Nr. 2LL Erstes Blatt. Donnerstag den 18. Oktober 1888. (Hiehener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Schul st raße 7. ' Erschein, täglich mit Ausnahme des Montags. Amtlicher Hheit. Bekanntmachung. Betreffend: Den Ein- und Durchfuhrverkehr mit steuerpflichtigen Getränken nach dem Großherzogthum Baden. Nachstehende Bestimmungen in obigem Betreff bringen wir hiermit zur entsprechenden Beachtung der Interessenten zur Kenntniß. Nach einer im Einvernehmen mit den übrigen Bundesregierungen erlassenen Bekanntmachung des Großherzoglich Badischen Ministeriums der Finanzen vom 2. März v. I. muß jede nicht unter Zollcontrole stattfindende Einfuhr von Bier, Wein, Obstwein und Obstmost aus einem Staate des deutschen Zollgebiets in das Großherzogthum Baden, — gleichviel ob der Transport mit der Eisenbahn oder auf andere Weise geschieht — von einem Uebergangsschein als Begleiturkunde versehen sein. Ausgenommen find: 1) der Transport von Wein in Mengen von nicht mehr als 5 l. (wobei jede Flasche von geringerem Inhalt als 1 l. wie eine Literflajche behandelt wird); 2) der Transport von Weinproben in Flaschen von nicht mehr als l. Inhalt; 3) der Transport von Wein in Mengen unter 20 l., welchen Reisende zu ihrem eigenen Gebrauch mit fich führen; 4) die mit der Post erfolgenden Weinsendungen. Diese Bestimmungen finden auch auf die Durchfuhr von Wein durch das Großherzogthum Baden Anwendung; jedoch bedarf es eines Uebergangs- scheines nicht, wenn die Durchfuhr unmittelbar mittels der Eisenbahn oder Dampfschiffs, d. h. in der Weise stattfindet, daß der Transport die Eisenbahn oder das Schiff im Großherzogthum Baden nicht verläßt Wenn bei verzollten oder aus einer unter zollamtlicher Aufsicht stehenden Niederlage für verzollte Maaren bezogenen Sendungen im Großherzogthum Baden die steuerfreie Einfuhr oder Einlage verlangt werden soll, so muß dies auf dem Uebergangsschein bemerkt und die zollamtliche Bestätigung über die vollzogene Verzollung der Waare, sowie über deren unmittelbaren Bezug aus dem Zollauslande bezw. aus der Niederlage beigefügt sein. Zur Ausfertigung von Uebergangsscheinen sind im Großherzogthum befugt: die Gr. Hauptsteuerämter, sowie die sämmtlichen Steuerämter und das Salzsteueramt Wimpfen; ferner die nachverzeichneten Ortseinnehmereien: im Hauptsteueramtsbezirk Darmstadt die Ortseinnehmereien Beerfelden, Birkenau, Heppenheim, Hirschhorn, Lampertheim, Michelstadt, Neckarsteinach, Unterabtsteinach und Viernheim; im Hauptsteueramtsbezirk Offenbach die Ortseinnehmerei Babenhausen und im Hauptsieueramtsbezirk Mainz die Ortseinnehmereien Ober-Ingelheim und Oppenheim. Zuwiderhandlungen gegen die vorstehend aufgeführten Bestimmungen werden nach Maßgabe des Abschnitts XX im Vereinszollgesetz vom 1. Juli 1869 — Regierungsblatt Nr. 42 von 1869 — bestraft. Gießen, den 16. October 1888. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Jost. Politische Rundschau Gießen, 17. October. Der Aufenthalt Kaiser Wilhelms auf italienischer Erde und somit die ganze epochemachende Südenfahrt des erlauchten Monarchen neigt sich dem Ende zu. Denn falls nicht noch in letzter Stunde eine Aenderung in den Reise- dispositionen erfolgt, tritt der Kaiser am Nachmittage des 19. October die Rückreise von Rom über Grezzo, Florenz und Ala an, um voraussichtlich am Nachmittage des 20. October in Innsbruck einzulreffen und alsdann über München, Regensburg, Leipzig weiterzureisen. Der Ankunft aus Station Drewitz bei Potsdam wird um die neunte Morgenstunde des 21. October entgegengesehen und begiebt sich der Kaiser sofort nach dem Marmorpalais zur Begrüßung seiner Familie. Bezüglich der Uebersiedelung der Majestäten von dem Marmorpalais nach dem königlichen Schlosse in Berlin sind noch keine endgültigen Bestimmungen getroffen. Im ReichSamte -es Innern sand am Dienstag unter Vorsitz des Staats- secretairs v. Bötticher eine Conferenz von Telegirten der einzelnen Bundesregierungen statt. Es handelte sich um die Berathung über die Ausführung des Rcichstagsbeschlusses, betreffend die Errichtung eines Denkmal es für den verstorbenen Kaiser Wilhelm, und dürfte die Conferenz zunächst Anträge über die Ausschreibung von Concurrenz- entwürfen vorbereitcn helfen. Einen Tag pietätvoller Erinnerung begeht das deutsche Volk am heurigen 18. October, denn an diesem Tage wurde vor nun 57 Jahren Friedrich III, des neuen deutschen Reiches zweiter Kaiser, geboren. Es ist dem edlen Monarchen nur roenige Monde vergönnt gewesen, Preußens und Deutschlands Thron zu zieren, aber selbst diese nur so kurze Herrscherthätigkeit hat gezeigt, was Alles das deutsche Volk von dem erhabenen und herrlichen Geiste Kaiser Friedrichs auf den mannigfachsten Gebieten zu hoffen gehabt hätte, wenn nicht ein tragisches Geschick dieser so vielversprechenden Herrscherlaufbahn ein so frühzeitiges Ziel gesetzt hätte. Eben darum wird aber das Bild Kaiser Friedrichs auch als Regent im Herzen der deutschen Nation fortleuchten, wie er ja schon, als er noch an den Stufen des Thrones stand, als „unser Fritz" sich der herzlichsten Liebe und Verehrung Aller vom Palaste bis zur Hütte erfreute. So möge denn auch zum 18. October nochmals das Gedenken des hochseltgen Kaisers in Preußens und Deutschlands Volke hell aufleben, möge ihm, dem dahingeschiedenen unglücklichen Fürsten, noch einmal eine Thräne wehmuthsvoller Erinnerung von Allen geweiht sein! — Auch der öde Streit der Tagespresse anläßlich des kronprinzlichen Tagebuches sollte endlich, angesichts der ernsten Mahnung, welche der 18. October für alle Parteien bedeutet, nämlich das Andenken an den edlen Kaiser nicht länger noch in das häßliche Parieigetriebe hineinzuzerren, verstummen! In OesterreichZsteht man noch vollständig unter dem Eindrücke der Personalveränderungen im 6abin et Taaffe. Daß die Ersetzung des portefeuillelosen polnischen ^Landsmann-Ministers" v. Ziemialkowski durch den Polen v. Zaleski belanglos ist, giebt man allseitig zu, dagegen bedeutet die Ernennung des clerical - feudalen und czechenfreundlichen bisherigen Statthalters von Mähren, Graf Schönborn's zum Justizminister an Prazaks Stelle eine unleugbare weitere Verschiebung des politischen Schwerpunktes im cisleithanischen Ministerium nach rechts. Diese Thatsache wirkt um so verblüffender, als eine Schwenkung des Cabtnets nach links, mehr nach der deutschliberalen Seite hin, erwartet worden war und jetzt hat Graf Taaffe in der Person des Grafen Schönborn einen entschiedenen Gegner sowohl des Liberalismus, als auch des Deutschthums in sein Cabinet berufen — daher das allgemeine Staunen über diese unerwartete Ergänzung des Ministeriums! Selbst in den der Regierung nahe stehenden Kreisen scheint man von einer solchen Wendung der Dinge überrascht worden zu sein, denn mehr oder weniger offictöse Blätter, wie „Fremdenblatt", ,,Presse"(alte), „Wiener Abendpost" u. a., verhehlen ihr Mißfallen über den Eintritt des Grafen Schönborn in die Regierung durchaus nicht. Nur das „Prager Abendblatt", das Organ des böhmischen Statthalters, zollt der Ernennung Schönborn's vollen Beifall und meint, der neue Justizminister werde sicherlich allen Parteien und Nationalitäten gleiche Gerechtigkeit widerfahren lassen. Nun, das wird aber noch sehr abzuwarten sein; wenigstens können die Deutschen in Mähren von dieser Schönborn'schen „Gerechtigkeit" ein Liedchen singen! Die Kette der Hiobsposten aus Ostafrika verlängert sich mehr und mehr. So melden neuerliche Nachrichten, daß eine der ältesten Stationen der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft, Madimola, von den Eingeborenen vollständig zerstört worden ist und daß ferner drei Matrosen des Kreuzers „Möve", welche ans Land gegangen waren, von den Eingeborenen von Woö ermordet worden sind. Ob nunmehr endlich seitens der Reichsregierung energisch in Ostafrika eingegriffen werden wird, scheint jedoch noch immer in Frage zu stehen. Deutschland. Darmstadt, 16. October. Wegen des Ablebens Sr. Königlichen Hoheit des Landgrafen Friedrich Wilhelm von Hessen ist auf Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer vom Heutigen bis zum 29. T. M. einschließlich angeordnet worden. Frankfurt, 16. October. Die Nachricht von dem plötzlichen Tode des Landgrafen Friedrich Wilhelm von Hessen dürfte allgemeine Theilnahme erwecken. Der Landgraf war geboren am 15. October 1854 zu Kopenhagen als Sohn des Landgrafen Friedrich und der Landgräfin Anna, einer Tochter des Prinzen Carl von Preußen. Am 14. October 1884, also genau vor 4 Jahren, starb Landgraf Friedrich, worauf der jetzt verunglückte Prinz ihm succedirt. Der junge Landgraf, der Major ä la suite der kgl. preußischen Armee und ä la suite des kaiserl. russischen Dragoner- Regiments Nr. 14 war, trat im vorigen Jahre eine große überseeische Reise an, von der er nicht mehr zurückkehren sollte. Im April d. I. traf der Landgraf, der unter dem Namen eines Barons v. Klemp reiste, an Bord des „Hohenzollern" in Adelaida in Australien ein; von dort aus beabsichtigte er eine Rundreise durch die australischen Colonien zu machen. In seiner Begleitung befanden sich die Herren von Hugo und von Stark, lieber den Unglücksfall, dem er zum Opfer fiel, ist Näheres noch nicht bekannt. Wenn die Nachricht richtig sein sollte, daß gestern das Unglück sich ereignete, so wäre der Landgraf gerade an seinem Geburtstage verunglückt. Der neue Landgraf Alexander, Bruder des Vorigen, geboren am 15. Januar 1863 zu Schloß Panker in Holstein, leidet bekanntlich an einem schweren Augenübel. (Fr. Z.) Telegraphische Depeschen. Wvlst'S telegr. Correspondenr - Vurearr. Berlin, 16. October. Unter Vorsitz der Kaiserin Friedrich fand heute im großen Festsaale des Rathhauses eine Sitzung des Eomitä's zur Unterstützung der Ueberschwemmten statt. Nachdem der Oberpräsident Dr. Achenbach der Kaiserin für ihr Erscheinen gedankt hatte, erstatteten die vier Referenten des geschäftsführenden Ausschusses ihre Berichte, aus welchen hervorgeht, daß ein Nothstand nicht mehr vorhanden ist. Rickert berichtete über zur Abwehr weiterer Ueberschwemmungen getroffene^ Vorkehrungen. Oberpräfident Achenbach dankte Namens der Kaiserin dem Comitö für die aufopfernde segensreiche Mühewaltung. Berlin, 16. October. Die „Germania" veröffentlicht heute ein Schreiben des Papstes vom 12. September an die deutschen Bischöfe, welches eine Danksagung und Glückwünsche zu der Beschlußfassung der Fuldaer Conferenz enthält. Hamburg, 16. October. Die Vollzugskommission für den Zollanschluß Hamburgs macht bekannt, daß der freie Verkehr zwischen dem deutschen Zollgebiet und den angeschlossenen Hamburger Gebietstheilen sowie dem übrigen Zollgebiet mit Beginn deS 17. October eintritt. Wien, 16. October. Der Prinz von Wales reiste heute Nachmittag von hier ab. PariS, 16. October. Die radikalen Blätter erblicken in dem gestrigen Votum der Kammer eine Befestigung des Ministeriums, das wahrscheinlich bis nach den Wahlen bleiben werde. Die monarchistischen Blätter haben im Allgemeinen die nämliche Anschauung. Die gemäßigt republikanischen Blätter beklagen die Schwäche des Centrums und die Blindheit des Cabinets, welches in die Republik Bresche lege. London, 16. October. Der „Daily News" wird aus Stmla gemeldet, zuverlässigen Nachrichten aus Herat zufolge ist Jshak Khan nach Kerki (russischer Posten an der Grenze von Buchara) geflüchtet; die Truppen des Emirs haben am 3. d. M. Masar-i-Scheriff besetzt, wo die Ueberbleibsel der Armee Jshak Khan's die Waffen streckten. Die Rebetllon ist beendet und die Autorität des Emirs in ganz Afghantsch- Turkestan wieder hergestellt. Rom, 16. October. Der von den Notabeln der deutschen Colonie und vom deutschen Künftl rverein zu Ehren des Besuches des Kaisers Wilhelm gestern Abend abgehaltene Festcommers hatte einen überaus glänzenden Verlauf. Die Feier begann mit dem Gesang eines patriotischen deutschen Liedes; daran schloß sich der Gesang der preußischen und dem Verlangen der Teilnehmer des Festes entsprechend, der italienischen Volkshymne. Der Präsident des deutschen Künstleroereins, Gerhardt, hielt eine Ansprache, worin er auf die deutsch-italienische Allianz und auf den Kampf beider Länder für ihre Einheit hinwies und an die schon zwischen Kaiser Wilhelm I. und König Victor Emanuel bestandene Freundschaft erinnerte, die auf König Humbert und Kaiser Friedrich übergegangen und jetzt von Kaiser Wilhelm auf's Neue besiegelt sei, der mit den von ihm unternommenen Reisen der Sache des Friedens diene. Das Fest war von etwa 400 Theilnehmern besucht, unter denen auch der preußische Gesandte v. Schlözer, sowie der deutsche Consul sich befanden. Rom, 16. October. Um 7 Uhr 50 Min. früh verkündigten Artilleriesalven die Abfahrt Karser Wilhelm's und König Humbert's vom Qutrinal nach dem Bahnhofe. Das Wetter war prachtvoll. Auf dem Wege nach dem Bahnhofe wurden die Monarchen von nicht enden wollenden Zurufen begrüßt. Die in Zwischenräumen aufgestellten Militärmusikcorps spielten die preußische Nationalhymne. Die Spitzen der Ctvil- und Militärbehörden befanden sich am Bahnhof. Der Extrazug nach Neapel setzte sich um 8 Uhr 12 Min. in Bewegung. Neapel, 16. October. Die Straßen und Häuser sind prächtig geschmückt mit Fahnen, überwiegend in den deutschen Farben, zu Tausenden. In der Toledostraße sind die Gaskaudelaber in Palmengruppen verwandelt, gekrönt mit buntfarbigen Glas- schaalen. Ein Anschlag des Bürgermeisters fordert zum würdigen Empfange des Deutschen Kaisers auf. Neapel habe schon viele fremde Herrscher in seinen Mauern begrüßt, jetzt komme der erlauchte Nachkomme Friedrichs des Großen und Wilhelms I., dem das italienische Volk aufrichtig zugethan sei. Von diesem Gefühle möchten Alle Zeugniß ablegen. — Der Fremdenzufluß ist ein gewaltiger; von Rom sind 60,000 Menschen theils eingetroffen, theils unterwegs. Alle Bahnhöfe, welche der kaiserliche Extrazug passirte, waren sittlich geschmückt und der Zug wurde überall mit unbeschreiblichem Jubel begrüßt. Das Wetter ist schön. Neapel, 16. October, Nachmittags 2% Uhr. Kaiser Wilhelm und König Humbert sind soeben hier eingetroffen. Der Empfang war über alle Matzen begeistert; die Straßen sind von einer ungeheuren Menschenmenge erfüllt. Alle Fenster und selbst die Dächer sind dicht besetzt. Der Kaiser und der König begaben sich in einem glänzenden Wagenzuge in das Palais. Neapel, 16. October. Beim Einfahren des reich geschmückten Hofzuges ertönten Kanonendonner und die Jubelruse der immensen Menschenmenge. Kaiser Wilhelm trug die Uniform der Garde du Corps mit den Bändern des Annunciatenordens und des Militärordens von Savoyen. Der König Humbert und die Plinzen Amadeus und Thomas trugen die Generalsuniform mit dem Schwarzen Adlerorden. Sie schritten die Ehrencompagnie, die das dritte Infanterie-Regiment gestellt hatte, unter den Klängen der preußischen Nationalhymne ab, worauf die Vorstellung der anwesenden Spitzen der Militär- und Civilbehörden, der Senatoren und Deputirten vorgenommen wurde. Ein unbeschreiblicher Jubel entstand, als die Fürstlichkeiten den Wagen bestiegen. Im zweiten fuhren Prinz Heinrich und der Kronprinz, im dritten die Prinzen Amadeus und Thomas, im vierten Crispi und Bismarck, sodann kam das Gefolge. Die Straßen bis zum Schloß waren mit einer dichten Menschenmenge besetzt, ebenso die Fenster, Balkone und Dächer. — Die heute Abend dargebrachte Illumination nahm großartige Dimensionen an. Um 8 Uhr concerttrten vor dem Schlosse 200 Mandolinenspieler und darauf 11 Militärkapellen. Um halb zehn Uhr fand eine Galavorstellung im Theater statt. Für morgen beabsichtigt der Kaiser nach der Flottenreoue die deutsche zoologisch-maritime Station zu besuchen. Berlin, 17. October. Dem „Leipz. Tageblatt" zufolge hat das Reichsgericht die Anträge des Vertheidigers des Geheimraths Geffkens, Rechtsanwalts Wolfsohns, auf Haftentlassung Geffkens, abgelehnt. Lokale-. Gießen, 17. October. Donnerstag den 25. October, Nachmittags 3 Uhr, findet eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses des Kreises Gießen statt. Gieße«, 17. October. Die Winterschonzeit für Fische hat mit dem gestrigen Tage im ganzen Großherzogthum ihren Anfang genommen, sie dauert bis zum 14. December d. I. Gießen, 17. October. sTheaterj. Lebhaften Beifalls erfreute sich die gestrige Aufführung von Moser's köstlichem Schwank „Das Stiftungsfest". Auch diesmal müssen wir die durchaus tüchtige Besetzung anerkennen. Den jungen Ehemann und Festredner Dr. Scheffler spielte Herr Taußig mit gewohnter Gewandtheit. Bertha, Scheffler's Gattin, wurde von Frl. Müller (nicht, wie angekündtgt, von Frl. v. Fels) gespielt und zwar innig und warm. Herr Director Reiners war in der Rolle des wohlwollenden, etwas egoistisch angehauchten Commerzienraths Bolgau so recht in seinem Element. Das gemüthltche herzliche Lachen des alten Herrn war wirklich ansteckend. Vorzüglich war sein Monolog an den Schlaf, der sich jedoch dem im Egmont kaum an die Sette stellen darf. Auch das Winontnchen des Frl. Frey war eine entzückende Leistung. Frau Reiners' Ludmilla war wieder, besonders als verschämtes „Backfischchen", ganz reizsnd. Herrn Göhlers' (Dr. Steinkirch) Sprache ist schön und natürlich, seinem Spiele aber fehlte leider auch diesmal wieder etwas an Feuer und Lebendigkeit. — Beiläufig könnte ein kleiner Druckfehler in unserem Berichte über die beiden Reichen- müller den Herrn in falschen Verdacht bxingen. Nicht zu „tragen" sondern nur zu „kriegen" halte er in der 4. Zeile v. u. seine Lisbeth. — Der unausstehliche Schwätzer Hartweg wurde von Hrn. Fö rst er mit drastischem Realismus dargestellt. Dieser, sowie Herr Hentschel — als Schnake, der Hartwig durch seine Schwatzhaftigkeit verhaßte I Vereinsdiener — thaten mit vereinten Kräften und nicht ganz ohne Erfolg ihr moa- lichstes, den dritten im Bunde, den Souffleur, nicht zu Worte kommen zu lassen. Den Punkt „Souffleur" hoffen wir hiermit endgtltig erledigen zu können, denn man hört ihn nur noch selten vor. Auf einen kleinen Mißstand möchten wir hier die Aufmerksamkeit der Regie richten: Wenn immer, wie gestern Hartwig, fortwährend von seiner „Tenorstimme" und seinem „Tenorsolo mit Brummstimmen" redet, so müßte die Regte doch entweder den Darsteller mit einer Tenorstimme versehen, oder, was noch einfacher wäre, die betreffenden Stellen „Baß- resp. Baritonsolo" corrigieren. Denn Herrn Forsters übrigens sympathisches reiches Organ klang doch wie alles andere eher, als wie ein Tenor. Die Geschäftigkeit des Festordners Brimborius mit seiner Leidenschaft für Böllerschüsse brachte Herr Hildebrandt in vielleicht übertriebener, jeden- !2a£.a Fermielöungen. 8335] Logis zu vermiethen. __________________Röder, Riegelvlad. 8351] Kleines Logis zu vermiethen. _____________________Wallthorstraße 57. 8354] Kl- Logis, Schlafstelle und ein möbl. Zimmer zu verm. 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Alle in diesen Jahren Geborenen werden zu einem gemüthlichen Abend mit einfachem Nuchteffen auf Samstag den 20. October im Caf6 Leib freundlichst eingeladen. — Die Liste zur Betheiliguug am Esten liegt bis zum Donnerstag den 18. Dctbr. zur gest. Einzeicbnung daselbst offen. 8358 Mr den so zahlreichen Besuch und die freundliche Aufnahme des Hypodroms sagt, durch rasche Abreise etwas verspätet, besten Bank 8335 Die Direktion des Hypodroms. Ludwig Schmitt, Glaser, jKanzleiberg 7, empfiehlt sich im Einrahmen von Bildern und Spiegeln in allen denkbaren Rahmen- 477 Sonntag den 21. October: Tanzmusik. 8360 Chr. Duill. Coursbericht der frankfurter Börse. Reichsbank-Disconto 4% 16. Ocotber 1888. Franks. Bank-DiSconto 41» 4o/o Preußische ConsolS 107 80 3V,0/0 do- 10480 4% Nassauer Obltg. 101.10 4o/o Bayerische Oblig. 107.20 40/0 Badische Oblig. 105.30 40/o Hessische Oblig. 106.10 4% Franks. Hypothbk-Psandbr. alte 101.50, neue — 3Va°/o do- 9900 4,/3% Franks. Landwsch. Creditbk.s Oblig. 103.50 4o/o Hamb. Hypothbk.-Vsandbr. 103.00 3