Nr. 167 Freitag den 20. Juli 1888. (siebener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Vrrreairr Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst Amtlicher Hßeit. Betreffend: General-Versammlungen des landwirthschaftlichen Bezirksvdreins Gießen. Bekanntmachung. Donnerstag den 26. Juli I. I., Nachmittags 2 Uhr, wird eine Generalversammlung des landwirthschaftlichen Bezirksverein- Gießen zu Hungen in dem „Solmser Hof" (bei Herrn Jockel) abgehalten werden. Alle Mitglieder des Vereins und Freunde der Landwirthschaft werden zu. dieser Versammlung hierdurch fteundlichst eingeladen. Tageso rdnung: 1) Feststellung des Voranschlags des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen pro 1888. 2) Beschlußfassung über den Entwurf der Statuten des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. 3) Berathung über die zur Vertilgung der Raupen an Obstbäumen zu ergreifenden Maßregeln. 4) Referat des Herrn Gutsbesitzers Schienke von Gießen über das Thema: „Ist die Hagelversicherung auch für den kleinen Landwirch geboten?" Gießen, den 14. Juli 1888. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Jost. Politische Rundschau Gießen, 19. Juli. Wahrend die russische Panslavistenpresse der Kaiferbegegrrrrng noch immer mit einer gewissen süß-sauren Miene gegenübersteht, feiert das „Journ. de St. Petersb." die Bedeutung des Ereignisses in warmempfundenen Worten, die hoffentlich die Gesinnungen der leitenden russischen Kreise widerspiegeln. Das Organ des Herrn v. Giers hebt namentlich hervor, wie die Reise des deutschen Kaisers nach St. Petersburg unstreitig dazu bestimmt sei, die engen Bande Jahrhunderte alter Freundschaft, welche die beiden Dynastien mit einander verbindet, nur noch enger zu verknüpfen und die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Kaiserreichen zu befestigen und zu starken. Wenn dann das öfficiöse Blatt den Besuch Kaiser Wilhelms beim Czaren als ein Friedensunterpfand von höchster Bedeutung bezeichnet, so befindet es sich hierin in völliger Uebereinstimmung mit der weit überwiegenden Mehrheit der europäischen Presse und dem gegenüber wollen alle Versuche von gewisser Seite, die Bedeutung der Kaiserzusammenkunft möglichst herabzusetzen, herzlich wenig besagen. Voraussichtlich wird Hälfet Wilhelm bis nächsten Montag in Peterhof weilen, um dann die Rückreise anzutreten. Auf derselben gedenkt der Kaiser bekanntlich auch den Höfen von Stockholm und Kopenhagen einen Besuch abzustatten und sieht man dem Eintreffen des deutschen Monarchen in Stockholm für den 25. Juli entgegen. Am nächsten Tage soll die Weiterreise des Kaisers nach der dänischen Hauptstadt erfolgen. Von der Meeresfahrt Kaiser Wilhelms sind die Meldungen begreiflicher Weise nur spärlich eingelaufen. Am Mittwoch früh sechs Uhr passirte das kaiserliche Geschwader die efthländische Küste und am gleichen Tage war die russische Nacht „Staw - janka" mit Offizieren des Steuermann-Corps von Kronstadt abgegangen, um das deutsche Geschwader nach dem finnischen Meerbusen einzulootsen. Herr v. Norman«, der preußische Gesandte am braunschweigischen Hofe, ist plötzlich in Folge eines Herzschlages verschieden. Herr v. Normann fungirte, als der hochselige Kaiser Friedrich noch Kronprinz waMlängere Zett als dessen Hofmarschall und wurde später zum Gesandten Preußens in Braunschweig und Oldenburg ernannt. Der badische Landtag ist am Dienstag hinsichtlich seines geschäftlichen Theiles geschlossen worden, wobei in der zweiten Kammer der Vicepräsident der schweren Schicksalsschläge gedachte, die Baden und Deutschland betroffen haben, und der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß das deutsche Reich auch unter Kaiser Wilhelm II. seine Machtstellung sichern werde. In gemeinschaftlicher Sitzung beider Häuser erfolgte dann am Mittwoch der officielle Schluß des Landtages. Tas Ehedrama im serbischen KönigShause hat durch die inzwischen erfolgte Veröffentlichung des Vertrages, welchen König Milan seiner Gemahlin hatte vorlegen lassen, einen neuen interessanten Zug erhalten. Der Vertrag gewährt orientirende Einblicke in das bisherige Familienleben der beiden königlichen Gatten und zeigt auch die politische Bedeutung des Ehezerwürsnisses, während das Document zugleich auch das weitgehendste Entgegenkommen König Milans gegenüber seiner hohen Gemahlin bekundet. Nach dem Vertrage sollte sich die Königin Natalie verpflichten, bis zur Volljährigkeit des Kronprinzen Alexander ohne besondere Erlaubniß des Königs nicht nach Serbien zu kommen und bis zum 1. Januar 1893 im Allgemeinen ihren Aufenthalt zu Wiesbaden zu nehmen. Bis dahin sollte der Königin die unmittelbare Aufsicht über die Erziehung und den Unterricht des Kronprinzen nach dem von König Milan bestimmten Plane zustehen; die Königin war gehalten, den Kronprinzen während dieser Zeit niemals je außerhalb der deutschen Reichsgrenzen zu führen, wenn dies der König nicht .ausdrücklich genehmigte. Vom 1. Januar 1893 ab sollte der Kronprinz nach Belgrad übersiedeln, jedoch zu Ostern und Weihnachten jedesmal auf 10 Tage, die Reifezeit abgerechnet, zu seiner Mutter zurückkehren. Ebenso verpflichtete sich der König, den Thronfolger während der Sommerferien zur Mutter zu schicken, doch sollte dieselbe kein Recht haben, den Kronprinzen innerhalb dieser Zeit ohne Erlaubniß des Königs an den Höfen vorzustellen. Weiter verpflichtete sich König Milan, alle seiner Gemahlin als Königin zukommenden Ehren und Rechte sicher zu stellen und ihr nicht nur bis zum 1. Januar 1893, sondern auch nach der Volljährigkeitserklärung des Kronprinzen Alexander jährlich die Summe von 300,000 Frcs. zur Verfügung zu stellen. — Königin Natalie hat sich aber geweigert, diese für sie so ehrenvollen Bedingungen zu unterschreiben, so daß also der Vertrag hinfällig geworden ist. Wer ihr dazu gerathen, hat der königlichen Frau sicherlich keinen guten Dienst erwiesen! — Inzwischen ist die Königin Natalie von Wim, wohin sie sich von Wiesbaden aus begeben hatte, nach Paris ab- gereist, um in der französischen Hauptstadt zunächst einige Tage zu verwetten. Die ftanzästsche PatlamerrtSsesstorr ist am Mittwoch geschlossen worden, I nachdem die Deputirtenkammer dem Martneminister Krantz noch in aller Ette die für I die weiteren Besestigungswerke an den Häfen Brest, Toulon und Cherbourg geforderten I 67 Millionen Frts. bewilligt hatte. Die Session der Deputirtenkammer erhielt noch gegen ihren Schluß hin durch die Mandatsniederlegung Boulangers und die dieselbe begleitenden tumultuarischen Scenen, endlich durch die sich hieraus entwickelnde Duell- Affaric Floquet-Boulanger eine fast dramatische Spitze, um so bemerklicher wird sich aber nun nach Beendigung der parlamentarischen Thättgkett in Frankreich die sommerliche Ruhepause machen; ob dieselbe nicht durch einen boulangisttschen oder monarchistischen Streich unterbrochen werden wird, mutz frettich abgewartet werden. Deutschland. Darmstadt, 17. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst geruht: Am 7. Juli den praktischen Arzt, Medicinalrath Dr. Ludwig Hauser zu Vilbel zum Arzt an dem Landeszuchthause zu Marienschloß, mit Wirkung vom 1. August l. I. an, zu ernennen; am 15. I. Mts. der durch die Stadtverordneten - Versammlung zu Darmstadt erfolgten Wahl des bisherigen Stadtverordneten Rentners Karl Lauteschläger daselbst zum Bürgermeisterei-Beigeordneten der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt die Bestätigung zu ertheilen. Darmstadt, 18. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst geruht: am 11. Juli dem Großh. Oberamtsrichter Justizrath Dr. Schalk in Oppenheim die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß- müthigen zu verleihen; am 14. Juli den Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Osthofen Carl Rh um bl er zum Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Oppenheim, mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers oder des für ihn bestellten Amtsverwesers, zu ernennen; am 18. Juli den Gertchtsschreiber bei dem Amtsgericht Wald-Michelbach Joh. M üssig zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Groß - Gerau, und den Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Zwingenberg Franz Gombert zum Gertchtsschreiber bei dem Amtsgericht Wald-Michelbach zu ernennen. Darmstadt, 18. Juli. Das Amtsblatt des Gtoßh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Sektion für Justizverwaltung, Nr. 17 enthält Ausschreiben vom 28. Juni 1888, betreffend die Revision des Gerichtskostenwesens in den Jahren 1886 und 1887. Telegraphische Depeschen. Wolff'S ielegr. Eorresponderr- - Burea«. Berlin, 18. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die von der französischen Presse erhobenen Klagen, daß die deutschen Behörden einzelnen Franzosen, welche sich nach Elsaß-Lothringen begeben wollten, die Pässe verweigert oder die Erlangung derselben erschwert haben, als in den meisten Fällen erlogen und auch da, wo ein Fünkchen Wahrheit zu Grunde liegen sollte, unbegründet. Die „Norddeutsche" erwähnt dabei die Geschichte von einem activen Officier, der durch deutsche Grausamkeit verhindert worden sei, an das Krankenlager seines Vaters zu eilen, nnd bemerkt, dieselben Scribenten, die jetzt nicht laut genug jammern können über die angeblichen Härten deutscher Behörden, würden die ersten sein, die französische Plebs zur Steinigung eines activen deutschen Officiers aufzuhetzen, der sich unter dem Vorwande, einen kranken Verwandten pflegen zu wollen, nach Nancy, Verdun oder in eine andere Grenzfestung begeben sollte. Es läge vielleicht in höherem Grade in französischem Interesse, wenn man in Frankreich darüber klar werden wollte, daß Franzosen sich gefallen lassen müssen, mit demselben Masse gemessen zu werden, womit sie messen. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Großkreuzes des Rothen Adlerordens mit Eichenlaub an den General Wartensleben, des Rothen Adlerordens 2. Klasse mit Eichenlaub an den Geheimen Regierungsrath Professor Hintzpeter in Bielefeld. Betlirr, 18. Juli. Das Marineverordnunasblatt veröffentlicht eine allerhöchste Ordre, betreffend die Entbindung Caprivi's von seiner Stellung als Chef der Admiralität, in der es heißt: Ich glaube mich der Bewilligung Ihres Gesuches vom 26. Juni nicht entziehen zu dürfen, da organisatorische Veränderungen in dem Obercommando und der Verwaltung der Marine, welche ich in nächster Zeit eintreten zu-lassen beabsichtige, Ihre bisherige Stellung so wesentlich verändern würden, daß ich Ihr ferneres Verbleiben nicht würde beanspruchen können. Ich entspreche daher Ihrem Gesuche, indem ich Sie unter Entbindung von Ihrer Stellung als Chef der Admiralität mit der gesetzlichen Pension zur Disposition stelle. Zugleich bestimme ich, daß Sie in Ihrem Verhältniß ä la suite der Armee auch ferner verbleiben. Ich hoffe, daß sich schon nächstens eine Gelegenheit findet, Ihnen eine Ihrem Range entsprechende Commandostelle zu übertragen, wie ich dies im Interesse der Armee, zu deren ausgezeichnetsten Generalen ich Sie mit vollster Ueberzeugung zähle, dringend wünsche. Vermischtes. IlniversttLts - ßhronik. ~ Witte in Schulpforta ist von der theologischen Facultät der Universität Greifswald, trotzdem er den Ruf dorthin abgelehnt hat, zum Toctor „honoris causa ernannt. Der Pros, der philosophischen Facultät Dr. Lenz zu Marburg wurde in gleicher Eigenschaft nach Breslau berufen. r :x Der außerordentliche Professor in derselben Facultät, Dr. Kestler, ist in gleicher Ergenschaft an die Universität Greifswald versetzt worden. o , 7- Der Prof, der Anatomie, Gruber, hat aus Gesundheitsrücksichten sein >neblcinif«en Akademie in St. Petersburg ntedergelegt und beabsichtig" sich in Wien oder Berlin dauernd niederzulassen. Lokales. J.9- Zu« Mn historisches Concerti Die Capelle des Großh. Leib-Grenadrer-Regiments Hal es unternommen, eine musikalische Aufführung ru möglichst getreues Bild von der historischen Entwickelung der Mtlitar-Mustk geben soll. Diesen Zweck sucht das Concert - Unter- nehmen dadurch zu erfüllen, daß es nicht allein eine Reihe von hervorragenden Musiken von dm ersten primitiven Versuchen bis zur glänzendsten modernen Ausgestaltung J^se Musikstücke in der ihnen etgenthümlichen Inftrumentirung und mit den hierfür berechneten Instrumenten vorsührt. Verschiedene dieser Instrumente gelangten bei dem Herdelberger Universitäts-Jubiläum zur Verwendung und stammen aus der Zeit der ersten Versuche auf dem Gebiete der Militärmusik. 19. Juli. D-rh°st-t wurde gestern die Dicnstmagd Elise Graubner ™ci[ Jie ?^cm Dicnstherrn, einem hiesigen Wäschereibesitzer, den Wäscher ohn von 5 Kunden seit. October 0. Js. in 42 Fällen im Betrage von 136 M. unterschlagen hat. Handel und Verkehr. Limburg, 18. Juli. (Fruchtmarkt). Rother Weizen M. 15.60 weisser fcirtnfLl^ 7o°(M> ÄOtn ■* 1L35' G-rst- M. 9.20, Hafer JL 7.55, Erbsen JL 00.00, jvm iuj j ein vfu u.uva o. r ?QraSQr^rt ?,?• Äuli. Erbsen ganze pr. Psd. 12—16 do. geschälte 14—18 & 18—28 weiße Bohnen 20—22 X Kartoffeln 100 Ko. ji 6—7,50, do- pr. Pfd. ? ? S>u^cI.pr: 90—1,10, Eier das Stück 5—6 Kohlraben per Stück nr mA' ^Etßkraut per Stück 20—25 Rotherüben per Portion 50-60 Kirschen pr- v io «andwirthfchaftttche Nachrichten. (Nachdruck verboten.) «,^'lNutzen und Schaden der Krähen.) Di- Krähen sind im Allgemeinen unter den Vögeln wenig geschätzt und es kann ja auch nicht geleugnet werden, daß sie einen Landmann, wenn sie in großer Schaar in seine Erbsen einfallen, arm fressen können, wie groß häufig die Schaaren derselben sind, welche gesellig bet einander nisten, das weiß Jeder, der einmal beobachtet hat, welchen Lärm sie verursachen können, wenn sie sich über ihre Ntststatten im Walde umhertummeln, das geht aber auch daraus hervor daß man z. B. in einer Colonie in der Nähe von Halle 3000 nistende Paare gezählt hat. Wenn solch eine Schaar einfällt, so stiftet sie entweder furchtbaren Schaden oder sehr großen Nutzen, denn auch der letztere ist durchaus nicht ausgeschlossen. So haben Forstleute beobachtet, daß ganze Waldstrecken in kurzer Zeit durch sie fast gänzlich von den Kieferspinnen befreit wurden, während in naheliegenden Waldtheilen, die nicht von den dunklen Vögeln aufgesucht wurden, eine Vermehrung jenes Ungeziefers statlfand. Für den Sandmann sind die Krähen nützlich, wo Wurzelfrüchte gebaut werden, weil sie dort eine stattliche Menge von Erdkerfen vernichten, während sie den Körnerfrüchten vorzüglich aber den Erbsen, wie schon oben erwähnt, bis zur vollständigen Vernichtung schädlich werden können. Die Ordre spricht alsdann den Dank des Kaisers für die geleisteten Dienste aus und hebt die dauernden Verdienste Caprivi's um die Marine hervor. Karl-ruhe, 18. Juli. Die Thronrede des Großherzogs bei dem Landtagsschluß erwähnt die während der Session hereingebrochenen schweren Schicksalsschläge, den Tod des Prinzen Ludwig und der beiden Kaiser. Diese Ereignisse, welche in rascher Folge das deutsche Vaterland im innersten Leben erschütterten, waren geeignet, die Liebe zu Kaiser und Reich noch fester zu begründen und werden dazu beitragen, die Regierung des Kaisers Wilhelm II. zu einer gesegneten zu gestalten. Die Rede gedenkt der angenommenen Gesetzentwürfe, insbesondere des kirchenpolitischen Gesetzes, worüber, wenngleich volles Einvernehmen nicht erzielt werden konnte, doch werthoolle Einigung erfolgte, des Einführungsgesetzes der Unfallversicherung für die land- und forstwirthschaftlichen Arbeiter, des Beamtengesetzes und des Schullehrergesetzes. Die Rede schließt mit den Worten: Das Reich, das inmitten der schmerzlichen Verluste unerschüttert geblieben, wird auch fortan unser starker Schutz nach außen sein. — Der Großherzog, bei der Vorfahrt vom Publikum enthusiastisch begrüßt, war bei der Schlußrede tief bewef t. Die Tribünen waren überfüllt. Der Erbgroßherzog und Prinz Earl wohnten dem Landtagsschluß bet. Die Straßen waren reich beflaggt. Karlsruhe, 18. Juli. Die dem Großherzoge dargebrachte Huldigungs-Kundgebung hatte einen glänzenden Verlauf. Der aus Vertretern der städtischen Behörden, der Jnnunaen, der Studentenschaft, den sämmtlichen hiesigen Vereinen und einer großen Anzahl anderer Bürger gebildete Zug nahm in der mit Flaggen reich geschmückten Karl-Friedrich-Straße und auf dem Marktplatze, wo Gasflambeaux brannten, Aufstellung und bewegle sich nach dem Schloß, wo patriotische Lieder gesungen wurden. Der Zug defilirte vor dem Großherzog, welcher auf den Balkon getreten war. Der Schloßplatz war mit Gasflammen und Magnesiumlicht taghell erleuchtet. Der Großherzog empfing die Deputation, welche eine Huldtgungs- und Dank-Adresse überreichte und sprach seinen Dank für die patriotische Kundgebung aus. Karlsruhe, 18. Juli. Hofrath Maier aus Baden-Baden ist gestern mit Gehermralh Tenner hier etngetroffm und untersuchte auf's Genaueste die Augen der Großherzogin. Er constattrte einen guten Erfolg des bisherigen Heilverfahrens und erklärte, die Fortsetzung desselben berechtige zu den besten Hoffnungen völliger Wiederherstellung. Paris, 18. Juli. Präsident Carnot ist heute Morgen in die Dauphins abgereist. Tarragona.- 18. Juli. Gelegentlich einer gestern abgebaltenen Versammlung wegen des Alkoholgesetzes fanden Ruhestörungen statt, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Athen, 18. Juli. Nach einer „Havas-Meldung" ist die Annahme italienischer Blatter, daß die griechische Regierung die Gesetzmäßigkeit der den Ausländern in Massaua auserlegten Steuern anerkannt habe, unbegründet. . Dagerot (Estland), 18. Juli. Die Kaiseryacht „Hohenzollern" passirte, von dem Geschwader begleitet, heute früh 61/* Ubr Dagerot. Kronstadt, 18. Juli. Die Yacht „Slawjanka" mit Offizieren des Steuermann- Eorps rst heute behufs Einlootsung des deuttschen Geschwaders in See gegangen und erwartet dasselbe bet Havelland. 18. Juli. Bei einer gestern vorgenommenen Haussuchung wurden zwölf Dynamitbomben, ein Revolver und ein Dolch aufgefunden. Drei Personen wurden verhaftet. Der Polizeicommissar Bonfield erklärt, man nehme mit Unrecht an, daß | die gestrigen Verhaftungen auf eine große Verschwörung hinwiesen, welche bei Leuten einer besseren Elaste einen Rückhalt gehabt oder daß öffentliche Gebäude hätten zerstört werden sollen. In dem Complot seien nur zwanzig der untersten Elaste angehörige Personen verwickelt. Der Ehicagoer „Daily News" zufolge stehe fest, daß am 8. Juni zwanzig Pfund Dynamit unter die Anarchisten vertheilt worden seien und daß eine größere Menge Dynamit in die Hände von Mitgliedern der centralen Arbeiterunion gelangt seien.- Nach anderweitigen Mittheilungen sei die Zerstörung des Gerichtssaales und anderer öffentlichen Gebäude, sowie einiger Redactionslokale beabsichtigt gewesen Unter den Verhafteten befindet sich ein bekannter Anarchistenführer. Petersburg, 19. Juli. Das deutsche Kaisergeschwader hat gestern Abend Reval I passirt. Die Zusammenkunft der beiden Kaiser findet Nachmittags um 3 Uhr zu Kron- I ftadt statt. I , Mainz, 18, Juli. Der Besitzer des Gasthofs zum „Holländischen Hof" hier Herr Büdingen, welcher vor - Niger Zeit das Unglück halte, im Raunheimer Walde durch einen Zufall bet dem Entladen d-S Jagdgewehres einen Waldhüter zu erschießen hat mit der Familie des Verunglückten, ohne das Zuthun derselben, einen Vertrag getroffen, wodurch s^H-rr Büdingen verpflichtet, eine Jahresrenie von 360 und einen Baarbctrag von 5000 M. zu zahlen. — 3n einem hiesigen Gasthof stellte sich vorgestern eine mit einer Dienstmütze oerfejiene Persönlichkeit als Polizeibeamter aus Frankfurt vor, der hierher berufen fei die Mainzer Sittenpolizei einer Reorganisation zu unterziehen. Die Persönlichkeit ließ sich Esten und Trinken gut schmecken und verduftete sodann ohne die^eche zu b" zahlen. Der Mainzer Polizei gelang es noch am Abend, den Frankfurter Eolleaen der sich als ein langgesuchter Schwindler entpuppte, zu verhaften. 0 ' ^etn hier wurde heute Morgen eine gutgekleidete männliche Leiche ge- landet. Eine zweite Leiche zog man gestern Abend unterhalb Kostheim an der Main- spitze aus dem Wasser. -- Eine 70jährige Greisin, die sich gestern in der Absicht sich zu erttanken, in den Rhein stürzte, aber noch lebend auf das Trockene gebracht wurde 61Ä «n Wen’“ tr6~ ßCUte' b“ hinderten die U,r ““ - «■ Ä c c. J^CrX Dieb' welcher unlängst in eine Druckerei in der Langestraße einbrack 1,1 s» SiÄÄ sps «eberdete, wie wenn er noch in Amt und Würden sei. Ein hiesiges Haus bat der umrund 2000 geschädigt. Er wurde sehr liebenswürdig aufgenommen ifnftirÄ? 0CaMC?' Schauspielhaus begleitet und erhielt namhafte neue Aufträge. Diese Freundlichkeiten lohnte der Gauner durch den Betrua in nh»n angegebenen Höhe. Zn anderen Städten soll er das einUäauSe^ef^äft fortariSt und Betrügereien in der Gesammthöhe von 13000 JL verübt haben. $ r 0 ' ~ Die Jrühkartoffelernte wird allenthalben als eine gute bezeichnet. An den Prersen merkt man das freilich noch nicht, das Pfund kostet nämlich 15 , ~ r,r. .. Astern erhängte sich ein in der Wallstraße wohnender Colporteur. Der Selbstmörder gab Lebensüberdruß in Folge eines längeren Leidens als Motiv zur That an. 0 «,.rn ohne Einbruch und Diebstahl! In einem Hause auf dem Römer- a^0äh,^ I1 ? Nacht eingebrochen. Die in ihrer Arbeit dem Anschein nach geftor^n Diebe n^men außer einer großen Geldsumme auch eine Parthie Waaren F1!!’ . ^ner Wirth schäft tn der Schafergasse wurde in verwichener Nacht eben- W-rlh- o°n"100^ g-stohi-m" 10 M baat' f0IDte ^ig-rr-n und Kleidungsstück- tm I wpnfrf.” Poliziüen in der letzten Nacht einen jungen I 06 ^Cr DOn Zuhältern tn den Leib gestochen worden war. Die Thäter I die zwar nicht neu, aber immerhin nicht alltäglich ist, wurde 2n C nCL a?n Romerberg zum Austrag gebracht. Ein Kutscher um^20 gewette , daß er eine 14pfündige Kalbskeule zu verspeisen vermöge. tt-g.- ichli-bUch'n°ch^in-L^°nÜLI- ‘ranf iU tem Br°t-n6Sch°pp-n Bi-r und verein Wogens und wurden eine S^r-ck- weit L-isü I ^nem Pferd wurden die Beine gequetscht mehrere andere erlitten erhebliche Beschädi- I jungen. Es kostete stundenlange muhevolle Arbeit bis die Thiere befreit waren. I ,, O-, ^..Frankfurt a. M., 18. Juli, lieber die Concessionsertheilung der Local- I bahn nach Komgstein erfahren wir, daß dieselbe von Höchst in nordwestlicher Richtung ^?^Eud, über die Ortschaftm Unterliederbach, Oberliederbach, Niederhofheim Münster Schneidheim nach Königstein geführt, und daß mit dem Bau noch in diesem Herbst begonnen werden soll. Eoncessionäre sind die bekannten (Sifenbabru ^bnderop u. Eo und M. Pollack u. Eo. Das Actien-Kapital beträgt lJGO^OOO gemäß dem genehmigten Kostenanschläge. Die Linienführung ist wegen D elen Ä ^^^genden Ortschaften außerordentlich günstig gewählt TnLuF fFS1 akCtncnC nc erfreuliche Zunahme des Verkehrs nach dem Taunus, sondern auch befriedigende Betriebsergebnisse erhoffm. c , °* ^ankfurt a-M., 19- Juli. Seit heute ist durch Herrn Günther aus ^n Hof aus der Zeil ein herrliches Kolossalgemälde, „Kaiser U IrJ"1 P^rabebett , ausgestellt. Herr Günther ist bekanntlich auch der f owewunberten Orapäen Sensattonsbildes „Filicia", welches soeben gleichfalls im „Russischen Hof' ausgestellt ist. Der Besuch der Ausstellung ist nicht gemein^e?^ kft0m Publikums, sondern auch aus den Nachbarstädten ein un-- ! CFnfftfipihimA^At5 n' 181 wichtige, allgemein interessirende maßgebende or . b“^0 bat ?as Kammergertcht in Berlin als oberster Gerichtshof in Bezug auf miCpm?AUbUM ? bkr am ©onntage gefällt. In der Provinz Hessen-Nasfau, W°bI iMbe5-ubr 0eil Provinzen der Monarchie und den anderen Bundes- ^uaten. waren^die Jager und JaMtebhaber bisher der Ansicht, daß am Sonntage und Klapper -) Jagden verboten seien, daß dagegen AberÄird,e bezw. Abends der „Anstand" ausgeübt werden dürfe. Neben vielen Andern war auch ein Oeconom in Hersfeld diesen Winter an einem nach der Kirche auf den „Anstand" gegangen und hatte die Jagd ausgeübt. Zur Anzeige gebracht war er dreserhalb wegen Uebertretung der Sabbathordnung bzw megen Uebertretun0 des 8 366, Absatz 1 des Reichsstrafgesetzbuches vom Schöffengericht ^trnffL^rb4 %«rrur be{1 Horden Hiergegen legte Angeklagter Berufung bei der dn' "«?urch seinen Rechtsbeistand ausführen ließ, daß durch die Sabbathordnung nicht die Ausübung des „Anstandes" nach der Kircke son- dern nur das Abhalten von Treib- und Klapperjagden verboten sein könne.' Die Strafkammer war fedoch der Ansicht des Voiderrichters und verwarf die eingelegte rinrUmUnrmtf Sonntagsjäger legte hierauf Revision gegen das Urteil APinnntP T)ibif Kammergericht in Berlin zur definitiven Entscheidung TnipntCh; Dieser oberste Gerichtshof ^ur derartige Fälle verwarf nun aber vor einigen iS b£n Revision unter Bestätigung des Unheils der Strafkammer zu Kassel. In den Entscheidungsgrunden wird ausgesuhrt, daß das Schießen und Zagen Feiertagen allgemein durch die Sabbathordnung verboten sei, es müsse mÄ b -.^^Fung der Sonntagsfeier auch darin gefunden werden, wenn der aeüb? mprh?U6e^Aer;t,3dt" des Gottesdienstes bezw. nach Beendigung desselben aus- 0bübt werde. Damit wäre denn diese hierzulande vielfach erörterte streitige Frage Gersten Gerichtshof endgültig entschieden worden, wovon ^^?0b te?^ba in 'drem eigensten Interesse Kenntniß nehmen mögen, um sich vor Strafe und Kosten zu hüten. B ' , , - Die diesjährige Vereinsoersammlung des Deutschen Vereins gegen den Miß- -ZEg^r Getränke findet am Abend des 13. und am 14. September zu Gotha Ä br Tagesordnung ist von der vorjährigen Vereinsversammlung in Darm- Ü?dt uoch übrig geblieben: 1) Das Verhältntß des Schnapses zur Volksernährung ^^0^ordnung mürbe, zugefügt: 2) Der Antheil der höheren Stände an dem Mißbrauch gelstiger Getränke in Deutschland und die denselben deshalb obliegende 3) Die richtige Art der Unternehmung von Volks-Kaffeehäusern Uebersicht derartiger deutscher Unternehmungen. ^untC9auiern. 3Viproc. Anleihe der Stadt Darmstadt. — Dem im Jnseratentheil veröffentlichten Prospect fügen wir über die zur Einführung kommende neue Anleihe von JL 2 Millionen ergänzend an, daß dieselbe in Abschnitte von vtt 1000, JC 500 und 200 eingetheilt ist. Der Lermögensstand der Stadt beziffert sich, nachdem die Gemeinde Bessungen in derselben am 1. April a. c. aufgegangen ist, nach dem Prospect auf Vi Mill., während die städtischen Schulden ohne die neue Anleihe JL 5I4 Millionen betragen. Der Erlös des neuen Anlehens dient zur Errichtung eines städtischen Electricitätswerks, Erweiterung des Pfründnerhauses, Erbauung von Schulen und sonstigen öffentlichen Gebäuden, Herstellung von Kanälen und Straßen und zur Heimzahlung von 4proc. Schulden der bisherigen Gemeinde Bessungen. Der Kaffee in seinen Beziehungen zum Leben betitelt sich eine Schrift, herausgegeben von Dr. Hch. Boehnke-Neich, aus welcher wir manches Nützliche über Verschiedenheit der Sorten, Brennarten und Zubereitungen erfahren können. Um einen guten Kaffee herzustellen, ist es nach dieser Schrift vor Allem nöthig, nur frisches Wasser — direct vom Brunnen oder von der Quelle — zu verwenden und ein langsames Sieden, nachdem das Kaffeepulver dem Wasser zugesetzt ist, dem Uebergießen — besonders durch einen Filtrnsack — bet Weitem vorzuziehen. Von großem Werth ist auch die richtige Brennart. Als eine der besten wird diejenige nach Dr. I. v. Liebig empfohlen, der nach vielfachen Versuchen die Beobachtung machte, daß der Sauerstoff der Luft dem gebrannten Kaffee großen Verlust an Aroma bringe, und den Hausfrauen deshalb den Rath gab: die gebrannten Bohnen beim Garwerden mit etwas Zucker zu bestreuen, damit solche durch diese leichte Umhüllung vor Verdunsten geschützt und so die ganze Kraft erhalten bleibe. Ein nach dieser Vorschrift richtig gebrannter Kaffee gtebt auch — ohne jeden Beisatz von Surrogaten oder Etchorien — einen wohlschmeckenden, kräftigen und dem Magen zuträglichen Trank. Nach obiger Methode und mittelst neu verbesserter matchtneller Einrichtung sind die Kaffee's der Holländischen Kaffee-Brennerei H. DiSque L Co. (Schutzmarke „Elephant") hergestellt und erfreuen sich deren vorzügliche, pretswürdige Sorten immer größerer Beliebtheit. Zu haben um 40 H u. 1.10 bei I. H. 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Freitag Abend 1«» Uhr, Samstag Vormittag Uhr, Samstag Nachmittag 400 Uhr, Samstag Abend 845 Uhr. Bdarmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. Luft 14, Wasser 14*/2 Gr. Gießen, den 19. Juli 1868. Rübsamen. Große Versteigerung von Meißwaaren u. Herren- Garderobesachen. Montag, den 23. d. M., und die folgenden Tage, jedesmal von Morgens 91/2 Uhr an, im Saale des „Hotel Einhorn" dahier, läßt die Firma Aron und Deutsch, Wäschefabrik und Aussteuer- r geschäft aus Marburg, durch den Unterzeichneten eine große Parthie Weißwaarenr ? 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