Nr. 223 Drittes Blatt. Sonntag den 23. September 1888. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Vrrreau: Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst Der Nutzen der Stenographie für die Krauen. „Die Stenographie soll Gemeingut aller Gebildeten werden." Gab elsberger. Man hält die Stenographie leider noch immer in manchen Kreisen für eine Schrift, welche nur da sei, um mit ihr Reden nachschreiben zu können, für eine Fertigkeit, welche nur dem Berufsstenographen nützlich sei. Das ist aber gerade so unrichtig, als wenn man annimmt, Turnen und Gymnastik seien nur dazu vorhanden, um Athleten zu bilden. So bescheiden uns auch die stenographische Kunst in der unermeßlichen Fülle menschlichen Wissens und Könnens erscheint: ohne sie würde unser ganzes Culturleben doch eine Lücke aufweisen, die vielfach schmerzlich empfunden werden müßte. Von dem Erfinder ursprünglich allerdings nur zur Ausnahme von Landtagsverhandlungen bestimmt, hat sie sich in wenigen Jahrzehnten zu einer Bedeutung emporgeschwungen, die nur Kenntntßlosigkeit oder Widerwilligkeit nicht anzuerkennen vermochte. Die Stenographie ist ein neuer Gegenstand des Lehrens und Lernens geworden und sie wird in großen wie in kleinen Kreisen gelehrt und gelernt. Sie ist ein neues Bilde- und darum auch Bindemittel für die Menschen der verschiedensten Berufs- und Lebensstellungen, zwischen Jung und Alt, zwischen Mann und Weib geworden. Es bietet sich in ihr eine neue Begriffs- und Gedankenwelt dar, indem sich zu den bereits vorhandenen Wissensgegenständen ein neuer und zu den vorhandenen Kunstfertigkeiten eine neue gesellt. Die Stenographie öffnet dem, der sich mit ihr befreundet, ein neues Feld, auf welchem überlegt, gedacht, gestaltet wird; sie macht nach einer neuen Seite hin den Kopf klar und frei und bietet der Hand eine neue Formenwelt bar zur Aneignung und Weiterbildung. Die Erlernung und Handhabung der Stenographie ist also in ganz vorzüglicher Weise geeignet, die geistigen Kräfte des Menschen zu üben und zu bilden und zwar nicht blos Gedächtniß und Einbildungskraft, so thätig auch letztere bei der Schnelligkeit der Wortbilderzeugung ist, sondern ganz besonders auch die höheren Seelenvermögen. Sie ist nicht ein Konglomerat von willkürlichen Formen. sondern ein Bau von Regeln, aus welchen die Formen resultiren, sie ist ein System, ein wissenschaftliches Gebäude, das durchschaut und geistig verarbeitet werden muß. Ihre Formen sind Jedem verständlich, der die Stenographie gründlich erlernt und erfaßt hat, diese Formen mögen aus einer Zeit und von einer Hand her rühren, welche es auch sei. Die Stenographie bildet also ein wesentliches geistiges Bildungsmittel und von diesem Standpunkt aus betrachtet sollten auch die Frauen nicht versäumen, sich die Kunst der Stenographie anzueignen. Aber auch vom praktischen Gesichtspunkt aus ist für das weibliche Geschlecht das Studium der Stenographie sehr zu empfehlen, da auch sie zahlreiche L-chreidgeschäfte zu verrichten haben. In jeder Familie sollte der Brauch bestehen, ein Haushaltungsbuch zu führen, aber bei unserer gewöhnlichen Schrist werden gewiß sehr viele Frauen davor zurückschrecken, so sehr diese Einrichtung auch im Interesse eines geordneten Haushaltes liegt. Durch Anwendung der Stenographie ist diese Arbeit im sechsten Theil der gewöhnlichen Zett leicht zu erledigen. Die Correspondenz würde sich auch sehr vereinfachen lassen und billiger gestalten, denn das Porto wird für den Stenographen fast auf die Hälfte herabgesetzt, ihm genügt der Raum einer Postkarte für Mitteilungen, zu denen er mit der „Philisterschrift" IVs Bogen bedarf, außerdem hat man nicht zu befürchten, daß der Inhalt derselben von neugierigen Dienstboten gelesen wird. Durch Die Stenographie eröffnet sich aber auch den Frauen ein ganz neuer Beruf, ihnen wird nicht nur ein neues, sondern auch ein aussichtsreiches Feld für ihre Erwerbsthätigkeit eröffnet. Schon jetzt haben einige Damenseminare die Stenographie unter ihre Lehrgegenstände aufgenommen, die Nachfrage nach Lehrerinnen der Stenographie wird also nicht lange auf sich warten lassen. Die Frauen besitzen bekanntlich eine leichte Hand und int Allgemeinen eine deutliche Handschrift. Deshalb eignet sich ihre Hand ganz besonders zum Steno- graphiren und wir glauben sicherlich, daß es viel besser sein würde, die freie Zeit statt mit Tändeleien auszufüllen, zur Erlernung einer fo interessanten Kunst, wie die Stenographie, sei es auch nur des Lesens halber anzuwenden. Ganz leicht ist diese Kurzschrift freilich nicht, man lernt sie nicht ohne Arbeit, aber welche Fertigkeit eignet man sich denn ohne Mühe an ? Jedoch ein Studium von 3 Monaten (wöchentlich 2 Stunden) ermöglicht schon einem mäßig schnellen Dictat zu folgen. Die Stenographie ist im Gegensatz zu der Ansicht derer, welche nichts von ihr verstehen, wie wir gesehen haben, so ungemein bildend und zum Nachdenken anregend, daß das tkferc Eindringen in dieselbe eine Quelle der Freude und des Genusses ist. Wie jetzt Zeit und Sitte den Frauen Pflege der Wissenschaft und der allgemeinen Bildung nicht mehr verweigert, so ist auch die Frau neben dem Manne zur Erlernung der Stenographie berufen. Jene „gute, alte Zeit", von welcher nur noch jene Leute, deren am Alten klebender Sinn sich gegen alles Bequeme sträubt, zu reden wissen, jene Zeit, die selbst die Schreibtüchtigkeit der Frauen nicht bloß für unnütz, sondern auch für schädlich ansah, liegt weit hinter uns. Wir leben der Gegenwart und diese hat Recht, wenn sie in ihren Anforderungen auf Führung der Feder keinen Unterschied mehr zwischen den Geschlechtern macht, wenn sie auch verlangt, daß die Frauen sich die Kunst der Stenographie aneignen sollen. Ed. Pfaff. Lokales. Gietze«, 22. September. sSitzung der Stadtverordneten vom 20. September.) Anwesend: Herr Oberbürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten G n a u t h und Keller, Seitens der Stadtverordneten die Herren Bai ft, Georgi, Dr. Gutfleisch, Hornberger, Jughardt, Ad. Noll, Aug. Noll, Scheel, Schopbach, Simon, Vogt und Wallenfels. Vor Eintritt in die Tagesordnung theilt der Herr Vorsitzende mit, daß Herr Stadtverordneter Kauf infolge feiner Ue6etfiebelung nach Hamburg sein Mandat niedergelegt habe. Es wird hierauf beschlossen, diejenigen Herren, welche Herrn Kauf in den verschiedenen Deputationen seither provisorisch vertreten, nunmehr definitiv in denselben zu belassen. — Die Gesuche des Herrn Aug. Albold (im früheren Weinsaal in der Bahnhofstraße), Ad. Vogt (früher Bartsch in der Sonnenstraße) und Adolf Wendler (früher Stein am Seltersweg) um Ertheilung der Eoncession zum Wirth- schaftsbetrieb werden nicht beanstandet, nachdem weder polizeiliche Bedenken vorgebracht, noch das Bedürfniß zum Ausschank von Branntwein in Frage gestellt worden ist. — Der Deutsche Verein für Knaben-Handarbeit mit dem Sitz in Görlitz, welcher sich, wie aus dem vorgelegten Programm ersichtlich, zur Aufgabe gestellt, die praktischen Fähigkeiten der Jugend zu fordern, hat eine Einladung an die Stadt zum Beitritt sowie zur Entsendung eines Vertreters zu der in München stattfindenden Generalversammlung eingesandt. Es wird tuf Antrag des Herrn Vorsitzenden beschlossen, mit 15 JL jährlichem Beitrag dem Verein beizutreten. — Zwei infolge Ablebens ihr er seitherigen Inhaber frei gewordene Pfründnerstellen Der Plock'schen Stiftung werden, dem Antrag der Armendeputation entsprechend, weiter vergeben. Die landwirthschaftliche Commission hatte gelegentlich der Berathung über die Vergebung von Triebvierteln beantragt, die Triebviertel durch Nummersteine zu bezeichnen. Die mit Berathung dieser Angelegenheit betraute gemischte landwirthschaftliche und Finanz- commission hat, bevor sie Näheres angiebt über die Kosten und die Zweckmäßigkeit dieser Aussteinung, die dadurch bewerkstelligt werden könne, daß nur die Gewanne durch Nummersteine, die einzelnen Trieboiertel aber durch kleine Steine unter sich kenntlich gemacht werden, die Vorlage eines geometrischen Planes beantragt, da über diese Triebviertel nur ein Verzeichn iß existire, das aber nicht genug Anhaltspunkte biete, um sich über die vorgeschlagene Aussteinung nach irgend einer Seite schlüssig zu werden. Die Versammlung genehmigt die Anfertigung eines Planes. — Die Aufkündigung des Pachtvertrags mit einigen Pächtern von Triebvierteln im sogen.Rußland zwecks Verwandlung des Ackerlandes in Wiesen hat denselben Veranlassung gegeben, um Weiterbelassung der Triebviertel auf 1 Jahr einzukommen. Es wird nach stattgehabter Besichtigung der Triebviertel durch die Feldgeschworenen und Festsetzung einer etwa den seitherigen Inhabern zu gewährenden Entschädigung beschlossen, den einen Theil der zur Anlegung von Wiesen bestimmten Trieboiertel, bezüglich deren auf Verlängerung des Pachtvertrags zielende Anträge nicht gestellt sind, noch in diesem Jahre anjulegen, den anderen Theil aber den Pächtern noch bis zum nächsten Jahre zu überlassen. — Herr Professor Dr. Thaer, als Director des landwirthschastl. Versuchsfeldes, hat um die Erlaubniß zur Aufbesserung des nach dem Versuchsfeld führenden, durch die Anlage der Garnison-Wasserleitung beschädigten Weges nachgesucht. Dem Gesuch wird stattgegeben. — Durch Polizeibefehl vom 14. September 1886 ist den Anliegern des im Garten des Herrn Kupferschmied Zimmer befindlichen Fluthgrabens am Tiefenweg aufgegeben worden, den Graben zu entfernen und für anderweitige Ableitung des Wassers aus ihren Häusern Sorge zu tragen. Es soll nun, um den Betreffenden die Abführung des Wassers zu ermöglichen, auf dem ehemaligen Graben eine gepflasterte Rinne angelegt werden, wenn sich die Hausbesitzer je nach Verhältniß ihres Grundbesitzes dazu verstehen, gemeinschaftlich die Kosten zu tragen. — Herr» Drechslermeister Häuser, welcher an der Ludwigsstraße gelegenes Plock'sches Stiftungsgelände erworben, soll ein an dieses stoßender Weg für den Preis von 5 JL pr. Quadratmeter auf Ansuchen ebenfalls käuflich überlassen werden. — Herr Dr. Weber hat ein die Pflasterung der Wetzsteingasse betreffendes Schreiben üorgelegr, It. welchem er vorher über den Plan der Weiterführung der Wetzsteingasse in Kennmiß gesetzt fein will, resp. wieviel Gelände die Siadl von dem seinigen zu erwerben beabsichtige; event. ersucht er, die städtische Baubehörde zu veranlassen, sich jeden Eingriffs in sein Eigen- tbum zu enthalten, bevor über Abtretung oder Expropriation von Gelände entschieden ist. Nach dem Bericht des Stadtbauamtes fommi vor der Hand nur ein ea. 3^ Klftr. haltendes Geländestück vor der Scheuer des Herrn Dr. Weber in Betracht, dessen Besitz für die Stadt jetzt wohl erwünscht, aber nicht nöthig sei, da eine Wetterführung der Straße vor der Hand nicht beabsichtigt fei. Ein vor dem Hause des Herrn Ph. Rinn gelegenes Geländestückchen will derselbe zum Preis von 7 an die Stadt abtreten, wohingegen Herr L. Köhlinger für eine in die künftige Trottoirlinie fallende Stallecke ein dieser entsprechendes Geländestück nach dem Rahn'schen Hause hin in Tausch nehmen will. Die Offerten der Herren Rinn und Köhlinger werden angenommen, Herrn Dr. Weber sollen 7 JL pr. Quadratklafter für das vorerst zu erwerbende, circa 3V< Quadratklafter messende Gelände geboten werden. — Die durch das Baugesuch der Frau M. Rothenberger Wwe. veranlaßte Festsetzung der Baufluchtlinie für die Kaplansgasse ist seitens des Stadtbauamts erfolgt; dasselbe schlägt eine durchschnittliche Straßenbreite von 7 Mir. vor. Die Versammlung ist damit einverstanden, da nach Ansicht der Baudeputation bei der nicht zu unterschätzenden Bedeutung der Kaplansgasse für den Verkehr eine geringere Breite nicht empsehlenswerth erscheint. — Bei der eben in Gang befindlichen Umpflasterung des Brandplatzes, welcher an beiden Seiten mit bleiten Cementtrottoirs belegt wird, ist die Frage entstanden, ob die vor dem früheren Hofgerichtsgebäude befindlichen großen Bäume belassen werden sollen. Die Augenscheinseinnahme hat ergeben, daß unbeschadet der Bäume das Trottoir doch noch in einer ganz annehmbaren Breite angelegt werden kann, so daß zwischen dem Trottoir und den Bäumen noch Raum für eine Gosse ist. Die Versammlung erklärt sich mit dem diesbezüglichen Vorschläge einverstanden, desgleichen mit dem Vorschläge des Herrn Scheel, der dahin geht, auch die andere Seite des Brandplatzes längs des Trottoirs mit Bäumen zu bepflanzen. Betreffs der Trottoirlegung am Kanzleiberg wird beschlossen, entlang der Häuser ©temtiottoir anzulegen, da man im Bauausschuß angenommen, daß der Personenverkehr nach wie vor auf dem den Kanzleiberg diagonal durchlaufenden gepflasterten Steig stattfinde, ein Bedürfniß zur Legung von Cementtrottoirs demnach nicht vor liege. Dem Gesuch des Herrn Kaufmann Bieler um Erlaubniß zur Aushängung eines Schildes an der Ecke des Neuenwegs und des Kr^uzplatzes mit 1 Mtr. Vorsprung in die Straße kann nicht entsprochen werden, da die einschlägigen Bestimmungen nur ein Vorstehen der Firmenschilder bis zu 50 Clm. gestatten, im vorliegenden Fall guch keine Veranlassung vorliegt, ein weiteres Maß zu gestatten. — D«e zur Herstellung eines 123 Meter langen Schutzdammes an der Straucb'schen Backsteingrube im Neu- ftädter Feld erforderlichen Kosten im Betrage von 65 werden bew.lligt. — Das Gesuch des Herrn Sigm. Rosenbauer um Erlaubniß zur Heberinückung einer Gosse vor feinem Hause an der Westanlage wird nicht beanstandet. — Die Erhöhung resp. Herstellung des Trottoirs in Cement vor den Häusern von I. Schulze. Germann und Kreiling Wwe. am Neuenweg soll dem von den Genannten, welche die ihnen nach dem Localbaustatut zukommenden Kosten tragen wollen, gestelltem Gesuche entsprechend vorgenommen werden. — Mit dem Beschlüsse des Stadtoorstandes, die Wodeftraße auszubauen und den Schoorgraben auf Straßenbreite, jedoch nicht für den Fuhrwerksverkehr, zu überbrücken, haben sich die auf besondere Einladung auf Gr. Büi germeisterei erschienenen Interessenten einverstanden erklärt, nicht aber mit dem Beschlüsse hinsichtlich der Kosten, welche so vertheilt werden sollten, daß die Stadt die Kosten der lieber: brückung, die Anwohner der Wodeftraße die des Ausbaues der Straße zu tragen haben. Die Interessenten verlangen vielmehr, daß die Stadt vorher die Straße, weil solche nach gerichtlichem Ausspruch herrenlos, als Eigenthum zugewiesen erhalte, wozu sie (die Stadt) Veranlassung zu nehmen habe; ferner, daß den Interessenten bann nur derjenige Theil der Kosten des Ausbaues aufgeburbet werde, den die Anlieger anderer Straßen auf Grund des Baustatuts zu entrichten haben würden. Hiergegen hat sich die Baudeputation ausgesprochen und beantragt, auf dem oben erwähnten Beschlüsse zu beharren. Die Versammlung beschließt demgemäß; sie betrachtet es als gewagt, auf Grund eben dieses Beschlusses die Straße in Eigenthum zu übernehmen, ehe biefdbe ausgcbaut ist, wozu noch in Berücksichtigung zu ziehen sei, daß dann die der Stadt auferlegten Kosten außer denjenigen der Ueberbrürfung sich noch um ca. 3800 X vermehren würden. Vermischtes. △ Mainz, 21. September. Die Nachricht von dem jüngster Tage auf Schloß Frauenberg in Oesterreich erfolgten Tod des 89jährrgen Fürsten Schwarzenberg hat bei älteren Leuten hier die Erinnerung an ein sich vor 50 Jahren in den Mauern von Mainz abspieleudes peinliches Vorkommnitz wachgerufen, bei welchem der verstorbene Fürst indirect betheiligt war. Fürst Schwarzenberg wurde im Jahre 1838 als Vertreter des österreichischen Kaiserhauses zur Krönung der Königin von England nach London ei tsenoet und wählte bei dieser Gelegenheit mit seinem zahlreichen Gefolge die Reiseroute über Mainz. Eine hochstehende Persönlichkeit, Graf Horn in Wien, ein Verwandter des Besitzers des damals sehr renommirten Gasthofes „Zum römischen Kaiser" hier, hatte vor der Abreise aus Oesterreich den betreffenden Personen des Gefolges das eben genannte Hötel als Abstetgquarlier für den Fürsten in Erinnerung gebracht. In der letzten Woche des Monats Juni traf der sürstliche Kurier mit reicher Bagage, darunter ein Wagen, welcher ausschließlich Silbergeräthe enthielt, hier ein, besichtigte die sämmllichen Räume des „Römischen Kaiser", schrieb mit Kreide die Bestimmung an die einzelnen Thüren und ließ das Gepäck in dem Gasthof in Verwahr bringen Während sich nun in dem Hötel unzählige Hände zur Aufnahme des Fürsten regten, machte der Kurier zur Erledigung anderweitiger Geschäfte einen Ausgang in die Stadt, wovon er nach etwa 2 Stunden in großer Aufregung zurückkehrte und den Besitzer des „Römischen Kaiser" (Herrn Adam Voltz, mit der Erklärung überraschte daß er hier an hoher Stelle -niste Vorwurfe erhallen, weil er nicht den „Rheiniicken Hof" für d-nFürst-n gewählt, und daß er den Befehl empfangen, dorten sofort Quartier zu nehmen. Daß diese Erklärung teilens des Gastwirths kein- freundliche Aufnahme sand, laßt sich lenhl denken. Der Kurier gab schimpfend den Befehl zum Anfpanmn der Equipagen und Gepäckwagen - der Gaftwirth befahl das Thor zu schließen und versammelte sein ganzes, eiligst mit allen möglichen Gegenständen bewaffnetes Personal um rede Gewall thatlich zuruckzuweiscn. Ein Sendbote des Gouverneurs ersiliien — vergeblich! Eiligst wurde Platzmajor Dubois, dessen Gemahlin eine Schwester des oben erwähnten Herrn o,Ho>n — also eine Verwandte des Gastwirths war — aebolt alles vergeblich- lllluhe! Man bot Ersatz für die gehabten Ausgaben; der Schaden an dem Ruf des Geschäfts könne nicht ersetzt werden, war dt- Antwort, Holland war in Roth! Schließlich mußte die Polizei helfen. Ein Commissär erschien mit einem Schlosser, Der Anwalt des Wirthes überwachte die Formalitäten des Protestes — und die Thore des „Römischen Kaiser" wurden geöffnet, Fürst Schwarzenberg stieg m dem „Rheinischen Hof" ab. Nach langer, leidenschaftlich geführter Correspondem nnd erst nachdem der Fürst sich selbst in das Mittel gelegt hatte, wurde dem mittlerweile in finanzielle Schwierigleiten gerathenen Besitzer des „Römischen Kaiser" eine । kleine Entschädigung zu Theil. Allgemeiner Anzeiger. Die reidjfjaltißflc aller Jlloöeii=3ettiui(]en |edStarlm| , Wothe Siern wünschten Gold-, Politur-, Barock- rc. Leisten- 5419 Oval- und Stellrahmen rc-, fertige Spiegel in allen Größen, Spiegelgläser. Bosfische Leitung (Berlin). Der Verlag von F. Gebhardi in Berlin bietet mit seiner hübsch ausgestatteten „Arbeitsftube" eine reiche Fülle von Vorlagen für leichte und geschmackvolle Handarbeiten- Was Alles nur auf diesem Gebiete Gefälliges geleistet werden kann, wird in sauber ausgeführten Mustern veranschaulicht- Eine große Anzahl von bunten Originalmustern dient zu Vorlagen von Canevas- stickerei, eine noch umfangreichere Menge schwär Muster für Häkel-, Filet-, Stick und Strickarbeiten aller Art. 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Nödelheimer, Wittwe des Isaak Kahn von Langsdorf, hat die von ihrem Ehe- manne betriebene Handlung mit Manu- fakturwaaren und Leder mit allen Activen und Passiven übernommen und betreibt dieselbe unter der früheren Firma „Isaak Kahn" auf eigene Rechnung weiter. Lich, den 18. September 1888. Großherzogliches Amtsgericht Lich. _______Langermann. [7574 Vergebung von Htrahenbauarbeiten. Die nachstehenden zur Erbauung einer Kreisstraße von Rüd- dingshausen nach Deckenbach auf ersterer Gemarkung im I. Loos erforderlichen Arbeiten sollen Donnerstag, den 27. d. M., Vormittags 10 Uhr, auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten im Wege schriftlicher Submission vergeben werden und zwar: veranschlagt zu 1) Erdarbeiten . . . 1236,12 «A 2) Maurerarbeiten . 1120,— „ Kostenvoranschlag, Pläne und Bedingungen sind auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten einzusehen; weitere Auskunft ertheilt Bezirksbauaufseher Maringer in Grünberg. Gießen, am 20. September 1888. gW' ich«!!- Fa-Nrn. gute Btf K W M WZ von der Becke & Maraily, Antwerpen F. J. Bothof, Generalagent, Mainz. Chr. Wallenfels in Giessen. Die Selbsthilfe, treuer Rathgeber für alte und junge Personen, dre in yolge üb'-t Iugendgewohnheiten fich ge- schwächt fühlen ES lese tl auch Jeder, der an Nervosität, HerrNopfen, verdanungSbeschwerden, Hörnorrhoideu leidet, seine aufrichtige Belehrung hllst jährlich nielen Tausenden zur Gesundheit unb Kraft. Gegen Einsendung von 1 Mark i« Briefmarken zu beziehen von Dr. L. Ernnt, Homöopath, Wien, Clleeleetriisse >r. II. — . Wird in Eouvert verschlsfsen Itberschickl Speeiaiitat in Spitzen! ■ Alle Neuheiten in Besätzen eingetroffen. o Zugleich mache auf eine große Parthre q 2 hochfeiner elsässer »5g Wollflanell - Reste zu Kinderkleidern und Blousen geeignet, aufmerksam. = <’onr. Jo», Heller, ff? im Hause detz Herrn Buchhändler Wilh. Ferber. 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