Nr. 169 Drittes Blatt. Sonntag den 22. Juli . 1888. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. samr.t. 'um ...«».«»- m ■■ W Amtlicher Hheik. Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Herbst 1888. Bekanntmachung. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1888 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen werden Hierdurch aufgefordert, ihre desfalsigen Gesuche um Zulassung bei Meldung des Ausschlusses von dieser Prüfung spätestens bis zum 1. August 1888 bet der unterzeichneten Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Speciellen das Fol 1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüsungs - Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Grotzherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthaltsort hat. 2) Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen. 3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird. 4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: a. GeburtSzeugniß; b. Einwilligungs - Attest des Vaters oder Vormundes, mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit und Fähigkeit den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen; Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anl. 2 zur Ers.-Ordn. — I Th eil der Wehr- Drdn. vom 28. Septbr. 1875 — Reg.-Bl. Nr. 55 von 1875) Aufschluß. Bezüglich des Prüfungs-Termins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattftndet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung: auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden. Darmstadt, den 11. Juli 1888. . Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Dr. Zeller. bemerkt: In diesem Attest darf die Erklärung des Vaters oder Vormundes, daß er in der Lage sei, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen, auch muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt fein; c. ein Unbescholtenheilszeugniß, welches von der Polizei-Obrigkeit .oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist: d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf 5) In dem Gesuche ist oußerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (Französisch, Englisch, Lateinisch oder Griechisch) der sich Meldende geprüft fein will. 6) Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheits- zeugniß öeizulegen. Politische Ueberficht. Gießen, 21. Juli. Die Preßfehde, welche sich anläßlich der Kaiserbegegnung zwischen den Berliner Regierungsblättern und der panslavisttschen Presse über Bedeutung und Wirkung des Ereignisses entsponnen hatte, vermag auch angesichts der nun vollzogenen Zusammenkunft der beiden Herrscher nicht ganz zu schweigen. So war von der „Mosk. Ztg." die Behauptung aufgestellt worden, es sei ein vollständiger Umschwung in der deutschen Politik eingetreten und führte das Moskauer Panslavistenorgan als Beweis dessen, abgesehen von der Kaiserzusammenkunft, die angebliche Aufhebung des Verbotes an die deutsche Reichsbank, russische Werthe zu beleihen, an. Hierauf bemerkt nun die „Nordd. Allg. Ztg. daß diese Aufhebung nicht eingetreten sei und wenn eine Aenderung statt - gefunden habe, so könne dies nur von der Haltung der „Mosk. Ztg." gelten, welches Blatt anstatt seiner früheren Behauptung, Deutschland wolle Händel anfangen, jetzt die Ersindung ausstelle, Deutschland habe sich erst jetzt und ganz plötzlich zu einer friedlichen Politik entschlossen. Dem gegenüber betont die „Nordd. Allg. Ztg.", wie sich die deutsche Friedenspolitik, die seit mehr als zwanzig Jahren befolgt werde, durch die feindselige Haltung der russischen Presse nicht habe beirren lassen und die Erkennt- niß der Frucht der langen Friedensjahre wie das Bestreben des neuen Kaisers, den Frieden zu wahren, werde in dem seitherigen Character der deutschen Politik keine Aenderung eintreten lassen. Der Artikel schließt mit einer derben Abfertigung der russischen Hetzpresse, die indessen schwerlich zu den Bemerkungen des Kanzlerblattes gänzlich schweigen wird. Die vier Söhne unseres Kaisers, deren Uebersiedelung von Potsdam nach dem herzoglich coburgischen Jagdschlösse Oberhof im Thüringer Wald immer wieder verschoben werden mußte, da das Wetter andauernd ungünstig war, sind mit ihrer Begleitung am Freitag nach Oberhof übergesiedelt. Wie lange die kaiserlichen Prinzen in ihrer thüringischen Sommerfrische verweilen werden, ist noch unbestimmt. Die signalisirten organisatorischen Veränderungen im Obercommando und der Verwaltung der Marine sind im Laufe der nächsten Zeit zu erwarten. Der Kaiser kündigte dies selbst in der Ordre an, die er an den bisherigen Chef der Admiralität, General von Caprivi, anläßlich dessen Ausscheidens aus dieser Stellung gerichtet hatte und bemerkt der Kaiser in seiner Kundgebung weiter, wie diese beabsichtigten Aen - derungen die Stellung des ersten Marine-Chefs so wesentlich berühren würden, daß er, der Kaiser, das fernere Verbleiben Caprivis auf diesem Poften nicht habe beanspruchen können. Im Uebrigen enthält die Ordre die wärmsten Ausdrücke der kaiserlichen Anerkennung der hervorragenden Verdienste, welche sich Herr von Caprivi um die Organisation der Marine und namentlich um die Förderung des Torpedowesens, dann aber auch durch seine wohlthätige Einwirkung auf den Sinn des Marine-Officiercorps erworben hat. Die diesjährige« Kaisermanöver, an welchen das 3. Armeecorps und das Gardecorps thetlnehmen, werden nach neulicher allerhöchster Bestimmung in den brandenburgischen Kreisen Niederbarnim, Oberbarnim und Lebus in der Zeit vom 2. bis 8. September stattfinden. Französische Blätter hatten versucht, Italien gegen Deutschland mißttauisch zu machen, indem sie meinten, daß die Petersburger Katserbegegnung den italienischen Interessen nicht entspreche. Diesem Treiben tritt nun die „Riforma", das Organ des italienischen Ministerpräsidenten Crispt, scharf entgegen und führt das Blatt hierbei | aus, daß eine sich aus der Kaiserzusammenkunft ergebende erneute deutsch-russische Intimität die Stellung Italiens zu seinen Verbündeten nicht im Mindesten erschüttern würde, die allgemeinen Interessen Italiens können dabei vielmehr nur gewinnen. Die italienische Depntirtenkammer genehmigte am Donnerstag die Vorlage über die Communal- und Prooinztalreform im Ganzen und definittv mit 269 gegen 70 Stimmen; die Abstimmung war eine geheime. Vorher hatte Ministerpräsident Crispi verschiedene auf die abyssintsche Frage und auf die Zanzibar-Angelegenheit bezügliche Anfragen beantwortet. Am Schlüsse der Sitzung vertagte sich die Kammer bis zum November. Lokales. Gießen, 21. Juli. sSitzung der Stadtverordneten vom 19. Juli.) Herr Beigeordneter Gua uth leitete in Verhinderung des Herrn Bürgermeisters Bramm die heutigen Verhandlungen, unter Anwesenheit oes Herrn Beigeordneten Keller und der Herren Stadtverordneten Batst, Georgi, Dr. Gutfleisch, Haustein, Hoch Hornberger, Jughardt, Ad.Roll, Aug.Noll, Petri, Dr. Ploch, Schopbach Simon, Vogl und Wallenfels. Den Bestimmungen des Testators entsprechend, wurden diejenigen 10 bedürftiaen Wittwen und Wittwer, welchen in diesem Jahre am 28. Juli je 19.71 aus den Zinsen des von dem im Jahre 1846 verstorbenen Chr. Gerh. Haft gestifteten Capttals überwiesen werden sollen, mittelst Stimmzettel ausgewählt. — Zufolge Anfrage an Jn Betreff der Wegüberführung an der Rüsing'schen Wirth sch ast wird mttgethetlt, daß nach einem Schreiben der Königl. Eisenbahn- Dtreclton an Großh. Kreisamt z. Z. die diesbezüglichen Pläne der Begutachtung des Ministers der öffentlichen Arbeiten oorliegen. Wie Herr Batst mtttheilt, ist ihm von autorisirter Sette versichert worden, daß man sich an maßgebender Stelle sehr für das Zustandekommen der Ueberführung interessire und die diesseitigen Wünsche wohl bald ihre Erfüllung finden würden. — Drei Gesuche um Erthetlung der Eoncession zum Wirthschaftsbetrieb werden im Sinne der vorliegenden polizeilichen Berichte vefürwortet; es sind die Gesuche von Louis Lüder, welcher die Hubler'sche Wirtb- schaft in der Brandgasse übernommen hat, von Fr. Ullrich, welcher die Abel'scbe Wirthschaft an der Bahnhofstraße weiterführen will und von Frau Chr. Noll I1L Wittwe, welche ihre Wirthschaft am Kanzleiberg selbst zu betreiben beabsichtigt — Infolge Gesuches des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege um Anschluß ^Schwesternhauses an der Lonystraße an die städtische Wasserleitung wurde Voranschlag über den Ausbau des zwischen der Gartensttatze und dem Schwestern- hause gelegenen Straßeythetls etngefordert. Derselbe beziffert sich auf 4800 jl Die Baudepu^lton hat aber beantragt, den StraßentheU nur soweit auffüllen zu lassen als z,ur Gerung der Wasserleitung erforderlich ist. Der Antrag wird angenommen' - Dem Gesuch des Herrn Chr. Petri V. um Erlaubniß zur Anlegung einer Rohrleitung aus seinem Hause an der Ostanlage nach dem Schoorgraben wird widerruflich stattgegeben, dagegen das Gesuch des Herrn Bäckermeisters Faß, welcher die Abfall- wasser aus seinem an der Grünbergerstraße gelegenen Hause nach dem offenen Stratzen- Sraben Lu leiten beabsichtigt, als mißständig und infolge der befürchteten Ausdünstungen chadlich, nicht befürwortet, nachdem sowohl Großh. Polizetamt wie die Baudeputation ihr Gutachten in gleichem Sinne abgegeben hatten. — Das von Herrn Steinhauer- meister Emil Kalbfleisch projecttrte einstöckige Werkftättegebäude wird ebenfalls als mißständig für den dortigen Straßenthetl (gegenüber dem Friedhof) bezeichnet und die von Großh. Poltzeiamt befürwortete Dispensation von den hierauf bezüglichen Bestimmungen der Bauordnung nicht befürwortet. — Die Anlage von Ltchlschächten nach Angabe des Stadtbauamtes und unter Entrichtung der üblichen Gebühr wird widerruflich den Herren Ehr. Frutig (Asterweg) und H. Kühn (Seltersweg) gestattet. — Frau M. Rothenberger Wwe. beabsichtigt den vor ihrem Hause in der Kaplans- oasse befindlichen Hofraum zu bebauen; ein definitives Baugesuch liegt noch nicht vor, die Festsetzung der Baufluchtlinie für diesen L>traßentheil erscheint indeß angezetgt und wird dementsprechend beschlossen. — In Betreff der Pflasterung der Bahnhofstraße liegen zwei ältere Eingaben von Herrn Louis Lony und Frau L. Schwalb Wwe. vor, welche nach Fertigstellung ihrer Häuser die Herstellung von Eementtrottoir vor denselben und Pflasterung der Straße wünschen. Die Versammlung beschließt Anlage erhöhter Eement- trotloirs und Fortführung der Neupflasterung, wie sie in der Richtung nach der Wolkengasse hin besteht, kann aber dem Wunsche der Gesuchsteller um Ausbau resp. Neupflasterung und Trottoirlegung nach dem Bäcker Steinberger'schen Hause hin vorläufig nicht entsprechen. — Das Baugesuch des Herrn E. H. Müller, welcher in der Weserstraße ein Wohnhaus errichten will, wird nicht beanstandet, insofern der Vorschrift in §8 des Localbaustatuts entsprochen wird. Die in Ausführung der Vorschriften des $ 10 des Localbaustatuts in § 13 vorgesehene Verpflichtung der Besitzer von an noch nicht eröffneten Straßen gelegenen Gebäuden zur theilweisen Uebernahme der Straßenausbaukosten soll in vorliegendem Falle durch eine Eaution von 700 JL sichergestellt werden. Gleichzeitig wird auf Vorschlag des Herrn Beigeordneten Gnauth die Baudeputatton ermächtigt, in jedem derartigen Falle die Höhe der zu leistenden Eaution festzusetzen. Der folgende Punkt der Tagesordnung betrifft die neuen Octroi-Tarifsätze (die, wie sie angenommen, bereits in vor. Nummer miigetheilt wurden). Wie Herr Beig. Gnauth einleitend bemerkt, sei man schon seit einer Reihe von Zähren daran, das Octroi-Reglement einer Neubearbeitung zu unterziehen. Die damit zunächst betraute Commission habe den Antrag des Hrn. Dr. Gutfleisch auf Befreiung von Mehl, Back- waaren, Malz (mit Ausschluß desjenigen zu Brauzwecken), Holz und Braunkohlen abgelehnt, wogegen die letzte Stadtoerordnetensitzung im Sinne des Hrn. Dr. Gutfletsch beschloß. Nach den ursprünglich festgesetzten Octroisätzen hätte sich für die Stadt, da eine Erhöhung der Einnahmen aus Octroi angestrebt werden sollte, eine Mehreinnahme von 42000 v»L pr. Jahr ergeben. Diese Annahme sei durch den in vor. Sitzung gefaßten Beschluß um ca. 16000 JL reductrt worden; es frage sich nun, ob der Einfluß dieses Beschlusses ein sÄcher sei, daß die vorgeschlagenen Sätze geändert werden müßten, um diese Mehretnnahme zu erreichen oder ob die Sätze nur insoweit eine Erhöhung erfahren sollten, als dies zur Ausgleichung des durch den erwähnten Beschluß veranlaßten Ausfalls nöthig sei. Zu dem zur Berathung stehenden Gegenstand lag auch eine Eingabe der Fletscherinnung vor, in welcher die Aufhebung des Octrois auf Fleisch angefirebt und gleichzeitig ersucht wird, den § 4 des L>chlachthaus-Reglements einzuführen d. h. das von auswärts eingeführte Fleisch der Schlachthaus-Controle zu unterziehen. Ein weiterer von Hrn. Han stein gestellter Antrag geht dahin, die De- Ichlüsse der heutigen Versammlung in Betreff des Octroi-Reglements einer weiteren, zweiten Berathung zu unterziehen, sowie diesen Modus bei allen Beralhungen anzuwenden, bei welchen es sich um Eröffnung neuer Straßen, Vornahme öffentlicher Bauten, Polizeireglements, Localstatute :c., sowie um Ausgaben über 5000 handelt. Herr Hanstein motioirt seinen Antrag auf mehrmalige Behandlung wichtiger Gegenstände unter Hinweis auf die Parlamente, die Kammern rc., auch damit, daß man zwischen der Vorberathung und den endgültigen Beschlüssen immer noch in der Lage sei, Meinungen des Publikums, Stimmen der Presse zu berücksichtigen, vorgekommene irrige Auffassungen zu berichtigen rc. Herr Batst spricht sich gegen eine sog. zweite Lesung aus, der Stadtoorstand erhalte zeitig genug Mittheilung über die zur Berathung kommenden Gegenstände, so daß sich jedes Mitglied vorher informiren könne; komme nun einmal ein Gegenstand von besonderer Wichtigkeit zur Berathung, so könne man immer noch vor der entscheidenden Beschlußfassung Vertagung herbeifühl en. Herr Dr. Gutfleisch spricht sich ebenfalls gegen den Antrag des Hrn. Hanstein aus; es handle sich aber in den Parlamenten auch bei dem System der zweiten und dritten Lesung nicht darum, an gefaßten Beschlüssen zu ändern; die erste Berathung gelte z. B. im Reichstag allgemeinen Erörterungen und erst in den folgenden Lesungen würden Beschlüsse f gefaßt. Bei dem Stadtoorstand aber lägen die Dinge anders, hier könne eine mehr- , malige Berathung ohne Abstimmung dahin führen, daß die ersten als unbedeutend angesehen und erst bei der der Beschlußfassung unmittelbar vorhergehenden Berathung die I Mitglieder mit ihren Ansichten hervorträten. Nach seiner Meinung müsse ober jeder: Abgeordnete mit seinem klaren Urtheil an die Abstimmung gehen, obwohl auch er (Redner) Belehrungen aus dem Publikum und der Presse nicht unterschätze, trotzdem er in den hiesigen Blättern noch keine Belehrungen über den vorliegenden Gegenstand gefunden habe. Zu der Bemerkung des Hrn. Hom berg er, daß man sich behufs Ortentirung über wichtige Fragen leicht Auskunft auf der Bürgermeisterei oder sonst einem etngeweihten Mitglied holen könne, bemerkt Hr. Haustein, daß gerade hiervon der wenigste Gebrauch gemacht werde, der Gang zur Bürgermeisterei erfordere Zeit, sei auch md)t Jedermanns Sache. Er sei auch sehr dafür, daß sich die Presse mehr der Besprechung derartiger Angelegenheiten widme, müsse aber betonen, daß der Presse seither auch keine Mitthetlungen über das, was man innerhalb des Stadtvorstandes beabsichtige, gemacht worden seien. Hr. Hanstein tritt nochmals für seinen Antrag ein, den auch Hr. Petri unterstützt. Herr Beig. Gna uth läßt hierauf über den ersten Theil des Antrags des Hrn. Hanstein abstimmen, während er den zweiten Theil der juristischen Eommission übertragen zu sehen wünscht. Der Antrag wird abgelehnt. In der nun folgenden Generaldiscussion über den neuen Octroitarif legt Hr. Dr. Gutfletsch seinen Standpunkt zu dem Tarif im Allgemeinen dar und bemerkt u. A., daß. er, um irrigen Ansichten und Meinungen zu begegnen, nicht dahin strebe, durch auf einander folgende Abbröckelungen von einzelnen Positionen des Tarifs das Octroi ganz zu beseitigen; er erkenne vollkommen an, daß die seit Jahrzehnten aus dem Octroi erzielten Einnahmen nicht zu entbehren seien. Er habe nur die Absicht gehabt, durch Verschiebung einzelner Positionen eine bessere Vertheilung der Lasten herbeizuführen. Die nach Annahme des Tarifs stattfindende Verhandlung über das Octroi-Reglement betraf nur einige Aenderungen im Wortlaut desselben. — Die Sitzung wurde hierauf, nachdem die Versammlung sich damit einverstanden erklärt, daß die auf der Tagesordnung stehenden Gegenstände in der nächsten Sitzung behandelt werden, der vorgerückten Zeit halber aufgehoben. Gießen, 21. Juli. ^Historisches Concert.^ Um den mit der Aufführung der Bad. Leib-Grenadter-Kapelle beabsichtigten Zweck noch anschaulicher zu machen, sei es gestattet, einen Abriß der historischen Entwickelung der Mtlitärmussk anzufügen.- Eine Art Militärmusik findet sich bereits bei den ältesten Culturvölkern. „Trommeln, Heerpauken und Signal-Instrumente" bestimmten schon bei diesen nicht blos das Marschtempo, sondern wirkten auch anregend und anfeuernd auf die Sinne der Krieger. Zu einer eigentlichen Militärmusik kam cs erst im dreißigjährigen Krieg 1618—1648,*tn welchem neben den bereits vorhandenen Instrumenten, wie Schweizerquerflöten, Schall- meyen, Zinken, Jägerhörner, Baßpommer noch Fagott, Basethörner und Posaunen zur Einführung gelangten. Zu diesen Instrumenten kamen am Ende des 17. Jahrhunderts als weiterer wichtiger Faktor die Clarinetten. Von bedeutender Einwirkung auf die Militärmusik war das Auftreten von Eomponisten wie Haydn, Gretry, Mozart. Haydn's von Humor und Schalkhaftigkeit überfließende Compositionen wurden bei allen damaligen militärischen Anlässen aufgespielt. Mit der Militär-Sinfonie hat der unsterbliche Meister eine Reihe charakteristischer Tonbilder geschaffen, in denen man leicht die musikalische Abspiegelung milträrischen Lebens zu erkennen vermag. In dem marschartigen Allegretto dieses berühmten Meisterwerkes glauben wir iogar, die zwar tapferen, aber dabei doch behaglich treuherzigen österreichischen Krieger vor uns zu sehen, wie sie, mit in der Sonne funkelnden Gewehren, einen Parademarsch vor Kaiser Joseph ausführen. Die immer noch scharf abgegrenzte Militärmusik trat zu der Zeit L>pontini's (geboren im Jahre 1774) und Weber's (geb. 1786) aus ihrer ausschließlich militärischen Beziehung heraus und fing an, neben ihrer Aufgabe als Dienftmusik auch rein concertistische Zwecke zu verfolgen. Um diese Zeit wurden die Ventilinstrumente erfunden, welche eine tief eingreifende Umwälzung auf dem Gebiete der Militärmusik heroorriefen. Heute steht die Militärmusik in ihrer großartigen Besetzung der Instrumente und musikalischen Leistungsfähigkeit auf kaum zu Überbietender Höhe, was durch ' die Vorführung der schwierigen Wagner'scken Werke genügend documentirt wird. Die ge- I nannte Kapelle wird am Montag den 23. Juli ein derartiges „historisches Concert" unter Leitung des Kgl. Musikdirektors Herrn A. Boettge geben. Allgemeiner Anzeiger. LÜLL ei eintretendem Bedarf an Drucksachen halten wir Kunst - Druckerei empfohlen. l51lJl!llLLLDinTT71 IMk l'i Hi I h) £ lilililillllllllllBII/llllllllgllllllllllllllllllillllllllllllllfillgillg IIL 7/////////I Wir liefern alle Drucksachen, vom mit Entwürfen, Mustern t Druckerei Biieeet Schulstrasse 2Vb. 7. Rktzkiiniänlel Wasserdichte H. Kübsamen 4766 [inmi ininniniiimiiiiin empfiehlt in reicher Auswahl 3725 I Auch werden dieselben in jeder Form nach Maaß angefertigt. Muster von Stoffen sowie Zeichnung der neuesten Formen zur gefälligen Ansicht bereit na Roth, Gießen, Neuenweg 30, neben dem Löwen August Will, Bielefeld-Gadderbaum, Leinen-, Drell- und Damast-Weberei. Lieferung vollständiger Aussteuern. Anfertigung jeder Art Herren- und Damen Wafche. Nur vorzüglichste Waare bei mäßigen Preisen! Vertreten durch stehen wir zu Diensten einfachsten Schwarz- bis zum elegantesten Enxnsürnc Preisaufstellungen Inserate ,3,0 V ______ in dieser oder in ähnlicher ^x<^^besonders in die Augen fallender wir auch behufs ifl auswärtige Zeitungen an; ^^Abgüsse (Stereotypen) werden billig berechnet. unsere mit den neuesten Schriften, und Apparaten ausgestattete Buch- , -uff. & efe Verlag des Anzeigers. für Damen in Rad-Form von 6 «X 50 an, „ Herren „ Paletot-Form „ 12 „ 50 „ „ „ Knaben ff M H II 10 „ 50 „ „ „ Mädchen,, Havelock-Form „ 12 n n „ Wegen Gefchaftsverl-gung gjt fjUttSlich^V Alt« •*<*»* liCtllf meiner fämmtlicben Vorräthe, bestehend aus allen Sorten Schuhen und Stiefeln JU jC&CÖI UttnC^tnbUtCtl Preise» 9 Kircheoplalz 9. R» ftruoebaMm, 9 Kircbenplatz 9. 5654] Betttücherleinen, Küchen- Handtücher, Taschentücher, ungevl. Banmwolltuche, Druckzeuge, Gat- tune, Futterzeuge u- s. w. werden sehr billig verkauft bei L. Mühlhausen, Westanlage 15. 58u8 Eine größere Parthie Stangen, 12 cm Durchmesser. 14—15 m lang, billig abzugeben Steins Garten. Hausverkauf. Beabsichtige mein an der Lahn gelegenes Anwesen (Rodheimerstraße 6), die frühere Friesische Brauerei, unter ■ günstigen Bedingungen zu verkaufen. f Dasselbe besteht aus mehreren Ge- - wölben, großem Fruchtlager, ! 3 Familien-LogiS und Grabgarten j von circa 1/a Morgen. 5668 ? Fr. Textor, Hardt- Zahn-Mundwasser von M. u. O van der Hoeven, Frankfurt a. M-, Parfü- merieFabrik. Von vielen Aerzten empfohlen u. erprobt, verleiht den Zähnen eine blendende Glasur u. schützt vor Weiter- faul n i ß der hohlen- Zu haben bei [5818 Fr. Lehrmund, Friseur, Gießen- Glaserdiamanten, nur bessere Waare, empfiehlt C. D. Fillmann, 5415 Kirchenplatz 15. Ma ck, Ulm */d Ein Haus in bester Geschäftslage, zwei Laden für jedes Geschäft geeignet, zu verkaufen- Auskunft in der Exped- d. Bl- [420 Grabdenkmäler § von Marmor, Granit, Syenit und Sandstein in reicher Auswahl. Fr. Hewel, Giessen, Grünbergerstrasse Nidda, am Friedhof. Ein Haus zu verkaufen Näheres 5835 Löwengaffe 25. I Pianiao’s, M 1 Tlavierstimmen u Reparaturen ■ werden solid und billigst autzgeführt. I 3135 G. D. Gebauer, Seltersweg 67. schnelle Fahrten, < yelg. Voffvmttpfer vss lAiitweroeßf & I von der Becke & Marsily, Antwerpen V. J. Bothof, Generalagent, Mainz. Chr. Wallenfels in Giessen. W. Klippstein in Langsdorf. 43 Aufnahmen von einzelnen Personen, Kindern, Familiengruppen, Vereinen, Student. Corporationen. Gruppen bis zu 250 Personen. Landschaften, Villen etc. Architektonische Gegenstände. Reprodiiction vom kleinsten Bilde bis Lebensgrösse, Etablissements, Fabriken u. Güter. Auf Wunsch auswärtige Aufnahmen. «1 MHiwil 11 iPi Atelier: Gebr. Müller Giessen 31 Bahnhofstrasse 31 (Weinsaal), Comfortable, der Neuzeit entsprechende Einrichtung! Nur Momentaufnahmen! Vortheile: Durch die kurze Belichtungsdauer ■ — der Aufnahmen werden viel schärfere und natürlichere Portraits erzielt. Für Kinderaufnahmen absolut nothwendig. Als besonders beachtenswerth empfehlen unsern neuesten Collodiumdruck Aristotypie. (Wesentliche Verbesserung! Nicht theurer!) I! Billigste Preise I! Den Anforderungen der Zeit entsprechend, haben wir unsere Anstalt mit den neuesten Apparaten u. feinsten Decorationen, Staffagen etc. ausgestattet und sind im Stande, allen Anforderungen auf diesem Gebiete zu genügen. Das billigste und zugleich interessanteste Blatt Deutschlands ist die „Thier-Börse", welche in Berlin erscheint (Herausgeber Dr. Langmann). DaS Blatt sollte in keiner Familie fehlen. Für jeden Thierzüchter und Thierliebhaber ist das Blatt geradezu unentbehrlich. Der Abonnementspreis ist so billig, daß er gar nicht in Betracht kommt: nur 50 Pfg. daS ganze Vierteljahr, frei vom Briefträger in die Wohnung gebracht 65 Pfg. Dafür erhält jeder Abonnent: jede Woche die ^Thier-Börse", zwei- bis dreimal jeden Monat eine Beilage »Naturalien- und Lehrmittel-Börse* und jedes Vierteljahr eine spannende Erzählung Man abonn.rt nur bei seiner nächstgelegenen Vostanstalt. Alle Postämter in Deutschland, Oesterreich-Ungarn und der Schweiz nehmen jederzeit Bestellungen an. Wer nach dem 1. Juli adonnirt, muß der Post 10 Pfg. extra zahlen für die Nachlieferung der bereits erschienenen Nummern, falls er dieselben wünscht. Annoncen aller Art finden die weiteste Verbreitung in der „Thier- • Börse", welche in ca. 25,000 Exemplaren in ganz Deutschland gelesen wird. Die Zeile kostet nur 20 Pfg. Annoncen sendet man entweder Street an die Expedition der „Thier-Börse", Berlin S, oder auch an die Annoncenbureaux in allen größeren Städten. Rähmaschinenyandlung von [5463 Th. Haubach, Bahnhofstrasse 40, ältestes Geschäft dieser Branche in Gießen. Größte Auswahl. — Billigste Preise. — R-elle mehrjährige Garantie. — Hoher Rabatt gegen Baar. Abzahlung wöchentlich von «A 1.50 an. Singer-lVähmasehiuen in vorzüglicher Qualität und hochfeiner Ausstattung — mit Verschluß, allen Apparaten und Verbesserungen unter 3jähriger Garantie für Güte und Leistungsfähigkeit schon für 72 Mk. Gustav-Adolf-Fest. Eluhdun^. Mittwoch, den 23 d. M , feiert der Gießener Zweigverein der G.-A.-Stiftung sein Jadresfest in Großen-Linden. Im Vormiltagsgottesdienst um V210 Uhr wird H?rr Pfarrer Walz von Bad-Nauheim, im Nachmittagsgottesdienst Herr Pfarrer Klingelhöffer von Lich predigen. Es werden zu diesem Feste die Freunde des Vereins freundlichst eingeladen. Großen-Linden, den 19. Juli 1888. 5886 Der Kirchenvorstand. 3269] Schönes Knetplocal abzugeben. I 5733] Möblirtes Zimmer mit Cabinet Sonnenstratze 14. | zu permiethen. Bavaria. 5814 Für ein lebhaftes Manufactur- waaren-Geschäft mit Stadt- und Landkundschaft wird ein jüngeres Mädchen gesucht, welches sich in der freien Zeit in der Haushaltung beschäftigen müßte. Anmeldungen nimmt die Exped. d. Bl. entgegen.___________________ . _______ Von einer bayrischen Bierbrauerei wird eine nachweislich rentable Wirthschaft zu pachtengesucht. Offert, an die Exp. d. Bl. [5887 Ein Backsteinaccordant gesucht. [5827 I. Dern, Frankfurterstraße 76. Für eine der größten Hypothekenbanken Frankfurts nehme Aufträge zu billigstem Zinsfüße unter günstigsten Bedingungen entgegen. F. Hol berg, Kirchenplatz 8. | Mit den neuen Schnelldampfern bet 9 Tage. Norddeutschen <-5loyd kann man die Neise von Bremen nach Amerika machen. Ferner fahren Datnpfer des- Worddcutschen Lloyd I1 J " | Bremen I nach | Ostasien Südamerika Näheres bei dem General-Agenten M. Abraham» Mainz, oder dessen Agenten r 445 Earl Loos, Gießen, Kirchenplatz IlilllfffllYlTlS in allen Qualitäten mit Firmendruck empfiehlt zu billigen Preisen Brühl sche Druckerei. Kaufmännischer Verein. Frankfurt (Main). Seit Bestehen (1865) bis 31. Mai d. J. 17,153 feste Stellen vermittelt, davjn 1887: 1471, vom 1. Januar bis 31. Mai d J 699. Starke Nachfrage nach gut empfohlenem Personal für Comptoir, Laden, Lager und Reise aller Geschäftszweige. Nichtmitglieder 2 JL 50 für dreimonatliche Bewerbungsdauer Principale und Mitglieder gebührenfrei. Möbel-Fabriklager Th. Brück Ausstattungs-Geschäft Schlossgasse 16 GIESSEN Schlossgasse 16 gegründet 1858 beehrt sich hiermit die bedeutende Vergrösserung der Anzahl seiner complet eingerichteten Musterzimmer im neuerbauten Hause ergebens! anzuzeigen, so dass jetzt die stattliche Auswahl von in eigener Fabrik gefertigter 10 eleganter Salon-, Speise-, Herrn- und Schlafzimmer atiindeneS