Nr. 19* Dienstag den 21. August töii’lwiici* JAtiP einet' Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Vur-au- Schulstr-ß- 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.jgg**glrS^bewgen^iertajaTrH^“ M°rk50Pst Amtlicher Hßeil. Betreffend: Den Termin zur Einsendung der Gemeinde-Rechnungen und Voranschläge. Gießen, den 18. August 1888. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Geotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 11. Juni 1885 — Amtsblatt Nr. 4 — sehen wir spätestens bis zum 1. October L I. Ihrer beachtlichen Anzeige darüber, daß die Gemeinderechnung pro 1887/88 von dem Gemeinde-Einnehmer an Sie abgeliefert worden ist, entgegen. __I. V.: Jost. __ _____________________________ Betreffend: Reichs-Obstausstellung zu Wien. Bekanntmachung. In den Tagen des 29. September bis 7. October l. I. findet zu Wien die vom österreichischen Pomologen-Verein veranstaltete Reichs-Obstausstellung statt, an der sich auch aus Oberheflen solche betheiligen können, welche Obstdörren und Maschinen und Geräthe zur Verwerthung des Obstes anfertigen oder besitzen. Es sind außer goldenen und silbernen Medaillen Preise von 100—1000 fl. ausgesetzt. Interessenten können das Programm auf Verlangen durch das unterzeichnete Präsidium zur Einsicht erhalten. Friedelhausen, am 11. August 1888. Der Präsident des landwirthschastlichen Vereins von Oberhessen. Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau. Lokales. Gießen, 19. August. Am gestrigen Tage, dem Gedenktage an die Schlachten um Metz, wurde auch in unserer Stadt, gleich wie an anderen Orten Deutschlands. Derjenigen gedacht, die vor nunmehr 18 Jahren im Kampfe für das Vaterland gestorben. "^teranen-Verein", dessen Mitglieder zum größten Theile mit auf dem Voden Frankreichs gekämpft, hatte es übernommen, eine den auf hiesigen Friedhöfe ruhenden Kampfern des gewaltigen Krieges würdige ernste Feier zu veranstalten. Um 7 Uhr Abends begab sich ein Theil des Vereins nach dem Friedhöfe und legte daselbst nach ^ner Herrn Horeyseck gehaltenen, den Gefallenen - gewidmeten Ansprache! eme Anzahl Kranze auf die Gräber der deutschen wie französischen Krieger nieder — Der Abend vereinigte die Mitglieder des Veteranen-Vereins nebst einer großen Hab! geladener Gaste und zahlreicher sonstiger Thetlnehmer zu einem Banket im Leib'Mien Saale, bei welchem der Vorsitzende, Herr L. Petri III., nach Begrüßung der Gäste und einer die Ereignisse von Graoelotte-St. Privat betreffenden Ansprache ein Hoch auf Kaiser Wilhelm II. und Großherzog Ludwig IV. ausbrachte. Die Feier, unter Mit- w.rkung der Kapelle des Hessischen Jäger-Bataillons Nr. 11 und des Bauer'schen Gesangvereins, sowie gewürzt durch Ansprachen, verlief auf's schönste und hielt die Thetlnehmer bts zu früher Morgenstunde beisammen. Gießen, 20. August. Denjenigen Lesern unseres Blattes, welche nach Frankfurt zu reisen beabsichtigen, sei an dieser Stelle mitgetheilt, daß mit der Eröffnung des neuen Staatsbahnhofes zu Frankfurt die Fahrpreise, namentlich lyj»0 r;„un b Rückfahrt, wesentlich erhöht worden sind. Ab Station Gießen stellen sich die Fahrpreise wie folgt: Für Schnell- und Courierzüge: I. Classe. II. Classe. III. Elaste seither JL. 5.90 JL 4.40 JL 3.10 jetzt „ 6.— „ 4.50 „ 3.10 Für gewöhnliche Züge: Etnzelfahrt. I. Elaste. II. Classe. III. Elaste. IV. Classe. seither JL 5.20 JL 3.90 JL 2.60 1.30 jetzt „ 5.30 „ 4.— „ 2.70 „ 1.40 Hin- und Rückfahrt. I. Classe. II. Classe. III. Classe. seither JL 7.80 jl 5.90 JL 3.90 jetzt „ 9.- „ 6.80 „ 4.70. E- ©leftcn, 20. August. Wie aus dem Jnseratentheil unseres Blattes ersichtlich eröffnet der Gabelsberger Stenographen-Verein am 27. August in einem Schulsaal der höheren Töchterschule auch einen Damenkursus, welcher voraussichtlich stark besucht werden wird, da sich bereits eine Anzahl Damen zur Theilnahme au denselben bereit erklärt hat. Auch die Damen verstehen in letzter Zeit immer mehr den Nutzen der Stenographie zu würdigen (wir werden in nächster Nummer unseres „Familienblattes" einen Artikel über „Nutzen der Stenographie für Frauen" bringen, auf welchen wir die geehrten Leserinen aufmerksam machen. D. R.) Dies beweisen die vielen Damen- Stenographenvereine, welche in allen größeren Städten Deutschlands bestehen, und durch welche im vor. Jahr 2000 Damen und Mädchen in die Kunst Gabelsbergers eingeführt wurden. Gießen, 20. August. Einen Menschenauflauf und allgemeine Entrüstung verursachte am vergangenen Freitag in der Bismarckstraße ein Mann dadurch, daß er seinem Dienstmädchen auf die Straße nachlief und dasselbe mit einem Besenstiel mißhandelte. Derüschtaud. Berlin, 18. August. Se. Majestät der Kaiser besichtigte heute Vormittag auf dem Bornstedter Felde das erste Garde-Regiment zu Fuß. Die Besichtigung verlief auf das Glänzendste. Seine Majestät kehrte an der Spitze des Regiments unter den Klängen der Volkshymne in die Stadt zurück und frühstückte im Regimentshause. Nachmittags 4 Uhr fand im Stadtschlosse zu Potsdam zu Ehren des Geburtstags des Kaisers von Oesterreich ein Galadiner statt, an welchem der österreichische Botschafter mit dem gesammten Personale Theil nahm. — Die Kaiserin Augusta empfing gestern auf Schloß Babelsberg die Kaiserin Friedrich und die Erbgroßherzogin von Sachsen- Weimar: machte sodann der Kaiserin Victoria und dem neugeborenen Prinzen im Marmorpalais einen Besuch und ertheilte nach Ihrer Rückkehr Herrn v. Schlözer Audienz. Heute Nachmittag um 3 Uhr empfängt die Kaserin Augusta auf Schloß Babelsberg die österreichische Botschaft. Nachmittags 5 Uhr findet bet der Kaiserin Augusta ein Diner statt. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Staatsministers v. Bötticher zum Vtcepräsidenten^des Staatsministeriums, sowie den Wortlaut der vom Kaiser in Frankfurt a. d. Oder gehaltenen Rede, die von den bisherigen gebrachten Versionen in einzelnen Worten oder Stellen abweicht. — Dem „Reichsanzeiger" zufolge nimmt die französische Zollverwaltung die von deutschen Ausgangszollämtern ausgestellten Ursprungszeugnisse bis auf Weiteres auch ohne consularische Beglaubigung an, wenn dieselben mit dem Dienstsiegel des aus- zuferttgenden Zollamts versehen sind und gegen deren Echtheit keine Zweifel obwalten. Auf andere, nicht von Zollbehörden ausgestellten Ursprungszeugnisse hat diese Erleichterung jedoch keinen Bezug. Potsdam, 18. August. Bei dem heutigen Dejeuner im Regimentshause des 1. Garderegiments zu Fuß brachte der Commandeur des Regiments, Oberst o. Plessen, einen Toast auf Seine Majestät den Kaiser aus. Seine Majestät erwiderte darauf mit einem Trinkspruch auf das Regiment, in welchem er der beiden in diesem Jahre verstorbenen hohen Chefs des Regiments gedachte und unter Bezugnahme auf seine eigene Ausbildung in diesem Regiment die Verdienste desselben um die Pflege der altpreußischen Tradition in der Armee hervorhob. Der Kaiser verweilte bis 2 Uhr im Rcgimentshause. Leipzig, 18. August. Heute Vormittag fand auf dem Marktplatze die Ent- hüllungsfeter des von Professor Siemering-Berlin entworfenen Stegesdenkmals statt. Der König, die Königin, die Prinzen Georg und Friedrich August, die Prinzessin Mathilde, General - Feldmarschall Graf Moltke und die Staatsminister wohnten der Feier bei, welche sich zu einem erhebenden Rationalfefte gestaltete. Die Straßen der Stadt, besonders der Marktplatz, sind festlich geschmückt. Italien. Rom, 18. August. Der Vulkan auf der Insel Vulcano begann heute früh wieder Steine und Sand auszuwerfen. Amerika. Newport, 18. August. Nach weiteren Nachrichten fand der Zusammenstoß des Dampfers „Geiser" mit der „Thingvalla" etwa 30 Meilen südlich von der Sandinsel statt, das Wetter war regnerisch und nebelig, die See war aber verhältnißmäßig ruhig. Der „Geiser" wurde von der „Thingvalla" von der Seite getroffen, sein Steuerbord wurde in zwei Hälften gespalten, die am Steuerbord befindlichen Wohnungskajüten wurden zermalmt, mehrere Passagiere fanden im Bette liegend den Tod. Vom Geiser" wurden sofort nach dem Zusammenstoß drei Boote in das Wasser gelassen, aber zwei derselben schlugen um, das dritte trieb ab und konnte von den Passagieren nicht erreicht werden. Unter den Ertrunkenen befindet sich der erste Officier des „Geiser" und der zweite Officier der „Thingvalla". Telegraphische Depeschen. Wollf'S telegr. Eorresponderrz. Brrrear». München, 19. August. Der General-Feldmarschall Graf Blumenthal ist heute Vormittag Hierselbst eingetroffen und von dem Stadt - Commandanten und dem preußischen Militär - Attachs empfangen worden. Derselbe ist in dein Hotel zum „Bayerischen Hof" abgesttegen. Morgen finden Felddtenstübungen der gesammten ' Garnison statt. Paris, 19. August. Dem Vernehmen nach sollen gegen diejenigen Ausländer, welche an den jüngsten Kundgebungen der Strikenden theilgenommen haben, Ausweisungsbefehle erlassen werden. — Der Marinemtnister begibt sich nächsten Mittwoch nach Toulon. BerMifchtes. △ Mainz, 19. August. Nachdem man bei dem Umbau der „Neuen Anlage" schon seit Wochen fortgesetzt auf römische Einzelgräber gestoßen ist, hat man letzter Tage ein ausgemauertes Massengrab blosgeleqt. Das Mauerwerk ist sehr fest, die Decke in Ziegelmauerwerk gewölbt und mit darauf ruhendem Beton gedeckt. Die Gebeine von etwa zwölf Personen wurden freigelegt und gehen die Ansichten auseinander, ob man es mit bei einer Epidemie verstorbenen Personen oder mit gefallenen Kriegern, denen man hier ein gemeinschaftliches Grab geschaffen, zu thun hat. Unmittelbar neben dem Massengrab wurde ein Bleisarg zu Tage gefördert, in welchem sich Bestandtheile einer goldenen Frauenkette, mehrere Glasgefäße sowie ein größeres Vogelei befanden. Gleichzeitig mit diesen Funden wurde bei Canalisationsarbeiten unfern dem früheren israelitischen Friedhof ein römisches Urnengrab aufgedeckt. Mainz, 19. August. Mit Rücksicht darauf, daß den Kirchen in hiesiger Stadt in diesem Sommer die Gefahr des Brandes durch Blitzstrahl mehrfach gedroht hat bringt das „M. Journal" eine Zusammenstellung von den Beträgen, zu welchen die Mainzer Kirchen bei der Landesbrandkaffe versichert sind. Die Aufnahmen hiervon müssen schon „in grauer Vorzeit" gemacht worden sein, denn zu den Preisen, in welchen auch die Altäre und Chorstühle mit eingerechnet sind, lassen sich die Kirchen bei einem eventuellen Brand heute nicht mehr Herstellen. Die evangelische Johanniskirche ist noch am besten versichert und zwar mit X 518170, dann folgt die Emmeranskirche mit X 259 200, die Augustinerklrche mit X 240 000, die Quintinskirche mit X 206 500, die Christophskirche mit X 193870, die Jgnazkirche mit X 154 930, die Stephanskirche mit 51 340 und die Peterskirche mit nur X 34970. Der Dom fehlt in der Aufstellung. — Frankfurt, 18. August. Ueber einen Unfall, der sich am Tage der Eröffnung des Staatsbahnhofes ereignete, berichtet das „Franks.Journal": Als kurz vor Uhr Abends der mit zwei Locomotiven bespannte Zug von Wiesbaden eintraf, ertönte plötzlich ein lautes Krachen. Alles eilte nach dem betreffenden, südlich gelegenen Geleise hin und dort gewahrte man, wie die vorderste Locomotive theilweise entgleist war, die Sicherheits-Rampe zerbrochen und sonstige, glücklicherweise nicht erhebliche Zerstörungen angerichtet hatte. Die Passagiere wurden in den Coupäs gestoßen, doch wurde Niemand in nennenswerther Weise verletzt. — Frankfurt, 19. August. Das heutige Rennen des Rheinischen Renn- vereins war in Anbetracht des zweifelhaften Wetters recht gut besucht. Herr Staats- Minister v. Bötticher, welcher, wie gerüchtweise verlautete, demselben beiwohnen sollte, war nicht erschienen. Dagegen waren anwesend: Prinz Hermann von Sachsen-Weimar, Graf Herbert v. Bismarck und Oberpräsident Graf Eulenburg. Die Rennen begannen mit großer Pünktlichkeit und nahmen folgenden Verlaus: I. Jungfern-Rcnnen. Staats- Preis: 2000 X Von neun gemeldeten Pferden erscheinen nur drei am Start. Sieger König!. Hauptgestüt Grabitz br. St. „Fürbaß". II. Landgrafen-Rennen. Staatspreis 5000 X Es tiefen von 13 gemeldeten Pferden fünf. Freiherrn v. Oppenheim's braune Stute „Sappho" passirtte als erste das Ziel. III. Wäldchens-Rennen. Staatspreis 0000 X Das Rennen, auf das die Sportswelt ihr ganzes Interesse richtete, verliert seinen Werth gänzlich, da Kgl. Haupt-Gestüt Grabitz dklbr. Hengst „Jnselberg" allein über die Bahn geht. Es waren sieben Pferde gemeldet. IV. Frankfurter Handicap. Bürgerpreis 4000 Gemeldet sind zwölf Pferde, von denen nur fünf starten. Es siegt mit 1/2 Länge Herrn V. Hiestrichs br. W. „Deserter". Das Rennen war sehr interessant, da erst kurz vor dem Ziel die Entscheidung fiel. V. VerloosungsRennen. Vereins- Preis 2800 X Es laufen die beiden gemeldeten Pferde. Sieger bleibt Graf Nic. Efterhazy's br. Hengst „Extrato". VI. Staats-Preis IV. Klaffe 1500 X Es behelligen sich von sechs gemeldeten Pferden nur zwei. Sieger: Lieut. Prinz G. Nadziwill's br. Hengst „Dioscur". Das 7. Nennen, Forfthaus-Steeple-Chase, fällt aus. Die Rennen des heutigen Tages verloren gewaltig durch die geling- Betheiligung; im Publikum wurden vielfach Stimmen der Unzufriedenheit laut. Am Totalisator'war es infolge dessen auch nicht so belebt wie sonst, nur anfangs wurde viel gewettet. O Frankfurt, 19. August. Heute Abend findet im Palmengarten eine gesellige Zusammenkunft der bis jetzt hier anwesenden Thellnebmer am III. Internationalen Binnenschifffahrts Congreß statt und morgen früh 91/2 Uhr soll die feierliche Eröffnung des Congresses vor sich gehen. Der Main hat inzwischen ein Festkleid angelegt; vom eisernen Steg bis zum Rothen Hamm sind^ auf beiden Ufern bekränzte und beflaggte Stangen angebracht worden, zahlreiche Schiffe schaukeln sich auf den Wellen des Stromes, er ist mit einem Wort geschmückt und belebt wie in den Tagen der Hafeneröffnung. — Aber auch noch andere Anzeichen für die nahenden Congreßtage sind wahrnehmbar. Im Saalbau arbeitet man schon mehrere Tage an der mit dem Con- gretz verbundenen Ausstellung von auf den Binnenschffffahrte-Verkehr bezüglichen Modellen, Plänen und Druckschriften. Gestern noch trafen zahlreiche Pläne hier ein und ein kompletter Waggon Druckschriften. Obgleich auch heute noch nicht Alles fertig ist und voraussichtlich noch während der Congreßtage manches Neue zur Anschauung gelangen wird, lohnt es sich doch einen Blick in die Räume des Saalbaues hineinzuweifen um das Wesentlichste herauszugreifen. Im Treppenhaus fällt das Auge sofort aus einen Plan, der durch seine Größe wie seine tadellose Ausführung, insbesondere aber durch den zur Anschauung gebrachten Gegenstand das Interesse aller Congreß- rhe'lnehmer erregen wird. Dersilbe, in einen werthvollen Nahmen gespannt, veranschaulicht den Nordoftseekanal, ausgestellt vom preuß. Ministerium für öffentliche Arbeiten. Dasselbe stellt außerdem Pläne sämmtlicher deutschen Ströme aus und hat allein den Sitzungssaal, sowie den Nord- und Südcorridor inne. Alle diese Pläne sind mit einem Kostenaufwand von 10,000 X eigens für den Congreß gefertigt worden. Links und rechts im Treppenhause sieht man in zwei Karten den Lauf des Nheinstromes und zwar auf der linken Seite den Theil von der Schweiz bis Bingen, auf der rechten von Bingen bis Holland. Diese Karten sind im Auftrage der Reichscommission zur Untersuchung der Rheinstromverhältnisse vom Centralbüreau für Meteorologie und Hydrographie in Karlsruhe ausgestellt und im Maßstabe von 1:20,000 angefertigt. Weiter oben im Treppenhaus begegnen uns zwei für die Ausstellung gefertigte Pläne des Frankfurter Hafens. Der eine derselben zeigt denselben im Querfchnitt, der andere im Grundriß. Außerdem befinden sich im Treppenhaus noch kleinere hydrographische Karten in meisterhafter Ausführung. Im Bankettsaal sind die Ausstellungsobjekte der großen Hafenstädte Hamburg, Bremen, Lübeck, ferner Köln's, Mainz, der Ministerien für Elsatz-Lothringen und Sachsens untergebracht, eine Collektion von solcher Reichhaltigkeit, daß man bei flüchtiger Betrachtung nicht wagen mag, etwas als besonders bemerkenswerth herauszugreifen. Dennoch muß der hier zur Anschauung gebrachten Modelle zu Flußcorrektionsarbeiten gedacht werden, die mit überraschender Sauberkeit angefertigt sind und besser als Pläne dem Laien verständlich machen, um was es sich handelt. Im kleinen Saal hat das Ausland seinen Platz gefunden. Unter den hier befindlichen Ausstellungsobjekten fallen die Pläne und Photographien der Sociötö Eockerill in Seraing besonders auf. Es sind Zeichnungen von Schiffselevatoren, mit denen Schiffe von 360 Tonnen bis zu 16 Meter hoch gehoben werden können Dieses System wurde zuerst in Louviöre zur Anwendung gebracht. Ferner sind in diesem Saale die Pläne der Korrektionsarbeiten von Havre, welche Frankreich ausstellt sehr bemerkenswerth. In den übrigen kleinen Zimmern stellen noch Private, kleinere Städte u. s. w. aus. Der ganze Saalbau ist für die Ausstellung in Anspruch genommen. Wer diese Räume kennt, wird sich hiernach leicht einen Begriff von der Bedeutung dieser Ausstellung und somit auch von dem Congreß machen können. — Frankfurt, 18. August. Frankfurt hat heute einen bedeutungsvollen Tag, der neue Hauptpersonenbahnhof ist dem Verkehr übergeben worden Um 5 Uhr früh lief, von Sachsenhausen kommend, der erste Zug ein. Die Locomitive dieses Zuges sowohl wie diejenigen der ersten Züge der anderen Strecken waren mit Kränzen festlich geschmückt. Einige liefen sogar unter den Klängen einer Musikkapelle «in. Um 3 Uhr verwichene Nacht waren die Anschlußarbeiten, welche 1200 Arbeiter bei Fackelschein ausgeführt, beendet. Auch das elektrische Licht brannte die ganze Nacht hindurch. Kurz nach 3 Uhr passirten die Herren Geheimer Oberbaurath Grütefien und Betriebsdirector Repierungs- und Baurath Knoche mit einer Locomotive die Anschlußstellen, um sich zu überzeugen, daß die Arbeit in befriedigender Weise zum Abschluß gebracht war. D Mit dem ersten planmäßigen Zuge war auch der Präsibent der Königlichen Cisenbahndirection, Herr v. Gusrard, in den neuen Bahnhof eingefahren um fick persönlich zu vergewissern, daß Alles in Ordnung sei. Mit diesem ersten Zuge kamen I auch ca. 80 Frankfurter im Hauptpersonenbahnhof an, die in der Nacht nach Sachsen- I tpU a? hwausgegangen waren, um zu den Ersten zu zählen, die den neuen Riesenbau I -als Passagiere betreten. Das Fahrmaterial aus den Westbahnen wurde noch während ■ der Nacht in den Hauptbahnhof hinübergeschafft, ebenso mittelst Fuhren das Passagie und Eilgut. Das Bild, welches sich heute während des ganzen Tages in und vor dem neuen Bahnhof entwickelte, war ein großartiges, buntbewegtes. Zu Tausenden zogen seit den frühesten Morgenstunden die Menschen hinaus, um das nun vollendete Riesenwerk, über welches schon so oft und so viel geschrieben worden ist, mit eigenen Augen zu schauen. Staunend steht die Menge vor dem gewaltigen Empfangsgebäude; das Staunen der Besucher wächst, wenn sie das HauptvesUbül betreten und steigert sich zu Ausrufen höchster Ueberraschung, sobald sie sich in den ungeheuren Perronhallen befinden. Und in der That, diese großartigen Eisenconstructionen, diese ungeheuren Bogendächer wirken überwältigend; es sind herrliche Leistungen der Technik. Um das Bild zu vervollständigen, denke man sich die aus- und einlaufenden Züge, zahlreiche Beamte in ihren Uniformen, viele Pvlizeibeamte zu Fuß und zu Pferd, eine unabsehbare Reihe Droschken vor dem Haupteingang, dazwischen Zeitungs- und Bücherverkäufer, Handelsleute mit ihren Körben und Wagen, eine große Schaar von Reisenden, welche zu den Zügen eilen, hinzu und man hat ungefähr ein Bild, wie eS heute der Hauptpersonen- bahnhof im Innern und vor den Eingangshallen darbietet. Der stattliche Bau ist beflaggt, 5 Fahnen, theils in deutschen, theils in preußischen Farben, wehen zur Feier des heutigen Tages von den Zinnen des Empfangsgebäudes herab, dagegen hat die nächste Anwohnerschaft auffallenderweise auch nicht durch das geringste Zeichen ihre freudige Antheilnahme an dem hochbedeutsamen Ereigniß bekundet. Die Trambahngesellschaft aber, welche gestern Probefahrten auf der neuerbauten Strecke Gallusanlage-Hauptbahnhof veranstaltete, hat heute ihre Wagen mit zahlreichen kleinen Fähnchen geschmückt, die lustig im Winde flattern und dem Fremden ankünden, daß der heutige Tag kein gewöhnlicher in der Geschichte der Stadt Frankfurt ist. Was am heutigen Eröffnungstage ganz besonders erfreulich auffällt und die Baumeister mit größter Genugthuung erfüllen muß, ist die gemachte Wahrnehmung, daß sich das Publikum in dem gewaltigen neuen Bau mit überraschender Leichtigkeit zurechtfindet, eine Erscheinung, die mehr als alles Andere beweist, daß es gelungen ist, mit höchster Eleganz Zweckmäßigkeit und Uebersichtlichkeit zu verbinden. Ferner aber bezeugt der heutige Tag, daß der Fremdenzufluß nach Frankfurt ein ganz enormer ist und es wirklich an der Zeit war, ein Bahnhofsgebäude hinzustellen, das dem sich von Jahr zu Jahr sichtlich steigernden Verkehr zu genügen vermochte; fobann aber nicht minder, daß man besorgt sein muß, schleunigst weitere Zufahrtstraßen zu eröffnen, bann ist es geradezu unmöglich, daß sich auf den beiden provisorischen Straßen, von denen die Mainzer Landstraße übrigens gar nicht in Betracht gezogen werden kann, da sie durch den Verkehr vom Güterbahnhof schon mehr als genügend belastet ist, gefahrlos der großartige Verkehr bewältigen läßt. $)ie alten Söabnböfe sind schnell in Vergessenheit gerathen; traurig und verödet liegen sie da und bilden nicht einmal ein hübsches Erinnerungszeichen an die seitherigen ungenügenden Bahnhofsverhältnisse Frankfurts. Gottlob, daß es nun anders geworden ist! Die Wartesäle waren heute fortwährend dicht besetzt; Jeder wollte dort zuerst etwas genießen. Die Restaurateure werden den Eröffnungstag gewiß loben. Die Auswahl an Speisen und Getränken ist recht groß, die Bedienung prompt. Wohin man heute kommt, wohin man horcht — es wird nur vom neuen Bahnhof gesprochen und zwar nur in bewundernden Ausdrücken. Es ist aber auch ein stolzer Bau, den zu sehen sich schon eine kleine Reise lohnt. „ rr +, Kassel, 19. August. ^Schiffbarmachung der Fulda. — Eisenbahnproject Kastel Koln.j Bezüglich des Projektes der Schiffbarmachung der Fulda sagt die hiesige Handelskammer: Wir erblicken eine Förderung unserer wirthschaftlichen Interessen in der seit langer Zeit von uns erstrebten Fulda-Canalisation. Die Verwirklichung des Projektes hat zu unserem lebhaften Bedauern im letzten Jahre keine Fortschritte gemacht. Aus den uns zugegangenen Berichten geht aber hervor, von wie mancher Seite neues Leben und eine Besserung der Verhältnisse unseres Kreises durch die Herstellung der Canalisation erhofft wird. Nur durch Benutzung des Wasserwegs wird es uns möglich werden, die überseeischen Produkte über Bremen zu wesentlich billigeren Frachten zu beziehen und unseren Platz zu einem Stapelplatz zu gestalten. Das Colonialgeschäft vermag durch die bestehenden Differentialfrachten mit Frankfurt a. M., Gießen rc. einen größeren Aufschwung nicht zu nehmen. Der Wirkungskreis desselben würde durch die Schiffbarmachung der Fulda ohne Zweifel erheblich an Umfang gewinnen. Für die Landwirthschaft würde Der Bezug überseeischer Düngemittel und Futterstoffe sich wesentlich billiger gestalten und so auch dieser die Canalisation zum Vortheil gereichen. Vor Allem aber würde für unsere Braunkohle, unseren Basalt, den Großalmeroder Thon die Herstellung des Wasserwegs sich von unberechenbarem Nutzen erweisen. Wir halten deßhalb an dem Wunsche fest und erneuern hiermit unsere Bitte, daß Königl. Staatsregierung die Ausführung des Projektes baldigst in die Hand nehme. „ UJber,-ba? in jüngster Zeit vielfach erörterte Eisenbahn - Projekt Kassel - Köln urtheilt die Handelskammer wie folgt: Nicht minder belangreich und außerordentlich wunschenswerth erscheint für unseren Platz die Ausdehnung des Eisenbahnnetzes in westlicher Richtung. Durch die Erbauung einer Eisenbahn Kassel-Köln würde die Verbindung des Ostens mit dem Westen Deutschlands durch ein neues bedeutendes Verkehrsglied vermehrt werden. Zudem würde diese Bahn durch Gegenden führen, die seit langen Jahren der Erschließung durch Eisenbahnen harren und eine Masche dadurch im deutschen Eisenbahnnetz ausgefüllt werden, wie sie größer kaum vorhanden ist. Wir hoffen daher, daß die Bestrebungen, welche zur Ausführung dieser Bahn eingeleitet sind, bei dem Herrn Eisenbahnminister wohlwollende Unterstützung finden werden. Sch iffS Nachrichten Bremen, 18. August. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Saale, Capitän H. Richter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 8. August von Bremen und am 9. August von Southampton abgegangen war, ist gestern 9 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 15. August. fPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer America, Capitän H. Heineke, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 1. August von Bremen abgegangen war, ist gestern Mittag wohlbehalten in Baltimore angekommen. Kemmerich’s™^^ § u. goldenen Inn nn.irnzeichnet worden. Hande» und Verkehr. (Fruchtpr-isc). Weizen M 17,90, Korn JL 14,90, » i'm f -4t 15>60' Erbsen M 00,00, Samen 22,60, Wicken JL 00,00 jrarionein iä 4,vu. • Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. z«. r «. _ Luft 14, Wasser 12V2 Gr. Meßen, den 20, August 1888. " Rübsamen. Incamat-Kleesamen diesjährige Ernte, empfiehlt EL F. Nassauer, 6549 Neuenweg 15. 6680 Ein Acker Hafer auf dem Halm zu verkaufen. H. Treppinger, vordere Bleiche. Akk gemeiner Anzeiger. Von heute ab wohne ich: Sonnenstrasse 6. 6618___________________Friedrich Decker. f) i a Farben und xyCz Jr // 4* * y Material waaren z xu allen Zwecken in (J besten Qualitäten —Ü.'Üt voc Otto Sckaaf, Seitenweg 9». ♦ Dienstag den 21. August Z Jeta Waggon T ♦ Gurken * 5 zum Verkauf. 6687$ Jacob Mohr aus Darmstadt.^ Eintrag i in das Firmenregister Gr. Amtsgerichts Gießen j am 18. August 1888. Georg Kinkel in Gießen betreibt daselbst seit 9. August 1886 ein Colonialwaarengeschäst unter der Firma seines Nam-ns. Neidhart, 1 6665______________Gerichlsschreiber. Vergebung von Bauarbeiten. Die nachstehenden zur Erbauung einer Brücke über die Lumda bei Londorf erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen Donnerstag, den 30. I. M., Bormittags 10 Uhr, auf dem Amtszimmer des Unterzeichnelen im Wege schriftlicher Submission wergeben werden und zwar: veranschlagt zu 1) Erd-, Maurer- und Steinhauerarbeiten . JL 750.— :2) Eisenlieserung . . „ 1200.— 3) Zimmerarbeiten . . „ 920.— Kostenvoranschlag, Plan und Bedingungen sind bei dem Unterzeichneten einzusehen, weitere Auskunft ertheilt auch der Bezirksbauaufseher Maringer in Grünberg. Gießen, am 20. August 1888. Der Kreisingenieur: -6677 Gnauth. Submission aus Schlosserarbeib Die Ausführung von circa 760 ljd. m Schneesanggitter für die medizinische und gynäkologische Klinik, sowie für 'das Verwaltungs- und Director-Wohngebäude sollen im Submisstonswege wergeben werden. Voranschlag nebst Bedingungen liegen «auf dem Baubureau der Kliniken von Morgens 9 bis 12 und Nachmittags won 3—6 Uhr zur Einsicht offen. Die Einreichung der Offerten hat Anter Couvert, portofrei, mit der Auf- fchrift „Submission auf Schneefang- -gitter" bis zum 23. August, Vormittags 10 Uhr, in unserem Baubureau der -Kliniken zu erfolgen, woselbst auch in «Gegenwart der etwa erschienenen Submittenten die Eröffnung stattfindet. Gießen, den 18. August 1888. Großh. Kreisbauamt Gießen. I. V.: Schnitzel, Kreisbaumeister. 6619 Montag, dm 17. September, Nachmittags 2 Uhr, -sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die Lem Johann Schunk in Gießen gehörigen Immobilien: 'Flur 34 Nr. 598Vio — 179 Meter Hof- raithe zwischen dem Wäldchen und dem Schießhaus, 'Flur 34 Nr. 58134 'too — 363 Meter Grabgarten daselbst Lffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 6. August 1888. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A.: $329 Vogt, Ortsgerichtsmann.______ Mittwoch, den 22. August, Nachmittags 2 Uhr, -werden in dem Koch'scheu Hause, Seltersweg 35, öffentlich gegen Baarzahlung -versteigert: Kleiderschränke, Kommode, Stühle, Küchenschränke. 1 Glas- schrank. 1 Secretär, 1 Eisschrank, vollständige Vetten, Gläser, Porzellan und eine große Parthie Küchen- n. Haushaltungsgegenstände aller Art. SP** Die Versteigerung findet bestimmt statt. Gießen, den 18. August 1888. Bühner, Ho36 Gerichtsvollzieher. Saat-Erbsen empfiehlt billigst «417 I. M. 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Wchblat. „ILk“, belletrfft. onntogsblatt »Deutsche Lesehalle^, feullletonlst. Beiblatt »Der Zeitgeist", „Mittheilungen über Landwtrthschast, Gartenbau und Hauswirtyschast^. Im Roman-Feuilleton erscheint im September eine reizende Novelle oonj Emil Peschkair^Frau Kegine“. Jr Die Aufführungen der bedeutenden Berliner Theater werden in den^^ Theater-Iemlletons °°n Dr. Paul LindauX einer eingehenden Beurtheilung gewürdigt, während unter Mitarbeiterschaft gediegener Fachautoritäten auf allen Hauptgebieten, als Litteratur, Kunst,Msironomie, Chemie, Technologie und Medizin im „Berliner Tageblatt" regelmäßig werthvolle Original-Ieuilletons erscheinen, die in den betr. Interessentenkreisen eine besondere Beachtung finden Das „Berliner Tageblatt“ hat ca 70 Tausend Abon- wovon mehr als 40 Tausend ausserhalb Berlin s u , das 8an3re Deutsche Reich und im Auslände verbreitet sind daher »r anerkannt das ’ 2ME*" wirkungsvollste Anzeigeblatt Deutschlands! Pb. Bauer, Bahnhofstraße. Ehr. 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