Nr. 14 Dienstag den 17. Januar 188X 11 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. »««««' Schulstraß- 7. Ersch-iut täglich mit Ausnahm- des M-Ntagö. ■ Z"ch dikVst^-zo^n^Ulich2Nb0 M. BMBmMMmmMMWnwmMWMMMHBMMMMBBMMMBMMMBMIIMMWmMMWMaMMBMMMMMMMlMMMMgMMMt Amtlicher Hheit. Betreffend: die Beitreibung der Gemeindegefälle, hier die Anstellung der Kreisboten und deren Dienstbezirke. Bekanntmachung. Wir bringen 'zur öffentlichen Kenntniß, daß wir den Wilhelm Dorr-Giff in Grünberg zum Kreisboten ernannt und die nachstehend angegebene Aenderung in den Dienstbezirken der Kreisboten vorgenommen haben. Gießen, am 12. Januar 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann. Dienftbezirk der Kreisboten. Horn in Gießen. @i<*r in Gießen. Bon-Giff in Grünberg. 1. Mach. 2. Mendorf a. d. Lahn. 3. Mendorf a. d. Lumda. 4. Alten-Buseck. 5. Annerod. 6. Burkhardsfelden. 7. Daubringen. 8. Garbenteich. 9. Gießen. 10. Großen.Buseck. 11. Großen-Linden. 12. Hausen. 13. Heuchelheim. 14. Klein-Linden. 15. Lang-Göns. 16. Leihgestern. 17. Lollar. 18. Mainzlar. 19. Oppenrod. 20. Reiskirchen. 21. Rödgen. 22. Ruttershausen. 23. Staufenberg. 24. Steinbach. 25. Treis a. d. Lda. 26. Trohe. 27. Watzenborn- 28. Wieseck. » 1. Bellersheim. 2. Bettenhausen. 3. Birklar. 4. Dorf-Gill. 5. Eberstadt. 6. Ettingshausen. 7. Grüningen. 8. Hattenrod. 9. Holzheim. 10. Hungen. 11. Inheiden. 12. Langd. 13. Langsdorf. 14. Lich. 15. Muschenheim. 16. Rieder-Bessingen 17. Nonnenroth. 18. Obbornhofen. 19. Ober-Bessingen. 20. Ober-Hörgern. 21. Rabertshausen. 22. Rodheim. 23. Steinheim. 24. Trais-Horloff. 25. Utphe. 26. Villingen. 1. Allertshausen. 2. Bellershain. 3. Bersrod. 4. Beuern. 5. Climbach. 6. Geilshausen. 7. Göbelnrod. 8. Grünberg. 9. Harbach. 10. Kefselbach. 11. Lauter. 12. Lindenstruth. 13. Londorf. 14. Lumda. 15. Münster. 16. Odenhausen. 17. Queckborn. 18. Reinhardshain. 19. Röthges. 20. Rüddingshausen. 21. Saasen. 22. Stangenrod. 23. Stockhausen. 24. Weickartshain. 25. Weitershain. 26. Winnerod. Betreffend: Wie oben. Gießen, am 12. Januar 1888. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzogliehen Bürgermeistereien und die Gemeinde-Einnehmer des Kreises. Sie wollen sich nach vorstehender Bekanntmachung bemessen.Dr, Boekmann. Betr essend : Dle Rachjuchung der Berechtigung zum emjahrrg-srerwMgen Dlenft aus Gruno von Scyulzeugmyen. Bekanntmachung. Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch aus die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden. 1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzog- thum Hessen gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat. 2. Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen. 3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird. während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsteu und zu verpflegen; c. ein Unbesch oltenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschulen. Progymnasien und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist; d. das Schulzeugniß. Sodann wird noch besonders bemerkt: Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, in der Lage zu sein, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf. Zu pos. d: daß die Schulzeugniss e, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien und Realschulen I. Ord., sämmtlich nach dem Schema 17 zur Ersatz-Ordnung (I. Theil der Wehr-Ordnung vom 28. September 1675 — Reg.-Bl. Nr. 55 von 1875) ausgestellt sein müssen. 4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizusügen: a. Geburtszeugniß; b. ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit ».Fähigkeit, den Freiwilligen Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Ersatz-Ord. verwiesen. Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Dr. Zeller. Deutschland. Berlin 14. Januar. £)er ftaifer arbeitete gestern bis 83/< Uhr Abends, nahm tarnt den Thee und ging zu Bett. Der Schlaf war gut. Prinz Wilhelm, welcher gestern Nachmittag im Auswärtigen Amt und im Finanzministerium geatbettet hatte, Hottete dem Kaiser um 51/e Uhr einen Besuch ab. Berlin, 14. Januar. Der Kaiser stand um zehn Uhr auf und hörte mehrere kürzere Vorträge .sowie einen längeren Vortrag Wilmowski's.^ Abends findet eine kleine Theegesellschaft, morgen ein Familiendiner bei den Majestäten statt. — Die Abhaltung des Kapitels des Schwarzen Adlerordens ist bis auf Weiteres verschoben worden. c — Eröffnung deS preußischen Landtags. Nach beendetem Gottesdienste rm Dom und der katholischen Hedwigskirche fand Mittags 12 Uhr im weißen Saale des Schlosses die Eröffnung des Landtags statt. Die Tribünen waren nur mäßig besucht, Hof- und Diplomatenloge blieben völlig leer. Im Saale waren etwa 150 Mitglieder beider Häuser erschienen. Gleich nach 12 Uhr traten die Minister paarweise ein und stellten sich nach der Anciennetät auf. Zur Linken des verhüllten Königsthrones verlas der Vicepräsident des Staatsministeriums v. Putlkamer die Eröffnungsrede, welche bei der Schilderung der günstigen Finanzlage, bei Verheißung der Erleichterung der (Kommunal- und Schullasten von lautern Beifall begleitet war. Nach Verlesung derselben brachte der Herzog von Ratibor, Präsident des Herrenhauses ein dreifaches Hoch auf Se. Majestät den Kaiser aus. Berlin, 14. Januar. Das Herrenhaus sowie das Abgeordnetenhaus beschlossen in der heutigen ersten Sitzung die Absendung von Telegrammen an Se. König!. Hoheit den Kronprinzen, welche die innigste aufrichtigste Theilnahme und die feste Hoffnung aussprechen, den Kronprinzen baldigst genesen und in die Heimath zurückkehren zu sehen. Das Herrenhaus wählte zum Prästdenten den Herzog von Ratibor, Herrn von Richow-Plessow zum ersten und Herrn Ober-Bürgermeister Miquel von Frankfurt a. M. zum zweiten Viceprästdenten. Die Präsidentenwahl der Abgeordnetenhauses findet am Montag statt. Nächste Sitzung des Herrenhauses Montag 12 Uhr Mittags. Tagesordnung: Geschäftliche Mittheilungen. Straßburg i. E., 14. Januar. Der Landesausschuß von Elsaß - Lothringen . Ist durch kailerliche Verordnung auf den 26. d. M. einberufen. Hestcrreich. Wien, 14. Januar. Das „Fremdenblatt" konstatirt auf Grund vorliegender russischer Zeitungsstimmen, daß die in verschiedenen Blättern aufgetauchte Idee, mit der Entfernung des Prinzen Ferdinand aus Bulgarien sei die Entwirrung der bulgarischen Schwierigkeiten in Angriff zu nehmen, in den russischen Blättern keine unbedingte Zustimmung finde; vielmehr werde in Petersburger Organen der Annahme entgegen getreten , daß damit allein irgend ein die öffentliche Meinung Rußlands beruhigendes Resultat erzielt werden könne. Arankreich. Pari-, 15. Januar. Der „Temps" fordert die Regierung auf, bei der morgenden Berathung der Interpellation Lamarzelle über das Verhalten des Pariser Gemeinderaths während der jüngsten Präsidentschafts-Krisis die Uebergriffe des Gemeindsraths auf das Entschiedenste zurückzuweisen. Italien. Nom, 14. Januar. Der Papst verlieh dem Grasen Brühl - Pförten das Großkreuz des Piusordens, dem Abgesandten des Königs von Sachsen das Großkreuz des Gregorsordens und dem Abgesandten des Königs von Württemberg das Commandeurkreuz des Piusordens. Rom, 15. Januar. Heute hat hier die feierliche Heiligsprechung der 7 Gründer des Seroitenordens und der Jesuitenpatres Peter Claver, Johann Berchmans und Alphons Rodriguez stattgefunden. Belgien. Brüssel, 14. Januar. Das „Mouvement göographique" veröffentlicht ein Telegramm Schweinfurth's aus Eairo, worin derselbe die Meldung eines Blattes, daß er von Stanley Nachrichten erhalten habe, für unrichtig erklärt, Rußland. Petersburg, 14. Januar. Ter Kaiser hielt beim Neujahrsempfang keine Ansprache. Er unterhielt sich beim Empfange der Diplomaten huldvollst mit einzelnen Persönlichkeiten, unter Anderen längere Zeit mit dem deutschen Botschafter t. Schweinitz. Petersburg, 15. Januar. Das „Journal de St. Pötersbourg" sagt, das Programm des Ftnanzministers Wischnegradski bestätige nochmals nicht allein die loyalen friedlichen Absichten der Regierung, sondern auch ihr Vertrauen darauf, daß ber Friede auf lange Zeit erhalten werden könne, wenn die Integrität, die Würde, die Ehre und die Interessen Rußlands geschützt würden. Ohne Zweifel könne keine Regierung für die Aufrechthaltung des Friedens auf bestimmte Zeit eine absolute Garantie gewährleisten; dieser Vorbehalt sei vollständig natürlich. Bis jetzt habe die kaiserliche Regierung stets ihre Politik des Friedens unter Bedingungen bethätigt und ausgesprochen, deren Wichtigkeit Niemand habe entgehen können. Es habe das auch den besten Eindruck auf das Ausland gemacht. Zu wünschen sei daher, daß die auswärtigen Zeitungen und deren Leser nicht weiterhin die Opfer alarmirender und spekulativer Erfindungen würden. Bulgarien. Sofia, 14. Januar. Bei dem gestrigen Neujahrsempfange erwiderte Prinz Ferdinand auf die Glückwünsche des Ministerraths: Die Regierung könne sich zu den erreichten Resultaten beglückwünschen; die nationale Existenz habe ihre definitive Stellung wiedergefunden und die Bevölkerung die gewohnte Beschäftigung wieder aufgenommen im Vertrauen auf das Kabinet und dessen festen Patriotismus. Die Armee fühle sich stark, um allen Eventualitäten der Zukunft zu begegnen; er (der Prinz) sei mit seinem Denken und Fühlen Bulgare geworden. So hätte das Land mit Gottes Hilfe ein neues schönes Blatt seiner Geschichte hinzugefügt. Auf die Glückwünsche der Armee antwortete der Prinz: Gebunden durch einen heiligen Eid, werde er seine Sache niemals von derjenigen Bulgariens trennen; mit einer Armee, wie der bulgarischen, könne man Alles wagen, ihre glorreiche Vergangenheit sei eine Garantie für künftige Erfolge; wenn er im laufenden Jahre gezwungen sein sollte, bas Schwert zu ziehen, würde die bulgarische Armee unter der Führung ihres Fürsten der Welt zeigen, daß die Bulgaren zu sterben wissen für die Ehre ihrer Fahne und die Vertheidigung des Vaterlandes. Abends fand ein großes Diner im Palais statt. 8 o k 6 l e H. Gießen, 16. Januar. (Feier des 50jährigen Bestehens der Handwerkerschule.) In den Zcichensälen des Schulhauses am Asterweg waren gestern und vorgestern die Zeichnungen und Modellirarbeiten dermaliger und früherer Schüler der hiesigen Handwerkerschule ausgestellt und lohnte sich ein Besuch dieser Ausstellung schon um deßwillen, weil in derselben Gelegenheit gegeben war, namentlich Arbeiten früherer Schüler, die in den Kreisen der Industriellen, Künstler und Handwerker heute eine hervorragende Stellung einnehmen, kennen zu lernen. Die Ausstellung war denn auch, soweit es der zur Verfügung stehende Raum gestattete, eine sehr mannigfaltige. Fast alle Berufsklaffen (und welcher Beruf fordert heut zu Tage nicht Kenntniß des Zeichnens als Ausdruck des in ihm gesuchten Sinnes für Formenschönheit?) waren vertreten. Konnten auch nicht alle ausgestellten Arbeiten das Prädikat vorzüglich beanspruchen, so muß doch com'tatirt werden, daß mit Lust und Liebe und mit bestem Können an ihnen gearbeitet worden. Schüler, die oft stundenweit vom Lande hereinkommm. haben Arbeiten geliefert, die die Aussicht gestatten, daß auch auf dem Lande sich ein Handwerkerstand heranbildet, auf welchen man stolz fein kann. Gerade in Bezug auf die Frequenz der Zeichenschule Seitens der ländlichen Handwerkslehrlinge und Gesellen und die von denselben gefertigten Arbeiten konnte man die Wahrnehmung nicht unterdrücken, daß der Procentsatz derselben gegenüber den Schülern aus der Stadt ein besonders hoher ist, daß gerade auf dem Lande verhältnißmäßig mehr Lust und Liebe zum gewerblichen Fortbilden durch Theilnahme an gutem Unterricht vorhanden, als in der Stadt, woselbst die jungen Leute mehr von allerhand Tändeleien und Vergnügungen, die ihrem Alter nicht angepaßt sind, in Anspruch genommen werden resp. sich diesen mehr hingeben als auf dem Lande. Möchte auch dieses Mtßverhaltniß sich zum Besten wenden. Dieser gewissermaßen als Vorfeier des Jubiläums geltenden Ausstellung folgte am Nachmittage des gestrigen Sonntags die eigentliche Feier, welche im Saale auf Lony's Bierkcller stattfand. Der Saal vermochte die Erschienenen, unter welchen sich als Eingeladene die Vertreter der verschiedenen Behörden, der Landesuniversität, der Stadtoorstand u. s. w. befanden, kaum zu fassen, als nach 4 Uhr Herr Geh. Baurath Prof. Dr. v. Ritgen die Festlichkeit eröffnete und Namens des Gewerbevereins die Anwesenden bewillkommnete. Herr Geh. Baurath Prof. v. Ritgen gab in seiner Einleitung einen Ueberblick über das Entstehen der Handwerkerschule, an deren Gründung er vor 50 Jahren mitgeholfen, an welcher er, als der damals einer kleinen Schülerzahl vorstehende Lehrer die Arbeit allein nicht bewältigen konnte, thätig mit eingriff und durch mehrere Jahre .selbst mit als Lehrer fungirte. Heute noch, in seinem hohen Aller, sei ihm die Sache an's Herz gewachsen, zumal wenn er den damaligen Stand derselben sich vergegenwärtige mit dem heutigen. Heute zähle die Schule 5 Lehrer und zwischen 330—340 Schüler. Ein das Bestreben und das Wirken der Handwerkerschule in hohem Grade ehrendes Schreiben des Herrn Rectors der Landesuniversität, welches Redner verlas und das in dem Wunsche gipfelte, daß auch in Zukunft tüchtige Handwerker ans der Schule hervorgehen möchten, denn Handwerk habe goldenen Boden, gab Herrn Geh. Baurath v. Ritgen Gelegenheit, in Bezug auf den letzteren Satz einige Episoden aus seinem Leben oorzuführen, welche denselben rechtfertigten. Mit einer an die Schüler gerichteten Ansprache, in welcher dieselben aufgefordert wurden, sich alle Tugenden einer tüchtigen Handwerkerstandes anzueignen, nicht zu erlahmen, wenn ihnen das Glück auch nicht immer lächele und mit dem Wunsche, daß Alle Zufriedenheit finden möchten mit der Arbeit, die sie selbst geleistet, gab Herr o. Ritgen Herrn Professor vr. Buchner das Wort zur Festrede. Herr Professor vr. Buchner führte aus, daß der einzelne Mensch, der auf eine Lebenszeit von 50 Jahren zurückblicke, damit auch den besten Theil seines Lebens überschaue, in dem er die Hoffnung seiner Jugend feste Gestalt annebmeii sah. Anders fei dies bei einer Gesellschaft von Menschen, für welche eine Periode von 50 Jahren noch lange nicht das Ende der Jugendzeit fei, in welcher es aber auch nicht an Irrungen und Täuschungen fehle, die man ganz wohl mit den Kinderkrankheiten vergleichen könne. Wohl der Gesellschaft, die sie im kräftigen Ringen zu überwältigen weiß, im anderen Falle folge unrettbar der Tod. Auch der Handwerkerschule gezieme es, Rückschau am Schlüsse ihres ersten 50jährigen Bestehens zu halten, und wenn dieser Anstalt auch nicht immer Heller Sonnenschein erglänzte, wenn auch sie schwere Zeiten zu durchkämpfen hatte, fo seien doch die bedrohlichen Zustände überwunden und die Anstalt könne mit Vertrauen in die Zukunft blicken. — Ein Blick auf das Aussehen unserer Stadt genüge, um den Eindruck zu gewinnen, daß dieses Aussehen jetzt ein ganz anderes sei, verglichen mit demjenigen vor 50 Jahren. Die Stadt, damals eingeschränkt auf den Raum innerhalb der abgetragenen Festungsmauern, bot in ihren engen und krummen Straßen, kleinen Häusern, schlechtem Pflaster und den sich in den Straßen bewegenden, von der Weide zurückkehrenden oder nach derselben hinziehenden Vieh- heerden, ein Bild ländlicher Zustände. Die Häuser selbst hatten kleine, niedrige Zimmer mit noch kleineren Fenstern, das schlechteste Gelaß, das nicht bewohnt werden konnte, war immer noch gut genug zur Werkstatt, wenn auch nur ein Lehrjunge darin aufrecht stehen konnte, und nun erst die Beleuchtung; wenn nicht mehr das billige Tageslicht in diese Höhlen eindrang, so war das Licht der damals benutzten Lampen ein geradezu schreckliches. — Wie ganz anders sei es jetzt, die Siadt hat sich mächtig erweitert, in den Hauptstraßen der inneren Stadt wenigstens sind an Stelle der kleinen Häuschen geschmackvolle und schöne Wohnhäuser gebaut worden, ein gutes Pflaster erleichtert auch bei schlechtem Wetter den Verkehr. Für Beleuchtung ist allenthalben gesorgt, in Häusern, Werkstätten, Fabrikräumen und auf der Straße. Nicht nur dem Zweckmäßigen, auch dem schönen begegne man auf Schritt und Tritt. Die Anstalt, die Handwerkerschule, könne sich schmeicheln, nicht wenig zu dieser günstigen Veränderung beigetragen zu haben, war e§ doch von Anfang an ihre Aufgabe, den Geschmack der jungen Handwerker zu bilden und dem Schönen zuzuwenden. Die erste Anregung hierzu ging zwar nicht aus den Kreisen der Bürgerschaft und des Handwerks hervor, vielmehr war es der Bauinkifter Hofmann, der bei Ausführung von Bauten erfahren mußte, daß die Handwerker fein Verständniß für Zeichnungen hatten. Um diesem Mangel abzuhelfen, veranlaßte Hofmann die Gründung einer Handwerkerschule, die denn auch am 14. Januar 1838 mit 28 Schülern eröffnet «vurde. Die Kosten trug der Landes- gewerbverein, der Unterricht war kostenlos. Drei Jahre später enlftanb der hiesige Localgewerbverein, der die Aufsicht über die Schule übernahm. Eine Abendschule entstand auf Anregung des Schlossermeisters Burkhardt im Jahre 1842. 1846 wurden beide Schulen vereinigt, bis im Jahre 1877 die Umbildung in eine erweiterte Hand- werkerschule stattfand. Die Anzahl Der Schüler war in den verflossenen 50 Jahren eine sehr wechselnde. (Redner wies das Steigen und Fallen der Schülerzahl an einer gezeichneten und ausgestellten Kurve nach, deren Erklärung er mit den Worten schloß, daß er nicht wisse, was spater folge, es sei Sache desHerrn Hauptlehrer Archiiekt Hug, in den nächsten 50 Jahren die Aufzeichnungen zu ergänzen.) Die politischen Wirren der 50er Jahre, sowie die späteren Kriege hatten erheblichen Einfluß auf den Besuch der Schule, nicht minder die oft wechselnden Schulräume. Möchte es der Anstalt gelingen, in der 2. Hälfte des Jahrhunderts ihres Bestehens ein besonderes Gebäude, das neu und ganz ihren Zwecken gewidmet sei, zu erwerben. In den verflossenen 50 Jahren waren an der Schule 10 Lehrer thätig, 4 sind es noch, alle haben ihre Schuldigkeit gethan, allen gebühre Dank. Wenn man bedenke, daß keinerlei Schulzwang herrsche, daß viele Schüler nach einer Woche schwerer Arbeit am Sonntag Bleistift und Zirkel handhaben sollen, daß sie, die früher hierzu.keine Gelegenheit hatten, diejenigen Kennt- nisse sich sammeln, die sie zu ihrem Berufe bedürfen, bei oft ungünstigem Wetter aus den Nachbardorfern kommen, um hier zu lernen, so gebühre auch den Schülern volles Lob; man könne nur freudig auf den jungen Handwerkerstand blicken, der trotz mancher Unbequemlichkeiten zielbewußt an der Ausbildung seiner Kenntnisse arbeite. Lobend rCrJ?i . v trotz mangelhafter Vorbildung vieler Schüler Ungezogenheiten oder Widersetzlichkeiten kaum jemals vorgekommen. Die trefflichen Leistungen der Schule wurden auch von hoher Centralstelle lobend anerkannt, die feit 12 Jahren in verschiedenen Städten des Großherzogthums (in Gießen 1881 u. 1884) stattgehabten Ausstellungen von Zeichnungen babtn, von Sachverständigen begutachtet, allenthalben Lehrern und Schulern das beste Lob eingebracht; auch jetzt sei wieder Gelegenheit geboten, ptefe3 Lob zu bestätigen, bei der Ausstellung von Zeichnungen und Modellirarbeiten bei der ictzigen festlichen Gelegenheit. Wenn so die Anstalt mit Befriedigung auf die 50 Jahre zurückblicken könne, so sei dies vorzugsweise zu danken der allezeit kräftigen Unterstützung durch die hohe Eentralstelle des Landesgewcrbvereins. Die Erfolge kämen dabei wesentlich unserer Stadt zu Gute, dies werde auch von den Vätern der Stadt allezeit anerkannt. Mit Dank müsse hervorgehoben werden, daß der Handwerkerschule vom Gemeinderath nicht nur die L-chulräumlichketten, sondern auch Heizung und Beleuchtung derselben kostenfrei und dazu auch noch in letzter Zeit eine Geldunterftützuna von 500 bewilligt wurde, desgleichen müsse der Spar- und Leihkasse, welche durch jährliche Geldbeiträge die Bestrebungen der Anstatt unterstütze, herzlicher Dank abgeftattet werden. Ebenso gebühre Dank den Vorgesetzten derjenigen ihre Militärpflicht ab- solvirenden Schuler, welche den letzteren den zur Theilnahme am Unterricht erforderlichen Urlaub bewilligten. Schwer wäre es, ein Ende zu finden, wolle man allen den Männern danken, welche stets mit ihrer Kraft und Zeit für die Anstatt eintraten Aber ein es Mannes müsse man gedenken, der einzige, der fett der Gründung der Anstatt und des Gewerbvereins diesem unwandelbar treu blieb bis in sein hohes Atter dieser Mann sei der Vorsitzende des hiesigenLocalgewerbvereins, Herr Geh. Baurat^ Prof. v. Ritgen. Er könne sicher auf die unverbrüchliche und unwandelbare Dank- barfeit des Gewerbverelns und der Handwerkerschule rechnen, allezeit würde man feiner in dankbarer Anerkennung gedenken. Herr Prof. Dr. Buchner schloß unter dem Beifall der Anwesenden seine Rede mit dem Wunsche, daß die Anstalt weiterhin wachsen und gedeihen möge zum Segen für ihre Schüler und zum Wohle unserer Stadt. Möchte nicht nur in Handwerkerkreisen allem, sondern bei der gesammten Bevölkerung Gießens sich eine klare und bestimmte Ueber- zeugung ausbilden/ daß die Blüthe einer Stadt auch von dem Blühen des Handwerks abhängt, daß letzteres aber nicht erreicht werden könne ohne gründliche Kenntnisse im Zeichnen und in den Gesetzen der Schönheit! , _ _ Hierauf ergriff der Generalsekretär der Centralstelle des Landesgewerbevereins, Herr Dr. Hesffe aus Darmstadt, das Wort, um zu constatiren, daß die Schulen des Handwerker- Vereins sich in einem Zustande befänden, mit welchem man zufrieden sein könne. Die Ausstellung von Lehrlingsarbeiten in Darmstadt im Jahre 1887 sei auch von außerhalb Hessens gelegenen Theilen besucht gewesen, in den hierüber veröffentlichten Berichten sowie in den an den Centralvorstand gerichteten Schreiben, u. A. aus Oesterreich-Ungarn, habe man sich mit größter Befriedigung geäußert über ihre Leistungen, namentlich habe man die Prinzipien der Lehrlingsarbeiten-Ausstellung lobend erwähnt. An Stelle des verhinderten Präsidenten des Landesgewerbevereins überbringe er die Grüße des letzteren und die Wünsche für das fernere Blühen, Wachsen und Gedeihen der Anstalt. — Herr Beigeordneter Gnauth spricht Namens der Stadt feine Befriedigung über die Bestrebungen der Handwerkerschule aus; Stadt und Bürgerschaft hätten allen Grund, mit deren Leistungen zufrieden zu sein, die Fortschritte der Stadt zeugten von den Fortschritten und dem Streben der Anstalt. Seien auch die der Schule zu Gebote stehenden Lokale nicht immer so gewesen, wie sie hätten sein sollen, für die Zukunft dürfe man auch hierin das Beste hoffen. Der Stadtvorstand sei der herzlichen Einladung des Gewerbevereins mit Dank gefolgt, er (Redner) habe den Versammelten noch mitzutheilen, daß der Stadtvorstand beschlossen habe, dem Verein zur Anschaffung von Modellen für den Zeichenunterricht einen Credit von 100 Mark zu bewilligen. Er füge dieser Mittheilung den Wunsch für das fernere Gedeihen der Anstalt bei. — Herr Realschuldirektor Rod nagel überbringt die Glückwünsche der Realschule und des Realgymnasiums. Die Lehrerschaft dieser Schulen habe ganz besonderen Antheil an den Bestrebungen der Haudwerkerschulen. So verschieden auch die Ziele der Schule seien, in dem Bestreben nach Förderung des Schönen und Guten seien sie eins. In diesem Bewußtsein begrüße die Realschule die Handwerkerschule. Redner fügte dem Wunsche für das Wachsen, Blühen und Gedeihen der letzteren den Wunsch bei, daß der Handwerkerschule in Zukunft ausgedehntere Räumlichkeiten zur Verfügung stehen mochten. — Herr Direktor Schiele als 2. Vorsitzender des Gewerbevereins ergreft hierauf das Wort, um mitzutheilen, daß der Vorstand des Localgewerbevereins Gießen beschlossen habe, Herrn Geh. Baurath Professor von Ritgen in Anerkennung der Verdienste, die derselbe seit so langen Jahren um den Verein und die Haudwerkerschule sich erworben, zum Ehrenpräsidenten zu ernennen. Er theile diesen Beschluß des Vorstandes hierdurch mit, das Diplom werde dem geehrten Herrn Ehrenpräsidenten später überreicht werden. — Herr Geh. Baurath von Ritgen dankte in tiefempfundenen Worten für diese Ehre; soviel er vermöge, wolle er auch in Zukunft für die Schule und den Verein thätig fein. — Herr Architekt Hug theilte fubann mit, daß die Preise für die in Darmstadt prämiirten Lehrlingsaibeiten jetzt vertheilt werden würden. Die erschienenen Lehrlinge (wir haben die Namen derselben bereits in Nr. 287 vom vorigen Jahre veröffentlicht) nahmen hierauf der Reihe nach aus den Händen des Herrn v. R it g en, welcher an jeden der Lehrlinge einige beherzigende Worte richtete, die Preise, unter welchen recht werthvolle und nützliche Gegenstände sich befanden, entgegen. Damit war der offizielle Theil des Festes geschlossen und die Theil- nehmer vereinigten sich zu einem gemüthlichen Commers bei einem Glas Bier und Musik. Die Reihe der Toaste eröffnete Herr Geh. Baurath Prof. v. Nitgen mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und Se. Kgl. Hoheit den Großherzog, der'so viel Antheil an allen Schulen des Landes habe. — Herr Renter Aug. Heß brachte der Centralstelle des Landesgewerbevereins ein Hoch aus. — Herr Dr. Molly toastete auf den gesammten Stadtoorstand, welcher es durch seine der Anstalt zugewandten Unterstützungen ermöglichte, daß die Handwerkerschule nicht nur blühe und gi-deihe, sondern auch schön so gute Früchte getragen habe. — Herr Commerzienrath Noll gedenkt des in der Ferne weilenden Kronprinzen, fein Hoch galt der baldigen und gesunden Wiederkehr S. Kgl. Hoheit des Kronprinzen. — Herr Gaswerkdirektor Bergen widmet seinen Trink- spruch dem hochverdienten Herrn Prof v. Ritgen, der mit kuirftgeübter Hand und in so segensreicher Weise für die Haudwerkerschule und den Gewerbeverein thätig gewesen sei, dem es zu danken sei, daß die Zeichenschule auf ihrem jetzigen Standpunkte stehe. Mit dem wärmsten Dank für die segensreiche Thätigkeit deS Herrn v. Ritgen spreche er den Wunsch aus, daß es diesem vergönnt sein möge, noch lange, bis an die äußerste Grenze menschlichen Daseins, in seitheriger Weise thätig zu fein. — Herr Geh. Baurath Professor v. Ritgen toastete auf die Lehrerschaft mit Herrn Hug an der Spitze, welche sich namentlich um die Ausstellung so verdient gemacht habe. Ihm ^Redner) sei das Geleistete nur mit Hülfe der vorzüglichen Lehrer möglich gewesen. — Herr Generalsecretär Dr. Hesse bringt ein Hoch auf den Localgewerbeverein Gießen aus, für das der Großh. Centralstelle ausgebrachte Hoch fühle er sich verpslchtet, den besten Dank auszusprechen. Wenn die Be- urtheilung der Leistungen der Schule eine so günstige gewesen, so sei dies nächst den Lehrern auch den Localoereinen zu danken, deren Wirken durch die Ausstellung in Darmstadt ■in so schöner Weise zum Ausdruck gekommen sei. — Herr Professor Dr. Buchner gedenkt nunmehr in launigen Worten der Schüler der Handwerkerschule. Auf die Thätigkeit der Schule bezügliche und auch sonstige Toaste seien auSgebracht worden, was wolle man aber mit einer Schule, wenn sie keine Schüler habe, er hätte es gern gesehen, wenn zuerst die Schüler und dann die Lehrer gefeiert worden wären; wenn die Lehrer zuerst gekommen, nun gut, sie seien älter. Wir haben gesehen, daß wir tüchtige Schüler haben, die es sich angelegen fein lassen, durch gute Leistungen den Kampf um's Dasein aufzunehmen. Wer diesen Kampf nicht bestehe, raisonnire über die Schule, raifonnire über andere, aber nie über sich selbst. Zu den Schülern gewendet, sagte Herr Prof. Dr. Buchner: „Euch, die Ihr Schüler seid und die Ihr Meister werden wollt, Euch bringt nur Fleiß, Treue, Redlichkeit und Zuverlässigkeit vorwärts. Die Schüler der Haudwerkerschule leben hoch!" —Herr Stadtverordneter Petri bringt ein Hoch aus auf den Vorstand des Local- gewerbevereins, ohne welchen die Schule nicht zu dem Erreichten gekommen sei. Unter Absingen verschiedener Festlieder entwickelte sich bald eine allgemeine Heiterkeit, unter welcher bad Fest gewiß zur Zufriedenheit aller Theilnehmer seinen Abschluß fand. — [S-oncert.] Es ist ein glücklicher Griff, in den Cyclus der Concerte einen Abend für Streichquartett allein einzufügen. Sinn und Verständniß für diese Seite der Musikliteratur sind bei der heutigen Ueberproduction in Clavier und Gesang leider nur bei Wenigen zu finden. Die Münchener Künstler spielten Haydn op. 64 Nr. 1 in D-dur, Schumann op. 41 Nr. 2 in F-dur und Beethoven op. 59 Nr. 3 in C-dur. Die Wahl des Schumann'schen Werkes, das bei seinen enormen Schwierigkeiten wohl kaum in Dileitantenkreisen gespielt wird, war beiouders daukenswerth. gtur schade, daß es bei seinem zum Theil schon im mysteriösen 2, namentlich aber im 3., 4. Satze schweroerständlichen Inhalt auch noch so undankbar für 'die Instrumente geschrieben ist. Die Große und Ausführung der oft orchestralen, aber auch excentrischen Gedanken sprengt im Großen und Ganzen die dem Quartett gezogenen Grenzen. Welcher Gegensatz zu dem urgesunden Haydn'ichen Werke, das durchsichtig gearbeitet, melodiös ohne Trivialitäten, der reine Typus des Streichquartetts, einen ungetrübten Genuß bereitete 1 Das Beethooen'sche Werk erschien neben dem modernen, coloritreichen Schumann mehr als ein Weik, dessen Grötze sich (abgesehen vom Andante) hinter der streng logisch gegliederten Form barg. Das Münchener Quartett selbst besitzt vor Allem einen ausgezeichneten 1. Violinisten, der mit seiner Stradivari seine Partner, obgleich auch tüchtige Spieler, gewaltig überragt. Dadurch, daß die anderen Instrumente zuweilen zu wenig bervortraten, waren die Leistungen nicht so ausgeglichen, wie bei dem Leipziger Quartett, doch vorzüglich genug, um den reichen Beifall zu verdienen. Der Inhalt der raschen iLätze schien uns mitunter unter überhastetem Tempo zu leiden. Gießen, 16. Jan. (Turnverein.) Auf den beute Abend im Eaf4 Schnell stattfindenden Vortrag über: „Welchen Einfluß hat das Turnen auf den geistigen sowohl wie auf den physischen Menschen und wie ist es demgemäß zu betreiben?* sei hiermit nochmals aufmerksam gemacht. Es ist gewiß dankbar auzuerkcnnen, daß der Vorstand durch Gewinnung einer geeigneten Kraft zu obigem Vortrage und in dem Bemühen, auch auf diesem (gebiete den Mitgliedern des Vereins etwas iu bringen, zur Förderung der Vereinsinteressen beitragen will. Gleichzeitig dürfte hier her Wunsch ausgesprochen sein, daß Derartiges öfters den Mitgliedern geboten werden möge, was wohl, in Anbetracht, daß Gießen eine Universitätsstadt und als solche gewiß keinen Mangel an geeigneten Kräften zn einem interessanten, populär gehaltenen Vortrag hat, zu ermöglichen sein dürfte. Möge das schöne Beispiel des Vortragenden Nachahmung finden! Die Mitglieder des Vereins aber mögen durch zahlreiches Erscheinen ihre Dankbarkeit dem Vortragenden bezeugen. x- Gießen, 16. Jan. Nachdem die letzten Wochen in gehöriger Abwechslung eine Fülle von Schnee nebst anhaltender Kälte, sowie das unausbleibliche Thauwettcr gebracht haben, konnte man sich auch einmal gestern eines prächtigen Wintertages bei geringer Kälte und Hellem Sonnenschein erfreuen. Die günstige Gelegenheit, wieder trockenen Boden unter den Füßen und blauen Himmel über sich zu haben, ließen denn auch Viele nicht unbenutzt vorübergehen und eine Menge Spaziergänger wanderten in den Nachmittagsstiuiden zur Stadt hinaus, um sich in frischer Lust zu ergehen. Groß war auch die Zahl Derjenigen, welche sich auf der Eisbahn dem Vergnügen des Schlittschuhlaufens Hingaben und selbstverständlich war is die junge Welt, die sich dort tummelte und in fröhtchem Treiben die Stunden ausnutzte. Bei eingetretener Dunkelheit wogte es in den Straßen von den von Eisbahn und Spaziergängen Heimkehrenden. Gießen, 16. Januar. sTheater.j Die Aufführung des Kaufmann von Venedig, welcher man in unseren kunstverständigen Kreisen seit Langern mit gespanntem Interesse entgegensieht, findet heute Abend statt. Die wunderbare Dichtung des großen Britten ist mit außerordentlichem Fleiße einstudirt und gehört mit zu den besten Leistungen der Nudolph'schen Gesellschaft. Wir wollen daher nicht verfehlen, auf diesen genußreichen Abend besonders aufmerksam gemacht zu haben, denn Shakespeares „Kaufmann von Venedig" ist längstens Gemeingut der gelammten gebildeten Welt geworden. Außer dem „Kaufmann von Venedig" finden nur noch drei Vorstellungen statt, da uns die Rudolph'sche Gesellschaft bereits am nächsten Montag verläßt. Gießen, 16. Januar. Eine am 24. December v. I. dahier entwendete Taschenuhr wurde am 14. d. M. beim Feilbieten durch die Schutzmannschaft angehalten und der Dieb in.der Person des Taglöhners und ehemaligen Kutschers Karl Ernst aus Willstädt, ermittelt und verhaftet. Gießen, 16. Januar. Die heute zur Ausgabe gelangte Nr. 1 der Verwal- tungsblütter hat folgenden Inhalt: 1. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofes in Sachen betreffend die Klage des Karl Seyfried zu Bensheim gegen den Großh. Fiscus wegen Forderung, hier Eompetenzconflict. 2. Entscheidung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz betr. die Beanstandung der Beigeordnetenwahl zu Herchenhain. 3. Entscheidung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz betr. Necurs des Johännes Peppler III. zu Großen-Ltndcn wegen verweigerter Wirthschasts- concession. 4. Oeffeutliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen vom 10. December 1887. 5. Anbringung von Fenstern in Brandmauern. 6. Entscheidung des Reichsgerichts. 7. Verschiedenes. Abonnements auf die SBerroaltungSblätter nimmt die Expedition des Gießener Anzeiger entgegen und zwar für die Abonnenten letzteren Blattes zum ermäßigten Preise von 50 pro Quartal. Gingesandt. Gießen, 16. Januar Mit Genugthuung ist es zu constatiren, daß heutzutage sehr viel zum Besten der Thiere geschieht. Gleichwohl ist noch viel zu thun übrig, wenn deren Lage erträglich werden soll. In vielen Fällen geschieht es lediglich aus Unüberlegtheit, daß gerade unsere edelsten Hausthiere Qualen preisgegeben werden, die als unverantwortlich angesehen werden müßten, wenn sich die Besitzer über deren Grad nur einigermaßen klar wären. Ist es z. B. begreiflich, daß man vielfach den Pferden, um ihnen ein schöneres Aussehen zu geben, im Winter die Haare abscheert und sie in diesem Zustande der Kälte aussetzt, während man sie im warmen Stalle mit Decken belegt ? Würde der Besitzer bedenken, daß den Thieren nicht besser zu Muthe sein kann, als ihm selbst, wenn man ihn ohne Kleider und Hemd auf die Straße führen würde, er würde sicher Uch davon absehen, den Pferden das warme Kleid, welches ihnen die Natur wohlweislich im Winter wachsen läßt, auszuziehen. Gewiß genügt diese Anregung, um viele edle Thiere künftig vor unnützer Quälerei zu bewahren. Eandel »nD StrftNt. Grünberg, 14. Januar. (Fruchtpresse.) Weizen X 17.90, Korn X 13.60. Gerste X 13.00, Hafer X 12.10, Erbsen X 14.60, Linsen X 00.00, Lein X 26.00 Samen X 00.00, Kartoffeln 0.00, Wicken 00.10 Frankfurt, 14. Januar. Auf dem heutigen Markt kosteten: Kartoffeln per Malter X 0.00—0.00, das Gescheid 12—15 H, Eier das Hundert X 0.00—0.00, daS St. 6—10 X Butter im Großen X 00.00—00.00, im Detail das Pfund X 0.90 bis 1.20, Weißkraut per «stück 20—25 H, Rothkraut per Stück 20—30 H, Kohlrabi per Stück 0—0 H, Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 40—55 Kalbfleisch 40—55 H, Schweinefleisch 65—75 H, Hammelfleisch 40—60 1 Hahn X 0.70—1.50, 1 Huhn X 1.00—2.20, 1 Ente X 1.80-3.00, Gans Pfund 60—00 4, 1 Taube 40—60 4, Welsche X 12.00—00 00. Kirchliche Anzeigen der evsnget. Gemeinde. Heute, Montag Abend 8 Uhr Bibel stunde in der Kleinkinderschule, Markus Kap. 13, von Vers 24 an, Christi Kommen; dieses Geschlecht; Wachet. Pfarrer Dr. Naumann. Mein Wohnhaus mit Ladeneinrichtung und Wcrkffätte ist zu verkaufest. 496 Christian Noll, Kaplansgasse 27. Dienstag früh eintreffend: eine Sendung la. grüner Häringe, frisch vom Fang, vorzüglich zum Braten und Backen, per Pfd. 16 H. 494 A. Koch Nacht., Hamburger Fisch- u. Delicatessen-Handl. 488 Ein zweiter HauSdursche wird gesucht im Hotel „Prinz Carl." Allgemeiner 308 Eine gewandte Verkäuferin für ein Manufacturwaarengeschäft (Landkundschaft) gesucht. Offert, unter J. A. 100 an die Exped. d. Bl erbeten. Der Consumverein Krofdorf - Gleiberg bittet feine Brotlieferung öffentlich aus» Offerten zu richten an 483 beit Vorstand. Morgen Dienstag: 493 Punsch. Anzeiger. 480 Ein hiesige Cigarrenfabrik sucht zu Ostern einen Lehrling mit guten Vorkenntnissen. Offert, u. hl Nr. 11 bef. b. Exp. d Bl. Theater. Wir ersuchen auf diesem Wege nochmals um Aufführung von Maria und Magdalena tm Abonnement. 498^ Ein Kreis ständiger Abonnenten. I" 7908 Stellenfuchcnde jeden Berufs placirt schnell Reuter*» Bureau L Dresden, Reitbahnstr. 25. Freitag, den 20. Januar 1888, Abends 8 Uhr präcise: ErsterOilettanten-Abend in der großen Aula der Universität- 486 462] Mädchen ober Frau für Lauf- dienst gesucht. Ludwigsstraße 14 H. A. Bramm. 503 8 Rmtr. ist an den 485 empfiehlt <>. Klein kenn. alte 101.00, neue 102.20 Telegraphischer Coursbericht der Berliner Börse vom 16. Januar 1888. Oesterr. Creditactien Redaction: A. Scheyda. 138.50 85.40 Gießen, den 16. Januar 1888. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 97.20 103.00 102.00 97.20 107.00 101.10 102.50 105.70 104.70 105.50 Buchen Eichen Erlen Nadel Die 190.87 89.50 77.60 92.00 94 20 103.80 88.50 64.70 9540 13620 2,4 172 2 14 3 174,7 Wellen 100 5320 100 1980 16.10-16.14 16.09-16.12 20.29—20.32 4.16—4.19 mit Eichen-Tritt billig zu verkaufen. Andr. Euler. 504] Junge Rattenpinscher billig abzugeben.Bahnhofstraße 58 I. MrhrUche Eisenbahücu. Mit dem 15. ds. Mts- treten unsere mitteldeutschen Verbandsstationen in direkten Güterverkehr mit verschiedenen Stationen der Lothringischen und Lurembura- Wilhelms-Bahn. Wermischte Anzeigen. 484 Ein Mädchen, welches kochen, und ein Mädchen, das nähen und bügeln kann, alsbald gesucht von Frau Professor Fromme. Alwin Gittermann. Max Hooffacker. Richard Kreißet. Ottokar Richter. Julius Rudolph. Bruno Haase. Selma Hesse. Otto Woisch. Ludwig Mantel. Betty Heigl. Margaretha Bauer. Franz. Rothmeyer. Sbylock, ein Jude Tubal, sein Freund Lanzelot Gobbo, Shylocks Diener Der alte Gobbo,. Lan- zelot's Vater Salerio, ein Bote Leonarda, Dienerin Porzia, eine reiche Erbin Nerissa, ihre Begleiterin Jessica, Shylocks Tochter Hofdame Geißler, Gerichtsvollzieher. P-nA Harrsvursche. ,2 braoer Jungk kann sofort als Hausbursche eintreten bei 4). G. Kleinhenn. Oesterr. Staatsbabn-Actteck 1880 4»/g Russen Oblig. 4% unif. Egypter Oblrg. 20 Francs-Stücke do. in Vi Engl. Souvereigns Dollars in Gold — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. ~ --- ®ie h«»tige Stummer enthält 1 Blatt und 1 Beilage Wo Solms-Braunf. Oblig. 4% Gießener Oblig. 4% Oesterr. Goldrente 41/ß0/o Oesterr. Silberrente 5% Portugiesen Oblig. Darmst. Bank-Actten Geldsorte«. Rmtr. 6 407,4 4 Zusammenkunft Ochsenwiesen. Mermiethungen. 497 2. Stock im Hinterhause pr. Febr. zu vermiethen^ W. Ferber, Lindenplatz. 495 Eine Wohnung, bestehend aus »e^^^rn ist per 1. April zu vermiethen. können Mansardenzimmer, 1 Pferdestall und Gartenantheil mitoer- mrethet werden- __Georg Sock, Marburgerstraße 22. 491] Möbl^ Zimmer, mit oder^öhne Pension, zu verm.^Bleichstraße 21 pari. 490] Laden mit' Wohnung zu vermiethen. Selter sweg 30. Wanda Hagen. Franziska Buisson. Es finden nur noch 4 Vorstellungen statt. IeilgeSotencs. Fische, Geflügel, Käse, Wurst- und Fleischwaaren, alle Conserven und Delicateffen in großer Auswahl 501 ..Kursbericht der Zrankfurter Börse. Reichsbank-Disconto 3°/0 Januar 1888. Franks. Bank.DiSeonto 3°/, Marocco ) Porzia Leo Sydow. ”»n Krrogon Max Heinrich. Antonio, d. Kaufmann von Venedig Bassanio ) r . Graziano / J^me, Lorenzo j ^rcunbe Maulwurf: H^ute Abend bei Allendörfer. 489 Holzversteigerung im Gießener Stadtwalde. Montag d. 23. Januar 1888, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde in den Districten Stolzenmorgen und Zollstockswäldchen nachverzeichnetes Holz versteigert werden: A. Bau-, Werk- und Nutzholz. 1 Buchenstamm mit 0,84 Festmeter, 6 Fichtenstämme „ 7,46 538 Fichtenstangen „ 6,36 „ 3Va% do. .3 er, ti - § x 4°/o Preußische Consols 3V«% do. 4% Nassauer Oblig. 4°/o Bayerische Oblig. 4°/o Badische Oblig. 4% Hessische Oblig. 4% Franks. Hypothbk.-Pfandbr. Disconto-Com.-Antheile „ Laura-Actien ^o/o Ungar. Goldrente 74.40 5% Gemischte Russen Tendenz: still B. Brennholz. Scheith. Knüppelh Stockh. Reish. Rmtr. " 4l/z% Franks. Landwsch. Creditbk.^ Oblig. 4°/o Hamb. Hypothbk.-Pfandbr. O /2°/0 d0. 5% Buderus Oblig. Jede Familie sollte auf die „Thier-Börse“ abonniren nur 30 Pf. das ganz« Vierteljahr, vom Briefträger in die Wohnung gebracht 65 Pf „ nächstgelegenen Postanstalt oder beimBrMräaersÄm“e 6“ “ä 'ä“ «f»i' »nitiatn n>!Em ann'St" Annoncen-Expeditionen nehmen Inserate zum Oriaina^vreis/^ Jlnb f werden an allen Orten Deutschlands, angestellt. Geeignete Bewerber wollen sich melden. Utl& *er werden deßhalb die Bewohner Gießens auf Donnerstag den 19. l. Dl., Abends 8 Ubr, in's Cafö Ebel eingeladen, um zunächst eine Neuwahl des Vorstandes des hiesigen Hülfsvereins 1inbr J?bantn.,übcr die angedeuteten und näher darzulegenden Anträge des Central-Conntö s zu Berlin zu berathen. f. . ^/eich werden Diejenigen, welche zur Hülfeleistung im Kriegsfall bereit art ih»r bieä^ierbe* SU erklären und etwaige Wünsche über die besondere Art ihrer Verwendung kund zu geben. 1 Gießen, den 16. Januar 18S8. Der Vorstand des Zweighülfsvereinr Gießen. ____ Dr. Stammler. Personen: Der Doge v. Venedig Hugo Fischer. Prinz von | Freier b. Marocco / Porzia Leo Svdow. Dienstag, den 28 Februar t.I., Nachmittags 2 Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgericht das dem Heinrich Weidig zweiter zu Offenbach gehörige Grundstück: Flur 44 Nr. 106,8 — 1375 Meter Acker rechts am grünen Weg, öffentlich meistbietend versteigert werden Gießen, den 16. Januar 1888. Großh. Ortsgericht Gießen. Lüdeking.___ 499 Donnerstag, b. 19. Januar, Nachmittags 2 Uhr, soll xm hiesigen Pfandlokale verschiedenes Mobiliar versteigert werden. 487 Horn. Gießen, am 16. Januar 1888. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. _______A. Bramm. 502 Mittwoch, öen 18. Januar l.I., Nachmittags 2 Uhr versteigere ich in meinem Bureau gegen Baarzahlung verschiedene Möbel, 2 Pferde und 1 Kuh. -thifiaqr oag orryreuerstt oUt: öeutsche» Blatter Überho apt; außerdem er, kcheineu^rebersetzungen in zwölf fremde« Cprachea. “ Die Modenwelt. Jllustrirte Zeitung für Toilette und Handarbeiten. Monatlich 2 Nummern. Preis vierteljährlich Jt 1,25 « 75 Kr. Jährlich erscheinen: 24 Nummern mit Toiletten u. Handarbeiten, , enthaltend gegen 2006 ,, J Abbildungen mit Beschreibung, welche das ganze Gebiet der Garderobe und Leibwäsche für Damen. Mädchen und Knaben, wie für das zarter« Kmdesalter umfassen, ebenso die Leib- wasche für Herren und die Bett- und Tischwäsche rc., wie die Handarbeiten in .ihrem ganzen Umfange. 12 Beilagen mit etwa 200 Schnittmuster« für alle Gegenstände der Garderobe und etwa 400 Muster-Vorzeichnungen für Weiß' und Buntstickcrei, NamenS- Chrffren rc. Abonnements werden jederzeit angenommen bei allen Buchhandlungen und Postanstalten. — Probe-Nummern gratis und franko durch di: Expedition, Berlin W. Po sdamer-Stl aße 38; Wien I, Opern- gasse 3._______________ E 2 Harzer Kanarierr-Roller, gute Schlager, billig abzug. Schulstr. 5. Die Nr. 15 enthält: textlich: Seine Frau. Von Moritz von ^HCn “ ^ulen und Krebse. Forts. Roman von August Niemann - Das neue Palais bei Potsdam, der Sommersy des deutschen Kronprinzen 9?OIk99cr