Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Dureairr Schulstraße 7. und auch der Hauptträger dieser Bewegung, der „Boulangismus", in den letzten Wochen verschiedentlich Fiasco gemacht hatr Trotzdem bleibt es wahr, daß tiefgehende Meinungsverschiedenheiten das französische Volk wie Parlament spalten und nach wie vor characterisirt sich darum die politische Lage jenseits der Vogesen als eine schwankende In den industriellen Kreisen Spanien-, in erster Linie unter den Spiritus - fabrikanten, hat das neue spanische Alkoholgesetz vielfach Unzufriedenheit erregt. Dieselbe äußerte sich in Tarragona sogar in Ruhestörungen, die sich aus einer Versammlung in Sachen des neuen Gesetzes entwickelten und wurden bet den Tumulten mehrere Personen verwundet. Die Regierung ergriff Maßregeln, um weiteren Unruhen vorzubeugen. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst Telegraphische Depeschen. Wolff'S trlegr. (Korrespondenz. Buren«. Potsdam, 19. Juli. Der „Circolo della Caccia" in Rom, dessen Ehren- vräsidtnt König Humbert ist, übersandte eine künstlerisch gearbeitete Broncekrone an den italienischen Botschafter de Launay, um sie am Sarge Kaiser Friedrich's, welcher Ehrenmitglied der Gesellschaft gewesen, niederzulegen. Kaiser Wilhelm drückte für die Sendung seine Genugthuung aus, ebenso sprach die Kaiserin Friedrich ihre lebhafte Dankbarkeit für diesen neuen Beweis der Sympathie aus. London, 19. Juli. Dem „Bureau Reuter" wird aus Yokohama gemeldet, daß in der Nähe der Stadt Takamatsu der Ausbruch eines Vulkans erfolgt ist. 400 Personen sollen umgekommen und gegen 1000 verletzt sein. Rom, 19. Juli. Die „Rtforma" erwidert auf die Ausführungen der französischen Pcesse, speciell des „Journals des Debats": „Wenn aus dem Besuche des Kaisers Wilhelm in Petersburg eine erneute Intimität der deutsch-russischen Beziehungen und neue Bürgschaften des europäischen Friedens resultiren würden, würde die Stellung Italiens in den Allianzen nicht nur nicht erschüttert werden, sondern es würden dessen allgemeine Interessen nur dabei gewinnen." Rom, 19. Juli. In der letzten Nacht herrschte hier ein heftiger Orkan, der an Häusern vielfach Beschädigungen anrichtete, unter anoerm von dem Hotel der spanischen Botschaft beim Vatikan einen Theil des Daches fortrtß. Madrid, 19. Juli. In Tarragona schlossen sämmtliche Alkoholfabrikanten ihre Fabriken. Kronstadt, 19. Juli, V/z Uhr Nachm. Der Dampf des deutschen Geschwaders wird soeben sichtbar. Die hier befindlichen Kriegsschiffe erwarten dasselbe in Parade- stellung, alle Schiffe im Hafen sind im Flaggenschmuck und eine große Anzahl Privatdampfer, überfüllt von Menschen, befindet sich auf der Außenrhede. Von Petersburg ist zahlreiches Publikum gekommen, um der Ankunft des deutschen Kaisers bei»u- wohnen. Deutschland. Darmstadt, 19. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnadrgst geruht: r • k den Georg Mansfeld aus Mainz zum Telegraphenverwalter bet den Oberheffischen Eisenbahnen zu ernennen; r r 18. Juli l. I. den Senatspräsidenten am Oberlandesgericht Carl Eckstein auf sein Nachsuchen von den Funktionen eines Mitgliedes der Prüfungs-Commission für das Justrz- und Verwaltungsfach zu entbinden und an dessen Stelle den Ober- landesgertchtsrath Wilhelm Pfannmüller zum Mitgliede der gedachten Commission zu ernennen. " k- Merlin, 19. Juli Die „Nordd Allq. Ztg." schreibt in einer Polemik gegen dw Moskauer Zeitung" hochofficws: „Nichts habe sich geändert, als die Haltung der „Moskauer Zeitung , die an die Stelle der früheren Fictionen, daß Deutschland den Krieg wolle letzt die Erfindung setzt, daß Deutschland erst jetzt plötzlich zur Frredenspoltllk sich entschlossen habe. Deutschland habe sich niemals in seiner t aI5 20 Jahren befolgten Friedenspolitik irre machen lassen Auch der aufgezwungene Krieg mit Frankreich habe es an dem Satze nicht irre gemacht, daß selbst siegreiche Kriege.kein Aequioalent für die Wohlthaten des Briedens bilden. Diese Politik leite auch den jetzigen Kaiser und bewege ihn zu dem Besuch in Petersburg, ohne irgend welche Wunsche und Forderungen der russischen Politik damit untcrPützen zu wollen. Wir wüßten nicht, was Rußland uns gewähren könnte und uns sind keine, wie die „Moskauer Zeitung" sagt, streng legalen, zweifellos gerechten Forderungen Rußlands bekannt, denen Deutschland nicht jederzeit entsprochen hätte ungeachtet unverschämter Großsprecherei einiger Russenblätter." ' Einladung zur Mahl des Vorstandes der israel. Keligionsgemeinde ?u Gießen. ?ir? ^erm.u zur Kenntniß der Interessenten gebracht, daß gemäß dm Vorschriften der Wahlordnung vom 4. August 1871 die Wahl eines Vorstandsmitgliedes dec rsrael. R?ügwnsgemernde zu Gießen an Stelle des verstorbenen Mitglieds Isaac Hanau 9 . _ f . Donnerstag den 2. August 1. I., Vormittags von 9-12 und Nachmittags von 3—S Uhr, im Saal des alten Rathhauses dahier stattfinden wird. Sämmtliche nach § 2 der genannten Wahlordnung Stimmberechtigten werden daher zur Wahl einaeladen. Gießen, am 18. Juli 1888. Der Wahlcommissär: _____Haustaedt, Regierungsaccessist. Politische Rundschau. Gießen, 20. Juli. Im Mittelpunkt der Wocheneretgnisse steht diesmal das nach glücklich zurück- gelegter Meeresfahrt Kaiser Wilhelms nun zur Thatsache gewordene Ereigniß der Kaiserzusammenknnft aus russischem Boden. Bereits am Mittwoch Morgen hatte das deutsche kaiserliche Geschwader den Eingang des finnischen Meerbusens erreicht, am Abend passirte es Reval und in der dritten Nachmittagsstunde des Donnerstag langte es in der Kronstädter Bucht an. Der Czar scheint seinen ursprünglichen Entschluß, seinem kaiserlichem Gaste entgegen zu fahren, noch in letzter Stunde wieder aufgegeben zu haben, denn die erste Begrüßung zwischen beiden Monarchen fand in Kronstadt statt. Hierselbst hatte sich die deutsche Flotte mit dem großen russischen Ostseegeschwader zu einem einzigen imposanten Geschwader vereinigt, welches im reichsten Flaggenschmuck, unter dem Donner der Geschütze und dem Hurrahrufen der Schiffs - besatzungen die Majestäten begrüßte. Nach der ersten Begrüßung geleitete der Czar seinen hohen Gast nach Peterhof, woselbst Kaiser Wilhelm mit seinem Bruder, dem Prinzen^Heinrich, im östlichen Flügel des mit hochfürstlicher Pracht ausgestatteten eigentlichen Schlosses Wohnung genommen hat. Das Programm der während des Besuches des deutschen Monarchen stattfindenden Festlichkeiten weist außer den üblichen Gala - dinerS Kosakenspiele, Flottenmanöver, Parade der im Lager von Krasnoje Selo zusammengezogenen Gardetruppen, Manöver der beiden Garde-Cavallerie - Divisionen rc. auf, es ist also vorwiegend militärischer Natur. Am Freitag Nachmittag war von Kaiser Wilhelm ein Besuch der Kaisergräber in der Petersburger Peter-Paulsfeste sowie eine Umfahrt durch die Residenz beabsichtigt; später gedachte er sich auf dem Wasserwege nach dem kaiserlichen Lustschlosse Oranienbaum zu begeben, um die hier in der Sommervilleggiatur weilenden Mitglieder der Czarenfamilie, den Großfürsten Nicolai Michael und den Prinzen von Oldenburg, zu besuchen. Im Petersburger Wintcr- palais sollte ein Empfang von Deputationen der Deutschen in Rußland durch Kaiser Wilhelm stattfinden. Im Laufe des kommenden Montag verläßt Kaiser Wilhelm wiederum die russischen Gestade — es sei denn, daß in letzter Stunde noch andere Dispositionen beliebt würden — um, abermals geleitet von dem deutschen Kriegsgeschwader, die Heimfahrt anzutreten. Dieselbe wird den hohen Reisenden, wie bekannt, zunächst nach Stockholm und dann nach Kopenhagen führen und namentlich der Besuch des deutschen Kaisers am Hofe von Kopenhagen trägt in Anbetracht der obwaltenden Verhältnisse । eine ausgeprägte politische Bedeutung, die darin gipfelt, daß der Besuch des Kaisers in Kopenhagen voraussichtlich ein freundschaftlicheres Verhältniß zwischen Deutschland und Dänemark zur Folge haben wird, als dies bislang der Fall war. Die Aufnahme Kaiser Wilhelms wird in beiden Hauptstädten eine glänzende sein und verlautet u. A., daß eine dänische Flotte das deutsche kaiserliche Geschwader auf der Fahrt von Stockholm nach Dänemark einholen werde. Auf dem Gebiete der innere« Politik beginnt es allmählich an „Ereignissen" zu fehlen und in sofern könnte man vom Eintritte der sommerlichen Ruhepause sprechen. Anderseits schweben indessen noch immer Fragen, welche von der Tagespresse zur Zett noch lebhaft erörtert werden, wodurch sich der Beginn der politischen Ferienperiode vorerst weniger bemerklich macht. Die Angelegenheiten der deutschen Paßmaßregeln in Elsaß-^othringen haben der deutschen Tagespresse bis in die jüngste Zeit hinein zum Gegenstände langer Erörterungen gedient, wobei nicht selten das Verlangen laut wurde, die Paßpflicht sollte, als zwecklos und die deutschen Interessen schädigend, umgehend wieder ausgehoben werden. Jedenfalls denkt aber die deutsche Negierung nicht hieran, wie eine scharfe Auslassung der „Nordd. Allg. Ztg." zur Paßfrage bekundet und wenn ( das officiose Blatt hierbei offen erklärt, der ganze Zweck des Paßzwanges sei eben, die socialen und commerciellen Verbindungen zwischen Frankreich und Elsaß - Lothringen . vollständig abzubrechen, so wird man zugeben müssen, daß die Verhältnisse diese an sich ! bedauerliche Maßregel vollkommen rechtfertigen. In Frankreich ist am Mittwoch der Schluß der Parlamentssession erfolgt, ! nachdem die Deputtrtenkammer am letzten Sitzungstage noch ein halbes Dutzend Inter- i pellationen über dies und jenes ziemlich summarisch erledigt hatte. Die Vertreter der i französischen Nation, soweit sie an der Erhaltung der bestehenden Zustände im Lande ein Interesse haben, konnten mit verhältnißmäßiger Befriedigung nach Hause gehen, da für's Erste der Sturmlauf in- und außerhalb des Parlaments gegen die Kammer, der auf ein gewaltsames Ende der Deputtrtenkammer zielte, abgeschlagen worden ist Betreffend; Gustav-Adols-Verein. Lang.Göns, am 19. Juli 1888. Das Großherzogliche evangelische Dekanat Gießen an die Kircheuvorstände des Dekanats. 1lm .n JMS! soll das Zweigvereinsfest in Großen Linden gefeiert werden. Anfang des Morgengottesdienstes 7,10 Uhr. Pfarrer Walz von Nauheim predigt- Die NachmittagSpredigt wird Pfarrer Klingelhöffer von Lich halten. Die Kirchsnvorstände werden -ersucht, Abgeordnete zu senden. Die ev. Pfarrämter wollen das Fest den Sonntag in der Kirche anzeigen. Um zahlreichen Besuch wird mbeten __vr. Strack.. Ar. 16S Samstag den 21. Juli 1888« Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giefjen. Kronstadt, 19. Juli. Die kaiserliche Aacht „Hohenzollern" traf heute Nachmittag 4% Uhr unter den Salutschüssen aller Forts und der Kriegsschiffe auf der kleinen Rhede ein, woselbst alsbald die Begrüßung Kaiser Wilhelms durch Kaiser Alexander erfolgte. Peterhof, 19. Juli. .Nach der Begrüßung fuhren beide Kaiser auf der russischen Aacht „Alexandria" unter den Salutschüssen der Geschütze an Kronstadt vorüber nach der hiesigen Landungsbrücke. Kaisir Wilhelm trug die Uniform des Petersburger Grenadier - Regiments, der russische Kaiser die des preußischen Alexander - Regiments. Kaiser Wilhelm verließ die „Alexandria" zuerst und eilte auf die auf der Landungsbrücke stehende russische Kaiserin zu, welcher er die Hand küßte. An der Landungsbrücke befand sich das glänzende Gefolge des russischen Kaiserpaares und eine Ehrencompagnie der Marinegarde, deren Musik die deutsche Nationalhymne spielte. Die Kaiser wurden mit russischen Willkommrufen begrüßt. Nachdem beide Kaiser die Front der Compagnie abgeschritten, bestiegen sie den Wagen und begaben sich nach dem Schlosse. Im ersten Wagen fuhren beide Kaiser, im zweiten Prinz Heinrich und der Großsürst-Thronsolger. In den folgenden die Kaiserin und die übrigen anwesenden Glieder der russischen Katserfamilie. Bet der Landung und Weiterfahrt wurden die Majestäten von einer großen Menschenmenge auf das Lebhafteste begrüßt. Militär bildete in der ganzen Ausdehnung des Weges auf beiden Seiten Spalier. Nach der Ankunft im Schlosse fand ein Famtliendiner statt. Petersburg, 19. Juli. Kaiser Wilhelm trug bei der Landung in Kronstadt das große Band des russischen Andreasordens, er stand auf der Commandobrücke der „Hohenzollern" und grüßte tn militärischer Weise, von den Schiffen und Forts wurde mit Hurrahrufen geantwortet. Die russische Kaisernacht hatte die Kaiserflagge gehisst und erwartete die „Hohenzollern" an der kleinen Rhede, wo außer den russischen Kriegsschiffen hunderte von Prioatfahrzeugen mit Zuschauern Aufstellung genommen hatten. Die deutschen Kriegsschiffe ankerten an der großen Rhede. So lates* Gießen, 20. Juli. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde zu dem berent o.schl'ossenen Octroi-Reglement die nachstehenden Octroi-Tarifsätze angenommen. Des besseren Verständnisses wegen verzeichnen wir neben den neu beschlossenen Tarifsätzen auch die bisherigen. Es beträgt das Octrot auf: Künftig. Bisher. Mark 1) 0.16 0.25 0.25 6) 3.— 2.06 0.02 0.04 7.— Stück per p. Kilo Zerlegtes Wildpret, pro Kilogramm 0,04 0,04 7) 8) 9) 0,20 0,06 3.66 3.66 0.18 3 — 0.06 1.— 4) 5) . . 6.— . . 0.60 Ein Ein Ein Ein Ein Hst sch, Spießer, Altthier oder Schmalthier Wildkalb............ Reh Wildschwein Hase schließlich vor, auch die Gänse mit Octroi und zwar mit 50 $ pro Stück zu belegen. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Der neue Octroi-Tarif tritt, sofern bis dahin die ministerielle Genehmigung oorliegt, am 1. April 1889 in Kraft. andere zur Bterbereitung verwendete Surrogate Zucker Ochsen . Fasselochsen und Kühe^ . Stiere bis 250 Kilo Schlachtgewicht und Rinder . . Schweine Stoppelkälber Kälber, Hämmel und Schafe Hektoliter . Spiritus, von 88% und darüber, pro Hektoliter . . . . Bier, von außen ctngeführt, pro Hektoliter Bier, tn der Stadt gebraut pro Centner Malz, Getreide, Schrot, grüne Stärke 0.25 0.38 0.50 6.86 4.58 2.75 1.72 2.15 0.58 0.12 0.05 1.72 0.58 0.43 1.29 0,06 0,03 12) 13) 14) 15) 16) 17) 18) 19) 20) 21) 22) 23) 24) 25) 26) 8.— 5.— 3.20 1.80 2.— 0.70 0.20 0.06 3.— 1.— 1.— Steinkohlen und Coaks, per Centner 0,04 0,04 Der Entwurf, wie solcher in der Commission am 12. Juli d. I. beschlossen worden, enthält 31 Nummern; dadurch, daß die Nummern 5, 6 und 7 zusammengefaßt, 14 und 15 gestrichen und 21 und 22 ebenfalls zusammengesaßt wurden, kamen 5 Nummern in Wegfall. In Nr. 14 und 15 des Tarif-Entwurfs waren Octroisätze für Essig von der Commission vorgeschlagen und zwar war vorgesehen für Essig, sowohl von außen eingeführt als in der Stadt bereitet und abgesetzt, pro Hectoliter 70 Psg., für Essigsprit von 40% an und höher, pro Hectoliter 2 «4L Der Antrag wurde indeß adgelehnt, weil man einerseits den Essig unter die Categorie der von der unbemittelten Bevölkerung confumtrten Nahrungsmittel stellte, anderentbeils der Ansicht war, daß mit Revision des Octroi-Reglements keinesfalls die Absicht auf Vermehrung der ociroipflichiigen Gegenstände verbunden sein sollte. (Wie Herr Beigeordneter Gnauth mittheilte, würde sich nach dem seither etngeführten Essigquantum und bei Annahme der vorgeschlagenen Sätze eine Octroieinnahme von 1600 «X pro Jahr ergeben.) In dem Commissions-Entwürfe war ferner für Spiritus ein Octroisatz von 8 «X pio Hektoliter vorgesehen: es wurden, nachdem der Antrag des Herrn Haust ein, 5 v4L festzusetzen, abgelehnt worden, 6 .X festgesetzt. Im übrigen wurde der Commissions-Entwurf unverändert angenommen; die bet Festsetzung der Octroisätze auf Schlachtvieh von Herrn Vogt beantragten Octrtoermäßigungen wurden abgelehnt. Unter Anderem trat Herr Vogt für Herabsetzung des Octrois auf Ochsen von 8 auf 6.50 X und ferner dafür ein, daß die Tarifsätze für Kühe, Fasselochsen, ebenso für Rinder und Stiere getrennt und für Kühe und Rinder 3 X, für Fasselochsen 4.50 X und für Stiere über 250 Ko. Schlachtgewicht der gleiche Satz wie für Ochsen erhoben werden solle. Dagegen beantragte Herr Vogt die Erhöhung des Octrois für Fleisch, Dörrfleisch, Geraub rc. auf 10 H per Kilogramm, für einen Hasen auf 30 H, und schlug Lpanferkel............‘ . . . Frisches Fleisch, Dörrfleisch, Wurst, Gelünge, Geraub rc Wein in Fässern eingeführt pro Hektoliter 4.— Wein in Flaschen eingeführt pro Flasche bis zu 1 Liter Inhalt . 0.06 Obstwein pro Hektoliter...............1.— Branntwein, tn der Stadt fabrtztrt von Großbrennern aus mehligen Stoffen, pro Hektoliter Matschraum . . . ......0.20 Branntwein von Kleinbrennern, desgl. aus Weintrebern, Kernobst, Trauben ober Obstwein rc. pro Hektoliter Branntwein, von außen eingeführt ober von Großhändlern in die Stadt abgesetzt, oder in eigenen Geschäften und Haushaltungen verbraucht, bis zur Stärke von 50% pro Hektoliter .... Beträgt die Stärke mehr als 50%, so wird das Mehr auf diese Normalstärke berechnet refp. zugeschlagen. Branntwein, in Flaschen oder Krügen eingeführt, das Stück . . Rum und Arrac, von Großhändlern in die Stadt abgesetzt, pro Gießen, 20. Juli. Der Mainzer Liederkranz, noch vom Jahre 1885 durch em Covcert tm Kursaal zu Bad Nauheim bekannt, wird nächsten Sonntag den 22. d. Mts., Nachmittags, daselbst ein großes Garten -Concer t in Gemeinschaft mit der Kurkapelle veranstalten. Der Verein wird mit 80 Sängern unter Direction des Herrn Kapellmeister Rupp auftreten und diesmal das Volkslied hauptsächlich auf seinem Programm vertreten sein. Vermischte-. — Frankfurt, 19. Juli. Man spricht hier davon, daß zur Eröffnung deS Hauptbahnhofs, welche, wie ich Ihnen schon gemeldet, am 15. August stattfinden soll, Kaiser Wilhelm nach Frankfurt kommen werde und zwar auf der Durchreise von Straßburg. Die Nachricht ist jedenfalls mit Vorsicht aufzunehmen, wenn auch anläßlich der Eröffnung dieses gewaltigen Bahnhofsgebäudes der Besuch Sr. Majestät des Kaisers nicht unwahrscheinlich erscheint. — Zu dem gestrigen Unfall im Taunusbahnhof — Entgleisung eines mit Pferden beladenen Waggons — kann ich noch nachtragen, daß laut amtlichem Bericht ein Pferd, welches einen Beinbruch erlitten hatte, auf dem Platze getöbtet werden mußte. Die Ladung Pferde (9 Stück) war für die hiesige Firma Kauffmann bestimmt. — Gestern kamen die fünf Kinder eines ehemaligen preußischen Offiziers hier cm, von deren sterbenden Eltern der Wunsch geäußert worden, ein hier wohnender Bruder des Vaters möge die Erziehung der Kinder übernehmen. Die Lebensgeschichte der Eltern klingt wie ein Kapitel aus einem Roman. Der Vater soll nämlich im deutsch-französischen Kriege von 1870/71 verwundet und weil das Lazarelh keinen Platz mehr bot, auf ein Gehöft in Feindesland gebracht worden sein. Der Verwundete wurde von seinem Hausherrn und dessen Gattin, namentlich aber von deren jugendlichem, hübschen Töchterchen mit wahrer Aufopferung gepflegt. Das junge Mädchen hatte den schmucken Offizier während seiner Leibenszeit liebgewonnen und als er genesen und der Friede geschlossen war, wurden Pflegerin und Gepflegter ein glückliches Paar. Dor einem Jahre starb die Gattin und vor einigen Wochen schloß auch der ehemalige tapfere Krieger seine Augen, auf immer. Seine fünf Kinder reiften hierher zu ihrem Onkel, dem zur Erziehung die Zinsen eines beträchtlichen, den Kindern hinterlassenen Vermögens zur Verfügung stehen. — Aus Suhl wird der „Thür. Ztg." geschrieben: In fachmännischen Kreisen, wird erzählt, baß ein ganz neues Infanterie-Gewehr für das deutsche Heer eingeführt und mit dessen Bau schon in diesem Monat begonnen werden solle. Das neue Gewehr erhält ein Kaliber von 8 Millimeter, ein niedriges Visier und wird auf 3000 Meter eingeschossen. Damit steht tm Zusammenhang die bereits erfolgte und bevorstehende umfassende Kündigung für die Hilfsarbeiter in den königlichen Gewehrfabriken. In Erfurt allein betreffe dies gegen 500 Personen. Doch wurde den Leuten gesagt, daß sie nach vollendeten Vorarbeiten, Einrichtungen rc. wieder einberufen werden sollen. Mit der Herstellung des Schießbedarfs zu dieser neuen Waffe werde in den nächsten Tagen begonnen. Diese Nachricht, bemerkt die „Thür. Ztg." dazu, hat sich im Allge- metnen als richtig erwiesen. Es ist in der That in der königlichen Gewehrfabrik in Erfurt 700 Arbeitern gekündigt worden, doch wurde die Kündigung am 13. dss. Mts. rückgängig gemacht, wahrscheinlich weil der Bau des neuen Gewehres mit allen Kräften gefördert werden soll. Handel und Verkehr. — Die Zweimarkstücke mit dem Bildnisse Kaiser Friedrichs sind am 16. d. M. zur Ausgabe gelangt, nachdem die kaiserliche Genehmigung zur Jncurssetzung dieser Münzen ertheilt worden ist. Dieselben zeigen den Kopf des verewigten Kaiseis tn treuer Portraitähnlichkeit und wohlgelungener Plastik; der „Haarwulst" am Hinterkopfe des Porträts, wie er auf den Goldstücken zu vielfachen Ausstellungen Anlaß gegeben,, findet sich auf den Zweimarkstücken nicht. Begreiflicherweise ist die Nachfrage nach den neugeprägten Kaiser-Friedrich-Münzen eine sehr große. — [Unterhaltung der Personenwagen.) Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat neuerdings die königlichen Eisenbahndirectionen angewiesen, ihr Augenmerk auf die Unterhaltung der Personenwagen sowohl hinsichtlich des äußeren Anstrichs als der inneren Einrichtung und Reinhaltung der Coupss zu richten und nicht nur für baldige Abstellung der etwa Vorgefundenen Mängel, sondern auch für dauernde Ueberwachung des Zustandes der Personenwagen Seitens der dazu berufenen Beamten zu sorgen. Kemmerich’s Fleisch-Extract, Pepton u. Bouillon sind in kurz. Zeit bereits mit 16 Ehrendiplomen u. goldenen Medaillen ausgezeichnet worden. Kaiser Friedrich. Wieder in fein thränenschweres Düstres Kleid hat sich der Himmel gehüllt; Wieder wallen Trauerfahnen, Und es schlingen Von Haus zu Haus, von Mast zu Mast, Schwarzen Gewändern gleich Sich der Kränze umflorte Guirlanden, Und der Glocken klagender Rus Schallet ernst Durch die deutschen trauernden Lande. Dort auf dem stolzen, Lichtumflossenen, Zauberretchen Ahnenpalast Ist die Standarte langsam gesunken. Und wo in lieblicher heiterer Stille Sonst ein fröhliches Leben gewaltet, Zog jetzt zerstörend, Hoffnungszerschmetternd Stille des Todes Fürchterlich ein- Ohne zu klagen, Heldengroß Bewundernder Rührung werth Ist Deutschlands Kaiser Hinweggeschieden, Die herrlichste Eiche Der tückischen Axt Zum tragischen Opfer gefallen! O gönnt es ihm alle! Zum heißerfehnten, ewig blühenden Reiche des Frühlings Zog er empor, Der alle Leiden Endlich ihm löst Und ihm mit Rosen Sein duldendes Haupt Statt der Krone des Dulders umwindet. Und mit dem greifen Kaiser und Vater Einig nun ruht Von Mühen und Leiden Irdischer Tage Selig er aus. O möget ihr schauen, Unsterbliche Geister, Beschirmend und segnend Aus euere Werke, Aus euer Volk, Das dankbaren Herzens Mit Palmen des Friedens Und rauschendem Lorbeer Unsterbliche Kranze hienieden euch flicht! — Und nun tragen Fort aus den Raumen, drin er so gerne waltet' und wohnte, Ihn die Getreuen Thränenden Auges Durch der Bäume Ragenden Dom, Daß in der Kirche ewigem, heiligem Frieden An der Seite des großen Königs er ruhe,. Ein Sieger und Held So lang er gelebt; Ein Sieger und Held Noch im Tode! — — Wir aber denken in ahnendem Sinne, Wie unerforschlich, wie wunderbar Des Himmels Wege oft führen. — Bald bringt der Sage dämmernder Schein In die strahlenden Mauern und Säle hinein. Durch die alten Wipfel zieht leise das Lied, Wie Kaiser Friedrich hier litt unb verschied. Und dichter und dichter die Zweige sich fügen, In heiliger Stille die Hallen liegen;-- Doch die Sonne des Lebens ruft uns empor, Die glänzend erstrahlet dem Erben der Krone, Und heißet dem neuen erstarkenden Throne Uns nahen in hoffnungsjubelndem Chor: Glück auf denn, o Kaiser! Mög Gott Dich behüten! Mein Deutschland, Glück auf! In Sturm und in Frieden!*) *) Anmerkung der Redaction. Wenn wir auch in der Regel Gedichte nicht auf* nehmen, so glauben wir in dem vorliegenden Fall mit Rücksicht auf den Umstand, daß obiges Gedicht von einem hiesigen jungen Acaderniker — stud. phll. — verfaßt Ist, eine unsren Lesern erwünschte Ausnahme machen zu sollen. Ernteversteigerung. DienStag, den 2L. d. M., Nachmittags 3 Uhr, sollen ein Morgen Hafer und ein Morgen Somwer-Mvggen des landwirthschastlichen Versuchsfeldes an Ort und Stelle meistbietend versteigert werden. Gießen, den 19. Juli 1888. Großherzogliches Universitäts'Rentamt. Schmitt. 5902 Dienstag, den 24. Juli, Nachmittags von 2 Uhr an, wird der Nachlatz der %tau Seipp Wwe. im Wiener Hof (Vorderhaus 2. Stock) Neuenweg 62, meistbietend versteigert. Es kommen zum Ausgebot r 2 complete Belten mit Sprungfedermatratzen, 1 Consolchen, 2 Sophas, das eine mit Lederüberzug, Spiegel, Tische, Stühle, 1 Kleiderfchrank, Frauenkleider, Weiß,cug und Küchengerüthe u. s. w. Im Auftrag: Louis Kothenberger, 5898 Taxator. Große Versteigerung von Weißwaaren u. Herren- Garderobesachen. Montag, den 23. d. M., und die folgenden Tage, jedesmal von Morgens 9*/2 Uhr an, im Saale des „Hotel Einhorn" dahier, läßt die Firma Aron und Deutsch, Wäschefabrik und Aussteuer- geschäft aus Marburg, durch den Unterzeichneten eine grotze Parthie Weitzwaarenr Herren-, Damen, Tag- und Nacht- Hemden mit Triming- und Stickereibesatz, Nachtjacken, Damenhosen, Chemisetten, Tischtücher, Servietten, Handtücher, Unterziehjeuge, Halbleinen, Taschentücher, Schürzen, Strümpfe, Corsetten, Unterröcke, Bielefelder Einsätze rc., sodann Herrengarderobesachen r Herren- u KnabemAnzüge, Sommer- Paletots, Schlafröcke, Hosen, Westen, Jaquets, Regenmäntel, Jagdwesten u. s. w., endlich einen grotzen Posten neuer staubfreier Beltfedern in Colli's von 5 resp. 10 Pfund gegen gleich baare Zahlung öffentlich versteigern. Berfteigeruug bestimmt. Gießen, den 19. Juli 1888. Engel, 5886 Gr. Gerichtsvollzieher. Aeilgeöotenes. Neue Grünkern empfiehlt 5907_____£, Kalkhof. Laurenburger Garten-Kies (grobkörnig) habe noch einen Wagen abzugeben. 5906 ______H. F Nassauer. Geschäftshäuser, beste Lagen, zu verkaufen durch 5843] Joh. Fr. Schaaf, Neustadt 55. Salz von der Großherzogl. Saline Bad-Nauheim aus gradirter Soole dargestellt, ausgezeichnet durch seine Schärfe und Leicht- löslichkeit, Kochsalz, Viehsalz, Badesalz, Eissalz, Mutterlauge, letztere in Lalinenkannen, alles bester Qualität, wie allgemein, anerkannt, ist stets vorräthig und zu den billigsten Preisen zu beziehen bei Herrn Kaufmann J. <£• D. Bapstt >em Markt in Gießen. urossh. Salinen- und Bergamt __Bad-Nauheim._________ Eine Parthie das Stück schöne ju 2 4 bei Ph. Stier, 5597 Schulstraße. Allgemeiner Anzeiger. i Gustav-Adolf-Fest. Eluladunfo Sötifftuocf), den 23 d. feiert der Gießener Zweig- verein der G.-A.-Stiftung sein Jahresfest in Großen-Linden. Im Vormittagsgottesdienst um ^10 Uhr wird Herr Pfarrer Walz von Bad-Nauheim, im Nachmittagsgottesdienst Herr Pfarrer Klingelhöffer von Lich predigen. Es werden zu diesem Feste die Freunde des Vereins freundlichst eingeladen. Großen-Linden, den 19. Juli 1888. 5896 Der Kirchenvorstand. werden Wegen vorgerückter Saison verkaufe meine noch vorräthigen Siiinwrklehltrslrfi!««, Mine zu bedeutend ermäßigten Preisen. Cattun-Reste von 2—10 Meter unter Einkaufspreis. 5852 Attg. Iflontnnus. Wegen Geschästsverlegung 5547 Coursbericht der Frankfurter Börse Reicbsbank-Disconto 3% 19. Juli 1888. Franks. Bank-Disconto 8% 4% Preußische Consols 107 20 3Va% do. 103.90 4% Nassauer Oblig. 101.00 4°/0 Bayerische Qblig. 107.30 4% Badische Oblig. 105 50 4% Hessische Oblig. 106 90 4% Franks. Hypothbk.-Psandbr. alte 101.30, neue 103 30 3Va% do. 98.50 41/2% Franks. Landwsch. Creditbk.- Obltg. 103.60 4% Hamb. Hypothbk.-Psandbr. 103.00 3‘/2% do 98.00 5% Buderus Oblig. 104.00 3V3o/o Solms-Brauns. Oblig. 96.50 4% Gießener Oblig. -- 4% Oesterr. Goldrente 91 80 41/s% Oefterr. Silberrente 67.30 5% Portugiesen Oblig. 99 70 Darmst. Bank-Actien 15010 etdf orten. 20 Francs-Stücke 16.17-16.21 do. in Vi 1612-16.16 Engl. Souvereigns 20.32 —20.37 Dollars in Gold 4.16—4,20 Telegraphischer Coursbericht der L Oesterr. Creditactien 158.60 Oesterr. Staatsbahn-Actien 95.25 1880 4% Russen Oblig. 84 20 4°/o unif. Egypter Obug. 85.20 Tenden erliner Börse vom 20, Juli 1888. Disconto-Com-Antheile 214.60 Lombarden 39.75 4% Ungar. Goldrente 83.00 5°/o Gemischte Russen 97 50 i: fest. 76 Fussbodenanstrich w in allen Arten, in allen Nüancen , rasch und / hart / trock- / nend. / •. o M * p p n .«^k»n Mötzlicher Verhinderung des Herrn Pfarrer Steinwach« findet nächsten Sonntag, den 22. Juli, kein altkatholifcher Gottesdienst statt. Ba“ Th. Haubach Bah"4Ttr- Alleinige Niederlage für Gießen und Umgebung der Kleyer’schen Velocipedfabrik und Handlung in Frankfurt a. 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