nn ÄE$eitc ift bereits berichtet, welch lebhaften Antheil ber Kronprinz an ber Bau-Gesellschaft nahm, welche tn Berlin sich mit gemeinnützigen Bauten beschäf- tigt, unb an bem Bemühen, ein ähnliches Actien-Unternehmen in's Leben zu rufen . Auch ber Grünbung ber Berliner Bau-Genossenschaft, welche burch die Arbeiter selbst und deren Mittel Hauser im Umkreise Berlins bauen wollte zum Eigenerwerb •bT(* berKronprinz großes Interesse entgegen.9 Sobald er davon horte, ließ er sich eingehenden Vortrag darüber halten. Gerade daß bie $au= Genossenschaft ihre Arbeit im Wesentlichen auf Selbsthilfe gründete und den Betheiligten eigene Hauser schaffen sollte, war es, was er besonders billigte. Noch nach San Remo ließ er sich über die Fortschritte der Genossenschaft berichten. Nttt tiefgefühltem Danke überblicken wir bas cble Thun unb Wollen bes hoben Paares auf dem Gebiete gemeinnützigen Lebens. Mit stillem Schmerze schauen wir betn erhabenen, nun von uns geschiedenen Geiste Friedrichs III. nach, dessen umfassendes Verftändniß für die Bedürfnisse seines Volkes und die rechten Mittel zu deren Be- riedigung unsere Bewunderung erweckte, dessen immer warme und wahrhaft reine Menschenliebe uns begeistert, ihm nachzustreben." Kaiser Friedrich's Wirken für Polksersiehung, Gesundheitspflege und Arbeiterwohl. Aus dem Vorstande des Centralvereins für das Wohl der arbeitenden Klassen erhalt die Redactton des „Volkswohl" als weiteren Beitrag zur Darstellung der gemeinnützigen Bestrebungen Kaiser Friedrichs die nachstehenden Mittheilungen des Vorstandsmitgliedes, Herrn Abgeordneten Schrader in Berlin: „Das lebhafte Interesse, welches bie Kaiserin Victoria an der Kleinkinder- Erziehung und der Ausbildung mütterlicher Erzieherinnen nimmt, veranlaßte dieselbe im Jahre 1877, mit meiner Frau, einer Großnichte und Schülerin Friedrich Fröbel's, die Nch der Ausführung von dessen und Pestalozzi's Grundideen schon längere Zeit gewidmet hatte, in Verbindung zu treten. Seit dieser Zeit, also 11 Jahre hindurch, haben wir beide häusig Gelegenheit gehalt, zu erfahren, in welch erhabenem Sinne die Kaiserin Victoria und ihr hoher Gemahl bestrebt waren, Dinge in das Leben zu rufen und zu fördern, welche dem Wohle ber menschlichen Gesellschaft dienen. Aon welchem Grundgedanken das hohe Paar bei seinen gemeinnützigen und wohlthatigen Werken ausging, hat Kaiser Friedrich in seinem Erlasse an den Reichs- ranzler ausgesprochen. Ihm lag vor Allem daran, daß ein freundliches, hilfreiches Verhaltniß zwischen den verschiebenenBeoölkerungsklassen bestehe, daß die Wohlhabenberen den Aermeren in bem Kampfe um's Dasein zur Seite stehen und daß letztere durch eine angemessene körperliche und geistige Erziehung in den Stand gesetzt werden, sich aufrecht zu halten und vorwärts zu kommen. In Deutschland und in anderen Ländern konnte nichts Bedeutendes auf socialem ober pädagogischem Gebiete geschehen, was nicht dem Kronprinzen oder der Kron- i n iur Keuntniß kam und von ihnen darauf geprüft wurde, ob und wie es sich einfuhren ober förbern ließe. So verdanken ber gewerbliche und ber Fortbildungs- Unterricht, die Knaben-Handarbeit, bie höhere, sowie die auf Hebung der Erwerbsfähigkeit gerichtete Frauenbildung, bie Feriencolonien, bie Krankenpflege, bie Recon- valescentenpflege, bie Kinderheilstätten, die Soolbäder für Kinder, die Bekämpfung ber Trunksucht, der Bau von Arbeiterwohnungen und viele andere ähnliche Bestrebungen Hohen Paare eine rege und nicht blos materielle, sondern ganz vorzugsweise auch geistige Forderung. Der Friedrich-Wilheim-Victoria Fonds ist für solche Zwecke bestimmt und wtrd ihnen weiter bienen. Aber wie vieles auf den genannten Gebieten schon von dem kronprmzlichen Paare geschaffen war, Größeres hatte sich dasselbe noch für bie Zukunft Vorbehalten. f, Wie es in ber Natur der Sache liegt, war es besonders die Kronprinzessin, welche sich im einzelnen mit direct oder indirect der Erziehung dienenden Ideen unb peren Ausführung beschäftigte, aber immer war bas Interesse ihres hohen Gemahls an tbrem geiualen Schaffen unb liebevollen Wirken lebendig und so oft es seine Seit erlaubte unb er es für angemessen hielt, befunbete er öffentlich, wie warm ihm basselbe, U"e ihm überhaupt Erziehung unb Unterricht am Herzen lagen. Wie oft hat er, bald auetn, bald von der Kronprinzessin begleitet, Schulen besucht unb an Prüfungen theil- genommen; gar mancher Mann wirb es zu seinen schönsten Erinnerungen zählen, baß ihn sein Kaiser selbst einmal examinirt hat; in ben Lehrlings - Ausstellungen war er §reunb ma°l8er u^cr* feiten ein sachverständiger Kritiker, immer ein warmer ar 4. -S?. ?e"?ele s?in Wohlwollen auch dem unter dem Protektorate der Kaiserin Victoria stehenden Pestalozzi-Fröbel-Hause, Steinmetzstraße 16, Berlin, einer Schöpfung bes 2^^113 für Volkserziehung, zu, wie er auch den leitenden Ideen der beiden großen Pädagogen, welche der 2lnftalt den Namen verleihen, die höchste Anerkennung zollte. ist 1^73 gegründet und umfaßt jetzt einen großen Volks- wnbergarten mit ^6^1111^3; und Elementarklasse, Knaben-Arbeitsschule, Mädchen- ^^Houshaltmigsklasse und Mittagstisch für arme Kinder; ferner ein Seminar ^ÄÄozzt'Arob.el scher Erzieherinnen, eine Kochschule und das Victoria- Madchenheim, ein billiges Pensionat für die auswärtigen Schülerinnen der Anstalt. steht in enger Verbindung mit einem ßocalcomitä des Vereins für häus- Ne G-sundheitspflcge, von dem jpater bie Rede fein wirb und welches im Haufe Sieinmetzstratze 16 ^nen Sitz hat. Dadurch werden den ärmeren Zöglingen des Pestalozzi-^robel-Haufes Reinrgungsbader, Fürsorge in Krankheitsfällen durch die in der Steinmetz,traße 16 stationirten Armen - Krankenpflegerinnen und andere Wohl- thaten zu Theil, welche das erziehliche Wirken ber Anstalt so wesentlich unterstützen. Die Kronprinzessin besuchte das Pestalozzi-Fröbel-Haus häufig, regte zu neuen jeder Art"^e" i,e^cIben an * fchastte unb gab birecte Unterstützung, Rath unb Hilfe Der Kronprinz hörte gern von den Entwickelungen und Erfolgen der Anstalt, und als sie am 13. April 1882 das 100jährige Geburtsfest Fröbel's in den fchönen Konferenzsälen des Anhaltischen Bahnhofs beging, beteiligte er sich mit der Kronprinzessin daran und verweilte auch noch dort, als bie Kinder zum Schlüsse bewirtet würben. Im Jahre 1882 und 1885 schenkte er auch der Weihnachtsfeier der Anstalt seine Gegenwart. 1 Freundlich und herzlich, jeden Zwang bet Seite schiebend, verkehrte bei solchen ^"egenhelten das kronprinzliche Paar mit ben den ärmsten Schichten der Bevölkerung ungehörigen Kindern und Eltern; sie scherzten mit ben Kleinen, welche oft gar keine 4bnung hatten, wer sich mit ihnen beschäftigte, ihnen Zuckerwerk zutheilte, sie wohl gar auf Den Arm nahm und sich von ihnen vorplaudern liefe. Die leitenben Persönlich- I Lokales» Gießen, 24. Juli. Wie sehr der hiesige Schul- und Stadtvorstand bemüht ist, nicht bloö das geistige, sondern auch das körperliche Wohl unserer Jugend zu fördern, davon geben zwei Einrichtungen Zeugniß, welche tm Lause dieses Semesters in Wirksamkeit getreten sind und die unseres Wissens noch in keiner Stadl Hessens bestehen; es sind der Unterricht für Stotterer und die Badeeinrtchtung tn der Stadtmädchenschule. Der Unterricht für Stotterer ist Herrn Schuloerwalter Backes übertragen worden. Derselbe hat seit dem 28. Mat d. I. einen Eursus an der Stadtknabenschule mit 7 Knaben eröffnet. Diese wurden gestern in Gegenwart des Schulvorstandes auf ihre im Unterricht erlangte Sprachfertigkeit geprüft und das von Herrn Backes dargelegte heilpädagogische Verfahren zeigte von richtigem Verständniß für die Behandlung des Sprachleidens. Die Sprechübungen, das Lesen und Erzählen, gingen gut und ohne Anstoß, und man konnte die Wahrnehmung machen, wie durch Kenntniß des Artikulationsbetriebes, durch planmäßige, mit Geduld und Ausdauer betriebene Hebungen die Heilung herbeigeführt worden ist. Mit den Herbstferien beginnt ein neuer Eursus für eine weitere Abtheilung der Srtadtknabenschule. Wir können Herrn Backes allen Eltern empfehlen, deren Kinder an einem derartigen Sprachfehler leiden. Die zweite Einrichtung, die Badeanstalt in der Stadtmädchenschule, ist seit einigen Wochen eröffnet. Man muß die Kinder sehen, wie körperlich und geistig frisch sie aus dem Bade in die Klasse zurückkommen und wie gern sie ein Bad nehmen. Nicht genug zu schätzen sind die Wirkungen in gesundheitlicher Beziehung und in der Angewöhnung zur Reinlichkeit. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß der Sinn für Reinlichkeit unserer Jugend erhalten bleibe für's spätere Leben, der Segen wird nicht ausbleibcn. Da die Kosten der Anlage nicht so bedeutend sind,, so steht zu erwarten, daß bei künftigen Schulhausbauten die Einrichtung sofort getroffen wird. Vermischtes. Darmstadt, 23. Juli. [(Sin Riesen-Todea-Laum.j Die Sammlung von lebenden ausländischen Pflanzen in den Gewächshäusern des hiesigen Großherzoglichen Hofgartens ist in diesen Tagen um ein höchst bemerkenswerthes Stück bereichert worden. Der neue Ankömmling ist ein Riesen-Todea-Baum aus den australischen Urwäldern und wurde ca. 200 englische Meilen von dem Seehafen Melbourne aufgefunden. Die Todea africana ist in Europa nur durch wenige importirte Exemplare vertreten. Ein sehr zartes, ganz junges (etwa 30jähriges) Exemplar in einem Gewichte von 6 bis 8 Kilogramm vefindet sich in dem hiesigen Grotzh. Gewächshause, wogegen der in Rede stehende Baum ein Gewicht von über 1000 Kilogramm, dabei im Stamme einen Umfang von 3,20 Meter und eine Höhe von 1,20 Meter hat. Dieses Prachtstück ist der Munifizenz des Herrn Baron Ferd. v. Müller in Melbourne, Governement Botanißte for Victoria, zu verdanken. Wegen seiner wissenschaftlichen Verdienste um die Botanik von Sr. Königs. Hoheit dem Großherzog mit dem Comthurkreuz des Philippsordens decorirt, hegte derselbe den Wunsch, durch Übersendung einer seltenen Pflanze seinem Danke für diese Auszeichnung Ausdruck geben zu dürfen. Nachdem Herr v. Müller sich durch Vermittelung seines langjährigen Freundes, des Herrn Commerzienraths Heinrich Keller Hierselbst, der Entgegennahme seiner Gabe vergewissert und Letzterer dereitwilligst seine Mitwirkung zur Translokirung der Objectes zugesagt hatte, wurde der Pflanzencoloß zunächst zu Lande nach Melbourne und von da zu Schiff über London nach Hamburg, dann per Bahn an Herrn Keller Hierselbst behufs llebergabe an den Großh. Hofgarten geschafft. Wie Herr v. Müller mittheilt, ruft die Todea africana (die außer in Südafrika in Südost-Australien und Neuseeland zu Hause) an ihren feuchten Standorten eine herrliche Wirkung in der Scenerie hervor. Die alten Stämme dieses Farrn sind sehr selten. Sie werden nur in fast unzugänglichen und (da sie Feuchtigkeit brauchen) an Waldbächen gelegenen Felsenschluchten aufgefunden. Das Alter des hier eingetroffenen Exemplars ist nach der bestimmten Ansicht hiesiger Sachverständiger ein sehr hohes, vielleicht nach Jahrtausenden zählendes, und nach einer Mütdeilung des Herrn v. Müller ist, soweit bekannt, nur in zwei Fällen das Gewicht ein größeres gewesen und in diesen beiden Fällen war der Stamm noch von Gesteinen durchsetzt, sodaß das hiesige Exemplar wohl als einzig in seiner Art gelten dürfte. Die Reise vom Fund- nach dem Bestimmungsorte nahm volle drei Monate in Anspruch (von Anfang April bis Anfang dieses Monats); der Baum, welcher ohne jeglichen Schaden hier eintraf, hat schon auf dem Wassertransport neue Wedel getrieben — die alten Wedel mußten der Verpackung wegen abgeschnitten werden, — welche neuen sich indeß leider in der Kiste nicht ausdehnen konnten und dadurch statt in die Höhe sich nach unten hin entwickelten. In den wenigen Tagen seines Hierseins hat der Baum wiederum frische Wedel getrieben, welche, jetzt natürlich noch zart und klein, sich hoffentlich wie in der Heimath nach oben hin ausdehnen werden. Noch mag von Interesse sein, daß die Kiste, in welcher der herrliche Baum die Reise von Australien nach hier gemacht hat, aus dem Holze der Eucalyptus obligna angefertigt ist, d. i. diejenige Species der zur Familie der Myrthengewächse gehörigen neuholländischen Bäume, auf welche vor nun gerade 100 Jahren Höritier das Pflanzengenus Eucalyptus begründete. Die genannte SpecieS findet sich in den australischen Gebirgsgegenden, ist sehr reich an ätherischen Oelen und Harzen und erreicht oft bei einem Durchmesser von 10 Fuß eine Höhe von 300 Fuß. Dem ungemein starken und dauerhaften Holze dieses Baumes ist es auch wohl zu danken, daß die aus ihm gefertigte Kiste selbst nebst kostbarem Inhalte ungefährdet hier eingelangt sind. (D. Z.) A Mainz, 23. Juli. Nachdem die herrlichen Rheinanlagen längs der Stadt jetzt ihrer Vollendung entgegengeben, tritt die Frage der Restauration des kurfürstlichen Schlosses hier nothwendiger Weise in den Vordergrund. Nach einer Mittheilung des M. T." sind J)ie Kosten der eigentlichen Restauration zu 438 000 veranschlagt. Der von dem Stadtbauamt vor Jahren entworfene Renovationsplan sieht ferner die Herstellung von Giebeln und Dachgauben vor, damit die eintönig lang ausgestreckten Dächer zu der Schönheit des übrigen Baues in Einklang gebracht werden. Die Kosten hierfür find zu 93 000 JL berechnet. Mit einer weiteren Ausgabe von 47 000 JL. soll der Nebenbau für Unterbringung der Steinsärge ans der Römerzeit hergerichtet werden und schließlich sind noch für Bauleitung und unvorhergesehene Kosten 62 000 JL angenommen, so daß der Gesammtaufwand 640 000 wäre. Jetzt ist nun die Frage, wie diese Mittel beschafft werden sollen. Daß die hessische Regierung die Sache durch Genehmigung einer Lotterie unterstützt, erachtet man allgemein als selbstredend und plaibtrt nun weiter dafür, daß das Reich ähnlich wie bei der Katharinenkirche herangezogen werden soll, zumal in dem Schloß das römisch-germanische Eentralmuseum seine Heimstätte hat. Es liegt im Project der Bürgermeisterei, ein Eomil6 zu bilden, das sich zunächst mit der Frage der Geldbeschaffung beschäftigen soll. — Gegen einen hiesigen Arzt ist bet der Staatsanwaltschaft Anzeige erhoben, weil derselbe die Section einer Kindesleiche vorgenommen, ohne von den Eltern des Kindes hierzu ermächtigt zu fein. A Mainz, 24. Juli. Die im vergangenen Jahre eröffneten neuen Mainzer Hafenanlagen erweisen sich bereits als unzureichend und hat die Hafendeputation in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, alsbald noch die Erbauung einer weiteren Revisionshalle, sowie eines zweiten Getreidespeichers vornehmen zu lassen. Ferner wurden größere Kellerbauten und die Aufstellung eines Getreideelevators für die Entleeruntz-. der Schiffe in Aussicht genommen. Durch diele Thatsache finden die Ausstreuungen, daß der Mainzer Handel trotz der kostspieligen Neuanlagen nicht zur Entwicklung, komme, die beste Widerlegung. — Gestern ist der hier noch nicht dagewesene Fall vorgekommen, daß eine Anzahl Arbeiter, welche mit Rücksicht auf die bevorstehende Einführung eines gewerblichen Schiedsgerichts eine Versammlung abhalten wollten, kein Lokal von den Wirthen erhielten. Als die Interessenten in dem durch ein Plakat bezeichneten Lokal erschienen, fanden sie die Thüren verschlossen, desgleichen in einem anderen Lokal. Ein dritter Wirth erklärte, daß er überhaupt eine Versammlung, welche von der Polizei beaufsichtigt werde, in seinem Lokal nicht dulde. Durch die Furcht, in den Geruch zu kommen, die Socialdemokraten zu unterstützen und die Consequenzen davon tragen zu müssen, erklärt sich diese Erscheinung. — Die 70jährige Greisin, welche unlängst in den Rhein sprang, um sich zu ertränken, hatte sich gestern Abend wieder an die L-tubenthür gehängt, wurde aber noch rechtzeitig von ihrem Manne abgeschnitten. Bei dieser Gelegenheit wollen wir unsere jüngste Mittheilung dahin berichtigen, daß nicht der Hunger die alte Frau zu dem Selbstmordversuch getrieben, sondern ein schweres Leiden. A Vom Main, 23. Juli. Falls die mehrerwähnten Proteste der hessischen Gemeinden Bischofsheim, Griesheim und Kostheim gegen die von der preußischen Regierung projectirte Eorrection des unteren Maingebietes bis zum Zusammentritt der zweiten hessischen Kammer nicht auf dem Wege der Verhandlungen einen erwünschten Erfolg gefunden haben, wird, wie man uns aus Abgeordnetenkreisen mittheilt, bet* Standekammer durch einen btrecten Antrag Gelegenheit geboten werden, Stellung zu der Sache zu nehmen. Die Vertreter der betreffenden Orte, die Abgeordneten Möhn (Laubenheim) und Dr. Osann (Darmstadt) haben bereits das benöthigte Material erhoben und werden nächster Tage mit Delegirten des Kreisamtes Mainz, sowie mit mehreren rheinhessischen Abgeordneten zu einer Eonferenz zusammentreten. — sTypographische Liebes - Phantasie.^ Die neueste Nummer der von Jul. Stettenheim herausgegebenen „Deutschen Wespen", welche wieder viel des Erheiternden — u A. auch Wippchens neuesten Bericht über die Kaiserreise — bringt, veröffentlicht auch folgende anschauliche Reime unter dem Titel: „Liebesphantasie unseres Setzers": Mein ganzes Glück kann ich mir saugen Aus Deinen wundervollen 'T' o Selbst in der allerweitsten Ferne, Sie leuchten mir, die Augen * * * Der Güter Nektar will ich nippen Von den korallenrothen ■—— Die Pulse meines Herzens stocken, Seh' ich die schönen blonden $SSS 8888 Vor allem hast Du nicht, Du Süße Die mir verhaßten O, duld es, daß ich, statt zu jammern, Mich darf an Deine Seele [] Da ich mich sehn' nach Hymens Band, O, reich mir Deine kleine Landwirthschaftliche Nachrichten. (Nachdruck verboten.) — (Schafft das Rassengeflügel ab ’J Nach langem Zureden beginnt man sich endlich auch bei uns für die Geflügelzucht zu interefsiren. Die meisten landwirth- schaftlichen Geflügelzucht- und sonstigen Vereine beschäftigen sich eingehend mit der Frage, welche Arten von Geflügel für den Landwirth am empfehlenswerthesten sind. Insbesondere mußten die verschiedenen Arten von Rassehühnern, mit denen die Land- wirthe von den genannten Vereinen oft in uneigennützigster Weise bedacht wurden, das undankbare Versuchsobject abgeben, um den Landwirth zu überzeugen, daß sein seit Jahrhunderten gleichmäßig gezüchtetes Huhn bei verständnißvoller Pflege doch das beste ist. Denn alle Versuche, durch Einführung und Kreuzung des Cochin- und Brahma-,. Dorktng- und Houdanhuhnes :c. mit unseren Landhühnern die im Argen liegende Hühnerzucht zu heben, haben zumeist sehr unbefriedigende Resultate geliefert. Die Nachkömmlinge aus dieser Zucht waren schwer aufzuziehen, gingen bei halbwegs ungünstiger Witterung massenhaft zu Grund und die llebetlebenben erwiesen sich später fast durchweg als schlechte Eierleger oder hatten wohl gar feinen Fleischansatz und waren somit für den Fleischtopf so gut als verloren. Nehmen wir uns ein Beispiel an dem Auslande, an Italien, Frankreich, England rc.! Hier haben die Landwirthe und Züchter ihre Landhühner mit Umsicht und Eifer gepflegt und sich Nutzthiere heran- gezogen, die nicht nur den Hausbedarf decken, sondern ihnen auch alljährlich viele Millionen Mark aus dem AuSlande eintragen. Wer also wirklich Nutzen von seinem Hühnerhof haben will, quäle sich nicht mit der kostspieligen Zucht von Rasse- hühnern. — (Ein Mittel gegen die Lungenseuche gefundey.j Es ist für jeden Landwirth von höchstem Interesse, daß in Ungarn ein sicheres Mittel gegen diese gefährliche Seuche gefunden sein soll. Trotzdem man diese Seuche vor 10—15 Jahren im Lande noch nicht gekannt, hat dieselbe leider in den letzten Jahren besonders in den an Mähren, Schlesien und Galizien angrenzenden Landestheilen große Verbreitung erlangt. Seit einigen Monaten ist diese Angelegenheit nun in ein neues Stadium getreten, indem Versuche, die mit dem Mittel eines gewissen Mandl an diversen Orten, auch unter Controle staatlicher Thierarzte gemacht wurden, ganz überraschende Resultate ergeben haben. Nicht nur wurde in diversen Fällen dem Weiterschreiten der Krankheit, schon vom dritten oder vierten Tag nach der Anwendung des Mittels empfangen, Einhalb gethan, sondern auch solche Thiere, die sich noch in einem nickt allzu vorgeschrittenen Stadium der Krankheit befanden, wurden genesen. So unglaublich die obige Mit- theilung auch Allen scheinen mag, die den tückischen Eharakter und den rapiden Verlaus dieser Seuche kennen, so sichern die bisherigen Erfahrungen der Angelegenheit dennoch noch vor cnbgiltigem Abschluß der Versuche schon heute eine große Bedeutung. Die Erledigung der Angelegenheit zieht sich aus dem Grunde in die Länge, weil der Erfinder die Zusammensetzung seines Heilmittels geheim hält und weil Geheimmittel auf Grund unseres Hygiene-Gesetzes nicht in den Verkehr gelangen dürfen. Doch sind Verhandlungen im Zuge, um trotz dieses erschwerenden Umstandes die vollste Klarlegung über den Werth zu beschleunigen, sowie im wahrscheinlichen Falle eines positiven Resultates den Verkauf des für die Viehzucht von epochaler Bedeutung zu werden versprechenden Mittels zu ermöglichen, wie berichtet wurde. Es muß jedoch besonders hervorgehoben werden, daß die bisherigen Resultate zwar aus sehr glaubwürdigen Ouellen, aber unmittelbar aus der Praxis stammen. Exacte Versuche auf wissenschaftlicher Basis sind jetzt erst im Zuge. Allgemeiner Anzeiger. Zum Jugendfest empfehle Schleifenbänder, spottbillig. Spitzen, Spitzenstoffe, Rüschen n. Handschuhe. Conr. Jos. Keller, H979 Schloßgasse. Bibliothek des Gescllschastsvercins. Die Mitglieder des Gefellfchastsvereins werden ersucht, alle aus der Bibliothek entliehenen Bücher bis spätestens SarnStag, den 28. Juli, zurückzuliefern. Von Montag, den 23. Juli anfangend, werden keine Bücher ausgeliehen. Die Wiedereröffnung der Bibliothek wird später bekannt gemacht werden. 5833 Der Bibliothekar: Dr. Fromme. GODO GGGGGG«GSGGG!G!UOGOGGGOGGGGOGO GO OOOG VOGGTOSOSGOO-GOMGiGGGGGOGGDGOODOOGGGGGG H jaus der Ärtien-Brauerei Gießen Empfehle ein ausgezeichnetes V V liefere bei Haus. 3 2370 wein empfiehlt 5784 zu bedeutend ermäßigten Preisen. 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