Rr. 11® Erstes Blatt. Donnerstag den 24. Mai Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Betreffend: Normal-Statut für öffentliche Waffergenoffenschaften zum Zwecke der Entwässerung von Grundstücken. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die «rotzherzogltche« Bürgermeisterete« des «reis«. Geltens der Großh. Oberen landwirthschaftlichen Behörde ist uns ein von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigtes Statut für eme nach dem Gesetz vom 30. Juli 1887 über die Bäche und die nicht ständig fließenden Gewässer gebildete EnjwäfserungSgensssenschaft mitgetheilt worden! dreier Statut kann als Normalstatut aufgefaßt werden. Wir geben Ihnen hiervon unter der Empfehlung Kenntniß, sich wegen Ueberlaffung dieses Statuts an uns zu wenden, wenn die Einsichtnahme für Sie oder ein Mitglied Ihrer Gemeinde wegen eines etwa anzuregenden Meliorations-Projekts von «Antereffe fem sollte. * Dr. Boekmann. Politische liebersteht. Gießen, 24. Mai. Der Kaiser hat sich auch die Pfingstfeiertage über verhältnißmäßig recht wohl gefühlt und besagt dementsprechend das Charlottenburger Bulletin vom Dienstag Vormittag, daß das Befinden des Kaisers in den letzten Tagen erfreuliche Fortschritte gemacht habe. Husten und Auswurf seien mäßig, Fieber sei nicht mehr vorhanden; der Kaiser befinde sich viel im Freien und unternehme täglich Ausfahrten, lieber die Uebersiedelung des Monarchen nach .Schloß Friedrichskron steht jedoch noch immer nichts fest. Nach einer langen schweren Zeit voll Trauer und voll Sorge ist mit der an diesem Donnerstag stattfindenden Vermählung dcS Prinzen Heinrich von Preußen mit der Prinzessin Irene von Hesien wieder ein Fest- und Freudenlag für das deutsche Kaiserhaus wie für die ganze deutsche Nation gekommen. Wohl ist die Erinnerung an den Heimgang Kaisers Wilhelm's noch immer frisch und wohl wohnt noch immer die Sorge um Kaiser Friedrich im Herzen des deutschen Volkes und es verbieten sich hiermit rauschende Freudenkundgebungen zum Vermählungstage des hochfürstlichen Paares von selbst. Aber die anhaltende günstige Wendung im Befinden Kaiser Friedrichs giebt doch den Untergrund für die gehobenere Stimmung, in welcher man am Berliner Hofe das Hochzeitsfest des zweiten Sohnes des Kaiserpaares begeht und die in der Nation ihren Widerhall findet und in dieser wieder hoffnungsfreudigeren Stimmung bringen denn auch Deutschland's Stämme dem jungen Paare ihre innigsten Glücks- und Segenswünsche zu der Vereinigung für's Leben dar. Auf dem Gebiete der inneren Politik herrscht fast vollständige Windstille und alle Anzeichen deuten darauf hin, daß wir wieder vor der allsommerlichen stillen Zeit stehen. Augenblicklich inieressirt nur die Frage nach dem endlichen Geschick des preußischen Dolksschullastengesetzes, besonders in jAnbetracht des hierdurch heroorge- rufenen Gegensatzes zwischen Herrenhaus und Abgeordnetenhaus. Das letztere hat sich an diesem Freitag nochmals mit dem Gesetze zu befassen und ob dasselbe nun endlich perfect wird oder aber nur „schätzbares Material" für die nächste Landtagssession abgeben wird, hängt eben von den bevorstehenden letzten Beschlüssen der Abgeordneten ab und im Interesse der Wichtigkeit des Schullastengesetzes für die Gemeinden in Preußen kann man nur hoffen, daß die Volksvertretung den Anschauungen der ersten Kammer uachgeben und das Scheitern des Gesetzes somit verhindern wird. Nach der definitiven -Erledigung der Schullastenfrage, gleichviel ob im positiven oder negativen Sinne, wirb der Schluß der Landtagssession erfolgen. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich haben durch verschiedene Grenzvorsälle der letzten Zeit, namentlich durch die Mißhandlung deutscher Studenten in Belfort und die Asfaire Littauer, wieder eine leise Verschärfung erfahren. Dieselbe tritt u. A. auch in den Auslassungen der „Nordd. Allg. Ztg." zum „Fall Littauer" hervor, bezüglich dessen das genannte offieiöse Blatt schrieb, daß den sich hierin doeumentirenden französischen Herausforderungen wahrscheinlich deutsche Repressalien folgen werden, man werde jedenfalls in Frankreich nicht das Recht haben, sich hierüber zu wundern, geschweige denn zu beklagen. Nach dieser Andeutung des Berliner Regierungsblattes möchte man beinahe annehmen, daß auch deutscherseits ein schärferer Aufsichtsdienst gegen die aus Frankreich kommenden Reisenden geplant wird, wodurch sich der deutsch-französische Grenzverkehr nur noch unerquicklicher gestalten wird, aber die Verantwortung und Schuld an diesem Zustande der Dinge trägt lediglich Frankreich. Die Psingstfeier ist in der auswärtigen Politik durch keinerlei Ereigniß unterbrochen worden, welches einen Mißklang in die frohe Festesstimmung hätte bringen können. Im Gegentheil, es sind gerade aus den heutigen Pfingsttagen Ereignisse zu verzeichnen, welche nur im harmonischen Einklänge mit dem Friedenscharakter des lieblichen Lenzfestes stehen. Hierzu gehört die am Pfingstsonntag in Barcelona erfolgte feierliche Eröffnung der dortigen Weltausstellung, auf welcher sich die Kulturnationen der Erde wieder einmal im friedlichen Wettstreite auf den Gebieten der Industrie und des gewerblichen Lebens begegnen. Die Regentin, Königin Christina, eröffnete die Ausstellung in Person, worauf der Bürgermeister von Barcelona und der Regierungs- commissar Ansprachen hielten; der Ministerpräsident Sagasta erklärte alsdann die Ausstellung für eröffnet. Die Königin-Regentin unternahm, begleitet von den anläßlich der Eröffnungsfeier in Barcelona weilenden fremden Fürstlichkeiten einen längeren Rundgang durch die Ausstellung, bei welchem das Publikum die hohe Frau mit lebhaften Kundgebungen begrüßte. Am Abend fand ein Banket zu Ehren der in Barcelona anwesenden Fürstlichkeiten statt, welchem außer den letzteren die Botschafter und Gesandten, welche die Regentin von Madrid nach Barcelona begleitet hatten, sowie die Commandeure der im Hafen ankernden Schiffsgeschwader beiwohnten. Ein weiteres bedeutsames Ereigniß aus der heurigen Psingstzeit repräsentirt die Gröffnung der Bahnlinie Belgrad-Saloniki, womit dem Weltverkehr ein ganz neues Gebiet erschlossen wird. Am Pfingstsamstag langte der erste Expreßzug aus Paris in Saloniki an und dieses wichtige Ereigniß ward in der ägäischen Hafenstadt durch ein glänzendes Banket der offictellen Kreise gefeiert. Auf der ganzen Fahrt von Belgrad, resp. Nisch bis Saloniki ward das Pafsiren des ersten Zuges von der Bevölkerung als ein großes Fest begangen, ungeheuere Menschenmassen hatten sich aus jeder Station eingefunden, Militär war in Parade aufgestellt, die Stationsgebäude trugen Flaggen- und Guirlandenschmuck und wiesen deutsche, französische und türkische Willkommen-Inschriften auf. Auch die türkischen Behörden beobachteten überall beim Passiren des Zuges eine freundliche Haltung und all' dies beweist, wie sehr man in der Bevölkerung der von dem neuen Schienenwege berührten Gegenden der Balkan- Halbinsel die folgenschwere Bedeutung der Thatsache zu würdigen weiß, daß nunmehr das dampfende Eisenroß seinen Weg auch bis an die Gestade des Aegäischen Meeres gefunden hat. In der belgischen Depntirtenkammer ist endlich die so lange in der Schwebe gewesene Frage der Maasbefestigungen zum Abschluß gelangt. Mit 61 Stimmen nahm die Kammer am Samstag die Vorlage über die Stärkung der militärischen Ver- theidigungsmittel Belgiens und die Befestigung der Maaslinie an, während sich 16 Deputate der Abstimmung enthielten. Ob freilich die großen finanziellen Opfer, welche sich Belgien durch die Anlage der Maasbefestigungen auferlegt, auch ihren Zweck erfüllen wcköeli, muß noch dahingestellt bleiben, wenigstens haben gewichtige militärische Stimmen die Befestigung der Maas als nutzlos für Belgien bezeichnet, im Falle dasselbe in einen europäischen Krieg verwickelt werden sollte. Feutschlaud. Darmstadt, 19. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Ministerialrath Dr. Dittmar, ferner die Professoren Dr Heß und Dr. Stade als Comit6 des Luther-Festspiels zu Gießen. Darmstadt, 22. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnadigst geruht: Am 9. Mat den Seminarlehrer i. P. Hermann Stromberger zum Lehrer an dem Luvwig-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt zu ernennen; am 17. Mai den Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg Eberhard Weller zum Landgerichtsrath bei diesem Gericht zu ernennen; am 20. Mai den Canzleidiener bei dem Hofmarstallamte Wilhelm Lefz auf fein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner mehr als fünfzigjährigen treu geleisteten Dienste, mit Wirkung vom 1. Juni an, in den Ruhestand zu versetzen. Darmstadt, 19. Mat. Das Amtsblatt des Großh. Ministeriums des Innern Justiz, Sektion für Justizverwaltung, Nr. 11 enthält Ausschreiben d. d. 5. Mai 1888, betr. die Dienstvorschriften für den Oberstaatsanwalt und die Staatsanwaltschaften bei den Landgerichten. Darmstadt, 19. Mai. sMilitärdtenstnachrichten.j Die nachbenannten Offi- ciere und Sanilälsofficiere außer Diensten sind in der Landwehr wieder angestellt und zwar: D ' o i Infanterie 2. Aufgebots: Sec.-L. Dietz, zuletzt von der Inf. des Landw.-Bats. Darmstadt II (Landw.-Bats.-Bez. Gießen); Sec.-Lt. Dieffenbach zuletzt von der Inf. des Landw.-Bats. Gießen (desgl.); Sec.-Lt. Haberkorn, zuletzt von der Inf. desselben Bats. (desgl.); Sec.-Lt. Noack, zuletzt von der Inf. desselben Bats. (desgl ); Sec.-Lt., Kutsch, zuletzt von der Res. des 2. Großh. Hess. Jnf.-Rgts. V6 Sec.-Lt. Wagner, zuletzt von der Inf. des Landw.- Bats. Gießen (Landw.-Bat.-Bez. Worms). . , „ ®ti d'r Kavallerie 2. Angebots: Sec.-Lt. Hoffmann, zuletzt von der Kao. des Landw.-Bats. Gießen (Landw.-Bats.-Bezirk Gießen)^ Sec.-Lt. Gail, zuletzt von der Kao. desselben Bats. (desgl.). Bei den Sanitäts-Officieren 2. Aufgebots: Assist.-Arzt 1. 61. Dr. Stamm, zuletzt von der Landwehr des Landw.-Bats. Gießen (Landw.-Bats.-Bez. Gießen). . ©erlitt, 19. Mai. Se. Majestät der Kaiser nahm gestern Nachmittag den Vortrag des Grafen Herbert Bismarck entgegen und arbeitete mit dem Chef des Mtlitär- cabinets v. Albedyll. ... 7^ 2hre Majestät die Kaiserin Augusta stattete im Laufe des heutigen Vormittags Sr. Maj. dem Kaiser Friedrich einen Besuch ab. , , .77 Der „Post" zufolge haben sich die Anmeldungen zum Beitritte zur Spiritusbank fett gestern bedeutend vermehrt. Seit gestern sind 4 Millionen Liter neu hinzu- gekommen; von den Spritfabrikanten sind bereits 93 Procent beigetreten. Berlin, 19. Mai. Se. Majestät der Kaiser machte Nachmittags um 5 Uhr 20 zVitn. mit der Kaiserin im offenen Wagen eine Ausfahrt in langsamem Tempo nach dem Grünewald. Im zweiten Wagen folgten die Prinzessinnen-Töchter, im dritten Wagen Dr. Mackenzie und General v. Winterfeld. Der Kaiser sah wohl aus und erwiderte freundlich die Grüße des Publikums, welches vielfach Blumenspenden darbrachte. Münster a. St», 22. Mai. Die Feier der Grundsteinlegung zum Huiten- Sickingen-Denkmal auf der Ebernburg vollzog sich unter lebhafter Bethelligung der Bevölkerung des ganzen unteren Nahethales, sowie zahlreicher Fremden. Böllerschüsse begrüßten von der Höhe der Ebernburg den mit Musik von Münster a. St. ausgehenden Zug. Nach einem Chorgesang hielt Herr Kreiäschulinspector Bornemann an Stelle des er- krankten Herrn Landraths Agricola die Begrüßungsrede und wies kurz auf die Bedeutung des heutigen Tages hin. Das Hutten-Sickingen-Standbild sollte sein ein Denkmal deutsch- nationaler Gesinnung, Keinem zum Trutze, errichtet aber allen zum Mahnzeichen, für Deutschlands Freiheit zu kämpfen. Hierauf folgte ein Gesangesvortrag des Kreuznacher vereinigten Männerchors. Professor v. Gneist ergriff hierauf das Wort zur eigentlichen Festrede. In seiner Rede hob er hervor, daß die höhere Macht, welche sich jeft in der geeinten deutschen Nation kundgebe, allen Bekenntnissen die Freiheit des Waltens im kirchlichen Leben gewährleiste. Deutschland sei wieder zum Mittelpunkt des europäischen Con- tinents gemacht, zu einem solchen aber, in welchem die beiden Grundrichtungen der christlichen Kirche sich friedlich vereinigen könnten. Deutschland möge Gott danken, der alles gut gemacht und Deutschland langsam zur Einheit heranreifen ließ, um vorher alle edlen Seiten des nationalen Lebens zn entwickeln. Redner hob sodann die Bedeutung Hutten's als Ritter des freien Geistes hervor. Durch die Verbindung mit Sickingen habe derselbe noch größere Bedeutung erlangt. Beide hätten stetig für die nationale Einigung und politische Freiheit gewirkt. Im Weiteren legte er die Bedeutung der von Hutten und Sickingen ausgehenden Bewegung für den Sieg des freien Gedankens in Deutschland dar. Zum Schlüsse wies Redner auf das Niederwalddenkmal hin. Die „Germania", sagte er, sieht mit majestätisch ruhigem Blick herab auf die einst streitigen Grenzmarken, Frieden verkündend auf den schwer errungenen Boden der religiösen und bürgerlichen Freiheit, für welchen unsere beiden nationalen Helden treu gestritten und gelitten haben. Ihnen wollen wir hier das verdiente Ehrendenkmal setzen. Lauter Beifall wurde dem Redner zu Theil. Darauf folgte wieder ein Chorgesang. Hierauf fand die eigentliche Grundsteinlegung statt. Straßburg, 22. Mai. Eine Ministerialverordnung führt den Paßzwang für alle über die französische Grenze zureisenden Ausländer, Durchreisende wie Aufenthaltsuchende, ein. Vom 31. Mai ab müssen die Pässe die Visa der deutschen Botschaft in Paris tragen. Gewerbe-Legitimations-Scheine ausländischer Handlungsreisenden ersetzen den Paß nicht. (Fr. I.) Starten. Rom, 21. Mai. In der anläßlich der Abschaffung der Sklaverei in Brasilien an den brasiliann'chöu Episkopat gerichteten päpstlichen Encyklia („In plnrimis*) sagt der Papst, wie bereits gemeldet, daß ihm ketns der Geschenke , welche er zu seinem Jubiläum erhalten, angenehmer gewesen sei, als die Abschaffung der Sklaverei in Brasilien, wie er dies bereits im vergangenen Januar dem brasilianischen Gesandten erklärt habe. Der Papst erkennt die in dieser Beziehung von dem Kaiser und Der Regentin an den Tag gelegte Fürlorge an, verbreitet sich sodann über die ganze christliche Lehre von der Sklaverei und der Freiheit, und hebt hervor, wie in Folge der Erbsünde das Menschengeschlecht sich erniedrigte und wie bei allen, selbst den cioilisiriesten Völkern, so bei den Griechen und Römern , es eine Gesetzgebung gegeben habe, kraft bereit ein Theil der Menschheit eine dem Etgenthum und der Laune seiner Herren unterworfene (Lache war. Von den ersten Zeiten seines Bestehens an habe das Ehristenthum die Gleichheit aller Menschen erklärt, indem es gleichzeitig die Unterwerfung predigte, um nicht den allgemeinen Umsturz hervorzurufen. Der Papst erinnerte sodann an Alles, was seine Vorgänger zu Gunsten der Sklaven gethan — von Hadrian I., ber^ ihnen bas Recht verlieh, sich zu verheirathen, Pius II. unb Leo X., welche auf Spanien unb Portugal wegen Abschaffung bes Negerhandels einwirkten, Pius VII., ber ben Wiener Kongreß mit dieser Frage beschäftigte, bis auf Gregor XVI., der die Negerhändler verurtheilte. Der Papst empfiehlt schließlich den brasilianischen Bischöfen, die Regierung des Kaisers zu unterstützen. Bulgarien. Sofia, 20. Mat. Der Cassationshof hat das gegen den Major Popoff gefällte Urtheil beftäNgt. — Prinz Ferdinand von Coburg wird sich demnächst auf einige Tage nach Kasanlik begeben. Türkei. Salonichi, 20. Mai. Gestern Abend langte der erste Expreßzug aus Paris hier an und wurde von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge am Bahnhof empfangen. Abends fand ein großes Bankett statt, welchem die türkischen Groß- wurdeniräger, dre auswärtigen Gesandten und Confuln, die übrigen deutschen und französischen Gäste, sowie zahlreiche fremde Journalisten beiwohnten. Auf Hr ganzen Strecke wurde der Zug festlich empfangen. In ber türkischen Grenzstation Zibeftsche wurde Seitens ber aus Salonichi entgegengefahrenen türkischen Behörben unter Gebet unb feiet lieben (Zeremonien die Einschlagung bes letzten Schienennagels vorgenommen. Die ganze Fahrt von Risch nach Salonichr gewährte überreiche malerische Eindrücke. Auf jeher Station waren aus den umliegenden Ortschaften ungeheure Menschenmassen herbeigeströmt, das Militär war in Parade ausgestellt, die Stationsgebäude mit Guirlanden und Fahnen geschmückt und mit deutschen, türkischen und französischen Willkommens-Inschriften versehen. Die türkischen Behörden beobachteten überall eine freundliche Haltung. Amerika. New-Aork, 21. Mai. Die bei Quincy (Illinois) ausgetretenen Gewässer des Mississippi sind zwar in langsamem Fallen, noch aber sind 250.000 Hektare Landes 2—3 Meter hoch vom Wasser bedeckt. Die Bewohner sind nach ben in ber Nähe befindlichen Hügeln geflüchtet und kampiren auf den Dächern ihrer unter Wasser stehenden Häuser, viele von ihnen sind erkrankt. Die Eisenbahnverbindung von Quincy mit dem Nord- weften und Süden ist vollständig unterbrochen. Der durch die Ueberschwemmung in Quincy und dessen Nachbarschaft angerichtete Schaden wird auf 2—i Millionen Dollars geschätzt. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Korrespondenz-Bureau. Berlin, 22. Mai. Der Kaiser hatte eine gute Nacht und stand in heiterer Stimmung auf. Seit IOV2 Uhr befindet er sich im Park, wo er nach einem Vortrag v. Albedyll's im Ponywagen eine Spazierfahrt unternahm. — Der Kronprinz, welcher sich gestern früh mit dem Dampfer „Alexandria" von Potsbam nach Spanbau und von da zu Wagen nach Charlottenburg begeben unb das Kaiserpaar besucht hatte, war von dort mit dem Prinzen Heinrich unb ber Erbprinzessinn von Meiningen nach Potsbam zurückgekehrt. Dort dinirte er mit ber Kronprinzessin bei bem Kammerherrn von Mirbach unb kehrte mit seiner Gemahlin gestern Abenb nach Berlin zurück, wo er ben Thee bei ber Kaiserin Augusta einnahm. Berlin, 22. Mai. Bulletin von 9 Uhr Morgens. Das Befinben des Kaisers hat in den letzten Tagen erfreuliche Fortschritte gemacht. Husten unb Auswurf sind mäßig, Fieber nicht vorhanden. Der Kaiser bewegt sich viel im Freien und macht tagtäglich Ausfahrten. Berlin, 22. Mai. Die Ankunst der Prinzessin Irene in Charlottenburg erfolgt morgen Abend um 83/4 Ubr. Die Kaiserin Victoria, das kronprinzlicke Paar, Prinz Heinrich und die Prmzessinnentöchter empfangen dieselbe am Bahnhofe, die übrigen Mitglieder des königlichen Hauses im blauen Sale des Schlosses. Am Bahnhofe sind der Oberstallmeifter, der Gouverneur, der Kommandant und die Polizeipräsidenten von Berlin und Charlottenburg, in dem neuen Flügel des Chärlottenburger Schlosses sind die Obersten und alle übrigen Hofchargen, die Generaladjutanten, der geheime Kabinetsrath des Kaisers, von Wilmowski, zum Empfang anwesend. Die Trauung findet Donnerstag um zwölf Uhr in der Schloßkapelle zu Charlottenburg statt. — Der Reichsanzeiger publicitt die Ernennung v. Bülow's, bes ersten Botschasts- secretärs in Petersburg, zum Gesandten in Bukarest. Mailand, 22. Mai. Der Kaiser von Brasilien hatte neuerdings einen heftigen Gehirnschlag unb würbe beshalb mit ben Sterbesakramenten versehen; eine Stunde später schien der Zustand indessen wieder etwas besser. Darmstadt, 23. Mai. sPrtvatdepesche.j Se. Kgl. Hoheit der Großherzog ist Mit Prinzessin Irene, dem Erbgroßherzog, sowie den Prinzessinnen Victoria und Alix nach Charlottenburg abgereist. Am Bahnhofe sand osficieller Abschied statt, die Bevölkerung war zahlreich anwesend und brachte lebhafte Ovationen dar; die Braut erhielt- reiche Blumenspenden. Berlin, 23. Mai. sPrioatdepesche.) Se. Majestät der Kaiser hatte eine recht befriedigende Nacht, ist um 9V2 Uhr aufgestanden und verweilt seit 10»A Uhr im Park. Lokales. Gießen, 23. Mai. Anläßlich der Durchreise Ihrer Großh. Hoheit der Prinzessin Irene von Hessen nebst der gelammten Großherzoglichen Familie war der. hiesige Bahnhof aufs Prachtvollste mit Blumen, Gewächsen und Fahnen geschmückt Der Perronraum vor dem Fürstenzimmer war mit Teppichen belegt und die Wände mit dem Monogramm des hohen Brautpaares geziert. Kurz vor Voll Uhr fuhr der Großherzogliche Hofzug mit festlich geschmückter Lokomotive in den Bahnhof ein, von der hier ausgestellten Regimentsmusik mit „Heil Dir im Siegerkranz" und von der dichtgedrängten Menschenmenge mit brausenden Hochrufen begrüßt. 8um Empfange der Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften hatten sich die Spitzen der Cioil- behorden (die Stadt Gießen vertreten durch Herrn Bürgermeister Bramm, und die Herren Beigeordneten Keller und Gnauth), sowie das >gesummte Offizierkorps, Vertreter der Universität rc. eingefunden, um, an der Grenze des engeren Vaterlandes die Prinzessin Irene zu begrüßen. Namens der Stadt überreichte eine Damen- deputation der hohen Braut einen prachtvollen Blumenstrauß. Nach knapp 10 Minuten Aufenthalt verließ der Hofzug die Station wieder; Prinzessin Irene, in cremefarbenem Kleide und hellem Hut, grüßte vom offenen Wagenfenster aus die ihr nochmals zujubelnde Menge, während die Musik nach der Melodie „Ich bin ein Preuße rc." der scheidenden Prinzessin den letzten musikalischen Gruß widmete. Im Gefolge Der Großherzoglichen Familie befanden sich die Hofdame Freiiir v. Grancy und Miß Jackson, Oberstkammerherr v. Grolman, Generaladjutant Generallieutenant v. Westerweller, Oberstallmeister Freiherr v. Nordeck zur Rabenau, Hcf- jägermeister v. Werner, Die Flügeladjutanten Oberstlieutenant Wernher und Hauptmann v. Grancy, sowie Oberkonsistorialrath Superintendent Dr. Sell. In Marburg kommen Den Herrschaften Schloßhauptmann Graf v. Perponch.-r, Hosceremonienmeister Graf Vitzthum, Kammerherr Graf v. Lüttichau und das zukünftige Gefolge Ihrer Großherzoglichen Hoheit der Prinzessin Irene entgegen. Die Spitzen der Civtl- und Militärbehörden sind zum Empfang auf dem Bahnhof anwesend. Se. Königliche Hoheit der Groß Herzog sowie Ihre Großherzoglichen Hoheiten die Prinzessinnen Victoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, Irene und Alix werden im Schlöffe zu Charlottenburg, Se. Königliche Hoheit der Erbgroßherzog im Kronprinzlicken Palais zu Berlin Wohnung nehmen. Am Donnerstag Abend 10 Uhr werden die Allerhöchsten Herrschaften die Rückreise von Berlin nach Darmstadt antreten, weil Ihre Kaiserlichen Hoheiten ber Großfürst und die Großfürstin Sergius von Rußland, Höchslwelcke mit den Herrschaften reifen werden, nur einen kurzen Aufenthalt in Darmstadt nehmen können. Vermischtes. △ Mainz, 21. Mai. Gegen die von bem Polizeiamt auf Grunb bes Socialisten- gesetzes am verflossenen Donnerstag erfolgte Auflösung einer Versammlung der strikenben Maurer ist von ben Einderufern ber beregten Versammlung bas Rechtsmittel ber Beschwerbe ergriffen worben. Tas Gleiche ist gegen bas vorherige Verbot ber für ben Freitag anbcraumt gewesenen Versammlung geschehen. — Eine aus Den Herren Oberbürgermeister Dr. Oechsner unb Beigeorbneten Comrnerzienrath Reinach unb Dr. Gaßner bestehende Deputation begab sich am 20. Mai nach Darmstadt, um bem Großherzog aus Anlaß ber Vermählung ber Prinzessin Irene mit bem Prinzen Heinrich von Preußen Namens ber Stabt Mainz eine Glückwunsch- Abresse zu überreichen. Die Abresse ist in künstlerischer Ausführung burch bie Kunstanstalt von Cl. Kissel hergestellt worben. — Die Zahl ber Rheinfahrer unb Ausflügler war an ben heurigen Pfingsttagen aus hiesiger Gegend eine außerorbentlich große. Die beiderseitigen Bahnen wie auch bie Schiffe brachten von ben frühesten Morgenstunden an große Schaaren Pfingst- ausflügler hierher, bie sich von hier aus bem Strom ber Mainzer Ausflügler anschloffen unb theils ben Rhein herunter, theils in bie sonstigen Ausflugsorte der Umgegend ihre Schritte lenkten. Der Niederwald bildete natürlich ein Hauptreiseziel. Ein Verein von Speyer hat die verhältnißmäßig weite Reise von horten nach dem Niederwald in einem eigens gemieteten Dampfer gemacht. Bei dieser Gelegenheit sei auch ein mit ben Pfingsttagen ins Leben getretenes neues Communieationsmittel erwähnt, das manchem Rheinreisenden sehr willkommen sein dürste. Mit Rücksicht darauf, daß die Köln-Düsseldorfer Dampfer in ihrer Fahrtour Atzmannshausen nicht kennen, hat bie rührige Firma Disch hier mit ihren halbgroßen Salonbooten einen Fahrtdienst mit bem Halten an ben Zwischenstationen bes Rheingaues nach borten eingerichtet. A Vom Rhein, 21. Mai. Vor ben Feiertagen ist ben Betriebsämtern ver- schiebener Eisenbahnstrecken höheren Orts hie Weisung zugegangen, häufigere Revisionen der Eisenbahnzüge vornehmen zu lassen. Zweck dieser Verordnung ist, „blinde Passagiere", etwaige Durchsteckereien unter dem reifenden Publikum und bem Fahrpersonal, sowie ben Hanbel mit nicht benutzten Retourbillets zu ermitteln. Auf verschiedenen Bahnlinien haben bereits derartige unerwartete Zugrevisionen ftattgefunden; dieselben werden durch Beamte eines anderen Betriebsamtes ausgeführt, damit der Controlbcamte nicht sofort vom Fahrpersonal erkannt werden soll. — Frankfurt, 19. Mai. Gestern Abend 8 Uhr wurde auf bem Affensteiner- weg ein Mordversuch unb Selbstmorb verübt. Der Uhrmacher Leppert soll von bem Heizer Ruprecht mit ben Worten angerempelt worben fein : Du Lump, gib mir mein Geld wieder, du hast mir meine Uhr verdorben, worauf Leppert erwidert habe: hier hast Du's, einen Revolver zog unb auf Ruprecht 2 Schüsse abfeuerte, von welchen ber eine bie rechte obere Brust, der zweite Ruprecht's Hand traf. Noch diesem Heldenstück lief Leppert nach seiner unweit gelegenen Wohnung und tödtete sich dort durch einen Schuß in's Herz. Der schwer verwundete Ruprecht wurde in'§- Heiliggeist-Hospital gebracht. Wie man hört soll weniger die Reparatur einer Uhr als Eifersucht bei her That im Spiel gewesen fein. — In Sachsenhausen wurde gestern die Leiche eines jungen Mannes gelänbet, der wahrscheinlich beim Baden ertrunken ist. Es ist das erste Opfer, welches der Main in diesem Sommer fordert. — Nächst bem Forsthaus würbe gestern Nachmittag ein 11 jähriger Knabe von einem Fuhrwerk übtrfahren. Der Lenker des Gespanns fuhr getrost weiter und ließ das schwerverletzte Kind liegen. Mehrere Stunden später sand ein anderer Fuhrmann den besinnungslos daliegenden Knaben und brachte ihn in bie Dr. Bockenbeimer'sche Klinik. Vor her Polizeibehörde soll ber erste Fuhrmann sein herzloses Benehmen hamit entschuldigt haben, daß er Verletzte nicht anfassen könne. Diese Weichherzigkeit läßt sich nur schwer mit seinem Thun in Einklang bringen, benn er hätte hoch ohne Zweifel anbern Personen, bie minder empfindlich waren, von dem Unglücksfall Kennt- nitz geben können, damit das arme Kind, welchem das Fuhrwerk oberhalb ber Knöchel über bie Beine ging, nicht ftunbenlang ohne Hülfe balag. Innsbruck, 19. Mai. Gestern am Vormittag entstand in dem zwischen Jenbach und bem Schlosse Tratzberg gelegenen Walde, welcher der Gemeinde Jenbach gehört, ein heftiges Feuer, das, Da ein starker Südwind wehte, große Dimensionen annahm. Es waren außer den Bewohnern der Umgegend 100 Landesfchützen und 200 Soldaten mit der Bekämpfung und Eindämpfung des Feuers beschäftigt. Der Statthalter und der Forstinspektor waren auf bem Brandplatze erschienen. Falls die heute eingetretene günstigere Richtung des Windes anhält, ist keine unmittelbare Gefahr für die Ortschaft Jenbach und Schloß Tratzberg zu fürchten. Innsbruck, 21. Mai. Nachdem ber Walbbranb in ber Richtung gegen Jenbach bereits gestern früh abgenommen hatte, wodurch Jenbach außer Gefahr kam, breitete sich das Feuer in sehr gefahrdrohender Weise gegen Schloß Tratzberg aus. Mittags ließ jedoch der Brand auf allen Punkten nach: dazu trat Abends Regen ein, so daß auch Schloß Tratzberg als gerettet angesehen werden kann. Die Landesschützen. und das Militär sind theils gestern, theils heute wieder abgerückt. Srantfurt a.M. 22. Mai. Innerhalb der Mauern unserer Stadt tagt augen- ‘<1? cr StC6 ve Va8- Derselbe ist auherordentlich zahlreich belucht; man fjott die Zahl der Th-ilnehmcr des letzt aus 1200. Gestern Abend sand im Zoologischen Garten die Borversammlung statt. In derselben wurde ein- Kommission zur Prüfung der Mandate und der Sitzungsvorstand erwählt, ferner die Tagesordnung für die beiden Hauptversammlungen festgestellt. Für die letzteren waren fünf Borträqe angemeldet davon wurden für heute bestimmt: 0 „Der deutsche Lehrertag", Reserent: Herr BackeS^Darm- 2) Die allgemeine Volksschule", Referent: Herr H. Kohnke-Hamburg: 3) „Roth- Wendigkeit einer entschiedenen und allgemeinen Vereinfachung unserer Rechtschreibung": Re- ferent: Herr Dr A Sulzbach-Frankfurt a. M.; für morgen: 1) „Die »eauf. ^ttfiung, ber «itfen , Reftrent: Herr Siegert-Berlin; 2) „Der Unterricht in Gesetzeskunde und Volkswirthschaftslehre m der Schule", Referent: Herr Pache-Leivziq. Die end. gültige Festsetzung der ^agesordnung und Wahl des Sitzungsvorstandes erfolgte in der Heuligen Hauptversammlung. Die gestrigen Wahlen und Bestimmungen wurden bestätigt. Heute Vormittag 10 Uhr eröffnete Herr Tiersch-Berlin die Hauptversammlung, mdem er auf die ernste Arbeit hlnwies, welche der deutschen Lehrer hier harre. Er schloß seine kurze Ansprache mit einem Hoch auf Kaiser Friedrich, das Muster treuer Pflichterfüllung. Die Versammlung beauftragte den Vorstand an Se. Majestät folgendes Begrüßungs- ^legramm abzusenden: „Die m zahlreicher Versammlung zum VII. deutschen Lehrertag zu Frankfurt a. M. vereinigten deutschen Lehrer aus allen deutschen Gauen ,des Vaterlandes bringen ihrem vielgeliebten, allverehrten Kaiser Friedrich unter den Klängen der Nationalhymne dreifaches begeistertes Hoch, und verbinden damit die unterthänigste Versicherung unverbrüchlichster Treue, tieffter Verehrung und Hingebung der deutschen Lehrerschaft und die heißesten Gluck- und Segnungswünsche für das Wohl Ew. Kaiserlichen Majestät und des^gefammten Kaiserlichen Hauses." Sodann begrüßte Herr Regierungs- und Schulrath ö'^lcren9^;e^at>en die hier versammelten deutschen Lehrer Namens des Ministeriums und oer flonigncgen Regierung, Herr Oberbürgermeister Dr. Miquel Namens der Stadt Un7 $err Harnischfeger- Frankfurt im Namen und Auftrage des Orts- Ausfchustes, sowie der Frankfurter Lehrerschaft. Nachdem der Vorsitzende, Herr Tiersch, den Rednern für ihre freundlichen Wünsche den herzlichen Dank gesagt hatte, ertheilte er Jperrn Backes aus Darmstadt das Wort zu seinem oben erwähnten Vortrag, welcher ein historischer Rückblick auf die Entwickelung des deutschen Lehrertages genannt werden darf. Das größte und allgemeinste Interesse erweckte das zweite Thema, welches wie angegeben, Herr G. Köhnke aus Hamburg behandelte. Redner zeigte an der Hand von Beispielen wie auf der einen Seite ein schwachbegabter Schüler sich durch viele Klassen höherer Lehranstalten schleppe, weil sein Vater Geld habe und darum eine bessere Bildung nicht mangeln dürfe, auf der andern Seite hingegen ein talentvoller Knabe verkümmern müsse, infolge der elterlichen Verhältnisse. Er faßte seine Ausführungen in folgende Thesen zusammen: ,,I) Jedes Kind hat ein Recht auf den seinen Neigungen und Fähigkeiten entsprechenden Bildungsgrad." »2) „Die allgemeine Volksschule", eine einheitliche Gliederung aller öflentlichen Unterrichtsanstalten, ist allein im Stande dieses Recht zu verwirklichen." Obwohl die „allgemeine Volksschule" von allen Rednern lebhaft befürwortet wurde, bekämpfte doch die Mehrzahl derselben die Kvhnke'fchen Thesen mit großer Entschiedenheit, so z. B. Tews-Berlin, Stolley-Kiel, An Hel-Frankfurt u. a. m. Dafür trat nur ein Redner em, nämlich Herr Lehrer Möller aus Hamburg. Nach langer und eingehender Diseussion wurde, nachdem die beiden Thesen des Referenten verworfen worden, ein Antrag des Herrn Riß mann-Berlin angenommen, welcher lautet: „Der 7. deutsche Lehrertag erhebt von Neuem die Forderung, die allgemeine Volksschule, und erachtet als die ersten Schritte zur Durchführung derselben für notwendig 1) die Aushebung d;s an vielen Orten bestehenden Unterschiedes zwischen einer sogen, „gehobenen Volksschule" oder „Bürgerschule" und der gewöhnlichen Volksschule, durch welche Unterschiede dieser letzteren der Charakter einer Armenschule aufgedrückt wird, 2) die Aufhebung der Vorschulklassen mittlerer und höherer Lehranstalten und Einrichtung allgemeiner Elementarschulen für das ge- sammte Schulwesen, 3) die Aufhebung des Schulgeldes zunächst an allen Volksschulen." Der dritte Vortrag, welcher für heute auf der Tagesordnung stand, fand nach der voraufgegangenen langen und lebhaften Debatte nur wenig aufmerksame Zuhörer, obwohl an Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. Luft 15, Wasser 14 Gr. Gießen, den 23. Mai 1888. Rübsamen. GchtssSnachrächten. r, Bremen, 22. Mai. sPer transatlantischen TelegraphZ Der Schnelldampfer Fulda, Capt. N. Rrngk, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 12. Mai von Bremen und am 13. Mai von Southampton abgegangen war ist gestern 12 Uhr Mittags wohlbehalten in Newyork angekommen. 9 9 ' 1 Bremen, 22 Mai Wer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer America, Capt. H. Hetneke, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 7. Mat von Bremen abgegangen war, ist am 20. Mat wohlbehalten in Baltimore Handel Brsketzr. ,a „ ®r nnnz?1*6/ £19- Mai. lFruchtpreise.) Weizen A 19.10, Korn A 000 \ ^crfie 00 00 Hafer 14.40, Erbsen A 00.00, Linsen A 00.00, Lein A 000.0, Samen A 00.00, Kartoffeln A 0.00, Wicken 00.00. I £r°6em ""gemeinem Interesse war. Herr Dr. Sulzbach-Frankfurt faßte sich an- ^i rroarrV Hlrei^n Beispfil-n den f. Zk herrschenden in folgenden Anträgen^ '^chifchreibung nnd gab feinen Ausführungen kurzen Ausdruck Rechtschreibung bedarf im nationalen Interesse einer einheitlichen einfachung anb unb tm pädagogischen einer durchgreifenden Der- 2) Eine Regelung der deutschen Rechtschreibung kann nur mit Unterstützung der Regierungen ms Werk gesetzt werden. In jedem deutschen Staat, der im Besitz amtlichen Orthographie ist, sollte von der Regierung eine Commission kUtCn b-rufen werden, um zu berathen, was im Interesse einer einheit- Vs . uud vereinfachten Orthographie aufzugeben oder aufzunehmen sei. Die Re ultate der Einzelcommiisionen wären dann von einer Centralcommission, in roekfjer die Emzelcommissionen durch Abgeordnete vertreten sein müßten zu be- rat^cn' be? ban” bte lchließUche Festsetzung der Rechtschreibung obläge. ' ’ These wurde angenommen, die zweite hingegen nach längerer Discussion blMerrfn Flsch e-Hamburg, Ries-Frankfurt, Schoer-Berlin, frelmfe ' PrSAtun 9 "'?bthnligten, abgelehnt. Desgleichen wurden alle Thesen, welche' auf die Scbroer ' beut,$en Akademie hinausliefen, abgelehnt, dagegen ein Antrag des Herrn Schroer-Berlm angenommen, welcher die deutsche Lehrerschaft mit dec weiteren Versolauna nn h^f^rß96 ^?U rr?9t-rot5er roiU-— $ie eFfte Hauptversammlung schloß kurz nach 3 Uhr9 400bÄbe ret^? ^bstbankett im Palmengarten an. An letzterem nahmen gegen au? XiJ? erl-!n Toast brachte Herr Regierungs- und Schulrath v. Fischen auf Kaiser Friedrich, den zweiten Herr Harnischfeger auf das deutsche Vaterland, den dritten Herr Rector Herb er' Frankfurt auf die obere Schulbehörde, den vierten Herr Ober- burgermelster Dr. Miquel in zündender, wirkungsvoller Rede auf die deutsche Lehrerschaft aus. Alle diese Hochs fanden begeisterte Ausnahme. Wettere Hochs galten den deutschen Söhnen und Töchtern, der Stadt Frankfurt $C%DJ^ iqUe ' ?en Aschen Frauen u. s. w. Das Festmahl rief allerseits die ani- Mlrteste Stimmung hervor und verlief in schönster Weise. Das Menu (3 A pro Couverts war übrigens ganz dazu angethan, die Lebensgeister zu wecken, denn es gab für den ae- F°'scnd°s: 1) Wildfuppe, 2) Turboi mit Kartoffeln und Same 3) Roastbeef mit Maccarom, 4) Spargel mit Schinken und Zunge, 5) französisches Ge- Pugel mit Salat und Obst, 6) Eisdiplomat und 7) Nachtisch. Das ist doch wahrhaftig 3tUeS/ was man für 3 verlangen iann: Gegen 6 Uhr Abends ging di- zahlreiche ver- gnugtc Berfaimnlung langsam auseinander, um sich zum Opernhaus zu begeben woselbst heute Abend Festvorstellung stattfindet. Ein gemüthliches Zusammensein beim Bier wird den heutigen Tag beschließen. Morgen wird die ernste Arbeit wieder ausgenommen Allgemeiner Anzeiger. Lieferungs-Verdingung. Die Lieferung von 1335 Ctr. An- thracit-, 285 Ctr. Nuß- und 967 Ctr. melirte Kohlen, sowie 892 Ctr. Braunkohlen, soll aus dem Wege öffentlicher Verdingung vergeben werden und sind Angebote bis Montag, den 4. Juni 1889, Vorw. 10 Uhr, zu welchem Zeitpunkte die Eröffnung der Angebote stattfindet, verschlossen unter der Aufschrift „Angebote für Brennmaterialien" bei der unterzeichneten Behörde einzureichen. Die Lieferungsbedingungen können auf unserer Schreibstube eingesehen oder gegen Erstattung der Abschrifts^ gebühren bezogen werden. Gießen, den 17. Mai 1888. Grobherzogliche Akadem. Administrations-Commission. In Vertretung des Kanzlers: ___________vr. Heß. 4320 Freitag, den 2S l. M., Nachmittags 5 Uhr, sollen in dem Gemeindehause zu Wieseck nachbenannte Arbeiten und Lieferungen öffentlich in den Accord gegeben werden: veranschlagt zu ! Steinbrechen.....48 «M. | Steinfahren.....90 „ \ Liefern von Decksteinen. . 260 „ ! Steinsetzen......20 „ ! Liefern von Wandsteinen . 60 „ - Chaussirarbeiten .... HO „ ; Pflasterarbeiten .... 870 „ - Gießen, am 19. Mai 1888. Senßfelder, 4287 Bez.-Bauausseher. Dickmilch Z bei Milchhändler Roth, Löwengasse. • Arbkilsvkrgkbung. Donnerstag, den 24. l. Mittags 1 Uhr, sollen in der Gemeinde ’ Mainzlar Pflasterarbeiten, veranschlagt i zu 234 öffentlich in den Accord j gegeben werben. Gießen, am 19. Mai 1888. Senßfelder, 4286 Be^.-Bauaufseher. Montag den 4. und Dienstag den 5. Juni, von Nachmittags 2 Uhr an, wird der Nachlaß des Herrn Theodor Wortmann, Bleichstratze 12, im Hause des Herrn Kohlermann ' meistbietend versteigert. Es kommen j besonders zum Ausgebot r 1 schöner i Decretör, Kommode, Tische, Stühle, vollständige Betten mit Sprungfeder- u. Roßhaarmatratzen, Nachttische, Kletderschrünke, Stehpult, Ofenschirm, 3thetl. Brandkiste, Weißzeug, Gartrntisch, -Stühle und -Gerüthe, Schnitzvank, Werkzeuge, Grabenseil u. Bohrer, niedrere Flaschen alter jNordyüuser Korn- - vranntwein, Landwirttzschaftliche i Zeitung von Beginn an, gute ; Bilder, darunter: The Engagement * & the Departure from Brighton, daö heil. ' Avendmahl nach L. da Vinei, Thier- ■ stücke, «sewehre, eine Parthte «leider i u. Stiefel; ferner Silber-G egen- i stände, wie Borleg-, Etz- u. Kaffeelöffel, Tortenschaufel rc. re., 1 gold. Uhr mit Kette, Siegelringe, 2 schöne filv. Becher, 1 Bronze-Standuhr mit zwei Kandelabern (Kunstwerk), feines Porzellan und (Stüser, Hausund Küchengeröthe. Im »Auftrag r Louis Rothenberger, Taxator. v-ME" Schriftl. »Aufträge nimmt der Unterzeichnete entgegen. 4351 Bekanntmachung. Das Gras von einem Theil der städtischen Wiesen im Altentisch, und zwar von den Stücken Nr. 12, 13, 14, 15 und 16, welch s schon jetzt geerntet werden kann, soll SamStag dsn 26. d. Mts., Nachmittags 5 Uhr, an Ort und Stelle versteigert werden. Gießen, den 23. Mai 1888. Großh. Bürgermeisterei Gießen. ________A. Bramm._____4326 Hotzgeld Erhebung. Montag, den 28. d. M., von Vormittags 9 bis Nachmittags 2 Uhr, soll die letzte auswärtige Erhebung von Freiherrlich von Nabenau- schen Holzgeldern in der Wirthschast des Herrn Kaspar Ranft zu Beuern stattfinden. Londorf, d-n 22. Mai 1888. Der Rentmeister: 4319 Schmidt. Ieilgevotenes. Gebrauchter Rollwagen, Leiterwagen und ein Halbverdeck werden preiswerth abgegeben. Wo? sagt die Cxp. d. Bl. ______^317 Eine fast neue Dreschmaschine mit Schüttelwerk billig zu verkaufen bei Carl Sedneider, Schlossermeister in Steinbach. [4338 2585 i Mr Maschmkntechniker. j Eine Anzahl Bücher für Maschinen- technikkr, darunter „der practische Maschinenconftructeur" d. Uhland, , sind preiswürdig zu verkaufen. i Näh. in der Exped- d. Bl 4134 L> ju *6. . * bedeutet Schnellzug, die fetten Ziffern die Nachtstunden von Abends 6 bis Morgens 5S9. von Marmor, Granit, Syenit und Sandstein in reicher Auswahl. Fr. Hewel, f | Giessen, Grünbergerstrasse r—...... '> Nidda, am Friedhof. 25-/5. 7 Idir. Bef. III Gr. 4356 Telegraphischer Eoursbericht der Berliner Börse vom 23. Mai 1888. Oefterr. Creditactien Oefterr. Staatsbabn-Actien 1880 40/0 Russen Obltg. 40/0 untf. Egypter Oblig. 139.20 94.00 78 50 80 80 DtSconto-Com-Antheile Lombarden 4% Ungar. Goldrente 5% Gemischte Russen 191.50 35.25 77.60 91.40 Tendenz: abgeschwächt. A. Scheyda. — Druck und Verlag her Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Dir heutige Nummer euthält 2 Glätter und 1 Beilage.