Ar. 212 Erstes Blatt. Dienstag den 16. Oktober ' 1888. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. 1 i Vureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn« Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Aeutschland. Darmstadt, 13. October. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Landgerichtsrath Scriba aus Gießen. Darmstadt, 13. October. Seine König!. Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst geruhl: Ank 10. October dem Landgericbtsratb Wilhelm von Grolman zu Darmstadt das Ritterkreuz erster Classe des Verdienstordens Philipps des Großmülhigen zu verleihen; am 13 Oetobcr den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Alsfeld Hugo Ta sch 6 2um Amtsrichter bei dem Amtsgericht Offenbach zu ernennen. Berlin 13. October. Dem Professor Herrig, Mitglied der Ober Militär- Examinations-Eommission und Lehrer an der Haupt - Kadettenanstalt zu Lichtenfelde, wurde beute anläßlich seines 50. Lehrer-Dienstjubiläums durch den Direktor der Kriegsakademie der Kronenorden zweiter Klasse überreicht. Im Laufe des Tages brachten viele Deputationen ihre Glückwünsche dar und zahlreiche Glückwunsch - Telegramme und -Briefe trafen bei dem Jubilar ein. Am 20. October findet zu Ehren des Professors Herrig ein Festmahl statt. — Nachdem das Erscheinen der Uebersetzung der amtlichen Protokolle der deutschen Aerzte durch Dr. Mackenzie in England mit ollen Mitteln bis heute verhindert worden ist, hat die Berliner Verlagsbuchhandlung der deutschen Broschüre in letzter Stunde die englische Uebersetzung doch so weit gefördert, daß dieselbe heute in Berlin ausgegeben werden kann. StoTten. Rom, 14. October. Dem heutigen Frühstück im deutschen Botschaftshotel wohnten auch Ministerpräsident Crispt, der Krtegsminister, der Marlneminister, der Unterrichtsminister, der Bürgermeister von Ronr und die obersten Hofchargen bei. Nach dem Frühstück trat Se. Majestät der Kaiser auf den Balkon hinaus, wobei die zahlreich vor dem Hotel versammelten Deutschen und Italiener ihn mit begeisterten Zurufen begrüßten. Hieraus empfing Se. Majestät die Deputation der deutschen Kolonie, welche die Adresse der letzteren überreichte, sprach seinen Dank aus, lobte die künstlerische Ausführung der Adresse und unterhielt sich mit den Mitgliedern der Deputation eingehend über die Kunst in Nom. Als Se. Majestät die Botschaft verließ, saß neben ihm im Wagen der deutsche Botschafter Graf Solms, in dem zweiten Wagen fuhr Se. König!. Hoheit Prinz Heinrich. Beide wurden von der Menge mit großem Enthu- stasmus begrüßt. Sympathische Zurufe wurden auch dem Staatsminister Graf Bismarck und dem Ministerpräsidenten Crispt zu Thetl. Rom, 12 October. Der König Humbert har Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm das Großkreuz des Miltlarordens von Savoyen, des höchsten italienischen militärischen Ordens, verliehen. Se. Majestät der Kaiser hat den Kronprinzen von Italien als Lieutenant ä la auite des 1. Hessischen Husaren-Regiments Nr. 13 gestellt, dessen Chef König Humbert ist. Der König hat dem deutschen Botschafter Grafen Solms Las Großkreuz des St. Mauritius- und Lazarusordens, den General - Lieutenants v. Hahnke und v. Wittich, sowie dem Wirklichen Geheimerath und Cabtnetsrath Dr. v. Lucanus das Großkreuz des Ordens der italienischen Krone verlieben und den Botschastsrath v. d. Goltz zum Großofficier des Ordens der italienischen Krone ernannt. — Die bei dem italienischen Hofe beglaubigten Botschafter und Gesandten werden, zvie verlautet, von Sr. Majestät dem Kaiser morgen nach Beendigung der Truppenparade in der deutschen Botschaft empfangen werden. Rom, 13. Octob^r. Bei der gestrigen Galatafel, zu welcher 120 Einladungen ergangen waren, nahmen Kaiser Wilhelm und König Humbert die Plätze in der Mitte der Tafel ein. Zur Rechten des Kaisers saß die Königin, neben dieser Prinz Heinrich, links vom König saß die Herzogin von Aosta, neben dieser der Kronprinz. Dem Kaiser und dem König gegenüber saß der Herzog von Aosta, zur Rechten desselben die Herzogin-Wittwe von Genua und der Herzog von Genua, an der linken Sette des Herzogs von Aosta saß die Herzogin Isabella von Genua, neben dieser Staats- mtnister Graf Herbett Bismarck. Nach der Tafel fand Cercle statt, die bis gegen 101/» Uhr dauerte. — Etwa eine Stunde vor Beginn der Galatafel hatte Kaiser Wilhelm den Ministerpräsidenten Crispt zu sich berufen lassen und demselben eine längere Audienz ertheilt. Am Schluffe der Audienz verlieh Se. Majestät dem Ministerpräsidenten unter huldvollen Worten den Schwarzen Adlerorden. Rom, 13. October. Die Toaste bei der gestrigen Galatafel wurden enthusiastisch ausgenommen, namentlich wurde die Betonung des Bündnisses beider Völker und die Nothwendtgkeit zur Erhaltung des Friedens in der Rede Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm freudigst begrüßt. — Bei der gestrigen Vorstellung des Kaiserlichen Gefolges im Vatikan richtete Ler Papst an dasselbe sehr freundliche Worte (in französischer Sprache) und gab wiederholt seine Freude darüber kund, Deutsche hier begrüßen zu können, wo so viel Angehörige der deutschen Nation, namentlich Gelehrte und Künstler, sehr verdienstvoll gewirkt haben. Rom, 13. October. Seit dem frühen Morgen ist eine gewaltige Menschenmenge nach Centocelle hinausgeströmt, um der Parade vor dem Kaiser Wilhelm beizuwohnen. Um 9V< Uhr fuhren die Königin und die Herzoginnen von Aosta und von Genua, auf dem Wege vom Publikum lebhaft begrüßt, nach dem Paradefelde. Um 9V2 Uhr folgten in einem Zweispänner, mit begeistertem Jubel der Bevölkerung begleitet, Ihre Majestäten Kaiser Wilhelm und König Humbert. Kaiser Wilhesm trug Garde-du-Corps- Uniform mit der Kette des Anunziaten-Ordens und dem großen Bande des Militär- Ordens von Savoyen, König Humbert Gcneralsuniform mit dem Schwarzen Adlerorden. Se. K. Hoheit Prinz Heinrich, der Kronprinz von Neapel, die Herzoge von Aosta und von Genua, Staatsminister Graf Bismarck und das kaiserliche und königliche Gefolge begaben sich ebenfalls zu Wagen nach Centocello. Kaiser Wilhelm und König Humbert werden dort zu Pferde steigen. Rom, 13. October. Se. Majestät Kaiser Wilhelm hat gestern während des Besuches beim Papste dem Letzteren eine Tabatidre aus Gold, mit Edelsteinen besetzt und mit dem Bilde des Kaisers auf dem Deckel, überreicht. Desgleichen hat Seine Majestät dem Mgr. Mocenni eine retchgeschmückte Tabatiöre geschenkt. Rom, 12. October. Nach dem heutigen Frühstück in der deutschen Gesandtschaft » schenkte Se. Majestät der Kaiser dem Cardinal Rampolio ein kostbares mit Edelsteinen t besetztes Pectorale. j Rom, 13. October. Die heutige Truppenrevue ist glänzend verlaufen. Ihre ; Majestäten der Kaiser Wilhelm und der König Humbert, welche um IO1/» Uhr auf dem J Paradefelde eintrafen, ritten, von einer glänzenden Suite gefolgt, zunächst die Front ' der in Parade aufgestellten Truppen ab. Hierauf gegen 11 Uhr formirten sich die Truppen zum Voibkimarsche. Zuerst erfolgte der Vorbeimarsch der Infanterie, alsdann derjenige der Fußartillerie, der Alpentruppen, der Bersaglieri, welche im Laufschritt defilirten, und endlich derjenige der Cavallerie und der reitenden Artillerie. Die Parade war um 121/2 Uhr beendet. Se. Majestät der Kaiser sprach dem König seine Anerkennung über die Haltung und Leistungen der Truppen, sowie allerhöchstseinen Dank aus. Bei der Abfahrt von dem Paradefelde erwiesen sämmtliche Truppen, die in der Parade gestanden und inzwischen auf's Neue Aufstellung genommen hatten, den allerhöchsten Herrschaften nochmals die Honneurs. Die Königin, sowie sämmtliche Prinzessinnen hatten dem glänzenden Schauspiele in einem eigens dazu errichteten Pavillon beigewohnt. Die unabsehbare Menschenmenge, welche die Umgebung des Paradefeldes und die nach der Stadt führenden Straßen füllte, begrüßte die allerhöchsten Herrschaften bei der Hin-, wie bei der Rückfahrt mit begeisterten Kundgebungen. Telegraphische pepeschen. Wolfs'S telegr. Eorrespondenz«Bureau. Wien, 14. Ociober. In einer Unterhaltung mit einem Redacteur der „Presse" sprach sich der König von Serbien mißbilligend über den Führer der Fortschrittspartei, Garaschanin, aus wegen dessen incorrecten Vorgehens in dem Ehescheidungsproceß und wegen anderer scharf zu verurtheilender Handlungen desselben. Garaschanin habe genau gewußt, daß die Königin von jeher jede gegen Oesterreich-Ungarn gerichtete politische Strömung unterstützt hätte. Eine radicale Entscheidung in diesem Proceß sei nothwendig, weil es sich dabei nicht nur um eine persönliche Angelegenheit des Königs, sondern um eine politische Frage handele. Die Beziehungen Oesterreich-Ungarns zu Serbien seien durch die thatsächlichen Verhältnisse gegeben. Es sei eine unberechtigte Vermuthung, daß Oesterreich- Ungarn die Annexion Serbiens anstrebe; kein politisch maßgebender Factor in Oesterreich- Ungarn habe eine derartige Absicht. Der König sprach sich mit der größten Wärme über den Kaiser Franz Josef aus, der als Freund Serbiens die Bewunderung und Verehrung des Königs und seiner Untertanen in vollstem Maß verdiene. Rom, 14. October. Nach der „Riforma" wurden heute in Ventimiglia 6 Kilo kleine Zettel beschlagnahmt, welche einen ähnlichen Inhalt hatten, wie die am Donnerstag in Rom bei der Ankunft des Kaisers geworfenen. Dieselben stammen aus Marseille und sollten nach Neapel geschickt werden, um am Tag der Ankunft des Kaisers daselbst vertheilt zu werden. Rom, 14. October. Der Kaiser, der König und die Königin, sämmtliche Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses mit ihren Gefolgen, der Staatsminister Graf Bismarck, der Ministerpräsident Crispi, der Botschafter Graf Solms und andere bekannte Persönlichkeiten begaben sich Abends um IOV2 Uhr nach dem Capitol, wo sie von dem Bürgermeister und den städtischen Behörden empfangen wurden. Die Herrschaften besichtigten das Museum und begaben sich alsdann nach dem großen Saal. Bei dem Betreten des letzteren spielte die Musik die deutsche Nationalhymne. Es folgte hierauf die feierliche Jnaugurirung der anläßlich des Besuches des Kaisers entworfenen Gedenkinschrift. Hierauf begann das Concert. Nach Beendigung desselben besichtigten die Herrschaften den sogen. Conservatoren-Palast und verweilten dann kurze Zeit am Büffet. Gegen Mitternacht erfolgte die Rückfahrt. Dem Empfang, welcher auf das Glänzendste verlief, wohnten etwa 3000 Personen, darunter zahlreiche Damen, bei. Das Capitol war mit electrischem Licht auf das prächtigste erleuchtet. Rom, 14. October. Gestern Abend wurde in den Kasernen ein Tagesbefehl des Kriegsministers bekannt gegeben, in welchem derselbe mittheilt, daß der Kaiser Wilhelm und der König sich höchst befriedigt über die Haltung der Truppen bei der heutigen Revue ausgesprochen. — Die „Riforma" sagt, selbst die empfindlichsten und argwöhnischsten Ge- müther würden an den gestern Abend zwischen den beiden Herrschern gewechselten Toasten nichts auszusetzen finden. Nichtsdestoweniger seien diese Toaste höchst bezeichnend; der des Königs Humbert werde Diejenigen beruhigen, welche von der italienisch-deutschen Allianz aggressive Neigungen befürchten, derjenige des Kaisers Wilhelm zeige allen Gegnern, daß Nichts im Stande sei, das Bündniß beider Länder zu zerreißen. Beide Toaste ergänzten sich gegenseitig. — Die „Gazetta Offiziale" meldet im amtlichen Theil: Der Kaiser und König Wilhelm II. hat gestern in officieller Form Se. Heiligkeit den Papst im Vatican besucht und königliche Truppen waren von der preußischen Gesandtschaft bis zum Vatican in Spalier aufgestellt, um dem Kaiser auf seinem Weg die militärischen Ehren zu erweisen. — Der „Osservatore Romano" betrachtet den Besuch des Kaisers Wilhelm im Vatican als einen Act von höchster Wichtigkeit. Derselbe habe sich unter Umständen vollzogen, die seinen Werth verdreifachen. Die Stellung der italienischen Regierung werde weder eine befestigtere, noch stärkere, und die römische Frage bleibe völlig intact; so lange diese nicht gelöst sei, bleibe die Sicherheit wie die Existenz des italienischen Staates immerhin im Ungewissen. — Der Erbprinz und die Erbprinzessin von Meiningen begaben sich heute Abend nach Neapel. Der Prinz Alexander von Preußen und die Großfürstin Katharina von Rußland werden morgen erwartet. Rom, 14. October. Kaiser Wilhelm und Prinz Heinrich nebst Gefolge begaben sich um 111/4 Uhr nach der deutschen Botschaft, um daselbst dem Gottesdienst beizuwohnen. Hierauf findet ein Dejeuner statt, an welchem auch der preußische Gesandte bei dem Vatican, v. Schlözer, Theil nimmt. Nach dem Dejeuner wird eine Deputation der deutschen Colonie, bestehend aus dem deutschen Consul v. Nast, dem Präsidenten des deutschen Künstlervereins, Gerhardt, dem Secretär desselben Vereins und dem Maler Tubenthal, dem Kaiser eine Adresse überreichen. Rom, 14. October. Kaiser Wilhelm und Prinz Heinrich fuhren heute Nachmittag um 2 Uhr bei der Rückkehr aus der deutschen Botschaft nach dem Pantheon, legten daselbst auf den Sarg Victor Emmanuels Kränze nieder und begaben sich sodann nach dem Quiri- nal zurück. Auf dem ganzen Wege wurden sie von der alle Straßen füllenden Bevölkerung mit begeisterten Kundgebungen begrüßt. Rom, 14. October. Als Se. Majestät zu dem Gottesdienst die Botschaftskapelle betrat, reichte Allerhöchstderselbc dem Geistlichen, Lic. Rönnecke die Hand und nahm mit Sr. K. Hoheit dem Prinzen Heinrich und dem Botschafter Graf Solms vor dem Altar Platz. Seiner Predigt hatte der Geistliche Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln" zu Grunde gelegt. Bei der Ankunst vor dem Pantheon nahm Se. Majestät der Kaiser den für den Sarg. Victor Emanuels bestimmten Lorbeerkranz Allerhöchst selbst vom Wagen und trug ihn in die Kirche; bei der Niederlegung desselben am Sarge waren die vor dem Grabe aufgestellten Gardeveteranen behilflich. Der Lorbeerkranz war mit goldenen Früchten und breitem Bande in den deutschen Farben geziert Se. Majestät der Kaiser und Prinz Heinrich zeichneten sich sodann in die aufliegende Besuchsliste und zwar auf ein besonders für sie hergerichtetem Blatte ein. Auf einem anderen Blatte trugen Graf Bismarck und die anderen Persönlichkeiten der Begleitung, unter denen, sich auch der italienische Botschafter Graf de Lauuay befand, ihre Namen ein. Se. Majestät schrieb: „Wilhelm H, Deutscher Kaiser, König von Preußen." Hieran schloß, Gießen, den 13. October 1888." mit vollkommenster Hochachtung Ihr ganz ergebenster A. Bramm. Lokales. Oc'?ber. Die Feier d-S 30jährigen Bestehens der Gewerbebank ?{ur die wir m voriger Nr. hmgewiesen, ging am Samstaa in der vorae- sehenen Weilevor sich Der Vorsitzende des Auisichtsrathes, Heir I. Han stein gab aus der Geschichte der Gewerbebank zunächst ein Bild, welches wir weiter unten unseren Die Feier, gewürzt durch Reden ernsten und humoristischen Inhalts d n lange betsammen. Erhöhte Weihe erhielt dieselbe aber noch da- 2c>jahrtge Jubiläumsfeier für Herrn I. Hanstetn in seiner resp. Vorsitzender des Aufsichtsrachs galt Dem Ä^Echend hatte die Gewerbebank Gießen es sich nicht nehmen lassen, an ihrem Ehrentage auch der Anerkennung der Verdienste, die sich Herr Hanstein um Bank erworben, würdigen Ausdruck zu geben. Mit einer erhebenöen Ansprache R*tsrn?f1tCfl^)Crr dem Jubilar Herrn Hanstein eine vom Vorstand und^Auf- fichtsrath Namens der Gewerbebank gewidmete Gedenktafel, die als Zeichen der Aner- kennung den Sitzungssaal des Auisichtsrathes für immer schmücken wll. Hierauf er- mfhIliPhJr 2Bcik8cl B^ort, um Namens der Beamten und der Äussichtsraths- mttglieder Herrn Hanstein ein mit den Photographien der Betreffenden nefiintea ^lbum zu überreichen. Sichtlich bewegt dankte Herr Hanstein für die ^^N^n^^^^.^uSökichnungen. — Daß auch die Vertreter der Stadt das Wirken ^Iank und die Verdienste des Herrn Hanstein um dieselbe zu würdigen wissen deweift nachstehender Brief des Herrn Oberbürgermeister Bramm: ' । „Sehr geehrter Herr Hanstein! ß JSn ^rechter Würdigung der großen Verdienste, welche Sie sich um die hte- sige Gewerbebank erworben haben, hat der Aufsichtsrath mit der 30iäbrinen ^pipr ÄÄ br,8an'b*e gleiÄWUwÄTStaffS«! raiH unb 2h^es langjährigen Präsidiums desselben verbunden. Verdienste" wel-b^°n- 3cit i6r^r ersprießlichen Wirksamkeit und di- ^Zerotenste, welche sie sich insbesondere um den gewerbtretbenden Bürgerstand in ^^dt erworben hat, mit hoher Befriedigung zurückblicken darf, so geschieht d?eseo Zugleich in bem Bewußtsein und in der Anerkennung, daß Sie einen ber- I oorragevden Antheil an dieser ersprießlichen Wirksamkeit haben. Gestatten Sie I ffhüfmÄ'r ra6 td)h ?Cs ^Älchsten Wünschen für das fernere Gedeihen und Bauden der Gewerbebank den Wunsch verbinde, daß es Ihnen noch lange ^abre K» möge in ungetrübter Gesundheit und steter Geistesfrische Ihre gc deihlich.' Thätigkeit dem Institut widmen zu können. 9 8 I Vum heutigen Abend recht viel Vergnügen wünschend, zeichnet Dem geschichtlichen Theile des von Herrn Hanstein erstatteten Berichtes ent- nehmen wir das Folgende: V-r-inigung».war der Wahlspruch, unter welchem engl sche Arbeiter die ersten Genossenschaften gründeten, als welche wir auch heute noch nrt und Wirthfchaftsgenosfenschaften kennen, als deren eine am Drt die Gewerbebank Gießen heute auf eine dreißigjährige Thätigkeit zurückbltckt. T .™ictlc.rcr Rückblick auf bie ersten Anfänge der deutschen Genossenschaften ftUrCL l t/ fo 'et bler noch erwähnt', daß im Jahre 1849 und 1850 die ersten @e= nosienschaften am Geburtsorte des Vaters der Genossenschaften, Dr. jur. Hermann ?JuJrJrte.in D-litzsch Pwo.Sachsen, von diesem gegründet wurden. Es waren dies m 2 feiV ""^^^bkasse, eine Rohstoffgenossenschaft für Schuhmacher und ein 1 baß diese ersten Genossenschaften in Ansehung ihrer unterstützt durch Wort, Schrift und Thal des späteren Anwaltes der Genossenschaften, Dr. Schulz e-Delitzsch letzterer nah im cYnhrri> i ein '^?o"attonsbuch für Deutsche Handwerker" heraus, lieferte später ständige Bei- r Gewerbezeitung", an deren Stelle die noch heute bestehenden „Genossenschaftsblatter" traten. Die Gewerbebank zu Gtesten durfte firtSfinn Deläs^ 'sb n 30 Vorschußvereinen zu zählen, über welche Schulze- sammtlich uberraschenbe Resultate lieferten. Complette Acten sVL? Mündung der Gewerbebank sind nicht vorhanden, es läßt sich nur aus dem dürftigen Material conftatiren, daß Herr Fabrikant Gg. Noll, derzeit Director der ^"enbraueret. einen Entwurf zu einem Statut ausgearbeitet hatte und denselben den nachfolgenden Ausschußmitgliedern unter breitete: Herren Buchhändler Ricker ^ean Hanstein, Ludw Nagel, Ph Hirschfeld, Fr. Strack^ P h.alther' Aug Nauheimer und Prof, vr Soldan. Diesen Entwurf legte Herr Noll den oben Genannten mit folgendem Circular vor: n „Der nachstehende Entwurf für eine Handwerkerbank in Giesten ist htn I „Statuten des Vereins in Detttzsch nachgebildet, welchen ich fast wörtlich „abophrte und zwar aus dem Grunde, weil ich denselben dem in Geldsachen "^gbewanderten Publikum unseres Vereins als am meisten verständlich nc^inc ln diesen Entwurf noch auf, was ich aus den Statuten "sn* c*rlCn6ur?cr Stuttgarter Vereins für brauchbar hielt Meine „Vorschläge gehen dahin: 1) Wir lassen die Statuten von einem Rechts- 8^ pausen, nachdem der Ausschuß sie nochmals durchberathen, lassen "m- hÖ?n % drucken und legen dieselben dem Wochenblatte bei. Die Kosten "^u.^Gewerboerein auf sich nehmen müssen, fehr hoch dürften sie sich F.nI?1 Die Veröffentlichung auf diese Weise wird zur "meihen^mirh' Sache besser verstanden und gesunder beurtheilt "nn^bdem Verein schätzbare Elemente zuführen. 14 Tage -n ch Vahrner Veröffentlichung berufen wir dann eine Generalversamm- ''mt^Dief^ hibParJ?tn?Ot*maI- dl?eE ß(fte 3ur Unterzeichnung auf und berathen "XÄ ^^Aatuten. Je tiefer man sich in die uns beschäftigende Frage "oa? hfl?nr o*?" Itd) möglichen segensreichen Wirkungen „oor das geistige Auge. Lassen Sie uns deshalb nicht allzu sehr eilen ton- "mbttden ° Eile^wir^d örtlichen Meinung Zeit, sich aufzuklären und aus- "^-?en. Eile wird dem Unternehmen nur schaden, denn das Eisen ist 9Ha"^^afinh?A°r 6 blc @Iutb muß erst kommen." Als Rechtskundiger hatte nun Herr Reg.rAccesstst Bartb I ben wurf geprüft. Der Ausschuß berieth nochmals Alles durch und u L Statuten begann der Verein seine Thätigkeit am 6 Sevtember bcr gehörten bei seiner Gründung 69 Mitglieder an, 21 traten in demselben Jahre noch bei. Von I , . .. Chicago, 14 October. Ein großer Theil der Strikenden der Pferdebahngesellschaft hat die Arbeit wieder ausgenommen. Man hofft, daß die Arbeitseinftelluna in nächster Reit I brinntirfipr 9Ti.afrf.rZ« «T? kV‘t' uno yieroc ganz b-°np°t sein wud, da AuSgl°ichs°-rhandtung°n mit den «rbeitgeicrn® im (Sang sind! Erstmnn M em- Bcsichtigung der Kirch- - Im Laufe des Nachmittags entlud sich ein heftig- Gewittsr mit starkem Regengüsse über der Stadt. Rom, 14 October. Außer dem Ministerpräsidenten Crispi ist auch dem italienifchen Botfchafter Grafen de Launay der Schwarze Adlerorden verliehen worden. Der Syndikus Guicowlt erhielt den Rothen Adlerorden 2. Classe mit dem Stern; Piiani, Cabinetschef Crispi's, den Kronenorden 1. Classe; ferner wurden mehrere andere hohe Beamte und andere Personen, mit denen Se. Majestät persönlich in Berührung gekommen, mit Orden ausgezeichnet. - Von dem Gefolge Sr. Majestät des Kaisers dekorirte König Humbert u. A. den Oberhofmarschall o. Liebenau mit dem ÄÄÄÄ "nb h“ “Ml- w»«« -.‘AttÄSSÄ»1-b"nM*"•* Paris, 14. October. Ferry hielt gestern gelegentlich eines ihm ,u Ehren in Raon l Emp- vom Gemeinde, alh gegebenen Festefsens eine Rede, in welcher er sagte, das Land wünsche keineswegs -in-V-rfassungsreoision, sondern verlange nur nach Frieden im Innern. Indem er sodann auf die letzte Demonslratton an der deutschen Grenze anspütte mißbilligte er die durch eine gewiss- Presse betriebene Ausnutzung der patriotischen Gefühle und fugte hinzu, daß, wenn derartige Kundgebunaen sich wiederholen sollten und namentlich an der Grenz- dies nicht d-n Elsässern zum Vor- theil gereichen wurde. 0 . B. Kullmann, Ehr. L-o, Jos Ntonn (Sa SloU ' S01^' 3uf*u5 Ätailtng, Ä Wn Ä^n®8„ RLr?Äg^chuL" ,4 M. Fillmann, <5 8anTauEr, 3 Sa, fteto^ : 6arI Wusetztt Ad. Mehl, Aug. Balser, Gg. Noll Louis' Krostm^n S Walther, Roth v. Krug, N. Budgc, Kreisbaumeister L)?l^vfe? rechnung der Bank, umfassend die Zei vorn^ 1 Vciober9!^? ^krwaltungs- hie BaDl der Mitglieder 170 mit einem ® "mmÄe Ä iimjaß bezifferte sich auf 47013 Jt An Vorschüssen lieb b?r 9^r 557‘ ®er ^esamml- D--rlehen auf 10333. Der R-s-rveso>,d betrug m "V?309 und M 46.— und an bie M.tglieber wurden lOntft ..04, ber Reingewinn (Statut der Gewerbebank war ber nöibiae gewählt. Nach dem ersten | Mikglieber und durch Darlehen, welche öbe? Verein durch die Beitrage der ! Mitglieder aufnahm. Die Soiidarhast regelte^sich nach ^aftbarfe.t der Ver-insglaubiger haben sich zunächst nur an ben 58er.hr unh n-®=ft'mmungcn: Di- »u halten Reichen die Mittel des Vereins^ iur ® J daun wird vom Ausschuß vorbehaltlich des Sudef ™ m. b,in [nid,t »In, I der fehlende Betrag auf die Mitglieder und ßternnn ? C Houptversarnmlung, dringlicher Ausschlag auf die zahlungsfähigen Mitglieder iu & n ""wiger unein- Erft wenn hierdurch die Vereinsgläubiaer nicht binnen^n gleichen Theilen umgelegt. haben sie das Recht'^ bie bahbareÄ uni) sind diese alsdann befugt, den gezahlten Betrag auf die »nfu ^^?.^elbft zu belangen ! umlegen zu lassen. Weiter ist aus beme?ftfn©talut Mitglieder einen monatlichen Beitrag von 12 ireuw mr*ba6 W®‘-»Wieber fonds einzulegen und zur Bildung eines Reservefonds sÄ?8 ^s Belriebs- m Monat Januar eines ieben Sa^e^ mu?be?i ebeu?a^ ^blen hatten; ,Str et' vier solcher Jahresbeiträge befreiten nnn ?.< 12 öum Reserve- M.Cr6mafimaIbcitra9 des Mitglieder-Guthabens war auf fchußempsanger erlegten 2 Heller von dem Gulden ala V»/? ff- Mgesetzt. Die Bor- Darlehen 70 fl. nicht übersfteg, bei höheren Darlehen'wurd" /afern das roUrbe im 3obt 1869 b°rath!n°^tra77r!t-4.^ul7°dL g-u-n ^naa^moÄVr & lÄ^3 -ber R-chl- einer etugetra- trat. Das neueste Statut ist s-st L Janüa! jg79 in tah"” Statut in Kraft munn, f-in/Rachstlg-7 waren °dann bi“tin So'LiFspe'td'i^g “nn m ^ohre 1882 der am I . Der erste Eontroleur war Kart ^ed)ner SewähU. 1 Tode; von da ab fungirte Herr faeinr^'JRnnnpr ^"u^m 1874 erfolgten I zum Rechner im Jahre 1882 Herr 6^1^0 61 II§ am U 2ßa^ I troleur gewählt wurde. J 0t 111 "m 14. Januar 1883 zum Eon- I 3- Hanstein,°L.^G!°ßmann Schäker'' Lantza ”“»? rbie. Herren Fr. Berg, I L. Jahrets, Louis Petri I. und Advokat W^setzki b ' 6lrto,di>' M. Walther, seine SM- hat'H^rVlatt WäbVnm" 6,3 -um Jahre 1880, an I Aug. Balser, es wmde^nach desstn^ode sti^das Wobnba^ b°" 9ied,ner I Ehr. Wallenfels I. verlegt. Da aber die ^°chbengen Rechners der Bank nicht entsprachen, so wurde in einer^Anfordeiungen I 6. Dezember 1876 abgehaltenen aufeeroi bentlirhf'n11^^^ Einberufenen, am I Erbauung eines eigenen Hauses bei der (Serbintn^n "^^israthssttzung beschlossen, die £!S\SKi ÄSSEm-ÄÄ ÄaS 'nicht' e^ibeil^ j^er।g°JpQi879Stelle"eine Generalversammlung abgebalten, in welcher ber giink n? s 1879 w eder eine gebaute steht, bestimmt wurde auf fcem nun das neue Bovk- 20. April 1880 statt unt?im Frübiabr IfflVn/llen ^baude fand am der Bank selbst benutzstm^^RSume^ ftob ?a§fel^e bezogen. Di- nicht von 1540 M 8 e |u,b 01rmle|6ct und ergeben einen Mi-thertrag von die V°r?uste1i7d"h§chs/ ^nbSnb L'äuL^kei Wt W «"wirtbschaft-t, deren Entwickelung. Die Bank batf mit felnen ??Eblbelligen Einfluß auf I feit zurückblicken. Trotz kriegerischer ul 2° Aahre ihrer Thätig- ftebenden Druckes auf Handel nnh ichensalle und trotz bestandenen und noch be- le&rfniffe WWiÄ?ftd8 lÄ? f?Snte Genossenschaft die Credit- Bank betrug Ende 1887 M. 237,268. 57 ihre Restrve ^“10^388 """‘S'11«’“0 ?er Pensionsfond betragt JL. 6 484 03 -9» «fnnnnlit*6 o 1 c « Der Beamten- öeId,e d-r/w-AÄ?: lEXtt Md,C' unb durch ihre Functionen als R"vistren"un"Vmstandsmit^^^'?^b^""b^°b" Genossenschaft gedient, Dank gebühtt auch dem Pubstkum ber ununterbrochen die Bank mit seinem Vettrauen beehn hat bur<6 ®clbe,nlü0e" gefäet, i^aulgTn^ttrZSeirTd,"!- - Delitzsch ausmittag Äm'alte5'Sen'unkAem06^^3;«f-"d gestern Nach- Walter Möhl, das Abexercieren ber ffliefcX? w Hauptmanns, Schlachthausver- tritt der aus Mitgliedern des Corps vo/Kurrem ^eh^hlt Abuerwchr statt. Unter Voran- nach dem Oswalds Garten woselbst gebilbeten Capelle bewegte sich der Zug r-s”5 •"»'2S; und dem der Steiger auf dem auf der großen Leiter nur 6>/a ch guten'Händ?ist^ Daß"sich' daffAbe ° um Führung d"es Corps LLZ» >- r? «*-*s » äs Vorstand, welche sitmmtlich sich b« l16” Pb",eirath sowie der Stabt-. Willy und dessen Tochter verabredet 9M&b » ° 6,elr?^ zwischen seinem Sohne ist, kommt Blaamer mit seiner 2-ochter^^m "h^a^au^f emer ©efcbähöreife abwesend auf energischen Widerstand - sie mil^nirfit n^srf. rf ^iekt auszufuhren, stößt aber bei ihr will nichts wissen von einer fiei™th nhnJ ^er.^ad)ertf werden, wie eine Waare. Auch Willy schonen und braven, aber arm u Mädchen d« SMen einem m'|-SÄSPÄ rmd in feine Kleider gesteckt, ohne Jemanden zu fragen, außer ihrem Vater, dessen 3u. stimmung sie ertrotzt. Reichenmüller kehrt indeß von seiner Reise zurück und trifft Knoche, dessen Tochter ihm ausnehme,id gefällt. In dem Glauben, seinen Geschäftsfreund vor sich -u haben, bespricht er mit dem Steinklopfer das Heiratheprojekt. Knoche, die Verwechslung nicht ahnend, versteht, der alte, reiche Fabrikant wolle sein Schwiegersohn werden und nimmt dessen Vorschläge erfreut an. Elise hat sich inzwischen mit Willy verständigt und imü gt, ihres Vaters Keden aus ihn beziehend, natürlich gleichfalls ein. Im Hause ver- breitete sich mittlerweile die Kunde, der alte Fabrikant habe ein Verhältnis mit El'se und jüoUe diese hetrathen. ©eine Gattin Ulrike hört es ebenfalls und deutet nun die Worte ihres Sohnes m diesem Sinn. Bitter gekränkt richtet sie sich zur Abreise aus Nimmerwiedersehen. Jetzt vernimmt auch Reichenmüller das Gerücht und, um allem Gerede den Boden zu entziehen we.st er Blaamer, den er für den Stemklopfer hält, mit sammt ferner Tochter die Thure. Ihren Gipfelpunkt erreicht d.e Handlung, als Knoche erfährt, Relchenmuller der alte Sünder", sei schon verheirathet. Da löst sich das Mißverständniß! Er erfahrt daß Willy, der sich ihm gegenüber für einen Commis auSgegeben, fein Schwiegersohn werden soll und ist einverstanden. Reichenmüller glaubt aber noch immer, dre geplante Verbindung mit dem Hause Blaamer sei geglückt; da stellt sich heraus, daß Willys Schwiegervater der Stemklopfer fei. Erst ist er jetzt in Verlegenheit, was thun Doch alo er sieht, daß Fräulein Blaamer sich mit dem Commis Bucher begnügt, seqnek'auch er gern den Bund seines Sohnes mit der Tochter des Stemklopsers. Die Aufführung war wie bei der guten Besetzung der Zivilen nicht anders zu erwarten eine durchweg gelungene. Der würdige Fabrikherr fand in Herrn Taußiq einen ehr tüchtigen Vertreter. Ihm zur Seite stand Frl. Frey als Ulrike. Eine bessere §.^llung der liebenden Mutter, der sich tief gekränkt fühlenden Gattin, konnte man sich schlechthin nicht wünschen. Der Sohn eines so gut dargestellten Paares war natürlich mindestens ebensogut dargestellt und zwar von Herrn Förster. Der Kaufmann Blaamer wurde von Herrn Hildebrandt vollständig im Geiste der Rolle durchgeführt; entspricht diese auch nicht völlig dem Typus eines Holländers, so ist sie doch urkomisch. Frau Reiners — roie gewöhnlich — reizend. Der Wechsel von Regen und Sonnenschein in ihrem Spiel ist entzückend und das Plappermäulchen, das, einmal in Gang gekommen, nicht stille stehen will, nicht minder. Auch Frl. Müller wurde ihrer schon etwas ernster gearteten -rite m vollem Umfange gerecht. Von Herrn Reiners (Knoche) läßt sich eigentlich gar Nichts sagen. Wie sollte man dieses Spiel einem beschreiben, der eö nicht selbst gesehen hat? Wenn schon jedes Wort, das er sprach, jede Geste, die er machte, stürmische Heiterkeit hervorrief, so entfeffeiten die Couplets, die er einlegte, einen nicht enden wollenden Jubel Wir glauben im Interesse des Publikums zu sprechen, wenn wir Herrn Reiners bitten, uns bald noch einmal als Steinklopfer Knoche zu erfreuen. Auch die Darsteller der Nebenrollen trugen wesentlich zur Erhöhung der Heiterkeit und zum Erfolg des Ganzen bei Vornehmlich Herr Hentschel, der Weiberfeind Balthasar, sowie Frl. v. Fels als Sophie Hr. Göhler (Bucher) entledigte sich seiner undankbaren Rolle — er hatte eigentlich nichts zu thun, als Lisbeth zu „tragen" — recht gut und spielte mit einer schönen Wärme. Dem Souffleur zollen wir unseren Dank für sein freundliches Entgegenkommen indem er wenigstens etwas mehr im Stillen wirkte. Solch voller Säle, wie diesmal, wollen wir Herrn Reiners noch recht viele wünschen I Th M—n Gießen, 15. October. In der heutigen Synode des Decanats Gießen wurde langjährigen Herrn Dekan Dr. Strack zu Lang-Göns, welcher aus Rücksicht auf sein hohes Atter eine Wiederwahl abtthnte, Herr Pfarrer Wahl zu Wteseck mit 28 gegen 14 Stimmen, welche auf Herrn Psr. Dr. Naumann dahier tjelcn, gewählt. Zwei Stimmzettel wurden weiß abgegeben. Zum Stellvertreter des Dekans wurde Herr Pfarrer Schlosser mit 26 Stimmen gewählt. Vermischtes. — Frankfurt, 14.October. Die Dia manten der Fürstin Gortschakofs werden am nächsten Mittwoch die hiesige Strafkammer beschäftigen. Es ist bekannt ©ortfcMoff im November 1886 die Wahrnehmung machte, daß ihr für 200 000 JL Diamanten und Schmuckfachen gestohlen waren, es dürste ferner bekannt sein, daß die Kammerfrau der Fürstin, Frau Anniser, des Diebstahls verdächtig, ent- ro,ur?e/ Dem Sohne der beschuldigten und entlassenen Kammerfrau, einem jungen Jxed)i5gelebrfen in Heidelberg, der an seiner Mutter Unschuld nie gezweifelt, ist es - rote teifils zu Anfang die«es Jahres durch die Tagespresse gemeldet wurde — in er,ter Linie zu verdanken, daß jetzt einem Menschen der Proceß gemacht wird der wenn er auch die Diamanten nichl selbst gestohlen, doch jedenfalls von dem Diebstahl wußte. Dem Sohne ist es natürlich weniger um die Bestrafung des Mannes zu thun 5er/ ro.ie utcht )U leugnen itt, in Beziehungen zu seiner verwittweten Mutter gestanden Äh rulH d- Unschuld der letzteren darzuthun. Die Anklage gegen jenen Mann, Jiflcfert aus Karlsruhe, lautet nur auf Hehlerei, obwohl schwerwiegende That- sachen ^atur sprechen, daß er selbst der Dieb gewesen ist. Die Geschichte des Juwelen- dtedttahks ist schon letzt zum großen Theit bekannt; einige hiesige Blätter thellen fit wrcire ‘n kurzen Zugen mit, wobei aber jedenfalls zahlreiche interessante Neben- mnstande vergessen find. Was man bis jetzt über den Vorgang weiß. läßt sich in folgende Zetten zulammenziehen: Die Fülsttn Goitschakoff weilte im Jahre 1885 in Karlsruhe. Ihre Kammerfrau, Frau Anna Anniser. lernte hier jenen Otto Rückert kennen und knüpfte mit diesem ein Verhälttnß an. Rückert ließ sich durch Frau Anniser der Fürstin, durch deren Empfehlung er eine Stelle zu erlangen hoffte, vor stellen. Die Fürstin versprach, sich für ihn in Paris zu oerwenoen. Bald hernach reiste die Fürstin nach der französischen Hauptstadt ab. Rückert folgte ihr bald nach und versuchte wiederholt durch der Fürstin Vermittelung Unterkommen zu finden, allein vergebens. Im Juli 1886 trat Fürstin Gortschakofs eine Reise nach Sornato an; ihre Rammen trau Hefe fu in JarU jurüef, dagegen nahm sie deren Tochter mit. Während der Fürstin Abwesenheit ging Rückert im Hotel der Fürstin aus und ein und erlangte duich lein Verhaltniß zur Kammerfrau nicht nur Ortskenntniß, sondern auch Kunde von den Gewohnheiten der Fürstin. Letztere hatte einen Theil ihrer Schmuckgegen- Hmrdek und Verkehr. Kartoffeln Ä^Sfi^Ä W-Älta 1W — Die Quellen Warmbrunnen und Wiesenbrunnen, aus welchen der Stoss lu if? e *13 IL!^tcr ^"ll^enden Sodener Mineral-Pastillen gewonnen wird haben ärztlicher Erforschung zusotge durch ihren höheren Kochsalzgehalt den Vorzug, daß sw Erzielung der wohllhatigsten Wirkung aus katarrhalische Zustände wen ger leid t erhitzen und also Mtlder wirken als die eoncurrir.nden Quellen und Brunnenpräparote der berühmtesten Curorte. Dr Cretzschmar schreibt bei der Beurthe.lung der Soden r Heilquellen speciell des Wa.mbrunnens: Der vollkommenste Erfolg kann nicht mehr in Zweifel gezogen wo,den. seitdem an hartnäckigen u-beln Leidende die voltständiae G-n-sung durch fie gesunden haben. Und Sodener Mineral Pastillen erhält ich in allen Apotheken Droguerien und Mrneralwasser-Handlungen. »85 /per Schachtel finb das unverfälschte Product dieser Quellen. Bedarf es noch weiterer Anpreisung? 8057 ®cbiffe»a4irtc^ten. ^7°n'r.^»Ocl°ber. lPer transatlantischen Telegraph.s Der Schnelldampfer Ems, Eapt. Tb. Jungst, vom Norddeutschen Llopd In Bremen, welcher am 2. October von Bremen und am 3. Ockober von Southampton abaeaana7n fit gestern 11 Uhr Vormittags wohlbehalten in R.wyork angekommen " ” 0 ' »amme.fiar. m/°enraM ^Ti?'R?ckk'vr .und^ieselben der Obhut der Tochter ihrer in her Famili- unerwartet der Fürstin ei folgte infolge eines Todesfalles hl Paris zm.ächfi tu ber ^ü hnSUi^s Juwelenkarten wurde I.ach Wiedereintreffen Schlafzimmer so lange au-b wab?t^ b l h6ern‘ld,t iebod’in 5r“u AnniserS nahm und in hm die FmNm den Kasten wieder in Empfang Fürstin, den Aufbewahruna^ort bpf-°hi' Schlüssel zum Kassenschrank versteckte die Anniser unb P TxT a?!cr Besitzerin selbst, nur Frau Sch.üsM sfickkauf'dk^" «ÄÄ der Dieb auafinbia ni marfipn aller Bemühungen nicht gelungen, den soll es zu danken s- n^ dak Nn^r7 schhi.vfl.ch entlassenen Kamme,frau (s7ntrnfhrt? fr»rt u&cr ctl1 9°^ au'gehalten hat, gab sich als Oberingenieur am M S'FäSmSää UftXn^fpV ?C^fen ®05?en' audL®°acn fcinc Hausleute bemerkt haben daß er ein lor0^nm dutete. — Rückert leugnet jede Schuld. Auf die ftürftin (StorP b?r «r roetblid) unb bezeichnet sie als eine leichtlebige Perlon Den Besitz der Brillanten erklärt er folgendermaßen: Ein Engländer Allfree der in hitfmln w7rth^n0Cn9rUL^U?{n ^standen, habe von letzterer angeblich Juwelen von hohem Den schinnb "Gewährung erhalten. Allfree habe dieselben ihm, als er (Rückert) nach Deutschland reifte, anvertraut und ihn gebeten, dieselben hi einpr fc. o«?? S I^er hp3Ul^b* ; ^e^r^/enfileiftung habe Allfree ibm 10 000 Frcs verspräche " den L-chatz mdeß abgeliefert habe, sei er statt mit Baargelb mit Schmucklacken bejablt worden und von diesen Schmuckiachen habe er verschenkt resp. verkauft. Allfree n?riAf.rnUn ^"I^u^lich die Schmuckfachen nickt zur Aufbewahrung erhalten sondern gestohlen und ihm einen Tbeil derselben als Bezahlung gegeben, um den Verdacht auf ^n äu lenfen Rückert soll eine gute Schulbildung genossen haben unb um eine Vnt nicht verlegen sein. Es sprechen aber, wie verlautet, so viele Ding7ge7en ihn Ä A “IS - »•-» Farbige Seidenstoffe von Mk. 1.35 bis 12.55 P. M-t. - Btatt U. gemustert kca. 2500 versch. Farben und Dessins, - vcrs. loben- und r!?k1 gr" P-°ri?s ?°a^rcl Fabrik-D^pöt G. Henneberg (Ä. u. zx ßDf. lief.) Zürich. Muster umgehend. Briese kosten 20 Pf. Porto 8271 Kirchliche Anssiym der rMngelifdjrn ©fiiifiiibr. e-nn i^Cute ^cnb 8 Uhr: B i b e l st u n d e in der Kleinkinderschule, 1. Moses Oe Naumanm 26 b£r MenW nacf) ®°“tS ®i,b ßefd&affen- Pfarrer Allgemeiner Anzeiger. m ■ezet. t>o/tne-f&. IloflItUlHH Hotel zum Hirsch. Mittwoch 17. und Donnerstag 18. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr werden in dem früher Bramm'schen Sälchen Neustadt 55 von einer Erb- scharfttheilung aus einem eleganten Haushalt: 1 Sekretair, 1 Chiffonnier, 1 Salonspiegel, 270/70 Ctm. 1 Sopha, 4 Sessel, 2 Plüschsessel, 1 Ledersessel, 1 Armstuhl, 1 Krankenstuhl, 1 Bidet, 1 Schreibtisch, 1 Ausziehtisch, mehrere feine kleine Tischchen, rundes Marmortischchen, ovaler Spiegel, Spieltisch, Kleiderständer, zwei Toilettenspiegel, ein- und zweithürige Kleiderschränke, polirtes Bücherregal, Waschkommode, Waschtisch mit Marmorplatte, engl- Waschgestell mit Zubehör, Betten und Bettwäsche, neues Plumeau und vier Kiffen, Schirmständer, vorzügl- Bilder: Napoleon I, Helena, eleg. Hängelampen, Küchenschrank, Treppenstuhl, Dampstopf, Waagen, Bräter, Wafferschiff, Fisch- keffel, Meffer, Gabeln, Salatbestecke, Huilliers und Bänkchen in Alsenide, Elfenbein und Silber, Kaffeemaschinen, Porzellan. Mandelreibmaschine, Citronenpreffe, hochf. Wein-, Bier-, Liqueur- und Theegläser, Tasel- tücher, Leibwäsche rc. versteigert. Nähere Auskunft ertheilt H.rr Louis Rothenberger. Im Auftrag Käufe, Verkäufe, Mietheu und Ver- miethungen von Häusern, Grundstücken und Neues Theater in Giessen. Dienstag den 16. October r Das Stiftungsfest. Schwank in 6 Acten von G v. Moser. Regie: Herr Reiners. Personen: Dr. Scheffler, Advokat Emanuel Taußig. Bertha, feine Frau Marie v. Fels. Kommerzienr. Bolzau Adam Reiners. Wilhelmine, dess. Frau Antonie Frey. Ludmilla, ihre Nichte Anni Reiners- Wichtig für Mütter! Allen Müttern, mögen sie stillen oder nicht, welche Kinder mit kräftigem Knochenbau, starken Nerven und gut entwickelten Berdaupngsorganen erwachsen sehen wollen, sei das, laut chemischer Untersuchung und ärztlicher Prüfung von den Fach-Autoritäten als ein Nähr- und Heilmittel ersten Ranges anerkannte Brimborius, Festordn. Ernst Hildebrandt. Schnake,Vereinsdiener Karl Hentschel. Franz,Dienerb.Bolzau. Max Löwe. Der 1. Act spielt in Scheffler's Wohnung, der 2. und 3. Act in der Billa des Kom- merzienraths Bolzau. Kassenöffnung 7V-2 Uhr — Anfang 8 Uhr. Preise der Plätze: Tagesoerkauf: Sperrsitz 1.50,1. Pl. 80 11. Platz >r0H, Gallerie 30 Abendkasse: Sperrsitz JL. 175, I. Pl. 1 jt. II. Platz 60^, Gallerie 30 Militärs vom Feldwebel abwärts zahlen aus den I. und II. Platz an der Abendkasse die Hälfte- — Zettel sind an der Kasse ä 10 H zu haben. 9292 Das Meisterschafts-System zur praktischen und naturgemäßen Erlernung der französischen, englischen, italienischen, spanischen, portugiksischeu, Holland • scheu, dänischen, schwedischen und russischen Groschäftß- u&d Umgangssprache. Eine neue Methode, in 3 Monaten eine Sprache sprechen, schreiben und lesen zu lernen. Zum Selbstunterricht von Dr. Richard 8. Rosenthal Französisch - Englisch - Spanisch, complet in je 15 Lecttonen ä 1 Italienisch — Russisch, complet in je 20 Lectionen ä 1 Schlüssel dazu ä 1 Mk 50 Pf. 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Staatsbabn-Actien 105.25 1880 4% Russen Oblig. 85 ?0 Darmstädter Bankactien 16410 Tendenz: 3f/a°/o Solms-Brauns. Oblig. 96.20 4°/o Gießener Oblig. 103 00 4°/o Oesterr. Goldrente 92.70 41/s0/0 Oesterr Silberrente 68 90 5% Portugiesen Oblig 10100 4% Griechen 7400 5o/o Ottoman. Zoll-Obl. 67.50 Geldsorten. 20 FrancS-Stücke 16.18 -16 19 do. tu1/! 16.06-16-14 Engl. Souvereigus 20.32 —2C 42 Dollars in Gold 4. In—4.20 dtner Börse Vvm 15. October 1888. Disconto-Com-Antheile 23175 Lombarden 45 80 4% Ungar. Goldrenre 84.60 Marienburger Eisenbahnactien 92 75 steigend.