Ar. 269 Freitag den 16 November 1888. Amts- und Anzeigeblatt für drn Kreis Gießen. Bureau r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. reis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh«. >urch die Polt bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bekanntmachung. Samstag den 17. November 1888, Nachmittag« 1 Uhr, wird zu Grüaberg im Saale de« Herrn Gastwirlh Hoffmann (rum Hirsch) «ine Generalversammlung deS landwirthschaftltkben BezirkSvereinS GieSen abgehalten werden. Von dem landwirthfchastlichen Bezirksverein ist zum Zwecks der Verloofung eine Geisenheimer Obstdörre im Werthe von 30 Jt angekauft worden. Es werden in der Versammlung 150 Loose an Jedermann, der Loose wünscht, zu dem Preise von 20 H pro Loos abgegeben werden. Alle Mitglieder des Vereins und Freunde der Landwirthfchaft werden zu dieser Versammlung hierdurch freundlichst eingeladen. Gießen, den 8. November 1888. Der Director des landwirthschastlichen BezirkSvereinS. Jost, Regierungsrath. Tagesordnung: 1) Referat der Herrn Professor Dr. Pflug über Schutz gegen Verluste durch perlsüchtiges Schlachtvieh. 2) Berathung über den mit einer Hageloerstcherungsgesellschaft abzuschließenden Vertrag. Referent: Herr Amtmann Nebel. 3) Bezug von Saatkartoffeln oder Saatsrucht aus fremden Gegenden durch den Verein. 4) Beschlußfassung über die Abhaltung von Faselmärkten im Kreise Gießen mit Ankörung verkäuflicher Thiere. 5) Verloofung einer Geisenheimer Obstdörre. Politische Rundschau Gießen, 15. November. Der Grotzfürst-Thronfolger Nicolaus von Rußland traf auf der Reise non Petersburg nach Kopenhagen, woselbst der Ezarewitsch seinen kaiserlichen Vater bei den Festlichkeiten anläßlich des Regterungsjubtläums König Christians IX. vertritt, am Dienstag früh in Berlin ein. Der hohe Reisende wurde nur von den Mitgliedern -er Berliner russischen Botschaft auf dein Bahnhof empfangen, da jeder sonstige officielle Empfang dankend abgelehnt worden war und hatte sich deshalb auch Niemand von unserer Kaiserfamilie zur Begrüßung des Großfürsten-Tbronfolgers eingesunden. Nach ganz kurzem Aufenthalte setzte der Czarensohn die Weiterreise nach Kopenhagen fort. Nur noch einige Tage sind es bis zur Eröffnung der Wintersession des Reichstages und begreiflicher Weise lenkt sich da das allgemeine Interesse vorwiegend dem bevorstehenden parlamentarischen Feldzüge za. Derselbe wird vor Allem auf social- politischem und wirthschoftlichem Gebiete wiederum wichtige Verhandlungen bringen, zu denen die Alters- und Inoalidiiälsoersichcrungsvorlage, die Novelle zum Kranken kassengesetz und der Gesetzentwurf über die Reform des Genossenschaftswesens die Unterlage bieten. Von diesen Gesetzesvorlagen werden indessen die Heiden letztgenannten wohl erst in der zweiten Hälfte der Session zu erwarten sein, während dteJnvaliditäts- versicherungsvorlage und gleichzeitig der Reichshaushaltsetat dem Reichsparlamente bereits bei der Eröffnung zugehen wird. Was diese wichtigste Vorlage der neuen Session anbelangt, so sind die von den Ausschüssen des Bundesrathes namentlich bet ben Bestimmungen über die Invalidenrente vorgenommenen Aenderungen vom Plenum in den Verhandlungen vom Montag und Dienstag im Wesentlichen genehmigt worden und in dieser abgeänderten Gestalt wird der Reichstag den Gesetzentwurf am 22. November jedenfalls vorfindcn. Außerdem stehen auch lebhafte Erörterungen über die deutsche Kolonialpolitik zu erwarten, zu denen verschiedene Posten im Etat des Auswärtigen Amtes, ferner die angekündigten Mehrforderungen beim Marine - Etat und nicht zum Wenigsten endlich die Vorgänge in Ostafrika Anlaß bieten dürften. Im Allgemeinen sieht man jedoch einer ruhigen Session und einer schnellen und fachlichen Erledigung des vorhandenen Arbeitsmatertals entgegen und glaubt man, daß die Session des Reichstages längstens bis Ostern beendigt sein wird, um so mehr, als der Oftertermin im nächsten Jahre recht spät fällt. Herr v. Bennigsen, der Führer der nationalliberalen Partei im Reichstag, hatte sich wegen seiner Ernennung zum Oberpräsidenten einer Nachwahl in seinem Wahlkreise (18. hannoverscher) Stade-Lehe zu unterziehen. Dte Wahl hat am vorigen Samstag stattgefunden und dte mit großer Mehrheit erfolgte Wiederwahl Herrn von Bennigsen's ergeben. Auch von den Socialdemokraten, den Welfen und den Freisinnigen waren Candidaten aufgestellt worden, von denen es aber nur der social- demokratische Candidat zu einer größeren Anzahl von Stemmen brachte. Das ungarische Abgeordnetenhaus genehmigte, wie zu erwarten stand, am Dienstag mit großer Mehrheit dte TtSza'sche Conversions-Vorlage. Die Anwesenheit des deutschen Dchulgeschwaders in Triest hat zu verschiedenen, die deutsch-österreichische Waffenfreundschast aufs Reue beleuchtenden Kundgebungen geführt. Von ihnen sind die in Adelsberg, wohin die Vertreter der Trieftiner Marine- und Militärbehörden mit ihren deutschen Gästen einen Ausflug zur Besichtigung der berühmten Grotte unternommen hatten, ausgebrachtcn Trinksprüche auf die Verbrüderung der Marinen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns und auf den Bund beider Mächte besonders bemerkenswerth, denn sie bilden gleichsam eine Fortsetzung und Ergänzung der zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef in der Wiener Hofburg gewechselten hochbedeutsamen Kundgebungen. Oesterreichischerseits wurden die Adelsberger Trinksprüche vom Seebezirkscommandanten Vice-Admiral von Wiplinger, Contre-Admiral Czedik von Bründelsberg und Generalmajor Probst ausgebracht, während deutscherseits der Oberbefehlshaber des Schulgeschwaders, Contre - Admiral Hollmann, in warmen Worten zwei Mal erwiderte. Das Abkommen zwischen Deutschland und England über die gemeinschaftliche Flottenaction in Ostasrtta ist nunmehr veröffentlicht worden. Die Verein- , barung wurde mittels Notenwechsels getroffen und bleiben die näheren Ausführungen ' des Vertrages zur Unterdrückung des ostafrikanischen Sclaoenhandels und der Waffeneinfuhr nach Ostafrika den beiderseitigen Admiralen überlassen. Die Blokade, von Deutschland vorgeschlagen und von England angenommen, wird aufhören, wenn eine der belheiligten Mächte einen bezüglichen Antrag stellt; die Theilnahme Portugals an der Maßregel wird als nützlich und wünschenswerth bezeichnet. Bezüglich der Durchsuchung von verdächtigen Schiffen werden sich die Regierungen der Vertragsmächte mit den andern Mächten in Verbindung setzen, um deren Zustimmung zu diesem Schritte, ohne welchen die ganze Blokade-Maßregel unwirksam werden würde, zu erlangen. peulschkand. Darmstadt, 15. November. sPrioatdepesche.) Geheimerath Professor Dr« Wasserschleben in Gießen tritt auf sein Nachsuchen am 1. April k. I. in Ruhestand. Berlin, 13. November. Einem Pariser Telegramm des „Berl. Tagebl." zufolge ist in Der Nähe von Belfort ein neuer Grenzzwischenfall oorgekommen, welcher bisher streng verheimlicht worden ist. Danach verfolgten In der Nähe von Chavannes les grandes drei französische Jäger einen angefchoffenen Rehbock auf deutsches Gebiet; von einem hinzugekommenen deutschen Förster aufgefordert, sich zurückzuziehen, leisteten sie nicht Folge, worauf der deutsche Förster schoß und einen der französischen Jäger leicht verwundete. Hanau, 13. November. Landrath Graf Wilhelm v. Bismarck hat den Poften I eines Regierungspräsidenten von Hannover endgiltig angenommen. Halle a. d. €>♦, 13. November. In Folge der auch hier von der Arbeiter- beoölkerung empfundenen Vertheuerung des Brodes und anderer Lebensmittel hat der Vorstand der Halle'schen Malzfabrik Den gesammten Arbeitern der Fabrik schon feit ei .;a 4 Wochen aus eigenem Antriebe eine Theuerungszulage von je einer Mark wöchent- j lich pro Kopf gewahrt. Telegraphische Depeschen. «slff'S telegr. «aercspandenr. Bnrean. Berlin, 14. November. In Betreff der Eröffnung des Reichstags ist folgende Bekanntmachung ergangen: Mit Bezugnahme auf die in Nr. 39 des Reichs-Gesetzblattes verkündete Kaiserliche Verordnung vom 9. d. M., durch welche der Reichstag berufen ist, am 22. d. M. in Berlin zusammenzutreten, wird hierdurch bekannt gemacht, daß die Eröffnung des Reichstags an j diesem Tage um 12 Uhr Mittags im Weißen Saale des hiesigen Residenzschlosies statt- ‘ finden wird. Zuvor wird ein Gottesdienst und zwar für die Mitglieder der evangelischen Kirche in der Schloßkapelle um 11 Uhr, für die Mitglieder der katholischen Kirche i in der St. Hedwigskirche um 11^2 Uhr i abgehalten werden. Die weiteren Mittheilungen über die Eröffnungs-Sitzung erfolgen im Bureau des : Reichstags, Leipzigerstr. Nr. 4 am 21. d. M. in den Stunden von 9 Uhr Morgens bis | 8 Uhr Abends und am 22. d. M. von 8 Uhr Vormittags ab. In diesem Bureau werden auch die Legitimationskarten für die Eröffnungs-Sitzung und die Einlaßkarten für die Zuschauer ausgegeben, sowie alle sonst erforderlichen Mit- I theilungen gemacht werden. Berlin, den 14. November 1888. Der Stellvertreter des Reichskanzlers, v. Bötticher. — Die officiösen „Pol. Nachr." bezeichnen die schrickt von der Vorbereitung j einer Vorlage wegen Erhöhung der Tabaksteuer als durchaus unzutreffend. Wenn am gegenwärtigen Tabaksteuergefetz Aenderungen vorgenommen werden sollten, so dürften dieselben nur technische Seiten des Gesetzes betreffen; darüber fänden schon längst Erhebungen statt, die jedoch einen baldigen Abschluß nicht erwarten lassen. Berlin, 14. November. Der Kaiser folgte gestern einer Einladung des Offizierkorps des ersten Garderegiments zum Diner, hörte heute Vormittag Vorträge, konferirte mit dem Minister Lucius und dem Staatssekretär Bismarck und nahm Nachmittags Meldungen entgegen, darunter die des Kommandanten der „Schwalbe", Hirschberg, und des zum Flügeladjutanten ernannten Kapitäns zur See, Senden. Um l3/i Uhr war anläßlich des Geburtstages des Prinzen Leopold im Marmorpalais eine größere Mittagstafel. Berlin, 14. November. Der Bundesrath setzte gestern und heute die erste Lesung des Gesetzentwurfs über die Alters- uno Invalidenversicherung der Arbeiter fort und er- theilte den: Entwurf seine Zustimmung. * Berlin, 14. November. Der Bundesrath nahm den Gesetzentwurf, betreffend die Alters- und Invalidenversicherung mit den von der Subkommission beantragten Aenderungen an. Dieselben laufen wesentlich auf Umgestaltung der Bemessung der Rente und auf Beseitigung des Reichskommissars und deffen Ersetzung durch Landeskommiffare hinaus. Der für den Bezirk jeder Versicherungsanstalt zur Wahrung der Interessen der übrigen Versicherungsanstalten und des Reichs einzusetzende Kommissar soll nicht, wie im bisherigen Entwurf vorgesehen war, vom Reichskanzler im Einvernehmen mit den Regierungen der beteiligten Bundesstaaten, sondern von der Landesregierung im Einvernehmen mit dem Reichskanzler bestellt werden. Anlangend an anderweitige Bemessung der Rente sollen sämnuliche Ortschaften des deutschen Reichs nach der Höhe des für sie festgesetzten ortsüblichen Tagelohns gewöhnlicher erwachsener männlicher Tagearbeiter in fünf Ortsklassen ein» getheilt werden. Die erste soll diejenigen Ortschaften umfassen, wo der Jahreslohn 300 Mark beträgt, die zweite Ortschaften mit 400, die dritte, vierte und fünfte diejenigen mit 500, 600 bezw. 700 Mark. Die Renten werden in Theilbeträgen des Jahresbetrags derjenigen Ortsklasse berechnet, worin die Versicherungsbeträge für den Empfangsberechtigten entrichtet werden. Die Invalidenrente männlicher Personen beträgt jährlich vierundzwanzig Hundertstel dieses Jahreslohns, sie steigt vom Ablauf der Wartezeit mit jedem vollendeten Kalenderjahr um einen weiteren Theilbetrag des Jahreslohns, und zwar in den nächst- Bayern ist heute, Morgens die Corpsrayons nicht die sämmtliche Armeekorps eine nur das Grenadierkorps be- Charsower Militärbezirks sei Kriegsbudget eine Ersparniß O1, München, 15. November. Herzog Maximilian von 31/j Uhr, gestorben. Petersburg, 14. November. Bezüglich der gemeldeten Veränderungen in den Bestanden der Armeekorps wird mitgetheilt, daß dieselben infolge der Auflösung des Char- kvwer Militärbezirks vorgenommen werden mußten, damit **' ' grenzen der Militärbezirke durchkreuzten. Hierbei erhielten einheitliche Organisation zu zwei Infanterie-Divisionen und wahrte den Bestand von drei Divisionen. Die Auflösung des durch rein ökonomische Gründe hervorgerufen und habe im von 180,000 Rubel ergeben. nichts zu verbessern sei. - Die hierauf folgenden „kleinen Mtttheilungen aus Kloster Arnsburg' von Herrn Prof. Buchner boren des Interessanten und für ote Zuhörer besonders Amüsanten Vieles. So waren es besonders einige die Ver- haltnissc des Klosters Arnsburg im vorigen Jahrhundert beleuchtende Schriftstücke, die rrs7°^weit sie nicht selbst ergötzten, in der ihm eigenen humoristischen Weise auslegte. In einem aus dem Jahre 1754 dattrten Briefe ladet der damalige Oberstkammerer des regierenden Fürsten von Solms Laubach den hochehrwürdigen Herrn Pater Albartcus von Arnspurg in aller Form, nach einer jedenfalls auch schon für die damalige Zeit höchst überschwänglichen Einleitung, zur Hasenjagd ein, bei der es aber „erfror“ hergehe. Auch der Brief der Patres der Eommente Schisfenberg an die frommen Vater zu Arnsburg, in welchem dieselben um möglichst schnelle Ueber- lassung zweier Ohm Wein angegangen werden, erregte Heiterkeit. Ein weiter vorhandenes Stuck eines Hauptbuches des Gießener Apothekers aus dem Jahre 1765 gab den Anwesenden Gelegenheit zu Betrachtungen über die körperlichen Leiden, über die auch damals schon die Herren Patres und Fratres zu Arnsburg klagten. Der Mittelchen und Mixturen, Pulver und Salben, Specereien und Kräuter, welche den vielen Insassen des Klosters Arnsburg, vom Prior bis herab zum „Saubannes" ver- ordtnieret worden, sind sehr viele darunter der größte Theil solcher zur Behebung von Verdauungsbeschwerden, die ein Hauptleiden gewesen zu sein scheinen. — Nach diesem Vortrage berichtete Herr Rud. Wolff über die Resultate der von ihm mit einer Anzahl anderer Herren in der Lindener Mark (District Fuchsbau) vorgenommenen Aufdeckung von Hünengräbern. Auch dieser Vortrag, sehr erläutert durch Zeichnungen der Graber und Vorzeigung gefundener Gegenstände verschiedener Art, fesselte die Aufmerksamkeit der Anwesenden in gleich hohem Grade und fand seinen besonders erwabnenswerthen Abschluß in dem Vorträge eines unserem Kaiser Wilhelm II gewidmeten Gedichtes, in welchem der Kaiser, unter Hinweis auf seine frei Gelegenheit der römischen Kaiserreise in Pompeji gezeigte persönliche Theilnahme an den Arbeiten als Archäologe gefeiert und seiner mit einem Hoch gedacht wurde. — Den letzten Vortrag: Gießen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, halte Herr Dr. Klewitz übernommen. Derselbe schilderte aus einem im Jahre 1804 bei Georg Friedrich Ae^er in Gießen erschienenen Buche „Statistisch politisch-kosmopolitische Blikke in die Hessen-Darmstadttsche Lande, von W. Butts, erster evangelischer Pfarrer zu Berstadt in der Wetterou" die Ansichten des Verfassers über die Lebensgewohnheiten, Gr. rauche und gesellschaftlichen Verhältnisse der Bevölkerung von Hessen, im Besonderen von Oderhessen in einer Weise, daß den Betrachtungen der Zuhörer über die damalige Zeit im Vergleich zur heutigen der weiteste Spielraum gelassen winde. Die einzeln vorgelesenen Stellen erregten darum auch die größte Heiterkeit. Der Verfasser kommt nach der Besprechung der Verhältnisse, wie sie im Hinterlande, im Vogelsberg, in der Wetterau u. s. w. herrschten, speciell auch auf die Gießener Verhältnisse und die Gewohnheiten seiner Einwohner zu sprechen. Ob z. B. heute noch, wie damals, die Frauen, wenn deren Eheherren nach des Tages Last und Mühe den Abend- spaziergang machen, zum Kartenspiel den dritten oder vierten Mann suchen ob die Familienfeste noch wie damals gefeiert werden, ob die Gießener Mädchen heute noch als diejenigen zu bezeichnen sind, die in der Wahl ihrer Freier nicht so sehr darauf versessen sind, daß Der Auserwählte womöglich einige Grade über ihrer gesellschaftlichen Stellung steht, ob auch wie damals, wo so wenig Studenten und noch weniger Militär in Gießen waren, Mangel an Mannern herrschte, ob auch heute noch wie damals die Wurst in Gießen am schlechtesten und das Bier das miserabelste Gebräu ist — darüber läßt sich jedensalls noch streiten, für seine Zeit wird man aber dem Verfasser wohl glauben dürfen. Aus semem Werke, das sich in der hiesigen Universität befindet, gehl aber hervor, daß er ein sehr scharfer Beobachter seiner Landsleute war; ihm ist die berühmte und gefürchtete Meile zwischen Butzbach und Friedberg, über die sich sogar ein von Kopenhagen nach Konstantinopel reitender Hoicourier beim Besteigen des Pferdes beklagte, ebenso wenig entgangen, wie die Beobachtung des gesellschaftlichen Schliffes der Darmstädter, aUwo ieder Canzleischreiber sich mit einem Anstand in Gesellschaft zu bewegen wußte, an welchem sich Künstler nnd Gelehrte ein Muster nehmen konnten. Hinsichtlich des Benehmens waren übrigens die Darmstädter den Gießenern insofern über, als z. B. bei Begrüßungen die ersteren sich um volle 4 Zoll tiefer verbeugten, als die letzteren. Gießen, 15. November. Das Ergebniß der von dem hiesigen Comitö für die Brandbeschädtgten in Hünfeld veranstalteten Sammlungen beträgt 2890 JL, außerdem wurden dem Herrn Oberbürgermeister Bramm von Herrn Geheimen Sanitätsrath vr. Dettweiler in Falkenstein 138 JL zugesendet, welche von dortigen Kurgästen gesammelt worden sind. Die Absendung der Beträge an das HtlfscomitS in Hünfeld, nach Abzug der entstandenen Kosten, ist bereits erfolgt. Außerdem wurden mehrere Kisten mit Kleidungsstücken rc. dorthin abgesendet. Gießen, 15. November. lEtsverein.) Da der im vorigen Winter hergestellte Zugang zur Eisbahn von der Ostanlage her vielfach von Unbefugten benutzt wird, die Anstellung eines besonderen Controleurs aber nicht thunltch erscheint, beabsichtigt der Vorstand, jenen Zugang nur noch an Sonntagen und frei besonderen Festlichkeiten zu offnen, im Uebrigen aber zu schließen. Von heute ab ist dies bereits vorläufig geschehen und kann die Eisbahn daher nur noch von der Grünfrergerstraße aus gegen Vorzeigung der Beikarte oder Lösung einer Tageskarte betreten werden. Hierbei wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß die Eiszeichen und Tageskarten sichtbar zu tragen sind. ' Gießen, 15. Nov. (Theater.) Wir freuen uns, mittheilen zu können, daß morgen, Freitag, ernes der vorzüglichsten Lustspiele von Roderich Benedix zur Aufführung kommt und zwar „Doctor Wespe". Wir erinnern, daß dasselbe Stück hier früher ungemein gefallen hat und sagen unserer strebsamen Direction Dank, daß sie dieses ewig junge Werk Benedix' in ihr Repertoir ausgenommen hat. Die Lustspiele von Benedix zeichnen sich durch wahre, aus dem Leben gegriffene und an Komik reiche Situationen vortheil- haft vor den neueren Lustspielen, die nur einen vorübergehenden Werth beanspruchen, aus und werden deshalb die Werke Benedix' stets einen bleibenden Platz im Repertoir der deutschen Bühne beibehalten. Das Stück ist sorgfältig einstudirt und sehen wir einem genußreichen Abend entgegen. Vermischtes. . D°rmftadt, 14. November. Seitens der Direction der Technischen Hochschule ist dem Herrn Dr. Adolph Hansen aus Altona die venia legendi für das Fach der Botanik eriheilt worden. In Folge der Versetzung des Professors Herrn Himstedt an die Landesunioersttat Gießen werden an der hiesigen Hochschule Vorträge über Physik zur Zeit nicht abgehalten. Heute Abend findet im „Darmstädter Hof" ein Abschiedsesskn zu Ehren des Herrn Prof. Himstedt statt. o rwstadt, 14. November. sMilitärdienstnachrichten.) Schla efereit, Lazareth-Verwalt.-Jnsp. in Gießen, zur Wahrnehmung der Ober-Lazareth-Jnspektor- versetz^ch C ' ~ Aunk, Lazareth - Inspektor in Karlsruhe, nach Gießen — m ~ Nach der kürzlich seitens des faiferl. statistischen Amtes herausgegebenen Bearbeitung der Ergebnisse der deutschen Volkszählung vom 1. Decemfrer 1885 an dem genannten Tage, wenn man als Großstädte die Orte von mindestens !00'000 Einwohnern, als Mittelstädte die von 20 bis 200,000, als Kleinstädte die von haaa >9?' Q ? Landstädte die von 2 bis 5000, als Landorte endlich die von weniger 4 Ln >29 Einwohnern bezeichnet, von der Gesammtbevölkeiung in den 21 Großstädten 4,446,381 Einwohner, in den 116 Mittelstädten 4,171,874, in den 683 Kleinstädten a'k0o^6aa4 J? bcn 1951 Landstädten 5,805,893, in allen übrigen (Land-) Orten 25,376,927 Einwohner. Danach kommen auf die Landbevölkerung 56,3 pEt., auf die Stadtbevolkerung 43,7 pEt. der gesammten Einwohnerschaft des Reichs, und zwar speciell auf die Großstädte 9,5, die Mittelstädte 8,9, die Kleinstädte 12,9, und auf die Landstädte 12,4 pEt. Der Procentsatz der städtischen Bevölkerung und namentlich derjenige der größeren Städte ist übrigens seit dem Jahre 1871 ein immer größerer geworden. i , — Die „Deutsche Kol.-Ztg." bringt Einzelheiten über den Kampf, den das deutsche Kriegsschiff „Leipzig" am 22. September in Bagamoyo mit den Eingeborenen hatte, welche die Niederlassung der Ostafrikanischen Gesellschaft angriffen. Da die Angreifer sich gut hinter die Hütten versteckten, wurden dieselben vom Stationsgebäude aus mit Granaten beworfen und zugleich die schon mit der „Leipzig" verabredeten Rothsignale gegeben, welche gegen 11 Böte aussetzte. Die ankommenden Böte wurden vom Strande aus mit Gewehrfeuer empfangen, welches von der Marine mit Geschützfolgenden Kalenderjahren um je vier Tausendstel, in den dann folgenden 20 Kalenderjahren um je sechs Tausendstel, von da um je acht Tausendstel bis zum Höchstbetrage von jährlich fünfzig Hundertstel des betreffenden Jahreslohns. Die niedrigste Invalidenrente würde in der ersten Klasse 72 Mark, die höchste in der fünften Klasse 350 Mark betragen. Die Altersrente für männliche Personen soll jährlich vierundzwanzig Hundertstel des Jahreslohns betragen, also in der ersten Klasse 72, in der fünften 168 Mark. Berlin, 14. November. Die Deutsch-ostafrckanische Plantagen-Gesellschaft beabsichtigt, in einer außerordentlichen, am 23. November stattfindenden Generalversammlung den Antrag zu stellen, das Festland von Usamfrara eventuell durch eigene Truppenmacht wieder zu gewinnen. Auch soll ein eigener Dampfer angeschafft werden. Graf Pfeil, der langjährige Capitän des Sultans von Sansibar, hat der Gesellschaft seine Dienste zur Verfügung gestellt und befindet sich auf dem Wege hierher. Die Nachricht Der' sogen. „Staaten-Correspondenz", der Bundesrath und der Reickstag würden sich mit einer Vorlage wegen Erhöhung der Tabaksteuer zu befassen haben, ist falsch. Rach der „National-Ztg." ist beschlossen, vom 1. April k. I. an die General- Jnspection und die vier Jnspectionen Der Feldartillerie aufzuheben und diese .den Armeecorps zu unterstellen. Auch Personalveränderungen in den höheren Armeestellen sollen noch erfolgen. SrcSlau, 14. November. Bei den Stadtverordnetenwahlen in der dritten Ab- theilung wurden heute neun gemeinsam von den Eartellparteien und vom Zentrum ausgestellte, zwei deutsch-freisinnige und zwei keiner bestimmten Partei angehörige Can- bibaten gewählt. Dresden, 14. November. Der gcsammte Schiffsverkehr auf der Elbe ist wegen starken Eisganges eingestellt. ( Kopenhagen, 14. November. Prinz Heinrich traf an Bord des Schiffes „Kaiser" um 122/4 Uhr im Hafen ein, wo zum Empfange erschienen waren: der König, in Uniform bes Thüringischen Ulanenregiments Nr. 6, der Kronprinz, der Großfürst-Thronfolger und die übrigen Fürstlichkeiten, sowie eine Deputation des Thüringischen Ulanenregiments Nr. 6 und die Spitzen der Militär- und Civilbehörden. Der König hatte um 10 Uhr die Deputation des Thüringischen Ulanenregiments Nr. 6 und später den bayerischen Abgesandten Lerchenfeld empfangen, welcher dem Könige den St. Hubertusorden überreichte. Alsdann saudstgroßer Empfang der übrigen ausländischen Abgesandten und anderer Glückwünschen- Koperihagerr, 14. November. König Christian empfing heute bcn russischen »otidjatur Mohrenheim in besonderer Audienz. Der Großsürst-Thronfolger besuchte den Ministerpräsidenten Estrup. — Der Präsident des Folkething, Högsbro, erklärte in der heutigen Sitzung, baß unter geregelten Verhältnissen die Beglückwünschung des Königs zum Jubiläum seitens des gesammten Folketlsings natürlich erfolgt wäre, dies aber bei dem ^wie- spalt der Parteien unmöglich sei. Die Linke des Folkething stimmte zu, die Rechte ver- Ueß kurz vor dem Schlüsse der Sitzung den Saal und wird mit der Rechten der Kammer gemeinschaftlich den Glückwunsch barbringen. Parts, 14. November. Das Institut Pasteur wurde freute in Gegen- roar. Earnot s, der Mehrzahl der Minister und anderer hervorragender Persönlichkeiten eröffnet. - Die Revisions-Commission sprach sich für Aufhebung des Senats wie der Präsidentschaft der Republik aus. Paris, 14 lltovember. In dem Processe gegen Prado und Genossen wegen der sT?1™ u?9 bcr Mane Agnetaut erkannte das Schwurgericht den Prado für schuldig S u 0ra!^0&nc mildernde Umstände, die Mitangeklagten Garcia, unverehelichte Daull, -°res und Ybanes für schuldig mit mildernden Umständen. Die unverehe- ucyte Mauncette Couronneau und die verehelichte Forestier, sowie die verehelichte Pablo wurden freigesprochen. t,r. , Paris, 14. November. Prado wurde zum Tode, Garcia zu 5jähriger Ein- lcyttetzung , die unverehelichte Daull zu 2jährigem, Roberto Andres und Bdanes zu fahrigem Gefängniß verurtheilt. 6 London, 14. November. Im Unterlaufe beantragte frei der heutigen Be- ratfrung des Ausgafrebudgets der Abgeordnete Bradlaugh zur Position für die Polizei Der Metropole die Streichung des Gehalts für den Polizeichef. Bradlaugh bezeichnete fctnen Antrag als einen Protest gegen das Verbalten des Ministers des Innern, Matlhews, bei der Unterdrückung der öffentlichen Versammlungen auf dem Trafalgarsquare. Der Antrag wurde mit 207 gegen 91 Stimmen abgelefrnt Petersburg, 14. November. Laut dem gestrigen faiferl. Tagesbefehl gehören gum Besiande nachbenannter Armeekorps folgende Infanterie-Divisionen. Zum zweiten Armeekorps die 26. und 27. .Infanterie-Division, zum brüten die 28. und 29., zum merten die 16. unb 30., zum sechsten die 4. und 6., zum neunten die 5. und 33., zum zwölften die 12. und 19., zum dreizehnten die 1 und 36., zum fünfzehnten die 2. c 3un! !Ä?nten 25. und 41., zum siebzehnten Armekeorps die 3. und , ?."^ne-Division. Die übrigen Armeekorps verbleiben im bisherigen Bestände. Desgleichen bleiben die Cavalleriedivisionen in den bisherigen Corpsverbänden, ausgenommen die dreizehnte, welche in das 15. Armeekorps kommt. Das erste kaukasische Armeekorps wird hinfort einfach das kaukasische Armeekorps genannt, die Verwaltung jmeiten roirb aufgelöst. Der Kommandeur destelben, Manlcuffel, wird zum Com- manbeur des 16. Armeekorps ernannt. Lokales. . . ,15- -io-ember. Heute Vormittag 9 Uhr leisteten die in voriger Woche «... 5 l6- eingetretenen Rekruten den Fahneneid. Zu diesem feierlichen Acte wurden die 3 Fahnen des Regiments von einer Compagnie mit der Regiments- mufif in die Stadtkirche, wo die Vereidigung stattsand, gebracht. ° ÄFett'.15- November In der gestern Abend im CafS Ebel abgehaltenen und besuchten^ Hauptversammlung des Oberhessischen Vereins für Lokal- SfJ; v’V crftattcte zunächst Herr Prof. Dr. Buchner Bericht über die Thäligkeit des j J11? vergangenen Jahre. Aus diesem Berichte ging hervor, daß der Verein ist und Abschnitt in Erfüllung der sich gestellten Aufgaben sehr thüttg gewesen ist und ersolgreich gewirkt feat. — Der von Herrn Rud. Wolfs erstattete Kassenbericht qrntnHThU ü0no^n finanziellen Verhältnissen des Vereins, dem außer b^rbeitragen auch 300 JL Staatsgelder zuflossen dafür, daß alledem Verein D-r^-'itb^ Vn d «nb S,erf£ b-r Großh. Universitätsbibliothek zugcwiesen werden. 93 (Vorsitzender Herr Geheimerath Prof. Dr. v. Ritgen) wurde ^^^ewählt und als anthropologischer Sachverständiger Herr Dr. Steffahny dem be^^hnereffan?^ ^un senden Vorträge "toten den Anwesenden viel behandelte derjenige des Herrn Geheimerath Prof. Dr. v. R i t g en, nCn k®e8enftanb Mnes Vortrages durch die Zeitungen gegangenen Sh^en,^<8tl8™»nb' Kirch- zu Esfoldelrbach, die allerdings in nahe u erbaut wo,den zu sein scheint. Schon der Thurmbau dieser Kirche sei in einer Art aufgefufrrt worden, daß an ein langes Bestehen desselben nicht De?Ar^te^' man bemfelben ein angenehmes Aeußere nicht abzusprechen könne. Der Archilect, über dessen Person jedoch tiefes Dunkel zu herrschen scheint, habe beim Bau ,b ^^^chtoollen großen Quadern in lauter kleine, vielleicht backstetn- ' "^^richlagen lasten und^amit das Mauerwerk aufgefüfrrt. Auch mit der Kirchenfenster seien Fehler begangen worden; dieselben, bemalt, in ver- isick? und, weil angefertigt bevor die erforderlichen Oeffnungen vorhanden, angebracht verhinderten das Eindringen des Tageslichts in die Kirche fast vollständig, kurz, die Bauart der Kirche sei so, daß an derselben so gut wie unb Gewehrfeuer erwidert wurde. Die Truppen landeten mit Hurrah und trieben । bte Rebellen" in die Stadt zurück, wo siar ein ziemlich heftiges Straycngefecht ent- | roicfelte. Nachdem die Rebellen zurückgeschlagen worden waren, zog sich die Marine etwa gegen 5 Uhr Abends unter Zurücklassung eines Officiers und 30 Mann aus die Leipzig" zurück. Am nächsten Tage wurden von den Soldaten des^Wali ca. 100Todte, arößteniheUs Eingeborene, aber auch Araber und einige von dem Sultan übernommene Soldaten, die gegen die Deutschen gefallen waren, beerdigt. Die Anzahl der Verwundeten, sowie der vielen sortgeschleppten Todtcn hat nicht festgestellt werden können. Die Ruhe in der Stadt wurde von da ab eigenllich nicht mehr gestört. Herr o. Gravenreuth, der Vorsteher der Station, hat es seitdem auch mit Erfolg versucht, zur Offensive überzugehen. Mit 2 Kanonen, etwa 30 Sultanssoldaten, 25 schwarzen Bedienstenn und etwa 30 bewaffneten Sklaven reicher Araber zog er aus. Ein Dorf, von welchem aus sie beschossen wurden, wurde erstürmt. Das Dorf fing an zu brennen. Die Eingeborenen vertheidigten eine Position nach der andern bis zur Kingantfähre, d. h. Mtoni. Hier war die deutsche Flagge herabgertssen, und die Soldaten der Gesellschaft waren thetls ermordet, theils geflohen. Auf der Schamba eines Aufrührers befanden sich 6 Fässer mit Pulver, welches ins Wasser geschüttet wurde. Die Expedition kehrte daraus nach der Stadt zurück. — lieber bte Vorgänge in Mtktndant wird berichtet, daß der Vorsteher der Station, Herr v. Bülow, am 23. September gewarnt worden sei, daß in dieser Nacht um 10 Uhr der Aufstand losbrechen würde. Der Mali des Sultans wurde durch Zeichen aufgefordert, mit seinen Soldaten zu kommen. Derselbe traf auch, als es dunkel war, ein, sagte jedoch, daß die Soldaten nichts gegen 15 000 Mann ausrichten könnten. Darauf schifften sich die Beamten nach Sansibar ein. Vor der Abreise wurde das Schiff noch 2 Stunden lang von den Eingeborenen beschossen. Die Deutschen fuhren zuerst nach Lindt, dann nach Kilwa Kiwtnge und von dort nach Sansibar. — Ueber die Vorgänge in Lin di wird berichtet, daß die Stimmung bereits feit Mitte September eine sehr gedrückte gewesen sei, so daß die Deutschen das StaUonshaus nicht mehr verließen. Am 20. September rückten die aufständischen Eingeborenen an. Die Einwohner der Stadt wurden mit Gewehren und Munition versehen. Der Aktda hatte jedoch die Stärke des Feindes absichtlich übertrieben, um in den Besitz von Waffen zu gelangen, welche er gegen die Deutschen gebrauchen wollte. Der Akida habe sich auch geweigert, die Aufständischen anzugreifen. Als die Deutschen selbst angreifen wollten, erhielten sie von einem ihnen ergebenen Inder die Nachricht, daß der Akida selbst die Ausständischen gerufen hätte, um die Deutschen zu lobten. Infolge dessen versuchten die Deutschen Friedensoerhandlungen anzuknüpfen. Die Forderungen der Aufrührer ermäßigten sich schlußlich auf die Zahlung von 450 Dollars, Zeug im Werthe von 10 Dollars, 10 Pfund Samli und 4 Sack Reis — 22 Dollars. Diese Forderungen wurden von den Deutschen angenommen. In derselben Nacht jedoch erhielten die Deutschen von verschiedenen Seiten die Mitlheilung, daß der Akida Befehl ertheilt habe, sie im Schlafe zu ermorden. Darauf bestiegen die Deutschen ein kleines Boot und reiften mit dem ihnen ergebenen Inder, einigen Dienern und einem Askari nach Sansibar. — Der zweite Band der Denkwürdigkeiten des Herzogs von Koburg enthält interessante Mitthtilungen über seine Besuche bei Napoleon III. in Paris. Bei seinem zweiten Besuche unter dem Kaiserreich in Paris 1858 war der Herzog unmittelbar Zeuge des Orsini'schen Attentats und nur einem wunderbaren Zufall hatte er es zu verdanken, daß er nicht ein Opfer des verbrecherischen Anschlags geworden ist. Am 14. Januar war der Herzog vom Kaiser zu einer Jagd in den Gehegen von Fontainebleau eingeladen. „Die Jagd nahm ihren Verlauf, und um den schönen Wintertag zu ehren, wurde auch im Freien bejeunirt. Erst am Nachmittag kehrten wir nach Paris zurück, unb es war dunkel geworden, als wir an der Gare du mibi anlangten. Der Kaiser bestand darauf, mich selbst in meine Wohnung zu fahren, welche am Quai Malaquais gelegen war. Zu diesem Ende mußten wir die Seine am Pont Neuf überschreiten; als wir an dem Monumente Heinrichs IV. vorüberfuhren, machte der Kaiser noch einigem Schweigen, mit einem Hinblick auf die Statue des Königs, etwa folgende Bemerkung: „Von allen Attentaten ist nur das mit dem Dolche bedenklich, wo der Mörder mit der Ausführung ^schon sein Leben preisgegeben hat. Bei allen übrigen Angriffen auf das Leben Der Souveräne hoffen bte Verräther sich durch die Flucht noch reiten zu können." Man wird begreifen, daß diese Worte des Kaisers, wenige Stunden vor einem der schrecklichsten Mordversuche, die je geschehen sind, sich tief in mein Ge- dächtniß einprägten und mir nachher wie eine fast wunderbare Ahnung erscheinen konnten, welche doch in vollstem Gegensätze zu der Ruhe und Behaglichkeit stand, deren sich der Kaiser an diesem Tage in seltenem Maße erfreute. Als wir bei der Wohnung Ehimay's angelangt waren, lud mich der Kaiser ein, nach dem Diner mit ihm die Große Oper zu besuchen. Die Kaiserin, sagte er, wolle heute nach längerer Zeit mit ihm zum erstenmal wieder im Theater erscheinen. Er bot mir an, mich selbst obzuholen, was ich jedoch wegen des Umwegs, den der Kaiser dadurch zu machen genöthigt gewesen wäre, ablehnte. Ich bat viclmehr um die Erlaubniß, ihn an der Oper erwarten zu dürfen. In der mir zur Verfügung gestellten kaiserlichen Equipage fuhr ich nach V29 Uhr nach der Oper. Bekanntlich war kurze Zett vorher, um die Gefahren eines Attentats besser zu vermeiden, bet dem alten Opernhause ein besonderer Eingang für den Kaiser gebaut worden. Man gelangte durch dieses Thor in ein kleines Vestibüle unb von da, auf einer nicht sehr geräumigen Treppe, unmittelbar in die kaiserliche Loge. Die Anfahrt war nur von der Rue Pelletier aus möglich, von wo man in eine kleine Sackgasse einbog, an bereu Enbe sich der erwähnte Prioateingang in das Tbeater befand. An der Rue Pelletier sperrte eine Compagnie Infanterie die kleine Gasse ab, so daß vom Publikum Niemand in die letztere gelangen konnte. An den gegenüber vom Theater befindlichen Häusern waren ungefähr 20—25 Polizisten ausgestellt, die durch ihre dreieckigen Hüte und kurzen blauen Mäntel leicht erkennbar waren. Die nach dem Gäßchen zu sich öffnenden Fenster in den Nachbarhäusern waren insgesammt, wie bei einer Illumination, mit Gasflammen beleuchtet, und es zeigte sich an jedem Fenster ein Polizist. Vor der Einfahrt in die erwähnte Sackgasse war mein Wagen — als kaiserliche Gala-Equipage mit zwei Dienern auf dem Stehbrett leicht erkenntlich — in der Rue Pelletier wegen Der dichten Menschenmenge genöthigt, im Schritt zu fahren. In dem Augenblicke, wo die aufgestellte Compagnie schwenkte, um mich ein- zulassen, bemerkte ich ein Individuum, welches den Pferden in die Zügel fiel, der Wagen kam für einige Sekunden zum Stehen, und ich hörte, daß mein Name von irgend Jemand gerufen wurde. Ohne darauf zu achten, stieg ich im nächsten Moment an der Treppe des Theaters ab, wo ich von General Fleury unb drei anderen Personen von der kaiserlichen Intendanz des Theaters empfangen wurde. Anstatt nun die Treppe hinauf und in die Loge zu gehen, blieb ich in Folge des Anerbietens des Generals, noch eine Cigarre zu rauchen, dis der Kaiser käme, im Freien. . . . Inzwischen tönte von der Rue Pelletier oer Ruf: »Vive Fempereurl“ Das Commando des Officiers, welcher die Compagnie am Eingänge befehligte, unb das Anschlägen der Trommeln ließ erwarten, daß der Kaiser im nächsten Augenblicke anfahren werde. Wir warfen unsere Cigarren beiseite und traten in das Vestibüle. Da hörten wir eine Detonation, die mir zuerst den Eindruck machte, als habe die Compagnie Feuer gegeben. Wir wendeten uns nach der Thür, um zu sehen, was vorgegangen wäre. In bleiern Augenblicke playte unter dem anfahrenden Wagen des Kaisers eine zweite Bombe, durch welche Kutscher, Pferde, Diener und Ulanen der Eskorte niedergeftreckt wurden. Von der Straße her ertönte Geschrei und man hörte Wehklagen der Verwundeten und Hilferufe. Starr vor Entsetzen stand ich noch da, als der Kaiser und die Kaiserin hereinstürzten. Sie schienen zusammenzubrechen. Die Kaiserin ergriff mich gleichsam mechanisch am Arm und sagte ziemlich gefaßt: „Sauvez — moi!“ Der Kaiser war wie betäubt, machte schwankende Bewegungen und ich glaubte ihn verwundet. toein Hut war etwas eingetrieben und auf der einen Seite von einer Kugel -ersetzt. Bevor ich jedoch zur Besinnung gekommen war und die Lage überblicken konnte, erfolgte eine dritte noch furchtbarere Detonation in unserer nächsten Nähe. Die Bombe mußte unmittelbar an die Thür des Vestibüls geworfen worden sein, Sprengstücke und Kugeln zertrümmerten die Fenster und recochettlertcn an der Decke. Unmittelbar nach dem Kaiser und der Kaiserin war merkwürdigerweise wie durch einen Zauber eine Menge von Personen in den Innern Raum eingedrungen, darunter nicht wenig Verwundete. Ich ritz die Kaiserin, die ich am Arme hatte, mit mir fort und erinnere mich, eine mir den Weg vertretende Person niedergeworfen zu hoben, da ich die Treppe zur Theaterloge zu erreichen suchte. Der Kaiser war unschlüssig, wohin er sich wenden sollte, dann folgte er uns die Treppe herauf nach. Endlich erreichten wir alle die Loge. Im Theater hatten unterdessen Spiel unb Gesang bereits ihren Anfang genommen; als wir eintraten, empfing uns gerade der Schwur in der Rütliscene des Wilhelm Tell, man gab eine Reihe von ©eenen aus verschiedenen Opern, unb die Ristori sollte in der Sterbescene der Maria Stuart auftreten. In dem ersten Zwischenakt, während dessen das ganze Publikum von dem Attentat bereits Kenntnitz erhalten haben mußte, da Verwundete in den Korridors des Theaters den ersten Verband erhielten, trat der Kaiser mit der Kaiserin an die Brüstung der Loge, cs fand aber keine Begrüßung statt. Richt eine Hand wurde gerührt, kein Laut erhob sich. Der Kaiser sagte deutsch zu mir, wie er in den folgenden Stunden fast nur deutsch mit mir sprach: „Da sehen sie die Pariser — man ist nie hart genug mit ihnen verfahren." Die Kaiserin hatte, nachdem sie sich überzeugte, daß sie und der Kaiser völlig unverletzt waren, wieder die volle Fassung erlangt. Der Kaiser dagegen blieb furchtbar aufgeregt, war sehr blaß unb zeigte ein mich beängstigendes nervöses Zittern. Die Situation war eine schreckliche, da niemand zu ermessen wußte, was inzwischen in den Straßen von Paris sich zutragen mochte. Endlich trat bei Marschall Vatikan: ein — der Kaiser befahl ihm, sofort bte Garnison zu alarmieren unb nach dem für Erneuten vorgesehenen Reglement Ausstellung nehmen zu lassen. . . . Die Vorstellung war längst zu Ende, als man die Meldung brachte, daß die Straßen von der Oper bis zu den Tullerien von Truppen besetzt seien. Die Herrschaften waren genöthigt gewesen, nicht nur der ganzen Vorstellung beizuwohnen, sondern darüber hinaus in der Loge auszuharren. Als wir das Theater verließen, war es in der Stadt völlig ruhig geworden. Nur die Blutspuren an der Ruhe Pelletier gaben noch Zeugniß von dem gräßlichen Erlebnisse." — Versicherungswesen. Die Lebensversicherungs-Gesellschaft zu Leipzig, gegr. ) 1830, (alte Leipziger) hat sich auch im laufenden Jahre eines zufriedenstellenden Geschäftsganges zu erfreuen gehabt. Seit 1. Januar bis Ende Oktober sind 3405 Versicherungsanträge über 25 469 900 Mark Versicherungssumme bei ihr gestellt worden, und es ist anzunehmen, daß das Gesammtergebniß des Jahres nicht wesentlich hinter dem des Vorjahrs, in welchem die Leipziger Gesellschaft von allen deutschen Lebensversicherungs-Gesellschaften den größten reinen Zuwachs an versichertem Capital zu verzeichnen hatte, zurückbleiben wird. Der Versicherungsbestand beläuft sich, wie aus dem Inserat in heutiger Nummer ersichtlich, zur Zeit auf 47 000 Personen und 292 Millionen Mark Versicherungssumme, das Vermögen auf 70 Millionen Mark. Die neuen Kriegsversicherungsbedingungen der Leipziger Gesellschaft, welche Ende Oktober in Wirksamkeit getreten sind, können als eine glückliche Lösung der Kriegsversicherungsfrage bezeichnet werden, da sie ebensowohl auf die Interessen der militärpflichtigen Mitglieder, von denen fernerhin die Zahlung einer Kriegsprämie im Voraus nicht gefordert wird, wie auf diejenigen der nicht mllitär- pflichtigen Mitglieder Rücksicht nehmen und vor Allem die Sicherheit der Gesellschaft nicht in Frage stellen.__ Handel und Bekehr. Limburg, 14. November. (Fruchtmarkt). Rother Weizen JL 16.80, weißer Weizen JC. 16 55, Korn JL 12 45, Gerste JL 9.40, Hafer Jt 6.55, Erbsen JL 00.00, Kartoffeln JL 0.00. Frankfurts, 14. November. Erbsen ganze pr. Vfd. 12—18 H, do. geschälte 14—18L, Linsen 18—28 -H, weiße Bohnen 16—18 H, Kartoffeln 100 Ko. 0,00—0,00, do. per Gescheid 10-12 Butter per Pfd. 0,90-0,00, Eier das Stück 6-7 H, Blumenkohl per Stück 40—80 H, Wirsing per Stück 10—12 H, Zwiebeln per Pfd- 7—9 Weißkraut per Stück 10—20 H, Rotherüben per Portion 26—30 Literarisches. ^Wassersport" 1888/89, Nr. 7, bringt unter Rudern: Ein Harward-Bale- Nennen (Schluß) mtt Bild. Von Wien nach Linz unb zurück (Schluß), Nachrichten. Unter Segeln: AuS Rußland, Kutter Dawn mit Bildern, Nachrichten. Unter Schwimmen: Nachrichten. Unter Eislauf: Ausschreibung des Hamburger Schlittschuhläufer-Vereins unb Nachrichten. Ferner zahlreiche officielle Mittheilungen der Clubs. Gestreifte u. karrirte Seidenstoffe v. Mk. 1.35 bis 9.80 p. Met. — (ca. 450 verseh. Dess.) — vers. ,roben- unb stückweise porto- und zollfrei das Fabrik Dspöt G. Henneberg; (K- u. K. Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 H Porto. 9221 Für die Abgebrannten in Hünfeld gingen ferner bei uns ein: Fr. Schildköter 2 JL, Liebm. Wolf 3 JL, zusammen 5 «X, insgesammt 276 JL Weitere Beiträge nimmt gerne entgegen Di« Exped. d. „Gießener Anzeiger". Gottesdienst der israelitischen Keligioosgelellschast. Freitag Abend 4*° Uhr, Samstag Vormittag 830 Uhr, Samstag Nachmittag 300 Uhr, Samstag Abend 5°° Uhr. Illi—— I xJrrfgfr«nt,■ an,1 WHI’WlMraPMBMMMRMMMMBM—— Allgemeiner Anzeiger. Sonntagsverein für Mädchen. Eröffnung des Sonntagsvereins am nächsten Sonntag den IS. November in der Hleinklnderschule. Das Lokal ist geöffnet Nachmittags von 2 bis 7 Uhr. Gießen, den 15. November 1888. Für den Vorstand: 9231 Dr. Naumann, Pfarrer. —Mia—M D König!. Bayer. Staatsbrauerei 9 SWeiiienstephaiuS 2 9223 Ausschank im „Deutschen Hoi“. X •mHHWHWIHHMHHH Ium Bolmser Hof. Empfehle einen guten Mittags lisch sowie Rüdesheimer Traubenmost, ä Schoppen 40 H. Auch ist Süßer Aepfelmost im Ausschank. 9120 ____A. Fr. Albold. 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Die Eisenconstructton des Gebäudes wird nach den Entwürfen des Herrn Ctvtltngenieur Scharowsky durch die Maschinenfabrik „Cyclop" Mehlis & Behrens, Berlin, ausgeführt, während das Baugeschäft von Simon & Cie., Berlin, die Herstellung der Fundamente und der Umfassungsmauern übernommen hat. Für den Betrieb in der Maschinenhalle werden vier Kessel aufgestellt. Von den neuerdings gemeldeten Ausstellungs-Gegenständen dürfte die Darstellung eines Gefrierschachtes — Patent Poetsch — ganz besonderes Interesse für sich in Anspruch nehmen, bei welchem durch Verwandlung des Schwimmsandes und Wassers in den festen Aggregatzustand die Gefahr eines Einsturzes resp. Derschüttetwerdens ausgeschlossen ist. Nicht weniger werthvoll erscheint die Vorführung einer completen Papiermaschine, welche die Papierfabrtkation — von der Verarbeitung Les Rohproductetz bis zum fertigen Papier — unter Berücksichtigung sämmtlicher Schutzvorrichtungen veranschaulichen wird. Die Deutsche Seewarte in Hamburg bringt eine reiche Collectio-Ausstellung in Modellen, Zeichnungen und Plänen, welche alle diejenigen Hilfsmittel in sich vereinigt, die dem L>chutze auf See und an der Küste dienen. Während der Dauer der Ausstellung werden zu gewissen Tagesstunden praktische Hebungen auf dem Gebiete des Rettungswesens stattfinden. Es soll den Werkmeistern, Vorarbeitern und sonstigen Interessenten Gelegenheit gegeben werden, sich über die zweckmäßigste Handhabung von Verbandmitteln rc. unterrichten zu können. Eine große Zahl von Berufsgenossenschaften und wtrthschaftltchen Verbänden werden aus Anlaß der Ausstellung ihre nächstjährigen Versammlungen in Berlin abhalten. Die Aus- stellungslettung wird für solche Versammlungen besondere Säle des Ausstellungspalastes zur Verfügung stellen und dieselben auch für Vorträge über Unfallverhütung und Gewerbehygiene benutzen. Das humanitäre Vorgehen der Gebr. Stumm in Neunkirchen, welche bekanntlich eine Prämie von 10 000 JL für ein Mittel zur Verhinderung des Einathmens von Staub in der Tbomasschlackenmühle ausgesetzt haben, hat in vielen Kreisen Nachahmung gefunden. Beispielsweise bewilligte der Glasbeleger-Hülfs- verein in Fürth einen Preis von 4000 JL für eine Schutzvorrichtung gegen das Etn- athmen von Quecksilber in den Belegereten, ferner die Brauereien in Berlin mehrere Preise für eine gute Bremsvorrichtung an Faßbierwagen. — Daß Jemand aus Liebe zum Falschmünzer werden kann, beweist die folgende beschichte, die dem „B. T." aus Rom geschrieben wird: Schon lange hatte die römische Polizei ein neues, fast noch unbewohntes Gebäude in der Sctpionenstraße (im Engelsburg-Vierte!) überwacht, in welchem allnächtlich, von 7 Uhr bis Mitternacht, ein seltenes Treiben bemerkt worden war. Den ersten Stock des Hauses hatte ein in der Altstadt wohnender junger Mechaniker Namens Mercuri gemiethet, der niemals bet Tage, wohl aber allabendlich zur bezeichneten Stunde in seinem „Atelier" erschien und mit mehreren Genossen daselbst arbeitete. Kurz nachdem Mercuri die betreffende Wohnung bezogen hatte, begannen plötzlich große Mengen vorzüglicher, ja geradezu unvergleichlich kunstvoll tmitirter Silbermünzen in Rom zu circuliren und dies sowie andere Wahrnehmungen bestärkten die Polizei in ihrem Verdacht gegen die nächtlichen Arbeiter in der via degli acipioni. Eines schönen Morgens nun erschienen plötzlich Gendarmen in der Prtoat- wohnung Mercuri's in der Altstadt, während gleichzeitig das Haus mit dem Atelier umzingelt ward. In Anwesenheit des hinzugeführten Verhafteten wurden die Thüren gesprengt und nun entdeckte man ein Falschmünzerneft, wie es „reicher assortirt" noch niemals gefunden worden war. In den weiten Räumen befanden sich alle zur Herstellung des falschen Geldes nöthigen Apparate und Maschinen, ferner die Massen des nöthigen Materials und endlich ganze Truhen falscher Goldstücke und Bankschetne. In der geheimnißvollen Werkstätte waren alle Maßregeln getroffen, um für den Fall einer Entdeckung die Apparate sofort zu zerstören und eventuell die ganze Wohnung in Brand zu stecken; nur das überaus kluge Vorgehen der Polizei hatte dies vereitelt. Als Mercuri sein Atelier entdeckt und seine Genossen verhaftet sah, sprang er verzweifelt zum Fenster, um sich hinabzustürzen, wurde aber zurückgehalten und gebunden. Schluchzend erzählte er, daß er, der arme Mechaniker, um nun seine Geliebte heim- sühren zu können, sich zur Falschmünzerei hatte verleiten lassen und daß mit der Entdeckung auch sein Lebensglück zertrümmert sei. — (Verwendung des Schnees zu militärischen Vertheidigungs- zwecken.) Aus Stockholm wird der „P. C." geschrieben: In den militärischen Kreisen Schwedens und Norwegens beschäftigt man sich lebhaft mit der Frage der Verwendbarkeit von Schneemassen für Vertheidigungszwecke im Kriege. Die Experimente in dieser Richtung sind keineswegs ganz neu, und es haben z. B. in Oesterreich schon vor längerer Zeit Versuche mit Schneewällen als Deckungsmittel gegen feindliches Feuer stattgefunden, bei welchen sich ergeben haben soll, daß Gewehrkugeln nicht tiefer als IV« Meter in die Schneemasse einzudringen vermögen. Es leuchtet ein, daß diese Frage für Länder des nordischen Himmelsstriches von noch höherer Bedeutung ist, als für andere Staaten. Der Chef der Depot-Abtheilung in Frederikshald, Oberst I. N. Hertzberg, hat sich bereits vor geraumer Zeit aus dieses Problem geworfen und namentlich Ende März dieses Jahres eine Reihe von Versuchen der bezeichneten Art unternommen. Die „Norwegische Militär. Zeitschrift" veröffentlicht hierüber in ihrem jüngsten Heft eine Darstellung, welcher das Folgende entnommen fein möge. Es wurde eine Brustwehr von 20 m Lange, 1,4 m Höhe (gewöhnliche Anlagshöhe) aufgeworfen, die Dicke derselben betrug am Grunde 3m, an der Krone 2—1.5 m. Der Schnee war an dem Tage, da diese Brustwehr aufgeführt wurde, weich, da die Temperatur -ff 2« C. betrug. Die Aufführung geschah derart, daß die Soldaten große Schneekugeln zusammenrollten. Zum Schluß wurde die Brustwehr mit Schneeschaufeln, Säbel-Bajonetten und dergleichen so abgeputzt, daß sie das oben angegebene Profil erhielt. Hierauf wurden in verschiedenen Höhen vorn an der Brustwehr schwarze Zielscheiben angebracht und Schützen mit Garmann-Gewehren in einer Entfernung von nur 33 m vom Schneewalle aufgestellt. Die sieben Projektile, welche in den oberen Theil der Brustwehr in einer Tiefe von 0.3 Meter unterhalb der Krone abgegeben worden, drangen sämmtlich durch die Brustwehr hindurch, die in den verschiedenen Schußlinien eine Dicke von 1.90 bis 1.58 m hatte, während drei Projectile, die ungefähr in die Mitte Der Brustwehr ober unterhalb der Mitte gezielt waren, also in eine Tiefe von mindestens 0 5 bis 0.7 m unter der Krone, alle stecken blieben und später ausgegraben wurden, wobei es sich zeigte, daß das eine 125, das andere 1.20 und das dritte gar nur 1.03 m tief eingedrlmgen war. Obgleich die Schneemasse von Eisstücken oder anderem harten Materiale vollständig frei war, waren die Projektile doch defor- mtrt, indem sie vorne flach gedrückt und ausgeweitet waren. Nachmittags, als die Temperatur unter 0° gesunken war, wurde ein Theil Der Brustwehr derart mit Wasser überrieselt, daß der Wall im Laufe der Nacht mit einer Eiskruste überzogen wurde. Den folgenden Nachmiltag wurden wieder 10 Schüsse abgefeuert, diesmal in einer Entfernung von 100 m. Da zeigte sich das merkwürdige Resultat, daß der Wall jetzt-für die Projektile leichter durchdringbar war und daß diese nicht im Geringste beformirt wurden. 7 Projektile gingen durch den oberen Theil des Walles, der in Der Schußrichtung 1,59 bis 1,63 m dick war. Diese wurden nicht wieder aufgefunden. Bonden übrigen 3 Projektilen wurden zwei in einer Entfernung von 8 Metern hinter dem Walle und eines unmittelbar an der Rückseite desselben gefunden. Dieses unerwartete Resultat dürfte seine Erklärung wohl darin finden, daß die Schneebrustwehr nach der Begießung mit Wasser durch bas Gefrieren poröser geworben und daher leichter zu durchdringen war. Oberst Hertzberg zieht aus den angestellten Versuchen den Schluß, daß, wenn man der Schneebrustwehr ein steileres Profil gibt, so daß die Dicke von der Krone mindestens 2Vr Meter beträgt, das Widerstandsoermögen derselben wahrscheinlich vollkommen hinlänglich sein werde gegen alle Arten von Gewehrprojektilen und auf alle Entfernungen. Literarisches. — Einen prächtigen Zimmerschmuck bilden die im Verlage von G. FreytagL Berndt, Wien, erschienenen Porträts der verewigten Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. In Lebensgröße und einer der Photographie ähnelnden Manier her- gestellt ist der Preis von 5 JL für das Exemplar ein mäßiger zu nennen. In demselben Verlage sind noch ferner erschienen die Bildnisse von Kaiser Wilhelm II., Fürst Bismarck und Graf Moltke. Bestellungen auf diese Porträts nimmt jede Buchhandlung entgegen. — Von dem »Damenalmanach*, Notiz- und Schreibkalender für das Jahr 1889 ist soeben der 23. Jahrgang in gewohnter prächtiger Ausstattung erschienen. 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Ist letztere ■ aber eingetreten, so wirken die Sodener Mineral-Pastillen den die Lungen-Phthise ■fr begleitenden Katarrhen der Bronchien entgegen. ■|b Nach Lungen- u. Rippenfell-Entzündungen fr ist zur Verhütung oder Milderung der Nachwehen der Gebrauch der Sodener Mineral-Pastillen in hohem Grade indicirt, und bildet eine Vorsichtsmaßregel, die ebenso durch die Sorgfalt der Pflege eines Genesenden geboten, als pekuniär fr leicht zu beschaffen ist. K»,6u. * Einfache Verschleimung oft nur als Folge Genusses +“ geistiger Getränke in froher Gesellschaft empfunden wird, verhütet oder bekämpft der in solchen Dingen B-wandei te leicht, indem er am Abend selbst und anderen fr Morgen je 3—4 Pastillen in seinem Munde sich auflösen läßt; denn schleimlösend F in hohem Grade sind die bekannten Sodener Mineralquellen und desgleichen die •fr aus ihnen gewonnenen Sodener Mineral-Pastillen. A, pflegen daher die eifrigsten Besucher HUiStienlXraXlJXe Sodens und, falls sie nicht in's Bad fr reifen können, die bereitwilligsten Käufer der Sodener Mineral-Pastillen + zu fein. Es ist indeß sehr zwischen leichten und schweren Hustenanfällen, zwischen rasch vorübergehenden und chronischen, langwierigen Katarrhen des Rachens, des fr Kehlkopfs und der Lungen zu unterscheiden- In erster Linie dürften die Mineral- I Vanillen aus dem Sodener Ouellenschatz sogar Denen zu empfehlen sein, die sich nur der großen Empfänglichkeit ihrer Athmungsorgane für katarrhalische Affectionen bewußt sind und darauf denken, namentlich bei kal'.er, windiger Witterung Husten und Heiserkeit zu vermeiden, b- h. dem Eintreten dieser Leiden dadurch vorzubeugen, daß sie während des Gehens in rauher Luft eine Sodener Mineral-Pastille Ernste Hungen-Katarrhe ren und reichlicheren Gebrauch der Sodener Mineral - Pastillen, von * welchen dann 2 bis 3mal täglich 5—10 Stück in Vt Liter lauwarmem Sodener T Wasser Nr. III gelöst und zu einer Zeit genommen werden, in welcher der Magen ™ nicht mit Speise belastet, also nicht in Verdauung anderer Stoffe begriffen ist- fr Einer besonderen Beweisführung, daß die Sodener Quellen für chronische T Katarrhe der Athmungsorgane äußerst heilwirkend sind, bedarf es nicht. 21 e r j V- fr liche Autoritäten von anerkannter Bedeutung haben sich längst, ohne Wider-fr spruch zu finden, dahin geäußert, daß gerade der Gebrauch der Quellen, aus welchen T die Mineralstoffe zu den 9215 fr 8969 Ein in Küche und Hausarbeit erfahrenes älteres Mädchen für Weihnachten gesucht. Kran Dr. Noack, Ludwigstr. 34 III. 9177] Zu Weihnachten ein gut empfohlenes Kindermädchen, das auch Hausarbeit mit übernimmt, gesucht. Nur solche mit guten Zeugnissen wollen sich melden bei Frau Anna Zurbuch, Südanlage 22. im Munde auflösen. Ist die Heiserkeit schon eingetreten, zeigt sich beim Sprechen fr der Kehlkopf gereizt und bekundet ein häufiger Hasten den eingetretenen Langen- fr katarrh, dann genügt natürlich eine vereinzelte Pastille nicht; es müssen mehrere fr Sodener Mineral-Pastillen wiederholt nach einander genommen werden, um bie wohlthätig lofenbe unb mildernbe Wirkung auf bie afficirten Schleimhäute zu üben. fr Wer wirb einen qualenben Husten in feiner Nähe mit anhören wollen, ohne ein so ■ bewährtes Linberungsmittel anzurathen? fr Schließlich sei hier noch erwähnt, boß bei ben qualvollen Leiden, denen fr unsere Kinder Vaiiphlllictanc unterworfen sind, der Gebrauch ber fr während des IbvUUUUUöIüIIö Sodener Mineral-Pastillen uon erfolg: fr reichster Wirkung ist. Beruhigend , lindernd und lösend in ihrem Effecte, mildern fr sie die aifftrengenden Ausbrüche des krampfhaften Hustens, beschleunigen und erleich- fr tern die Schleimabsonderung^ schwächen somit ungemein die nach dem Husten ein- fr tretenden Erbrechungen und heben die den Husten begleitende, oft an das Ersticken fr grenzende Athemnoth. Eine Pastillenkur bei Keuchhusten nimmt ber gefährlichen fr Krankheit Schwere unb Wucht unb hat sich vollkommen bewährt als bas vornehmste fr diesbezügliche Linderungsmittel. Ein wahres Volksarzneimittel sind die Sodener Mineral-Pastillen fr bei allen Ständen geworden und zahlreiche Zeugnisse von Aerzten des In- und fr Auslandes sprechen laut dafür, daß sie die Wirkungen, welche man von ihnen fr erhofft, auch in Wahrheit üben. ~ Jede Familie, die einen schwer Hustenden, einens Lungenleidenden in ihrer Mitte hat, wird mit ©enugtfmung das fr lindernde und zur Genesung hinleitende Wirken der Sodener Mineral- fr Pastillen wahrnehmen und Jeder, ber sich eines so wohlthätigen Mittels oer= 1 sichern will, finbet unter ben vielen Bezugsstellen biejenige, welche ihm bas gewährte T Hausmittel ohne Mühe liefert. gL Eine Zimmerdouche, wenig gebraucht und fast noch wie neu, billig abzugeben. Wo? sagt die Exped. ds. Bl. 7812 Ia.Bettftdernu.Daunm, Barchent u. Iederleinen vermischte Anzeigen. 9181] Kostüme aller Art, sowie Ball- und Gesellschaftskleider werden gutsitzendzu soliden Preisen prompt angefertigt. J. 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Kolb sagt über die Sodener > - k. ä « ‘ Heilquellm, deren transportatioes Product die Sodener Mineral-Pastillen ; “ ‘ Sode“®r V finh • Die ßeilfroft bat durch die böckst alückUchen Erfolae bei I,nnsen-l daß die angewandten > tuberkulo'se die verdiente Anerkennung gefunden, doch nicht minder glänzend Wi» adie^tc i sind die Resultate der Heilwirkungen bei Erkrankung der Athmungsorgane ’ ^?S^er?rc?eils?11C^ Sonstig auf die Expectoratio n germrkt, so und bei jenen Krankheitsstufen, die mit dem gemeinsamen Namen chronischer i in kotzte, sich schnell zum Besseren Katarrh bezeichnet werden." | ßemenbet hat und wie ganz geschwunden ist | Es ist auch eine ärztlich Dinhfhpriti in den meisten Fällen sich in dem Bachen ansiedeln,' constatirte Thatsache, dass die üljIHmvl HidjlllAu wenn derselbe vorher catarrhalisch erkrankt ist. Es empfiehlt ( sich desshalb während Diphtheritis-Epidemien, dass alle Mütter ihre Kinder dazu anhalten, aut den nothwen- digen Wegen zur Schule etc. eine Pastille im Munde langsam zergehen zu lassen. < Sodener Mineral-Pastillen ' . ___________________________. . ■ ■ ... . .. - ' . - X ! Ferher’sche Univ.-Buchhandlung — Giessen, zz