Nr. 2SS. Erstes Blatt. Sonntag den 16. December IHM Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. vureattt Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-. ireiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. >urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher HßeiL l ». ® ««teLT"' 2’““s“”fc 1 1 SA« 1 »«IM ließen, am 15. December 1888. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. ________ Fresenius.__________________ Politische Rundschau Gießen, 15. December. Der BrrndeSrath beschloß in seiner am Donnerstag abgehaltenen Plenarsitzung, die Entwürfe zur Grundbuch-Ordnung und zum allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuche zu veröffentlichen. Der „Hamb. Corresp.", ein Blatt, welches zeitweilig Anschauungen der Berliner Regierungskreise wtedergiebt, bringt einen bemerkenswerthen Artikel über russisch- österreichische Abmachungen im Orient. In dem genannten Blatte wirb betont, daß zwischen Oesterreich und Rußland im Jahre 1876 Verhandlungen über die Abgrenzung der beiderseitigen Interessensphäre aus der Balkanhalbinsel stattgefunden und zu einem direkten Abkommen geführt hätten und erst nach demselben sei das deutsch- österreichische Bündniß infolge der von russischer Sette aus gefallenen Drohungen abgeschlossen worden. Das Blatt läßt durchblicken, daß die deutsche Regierung von diesen österreichisch-russischen Sonderverträgen genaue Kenntntß besitze und sie veröffentlichen werde, wenn die russische Presse mit ihren Verdächtigungen der deutschen Politik nicht aufhöre. — Es nimmt sich das fast wie eine Einleitung zu einer neuen deutsch-russischen Preßfehde aus, die allerdings das Capttel von den Verstimmungen zwischen Berlin und Petersburg nur bereichern würde. Im schweizerische« Nationalrathe wurde der Handelsvertrag mit Oesterreich- Ungarn mit 92 gegen 34 Stimmen und der Zusatzvertrag zum schweizerisch-deutschen Handelsverträge mit 105 gegen 10 Stimmen am Donnerstag nach zweitägigen lebhaften Verhandlungen angenommen. Die höchsten politischen Ehrenstellen der Schweiz sind von der Bundesversammlung am Donnerstag neu besetzt worden. Zum Bundespräsidenten an Stelle des verstorbenen Hartenstein wurde der bisherige Vicepräsident der Eidgenossenschaft, Hammer, welcher in politischer Beziehung der conservativen Richtung angehört, gewählt. Zum Vtcepräsidenten wählte die Bundesversammlung den Radicalen Ruchonnet von Waadt, zum Präsidenten des Bundesgerichtes für 1889/90 Stamm von Schaffhausen und zum Vicepräsidenten Blaesi von Solothurn, beide radical, undenklich wurde zum Ersatz für den verstorbenen Hartenstein zum Mitgliede des Bundesrathes Hauser von Zürich, ebenfalls radical, neugewählt. In der französischen Deputirtenkammer hat das Ministerium Floquet am Donnerstag eine nicht unbebenkltche Schlappe erlitten. Die Kammer lehnte nach langer Beralhung den Handelsvertrag mit Griechenland mit 268 gegen 257 Stimmen ab, obwohl der Minister des Aeußeren, Goblet, den Vertrag warm befürwortete. Die der Regierung nahe stehenden Blätter beeilen sich, die Ursache dieses parlamentarischen Mißerfolges des Cabtnets Floquet als politisch belanglos darzustellen und die Ablehnung des Handelsvertrages auf die Beschwerden der Weinbergsbesitzer im Süden Frankreichs wegen der Einfuhr von Rosinen aus Griechenland zurückzuführen. Die wahre Ursache der Ablehnung des Handelsvertrages dürfte aber wohl in der beginnenden schärferen Stellungnahme der Opportunisten gegen das jetzige radicale Cabinet zu suchen sein. Es muß diesen Herren Alles daran liegen, die Negierung und hiermit die politische Macht in die Hände zu bekommen, um ihre Candidaten bei den in Frankreich im nächsten Jahre bevorstehenden allgemeinen Wahlen mit Erfolg „durchzudrücken". Natürlich muß da vorher das Ministerium Floquet gestürzt werden und hierzu trifft nun die opportunistische Partei ihre Vorbereitungen und es gehört zu ' denselben höchst wahrscheinlich bereits die Stellungnahme der Anhänger Ferry's gegen die Regierung in Sachen des griechischen Handelsvertrages, denn die Opportunisten haben überwiegend gegen den Vertrag gestimmt. Die politischen Folgen dieser Abstimmung werden einstweilen zwar noch nicht sonderlich scharf hervortreten, aber sicher ist wenigstens, daß der Vorgang den Beginn eines parlamentarischen Feldzuges der Opportunisten gegen das Ministerium Floquet bedeutet. Im englischen Parlamente vergeht kaum mehr ein Tag, an welchem nicht die ostafrikanische Frage zur Erörterung gelangte. Auch in der Donnerstagssitzung des Unterhauses gab Unterstaatssecretär Fergusson in Folge einer Anfrage längere Erklärungen über Ostafrika ab, aus denen heroorgeht, daß sich Portugal der englischdeutschen Blokade an der Zanzibarküste nicht angeschlossen hat, sondern dem betreffenden Abkommen nur für den Küstenthetl zwischen der Tungi-Bay und der Pomba-Bay, also für den Bereich der portugiesischen Interessensphäre, beigetreten ist. Weitere Mittheilungen des genannten Regterungsvertreters betrafen den deutsch-zanzibarischen Friedens- und Freundschaftsvertrag vom 20. December 1886 und erklärte Mr. Fergusson, die englische Regierung setze nicht den geringsten Zweifel in die Aufrichtigkeit Deutschlands, die hierbei eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. Schließlich ließ sich der Unterstaatssecretair noch hinsichtlich verschiedener englischer Interessen- und Colonialfragen in Westafrika aus und erörterte er speciell die Angelegenheiten des zwischen der Colonie von Lagos und Kamerun gelegenen britischen Schutzgebietes. Dasselbe wird vermuthltch in eine der Krone England direct unterstehende Colonie umgewandelt werden. Deutscher Reichstag. 15. Plenarsitzung. Freitag, den 14. December 1888, 12 Uhr. Haus und Tribünen sind gut besetzt. Am Bundesrathsttsche: vr. v. Bo etlicher, Graf Herbert Bismarck. , Das Haus tritt in die Tagesordnung ein: Dritte Berathung des deutschschweizerischen Handels-Vertrages. „ , _ „ , .. n Graf v. HoenSbroech (Ctr.): Bei einer stattgehabten Enquete über die Lage deS heimischen Gemüsebaues soll sich die Nothwendigkett eines GemüsezolleS ergeben haben. Es sei bedauerlich, daß der Vertrag so wenig Rücksicht hierauf genommen habe, da die ausländische Eancurrenz den heimischen Obst- und Gemüsebau von Jahr zu Jahr mehr unterdrücke. Abg. Trimborn (Ctr.) wird gegen den Vertrag stimmen, da eine Commissions- berathung, welche eine eingehende Prüfung des Vertrages möglich gemacht hätte, nicht beliebt^ worden ist. Der heimische Markt, der durch den früheren Zollsatz zurückerobert war für die heimische Industrie, wird wieder verloren gehen an die sranzöstsche und schweizerische Concurrenz. Abg. Broemel (bfc.): Für die rheinischeSetden-Jndustrie ist nicht dieHerab- sehung der deutschen Zölle allein bedeutsam, cS kommt dagegen auch die Herabsetzuna des Schweizer Setdenzolles in Betracht. In Zukunft könnte man vielleicht daraus Bedacht nehmen, daß Superphosphate und Wollwaaren, die von uns nach der Schweiz ausgeführt werden, vor einem zu hohen Zoll bewahrt bleiben. Abg. Br. Hammacher (natl.): Die Vorthetle des Vertrages für unsere Industrie überwiegen bet Weitem die Nachtheile. Der Vorwurf der Oberflächlichkeit ist nicht begründet. An der Aufhebung des schweizerischen Zolles auf künstliche Dünger hat die Schweiz selbst das größte Interesse. Vielleicht ließe sich in Zukunft auch die Aushebung der von den deutschen Monteuren in der Schweiz geforderten Steuern ermöglichen. Ebenso erwünscht wären Maßnahmen gegen die Ausnutzung deutscher Patente durch schweizerische Fabrikanten. Staatsfecretär v. Bo etlicher: Die Angelegenheit wegen der von Monteuren verlangten Steuern läßt sich vielleicht auf anderem Wege mit der Schweiz erledigen. Ein besserer Schutz der Patente für unsere Fabrikanten wird sich vielleicht in dem neuen Patentgesetz erreichen lassen. Die Frage wegen des Düngerzolles soll in der Zwischenzeit untersucht werden, ebenso wird sich ja ausweisen, ob die Setden-Jndustrie wirklich Schaden von dem Vertrage hat. Es werden hierüber gewiß die eingehendsten Ermittelungen angestellt werden. Herrn Trimborn kann ich nur bestätigen, daß er sich die möglichste Mühe im Interesse der Setden-Jndustrie gegeben. Abg. Windthorst (Ctr.) erklärt wegen des Setdenzolles gegen den Vertrag stimmen ztt müssen, da die vorgebrachten Bedenken nicht geprüft und die Crefelder Interessenten durch den Vertrag überrumpelt seien. Der Vertrag wird hierauf unverändert angenommen. Ohne Debatte wird die Vorlage betr. die Vorarbeiten zum National-Denkmal in dritter Lesung angenommen. Ebenso wird die Vorlage betr. die Nationalität der Kauffahrteischiffe debatteloS in.dritter Lesung angenommen. Auch der Bundesrathsbeschluß betr. die Aufnahme verschiedener gewerblicher Anstalten in die Zahl der concessionspflichtigen Anlagen wird in dritter Lesung genehmigt. Es folgt die Berathung des Antrags Windthorst, betr. die Bekämpfung des Negerhandels und der Sklavenjagden in Afrika. Der Antragsteller führte aus, daß der Antrag heroorgegangen sei aus der großen Bewegung gegen die Sklaverei, worüber auch die Thronrede eine anerkennenswerte Andeutung enthält. Der Regierung wird es ja angenehm sein, die Meinungen aus dem Hause kennen zu lernen. Seit Jahrhunderten werde die Sklaverei bekämpft und noch immer dauere sie fort. An dem christlichen Princip, daß jeder Mensch das Recht habe, sich fret zu bewegen, müsse festgehalten werden. — Redner deutet auf die bei den Sklavenjagden vorkommenden Grausamkeiten, die von dem Cardinal Lawigerie wahrheitsgetreu geschildert worden sind, hin. Diese Greuel werden nicht enden, bevor die Sklavenhändler zur Raison gebracht sind. Der Antrag soll zu erkennen geben, daß wir bereit sind, die Regierung in allen erforderlichen Maßnahmen zu unterstützen und die erforderlichen Mittel zu bewilligen, um Schritte in dieser Richtung zu thun. Deutschland allein wird nichts ausrichten können, sondern müsse mit den anderen Nationen zusammengehen. Ich glaube nicht in dem Verdacht zu stehen, alles zu billigen, was der Reichskanzler thut (Heiterkeit), aber das uns vorgelegte Weißbuch ergibt, daß der Kanzler auf dem rechten Wege ist. Ein planloses Vorgehen der einzelnen Regierungen würde nicht zum Ziele führen. Der Antrag bezweckt eine Sympathie-Kundgebung mit dem Passus der Thronrede, die volle Initiative müssen wir lediglich und allein der Regierung überlasten; wir xräjudtziren uns keiner Vorlage gegenüber, namentlich auch nicht der ostafrikanischen Vorlage gegenüber. Bei dieser Sache handelt es sich um keinen Parteislandpunkt, um keine Konfession, hier müssen wir einig sein, um der fluchwürdigen Sklaverei entgegenzutreten. (Bravo.) Abg. Woermann (nl.): Dem Anträge werden wir zuftimmen. lieber die kulturhistorische Bedeutung der Sklaverei einige Worte: England ist seit Jahrhunderten der Sklaverei entgegeugetreten und Hal große Opfer hierfür gebracht. An der Westküste Afrikas besitzt England aber nur vier kleine Colonien, die nur ein Achtel der Küsten-Ausdehnung einnehmen. Die großen Erfolge, welche diese Colonien für Englands Industrie und Handel gebracht haben, sind eine Folge der Aufhebung der dortigen Sklaverei. Man sagt, die Aufhebung der Sklaverei bringe feinen Nutzen, das halte ich für falsch. Ueberall, wo die Neger fret geworden sind, haben sie auch gearbeitet. Möglich, daß die ehemaligen Sklaven zur freien Arbeit weniger geeignet find. Immerhin werden von diesen Negern zahlreiche Produkte der europäischen Industrie gebraucht. In zahlreichen Colonien hat sich gezeigt, daß die Neger sehr wohl eine schätzmswerthe Arbeitskraft sind. Afrika ist der Cultur ebenso zugänglich wie etwa Südamerika, und wir werden in wenigen Jahrzehnten in Afrika so weit sein, wie heut in Brasilien, wenn nur erst die Sklaverei beseitigt ist. Redner wendet sich gegen die von dem Abg. Richter aufgestellte Behauptung, daß die Hamburger wohl Colonialpolitik haben, aber nichts bezahlen wollten. Schritte gegen die Negerjagden zu unternehmen, ist wohl Deutschlands Pflicht, aber in welcher Weise dies geschehen soll, das zu erwägen ist Sache der Regierung. (Sehr richtig!) Der Regierung überlasten wir die Initiative. Der englische Gouverneur von Lagos hat in einem Bericht an seine Regierung anerkannt, daß Deutschland dm Welthandel mit England theile. Richten wir uns so ein, daß wir nicht zu spät kommen, wenn Afrika ein völlig für den Handel erschlossener civilisirter Continent fein wird. (Bravo!) . _ , a , . na Abg. v. Helldorff (cons.) ist mit dem Grundgedankm des Antrages ebenfalls einverstanden. Es empfehle sich vielleicht, einen Druck auf die ostafrikanischen Souveräne auszuüben, damit sie den Sklavmhandel im Innern des Landes unterdrückten. Eine geringe Subvention für die ostafrikanische Gesellschaft sei vielleicht angezeigt wenn man nicht m Denjenigen gehört, die sich stets freuen, wenn es einem Deutschen im Auslande schlecht geht. (Sehr richtig! rechts.) Fehler können auf diesem für uns neuen Gebiete wohl vorkommen. Wir können keine Humanitären Zwecke verfolgen wenn wir etwa die Position aufgeben muffen, die wir in Ostafrtka errungen haben' Staatss. Grf. Bismarck: Der Antrag hat in weiten Kreisen lebhafte Genug- thuung heroorgerufcn. lieber die Lage der Dinge in Cftafrifa sind die Herren durch das Weißbuch orienttrt, neuerdings ist Portugal der Btokade betgetreten und hat feine Küste blokirt. (Bravo!) Die Culturmisfion ist dadurch verschärft, daß die arabischen Sklavenhändler sich gegen ihr Oberhaupt den Sultan von Zanzibar empörten. Dieser Sklavenhandel vernichtet alle Cuttur in Afrika. Wir werden auf die rückhaltsloseste Unterstützung Englands, das stets an der Spitze dieser Bewegung gestanden, zu rechnen haben. So lange die Greuel des Sklavenhandels bestehen, ist Afrika Gesittung dem Christenthum und der Eultur entrissen. Das erste Mittel gegen die Sklaverei ist mit der Seeblokade begonnen; nicht genug zu loben ist die Umsicht und Entschlossenheit der Führer der Marine. Auch Frankreich hat neuerdings befriedigende Erklärungen bezüglich seiner Stellung zur Blokade in Ostafrika gegeben, was umso erwünschter ist, als Frankreich früher zwar den Bestrebungen freundlich gegenüberstand, jetzt aber seit geraumer Zeit br Sache fern blieb. Es wird von der Regierung eine Vorlage vorbereitet und es wäre erwünscht, vom Reichstage Andeutung zu erhalten, rote weit die Regierung in dieser Sache gehen kann und wann sie ihr Raum für die Colonialpoltttk gestatten. Die Sklaverei ist unter dem Drucke der Colontalpolitik auch zurückgegangen Zu verwundern ist nur, daß Afrika durch das Treiben der arabischen Sklavenhändler nicht nach mehr entvölkert ist. Die Marine wird allerdings von der Colontalpolitik entlastet werden müssen. Ich hoffe, daß nach einigen Wochen wir eine Vorlage ein- bringen werden, die Ihre Billigung finden wird und die dem deutschen Namen Ehre machen wird. (Bravo!) Abg. Bamberger (bfr.): Gegenüber den abgeschlossenen Verträgen war eigentlich der Antrag überflüssig, zumal die Negierung weiß, daß ihr die Zustimmung des Reichstages in solchen Dingen sicher ist. Wir haben das durch rückhaltlose Parteinahme für Nordamerika im Kampfe gegen die Südstaaten wegen der Sklaveteibefreiung anerkannt. Dem Anträge werden wir deshalb nicht zustimmen. Man wird diese edlen Dinge verquicken mit anderen eigennützigen Dingen. Heut lobt man England wie oft hat man es getadelt und angegriffen. Wir können leicht in denselben Verdacht kommen, dem England Jahre lang ausgesetzt war, daß hinter solchen Dingen nur 3ntereffenpolittf stecke. Dle Reden der Herren Wörmann und o. Helldorff gehen über den Nahmen hinaus, den der Kanzler für die Colonialpolitik gezogen, so daß die Re- glerung spater sich auf die von der Volksvertretung laut gewordenen Wünsche berufen kann. Wir können eine Erweiterung des Rahmens der Colonialpolitik nicht billigen, 'O lange uns nicht die Notbwendigkelt dazu durch eine Veränderung der Lage unserer !in!Se 0e&ra$t ist. Afrika ist für Colonisation nicht geeignet Wer aber mit Musik in s Geschäft geht, der geht mit zerrissenen Stiefeln wieder heraus. Von den Hamburger Colonialpolitikern dürfen wir uns nicht beeinflusfen lassen. Daß tn Hamburg gut kochen kann, habe ich auch vor dem Zollanschluß schon gewußt. In der Colonialpolitik merkt man, daß vielfach nicht mit eigenem (Selbe gewirthschastet wirL (Sehr richtig!) In Bezug auf Feindseligkeiten in Oftafrtfa überlassen wir der Negierung die Initiative, aber ich verwahre mich dagegen, daß coloniale Abenteuer mte in Tonktn und Massauah auch von Deutschland inicentrt werden. (Bravo! links.) Kirdorf (Rp.): Der Antrag Windthorst hat eine durchaus internationale jramr. 2luf eine folqje internationale Kundgebung kommt es an; wenn das deutsche Reich ™ .^anb dann wird sie auch zum guten Ende geführt. Das deutsche Volk ist der Meinung, daß unsere Colonialpolitik bis zu dem Punkt gediehen ist, daß mit Pulver und Blei eingegriffen werden muß; dann wird es auch gehen. Herrn I v ^Uborf^3[uäf^runSen hielten sich durchaus in dem vom Reichskanzler für die Colonial. Politik gezogenen Rahmen. Die Leistungen der ostafrikanischen Gesellschaft sind trotz aller Lugen der Preffe, recht bedeutende. Herr Dr. Beters maa den 6 .auer welche die B-rw-Itung an chn stellt, aber chm dl-ibt der Ruhm, bal^aanic afnkamscheu Gesellschaft ohne Waffen ererben zu haben Di SIl°°-u äg«-^ wirb nur von emtgen Hundert Personen betrieben, di- zu b-s-,tig-n nicht schwer stjn kam Rür BMÄ »JÄÄ’Ä“ •*"» “-ÄS Serben9” ienfCit6 $Oßfefen -bensalls^demÄer^de^ 2lbs<' ®1 ” Sc mit dem Grundgedanken des Antrages enroerftanben nur gewünscht, daß die Sklaverei an allen Orten und in allen ^rm n nS n ' 2)a der Antrag aber ^lonialpolitischen JMeressen diene, werde er gegen den Antrag stimmen non letzterer Partei stimmt^Wg^G?ldschmid^ ft°/dm AEa^ganS=nommen; 2^LnkWrÄsLL & der Telegraphische Fepeschen. t«Uer. C«rr*f»»a»*ni.eureM. der (SoTrb'^'^nno^'ab^eift®“ »-»t- Morgen 8 Uhr zur Jagd na» k14' D-c-mber. Zum Vorsitzenden der Commission für das Genosten- ^urde der Kammerherr Freiherr von Mirbach, .um Slelloerttefcr der ernannt Sd|ent Unb 3um Schriftführer der Adgcordnele Hofsmann (Königsberg) r-< . ReumSnster, 14. Deccmber. Bet dem Brande der Aalbeck'schcn Tuchfabrik sind 13 Personen umgekommen, 9 schwer verwundet worden $ MMMMEWNL Darmstadt, 15. December. Prinz Alexander von Hessen ist heute Vormittag 10 Uhr 15 Mi«, gestorben. ’ Börsenwocheubericht von E. Wassersclalebeo, Bankgeschäft. Die Woche eröffnete in matter Haltung auf allen Gebieten. Es war vorzugsweise die Steigerung des Prioatdiscontsatzes, der die Börse verstimmte. Man fürchtet- außerdem die kommende Ultimo-Liquidation und begann thatsächlich bereits am 10. mit Geldver- ^rgungen für Prolongationszwecke. War das auch weise gehandelt und hätte es als ein Moment der Beruhigung dienen können, so fand man doch die, für derartige Gelder be- zahllen Satze hoch und die Course gingen weiter zurück. Besonders matt lagen Banken von denen Dlsconto - Commandit bis 214.50, Credit-Actien bis 248.75 geworfen wurden SMein schon am Dienstag trat ein Tendenz-Wechsel ein. Der Reichsbankausweis, dem man lange mit Bangen entgcgengesehen hatte, erschien. Doch enthielt er nichts von dem was nach den offiziösen Auslassungen zu erwarten stand. Es waren Gerüchte im Umlauf ge-- roefen, Ine von einer Zurückziehung von 100 Millionen Depositen wissen wollten. Statt dessen zeigte der Ausweis nur eine Abnahme der Depositen um wenige 9 Millionen und eme verhaltmßmäßig unwesentliche Schwächung der Notenreserve. Das wirkte günstig. ,,,, r ^cher Zeit trat das Haus Rothschild als Käufer für Renten auf, woraus man zollte daß die ungarische Conversion nunmehr auf die Tagesordnung gesetzt sollte. Inwieweit diese Kau e des Welthauses thatsächlich im Zusammenhang stehen 2? wäS Oben ^onversionswerk ist für die Nicht-Eingeweihten schwer zu ermitteln. Aber die Börse prüfte nicht lange; sie war froh ein neues anregendes Moment gefunden zu ’ rrC ?^?enrbC,L ®elbDer^tnif|'e und politischen Bedenken waren schnell vergessen h? ? der neuen Strömung. Während des ganzen Restes der abgelaufenen ^0^ bat diese Strömung angehalten und eher an Kraft gewonnen. Ob sie wirklich Be- £r bnnratW,rbx ""K . Ochste Zukunft zeigen. Es darf nicht vergessen werden, daß bjr schwierigsten Liquidation des Jahres stehen. Es werden bis Ende "Och außerordentliche Anforderungen an den Geldmarkt herantretcn, und nur ^steigert werden. Wer aber unrtPmftfiSiA b ?°chF^ blc ursprüngliche Kraft innewohnt, mit der sie die ta eÄ!"e^roien9felten bec September-Liquidation b. I. überwandt und Jedermann ?lc Woche schließt zu den höchsten (Sourfen. Zwar sind die, gegen den Schluß der ^orwoche erzielten Coursgewinne geringfügig; sie sind aber ziemlich erheblich, verglichen Mit den mebngiien Coursen der Woche. Bon Banken sind besonders Credit gebessert die Stund zurllck-rvb-tt D.z-vnto-Cbmmandst und Darmstädter Bank haben ihren alten S>nmF.nr^»»n Dohuactlen sind Staatsbahn-Actien fest unb schließen 23/8 fl. höher Sombarben unb Galizier haben ca. »/< fl. verloren. Renten waren fest besonders Ungarn' d utsche^onds°b»b"n Men' Übri9cn zeigen nur unerhebliche Aenderungen. Auch ? 2bd ^abcn stch tm Allgemeinen behauptet. Nur 3°lche sehr zu empfehlen, da man außer dem vom Staat aarantirten iiinä- «rträgnch ,n diesem Jahre noch -in- Superdividende erwartet. 3 e" d’n3' Uebtigen verweise ich auf nachstehenden Courszettel. Course der Frankfurter Börse. Staatsanleihen. Cours vom 7. Dec. 14. Dec. 4% Heisische Obligation. 106.60 106.60 „ Bauern .... 107.10 107.05 „ Baden..... 104.95 104.90 Ao/g Sächsische Rente. . 93.60 93.55 2VzO/oBremerL>taatsanl. 101.85 101.80 „ Hamb.Staatsrente 102.— 101.60 4o/yOestr. Goldrente 91.85 91.55 „ GriechischeMonopol- Anleihe . . . 72.90 72.95 5o/o Rumänische Rente . 94.15 94.10 ^VrO/o Russische Anl.. . 94.30 94.70 Cours vom 7. Dec. 14. Dec. 5o/oPortugies.-Anl.v.86 100.40 100.25 4V2°/o do. . . . 5% amort. ©erb. Gold- 95.40 95.35 Rente .... 81.40 81.60 5% SerbischeEisenbahn Hyp.-Obl. L. A. . 84.90 84.65 4o/oSchwed.Oblig.1880r 102.50 102.95 I0/0Türken conv. . . . 14.95 14.85 5o/o priv. Egypter. . . 102.20 102.15 „ Argent. Gold-Anl. v. 1887 ... 93.30 93.75 I • Eisenbahn-Prioritäten. 4°/o Pfälz. Ludwigsbahn 103.95 103.70 102.25 107.30 101.65 82.65 78.10 4o/o Südbahn Lombarder 96.10 96.05 (Bexbach) . . . „ Hessische Ludwigsb. 68/69 garant. . „ Elisabethb. steuerfrei Gold . . . . 5% Oestr. Staatsbahn. 4% do. do. 3o/o do. do. I.—VUI.Emiss.. 3o/o do. Ergänzungsnetz 50/0 Nordroestbahn Gold 103.55 1 102.10 107.30 101.50 82.75 78.05 107.95 3% do. do. 4% Prag-Duxer Gold . 1, Rudolf Gold (Salzkammergut) . . „ Franz-Josef Silber 3% staatl. garant. Jtal. Eisenbahn . . 3% Livorneser . . . 4% Russische Südwest- Eisenbahn . . 4°/o Wladikawkas garnt. 60.20 100.90 101.70 80.20 59.85 64.90 82.75 79.80 60.10 100.65 101.50 80.20 59.70 64.80 82.60 79.75 Ludwigshafen-Bexbach. Hessische Ludwigsbahn. Pfälzische Nordbahn . Mariendurger-Mlawka. Eisenbahn-Actie«. ----- 229.90 106.90 109.25 90.50 231.45 106.40 104.— 89.— Lübeck-Büchner . . . Mecklenburger . . . Gotthardt..... Jtal. Mittelmeer . . 169.20 156.20 125.60 121.90 168.80 153.10 123.80 121.40 Deutsche Reichsbank . Berlin. Handelsgesellsch. Deutsche Bank . . . DeutscheGenossenschstsb. v.Soergel.ParrisiusLCo. Bank-Actien. --- ----— 141.20 170.20 167.80 133.60 140.— 169.20 167.90 133.60 Dresdener Bank. . . Mitteldeutsche Creditb. . Wiener Bank-Verein . Württemb. Veretnsbank 1 141.45 103.— 81.12 121.50 140.80 103.— 81.50 121.50 Binding-Brauerei . . Stern- do. (Oberrad) Bad. Anilin- u. Sodafabrik .... Industrie-Papiere. — 170.50 135.90 284.70 173.20 136.40 283.80 Deutsche Verlagsanstalt Farbwerke,vorm.Meister, Lucius & Brüning. Riebeck'scheMontanwerke 260.50 228.50 167.70 260.— 227.— 168.50 Pfandbriefe. — 4o/o Franks. Hyp.-Pfdbr. v. 86 ab . . 3V2v/oFrnkf.Hyp.-Pfdbr! 4o/oPreuß.Hyp. Act.-Bk.- Psandbr. . . . 3V23/o do...... 40/o Preuß. Centr.-Bod.- 99.— 103.— 99.40 102.80 98.70 103.— 99.40 Cred.-Pfandbr. bis 1885 ..... 4o/oDeutscheGrundschld.- Bk.-Pfandbr. . 3V2°/o do...... 3V2O/0 Rhein. Hyp.-Bank- Pfanddr. . . . 101.95 103.— 99.— 98.— I. I. I. 1 c4 co o>" er O O CD C. 1-* 4% Meininger Pfandbr. 102.50 102.50 Oestr. 1860rfl.500-Loose! v 1854rfl.250- „ | 4o/g Meininger Prämien- Psandbr. ... I Loose. — —--- 117.35 113.10 127.10 117.40 113.60 126.90 Braunschweig. 20Thlr.- Loose .... 3% Oldenburger Loose. 3VrO/oKöln:Mindn.Loose 100.60 136.— 137.50 100.65 135.90 136.85 5 6o/oChic.2Nilw.f.St.PaulI Prt., rückzahlb. 1910 .' 5o/oChic.Mtlro.f.St.Paul Prt., rückzahlb. 1921 . 6o/oCentr.Pacif.I.Mctg. rückzahlb. 1895/98 . ilmerika 101.— 110.60 | nische^E 101.— 110.70 senbahn-Bonds. 4% Chicago Burlington Siebraska 1927 . . 41/g°/o California Pacis. I. M., rückzahlb. 1912 60/gPactf.of Missouri con- solidattd I. M. r. 1920 88.80 106 P 107.60 89.10 106 P 108.— 5% Buderus-Obligat. . I Diverse Obligationen. 103.45 I 103.25 I 4Vr0/oGrafHenkelv.Don-I 1 1 nersmark, rückz. ä 105 | 104.70 1 104.70 Lokales. lNeues Theaters Sonntag den 16. December kommt im Neuen Theater die lustige Posse „Bummelfritze" von Jakobson und Wilken zur Aufführung. Wir empfehlen daher allen denen, welche Freunde des gesunden und guten Humors sind, diese Vorstellung nicht zu versäumen. . Ilniversttäts - tzhrorriL. _ Die durch Volkelt's Berufung nach Würzburg erledigte ordentliche Professur der Philosophie in Basel ist dem bisherigen Extraordinarius vr. Heußler übertragen worden. Handel und Verkehr. Gießen, 15. December. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, pr. Pfd. «♦L 1,10-1,20, Hühnereier, 1 St. 7-8 H, 2 St.--Enteneier 0- Ganseeier 00-00 Käse pr- St. 5-8 Käscmatte pr- St. 3 Erbsen pr. Liter 16 L, Linsen pr. Liter 29 X Tauben pr. Paar JL 0,60—0,90, Hühner pr. St. -*^80—1,00, Hahnen pr. St. JL 0,70-1,20, Enten pr. St. JL 1,40—2,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 60-68 Kuh- und Rindfleisch 45-54 H, Schweinefleisch 50-60 Hammelfleisch 54-64 Kalbfleisch 50- 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo JL 5,00-6,50, Zwiebeln per Centner JL 5,00—6,00, Milch pr. Liter 12-18 H, Weißkraut pr. St- 4-8 A. Gänse per Pfd. 50—56 4- Oeffeutliche Auffordkrimg. Forderungen an den wahrscheinlich überschuldeten Nachlaß des Fürstl. Fischereipächters Friedrich Fischer III. von Lich sind binnen 14 Tagen bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden, als sonst sie bei der Regulirung des Nach- laffes nicht berücksichtigt werden könnten. Lich, den 14. December 1888. Großh. Amtsgericht Lich. 10057 Langermann. Der Dünger aus zwei Gruben soll Mittwoch den 19. d MtS., Vormittags 11 Uhr, im Schlachthos versteigert werden. Die Großherzogl. Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht dies in ihren Gemeinden bekannt machen zu lasten. Gießen, den 15. December 1888. Großh. Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. 10070 Montag den 17. d. MtS und die folgenden Tage werden im städtischen Magazin am Oswaldsgarten Christbäumchen zu dem Preise von 10, 20, 40 und 60 H ausgegeben. Gießen, 15. December 1888. Großherzogl- Bürgermeisterei Gießen. 10072____A. Bramm._________ ” Versteigerung. Dienstag, Donnerstag und SamStag, jedesmal Vormittags von 11 Uhr an, sollen im Pfandlokal dahier: Sophas, Kommoden, Kleiderschränke, Tische, Uhren, Schreibsekretaire, Oeconomiewagen und eine Kuh gegen Baarzahlung versteigert werden. 10043 Horn. Ileilgeöotenes. sür kleine Figur VClie (ein neuer und ein getragener), billigt zu verkaufen. 10041) Bismarckstr. 6, Mittelsto». Pelzstudentenmützen in imitirtem und ächtem Seal-Bisam, Livree-, Winter- und Reisemützen, Hosenträger, Handschuhe in Wild-, Wasch-, Glaceleder, Tricot und Wolle, Cravatten, Stöcke, Portefeuille-,Mcerschaumwaaren empfehlen 10076 Schmidt & Repp, Bahnhofstraße 29._________ Parfümerien und Toi lettemittei reichhaltiges Lager in der Drogenhandlung von Otto Schaaf, 10065 Seltersweg 39. Gebe. Kaffee ä Pfd. 140, 160 U. 180 Pf. vorzügl. Qualitäten bei Robert Stuhl, 10055________Neustadt 23._________ 10044 Eine Halbgeige für Anfänger zu verkaufen- Bleichstraße 3. Allgemeiner Anzeiger. 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Deeember 1888. Tendenz: steigend. vLrques (Mpostes en France et L l’Etranger ^2. P , * / 160.75 106 00 86.10 108.10 K'2.95 107.90 103 10 209.37 81.12 172.20 219 40 41.10 8510 185 50 95.10 97.90 86.20 61.40 82.20 8960 Tante Lämmchen Zöllner . . . Püaeke . . . Oefterr. Creditactien Oesterr. StaatSbabn-Slctien 1880 40/0 Russen Obltg. Darmstädter Bankaciien Eman. Taussig. Karl Hentschel. Disconto-Cornrnandit-Anth Darmstädter Bank-Act. Oesterreich. Credit 20 Francs-Stücke DiSconto-Com-Anthetle Lombarden berg’s Mila Egkert. • • Johanna Reiehelt. Man achte darauf, VKKITART.E LIQUEüR BtNÄDICTINB 1 ^Ä88 eic5 auf jeder Marques ddpos&s en France et ä l’Etrancer fl F,asche die viereckige Etiqnette mit der Unterschrift | 4es General-Direc- tora befindet. 20.28-20.33 4.16.-4.20 Emil Flschbaeb, Hr. Kinkel, Conditor; Carl Sohwaab. 5% Italiener Rente ult. 5«/. .1d7l/73er Russen 4o/o 880er do. 4% Reichsanleihe 3^/,0/g do. 4o/o Preuß. Consols 3V8% do. - Druck und Derl°HHübl'sche.. Drucker.^. Chr. 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