Mittwoch den 22. August Nr. W» 188k MWlW Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Vurcaur S ch u l st r - ß - 7. ' Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. A w L k i ch e r H ö e i k. Betreffend: Lieferung von Militärbekleidungsstücken im Falle einer Mobilmachung. Gießen, am 20. August 1888. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an di* Grotzh-rzoglichen Bürgermeisterei*« des «re,se». Falls in Ihrem Bllrgermeistereibezilke Wollwaarenfabrsianlen ansässig sein sollten, wollen Sie uns die Adressen derselben baldigst mittheilen. I. V.: Jost. Politische Rundschau Gießen, 21. August. Die einen so tiefen Eindruck im In- wie im Auslande hinterlassende Rede Kaiser Wilhelms anläßlich der Frankfurter Denkmalsseier ist, wie sich nachträglich herausstellte, oom osficiösen Wolff'schen Telegraphen-Bureau in mannigfach verstümmelter Weife wiedergegeben worden. Infolge dessen erschien im „Reichsanzetger" der officlöfe Wortlaut der Kaiserrede, wonach die Hauptstellen derselben, in denen Kaiser Wilhelm II. eine seinem hochseligen Vater zugeschrtebene Schwäche scharf zurückweist und mit voller Entschtedenheit erklär:, Deutschland werde keinen Stein von dem zurückgeben, was Kaiser Friedrich einst mit erringen half, an Wärme, Klarheit und Entschlossenheit des Ausdruckes noch wesentlich gewinnen. Außerdem wird durch die officielle Berichtigung noch manches andere beseitigt, was an der kaiserlichen Rede in deren ursprünglichen Lesart einigermaßen auffällig erscheinen mochte; so hat der Kaiser z. B. nicht den Ausdruck „aus der Strecke", sondern „auf der Wahlstati" gebraucht und ist dies offenbar auch ein weit richtigeres Bilo. Die seit dem Rücktritte des Herrn von Puttkamer erledigte Stelle des Vicepräsidenten des preußischen Staatsministeriums ist durch Herrn von Bötticher, dem Staatssecretair im Reichsamte des Innern, wieder neu besetzt worden. Herr v. Bötticher ist demnach durch diese Ernennung der Vertreter des Reichskanzlers sowohl im Reiche — als Vorsitzender des Bundesrathes — als auch in Preußen — als Vicepräsident des Staatsministeriums — geworden. lieber die geplante deutsche Expedition zur Unterstützung Emin Paschas vernimmt man, daß sich zur Förderung dieses Unternehmens in Berlin ein provisorisches ComitS gebildet hat, dem auch der inzwischen wieder in Egypten eingetroffene Afrikareisende Lieutenant Wißmann angehört. Da Lieutenant Wißmann nach Zanzibar weiter zu reisen gedenkt, um hier vor allen Dingen zuverlässige Nachrichten über Emin Pascha und dann auch über Stanley abzuwarten, so vermuthet man, daß die Expedition sich in Zanzibar sammeln und auch ihren Weg von dort aus direct nach den großen ost- afrikanischen Seen zu nehmen wird. Im Falle der Anschluß an Emin Pascha erreicht wird, soll eine Handelsstraße von den oberen Seeländern nach der Ostküste hergestellt und durch deutsche Stationen erhallen werden. Zu diesem Zwecke ist, wie weiter versichert wird, die Begründung einer deutsch-ostafrikanischen Seengesellschaft als das letzte Ziel der geplanten Expedition in's Auge gefaßt. Kaiser Wilhelm hat dem provisorischen Comitü bereits seine wärmsten Sympathien für das Gelingen des Unternehmens aussprechen lassen, doch soll eine Unterstützung desselben durch das Reich nicht beabsichtigt fein. Der Besuch Crispi's und des Grafen Kalnoky in Friedrichsruh — und schon in nächster Zeit — kann jetzt nicht mehr bezweifelt werden. Der italienische Eabinetschef wird in diesen Tagen in Karlsbad eintreffen, um seine daselbst zum Eur- gebrauche weilende Gattin heimzugeleiten und daß Herr Crispi von dem böhmischen Weltbade aus einen Abstecher nach dem lauenburgischen Tusculum des Reichskanzlers unternehmen wird, darf um so gewisser betrachtet werden, als er vor Antritt seiner Reise nach Norden mit König Humbert in dessen Sommerfrische Valdierie eine lange Eonferenz hatte. Was den Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Oesterreich-Ungarns anbelangt, so gilt dessen Erscheinen in Friedrichsruh für die nächsten Wochen ebenfalls als feststehend, ja, vermuthlich wird Graf Kolnoky gleichzeitig mit Crispi in Fried- richsruh vorsprechen. Eine solche Zusammenkunft der leitenden Staatsmänner der drei verbündeten Eentralmächte konnte nur als ein neuer hocherfreulicher Beweis von der unerschütterlichen Fortdauer der mitteleuropäischen Friedensliga aufgefaßt werden. Die Pariser Strikebewegung ist im Allgemeinen zu Ende. Am Freitag hielten die strikenden Erdarbeiter eine General-Versammlung ab, in welcher der leitende Secretair des Strike-Bureaus mittheilte, daß die Fonds zur Aufrechterhaltung der Arbeitseinstellung nicht mehr ausreichten, und es jedem überlassen bleiben müsse, nach eigenem Ermessen zu handeln, der Secretair fügte hinzu, die Strike-Eommission werde in Permanenz bleiben und eine „bessere" Arbeitsorganisation vorbereiten. Infolge dieser Erklärung beschloß die Versammlung mit großer Mehrheit, die Arbeit wieder aufzunehmen, womit also der Pariser Arbeiterausstand, der eines bedenklichen social-revolutionären Hintergrundes nicht entbehrte, im Großen und Ganzen als beendigt angesehen werden kann. Im belgischen Ministerium Baernaert ist eine kleine Personalveränderung eingetreten. Der Minister für Ackerbau und öffentliche Arbeiten, Chevalier de Moreau, reichte, angeblich aus Gesundheitsrücksichten, seine Entlassung ein; über seinen Nachfolger ist noch nichts bekannt. Die diplomatischen Auseinandersetzungen zwischen Pari- und Rom, wegen der Massauah-Angelegenheit haben zur Uebergabe einer neuen Note Crispi's in Paris geführt. Im Eingänge derselben begründet der römische Eabinetschef nochmals in eingehendster Weise das Verhalten Italiens in Massauah und rechtfertigt den Standpunkt Italiens speciell in der Frage der (Kapitulationen durch juristische Beweisgründe wie durch practische Beispiele. Mit Schärfe weist dann Crispi auf das provocatorische Auftreten der französischen Agenten in Massauah hin, erklärt hierauf aber, die italienische Regierung lege Werth darauf, den Zwischenfall als geschlossen zu betrachten und in Frieden auf der Linie zu verharren, die sie sich vvrgezeichnet. Zum Schluß betont Crispi, daß Italien seine Interessen im Rothen Meere bis zum Ende veriheidigen werde. — Ob die französische Regierung nunmehr ebenfalls die Debatte über die Massauah-Angelegenheit als abgeschlossen betrachten wird, möchte indessen zu bezweifeln sein. Deutschland. ][ Darmstadt, 20. August. Wie wir hören, wird Seine Königliche Hoheit der Großherzog, welcher von England direct nach dem Manöverfelde reift, am 9. September bei Hamm das 7. (westfälische) Armeekorps inspiciren, welches bekanntlich im Verein mit dem 8. (rheinischen) und dem 11. Corps die dem Großherzog verliehene 3. Armee-Jnspection bildet. Am 11. September trifft der Großherzog hier wieder ein, um seinen Geburtstag in seiner Residenz zu verleben. Am 12. September findet aus diesem Anlaß im Schloß eine größere Tafel statt. Demnächst begibt sich der Großherzog zur Theilnahme an den Divisionsmanövern, welche sich vom 10.—15. September zwischen Westhofen und Nieder-Olm abspielen, nach Rheinhessen. Am 13. September werden sämmtliche Stabsosficiere der Großh. (25.) Division zu Wörrstadt an der Großh. Tafel tbeilnehmen. Berlin, 19. August. Die Frage der Anlegung eines großen Kriegshafens bei Danzig, welche in den letzten Tagen mehrfach in der Presse erörtert worden ist, hat die zustehenden Kreise bekanntlich schon seit Anfang der siebziger Jahre beschäftigt. Man hat auch bereits in dieser Beziehung auf die Denkschrift über die Marine hingewiesen, welche dem Reichstage im Jahre 1873 vorgelegt worden war. Aufs Neue ist diese Frage, r>ie jetzt bekannt wird, vor nun bald zwei Jahren bei den Verhandlungen der in den letzten Tagen vielgenannten Landesvertheidigungs-Commlssion wieder erörtert worden. Da nun bereits angekündigt ist, daß sich die gedachte Commission demnächst mit Land- und Seeküstenbefeftigungssragen zu beschäftigen haben soll, so gilt es als sehr wahrscheinlich, daß auch die Angelegenheit des Danziger Kriegshafens hierbei Gegenstand der Verhandlung bleiben wird. Hesterrcich. Wien, 20. August. Schönerer hat heute Morgen um 10 Uhr seine Strafe angetreten. Derselbe fuhr in einem offenen Wagen in Begleitung seiner Frau nach dem Landesgericht, wohin ihm vom Hotel aus zwei Polizeicommissare und Detec- tives mittelst Wagen folgten. Vor dem Hotel und dem Landesgericht fanden Ansammlungen statt, die aber, von den Wachmannschaften zersprengt wurden. Neunzehn Demonstranten wurden verhaftet; im Ganzen kamen heute und gestern 30 Arretirungen vor. Die verhafteten Tumultuanten wurden zu Arrest von 1—5 Tagen verurtheilt. Das Justizministerium hat Schönerer Begünstigungen bezüglich der Kleider und des Kopf- und Barthaares zugestanden. (F. I.): Telegraphische Depeschen. Wolff s telegr. Correfpondenz - Bureau. Breslau, 20. August. Die Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure ist heute hier im Festsaale des Vereinshauses zusammengetreten und wurde Namens der Staatsregierung durch Oberregierungsrath Strauß, Namens der Stadt durch den Oberbürgermeister begrüßt. Frankfurt a. M., 20. August. Der Ministerpräsident Crispi ist heute Nachmittag 3Va Uhr hier eingetroffen und im „Frankfurter Hof" abgestiegen. Haag, 20. August. Der König, welcher sich in dem Schloß Loo befindet, ist seit einigen Tagen von katarrhalischen Leiden befallen und in Folge dessen das Bett zu hüten genötigt. Paris, 20. August. Nach den bis jetzt bekannten Resultaten der gestrigen Wahlen erhielt Boulanger in Lille 130,152, Köchlin 126,567, Desmoutiers 97,409, Noreau 95,023, Delcourt 6347 und Delcluze 5837 Stimmen. — In Amiens wurden 76,094 Stimmen für Boulanger und 41,371 Stimmen für Bernot abgegeben. — In Larochelle erhielt Boulanger 32,614 und Lair 23,731 Stimmen. Paris, 20. August. Die republikanischen Abendblätter schreiben die dreifache Wahl Boulanger's dem Umstande zu, daß durchweg in reaktionären Departements gewählt worden sei. Der „Temps" sagt, das Wahlergebniß sei zwar ein erniedrigendes in Bezug auf den nationalen gesunden Menschenverstand und auf die Loyalität der Parteipolitik in Frankreich, aber es sei durchaus kein beunruhigendes für die Republik als Staatsform, weil ja Boulanger seinen Triumph ausschließlich den Reaktionären verdanke; diese Cvalition sei aber nicht beunruhigender als diejenige vom 16. Mai. Mehrere opportunistische Blätter führen aus, die gestrigen Wahlen bewiesen vor Allem die gänzliche Ohnmacht der radikalen Regierung. Rom, 20. August. Die „Rfforma", das officiöse Organ der Regierung, erklärt in ihrer heutigen Abendausgabe: Der Reise Crispi's nach Deutschland wohne nichts inne, was aus dem normalen Rahmen der gegenwärtigen italienischen Politik herausträte. — In Savona stellten 1500 Arbeiter einer Metallfabrik die Arbeit ein wegen Herabsetzung des Lohnes. Eine Arbeiterdeputation begab sich zum Unterpräfekten. Die Ordnung ist nicht gestört. Lokares. E. Gießen, 21. August. Vom hiesigen Gabelsberger Stenographen-Verein wird uns mitgetheilt, daß der im gestrigen Blatt angekündigte Damenkursus in Gab. Stenographie leider jetzt nicht stattfinden kann, da sehr viele Damen während der Herbstferien verreist sind, die Zeit für denselben also sehr ungünstig ist. Der Cursus wird erst Anfang October eröffnet werden. Der Entwässerungsgraben an der Frankfurterstraße. 9. 10. 11. 12. 13. LirerarischeS. ^itung „Die Post" in Berlin urtheilt: Von der neuen, vierten Auf- age von Meyers Conversations-Lexikon (Verlag des Bibliographischen Instituts L/ipzl6) liegt uns der soeben erlchtenene 11. Band vor, bei dessen Durchsicht wir bte außerordentlich sorgfältige umsichtige und alle Fächer gleichmäßig beruckstcht gende Bearbeitung, die sichere und klare Darstellung im Text, die reiche und daber werfe Auswahl der in technischer Vollendung gebotenen Bildertaseln und Karten- beuagen und die ebenso solide wie elegante Ausstattung rühmend hervorheben müssen. Vortrefflich im Klemen wie im Großen, im Innern wie im Aeußern, verdient Meyer's ^Obr'ations-Lexikon mrt jebem neuen Banb mehr unb uiehr, an bte Spitze aller ähnlichen Werke gestellt zu werben. bilden. Der Mantel reicht bis auf die Füße herab und wird mit einer Knopfreihe bis unten geichlosien. An den Ecken und in der Mitte der Querseite des Mantels sind große Messingofen eingeschlagen, durch die man dicke Schnüre zieht, an welche beim Ausschlagen der Ze te die Pflocke gezogen werden. Jedem Mantel sind drei solcher Pflock- b-igegeben ebenso drei runde glatte Stäbe, die an ihren Endseiten mir ver- schi-bb-r-n Melallhulsen umgeben sind. Sechs dieser Stäb- bilden di-Stangen, welche das Zeit ausetnanderhalt-n, so daß es aufrecht stehen bleibt. Pflöck- und Stäbe sind fr tirer Lange 1° eingerichtet, daß sie aus den Tornister passen. Der Stoff zu den Mänteln ist oon dem Haus- Kuhlmann, bezw. Vauch-r selbst angesertigt. Knöpfe und andere Zugehörigkeiten würben °°n einem Leipziger Hause geliefert. Es ist, wie man versichert, große Aussicht vorhanden, daß ein hiesiges Haus di- Li-s-rung von Bettzeug für Heer unb Marine auf ein Jahr zugeschlagen erhalte. Dieser Aufttag würde -in noch umsangreicherer sein und etwa sich auf eine Million im Ganzen belaufen Viele chr^Brobatrbeitcr und Angestellte finden durch dies- umsangreich-n Best-llungen hier Metz, 16. August. Seit Anfang der siebenziger Jahre bat cs sich der hiesige Tubn°-r-in zur 'r-iw,ll.gen patt,ot.schen Pflicht gemacht, an den Jahrestagen der großen S» bet Metz die Graber der Gefallenen mit frischen Kränzen zu schmücken. Dieser Gebrauch nahm eine größere Ausdehnung an, als später sich auch der Krteger- verein an dem Lieb^sw-rk- be,heiligte und gleichzeitig letzterer durch Kran,- und Geldspenden aus allen ^heilen Deutschlands Unteistützung sand. Aus diese Weise ist es möglich geworden daß in den letzten Jahren wohl kaum eines der in weitem Umfreife 3331116 3erftreuten Kriegergräber ungeschmückt blieb. Die gestern von den beiden Vereinen vorgenommene Schmückung wurde von der Witterung sehr begünstigt Nachmittags trafen sich d e zahlreichen Gruppen, in welche sich die Vereine ausgelost hatten, in der oft genannten „Schlucht von Gravelotte", wo unter zahlreicher Theil- Snf,nern„beh ferunh8 .DOr? u?b Umgegend eine G-dächtnißfeiet zum Sänbenfen an die Gefallenen abgehalten wurde. Dieselbe machte in der von Blut getränkten Umgebung unb angesichts bes ausgebehnten Gräberfelbes auf alle Tbsil- nClmeh- ^C0te wohl ben meisten Anwesenden den Wunsch uahe, bre Feier ähnlich wie in Saarbrücken unb anberen Schlachtorten, als einen all- lahrltch wreberkehrenden Gebrauch beibehalten zu sehen. — Heute Vormittag wurde auch m dem benachbarten Mars-la-Tour französischerseits eine Gedenkfeier für die WiSenta h?Tn' Mtttelpunkt ein in der dortigen Kirche gesungenes blld^. An dewTrauergottesbiens betherligten sich zahlreiche aus den benachbarten franzosiichen Garnisonen herubergekommene Ofsiziere. Nach dem Gottesdienst begab dem vor dem Dorfe gelegenen großen Denkmal, das sich auf einer gegen 6000 Leichen .enthaltenen Gruft erhebt und zerstreute sich sodann auf dem dicht an das Dorf heranruchenden Schlachtfelde. Wie immer bildete das Hauptziel der Besucher die oftgenannte Schlucht in der das oon erdrückender Uebermacht fast aufgertebene zweite dee2. westfalischen Infanterie-Regiments Nr. 16 die von einer Granate abge- schosfene Fahnenspltze verlor, ein Vorgang, der bekanntlich zur „Eroberung einer preußischen Regimentsfahne aufgebauscht wurde. Von hier aus war der Besuch in Lm.Ja re, im Gegensatz zu früher, em sehr spärlicher, was wohl auf die Paß- schwiengketten zuruckzufuhren sein dürfte. * ö Gießen, 21. August. (Männer-Turnverein Gießen.) Der am vergangenen Sonntag unternommene Ausflug per Extrazug nach Staufenberg erfreute sich einer außerordentlich starken Beiheiligung. Auf über 400 Personen, unter welchen sich auch die eingeladenen Turner von Wetzlar, Lollar und Marburg mit ihren Angehörigen befanden, konnte man die Theilnehmer schätzen. Nachdem man am Bestimmungsorte angelangt war, begrüßte der 1. Sprecher des Männer-Turnoercins, Herr Keller, die Anwesenden, hielt einen kurzen Rückblick auf die nun hinter uns liegende Nationaltrauer und schilderte in beredten Worten die Thatkraft und Energie unseres Kaisers Wilhelm II., dem jedes echte Turnerherz in Treue und Liebe entgegen- schlage. Er führte ferner aus, daß die Kraft und Gewandtheit, die durch das Turnen und die Leibesübungen dem Krieger zum eigenen Besten dienten, im Falle der Gefahr dem Vaterland zu dessen Schutz und Schirm geweiht seien und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Gut Heil auf Kaiser Wilhelm II. — Unter den von'dem l.Turnwart Herrn Frech geleiteten Spielen und Tänzen flog die Zeit rasch dahin und als die Stunde heranrückte, in welcher die Wetzlarer Turner der Bahnverbindung halber an den Aufbruch denken mußten, dankte derselbe den Gästen für ihr zahlreiches Erscheinen, sir^och die Hosinung aus, daß ein Jeder mit der Erinnerung an einen schon verlebten Tag in bte Hetmath »uruckfahre und schloß mit einem dreifachen Gut Heil auf das Blühen und Gedeihen des Gaues Hessen und auf ein ferneres etnmüthiges Zusammenhalten der denselben angehörenden Turnvereine. Nachdem noch ein Theil der Burg bengalisch beleuchtet worden war, wurden die mitgebrachten Lampions angezündet und fort ging's im Marschtempo unter den Klängen der Musik nach der Station Lollar woselbst sich die Gäste von Marburg und Lollar verabschiedeten. Der schon bereitstehende Extrazug führte die Mitglieder des Männer-Turnvereins wieder nach Gießen Vermischtes. Worms, 19. August. (Badeanstalt.) Die Wohlfahrtseinrichtungen für die Fabriken Cornelius Heyl sind durch die jüngst stattgehabte Eröffnung einer Badeanstalt für die Arbeiter um eine weitere vermehrt worden. Die Badeanstalt ist den in vielen Städten. Kasernen u. s. w. bereits vorhandenen Unternehmungen dieser Art nachgebtldet und besteht vorzugsweise aus Brausebädern. Die Benutzung des Bades steht jedem Arbeiter unentgeltlich frei, ebenso wird die Badewäsche kostenfrei abgegeben An bestimmten Tagen ist die Badeanstalt für die Arbeiterinnen der Fabriken reservirt' Die Temperatur des Wassers wird je nach der äußeren Luft geregelt, um das Bad zu jeder Jahreszeit zu einer angenehmen Erfrischung zu gestalten. Die Badeanstalt erfreut sich bereits des regsten Zuspruchs, ein Beweis, daß die getroffene Einrichtung einem Bedurfnrß der Arbeiter entsprochen hat. « =i Frankfurt, 20. August. Der heutige zweite Renntag des Rheinischen Rennvereins ist von herrlichem Wetter begünstigt. Trotzdem ist der Besuch schwächer als gestern, was man vielfach — und vielleicht nicht ganz mit Unrecht darauf zurückzuführen sucht, daß beim gestrigen Rennen so außerordentlich wenig Pferde am Start erschienen. Bet den meisten gingen zwei oder drei Pferde über die Bahn Heute läßt es sich in dieser Hinsicht gleich zu Anfang schon weit besser an, denn beim Louisa-Rennen (Staats-Preis: 2000 JL) lausen gleich sieben Pferde. Freilich hatten 19 gemeldet. Es siegte mit einer Länge Freiherrn v. Oppenheim's schwarzbrauner Hengst „Battenberg". . U. Alexander-Rennen (Vereins-Preis: 3000 Von 33 gemeldeten Pferden erscheinen am Start nur drei, nämlich Herrn O. Oehlschläger's schwarzer Hengst „Padischah", der dunkelbraune Hengst „Jnselberg" des Königl. Haupt-Gestüts Graditz und der Fuchshengst „Hortart" vom selbigen Gestüt. Sieger: Herrn O Oebl- fchlägers „Padtschah". ' T r i bün en - Ren n -n (Staatspreis: 2500 Jt). Es beteiligen sich bei biefem Rennen sieben Pferbe. Als Sieger passirt bas Ziel Herrn Lieutenant Prinz G. Radztwill's braune Stute „Vision". IV. Gradttzer Handicap (Graditzer Gestüts-Preis: 2500 V4LY Vier Pferde treten in Concurrenz. Die braune Stute „Speranza" des Herrn Lieutenant Prinz G. Radztwill siegte mit zwei Langen. Beim Main-Rennen (Staatspreis: 2000 JL) starten abermals nur vter Pferde. Sieger: Konigl. Haupt-Gestüt Gradttz' Fuchsstute „Wallfahrt". Interesselos verlief dagegen das VI. Rennen (Staatspreis III.Classe3000^L) da die braune Stute „Altenburg" des König!. Haupt-Gestüts Graditz allein über die Bahn ging. ro vH;Ik®ro?e frankfurter Steeple-Chafe. (Preis: 3000 .*). Dieses Rennen bilbete einen ebenso interessanten wie umrbigen Abschluß bes heutigen Renn- tageä unb überhaupt den Glanzpunkt ber diesjährigen Herbstrennen. Am Start erschienen drei Pferde Herrn Oehlschläger's Schtmmelstute „Adare" übernahm sofort die Führung und behielt sie auch fast wahrend des ganzen Rennens, in der letzten Runde schoß zedoch „Semerwat-r" heran und dicht am Ziele vor. Aber auch Adare" holte nun nochmals aus und so kam es, daß beide Pferde gleich,eltia durch's Siet gingen. Die Pferde nahmen drei vorzüglich die Hindern,ss- Das Rennen wmde für ein tobtcs erklärt Frhr. v. Broich weigerte sich, die Strecken nochmals zu reiten Mr. Tipper ging infolgedessen allein über bte Bahn und gewann dadurch den Preis Herr Oehlschlager hatte vor Beginn des Rennens erklären lassen, er wolle mit Mac 3nW gewinnen das Drittes rourbc Auf letzteres Pferd war viel undhoch K erlebt016“1" Xo “ ifator herrschte reges Leben; manche Enttäuschung wurde Der Prinz von Wales und der Herzog von Cambridge waren auf dem Renn- platz anwesend. 1 . . Witten, 18. August. Gegen den Bergmann Eduard Richter aus dem benach- barten Krukel wurden von der Strafkammer zu Dortmund 160 Jahre Zuchthaus als Einj-lstraf-n wegen Verubung von 160 Verbrechen gegen die SittlichLt beantragt bie feftjufetenbe ©efammtftrafe bestimmte das Gericht auf fünf Jahre siucht' begUangeneidn.bCtadi8e ”°n ®elbre<6tn wird wohl selten oon einer Per^n ... Die elsässischen Fabrikanten und Lieferanten können sich wahrlich isicht b-k agen, daß sie bet Submifsionen zurückgefetzt werben. Hat doch o schreibt Haus Kuhlmann hier kürzlich eine Lieferung von '000 wafferbichten Mänteln an bte Armee gemacht unb bas Haus Vaucker hier wohl ebenso viele. Der Mantel zu 9 gerechnet, bas macht eine Summe bei der etwas zu verbtenen ist. Diese Mäntel sinb äußerst praktisch unb auch für Touristen »ämsää »ft« einem Haken wirb dann ber Mantel vorn am Halse, nachbem bie Schnur vorn gebunden I worben, nochmals geschlossen. Eine zweite, dickere Schnur schließt die Taille die beiden oon ber Halsöffnung herabfallendenCcken cÄie^ ’ Handel unb Verkehr. m i Auf bem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, pr. Pfd. ^'05-1,10, Hühnereier, 1 L>t. 5—6 2 St- 0-U0 Enteneier 6-7 H» Gänse- der 0—00 Käse pr. St. 4—8 Käsematte pr. St. 3 Erbsen pr Liter 18 H Ansen pr. Liter 30 Tauben pr. Paar JL. 0,40—0,60, Hührer pr. s/ji 0 90—1 30' Hahnen pr. St. 0,60-1,20, Enten pr. St. 1,50-1,80, Ochsenfleisch pr Pfd. 5? 6? ^onb^efifrogeiih^Q.Al-aja< ven Otte Sokaaf, Sehers weg 38. Wasserdichte Gummiftoff-Regenmüntet für Damen in Rad-Form von 6 50 an, „ Herren „ Paletot-Form „ 12 ,, 50 „ „ ,, Gnaden „ „ » „ 10 „ 50 „ „ „ Mädchen,, Havelock-Form „ 12 „ — „ „ empfiehlt in reicher Auswahl 3725 H. Rübsamen. Auch werden dieselben in jeder Form nach Maaß angefertigt. Muster • non Stoffen sowie Zeichnung der neuesten Formen zur gefälligen Ansicht bereit. . Bekanntmachung. Wegen Herstellungsarbeiten am Stadtringgraben und Stadtbache bleibe deren Wasserzufluß bis auf Weiteres abgesperrt. Gießen, am 21. August 1888. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. 6711 Bekanntmachung. Aus den 30. August d. I. ist eine Sitzung des Eisenbahnbeirathes zu. Darmstadt anberaumt, in welcher unter Anderem die Winterfahrpläne der Oberhessischen Eisenbahnen zur Besprechung gelangen werden. Aus der Tagesordnung für die Sitzung ist bezüglich dieser Fahrpläne bemerkt: a) der Hauptbahnen: wie in jedem'Winter fährt Zug 19 Gießen—Gelnhausen eine Stunde (755 ^s Gießen) und Zug 18 Gelnhausen—Gießen vom 1. Novbr. bis 28. Februar 55 Minuten früher (8^£ aus Gelnhausen); b) der Nebenbahn Nidda—Schotten: die Züge 26 (ab Schotten 755) und 27 (ab Nidda 10™) kommerr wegen geringer Frequenz in den Monaten November bis einschließlich Februar in Wegfall; c) der Nebenbahn Stockheim—Gedern: der Fahrplanentwurf enthält folgende Züge: ab Gedern 63° 113o 407 in Stockheim 743 1255 520 * ab Stockheim 845 2i5 620 in Gedern 1QQ 345 735 lieber den Winterfahrplan der Main-Weser-Bahn enthält die Tagesordnung folgende Bemerkung: Schnellzug 304 (ab Cass.l 319, in Frankfurt 747) fM wie im vorigen Winter aus. Ueber die Beibehaltung der Omnibuszüge 427 (ab Friedberg 4^4) und 428 (ab Gießen 635) schweben noch Verhandlungen mit der Königl. Preuß. Effenbahndirection Hannover. Im Uebrigen bleibt der Fahrplan im Wesentlichen unverändert. Vorstehendes geben wir mit dem Anfügen bekannt, daß der Vertreterder Handelskammer im Eisenbahnbeirathe besondere Wünsche des reisenden und insbesondere des gefchäststreibenden Publikums bezüglich der angegebenen Punkte der Tagesordnung geeigneten Falls zur Sprache bringen wird, wenn dieselben zeitig der Handelskammer mitgetheilt werden. Gießen, den 20. August 1888. Großherzogliche Handelskammer Gießen. I. V.: F. C. B. Koch.6697 Ausverkauf. Wegen Umzug in das von mir gekaufte I. C. Retter'sche Haus am Kreuz verkaufe, um zu räumen, sämmtliche Waare« zu bedeutend herabgesetzten Preisen- 6569z Julius Schulze. NB. Mein Haus, Sonneustraße 20, beabsichtige zu verkaufen. Zu beziehen durch alle Apotheken, en gros von Ed. LÖflund, Stuttgart. Reine Algäuer Rahm-Milch, sterilisirte Milchconserve ohne Zucker, für Kranke und Kinder ärztlich empfohlen, 65 Pfg. per Büchse. 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