Ar. IS Mittwoch den 18. Januar 1888. Meßmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. 3 ™ . Ä Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohu. Bureaur Schulstraße 7. . Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pft, Politische Ueberfieht. Gießen, 17. Januar. Der Kaiser ist nunmehr von seiner letzten Unpäßlichkeit vollständig wieder hergestellt, nur die gewohnten Ausfahrten hat der erlauchte Monarch noch nicht wieder ausgenommen, da die gegenwärtige rauhe Witterung dieselben nicht gestattet. Die preußische Thronrede hat im Allgemeinen seitens der Presse eine ziemlich günstige Beurtheilung erfahren, obwohl natürlich die oppositionelle Presse bei ihrer Krltik viel Wasser in ihren Wein gießt. Aber allgemeine Anerkennung ist wenigstens der Erklärung der Thronrede zu Theil geworden, wonach in Folge der günstigeren Gestaltung der finanziellen Lage die Pfarrbesoldungen erhöbt, ferner die Beamtenbesoldungen durch Verzicht auf die Wittwen- und Waisen-Geldbeiträge indirect verbessert und weiter die Communal- und Schullaften durch Uebernahme eines Theiles der Besoldungen der Volksschullehrer durch die Staatskasse erleichtert werden sollen. Gegen die Zweckmäßigkeit dieser Vorjch'äge an sich wird gewiß nichts einzuwenden sein, denn sie kommen drin- aenden Wünschen entgegen, die im preußischen Landtage schon wiederholt ausgesprochen worden sind und deren Verwirklichung aus finanziellen Gründen immer wieder unterbleiben mußte; die Art und Weise der Durchführung der genannten Maßregeln wird indessen noch abzuwarten sein. Von einer Vorlage über die Reform der directen Steuern in Preußen ist in der Kundgebung mit keinem Wort die Rede und es scheint, daß das Land auf diese doch so nothwendigs steuerreformatorische Maßregel noch länger wird warten müssen. Den verschiedenen, zur Zeit neben dem preußischen Landtage und dem Reichstag? tagenden Parlamenten der Mittelstaaten wird sich in nächster Woche auch b:r württembergische Landtag anschließen. Für seine Arbeiten ist e,ne etwa vierwöchige SesfionSdauer in Aussicht genommen; von Vorlagen werden genannt die Gesetzentwürfe, betr. dis Zwangsenteignung von Grundstücken, ferner betr. das landwirthschaftliche Nachbarrecht und betr. die Unfall- und K.ankenvsrsicherung der forst- und landwirthschaftlichen Arbeiter. Die russische RegierungSpresse bläst jetzt mit rührender Consequenz die Friedens-Schalmeien. So hat das „Journal de St. Pötersb." einen Artikel vom Stapel gelassen, in welchem das „Programm" des Finanzministers Wischnegradski als eine Bestätigung der friedlichen Absichten der russischen Regierung bezeichnet wird. Vorsichtiger Weise fügt indessen das Organ des Herrn v. Giers hinzu, es könne natürlich keine Regierung die Erhaltung des Friedens absolut garantiren und Rußland habe seine Friedenspolitik stets unter Bedingungen bethätigt, deren Wichtigkeit Niemand entgehen könne. Das Blatt weiß zu versichern, daß dies auch den besten Eindruck im Auslande gemacht Habs und knüpft hieran den Wunsch, daß daher die auswärtigen Zeitungen und ihre L-ser nicht weiterhin die Opfer allarmirender und speculatioer E'.findungen würden. — Nun, daß die Nachrichten über die russischen Truppenbewegungen und Truppenausstellungen zum guten Theil nicht Erfindung, sondern aus Wahrhe'.t beruhten, ist inzwischen klar geworden und die bestimmte Meldung der „Köln. Ztg.", daß die Verlegung des 2. kaukasischen Armeekorps (Tiflis) in ständige Garnisonen an dec rumänisch-österreichischen Grenze bevorstünde, will auch nicht recht zu den Friedens - Betheuerungen der Petersburger Offtdöien paffen. Auch die Ordens«Auszeichnungen, welche zum russischen Neujahrsfeste einigen der Haupt- trägsrn jener politischen Richtung in der Umgebung des Czaren zu Theil ge- worven sind, bie mehr oder weniger eine deutschfeindliche Seite herauskehrt, geben der politischen Welt zu denken, zumal der politische Antipode der Tolstoi. Podedonoszew u. s. w., Herr v. Giers, leer ausgegangen ist. Wenn man nach dielen Ordens-Auszeichnungen auf die Absichten des Czaren in der auswärtigen Politik schließen müßte, so würden alle friedlichen Versicherungen der russischen Regierungsblätter nur als Schachzüge zur Maskirung des eigentlichen Feldzugsplanes erscheinen. Die verbündeten Mächte können über den von ihnen einzu- schlagenden Weg nicht im Unklaren sein, so large am politischen Horizont Rußlands das Dreigeftirn Tolstoi-Wischnegradski-Pobedonoszew leuchtet. Tag für Tag harrt man in Rom mit banger Spannung der entscheidenden ersten Meldung aus Maffauah. Ras Alula, der Oberfeldherr des Negus, ist mit einer starken Truppenmacht in Ghinda eingetroffen und soll er von dem abessinischen Herrscher die Erlaubniß erhalten haben, als Erster die Italiener angreifen zu dürfen. Ob Alula indessen den Stier bei den Hörnern packen wird, ist mehr als zweifelhaft, denn die Abessynier wissen sehr genau, daß die italienischen Positionen gut befestigt und mit schweren Geschützen reichlich armirt sind, so daß sich die Abessynier bei einem Frontangriff wahrscheinlich nur blutige Köpfe holen würden. Viel wahrscheinlicher ist es, daß der abessynische Öberfeldherr versuchen wird, mit seiner Hauptmacht den Italienern in die Flanke zu kommen und ihre einzelnen Abteilungen zu trennen, eine Taktik, welche bei der numerischen Schwäche des italienischen Expeditionscorps im Verhältniß zur Truppenmacht Ras Alulas, die aus 40,000, nach anderen Meldungen sogar auf 50,000 Mann angegeben wird, vielleicht mehr Aussicht auf Erfolg bietet. Sollten jedoch die Truppen Ras Alulas geschlagen werden, so wäre hiermit für die Italiener noch nicht zu viel gewonnen, denn die geschlagenen abeffynischen Heerhaufen würden sich dann auf die zweite Linie der Abessynier, auf die unter dem persönlichen Oberbefehl des Negus stehenden Truppen zurückziehen, welche die steilen Abhänge des abessynischen Berglandes besetzt halten und an eine Fordrung dieser starken Stellung können die Italiener nicht denken. Deutschland. Berlin, 14. Januar. Der Reichskanzler hat dem Bundesrath den „Entwurf einer Bekanntmachung, das Verbot de» Umlaufs fremder Scheidemünzen betr.", vorgelegt, welcher wie folgt lautet: Auf Grund des Artikels 13 des Münzgesetzes vom 9. Juli 1873 hat der Bundesrath nachstehende Bestimmung getroffen: Vom 1. April 1888 an dürfen fremde Scheidemünzen in Zahlung weder gegeben noch genommen werden. Zur Begründung dieser Anordnung werden folgende Mittheilungen gemacht: „Gemäß Artikels 13 Ziffer 1 des Münzgesetzes vom 9. Juli 1873 ist der Bundesrath befugt, den Umlauf fremder Münzen gänzlich zu untersagen. — Bisher sind auf Grund dieser Vorschrift durch Bekanntmachung vom 23. Januar 1874 die österreichischen und ungarischen Em- und Zwetguldenstücke, sowie oie niederländischen Ein- und Zweieinhalbguldenstücke, durch Bekanntmachung vom 29. Juni 1874 die niederländischen Halbguldenstücke, sowie die österreichischen und ungarischen Viertelguldenstücke, durch Bekanntmachung vom 16. October 1874 die finnischen Silbermünzen, durch Bekanntmachung vom 19. December 1874 die Münzen des Conventionssußes österreichischen Gepräges, sowie eine Anzahl älterer dänischer Münzen und durch Bekanntmachung vom 26. Februar 1875 der polnischen Eindrittel- und Einsechstel Thalerstücke verboten worden. Inzwischen ist das Bedürsniß hervorgetreten, von der dem Bundesrath gegebenen Befugniß in weiterem Umfange, und zwar bezüglich der sämmtlichen fremden Scheidemünzen Gebrauch zu machen. Insbesondere in Elsaß-Lothrtngen befinden sich Scheidemünzen der Frankenwährung, namentlich die Zehn- und Fünscentimes- stücke, obgleich sie von den öffentlichen Kassen strenge zurückgewiesen werden, vielfach im Umlauf, was zur Folge hat, daß im Kleinoerkehr die Rechnung nach „Sous" gebräuchlich ist. und daß auch der Geschäftsverkehr der Kaufleute sich gegenwärtig noch der Fcancswährung bedient. Behufs Beseitigung derartiger Mißstände und zur Verhütung der von einer Einbürgerung gering* werthiger ausländischer Münzen zu besorgenden Verluste empfiehlt es sich, die fremden Scheidemünzen jeder Art, mögen dieselben aus Silber, Nickel mit oder ohne Silberzusatz, Bronce oder Kupfer geprägt sein, durch ein allgemeines Umlaufsverbot vom Verkehr auszuschließen. — Der Fürst unter europäischem Protest, so bemerkt die „Köln. Ztg.", Prinz Ferdinand von Coburg-Bulgarien, hat durch die Vereitelung des Nabo- kowffchen Putsche-, der keineswegs ganz geringfügig und aussichtslos angelegt war, eine werthvolle Weihnachts»Bescheerung erhalten. Wie die bei den Ge- tädteten vorgesundenen Schriftstücke beweisen, war es russische Arbeit, deren Leitung Herr Hitrowo in Händen hatte, durch welche dem Coburger eine Revolution als Weihnachtsgeschenk in'» Land gebracht werden sollte. Die.Wachsamkeit der bulgarischen Militär,' und Polizeibehörden hat die versuchte Empörung im Keim erstickt und die russischen Eindringlinge in ihr Blut gebettet. So leicht wird Herr Nabokow in nächster Zeit wohl keine Nachahmer finden. Vielleicht ist es eine Folge der ermutigenden Wirkung, welche die Niederstreckung der russischen Aufwiegler gehabt hot, daß auch der Fürst in seinen Neujahrs- Ansprachen, die uns der Telegraph übermittelt, allen Hoffnungen, er werde das Land verlassen, ein Ende bereitet. Mit aller Entschiedenheit betont Fürst Ferdinand, daß er sich durch heiligen Schwur an sein Land gebunden erachte, und daß Bulgarien, wenn es in seiner Freiheit und Unabhängigkeit durch Gewalt bedroht werden sollte, das Schwert ziehen und zu kämpfen wissen werde. Diese entschlossene Sprache wird ohne Zweifel im Lande mit großer Begeisterung ausgenommen werden und die in's Wanken gerathene Achtung der Untertanen gegen ihren erwählten Herrscher wenigstens für die nächste Zeit zu kräftigen. Die von einigen Seiten wahrgenommenen Aussichten auf Befestigung des Friedens werden dadurch freilich nicht verstärkt, insofern Rußland eine um so schroffere Haltung gegen Bulgarien einnehmen wird. Ausland. Petersburg, 15. Januar. Ein allerhöchster Verweis, welcher dem Fürsten Barclay ertheilt worden ist, weil dieser seine Zustimmung gegeben, daß feine Enkel evangelisch getauft wurden, macht in den beteiligten Kreisen ungeheures Aufsehen. Unter Alexander III. ist es nur einmal vorgekommen, daß ein Generaladjutant einen öffentlichen Verweis erhielt; vor 4 Jahren ertheilte nämlich der Czar einen solchen dem Generalgouverneur von Finnland, General- adjulant Graf Heyden, wegen einer zu selbstständig erlassenen Verwaltungs- maßregel, jedoch wurde jener Verweis nicht direct vom Czaren, sondern vom „Großfürsten von Finnland" ertheilt, auch war derselbe nicht so streng in der Form. Der vorige Kaiser hat nur einmal einen Verweis einem Mitglied seines Gefolges ertheilt, und zwar dem Flügeladjutanten Obersten Fürst Paskjewitsch; derselbe nahm sofort seinen Abschied und seine Frau hält sich noch heute, obwohl darüber an 20 Jahre verflossen find, grollend dem Hose fern. Man nimmt an, daß Barclay sein Abschiedsgesuch einreichen wird, obwohl da» bei einem Generaladjutanten ganz ungewöhnlich wäre. In streng orthodoxen russt- schen Kreisen geht man sogar soweit, diese harte Strafe zu milde zu finden. F. 14. 15. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. Bildung der Kreis-Ersatz-Commission im Aushebungsbezirk Gießen-Lich. Gesuch des Wilhelm Weber um Erlaubnis zum Wirthschaflsbetrieb. Erkrankung des Jakob Ltxfeld von Gießen in Hannover. Festsetzung der Baufluchtlinien am Asterweg. Gesuch des Bezirksbauaussehers I. Senßselder um käufliche Ueberlassu-ng städtischen Geländes. Ausbau der Ostanlage. Die sogen. Wodestraße betreffend. Verbreiterung der kleinen Sandgasse. Die Erhöhung der städtischen Trottoirs. Den Fluthgraben in den Eichgärteu betr. Beschädigung eines Gascandelabers. Beitreibung von Rückständen des Gas- und Wasserwerks. Ueberlassung eines Weges am Hardtberg an die Stadt Seitens des Gutsbesitzers Schlenke. Gesuch des Heinrich Debus um Bauerlaubniß. Kostendecreturen. Alzey. 2 Innungen, für: Bäcker; Schuhmacher. Worms. 1 Innung, für: Bäcker. *) Vergl. Gewerbeblatt von 1887, Nr. 3, S. 18. Gietzen, 17. Januar. Gestern Abend VtlO Uhr wurde die Einwohnerschaft durch Sturmläuten schon wieder alarmirt. In dem an der Marburgerstratze gelegenen Fabrikgebäude der Firma L. Scheid war Feuer ausgebrochen, welches, begünstigt durch das vorhandene leicht brennbare Material, rasch eine größere Ausdehnung annahm, indem es sich über den ganzen Bau verbreitete und denselben bis auf die massiven Mauern vollständig zerstörte. Ueber die Entstehungsursache ist bis jetzt nichts Näheres bekannt geworden. Für eine größere Anzahl meist auswärts wohnender Cigarrenarbeiter dürfte dieses Brandunglück sehr unangenehme Folgen haben, da wohl schwerlich in der nächsten Zeit die Fabrikation wieder ausgenommen werden kann. Telegraphische Depesche«. Volff'S telegr. , Berlin, 16. Januar. Seine Majestät der Kaiser stand um 9 Uhr auf und hörte Vormittags verschiedene Vorträge, darunter einen längeren Wilmowski's. Nachmittags empfing er den General Obernitz und den Grasen v. Brühl-Pförten, nahm den Vortrag des Grafen Bismarck entgegen, welcher aus Friedrichsruh zurückgekehrt ist. — Ihre Majestät die Kaiserin machte um 1 Uhr eine Spazierfahrt und empfängt um 4Va Uhr den Grafen v. Brühl-Psörten. Abends 6 Uhr hält die Kaiserin eine Sitzung mit einer Deputation von 20 Frauen oom Verein des „Rothen Kreuzes" im Palais ad. — In einem dem Bundesrathe zugegangenen Nachtragsetat zum Neichshaushalt werden verlangt als fortdauernde Ausgaben 58,000 «M für Errichtung einer Botschaft in Madrid, ferner als einmalige 2500 JL für Herbeifchaffung von in Olympia verbliebenen Architekturstücken und 6,300,000 zum Ankauf der der Deutschen Tele- graphen-Gesellschaft Berlin gehörigen Kabel zwischen Borkum-Loweftost und Greatsiell- Valentia. Berlin, 16. Januar. Herrenhaus. Der Präsident, Herzog von Ratibor, theilte ein Telegramm Sr. K. u. K. Hoheit des Kronprinzen mit, worin derselbe für die Wünsche zu feiner Genesung auf das Wärmste dankt und sagt, er werde, bis feine Gesundheit befestigt fei, auch aus der Ferne den Arbeiten des Reichstages aufmerksam folgen. — Der Präsident zeigt ferner an, daß der Oberbürgermeister von Frankfurt a. M., Miquel, die auf ihn gefallene Wahl zum zweiten.Vicepräsidenten angenommen habe. Tag der nächsten Sitzung noch unbestimmt. — Abgeordnetenhaus. Der Präsident theilt dem Haufe, dessen Mitglieder sich erheben, ein Telegramm Sr. K. u. K. Hoheit des Kronprinzen mit: In den mir vom Abgeordnetenhause durch Sie übermittelten wohlgemeinten Wünschen anerkenne ich gern die tiefe Theilnahme, mit welcher die gefammte Bevölkerung die Besferung meines Befindens begleitet. Ich fpreche Ihnen hiermit meinen warmen Dank aus. Mögen Ihre, dem Wohle des Staates gewidmeten Arbeiten, denen ich auch, fern von der Heimath, lebhaften Antheil schenke, einen segensreichen Fortgang nehmen. Friedrich Wilhelm. (Lebhafter Beifall.) Darnach bringt der Finanzmtnister seinen Etat für das Jahr 1888/89 ein und theilte mit, daß das Etatsjahr 1886/87 einen Ueberschuß von 16 Millionen ergab. Nächste Sitzung am'Freitag. Tagesordnung: Erste Etatsberathung. P«riS, 16. Januar. Bei der gestrigen Präsidtaljagd in den Forsten Rambouillet glitt einem Waldwärter das sich entladende Gewehr aus und traf den General Brugere an der linken Hüfte. Die Verwundung ist ziemlich erheblich, der Zustand des Generals verhältnißmäßtg befriedigend. Paris, 16. Januar. Die Nachricht eines hiesigen Blattes, daß der deutsche Botschafter Graf Münster nach Cannes gereist fei, ist unrichtig, Graf Münster hat Paris nicht verlassen. Brüssel, 16. Januar. Heute brach im Albambratheater während der Vorstellung von Ali Baba Feuer aus, indem aus der Oeffnung des Heizungsrohres die Flammen schlugen. In den Parterreräumen entstand ein heftiges Drängen, «ährend die Zuschauer in den Rängen ruhig auf ihren Plätzen blieben. Die Feuerwehrleute löschten mit geringer Mühe den Brand. Die Vorstellung wurde darauf, ohne daß sich ein Unfall ereignet hätte, wieder ausgenommen. Universität- - Chrvnik. — Dem außerordentlichen Professor an der medicintschen Fakultät der Berliner Universität, Dr. Hartmann, ist der Charakter als Geheimer Medicinalrath verliehen. Jena, 12. Januar. Die Gesammtfrequenz der Studirenden unserer Universität beträgt in Folge einiger seit Ausgabe des Personalverzeichnisses erfolgter nachträglicher Meldungen jetzt 622, von denen 582 immatrikulirt sind und 40 die Erlaubnis zum Besuche der Vorlesungen erhalten haben. Jena, 14. Januar. Wie auswärts verlautet, ist als Nachfolger des Herrn Professor Braun für den Lehrstuhl der Chirurgie der außerordentliche Professor Dr. Rosenbach aus Göttingen von der hiesigen Facultät vorgeschlagen. — In Kiel habtlitirte sich der practische Arzt Dr. Wilhelm v. Starck für das Gebiet der Kinderheilkunde. — In der medictnifchen Facultät der Universität Straßburg ist ein neuer Lehrstuhl und zwar für Zahnheilkunde errichtet worden. Der practische Zahnarzt Privatdocent Dr. Jessen hat bereits seine Antrittsvorlesung gehalten. 1. 2. 3. 4. 5. Vermischtes, △ Mainz, 16. Januar. Vom 17. bis 19. Januar tagt in Frankfurt die mitteleuropäische Fahrplanconferenz zur Festsetzung des Sommerfahrplans. Die Conferenz wird sich auch mit dem Antrag des preußischen Verkehrsministers befassen, eine vollständige Gleichstellung der rechtsrheinischen Züge mit denen der linken Seite herbeizuführen. Diese Gleichstellung wird dadurch angestrebt, daß nach jeder Richtung täglich zwei Schnell- und zwei Personenzüge bis und von Frankfurt mehr eingelegt werden sollen. Für die Bewohner des Rheingaues wie auch derjenigen der Zwlschen- stationen zwischen Frankfurt und Kastel ist diese Zugvermehrung von unberechenbarem Vortheil, während andererseits die Ludwigsbahn dadurch wieder eine weitere Schmälerung ihrer Einkünfte insofern erfahren dürfte, als sich bei den Nachtzügen der Personenverkehr für die Folge wohl auf die beiden rheinischen Linien vertheilen und die Strecke Frankfurt-Bingen der Hessischen Ludwigsbahn in ihrer Frequenz verlieren wird. △ Mainz, 16. Januar. Rhein und Main bringen wieder viel Eis. Der Verkehr mit den fliegenden Brücken bei Kostheim und Gernsheim ist wieder eingestellt. — Während vorgestern ein hiesiger Wirth, um seinen Gläubigern aus dem Wege zu gehen, das Weite gesucht hat, hat gestern ein zweiter Wirth, der mit Glücksgütern reich gesegnet ist, seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Lokales. dieftttt, 17. Januar. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 19. Januar 1888, Nachmittags 4 Uhr. .. . Berlin. Die Neigung, den „Doctorgrad", der an den verschiedenen deutschen Universitäten mit verschiedenen Kosten verbunden ist, zu erlangen, ist bet den Aerzten im Abnehmen. Im Prüfungsjahre 1886—87 bestanden in Preußen 505 Mediciner die Prüfung, nur 150 sind darunter akademische Doctoren; Bayern weist 450 neue Aerzte auf mit nur 22 Doctoren, Sachsen 97 neue Aerzte ohne Doctor, Württemberg 24 Aerzte mit 1 Doctor, Baden 97 Aerzte ohne Doctor, Hessen 11 Stelzte mit 2 Doctoren, Mecklenburg-Schwerin 19 Aerzte, die sächsischen Herzogthümer 3? Aerzte, Elsaß- Lothringen deren 33 ohne Doctorgrad. — Die Nachricht des „Berl. Tagbl.", daß die Lieblingshunde des deutschen Kronprinzen vergiftet worden sind, beruht auf Erfindung. m die telegraphisch gemeldete, in Amoy (China) erfolgte furchtbare Pulver-Explosion find mit der letzten chinesischen Post ausführliche Mittheilungen ein- Der Englische Consul in Amoy schreibt u. A.: In dem Magazin befanden sich 400 ^ons Pulver, die zugleich explodtrte», wodurch fast alle Gebäude auf unserer Insel zerstört wurden. Was nicht durch die Explosion vernichtet wurde, fiel dem Feuer zum Opfer, das 9 Stunden wüthete, ehe es bewältigt werden konnte. Thüren und Fenster des Confulats sind zerstört und nicht eine einzige Decke ist heil geblieben. Ich befand mich in der Vorhalle, als die fürchterliche Explosion erfolgte und mich mit Schauer von Glassplittern überschüttete. In demselben Augenblicke sah ich dichte Rauchwolken aufsteigen, die vom heftigen Winde fortgetrieben wurden. Die Luft w(ar_ vollständig verdunkelt. Der solide Fels, auf welchem unser Haus steht, wurde, obgleich das Magazin auf der anderen Seite des Hafens stand, wie durch ein Erd- beben erschüttert. Hunderte von Chinesen sind durch die Explosion um's Leben gekommen; die sich derselben am nächsten befanden, find in Fetzen zerrissen. Alle Fenster in der ganzen Stadt sind zerbrochen. In dem Magazin soll seit dem Hiersein der Franzosen vor zwei Jahren ein ausnahmsweise großer Vorrath von Pulver gewesen sein. Alle Granaten und Bomben waren mit Eisenstücken gefüllt, die beim Umher- Uiegen viel Unheil angerichtet haben. Jrn Spital liegen viele Chinesen, welche hierdurch Verletzungen erhalten haben. Der Mandarin, welcher den Befehl über das Arsenal 8^-^' sowie 48 Soldaten sind in Stücke zerrissen. — Ein anderer Bericht meldet: Das Magazin lag eine kurze Strecke von der Stadt Amoy und enthielt außer Pulver auch Dynamit, Zünder für Torpedos, Geschütze, Raketen und sonstiges Kriegsmaterial. Man nimmt an, daß der erst kürzlich auf feinen Posten gekommene Mandarin die leicht entzündlichen Stoffe hat bewegen oder in nachlässiger Weise behandeln lassen. Andere behaupten auch, die Soldaten hätten in der Nähe des Pulvers geraucht ober Kien beim Trocknen desselben unvorsichtig verfahren. Der Schauplatz der Katastrophe bietet ein schreckliches Bild: überall verstümmelte Gliedmaßen, entwurzelte Bäume, zer- an^U/a Die in Folge der Explosion ausgebrochene Feuersbrunst hat etwa 200 Gebäude zerstört, unter deren Trümmern bei Abgang der Post noch zahlreiche Leichen lagen. Znnungswesen im GrMeyogthum Dessen *). Neu errichtet wurden im Jahre 1887 folgende vier Innungen: Alzei, Schuhmacher-Innung für den ganzen Kreis Alzey; Gießen, Fleischer-Innung; Groß- Gerau, Schneider-Innung für den Kreis Groß-Gerau; Heppenheim, Barbier-, Frlleur- und Heilgehilfen-Jnnung für den Kreis Heppenheim. — Dagegen besteht in Worms eine Innung für Friseure und Perrückenmacher nicht mehr. Die Gesammtzahl der Innungen im Großherzogthurn Hessen beträgt hiernach gegenwärtig (Anfang 1888) 28, gegen 25 am 1. Januar 1887. — Es bestehen Innungen für: Metzger 4; Bäcker 5; Barbiere, Heilgehilfen, Friseure und Perrücken- ^acher 5; Fnseure und Perrückenmacher 1; Schuhmacher 2; Schneider 2; Schreiner 1; 1 ercA 2D?aIe? und Lackirer 1; Spengler und Installateure 2; Schlosser 1; Glaser 1; Wagner 1; Schornsteinfeger 1; Schmiede 1. Diese gegenwärtig bestehenden 28 Innungen vertheilen sich auf 8 Städte des Großh.rzogthums wie folgt: k Innungen, für: Metzger; Schuhmacher; Schreiner; Spengler und Installateure; Weißbinder, Maler und Lackirer; Schornsteinfeger (für das ganze Großherzogthum); Barbiere, Heilgehilfen, Friseure und Perrückenmacher; Perrückenmacher und Friseure; Schlosser; Bäcker. Mainz. 7 Innungen, für: Metzger; Bäcker; Barbiere, Friseure und Perrückenmacher; Glaser; Wagner; Schmiede; Spengler. 3 Innungen, für: Bäcker; Metzger; Barbiere, Friseure und Perruckenmacher. Groß Gerau. 1 Innung, für: Schneider. Offenbach. 2 Innungen, für: Bäcker; Barbiere, Friseure und Perrückenmacher. Heppenheim. 2 Innungen, für: Schneider; Barbiere, Friseure und Heilgehilfen. Landwirthschaftliche Nachrichten. (Nachdruck verboten.) — sDie Verwendung der Knochens Die Knochen- und Fleichabsälle der Küche werden meist zur Fütterung der Hunde benutzt. Diese Verwendung ist ja auch an ♦Ar?0?? r .doch ist es in Wlrthschaften, in denen Hühner gehalten werden, vor- thetlyafter, die feineren und zarteren Knochen zur Fütterung der Hühner zu oerwcrthen. £u Dietern Zwecke werden sie mit einem Hammer auf einer harten Unterlage zu einer breiartigen Masse zerkleinert, die den Hühnern gegeben wird. Nur muß darauf geachtet werden, daß keine größeren Stücke und Knochensplitter in der den Hühnern zu verabreichenden Masse enthalten sind, weil an diesen die Thlere sich Kehle und Schlund verletzen rönnen. Im Uebrigen ist der Knochenbrei den Hühnern sehr dienlich, es wird Weise nicht nur Fett und Fleisch verabreicht, deren sie bedürfen, ^oern auch Kalk in zusagender Form, den sie zur Bildung der Eierschalen gebrauchen. Es wird durch die Verfutterung des Knochenbreies an die Hühner der Unsitte des Federnausreißens und der des Anfressens der Eier in hohem Grade vorgebeugt - ~ ^Mgelmist, und insonderheit der der Tauben und Hühner, wird vielfach VhU* UV uu^uchbar oder mlnderwerthlg gehalten und dementsprechend gar nicht oder k unb Taubenmist ist indcß von ziemlichem Werthe, da ihm treibende Kraft innewohnt, die ihn namentlich für Gärtnereien werthvoll H^ra rrat !^on Thaer hingewiesen, der von dem Federviehdünger sagt, daß ^usse, forgl.^tig vertheilt, d. h. nicht klumpig untergehackt, sondern dünn r/öf' bEue vorzügliche Wirkung habe. Hauptsächlich wird man den Hühnermist auf Den Gemüsebeeten verwenden. Nach vielen Beobachtungen werden insbesondere Karotten sehr zart und süß, wenn die Beete mit seingepuloerlem Hühnermist Überstreut waren, der dann leicht untergebackt wurde. Wir können daher unseren Lesern nur raroen, nut Der Verwendung des Hühner- und Taubenmistes einen Versuch m tnadKn. Die Zerkleinerung des Mistes bietet, wenn er trocken ist, feine Schwierigkeit geschieht das mit Tretdrettern, wie man sie zum Festtreten der Gartenerde benutzt! Handel und Verkehr. Gießen, 17. Januar- Auf dem heutigen Markt kostete: Butter ver Pfund v*L 0.80—0.86, Hühnereier pr. St. 7—8 H, Gänseeier St. 12—14 X Käst vr St 4—7 & Käsematte 3—0 H, Erbsen pr. Liter 18 Linsen 29 H, Tauben per Paar 50 bis 70 H, Hühner per Stück JL 0.90—1.30, Hahnen pr. Stück JL 1.20—1.50 Enten ■ per Stück JL 1.40—1.80, Gänse per Pfund 50—60 Ochsenfleisch per Pfund 58 bt» 60 H, Kuh- und Rindfleisch 45-50 Schweinefleisch 54-60 Hammelfleisch 40 b s 60 Kalbfleisch 40—48 H, Kartoffeln per 100 Kilo JL 4 00—4.50, Milch per Liter 12—18 Weißkraut Stück 5—10 Zwiebeln per Centner JL 8.00—10 00 Frankfurt, 16. Januar- Der heuttge Biehmarkt war gut befahren Anae- trieben waren 392 Ochsen, ca. 24 Bullen, ca. 464 Kühe unb Rinder, ca 318 Kälber Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Cua£ 58-60, 2. Qual. 52-54 Kühe und Rinder 1. Qual. JL 50—52, 2. Qual. 42—46 per 100 Pfund Schlachtgewicht Kälber 1. Qual. 50-55 2. Qual. 44-48 H per 1 Pfund Schlach^ewicht. ' Frankfurt, 16. Januar. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u Wetterauer JL 17,76-18,00, fremder JL 17,76-20,25, Roggen eff. hief. Jt 14,00-14,25, 0« JL 00,00—,00,00 Gerste effektiv hiesige und Wetterauer JL 15,00—16,50 fremde ' X 00,00—00,00, Hafer eff. hies. 14,00—14,50, fremder Ji. 00,00—00,00. ' Schiffs nachrichten Bremen, 16. Januar. [Per transatlantischen Telegraph.^ Der Schnelldampfer Werra, Capitän R. Bussins, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher <* 5. Januar von Bremen und am 7. Januar von «Southampton abgegange» war, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Telegraphischer SchiffSbericht der „Red Star Line" Antwerpen. Newyork, 15. Januar Der Postdampfer „Switzerland" der „Red Star Line", welcher am 13. December von Antwerpen abging, ist heute wohlbehalten hier angekommen. Notiz für Hausfrauen. Wohl selten war es Neuheiten auf dem so prosaischen und gleichzeitig so wichtigen Gebiet der Küche vergönnt, in einer verhältnißmäßig kurzen Zeit s» allseitige Beachtung zu erringen, wie dies heute mit den Fabrikaten der bekannten Eonserven- und Suppenetnlagen-Fabrik von C. H. Knorr in Heilbronn der Fall ist. Wir halten es deshalb für angezeigt, die verehrten Leserinnen unseres Blattes ganz speciell auf die heutige Annonce dieser Firma hinzuweisen. QA f bat sich als unübertroffen u. zum täglichen Gebrauch, statt *■v Oel ob. Pomade, das staatlich geprüfte u. begutachtete Haarwasser v. Retter i. München bestens bewährt. Z. h. um 40 H und 1.10 JL bet I. H. Fuhr, Sonnenstrahe. 346 Allgemeiner Anzeiger. Zur Verdingung der Lieferung des pro Matsjahr 1888/89 für die hiesige Garnison erforderlichen Bedarfs von 160 Raummeter Kiefern-Klobenholz, 7800 Kgr. Petroleum nebst dem erforderlichen Dochtband, 600 Kgr. grüne Seife, 25 Kgr. weiße Kernseife, 600 Kgr. crystallisirte Soda, 250 hl. Streusand, sowie der Anfuhr von 8100 Ctr. Steinkohlen, im Wege der unbeschränkten Submission ist Termin auf Montag, den 6» Febr. 1888, Vormittags 10 Uhr, im Garnison- Verwaltungs-Bureau, Kaserne I des neuen Kasernements anberaumt, woselbst die Lieferungs-Bedingungen zur Einsichtnahme ausgelegt sind. Gießen, den 14. Januar 1888. [512 Großherzogliche Garmson-Lerwaltung. Jagdvcrpachtung. Dienstag, den 7. Februar, Vormittags 10 Uhr, soll die der Gemeinde Lumda zustehende Feld- und Waldjagd gemeinschaftlich mit der ca. 14 Hectar umfassenden Jagd in dem fiscalischen Walddistrict „Grauen Berg" auf unterzeichnetem Bürgermeistereibureau für weitere sechs Jahre verpachtet werden. Lumda, am 14. Januar 1888. Großherzogl. Bürgermeisterei Lumda. _________Schultheiß. 511 Mittwoch, den 18. Januar l.I, Nachmittags 2 Uhr versteigere ich in meinem Bureau gegen Baarzablung verschiedene Möbel, 2 Pferde und 1 Kuh. Geitzler, 485 Gerichtsvollzieher. Jeilgeöotenes. AUkiniqe Niederlage der Otto Herrschen Schuhwaaren, das anerkannt beste Fabrikat, su Originalpreisen nur bei 211 Li. Süss, Marktstraße 9. Heute: la. 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Staatsbahn-Actien 84.90 1880 4*/0 Russen Oblig. 77.40 4% unif. Egypter Oblig. 74.30 Di8conto-Com-Anth?ile 190.00 Laura-Actien 89 (0 4% Ungar. Goldrente 77.30 5% Gemischte Russen 91.40 Die Börse ist im Unklaren, ob sie den russischen Friedensversicherungen ebensowenig Glauben schenkt, wie den in der westeuropäischen Presse gehegten Befürchtungen der Zeitungsallarmnachrichten. Die Tendenz war deshalb nach mäßigem Niveau unentschieden . & Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.