Nr. 91 Donnerstag den 19. April 1888. it’fwwT A utHiirt IV11^ B-' (**>'vMiV I V) e V____\ jf Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. B Bureaur Schulftraße?. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hßeil. Bekanntmachung. Zwecks Chausffrung de» zwischen der Rodheimerstraße und dem Hardtbergs gelegenen, sog. Wingertswegs, bleibt letzterer von Montag den 23. bi» -etwa zum 28. d. M- für Fuhrwerk und Reiter geschloffen. Gießen, 18. April 1888. Großherzogliche» Polizeiamt Greßen. Fresenius. Politische Ein officielles Bulletin vom Montag ver- ausgenommen. eingesetzt. In der Montagssitzung der italienischen Dcputirtenkammer erklärte Minister- präsident Crispi auf eine Anfrage des Abgeordneten Martinie, die auf die afrikanische Expedition bezüglichen Schriftstücke würden der Kammer demnächst vorgelegt werden. General Pozzolini brachte eine Interpellation über die Maßregeln der Regierung zur Sicherung Massauah'tz ein, deren Beantwortung Erispi für den 20. d. M. verhieß. Der Papst empfing am Montag die österreichischen Pilger und ermahnte er dieselben, ihrem erhabenen Monarchen stets unterwürfig zu sein und für religiöse Erziehung einzutreten.? Die Bauernunruhen in verschiedenen Gegenden Rumäniens nehmen allmählich einen bedenklichen Charakter an und mußte die Regierung größere Truppenabtheilungen gegen die aufständischen Bauern entsenden. Bermuthltch hat man cs in dieser Bauernbewegung mit einem ins Ländliche übersetzten Echo des Bukarester Partettreibens zu thun. Rundschau Gießen, 18. April. leider eine erneute schlimme Wendung ein- Berliu, 17. April. Aus Charlottenburg liegen folgende Nachrichten vor : Das starke Fieber, welches bis 39,4o E. anstteg, hat Abends fortgedauert; der Puls mar auf 104 Schläge in der Minute, die Athmung auf mehr als 30 Athemzüge in der Minute gestiegen. Die Professoren Senator und Leyden wurden hinzugezogen, der letztere aus Wiesbaden, wo er sich aufhielt, telegraphisch berufen. Die gesammte kaiserliche Familie war gestern im Schlosse versammelt, der Kronprinz und der Prinz Heim rtch übernachteten dort. Der Kaiser hatte das Bett tagsüber verlassen und zeigte sich am Fenster zum unbeschreiblichen Jubel des massenhaft vor dem Schlosse versammelten Publikums Die Aerztc, einschließlich des Prof. Senator, verweilten Nachts im Schlosse. Um 11 Uhr heute Morgen findet wieder eine Berathung statt, an welcher Pros. Leyden theilnehmen soll. Gestern Abend trat keine Veränderung des Fieber« ein und während der Nacht soll sich der Zustand wenigstens nicht verschlimmert haben. Fürst Bismarck war gestern Nachmittag nochmals in Charlottenburg, woselbst gegen Abend auch die Kaiserin Augusta erschien. Die Lage ist sehr ernst und die Hoffnung der Aerzte nicht groß- sie stützt sich im Wesentlichen auf die gute Natur des Kaisers. 0 ' ___ Die Nat-Ztg." schreibt: „Leider handelt es sich beim Kaiser nicht um eine einfache Entzündung der Bronchien, der feinen Verästelungen der Luftröhre in den Lungen, sondern um eine Ausdehnung des Kehlkopfleidens auf die Bronchien und damit auf die Lungen selbst. Diese neue, leider vorherzusehende Complication steht, wie uns mit Bestimmtheit versichert wird, mit dem Vorfall der vergangenen Woche in ursächlichem Zusammenhang. Infolge des bedauerlichen Umstandes daß die Canüle zeitweise nicht richtig gelegen und sich dadurch verstopft hatte, war die Absonderung aus dem Kehlkopfe, anstatt durch die Canüle ihren Weg nach außen zu nehmen, ent lang in die Bronchien hinabgeflossen und hatte dort entzundungserregend gewirkt u Berlin, 17 April. Der Kaiser nahm Vormittags einen dreivtertelstündigen Vortraa Albednll's entgegen. Mittags erschien der Kaiser am Fenster seines Arbeits- zimmers uud wurde von dem vor dem Schlosse versammelten Publikum enthusiastisch begrüßt. Der Kronprinz und Prinz Heinrich, welche in Charlottenburg übernachtet hatten, kehren heute Abend nach Berlin zurück. — An der heute Abend stattfindenden Consultation nehmen nur die behandelnden Aerzte Theil; erst morgen Vormittag berathen wieder sämmtliche Aerzte. Wenn auch in Beurteilung des Zustandes des Kaisers große Vorsicht beobachtet wird, so wachst doch die Hoffnung auf Genesung. Die Nachricht, daß es dem Kaiser besser gehe, wmde von dem vor dem Schlosse versammelten Publikum mit lauten Jubelrufen Morgen wird wahrscheinlich durch Bergmann eine neue Canüle Berlin, 17. April. Kaiser Friedrichs Befinden hat sich seit gestern nicht wesent- Das Fieber hält an, wenn es sich auch nicht gesteigert hat, eher ist es Wernigerode, erschienen. . - Berlin. 17 Avril, 3 Uhr 48 Min. Nachm. Der Nclchs-Anz-.gcr meldet an» Kfcm-TnHenbmn hpn 17 Avril 1888' Bei Sr. Majestät dem Kaiser haben sich die ^I^i^nckit licken^s^b^inuiraen^^seit gestern erheblich vermindert, auch ist das Fieber ge- Lr"g.'L°rd^^DI° Nacht SvÄ, d^AUg^met,.befinden ist b°fti°d^end Mvrell Mackenzie. Wegner. Krause. Mac. Hovell. v. Bergmann. Leyden. Senator. lick verändert. Das Fieber hält an, wenn es stch aucy niaji genergeri yar, ryer m etwas geringer geworden. In der Nacht hat der Kaiser wenigstens etwas schlafen können - um 11 Uhr fand eine eingehende Berathung und Untersuchung seitens sammt- licher zugezogener Aerzte statt, welche feststellten, daß die Bronchitis nock immer in hohem Maße andaure. Der Kaiser hat gestern im Laufe desSage« roieberfalt trofc bee Gebers das Bett verlassen, unter anderm auch den Fürsten Bismarck, als dieser um 11 Uhr zu fast cinstündtgem Vortrage erschien, stehend in seinem Arbeitszimmer empfangen; auch heute gegen Mittag hatte der Kaiser das Bett verlassen und sich in sein Arbeitszimmer begeben. Die Nacht über halten der Kronprinz und Prinz Hein rick im Charlottenburger Schlosse zugebracht. Die Beunruhigung und Theilnahme de« Publikums ist hochgradig. Die Haltung des Kaisers ist w e seine-nähere Umgebung nicht genug zu rühmen weiß, bewunderungswürdig, er ist ein Held, wie es tapferere und gleich muthtgerc wenige gegeben hat. Berlin, 17. April, 2 Uhr 18 Min. Nachm. Zwischen 10 und 11 Uhr fand eine Berathung der Aerzte statt, woran auberProf.Lenator noch Prof Lelidenthel nahmen. Der Kräftezustand des Kaisers hat sich nicht verschlechtert; das Befinden ist in den Vormittagsstunden relativ etwas befriedigender. Berlin, 17. April, Nachm. 2 Uhr 45 Min. Ich komme soeben aus Charlotten- bürg und erfahre verläßlich, daß sich da» Befinden de» Kaisers -rb-blich.«-bch'U hat. Die Nacht war besser, als man es erwarten konnte, der Kaiser schlief v-rhaltnttzmMg viel das Fieber Hot bedeutend abgenommen und es ist daher Cßlust ctngetreten. Der Kaiser ist außer Bett, erledigte einige Arbeiten und nahm Vortrag- e^gen, * W auch etwa 12«/, Uhr am Fenster zur Freude der zahlreich vor dem ^chlone Verzam mellen. Heute Bormittag waren im letzteren die 8'au Prm,essln Friedrich Karl, der Prinz Alexander und der stellvertretende Minister des konigl. Hauses, <^raf ^tolbeifl- abhangen. * . , Die erste Lesung der RothstandSvorlage im preußischen Abgeordnetenhause welche im Interesse der von den Ueberschwemmungen heimgesuchten Landes- theile bekanntlich insgesammt 34 Millionen Mark fordert, hat am Montag zu deren Verweisung an die Budgetcommission geführt. Es war auf mancher Seite erwartet worden, daß die Vorlage in Anbetracht ihrer Dringlichkeit nicht erst an eine Commission gehen würde, indessen wurde in der Verhandlung betont, daß die Vorlage bei ihrer Wichtigkeit und im Hinblick auf die verschiedenen hierbei zu erörternden Specialfragen doch eine commissarische Vorberathung erheische und so entschied sich das Haus für eine solche, mit welcher sich auch die Regierung einverstanden erklärt hatte. Im Laufe der Discussion war auch die Besorgniß ausgesprochen worden, daß sich die geforderte Summe als unzureichend erweisen möchte und es ist allerdings möglich, daß sie durch einen Nachtrag erhöht werden wird, namentlich wenn auch für andere von Hochwasser- calamitäten betroffene Gegenden, die in der jetzigen Vorlage nicht mit erwähnt sind, Staatshilse gewährt werden sollte. Die Debatte streiste auch inehrsach die Frage des Volksschullastcngesetzes und erklärte hierbei der Centrumsführer Dr. Windthorst entschieden Ä16 seine Partei dem Gesetze in der vorliegenden Fassung nicht zustimmen fönnr das Gesetz selbst stand sür Mittwoch zur zweiten Lesung auf der Tagesordnung. Die zweite Halste der Montagssitzung wurde durch die Sv-cialbcrathung der Weichscl- und Nogatregulirungs-Vorlage ausgefüllt, wobei namentlich die Frage der Coupirung der Nogat eine Hauptrolle spielte. Di- Meinungen über die Nothwendigkclt oder Nützlichkeit du ser Maßregel gingen indessen mehr oder weniger auseinander und wurde die Vorlage schließlich an die Commission zur nochmaligen Prüfung zuruckverwiesen. Der (Soi.flict, welcher sich in Lestcrreich zwischen dem Polcnclub des Abgeordnetenhauses und dem Cabinet Taoffe wegen des Widerstandes der Polen gegen ine Branniweinsteuer-Poriag- der Regierung erhoben hatte, ist durch die Nachgiebigkeit der Dolen wieder beseitigt worden. Dem persönlichen Einnnrken Kaiser Franz Josef S ist es sehr rvesentlich zu danken, daß diese bejriedigende Wendung herbeigesührt wurde. -In einer dem polnischen Reichsrathsabgeordncten Ritter v. Jaworski gewährten Audienz verlieh der Monarch seiner Erwartung Ausdruck, daß di- Polen die ja immer für das Interesse des Staates cingetreten feien, dasfelbc auch m der Sranntroclnfteucilragc b rüLgen würden. Der Kaiser verwies hierbei auch au, die Weltlage, die eine groß- Anspannung aller Kräfte des Stoates erheisch- und betonte WW baß von dem Schicksal der Branntweinsteuer-Po,lag- auch das Geschick des Cabincts abhängig sei. Diesen aus allerhöchsten, Munde vorgebrachten Argumenten hat sich der Polenclub begreiflicherweise nicht entziehen können, er ließ alle seine Anträge fallen, welche aus eine gründlich- Abänderung des Spiritussteuergesetzes zielten und das Ministerium Taaffe kann nun mit Sicherheit aus einen vollständigen Erfolg seiner SSc Ion ,n der Spiritusfrage rechnen. Jedenfalls werden die Herren stolen für ihre Nachgiebigkeit fchon noch eine nachträgliche Belohnung erhalten. Mit der endlich erfolgten Constituirung des neuen holländische« Cabinets Mackay, dessen Tendenz eine ausgesprochene reactionäre ist, hat die durch den Rücktritt des Ministeriums Heemskerk cnisiandene Krisis ihr Ende gesunden. Trotzdem bleibt für da« neue Cabinet die Lage noch immer eine unsichere, da die liberale Partei auch bei ben Neuwahlen zur ersten Kammer sich hier in der Mehrheit behauptet hat. Dagegen sind di-Stichwahlen zur zweiten niederländischen Kammer durchweg ungünstig für die Liberalen ausgefallen und stehen hier den 45 Liberalen 53 Clericale, 1 Conser- vcitioer und 1 Socialdemokrat (Nieuwenbaus) gegenüber und gestutzt auf die clerical- orthodoxe Mehrheit der Abgeordnetenkammer, wird sich da« Ministerium Mackay wohl bis auf Weiteres über Wafser zu halten vermögen. In dem Befinden des Kaisers ist ------ — - getreten und in banger Beforgniß harrt ganz Deutschland der weiteren "Nachrichten aus der Charlottenburger Kaiferresidenz. Ein officielles Bulletin vom Montag ver- ckündigte, daß der Kaiser nach einer am Sonntag eingetretenen Bronchitis mit starkem Fieber und beschleunigtem Äthern keine gute Nacht hatte. Alsbald erschienen im Laufe des Montag Vormittag der Reichskanzler, Kronprinz Wilhelm und der Grobherzog von Baden im Charlottenburger Schlosse und verweilten namentlich der Kanzler und der Kronprinz längere Zeit daselbst. Nach der Rückkehr des Fürsten Bismarck nach^Berlin fand bei ihm eine vertrauliche Besprechung der Mitglieder des preußischen L-taats- minifterium« statt. Die Professoren Leyden und Senator find nunmehr ebenfalls zur Behandlung des Kaisers mit herbeigezogen worden, ebenso wohnt letzt Professor v. Bergmann regelmäßig den Berathungen der Aerzte bei. Der Verlauf der Nacht vom Montag zum Dienstag war beim Kaiser indessen etwas ruhiger, als der der vorigen Nacht; am Dienstag Morgen wies der Zustand des Monarchen keine Veränderung auf. Nach den neueren Nachrichten scheint im Befinden des Kaisers einige Besserung eingetreten zu sein. Derselbe nahm wieder Vorträge entgegen, erledigte die laufenden Regierungsgeschäfte und zeigte sich am gestrigen Tage Mittags 12«/- Uhr am Fenster des Palais, von der harrenden Menichenmenge natürlich jubelnd begrüßt. Der Reichskanzler beabsichtigte, am Sonnabend sich für einige Tage nach Varzin zu begeben, um die auf seinen dortigen Besitzungen durch das Hochwasser an- gerichieten Schäden in Augenschein zu nehmen. Ob indessen Fürst Bismarck diese Absicht ausführt, dürfte ganz von dem weiteren Verlaufe der Krankheit des Kaisers Berlin, 16. April. Se. K. H. der Erbgroßherzog von Hessen ist, begleitet vom Hauptmann v. Schwartzkoppen, gestern früh 73/< Uhr auf der Anhaltischen Bahn aus Darmstadt hier eingetroffen und hat für die Dauer seines Aufentdalts in Berlin im früheren Kronprinzlichen Palais Wohnung genommen. — Im Laufe des gestrigen Tages begrüßte Höchstderselbe die Kaiser!. Majestäten, sowie die zur Zett hier anwesenden anderen Hohen Herrschaften und folgte dann einer Einladung der Kaiser!. Majestäten zum Diner nach dem Charlottenburger Schlosse. — General-Feldmarschall Graf von Blumenthal ist von der Stellung des kom- mandirenden Generals des 4. Armee - Corps entbunden und zum General - Inspekteur der 4. Armee-Inspektion, sowie zum Chef des reitenden Feldjägercorps ernannt worden. Die erstere Stellung halte bekanntlich bis zu seiner Thronbesteigung Kaiser Friedrich selbst inne. Da dieser Armee-Inspektion das 1. und 2. königlich bayerische Armeekorps zugetheilt sind, welche zu besichtigen der Kaiser vertragsmäßig nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hat, so war eine baldige Ernennung eines General-Inspekteurs geboten, um in dieser Beziehung keine Unterbrechung etntreten zu lassen. Feldmarschall Graf von Blumenthal ist sowohl den Bayern als den Württembergern, deren Armee- Corps auch zu dieser Armee-Inspektion gehört, nicht unbekannt, war er doch im Kriege 1870—71, als alle diese Truppen unter dem Oberbefehl Kaiser Friedrichs standen, der Chef des Generalstabs der damaligen deutschen 3. Armee. Telegraphische Depeschen. Wolffs telegr. Correspondenr-Brrrearr. Berlin, 17. April. Der „Reichs - Anzeiger" veröffentlicht heute folgendes Bulletin: Bei Sr. Majestät dem Kaiser haben sich die bronchitischen Erscheinungen seit gestern erheblich vermindert, auch ist das Fieber geringer geworden. Die Nacht war besser und das Allgemeinbefinden ist befriedigend. Mackenzie, Wegner, Krause, Hovell, Bergmann, Leyden, Senator. Berlin, 17. April. Zwischen 10 und 11 Uhr heute Vormittag fand eine Be- rathung der Aerzte Sr. Majestät statt, woran außer Professor Senator auch Professor Leyden theilnahm. — Der Kräftezuftand des Kaisers hat sich nicht verschlechtert und das Befinden war in den Vormittagsstunden relativ etwas befriedigender. Berlin, 17. April. Wie die „Poft" hört, hatte heute abermals eine Sitzung des Staatsministertums ftattgefunden. Berlin, 17. April, 5 Uhr 48 Min. Nachm. Das Befinden des Kaisers hat sich jm Laufe des Tages nicht verschlimmert; er verließ Mittags auf einige Zett das Bett. Der Höhepunkt der Bronchitis schein: überwunden. Die Temperatur war im Laufe des Vormittags auf 38.5 Grad heruntergegangen, gegen gestern 39.5 Grad. Der Kaiser zeigte sich Nachmittags nochmals am Fenster, vom Publikum stürmisch begrüßt. Unter den heute von demselben Empfangenen befindet sich auch der russische Militär- bevollmächtigte Kutusoff. Pest, 17. April. Sämmtliche Abendblätter drücken in sympathischester Weise ihre tiefste Thetlnahme anläßlich der Verschlimmerung im Zustande des deutschen Kaisers aus. Pari-, 17. April. Der leitende Ausschuß der Patriotenliga wählte gestern D6rouldde wieder zum Ehrenpräsidenten. Drei Ausschußmitglieder, der Partei Ferry's angehörend, sind in Folge dessen ausgetreten. — Verschiedene Gruppen durchzogen gestern Abend unter den Rufen: „Es lebe Boulanger'." die Straßen und wurden von der Polizei leicht zerstreut. — Das „Journal de Döbats" schreibt, das Wahlergebniß im Nord-Departement beweise, daß das Land in hohem Grade erschöpft sei; es empfinde tiefe Abneigung gegen die Politik und die Handlungsweise der Regierung. Die Mehrheit der Wähler wolle nichts mehr von einer Negierung wissen, welche das Land der Tyrannei der Wahlcomit6's und den Zwistigkeiten der Parteiführer preisgebe. — In Bordeaux konnten die Opportunisten wegen tumultuarischen Auftretens der Boulangisten eine von ihnen angesagte Versammlung nicht halten und mußten die Sitzung aufheben. London, 17. April. Alle Morgenblätter drücken tiefste Theilnahme anläßlich der ernsten Wendung der Krankheit des deutschen Kaisers aus. Ter „Standard" sagt, die Sympathien Europa's seien mit dem Kaiserpaar in dieser Stunde der schweren Prüfung. Aber nicht minder lebhaft und bewundernswerth sei die Standhaftigkeit, welche beide beweisen. Dublin, 17. Avril. Der Deputirte für Ostmaya, Dillon, wurde heute verhaftet. Rom, 17. April. Der Papst empfing heute alle anwesenden österreichischen Bischöfe. Belgrad, 17. April. In der Skuptschina theilte heute der Präsident den Dank der deutschen Regierung für die Betletdskundgebungen anläßlich des Todes Kaiser Wilhelms mit. Berlin, 18. April, 8 Uhr 55 Min. (Prioatdepesche.) Die Besserung im Befinden des Kaisers dauerte auch bis gestern Abend an, obschon das Fieber in den Abendstunden etwas zunahm. Der Kaiser begab sich zeitig zur Ruhe. r 18- April, 10 Uhr. (Prioatdepesche.) Se. Majestät der Kaiser hatte eine leidlich gute Nacht, obwohl der Schlaf einige Male durch Husten unterbrochen war. Das Fieber ist noch nicht gehoben. Der Kronprinz verbrachte die Nacht in Berlin. Lokale*. ®i«6ett, 18. April. kSt-nograp hie-Unterricht.) Der Gab-lsb-raer ?tmOaJ???cnDerc^1 croffnet am 19- April, Abends 8 Uhr, einen neuen Anfangscursus in Gabelsbciger Stenographie (siche das Inserat in unserer heutigen Nummer) aus welchen wir auch an dieser Stell- nochmals unsere Leser ausmerksam machen -In unserer Zeit in welcher das Bemühen so bedeutend ist, die Schwierigkeiten lu über- winden, welche Zeit und Raum dem Verkehr darbieten, um das Gcschäslslcben, das Schaffen in den verschiedensten Kreisen menschlicher Thäiigkeil zu erleichtern, bricht sich auch immermchr die Erkennlnlh von dem Werth der Stenographie Bahn. Die Steril Factor geworden, mit welchem im menschlichen Leben und namentlich im Geschäftsleben gerechnet werden muß; schon in den meisten Geschäften werden S enographen bevorzugt und es sollte deshalb kein junger Mann unterlas en sich die Stenographie anzuetgnen wenn er auch für den Augenblick vielleicht glaubt, durch dieselbe keinen dtrecten Vortheil zu haben. Wenn er dieselbe erlernt hat, bringt sie ihm immer Nutzen, dies haben bis jetzt All- anerkannt, welch- sich längere steit m t der Kunst Gabelsbergers beschäftigt haben. ö 10611 mu Universität- ° Chronik. Nachfolger des Pros.vr.Kohler in Würzburg, der bekanntlich einem Rufe nach Berlin folgt, ist Pros. Dr. Lothar S-ussert von Erlangen ernannt vr. L. Seuffcrt ist ein geborener Würzburger und-Ve.sasser des bekannten trefflich n Commentars zu der neuen deutschen Clvtlprozeßordnung. 11 Derurifchte-. Darmstadt, 14. April. Einen der interessantesten Gegenstände der statistisl-ben Mittheilungen bildet das niedere Schulwesen im Großherzogthum. Hessen hat befannS A"!A-?iner Lehranstalten wegen eines sehr vortheilhaften Rufs sich erfreut die Statistik beweist, daß es denselben auch heute noch verdient. In 991 einfachen Volks- schulen werden von 2107 Volksschullehrern und 167 Volksschullehrerinnen 165 002 Kinder ^Eerrichtet. Davon sind 111123 evangelisch, 49 593 römisch-katholisch und 3103 k, Fortbildungsschulen bestanden in Hessen 767 einklassige, 85 zwetklassige und 39 mehrklassige, welche insgesammt von 23 713 Schülern besucht wurden Vrivat- §:2lnfialitcn existiren 68, davon sind nur 12 confessionell evangelisch 7 römisch- katholtsch und 5 israelitisch. An diesen Anstalten wirken 152 Lehrer und 153 Lehrerinnen und beträgt die Zahl der Schüler 1321 Knaben und 3231 Mädchen InTen£ouimm Starkenburg und Oberhessen bestehen an manchen Plätzen auch noch sog „erweitert , Volksschulen", in Starkenburg 12, in Oberhessen 7. An ersteren wirken r i Lehrkräfte darunter 13 bezw/3 Lehrerinnen Erstere L Un2 14l3 Fädchen, letztere von 199 Knaben und 257 Mädchen besucht Eine außerordentliche P-rbr-ttung haben die Handwerker- und Kunftg-w-rb-fchulcn a-m°nn7 und zwar sowohl als Sonntags- wie als Abend,chulen. lieber das ganze Gr°ßbcr?°" thum verbreitet, bieten dieselben bei richtiger Leitung eine Garantie §anbnjerf und Kunstgewerbe seinen goldenen Boden behalten Die (Sefammhnhr Fauler betrug 4885 welche von 152 Lehrern unterwiesen wurden. S-Hr"r^r u ch m die zahtteich- Beteiligung von Schulern im Alter von über 20 Jahren A „ Offenbach, 12 April. In einem Hofraum des großen Bier-rund Nachmittag eine Kuh in einen daselbst befindlichen, schlecht verdeck,en Brunn,! schacht. Diese be wurde nach einstündig-r mühsamer Arbeit aus demselben herausm,^ war aber bereits verendet und mußte dem Wasenmeistcr übergeben werden D-sA ' hatte - n-n Werth von 300 M und gehört- -inem Bauersmann von Heustnstamw Di- Viehv-rsich-rung wird wohl diesen Schaden nicht ersetzen. ? m a ' ., △ Mainz, 17. April. Das oft besprochene Project von der 9fnfnn‘o birecten Eisenbahnlinie Mainz-Brüssel über den Hunsrück scheint nun vEändia^n Waffer geworden zu sein. Wie man nämlich der „Voss.Ztg." mitthetlt setdasVrui^ vollständig aufgegeben worden. Das belgische Ministerium lasse mit Eifer an k" ^/"Wellung der Amblare - Bahn, mit deren Anschluß an das preußische Bahnmtz die preußische Regierung einverstanden sei und welche die Linie Mainz-Brüssel erfehpn fnn di?^ 7-- Zur Fertigstellung des zweiten Abschnitts der AmblärEahn" babe sicb jetzt bewilligen ^lassen^^""8 H°$ ClnCR außerordentlichen Credit von 1200 000 Mark rr ~ ^^vielseitiger Bemühungen ist es immer noch nicht gelungen, zwischen d-n Gesellen und Meistern der Maurer eine Verständigung zu erzielen. Der Umstand hnh MÄL^^elrathete Arbeiter zu der Arbeit zurückgekehrt, scheint den Widerstand der Masker verstärkt zu haben, denn bereits gemachte Concessionen sind wieder von Einzelnen 7rrİ8Cn* b übrigen Baugewerbe fängt der Strike bereits an, sich in d n Arbeiten unangenehm hemmend und störend bemerklich zu machen. 0 n . enr Rheinhessen, 17. April, lieber den gegenwärtigen Stand derSaail-N in Rheinhessen wird mttgetheilt, daß der allgemeine Stand der Wintersaaten als durck- rufriedenftellend betrachtet werden kann. Die Vorbereitungen für die FrühjahA- konnten erst letzt und zum Theil nur in beschränktem Maße in Angriff 0eü?mulen werden und durften sich diese Arbeiten nur bei andauernd guter Witterung 9 0ani sollenden lassen. Die Weinberge, in welchen die Arbeiten früher ihren Anfang genommen, hasten ganz vereinzelt Schaden durch den Frost erlitten. 9 mi.rbe. In Eibingen, einem Dörfchen oberhalb Rüdesheim di^N-fe vollständig -bg-bMem°'''''°° --rheir-the.en Mann von feinem Gegner niedergebrannt^ " b e i m ist in vergangener Nacht die Arens'sche Zündhölzerfadttklolal Literarisch«*. Den Abonnenten des „Unifrerfitm* können wir zu den Ueberraschunaen gratuliren.,welche das soeben erschienene 18. Heft dieser prächtigen Zeitschrift gebrockt hat. C5 ist geradezu ^^Enswerth, was hier für den Spottpreis von nur 50 H ßeboten wird. Dem Gedachtmß an Kaiser Wilhelm I. ist dieses Heft gewidmet dal kuud^gt der eigens wr diesen Zweck vornehm hergestcllte, in würdigem und p'ietät- £oI?ei” wirkende Umschlag des Heftes an. Der getragene und stimmungsvolle Inhalt desselben mit feinen vortrefflichen Illustrationen im Text würde allein schon im Stande sein, ben haften Anforberungen Genüge zu leisten. Ader zwei Extrabeilagen desselben. Kunstblätter von großartigem Werth, stellen alles bisher Dagewesene geradezu in den Schalten. Das eine Blatt ist ein überaus sinnreich und fein componirtes „Erinnerungsblatt an Kaiser Wilhelm!." von Professor Anton Seder, welches n doppeltem Format wundervoll in neun Farben lithographisch hergestellt ist und aus bem Heft her ausgenommen einen Album- und Wandschmuck abgeben dürfte, wie er nicht schöner und passender gedacht werden kann. Nicht minder werthvoll ist die zweite ^7 StUn0o^XfC§ Fettes, nämlich die mit Allerhöchster Genehmigung in photographischem Lichtdruck als Facsimile wiedergegebene „Zeichnung des hochseligen Kaisers auf dem Sterbebette", welche auf Befehl Ihrer Majestät der Kaiserin Königin Augusta von Profefsor Anton v. Werner am 9. März 1888 früh 9 Uhr angefertigt wurde und ebenfalls von keinem Journal sonst publicirt werden darf. Wer sich in den Besitz dieser beiden Kunstwerke von so exceptionellem Wertbe Uen will, versäume nicht, noch nachträglich auf das „Universum" zu abonntren, eine m 00N welcher auch in allen Stücken behauptet werden muß, daß stets das Beste ihr gerade gut genug ist, es ihren Lesern in Wort und Bild, und zwar für den denkbar billigsten Preis, vorzuführen und so als der vortrefflichste literarische Haus- und Famttienschatz wärmstens empfohlen zu werden verdient. v Nichtabonnenten können dieses Heft zum Einzelpreis von 1 JC durch jede Buch- handlung beziehen, das farbige „Erinnerungsblatt an Kaiser Wilhelm I." von Pro- sessor A. Seder ist apart für 75 $ zu haben. Wöchentliche Ueberficht der TodesMe in der Stadt Gießen. 15. Woche. Vom 8. April bis 14. April 1888. Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer- 245°/« Q r _ _ Kinder ' Zusammen: Erwachsene: im vom ! 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: 2 2 — 9 Z 1 1 — _ 11—- \(1) E = Summa: 9 5 i 3 in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Schwarz ganzfeid. Satin merveilleux von 1«55 bis Mk. 9.80 p. Met. — (13 Oual.) — versendet roben- und stück- weise Portos und zollfrei das Fabrik-D^pöt G. Hennebere (Ä. u. K. Hoflief.) Ziu-ich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 Pf. Porto. 3271 Wir eröffnen Donnerstag den 19. April unter Leitung unteres 2. Vorstandes stud. phil. Pfaff einen Unterrichtskursus in Gabelsberger Stenographie. Das Honorar für den Unterricht, welcher zweiinal wöchentlich (Montag und Donnerstag von 8-9 Uhr Abends , im Vereinslokal, Gasthaus zum Löwen, Neuenweg (oberes Zimmer) stattfindet, beträgt 5 3293 Dir GabelSberger Stenographen-Berein Gießen. ES starben an: Gehirnschlagfluß Lungenschwindsucht Wochenbettkrankheit Altersschwäche Lebensschwäche Lungenentzündung Scharlach Anm. 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Vereinsangelegenheiten (Festsetzung des Sommerprogramms) rc. 2c. 3280] Der Vorstand. Meiner geehrten Kundschaft zur gefl. Nachricht, daß ich von heute ab m meinem Hause, Sonnenstrasse 22, wohne- — Gleichzeitig empfehle ich mich dem geehrten Publikum im Unfertigen aller Arten Herren-, Damen- und Kinderstiefel re. in eleganter und solider Arbeit bei billigsten Preisen und prompter Bedienung. 2351] Logis zu vermiethen bei ________Martin Lenz, Marktstr. 22. 582a] Ostanlage 15 ist der II. Stock, 6 Zimmer und allem Zubehör, mit oder ohne Pferdestall per 1. Juli zu vermiethen. Näheres bei LouiS Hellmold, Schillerstraße_19. 2972 Eine Gartenwohnung von fünf Zimmern, Kammer, Boden rc., sofort zu vermiethen. Liebigstraße 21. 3007 Der mittlere Stock meines neuerbauten Hauses mit 5 Zimmern und zwei Bodenkammern, versehen mit Wasserleitung und allen Bequemlichkeiten, sowie großes Mansardenzimmer mit Cabinet, zusammen oder getrennt, zu vermiethen. 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