HO den 19. Mai 1888 Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen. teuteaut Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch dre Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf, Amtlicher Hßeik, Betreffend: Die Verpflegung von Waisenkindern auf Kosten der Landeswaisenkaffe. Gießen, am 16. Mai 1888. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die Grotzherzogltchen Bürgermeistereien des KreiseS. m Ersuchen Grobherzoglicher Provinzial-Direction Starkenburg empfehlen wir Ihnen die genaue Beachtung der Vorschriften der S 20 der b'e Verpflegung armer Waisen betreffend, vom 26. April 1843. Wir fordern Sie daher auf, beim AblebenvonaufKossenderLandesmM-nan7ase Verpflegung befindlichen Warsenkrndern, dre vorgeschriebene Anzeige zu erstatten und darin anzugeben, ob dar Waisenkind Vermögen hinterlassen hat ________________________________________ vr. Boekmann. Der Oberhessische Bienenzüchterverein beabsichtigt, gelegentlich der am 16. Juli d. I. zu Nidda stattfindenden 28. Wanderversammluna eine gwrnnf»™ Blenenutenfilien zu veranstalten. Großherzoglicher Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchtt Erlaubniß zur Veranstalttlng dieser Verloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 2500 Loose ä 50 ausaeaeben und mindestens 66°A des aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen verwendet werden. 99 n llenS bb /o üeö ^ruttoerloses Großherzogliches Ministerium hat zugleich den Vertrieb der Loose in der Provinz Oberhessen gestattet. Greßen, am 17. Mai 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ___vr. Boekmann. Gießen, am 17. Mai 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen, vr. Boekmann. ~.h. Fs ""d hierdurch zur öffentlichen Kenntmß gebracht, daß Großhsrzogliches Ministerium der Innern und der Justiz dem Pferdemarktcomitö -u Frrtzlar die Erlaubmß ertheilt hat, die Loose einer von demselben am 12. Juli d. I. in Fritzlar zu veranstaltenden Verloosung von Pferden, Wagen F?hr'und Re,t-R^qEen und sonstigen Gegenständen in den Kreisen Gießen, Alsfeld und Lauterbach zu vertreiben. Nach dem von dem Konigl. Preußischen Ober-Prasidenten der Provinz Hessen>Naffau genehmigten Verloosungsplane dürfen 7000 Loose a 3 ausgegeben und müssen 14 900 JL zum Ankauf von Gewmnsten verwendet werden. ' Die Provinzial - Fohlenweide bei Merlau beginnt den 1. Juni d. I. Die Fohlen muffen alsdann zwischen 10 und 1 Uhr Mittags daselbst mit einer gezeichneten Kette und Halfter, sowie Gesundbeits- schein von Bürgermersterel oder Vetermärarzt abgeliefert und den 29. September d. I. um dieselbe Tageszeit abgeholt werden, wobei der Besitzer beim Emfangen behilflich fein muß. ' 16 ucun Die Fohlen erhalten, neben Behandlung und Weidefutter auf ca. 140 Morgen, bei trockenem Wetter Kleegras oder bei naffem Wetter Heu und -außerdem pro ^ag und Stück IV2 Pfund Hafer aus der Vereinskaffe. Jeder Besitzer kann jedoch seinem Fohlen Haferzusatz entweder durch Liefern in Natur sder durch Selbstzahlung geben laffen. 1 Das Weidegeld für bezeichnete Zeit von 4 Monaten beträgt pro Fohlen 39 04 oder pro Tag 32 und muß zur Hälfte beim Eintrieb und zur Halste vor dem 1. August l. I. an den Großh. Baurath Dr. Dieffenbach in Grünberg gezahlt werden. Allenfallsige Kurkosten muß der Eigenthümer der Fohlen bezahlen. Letzterer kann wegen begründeter Verhältniffe zu jeder Bett sein Fohlen rurück- nehmen und bezahlt alsdann nur die benutzte Weidezett. ö 4 6 Äronfe und bösartige Thiere, auch über IV2 Jahre alte Hengste, welche die anderen Thiere stören, können ausgeschlossen werden. Sonstige Auskunft ertheilt der gedachte Großh. Baurath Dr. Dieffenbach. Friedelhausen, am 7. Mai 1888. Der Präsident des landwirthschastlichen Vereins für Oberhessen __________ Adalbert Frh. v. Rabe neu. Politische Wochenschau Gießen, 18. Mai. Zum ersten Male seit seinem letzten schweren Krankheitsanfalle konnte Kaiser Friedrich am Donnerstag Nachmittag wieder eine Spazierfahrt unternehmen, die von einstündiger Dauer war und ihm in erwünschter Weise bekommen ist. Durch diese erfreuliche Thatsache wird auch der letzte Zweifel, ob der hohe Patient die jüngste Krisis wirklich vollständig überwunden hat, beseitigt und man kann nun wohl die bestimmte Erwartung aussprechen, daß die Kräftezunahme rasch vorwärts schreiten wird, da bis jetzt gerade der Mangel an Bewegung im Freien die'Reconvalescenz des Kaisers noch immer wesentlich verzögerte. Voraussichtlich wird demnächst auch der schon wiederholt erörterten Frage der Uebersiedelung des Kaisers nach Schloß Friedrichskron bei Potsdam ernstlich näher getreten werden; dahingestellt muß noch bleiben, ob der Monarch, wie er beabsichtigt, der am kommenden Donnerstag stattfindenden Vermählung seines Zweitältesten Sohnes, des Prinzen Heinrich, mit der Prinzessin Irene von Hessen, wird beizuwohnen vermögen. Die Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag verbrachte der Kaiser recht gut und begab er sich bereits gegen 10 Uhr Morgens des letztgenannten Tages in den Park, wo er zum ersten Male das für ihn daselbst errichtete Zelt benutzte. Während der Kaiser im Parke verweilte, besuchten die Kaiserin und die Prinzessin Victoria die Ausstellung der Arbeiten der Berliner Lehrlinge, woselbst sie längere Zeit verweilten. In Preußen hat der parlamentarische Kampf um das Schulgeld bis in die Pfingstwoche hinein gewährt, ohne daß er jedoch zum Austrage gekommen wäre. Denn das Herrenhaus stimmte in seiner Mtttwochssitzung nicht nur dem Beschlüsse seiner Eommtssion hinsichtlich der Wiederbeseitiguvg der vom Abgeordnetenhaus beschlossenen besonderen schulgeldfreien Armenschulen zu, sondern es lehnte auch den § 7 des Schullaftengesetzes, welcher nach der Fassung des Abgeordnetenhauses eine Aenderung der Verfassung in Folge des Gesetzes ausspricht, mit großer Mehrheit ab. Hiermit ist also das Herrenhaus in entschiedenen Gegensatz zur Abgeordnetenkammer getreten und wenn letztere bei ihren Beschlüssen beharrt, so ist das Schullastengesetz gescheitert; doch erhält sich in „elngeweihten" Kreisen die Annahme, daß sich die Conservatioen des Abgeordnetenhauses schließlich doch noch der Meinung des Herrenhauses über den Schulgeldparagraphen und über die Verfassungsänderung anbequemen werden. Wann das Abgeordnetenhaus zur Vornahme dieser letzten entscheidenden Berathung über das Schullastengesetz wieder Zusammentritt, hängt indessen noch vom Ermessen des Präsidenten v. Köller ab; wahrscheinlich wird dies Ende nächster Woche geschehen. Das Herrenhaus ist am Donnerstag nach Erledigung der Vorlagen über die Regulirung der Weichsel, resp. der Oder und der Spree, in die Pfingstferten gegangen Aus Karlsruhe wurde über das Befinden des Großherzogs vom 16. b. gemeldet, daß die Besserung der katarrhalischen Affection zwar nur sehr langsam fört- schrettet, daß aber der Genuß der milder gewordenen Luft dem hohen Herrn doch sehr gut bekommt. Das württembergische KönigSpaar ist von seinem Winteraufenthalt in Florenz am Donnerstag wieder in Stuttgart, resp. Villa Berg eingetroffen. In München fand durch den Prinz-Regenten Luitpold am Dienstag die feierliche Eröffnung der deutfch-nattonalen Kunstgewerbe-Ausstellung statt welche Zeugniß von den Fortschritten auf den verschiedenen Gebieten des deutschen Kunftgewerbes ablegen soll. Unter verhältnißmäßig friedlichen Aussichten, friedlicher, als sie eigentlich zu erwarten waren, begeht die politische Welt das Pfingstfest. Denn wenn auch der politische Horizont noch immer mehr oder weniger umdunkelt erscheint, so bietet doch keine der schwebenden Tagesfragen der europäischen Politik, auch das vielverschlungene orientalische Problem nicht, Anlaß zu besonderen Beunruhigungen und erscheint der Weltfriede, soweit menschliche Voraussicht reicht, für die nächste Zukunft als gesichert. Allerdings ist gerade in diesen Tagen aus dem rusfisch-afghanischeir Grenzgebiete wieder emmal ein bewaffneter Conflict zwischen den Afghanen und einem der im Südwesten Turkmeniens hausenden Nomadenstämme, den Saloren, gemeldet worden, welcher den russischen Oberst Altchaneff zum Vormarsch an die Grenze veranlaßte. Doch hatten sich die Saloren beim Eintreffen des russischen Detachements bereits wieder auf russisches Gebiet zurückgezogen und wird demnach die kleine Katzbalgerei zwischen Afghanen und Saloren schwerlich welterschütternde Folgen haben. Auch sonst nimmt sich im Orient die Lage zur Zeit gar nicht so trübe aus, als Pessimisten immer glauben machen möchten. Gewiß dauern die panslaviftischen Wühlereien auf der Balkanhalbinsel fort, wie die Meldungen über das Auflauchen revolutionärer Banden an der serbisch-bulgarischen Grenze beweisen, aber die sofort getroffenen gemeinsamen Gegenmaßregeln der bulgarischen und der serbischen Regierung lassen erwarten, daß die Rolle auch dieser Banden bald wieder ausgespielt haben wird Im Uebrigen nimmt die Aufmerksamkeit der Balkanvölker die auf diesen Samstag festgesetzte feierliche Eröffnung der Hauptorientbahn Belgrad-Saloniki weit ! mehr in Anspruch, als alle panslavistischen Zetteleien. Denn hiermit werden die auf Grund der zwischen Oesterreich-Ungarn, Bulgarien, Serbien und der Türkei getroffenen \ Vereinbarungen gebauten Orientbahnen in ihrem wichtigsten Gliede an das westeuropäische Eisenbahnnetz angeschlossen und hiermit wird eine neue und dauernde Berührung zwischen Orient und Occident geschaffen, die für beide Theile hochwichtige politische, commercielle und sonstige Folgen haben wird. Darmstadt, 16. Mai. Das Grotzherzogl. Regierungsblatt (Beilage Nr. 13) enthält: 1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Er- | richtung eines Familten-Fideikommisses durch den Freiherrn Dr. Georg v. Wedekind | von Darmstadt betr. 2. Zusammenstellung der Ergebnisse der Rechnung über die Staatsschuldenverwaltung für das Etatsjahr 1885—86. Die Einnahme beträgt 2 096,520 JL 92 $, die Ausgabe 2,096,520 92 Am Schluß des Etatsjabres 1885—86 verbleib! ein Stand der Staatsschuld von 36,229,146 JL 7 Die Activa der Staatsschuldenverwaltung betragen 7,714,161 JL 90 die Passiva 36,235,788 JL 79 Verglichen bleibt Passivstand zu Ende des Etatsjahres 1885-86: 28,521,626 JL 89 4. 3. Uebersicht der für bas Jahr 1888—89 von Großherzogl. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur. Bestreitung von Comunalbedürf- nissen in den Gemeinden des Kreises Alzey. 4. Eoncurrenzeröffnung. Erledigt ist: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wetterfeld mit einem Gehalte von 900 JL.. Mit der Stelle ist Organistenbienst verbunden. Dem Herrn Grafen zu Solms-Lauvach steht das Präsen- lationsrecht zu derselben zu. Telegraphische Depeschen. Wolff S telegr. Corresponderir-Bureau. Berlin, 17. Mai. Der Kaiser arbeitete mit dem Kriegsminister und mit Albedyll von 11 bis 123/< Uhr. — Der Prinz Heinrich und die Erbprinzeisin von Meiningen dinirten bei den Majestäten. — Der Kronprinz fuhr gestern Abend nach Potsdam, woselbst er übernachtete. Morgens wohnte er dem Exerciren im Tempelhofer Felde bei und empfing später den Frhrn. v. Stumm. — Die Kaiserin besuchte Mittags die Volksbäber in der Gartenstraße. — Der Kaiser ist seit 4 Uhr Nachmittags wieder im Park und hat sich im Wagen spazieren fahren lassen. Das Kronprinzenpaar stattete dem Kaiser für eine Viertelstunde einen Besuch ab. Das Befinden des Kaisers war während des ganzen heutigen Tages recht befriedigend, er verweilte bis Abends 7'/z Uhr im Park und machte mehrere Male zu Fuß kurze Promenaden. Berlin, 17. Mai. Der heutige Empfang des Kriegsministers und Albedyll's durch den Kaiser fand unter dem Zelte statt. Der Kaiser hatte vorher eine Spazierfahrt im Parke gemacht. — Der Herzog von Ratibor, die Grafen Henckel von Donnersmarck, Pückler, Schettlaus, Mirbach, Hohenthal, Schlabrendorf, Udo Stolberg-Wernigerode und andere Grund- und Brennereibesitzer haben einen Aufruf an die deutschen Berufsgenossen erlassen, der sie ermahnt, ungesäumt der Spiritusbank beizutreten. In diesem Aufruse heißt es: „Wir haben die Ueberzeugung gewonnen, daß nur auf dem Wege der Vereiniguna des Brennereigewerbes, wie eine solche hier geboten wird, das landwirth- fchaftttche Brennereigewerbe erhalten werden kann. Wir geben ferner im vorliegenden Vertrage die Möglichkeit, den Betrieb des Gewerbes mit Vermeidung harter Ausnahme- besiiaimungen zum Wohle des Ganzen und ohne die Rentabilität zu gefährden, ein- schränken zu können, und wir gewannen schließlich die Ueberzeugung, daß die Beherrschung des gesammten Angebots unseres Consumspiritus, weit entfernt, zur Vergewaltigung der Consumenten zu führen, vielmehr die Mittel gewähren wird, wieder geordnete und billige Preisbestimmungen für den Trinkbranntwein herbeizuführen." — Die „Nordd. Allg. Ztg." reproducirt den wesentlichsten Inhalt eines Artikels des „Ham. Eorr.", welcher die Aufsätze des früheren russischen Diplomaten Tatischtfchew in der „Nowoje Wremja" über Rußlands Politik während und nach dem Berliner Eongresse vom Standpunkte der deutschen Politik behandelt und bemerkt dazu: Zur richtigen Würdigung der Thatsache, daß Tatischtfchew auf Grund aklenmäßigen Studiums sich zur Anerkennung der russenfreundlichen Haltung der deutschen Polilik au£ dem Berliner Eongresse gezwungen sieht, erinnern wir daran, daß dieser Exdiplomat Secre- tär Katkow's und Mitarbeiter der Katkow'schen Zeitung war und in intimen Beziehungen zu Bogdanowitsch steht. Mit der Maßregelung des Generals Bogdanowitsch verschwand auch Tatischtfchew aus Petersburg, um jetzt nach der Rehabilitirung seines Gesinnungsgenossen dort wieder aufzutauchen. Berlin, 17. Mai. Das Herrenhaus genehmigte nach unerheblicher Debatte die Vorlage betreffs Regulirung der Weichsel und der Nogat, ebenfalls in einmaliger Schlußberathung den Gesetzentwurf, betr. die Verbesserung der Oder und der Spree, sowie den Bau neuer Schifftahrtskanäle nach den Commissionsanträgen, nachdem der Minister v. Maybach denselben befürwortet hatte. Der Gesetzentwurf, betr. die Ver- theilung der öffentlichen Lasten bei Grundstücksthetlungen in Schleswig-Holstein, wurde in der Fassung des Abgeordnetenhauses genehmigt. — Die nächste Sitzung ist unbestimmt. — Die nächste Sitzung des Abgeordnetenhauses ist auf den 15. ds. Mts. anberaumt worden. Bern, 17. Mai. Die Anklagekammer des Bundesgerichts verwies den Commis Carl Schill, die Buchdrucker Müller und Schmid und den Buchhändler Festersen-Mteg, alle in Basel wohnhaft, als Verfasser, resp. Verbreiter des Fastnachtspamphletes „Vive la France“ wegen öffentlicher Beschimpfung der deutschen Regierung vor die eidgenössischen Assisen; die strafrechtliche Verfolgung des Commis Norbert Hofer wurde dagegen abgelehnt. Berlin, 18. Mai. sPrivatdepesche.) Bulletin von 9 Uhr Morgens. Seine Majestät der Kaiser war in den letzten Tagen ganz fieberfrei. Die vorhanden gewesenen Schlingbeschwerden sind fast geschwunden. Das Allgemeinbefinden ist so befriedigend, daß der Kaiser einen großen Theil des Tages im Freien zubringt. Die Kräfte nehmen sichtlich zu, die Absonderung ist geringer. Der Centralbahnhof in Frankfurt a. M. —n. Nachdem der Tag der Eröffnung des Frankfurter Centralbahnhofes nunmehr festgesetzt ist, erscheint es an der Zeit, über diesen Colossalbau, welcher schon so vielfach Gegenstand der Besprechung war und es voraussichtlich auch noch längere Zeit j fein wird, unseren Lesern etwas Näheres mitzutheilen. Zwar können die nachstehenden I Ziffern ebenso wenig wie die glänzendste Beschreibung den mächtigen Eindruck wieder- I geben, den der Bau auf den Beschauer namentlich dann macht, wenn man das Innere ! desselben betritt, immerhin aber bieten sie für die Vorstellung einen festen Anhaltspunkt und lassen selbst den Laien die gewaltigen Größenoerhältnisse ahnen. Der Bahnhof ist jetzt in der Hauptsache fertig, ehe jedoch die letzte Hand angelegt wird, dürften wir mindestens wieder Mai haben. Des besseren Verständnisses halber theilt man den Bau am besten ein in eine Front- und zwei Längsseiten. Die erstere umfaßt das in der Mitte gelegene Hauptvestibül und die Wartesäle, die an Großartigkeit auf dem Continent schwerlich übertroffen werden. Die nördlich gelegene Längsseite enthält die Verwaltungsbureaus der Hessischen Ludwigsbahn, die Südseite die Bureaus für die Staatsbahnen. Die Frontlänge des Gebäudes, welches im Hauptoesttbül die größte Tiefe (60 Meter) hat, beträgt 200 Meter. Das Hauptvestibül ist 27 Meter breit und innen 26 Meter hoch. In demselben befinden sich die Billetschalter, Closets 2c., mehr im Hintergründe die Gepäck- t räume und in der Mitte ein Auskunfts- und Wechselbureau. Rechts und links vom ' Hauptvestibül ziehen sich 7 Meter breite Nebenoestibüle hin, durch welche man zu den Feiangl Letztere, zu beiden weiten des Hauptoestibüls gelegen, sind 14/2 Me.er breit und 23 Meter tief. Zwischen den Wartesälen liegen die Restaurations- raume, die Damenzimmer und der Speisesaal, welch letzterer 16 Meier breit ist. S)amenjimmer gibt es für alle Classen, eine Einrichtung, die jedenfalls mit Freuden begrüßt wird, ^amurtliche Sale sowie das Vestibül bauen farbige Oberlichter. Die Ausstattung der Wartetale 2c. ist in jeder Hinsicht reich und vornehm. In allen Sälen liegt Parketsußboden, in Manneshohe und oie Wände mit Eichenholz getäfelt, mit Ausnahme des Furstenzimmers, bet welchem zur Vertäfelung der Wände nassauischer Marmor verwendet wurde. Die Decken der Säle sind mit reichen Stukkatur- und Malerarbeiten geschmückt. Die Seitengebäude sind 50 r^A^?-legenen befinden sich die Fürsten-, Sitzungs- und Commissionszimmer, in dem links belegenen Wasch-, Badezimmer 2c. Macht schon das Empfangsgebäude mit feinem großartig eingerichteten Vestibül und den geradezu prächtig ausgestatteten Sälen auf den Beschauer einen überwältigenden Eindruck, so thun dies noch in viel höherem Grade die drei mächtigen Hallen welche bsUlmmt find die ein aufenden Züge aufzunehmen. Die Großartigkeit dieser' Hallen r c c nid)t beschreiben, man muß sie gesehen haben, um zu glauben, daß selbst ein Eisenbahnzug winzig in denselben erscheint. Von den 3 Hallen, deren jede 180 Meter la"« ist, ist die nördlich gelegene für die Züge der Hessischen Ludwigsbahn, die zwei anderen für die Zuge der Staatsbahn bestimmt. In jeder Halle liegen 6 Geleise, es ift fömit bk Möglichkeit geboten, daß 18 Züge in gleicher Zeit im Centralbahnhof ballen. Die Spannweite der Bogendächer, die ein Eisengewicht von 4000 t. haben betragt 56 Meter. In den 3 Hallen liegen 9 Personen- und 10 Gepäckperrons. Es fmb namUeb für Gepäck und Post besondere Perrons geschaffen, die jede Collision des Publikums mit Gepäck- oder Postwagen verhüten. 3 Tunnels vermitteln den Verkehr zwischen diesen Perrons; ein Tunnel dient dem Passagieroerkehr, einer mit 18hydrou- lttchen Aufzugen dem Gepäck- und der dritte dem Vostpacketoerkehr. Eine auf der westlichen Seite des Bahnhofes gelegene Tunnelstraße verbindet die Güterbahnhöfe mit dem Hafen. Die 3 Hallen nehmen einen Flächenraum ein von 31000 Qu.-Meter ^L^laActnb™un0 - das Glas ist 5 Mm. dick - nimmt einen Raum von Ja SS ^"'^Meter ein. Das Empfangsgebäude hat einen Flächenraum von 10 000 Qu.-Meter, man kann also schon daraus auf die colosfalen Dimensionen dieser 3 Hallen schließen. Die Facade des Centralbahnhofes, im Renaissancestyl gehalten, ist in Sandstein ausgefuhrt, der Sockel in Granit verblendet. Der Ausführung des Empfangsgebäudes, welches allein den Aufwand von 3 Millionen erfordert, liegt der preisgeklönte Entwurf des Landbautnspectors Eggert zu Grunde. — Vor der Frontseite befindet sich ein 90 Meter tiefer halbovaler Platz, auf dem hübsche gärtnerische Anlagen entstehen werden, so daß auch in dieser Hinsicht dem Schönheitssinn Rechnung getragen ist. An den beiden Längsseiten befinden sich Dro'chkenhallen, die den Reisenden gestatten, trockenen Fußes sowohl.den Bahnhof zu betreten wie zu verlassen. So gewaltig der oberirdische Theil des Baues ist, so gewaltig ist auch der unterirdische. Das Souterrain ist ein wahres Labyrinth von Gängen und Räumen, aus welchem der Uneingeweihte ohne Führung kaum herausfinden könnte. Die Heizungsanlage legt ebenfalls Zeugniß ab für die Großartigkeit des Gesammtwerkes. Die hydraulische Anlage dürfte nach dem Urtheil von Fachmännern die bedeutendste der Welt sein und es ist wahrlich keine Kleinigkeit, eine solche Anlage bei der Eröffnung richtig functionirend zu haben. Daß der ganze Bahnhof durch electrisches Licht erleuchtet wird, bedarf nach dem vorher Gesagten kaum noch der Erwähnung. Wie schon bemerkt, dürften sich die Kosten für das Empfangsgebäude auf 3 Millionen beziffern, diejenigen für die Seitengebäude auf 2 Millionen; die ganze Bahnhofsanlage wird das hübsche Sümmchen von etwa 30 Millionen erfordern. Die Zufuhrstraßen zu dem neuen Centralbahnhof — es sind deren 8 in Aussicht genommen — bilden schon jetzt einen Gegenstand lebhafter Erörterungen, ebenso wird schon darüber geklagt, daß noch keine Trambahnlinie nach dem Bahnhof gebaut ist. Das Letztere scheint mir bedenklicher als der erstere Punkt, denn der Bahnhof liegt ziemlich weit vor der Stadt und eine Trambahnoerbindung ist absolut noth- wendig. Die Zufuhrstraßen dürften zunächst schon genügen, sollte sich aber in dieser Hinsicht ein Mangel Herausstellen, so wird diesem ohne Zweifel bald abgeholfen werden. So befriedigend man sich — um auch das noch zu erwähnen — allgemein über die neue Bahnhofsanlage ausspricht, so vielfach wird der Bau nach dem Eindruck, den er in seiner Gesammtheit macht, abfällig beurteilt. Und in der That, es läßt sich nicht leugnen, daß der neue Centralbahnhof, aus der Ferne gesehen, einen gedrückten Eindruck macht, was meines Erachtens einzig und allein dadurch kommt, daß die Hallen das Empfangsgebäude erheblich überragen. Für das Auge wäre es wohl- thuender gewesen, wenn die Front- und die Längsseiten höher waren und die drei mächtigen Hallen durch diese verdeckt wurden. Weshalb das nicht so gemacht wurde, vermag der Laie nicht zu beantworten, das hingegen weiß Jeder, der sich schon einmal dicht vor oder im Innern des neuen Bahnhofes befand, daß der erwähnte ungünstige Eindruck nicht lange vorhält, wenn man das Gebäude betritt. Die Großartigkeit, die Schönheit und die reiche Ausstattung wirken so überwältigend, daß man den von außen gewonnenen Eindruck alsbald völlig vergißt. Der Centralbahnhof in Frankfurt a. M. ist ein Riesenwerk, das seines Gleichen nicht hat und auch, da nach dem Urtheil von Fachmännern eine noch weitere Ausdehnung des Centralisationssystems nicht angängig ist, wohl nicht übertroffen werden wird. Wohl mögen noch gi öftere und noch reicher ausgestattete Bahnhofsbauten erstehen, eine größere Vereinigung des Eisenbahnverkehrs wird kaum versucht werden. Die Stadt Frankfurt darf auf diesen Bau stolz sein, reiht er sich doch den vielen andern herrlichen Bauwerken der alten Kiönungsstadt würdig an. Univerfitäts - Chronik. Göttingen, 17. Mai. Heute starb hier der Theologe und Orientalist Professor Bertheau. Lokales. Gießen, 18. Mai. Nach dem Jahresberichte des Octroi-Jnspectors Jost beträgt das Cctroieinfommen der Stadt Gießen: in 1886/87 in 1887/88 JL JL 1. für Schlachtvieh 30 254.51 30 487.88 2. „ Fleisch und Wildpret 2 538.31 2 770.65 3. „ Brennmaterialien 21 413.98 22 932.96 4. „ Backwaaren, Mehl, Hafer 2c. 22 627.34 23 635.43 5. „ Getränke 23 612.52 23 620.64 im Ganzen 100 446.66 103 447.56 100 446.66 daher in 1887/88 mehr als in 1886/87 Die Octroirückoergütungen betrugen: 3 000.90 1. für Schlachtvieh 3.25 9.12 2. „ Brennmaterialien 647.18 563.51 3. „ Backwaaren, Mehl, Hafer 2c. 8 470.18 9 702.70 4. „ Getränke 2 458.06 3 170.67 5. an das Militär 2116.77 1 959.69 im Ganzen daher in 1887/88 mehr als in 1886/87 13 695.44 15 405.69 13 695.44 1 710.25 Von dem Einkommen 100 446.66 103.447.56 die Rückvergütungen ab 13 695.44 15 405.69 bleiben daher mehr in 1887/88 als in 1886/87 86 751.22 88 041.87 86 751.22 1 290.65 Vermischtes. △ Mainz, 17. Mai. Ein Schreinerstrike scheint vorerst hier nicht zu befürchten XU sein. In einer gestern Abend stattgehabten Versammlung, in welcher von den 700 >L>chreinergehilsen hiesiger Stadt 150 anwesend waren, wurde zwar der hier übliche Lohn vielfach als zu gering bezeichnet, jedoch von einem Beschluß, zu slrtken, Umgang genommen. Dagegen wurde beschlossen, die sinkenden Kollegen in Hamburg auf das Kräftigste durch Geldmittel zu unterstützen. A Aus Rheinhessen, 17. Mat. Die diesjährige Generalversammlung des hessischen Landesgewerbvereins wird den Sommer in Bingen stattfinden. Mainz, 17. Mai. Ein noch nicht 16 Jahre alter Durchgänger wird von hier aus steckbrieflich verfolgt. Derselbe war Lehrling in einem hiesigen Handlungshaus und hat durch Fälschung einer Posttquittung sich einen Betrag von nahezu 7000 angeeignet. Trotz seiner Jugend hat der Ausreißer die Vorbereitung zu seiner Flucht mit der größten Ueberlegung getroffen. Nachdem er das Geld auf der Post erhalten, nahm er sich, um bet seinen Eltern keinen Verdacht zu erregen, unter einem Vorwand in einem kleinen Gasthof am Morgen ein Zimmer, wo er im Laufe des Tages einen Koffer und sonstige Reiserequisiten htnbringen ließ. Zur gewohnten Stunde verabschiedete sich der Lehrling am Abend im Geschäft, ging in das Gasthaus und kleidete sich um, und eilte zur Bahn, um den Nachtzug nach Basel zu benutzen. Der Bedienstete, welcher dem Flüchtlinge die Reiseeffecten nachbringen sollte, verspätete sich etwas unterwegs, so daß das Gepäck zurückblieb. Bei dessen Durchsuchung durch die Behörde fand man in dem Koffer mehrere Revolver und verschiedene zu einer Seereise dienlichen Gegenstände. Das geschädigte Geschäftshaus, die Firma Hch. Disch , mußte anfänglich befürchten, noch um einen weit größeren Betrag gekommen zu sein, denn der Lehrling hat am Morgen noch für 40,000 «4t Geldbriefe zur Post befördert, die zwar aufgegeben worden, von welchen man aber vermuthete, daß deren Inhalt mit werihlosen Papieren vertauscht sei. Die telegraphischen Anfragen bei den Adressaten der Geldbriefe haben die Vermuthung nicht gerechtfertigt. □ Frankfurt a. M., 17. Mai. Augenblicklich spielen hier die Trambahn- frager» die größte Rolle. Mit der hiesigen Trambahngesellschaft wird schon seit längerer Zeit wegen Herstellung neuer Linien, namentlich nach dem Centralbahnhof, Derbanbelr. Die Trambahngesellschaft, welche, nebenbei bemerkt, ein vortreffliches Geschäft macht, verhält sich den Wünschen der Stadt gegenüber ablehnend, ablehnend insofern, als sie sich nur zum Bau neuer Linien verstehen will, wenn ihr die Concession auf weitere 18 Jahre enheilt wird. Eine solche Zwangsmaßregel will sich die Stadt aber — und mit Recht — nicht gefallen lassen und sie bat dies auch um so weniger nöthig, als erst vor einigen Tagen durch die Betriebseröffnung der Frankfurt-Eschers- heimer Lokalbahn der Beweis geliefert worden ist, daß auch noch andere Leute als die Trambahngesellschaft (eine belgische Gesellschaft) Pferdebahnen zu bauen verstehen. Die Trambahnangelegenheit war einer gemischten Commission zur Berathung überwiesen worden, deren Resultat dahin ging, daß man das Ansinnen der Gesellschaft ablehnen möge. Dieser Antrag der gemifchten Commission wurde denn auch mit großer Mehrheit angenommen und die auf ihre eigenen Interessen etwas allzu sehr bedachte Gesellschaft wird jedenfalls den Schmerz erleben müssen, daß ihr nicht nur Concurrenten entstehen, sondern daß auch die Stadt nach Ablauf des Vertrages die Trambahn in eigene Verwaltung nimmt. Der Bericht der gemischten Commission wird jetzt von der Gesellschaft heftig angegriffen und versucht, der Stadt die Uebernahme der Trambahn leid zu machen. Die Entgegnung der Trambahngesellschaft wird aber heute schon in öffentlichen Blättern gründlich und mit Erfolg bekämpft und es ist nicht zu zweifeln, daß ihre Anstrengungen, den Beschluß des Magistrats umzustoßen, völlig nutz- los sind.______________ VAHtiMAMiAlt’M COnd. Bouillon ist eingedickter reiner nllllllHriim S Fleischsaft ohne Zusatz von billigen Suppen- MVUAUBV* ** kräutern. Bequem.Gebrauch, fein.Geschmack. et Kirchliche Anzeige« der Gtaöt Wietzen» Evangelische Gemeinde. G o t t e s d i e n st. Samstag, den 19. Mai: Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Schlosser. Pfingstsonntag, den 20. Mai: , Vormittags 9Vr Uhr in der Kirche: Pfarrer Dr. Nauman n. Vormittags 9'/r Uhr in der Friedhofstapelle: Professor Dr. Gottschick. Nachmittags 3 Uhr in der Kirche: Pfarrer Dingeldey. Nach den Gottesdiensten Kollekte für die hessische Luther ftiftung. Pfingstmontag, den 21. Mai: Vormittags 9*/r Uhr in der Kirche: Pfarrer Schlosser. Konfirmation der Mädchen und Feier des heiligen Abendmahls. Wegen der ungewöhnlich großen Zahl der Confirmandinnen muß die Gemeinde gebeten werden, mindestens % des ganzen Schiffs der Kirche für die Angehörigen der Confirmanden frei lassen zu wollen- Darum wird auch nochmals aufmerksam gemacht auf den gleichzeitig in der Friedhofskapelle flattfindenden Gottesdienst. Vormittags 91/2 Uhr in der Friedhofskapelle: Kandidat Vogel aus Friedberg. Nachmittags 3 Uhr in der Kirche: Pfarrer Dingeldey. Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die Armen der Gemeinde. Die Pfarrgefchafte in der Woche vom 20. bis 26. Mai besorgt Pfarrer Dr. Naumann. Katholische Gemeinde. Hochheiliges Pfingstfest. Von 6 Uhr an Beichte. Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Kommunion. Um V2IO Uhr: Hochamt und Festpredigt. „ 2 Uhr: Festandacht; nach derselben Beichte. II. Von 6 Uhr an Beichte. Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Kommunion. Um V»10 Uhr: Hochamt und Predigt. „ 2 Uhr: Andacht. Mittwoch und Freitag um 6 Uhr: Maigebet. Mittwoch, Freitag und Samstag ist Quatemberfasten. Gottesdienst in der Lynagogr. Freitag Abend 700 Uhr, Samstag Morgen 800 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 830 Uhr. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschssl. Freitag Abend 7°® Uhr, Samstag Vormittag 8®° Uhr, Samstag Nachmittag 4W Uhr, Samstag Abend 825 Uhr. Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen Zwischen 11 und 12 Uhr. Luft 22, Wasser 16 Gr. Gießen, den 18. Mai 1888. Rübsamen. Allgemeiner Anzeiger. Strohhüte für Herren, Knaben und Kinder von > 50 an bis zu den feinsten. Ventilations» Hüte, das Neueste, patentirt. Reisemützen und «Kappen von 60 $ an empfiehlt in großer Auswahl A. Schultheis junior, 4238 Seltersweg 21. BAD-NAUHEIM. 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