Nr. :o Donnerstag den 22 März 1888. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen dilüt vureaur Schulstraße 7. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlokm. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. rü Z«m 22. März 1888. 9516 ßeba$“K wir den heutigen Tag zu seien«, wie hoffnungsvoll Erz, Jahrhunderte und Jahrtausende. Witt* mild ihm dtih/iAdw umK mU U a. f... ___k l ' . rv> . r . 7 sahen wir Alle ihm entgegen und wie bewegten Herzens trafen wir die Barbe- :bi, li i« $ U r in ir e °ki- i. siv 3. t>5 1. «"bi z. ■' itl l 5 Verehrung für den Heimgegangenen Monarchen, fie werden mit ehernem Griffel in dar Buch der Geschichte eingetragen und dieses Denkmal überdauert Stein, I reitungen zur würdigen Begehung des 92. Geburtstages Kaiser Wilhelms! l ilber was find Menschenwills, Menschenvorsätze, Menschenhoffnungen! Durch I Gottes unersorschltchen Rathschluß ist dieser Tag, der in früheren Jahren mit I Jubel, mit tosender Freude von ganz Deutschland begrüßt wurde, zum Trauer- Itag verwandelt worden. Zwar gedämpft wäre der Freude Ton ohnehin I in diesem Jahre gewesen; weilte doch der dem Throne Kaiser Wilhelms zu- I nächst Stehende, unser geliebter deutscher Kronprinz und nunmehrige erlauchte I Kaiser von Deutschland, fern im Süden, kämpfend mit schwerer Krankheit, l ünd müssen wir doch auch heute noch an dem Tage, an dem wir betend die I Hände für die Erhaltung Kaiser Wilhelms gen Himmel heben wollten, um I Schutz des Allerhöchsten für das bedrohte Leben des Fürsten flehen, der den I verwaisten Thron bestiegen. Wohl ist der heutige Tag, an dem der in Gott ruhende Kaiser Wilhelm I sein 92. Geburtstagsfest feiern sollte, kein Freudentag und graues Gewölk ballt I stch über deutschem Himmel zusammen; aber trotzdem wollen wir nicht achtlos den 22. März vorübergehen lassen und wenigstens gedenken, in stiller Trauer gedenken wollen wir des früheren Freudentages des deutschen Reiches. Denn der dankbare Deutsche vergißt, bei aller Verehrung für die Lebenden, nicht seiner ihm theueren Todten und hält ihnen die Treue über das Grab hinaus. Hoch vom Gipfel des Niederwaldes schaut auch heute Frau Germania hernieder in deutsche Gefilde, aber ernste Trauer blinkt in ihrem Auge. Die Trauer um den besten ihrer Söhne, der ihr Bild auf dieser Höhe dereinst ge- ' weiht und der nun dahingegangen in das Reich des Todes. Welch' weites Gefild' thut fich auf vor dem sinnenden Auge der stolzen, hehren Göttin und wie wogt es von der Fülle der Gestalten, die im Spiegelbild der Vergangenheit oorüberziehen. Hoch zu Roß der deutsche Kaiser, der der Reiches Macht aus festem Grund gefügt und neben ihm des kaiserlichen Sohnes Heldengestalt und 1 ringsumher die deutschen Recken alle, die tapfer geholfen, mit Blut und Eisen des Reiches Herrlichkeit zu gründen. Des Reiches Glanz und Größe besteht und für sie tritt das deutsche Volk und des deutschen Kaiserhauses Sprossen mit Gut und Blut ein und vor Allem der neue deutsche kaiserliche Held: aber der : Gründer des stolzen Bauwerkes if» heimgegangen in die seligen Gefilde. Dankbar hat das deutsche Volk seines reichen Lebens Heldenthaten anerkannt und um ihn zu ehren, hat es ihm bereits zu Lebzeiten der Denkmäler große Zahl gesetzt, jene Siegesdenkmäler, die an große Zeit erinnern, die Deutschland unter seinem großen Kaiser erlebt hat. Aber das schönste Denkmal, das riesengroß und un- : vergänglich, es wächst aus des deutschen Volkes Herzen hervor, dem dankbaren, liebersüllten Herzen Aller, gleichviel welches Standes, welcher Consesfion, welcher j Partei. Die Dankbarkeit des deutschen Volkes, die Anhänglichkeit, Liebe und \ . 3 Darmstadt, 20. Marz. fErste Kammer der Stände.) Unter dem Vorsitz des Fürsten Jsenburg-Budingen trat heute die erste Kammer der Stände zur Berathung des Staats-Budgets pro 1888-91 zusammen. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt der Präsident des Todes unseres all- verehrten Kaisers Wilhelm. (Das Haus erhebt sich von den Sitzen.) Meine Herren! tL>eit unserer letzten Sitzung hat Deutschland einen herben Verlust erlitten dadurch, daß es seinen glorreichen Kaiser verloren hat. Dieses so wichtige Ereigniß hat uns gewiß aste tief berührt und erschüttert. Ich bin daher auch Ihrer Empfindung sicher, daß ich dem Verluste, der uns getroffen, in tiefstem Mitgefühl von dieser Stelle Ausdruck verleihe. Auch Kaiser Friedrichs wollen wir gedenken, welcher von einer schweren Krankheit heickgesucht wird. Wollte Gott, daß derselbe baldigst von ihr genesen möge. Nach der Verlesung einiger Einläufe tritt das Haus in die Berathung des Budgets, „Ordentliche Ausgaben". Mit gewohnter Präcision erledigte das hohe Haus die Kap. 1-48 und tritt in fast allen Punkten den Beschlüssen zweiter Kammer bei. Nur bei Kap. 40, Realgymnasium und Realschule zu Offenbach, beschließt die Kammer, die von der Regierung geplante und von zweiter Kammer genehmigte Um- Bll 6)1 t. e ii; MV II. I3K W TI! ist 13 Der grelle Aufschrei der Schmerze», in dem dar deutsche Herz erbebte, ais -r die Nachricht vom Ableben der theuren kaiserlichen Herrn empfing, hat stiller Trauer und liebevoller Erinnerung Platz gemacht. Mild lächelnd taucht auch heute wieder da« Angeficht der in Gott Entschlafenen vor unr auf; ein unfichtbarer Band spinnt fich von den Lebenden zur Brücke der Todes, und wie einst dar Volk den Kaiser Barbarossa nicht sterben, sondern nur schlafen und so dem Volke tmn nahe sein ließ, so lebt auch heute Kaiser Wilhelms Geist noch unter unr, er lebt in seiner Kaiserhauses Sprossen, er lebt in deutscher Kraft, deutscher Männlichkeit, deutscher Tüchtigkeit und Pflichttreue. Die Raben, fie fliegen nicht mehr um den Berg, und wenn auch der Arm, der fie verscheucht, nun nicht mehr un» seine Stärke leihen kann, wir wollen darauf halten, daß die Raben nimmer wieder kehren, wir Alle, die wir deutsch denken und deutsch fühlen, wir und der mächtigen deutschen Kaiserhäuser Glieder. Eine» so bescheidenen, gottergebenen und wahrhaft großen Manner Erinnerung kann man nicht besser ehren, al» indem man in seinem Sinne handelt, alr indem man ihn selbst zum Vorbild nimmt. Auf Deutschlands Einigkeit war Kaiser Wilhelms Ziel gerichtet und das geeinigte deutsche Reich ist sein V-rmächtniß an dar deutsche Volk. So wollen wir unr denn in Stunden der Freude und der Gefahr, treu zu Kaiser und Reich stehend, um jener Heldcnweib auf der Rieder- walde« Höhe schaaren, wollen aurharren bis zum letzten Blutstropfen, in angestammter Treue bei Kaiser und Reich und in aller Roth und Gefahr, bei Mm Guten und Bösen, war dem jungen Reiche noch bevorstehen mag, gedenken Kaiser Wilhelm«. Und wenn dann Germania vom seifigen Gipfel frohe Botschaft zum Himmel sendet und deutschen Ruhm und deutsche Ehre und deutsche unentwegte Treue kündet, dann mag wohl milden Lächelns der verklärte Geist Kaiser Wil- helmr auf deutsche Gefilde herabschauen und uns sein Gruß umwehen: Ich denke dein, du treuer deutscher Vaterland! Betreffend: Die Ausführung der Bauunfallverficherungsgesetze«. Gießen, am 20. März 1888. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die »rotzherzpgttchen Bürsermeiftereien de» «reiss», erinnert ^^enigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 20. v. Mts. noch nicht entsprochen haben, werden hierdurch an alsbaldige Erledigung derselben ________________________ Dr. Boekmann. Betreffend: Die Anschaffung und Unterhaltung der Faselviehr. “ Gießen, am 2V. März 1888.------- Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die Grotzherzsglichen Bürgermeistereien des Kreisel drei Tagkn Mgegem'b * au^rei(,en Dom 22' Februar l. I. - Anzeiger Nr. 54 - noch nicht erledigt haben, sehen wir Ihren Berichten binnen . . Dr. Boekmann. Wandlung des Realgymnasiums daselbst in ein humanistisches Gymnasium mit 13 gegen 10 Stimmen, trotz warmer Befürwortung Seitens des Großh. Staatsraths Knorr, nicht gutzuheißen. Hierauf vertagt sich das Haus bis morgen früh 9Vr Mijr. Darmstadt, 20. Marz. An die zweite Kammer der Stande richtet das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz folgendes Anschretben: Das Gesetz vom 22. Juni 1887 sieht die Unterbringung jugendlicher Uebelthäter und verwahrloster Kinder entweder in eine geeignete Familie, oder in eine Erziehungs- oder Besserungs-Anstalt vor. Es muß also die Möglichkeit der Unlerbringuna auch in eine Erziehungs- oder Besserungs-Anstalt je nach Umständen gegeben werden. Nun besteht im Großherzogthum eine staatliche Erziehungs- oder Besserungs-Anstalt nicht. Die Großh. Regierung hat sich einestheils bis jetzt von dem Bedürfnisse der Errichtung einer staatlichen Anstalt nicht überzeugen können, anderntheils würden ihrer Ansicht nach einem solchen Unternehmen, abgesehen von äußeren Schwierigkeiten aller Art, gewichtige innere Bedenken entgegen stehen. Auch kommunale Erziehungs- oder Besserungs-Annalten sind dermalen im Großherzogthum nicht vorhanden. Wohl aber bestehen im Großherzogthum mehrere Privat-Anstalten, welche auf freiwillige Liebes- thätigkeit gegründet sich die Erziehung verwahrloster Kinder zur Aufgabe gestellt und hierin bewährt haben, so daß deren Benutzung keinem Anstand unterliegt. In diesem Sinne sind die Großh. Kreisämter mit Weisung versehen und denselben als inländische Privat-Anstalten, deren Inanspruchnahme nicht zu beanstanden sei, Ergänzungen vorbehältlich, die Rettungshäuser in Hähnlein, Kloster Arnsburg und Jugenheim i. Rh., die St. Josess-Knaben-Anftalt in Klein-Zimmern und das St. Marten-Waisenhaus in Neustadt i. O. bezeichnet worden. Dabet ist übrigens bemerkt worden, daß auch bewährte Privat-Anstalten außerhalb des Großherzogthums zunächst von der Benutzung nicht ausgeschlossen sein sollen. Benutzt aber sonach der Staat die privaten Erziehungs-oder Besserungs-Anstalten zu seinen Zwecken, so darf es auch als seine Aufgabe betrachtet werden, Bestimmungen zu treffen, welche es den im Großherzogthum gelegenen Anstalten ermöglichen, tüchtige Erzieher und Lehrkräfte zu erwerben und sich zu erhalten. Hat doch der Staat das lebhafteste Interesse daran, daß den in solchen Anstalten untergebrachten Kindern, welche der Volksschule entzogen sind, ein guter, ja der bestmögliche Unterricht ertheilt werde. Die fraglichen Anstalten werden aber tüchtige Kräfte, sei es als Erzieher und Leiter, sei es als Lehrer, vielfach nur erwerben, beziehungsweise sich auf die Dauer erhalten können, wenn dieselben, die Vorbedingungen hierfür im übrigen vorausgesetzt, in Bezug auf Dienstalter, Pensionsberechtigung und Wittwen- und Waisenoeriorgung nicht schlechter gestellt sind, als die im östentlichen Schuldienste verwendeten Volksschullehrer. — Mir Bezug hierauf wird an die zweite Kammer das Ansinnen gerichtet, das Einverftändniß damit erklären zu wollen, daß den an Privat- Erziehungs- oder Besserungs-Anstalten im Großherzogthum als Hausväter, Erzieher oder Lehrer beziehungsweise als Lehrerinnen beurlaubten und für die Zeit der Beurlaubung von diesen Anstalten bezahlten Volksschullehrern und Volksschullehrerinnen die Zeit der Verwendung an diesen Anstalten in Bezug auf Dienstalter, Pensionsberechtigung, beziehungsweise Wittwen- und Waisenversorgung als Dienstzeit in Anrechnung gebracht werden darf. Deutscher Reichstage 59. Sitzung vom 20. März 1888. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Berathung der an Se. Maj. den Kaiser zu erlassenden Adresse. Die von dem Präsidenten v. Wedell-Ptesdorf verlesene Adresse hat folgenden Wortlaut: Allerdurchlauchttgfter, Großmächtigster Kaiser und König! Allergnädtgster Kaiser, König und Herr! In tieffier Ehrfurcht hat der deutsche Reichstag Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät Botschaft vernommen. Wir sind erfüllt von Dankbarkeit, daß Eure Majestät nach dem Heimgange Seiner Majestät, unseres in Gott ruhenden Kaisers, die mit der deutschen Kaiserwürde verbundenen Rechte und Pflichten, alle Hindernisse überwindend, sofort übernommen haben mit dem Entschlüsse, die Retchsverfassung unverbrüchlich zu beachten und aufrechtzuerhalten und demgemäß die verfassungsmäßigen Rechte der einzelnen Bundesstaaten und des Reichstags gewissenhaft zu achten und zu wahren. Mit Eurer Majestät und dem Kaiserlichen Hause trauert ganz Deutschland in bitterem Schmerz um den großen Herrscher, dem Deutschland seine Wiedervereinigung dankt, dessen Leben gewidmet war der Stärkung der für Deutschland gewonnenen Machtstellung als eines Hortes des Friedens und der Befestigung des Bandes, welches er um Deutschlands Stämme geschlungen hatte, der bis an sein Ende unablässig bemüht war, für das Wohl aller Klassen unseres Volkes zu sorgen. Der Reichstag ist entschlossen, an der Lösung der Aufgaben, welche Kaiser Wilhelm sich gestellt und als ein Vemächtniß dem deutschen Volke hinterlassen hat, an seinem Theile mitzuwirken, in nie wankender Treue gegen Kaiser und Reich, in unerschütterlicher Hingebung an Eure Majestät und AÜerhöchstdcren Haus. — Eure Majestät haben den Willen kundgegeben, Recht und Gerechtigkeit, Freiheit und Ordnung im Vaterlande zu schirmen, die Ehre des Reiches zu wahren, den Frieden nach außen und im Innern zu erhalten und die Wohlfahrt des Volkes zu pflegen. — Der Reichstag ist bereit, Eure Majestät in der Durchführung dieses Willens mit allen Kräften zu unterstützen. Einmüthig hat der Reichstag bewilligt, was zur Erhaltung der Wehrkraft Deutschlands erforderlich war, in der festen Hoffnung, damit ein Bollwerk zu schaffen, welches, so Gott will, den Frieden Europas erhalten wird. Wir leben der Zuversicht, daß das deutsche Volk, fest geeint mit seinem Kaiser und den Regierungen der deutschen Staaten, einer glücklichen Zukunft entgegengeht und alle Stürme, welche über uns hereinbrechen können, siegreich bestehen wird. Möge Gottes Segen aus Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät und unserem Vaterlande ruhen. In tiefster Ehrfurcht verharret Eurer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit allerunterthänigster Der Deutsche Reichstag. Die Adresse wird auf Vorschlag des Präsidenten unter dem Beifall des Hauses einstimmig debattenlos angenommen. Der Präsident erklärt, daß das Präsidium die Adresse dem Kaiser überreichen und wenn dasselbe zur Audienz zugelassen werden sollte, die Gesinnungen der Treue und Theilnahme des Reichstages für die Mitglieder des Kaiserlichen Hauses aussprechen werde. Ein von Mitgliedern aller Parteien gestellter schleuniger Antrag: Den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage in der nächsten Session eine Vorlage behufs Errichtung eines Denkmals für den hochseligen Kaiser Wilhelm, den Gründer des Deutschen Reiches, zu machen, nimmt das Haus ohne Diskussion einstimmig unter lebhaftem Beifall an. Ohne Debatte werden das Gesetz, betr. den Reingewinn aus kriegsgeschichtlichen Werken des Großen Generalstabs, sowie die internationale Literarconventton, in dritter Lesung angenommen. Ebenso werden das Gesetz, betreffend die Löschung nicht mehr bestehender Firmen Im Handelsregister, und die Vorlage über die Auslegung des Art. 2 des Gesetzes vom 30. August 1871, betr. die Einführung des Strafgesetzbuchs in Elsaß-Lothrtngen, in brtttcr Berathung genehmigt. Der Präsident thetlt mit, daß damit die Arbeiten dieser Session erledigt sind und gibt hierauf die übliche Geschäftsübersicht. Abg. Dr. Graf v. Moltke spricht im Namen des Hauses dem Präsidenten den Dank für die umsichtige und unparteiische Leitung der Geschäfte aus. Die Mitglieder erheben sich zum Zeichen des Dankes von ihren Plätzen. Der Präsident dankt den Mitgliedern des Hauses und des Bureaus für die ihm stets erwiesene Unterstützung. Darauf verlieft Staatssecretär v. Bötticher eine Kaiserliche Botschaft vom 12. d. M., wonach die Sitzungen am 20. d. M. geschlossen werden. Präsident v. Wedell-Piesdorf fordert das Haus auf, den Gefühle» der Treue und Hingebung an Se. Majestät durch ein dreifaches Hoch Ausdruck zu geben. Die Mitglieder stimmen begeistert dreimal ein. Telegraphische Depeschm. Wolff'S telegr. EorrespoAdeur-Bvrea«. » Berlin, 20. März. Der Kaiser verbrachte eine gute Nacht und stand früh erquickt auf. Er erschien mehrmals am Fenster und empfing nach den gemeldeten Vorträgen den Kropprtstzen und die Prinzessinnen Töchter. Die Kaiserin fuhr Vormittags nach Berlifi und kehrte nach mehrstündigem Aufenthalt zurück. Berlin, 20. März. Der König von Rumänien tritt heute nach seinem Ab- chtedsbesuch bei dem Kaiser die Rückreise über Wien an. Berlin, 20. März. Dem Vernehmen nach hat der Kaiser das Gesetz betreffend die Verlängerung der Legislaturperiode des Reichstaas unterzeichnet. — Die Kaisertn-Wittwe Augusta übersandte den Stadtverordneten von Berlin auf deren Beileidsadresse ein Antwortschreiben, worin sie ihren tiefgefühlten Dank ausspricht und betont, daß kein Ort für den Kaiser Wilhelm eine gleiche Bedeutung gehabt habe wie Berlin. „Wer in den letzten Jahren seines Lebens Zeuge des rührenden alltäglichen Bildes sein konnte, wenn Tausende des Augenblicks harrten, seiner ansichtig zu werden, der fühlte, daß mit allen Blicken alle Herzen ihm entgegen flogen. Dieser Vorgang war ein täglicher Morgengruß des Volkes zu seinem Fürsten und des Fürsten zu seinem Volk. Beiden war er zu einer ungern entbehrten Lebensgewohnheit geworden. Mehr brauche ich nicht zu sagen, um der Gesinnung gerecht zu werden, die mich hoffen läßt, daß wie mein Leben einer Erinnerung fortan geweiht fein wird, ich mich auch von einem Andenken trostreich umgeben und getragen fühlen darf, in Ausübung des Berufs, der mir noch verbleibt." Berlin, 20. März. Der Kaiser arbeitete gestern Nachmittags und Abends allein. Heule Vormittag hörte er den Vortrag des Kriegsministers und arbeitete sodann längere Zeit mit dem General Albedyll. — Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sagt bezüglich der mexikanischen Anleihe, woran sich deutsches Kapital betheilige, hoffentlich werde damit für die deutsche Industrie ein neues Absatzgebiet erschiessen und es sei zu erwarten, daß Mexiko in Erwiderung des ihm von deutschen Kapitalisten entgegengebrachten Vertrauens, wegen Befriedigung feines Bedarfs an Jnduftrieerzeugnissen sich an Deutschland wende, damit die wirthschaftlichen Beziehungen sich gegenseitig lohnend gestalteten. Bern, 20. März. Der Bundesrath bewilligte einstimmig und ohne Debatte den vom Bundesrath für bessere Organisation der politischen Polizei geforderten Credit. Paris, 20. März. Der Ordenshandelprozeß gegen Caffarel und Frau Limousin wurde heute beendet. Das Zuchtpolizeigericht nahm bei Eaffarel mildernde Umstände an und verurtheille denselben zu 3000 Francs Geldbuße, die Limouzin zu sechsmonat- lichem Gefängnitz. — Heute Mittag fand in der Kirche Saint Philippe eine Trauerfeier für den verstorbenen Senator Carnot statt, dem der Präsident mit seiner Familie, die Minister, dos diplomatische Eorps und zahlreiche Freunde des Verstorbenen beiwohnten. London, 20. März. Dem „Standard" wird aus Shanghai gemeldet, daß bei dem jüngsten Erdbeben in Aunnan die großen Städte Shihping und Kianshue zerstört worden seien; die Zahl der umgekommenen Menschen werde auf 4000 geschätzt. L o k a l e Gieße«, 21. März. Das Ergebniß der in voriger Woche veranlaßten Ein- zeichnung zu einem Kranze für unseren alloerehrten, verklärten Kaiser ist ein überaus günstiges gewesen. Dank der allseitigen, regen Bethetligung ist, nachdem ein einfacher, schöner und würdiger Lorbeerkranz an das Kaiser!. Königl. Hofmarschallamt in Berlin abgesandt wurde, eine nicht unbedeutende Summe übrig geblieben. Man glaubte der Zustimmung aller Spenderinnen gewiß zu sein und ganz besonders im Sinne des hohen Verblichenen zu handeln, indem man dieselbe an die Kaiser-Wilhelm-Stiftung übersandte. Oietzrn, 21. März. (Schwurgericht). Der dahier geboreneunverheirathete Maurer Georg Kann, ein Mann in den Fünfzigern, jedoch ein unverbesserlicher Taugenichts, hatte sich heute Mittag vor den Geschwornen zu verantworten, weil er dem Forstwarten Brück von Rödgen in rechtmäßiger Ausübung seines Dienstes Widerstand entgegengesetzt hatte. Er wurde von dem Forstbeamten gesehen, als er den Philosophenwald mit einer Last Holz verließ, von ihm in der Nähe des Wiesecksteges eingeholt und gestellt. Kann rief Brück entgegen, er solle ihm nicht zu nahe kommen, sonst schlage er ihn tobt, was jedoch den Beamten nicht abhielt, feiner Pflicht zu genügen und festzustellen, welches Holz Kann gefrevelt hatte. Kann schlug nun mit einem schweren Eichenstock dem Brück unversehens auf den Kopf, so daß derselbe sofort eine blutende Wunde davontrug, er taumelte, raffte sich jedoch auf und machte den Frevler unschädlich. Wie der vernommene Sachverständige Herr Dr. Felsing deponirte, hatte der Hut des Forstwarten die Wucht des Schlages gemildert, sonst hätte eine noch bedenklichere Verletzung entstehen können. Der Angeklagte sagt, daß ihn Brück zuerst geschlagen habe, er habe darauf mit dem Stock dem Brück von der Seite eins versetzt und „wupp da lag er", wie der Rausbold keck bemerkt. Die Frau des Herrn Leib („Zum Philosophenwald") hatte jedoch den Vorfall genau beobachtet und wahrgenommen, daß Kann dem Forstwarten plötzlich ohne alles Weitere auf den Kopf geschlagen hätte, wie auch der Beamte auf seinen Eid versicherte. Die Staatsbehörde beantragte ein „Schuldig" auszusprechen, der Vertheidiger erwiderte kurz, Kann müsse durcheinander gewesen sein, da er ja gesagt, Brück sei auf den Schlag zu Boden gestürzt, was doch nicht der Fall gewesen wäre, wie die Zeugen bestätigt hätten, im Uebrigen überlasse er es den Herren Geschworenen. Es wird das „Schuldig" ausgesprochen und verurlheilt der Gerichtshof den Kann mit Rücksicht auf seine Vorstrafen (er hat bereits 52 Stück im schwarzen Buch) in eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren. Nack Anhörung des Uctheils wußte Kann nur zu bemerken, der Brück habe ihn ja schon todtschießen wollen. Mit diesem Fall ist die Schwurgerichtssession des 1. Quartals zu Ende. — Heute haben wir Frühlings-Anfang und dazu heute Nacht 8° Kälte. — Kommentar hierzu überflüssig. Vermischtes. A Mainz, 20. März. Unter dem hiesigen Fleisch consumirenden Publikum macht sich eben eine lebhafte Agitation gegen einen Theil der Mainzer Ochsenmetzger bemerkbar, welche durch das Festhalten an unverhältnißmäßig hohen Preisen hervor- gerufen wird. Daß diese Bewegung gegen die Herren Metzger nicht grundlos ist, geht aus der Thatsache hervor, daß bei der gestrigen Submissionseröffnung auf Lebensmittel für die städtischen Hospizienanstalten die Lieferung von der vorgeschriebenen Qualität Ochfenfleifch von verschiedenen Metzgern zu 12 bis 17 Pfennig pro Vi Kilo unter dem jeweiligen, wöchentlich festgestellten Ladenpreis angeboten wurde. Diese ungeheuren Abgebote machen mit Recht das Publikum stutzig und erwartet man deshalb von allen Seiten sehnsüchtig die Eröffnung der von dem landwirthschaftlichen Verein in'3 Leben gerufenen Genossenschaftsschlächterei. A Mainz, 20. März. Der Lademeifter Reis von der Hessischen Ludwigsbahn, welcher letzte Woche bei dem Rangiren auf dem hiesigen Bahnhof zwischen die Puffer gerieth, ist den dabei erhaltenen Verletzungen erlegen. Kaiser Wilhelms letzte Namensunterschrift. Fürst Bismarck verkündigte in der Sitzung des deutschen Reichstages vom 9. März das Ableben Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm und legte dem Hause das historische Aktenstück, welches die letzte Namensunterschrift des Kaisers trug, mit folgenden Worten vor: „Ich hatte die Bitte an Seine Majestät gerichtet, nur den Anfangsbuchstaben des Namens noch zu unterzeichnen. Majestät haben darauf erwidert, daß Sie glaubten, mit dem vollen Namen noch unterschreiben zu können." Wir bringe» unfern Lesern hierunter ein Abbild jener Unterschrift, eines Denkmals -er Pflichttreue bis zum letzten Athemzuge: Den altbekannten glatten Namenszug aus dm Mannesjahrm des Kaisers fügen n>ir zum Vergleiche auch bei. Farbig, schwarz und weiß Seideu-Moiree von Mk. 2.65 bis Mk. 10.30 per Met. (antique und francaia) versendet roben- und stückweise porto- und zollfrei das Fabrik-D4pöt G. Henneberg (K. u- K- Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Briefe 20 Pf. Porto. 2377 Kemmerich’s OOnd. Bouillon ist eingedickter reiner Fleischsaft ohne Zusatz von billigen Sappenkräutern. Bequem.Gebrauch, fein.Geschmack. Z Sterblichkeitsziffer: 21,9 */«. Kinder Wöchentliche Aeberficht der TodesMe in der Stadt Gießen. W ' u. Woche. Vom 11. März bis 17. MSr; 1888. Einwohnerzahl: 19 001 (tncl. 1600 Mann Militär). Es starben an: Rufommen: Erwachsene: im vom 51 1. Lebensjahr: 2.-15. Jahr: Lungenentzündung 2 2 — — Lungenerweilerung 1 1 — — Lungenblutschlag 1 1 — — Organischer Herzkrankheit 1 (l) 1 (1) — — Altersschwäche 1 1 - ! Entzündung der Bronchien 1 - - { Atrophie 1 — —___1 Lrumma: 8 6 — , , . 2. Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Bekanntmachung. Die auf den 22. d- M. anberaumte Holzversteigerung imGroßew Busecker Walddistrict Buchberg wird nicht abgehalten- Großen-Buseck, am 20. März 1888. Großh. Bürgermeisterei Großen-Buseck. Stephan-2382 Holzversteigerung in der König!- Oberförstern Strupbach. (Königlicher Förster Guericke zu Fh. Bieber). Mittwoch, den 4 April cr., sollen aus den Districten Hute Nr. 41, Schlust Nr- 40, Schulborn 37 c, Eulenkops Nr. 33 und 35, Schmitt- stadt 38a, Kleiner Dünsberg Nr. 37 und Schmittenberg Nr. 27 öffentlich versteigert werden: 32 Stück Nadelholz - Stämme mit 5,65 frn, 4 Stück Nadelholz-Stangen 1. u. n. Classe, 1 rm Eichennutzscheite, 15 „ Eichenscheite und Knüppel, 38 „ Eichen-Reiser III. Classe, 353 „ Buchenscheite und Knüppel, 2408 „ Buchen-Reiser II, M, IV. Elaffe, 1 rm Weichholzscheit, 1 „ Nadelholzknüppel, 109 „ Nadel-Reiser III. Claffe und 72 „ Buchen-Stockholz. Zusammenkunft Vormittags genau 9 Uhr an der Kreuzbuche. Kaufliebhaber wollen das Holz vor dem Termine besichtigen. Forsthaus Strupbach, den 20. März 1888. Der Königliche Oberförster: Baumann. 2388 Keisgeöotenes. 2380 Ein schweres Zugpferd, zwölfjährig, normänn. Race, brauner Wallach, steht preiswürdig zu verkaufen. Wo? sagt die Exped. d. Bl-___________ Tafelelavier, ein noch wenig gespieltes, aus der berühmten Fabrik von Earl Nebel zu Stuttgart ist billig zu verkaufen- Näh. in der Expedition d. Bl. 1912 Corsetten für Damen und Mädchen (Ccmfir- manbinnen) in allen Weiten, besten Fa^ons und Stoffen, empfiehlt zu billigsten Preisen 2396 Fische und Geflügel, schöne Auswahl, neue Citronen u. Orangen, Eompot- früchte, Erbsen und Bohnen in Büchsen, Wurst, Fleischwaaren und Käse in 20 versch. feineren Sorten empfiehlt 2391 C. G. Kleinhenn. Allgemeiner Anzeiger. Lohversteigerung. Die in meiner Bekanntmachung vom 10. ds. Mts. für Einreichung der schriftlichen Forderungen auf die Lohe festgesetzte Frist wird der ungünstigen Witterung wegen bis einschließlich den 4. k. JJc. verlangen. Ausgeboten wird: Alter. Geschätzter Gemeinde. ' District. Schlag. Jahr. Ertrag. Rentner. Dornholzhausen Am Bergwerk VIII 15 70 Ebergöns Nonnenforst rv 15 120 Gr.-Rechtenbach Steinsberg IV/V 20 130 Hochelheim Mühlstrauch 15 I/IV 25 20 Hohn-Birken 10 XIII 16 25 Hörnsheim Hömsheimer Eck 10 Vi 14 35 Lützellinden AbichtShöll II1/1V/V 17 120 Münchholzhausen Jungenwald III 18 90 15 Niederkleen Mühlberg IX 16 Oberkleen Grauestein 17b ni 35 30 Schiffshecke m 17 370 Reiskirchen Streicheide 4 18 60 Heide 5a, b ii 16 40 Vollnkirchen 2 3 in 16 28 80 50 18 — 18 12 Weidenhausen 1 — 18 10 ir Kreuzbaum XIII 15 20 Groß-Rechtenbach, 20. März 1888. 2386 Das Bürgermeister-Amt. Lieder singende Blutfinken (1—2 Lieder ganz rein aussingend), gebe zu ermäßigten Preisen. 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Verwandten und Freunden die schmerzliche Mittheilung, dass unsern \ ater, Grossvater, Schwiegervater, Bruder und Schwager Herrn HMesitzer Ludwig Frey heule firü1 LL Krackedage"’A,tor 69 - -h rufe„. Lollar, den 20. März 1888. Dlc dauernde Familie. Die Beerdigung findet Freitag Nachmittag 2 Uhr statt. - 3u Ehren des hochseligen Kaisers Wilhelm veranstaltet der Verein Donnerstag den 22. März, Abends 8'/, Uhr, m der Gymnasialturnlialle eine Gedächtnissfeier. 2393 Sle mÜ9heber nebft ^"gehörigen werden hierzu höflichst eingeladen. --------------------Der Vorstand. 2378 Ein kleines Logis ,u vermiethen. __________________________Rittergasse 23. 2379 Ein fein möblirtcs Zimmer mit Cabinet zu vermiethen. _______________Grünbergerstraße 36 11. 2390] Laden und LogiS zu vermiethen. Seltersweg 14 J. 2392 Ein Familienlogis zu vermiethen. _____Tiefenweg 13. 2397 Kl. Familienlogis m. Gartcnanth. Zu vermiethen.Seldschlößchcn. Donnerstag, Vev 22. d. M.: Weber. 2384 2394] Möbl., sowie unmöbl. 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Staatsbabn-Acnen 85 75 1880 4o/o Russen Oblig ‘ 4% unif. Egypter Oblig. März 1888 193.12- 90.00 77.20 90.00 Redaction: A. Scheyda. ---——--------^ndenz: unentschieden. UHb bet Erüh-Ich-n Truck^FrT^T^iHs^Hi^------- Wit heutige Nummer enthält 1 Blatt und 1 Beilage. Beilage zu Jlr. 70 des „fiietzener Anzeiger". Allgemeiner Anzeiger 1564 Günstige Gelegenheit für Brautleute! Möbel Neuenweg 22. 1563 | Herrenhemden nach Maaß. aS»9 X billigsten Preisen. L932 152 1 LouiS Rotheuberger, Neuenweg 22. W ® I CD g 3 P Confirmanden - Anzüge billigst zu kaufen bei 2034 Die Unterzeichnete empfiehlt sich im Aus- und Ankleiden der Tobten. Frau Dürr, Wallthorstraße 13, bei Metzger Hofmann- Lacke, Farben und Materialwaaren zu allen Zwecken in besten Qualitäten liefert die :iDrog-eTxlxa^rxti.lvLXXgr von Otto Schaaf, Seltersweg 39. 2310 Ein guter Arbeiter gesucht. Ernst Koch, Schuhmacher, __Kirchenplatz 18_ 2111] Pensionäre finden freundliche Aufnabme in einer gebildeten Familie. Wo? sagt die Expedition d. 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