Mr. 217 Erstes Blatt. Sonntag den 16. September 1888. Wehencr Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. _ "*77 nr s c t Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn^ Bureau r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. . rDurch die Poft bezogen vierteljährlich2Mark50Pf. Amtlicher Theil. Bekanntmachung. Wegen Neupflasterung des Kanfleiberges und Brandplatzes bleibt daselbst der Verkehr für Fuhrwerk und Reiter bis aus Weiteres gesperrt. Gießen, am 17. September 1888. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. _________________________________________________ Gefunden: 1 Mutterschraube, 1 Zuber, 1 Kette, 1'Handschuh, 1 Messer, 1 Partie Dochtband, 1 Hundehalsband, 1 Kinderstrumpf, 1 Kinderschuh, 1 Hosenträger, 1 Handschuh, 1 Tragriemen, 1 Strohhut. Gießen, am 15. September 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Politische Ueberfkcht Gießen 15. September. Der Kaiser traf am Donnerstag früh 6V2 Uhr von den Wilhelmshavener Flottenmanövern wieder in Berlin ein, woselbst er alsbald die inzwischen angelangten Fürstlichkeiten begrüßte, mit denen er sich in der neunten Stunde nach dem Manöverterrain bet Neuenhagen begab. Hier begannen um 10 Uhr die Manöver des 3. Armeecorps gegen einen markirten Feind, welche in der ersten Nachmittagsstunde endeten. Es folgte darauf eine Parade des 3. Armeecorps, bei welcher der Kaiser dasselbe mit gezogenem Degen dem Erzherzoge Albrecht vorführte, während beim Vorbeimärsche der Truppen Prinz Arnulf von Bayern das 52. Infanterie-Regiment und Prinz Albrecht von Preußen das 2. Dragoner-Regiment oorsührten. Die hierauf nach Berlin zurückgekehrten Fürstlichkeiten vereinigten sich am Donnerstag Abend im Rittersaale des königlichen Schlosses zu einem Diner, an welchem sich auch die in Berlin anwesenden preußischen Prinzen sowie der König von Sachsen, welcher Abends V26 Uhr in Berlin eingetroffen war, betheiligten. Am Freitag Abend langte daselbst, als letziangekommener der kaiserlichen Gäste, auch der Großfürst Nicolaus von Rußland an und stieg im russischen Botschaftsgebäude ab. Nach einer officiösen Mittheilung aus Karlsruhe wird sich die Kaiser!« Augusta gegen Ende des Monats von Baden-Baden nach der Insel Mainau begeben, um hier im Kreise der großherzoglich badischen Herrschaften ihr 77. Geburtsfest zu feiern und wird hierbei auch der Kaiser anwesend sein. — Der Grobherzog von Baden ist nach dem Elsaß abgereist, um den Manövern des 15. Armeecorps beizuwohnen und gedenkt er bis in die letzte Septemberwoche hinein im Elsaß zu verbleiben. Ein hochbemerkenswerther Zwischenfall hat sich anläßlich der gegenwärtigen Anwesenheit des Kaisers von Oesterreich in der croatischen Stadt Belooar, in deren Umgebung Manöver ftattfinden, ereignet. Unter den zur Begrüßung des Monarchen erschienenen Mitgliedern des höheren croatischen Clerus befand sich auch der Bischof Dr. S tro ßmayer von Dyakovar, der bekannlich ein Beglückwünschungstelegramm an die bei der Kiewer Jubelfeier Versammelten gerichtet hatte, welches die panslavistische Gesinnung des croatischen Kirchenfürsten in jeder Zeile durchschimmern ließ. Für diese unpatriotische Handlung ist nun dem Dr. Strohmayer vom Kaiser Franz Josef eine persönliche Zurechtweisung zu Theil geworden, wie sie kaum schärfer ausfallen konnte. Der Herrscher drückte dem Bischöfe sein außerordentliches Befremden über dessen Kiewer Telegramm aus und bemerkte, daß er einen seiner Unterlhanen eines solchen Schrittes nicht für fähig gehalten haben würde. Weiter bezeichnete der Kaiser das Stroßmayer'sche Telegramm als eine Beleidigung der katholischen Kirche und der österreichischen Monarchie und meinte schließlich zum Bischof, er scheine nicht gewußt zu haben, was er gethan habe. Als sich Letzterer rechtfertigen wollte, wandte ihm der Kaiser — den Rücken zu! Eine derartige Abfertigung einer officiellen Persönlichkeit durch den Kaiser selbst ist während dessen Regierungszeit noch nie vorgekommen und erregt der Vorfall namentlich auch wegen seiner politischen Bedeutung in ganz Oesterreich ungeheures Aufsehen. Speciell fassen die ungarischen Blätter das Eretgniß in Belooar als eine entschiedene Widerlegung der Idee auf, daß man in der Wiener Hofburg die Meinung von der slavischen Zukunft Oesterreichs theile. Jedenfalls haben nunmehr die mit ihrm panslavistischen Neigungen immer kokettirenden slaotsttschen Kreise des Lonauretches einen sehr deutlichen Wink erhalten, wie wenig dieses Spiel an allerhöchster Stelle gefällt. Die bekannte Kundgebung der „Nordd. Allg. Ztg." gegen die serbische Königin, deren deutschfeindliche Gesinnung hierbei an den Pranger gestellt wurde, wird in der „Wiener Presse" im Allgemeinen zustimmend beurthetlt. Die „deutsche Zeitung" bemerkt u. A., die Ausführungen des Kanzlerblattes hätten, wenn dies auch nicht ausdrücklich gesagt werde, auf's Neue gezeigt, wie Königin Natalie es auf sich genommen habe, die Politik des serbischen Staates in russische Bahnen zu lenken und sei darum die Königin auch als der Mittelpunkt der Bestrebungen zu betrachten, welche Serbien von Oesterreich-Ungarn abdrängen wollten. Mit gespanntem Interesse sieht man in den leitenden Londoner Kreisen den weiteren Nachrichten aus Afghanistan entgegen. Die jüngst eingelaufenen Meldungen aus Centralasien stellen eine entscheidende Schlacht zwischen dem rebellischen Gouverneur von Nordafghanistan, Jschak Khan und den Generälen des Emirs Abdur Rhaman als unmittelbar bevorstehend hin. Sollte dieselbe zu Gunsten Jschak Khans ausfallen, so würde nicht nur die Herrschaft Abdur Ryamans den Todesstoß erhalten, sondern auch die afghanische Frage wieder in einer Weise aufgerollt werden, daß sich Engländer und Russen. zum entscheidenden Kampfe um den Besitz Afghanistans rüsten müßten. Die Reise ikarnots durch die Normandie ist beendigt und das Staatsoberhaupt Frankreichs von derselben am Samstag wieder in Parts etngetroffen. Zu der Präsi- dentenretse ist noch nachzutragen, daß Earnot in der alten Hafen- und Handelsstadt Havre eine Reihe größerer industrieller Etablissements besichtigte und ferner eine Anzahl Bürger meister und Lehrer empfing. Natürlich hat Carnot auch in Havre eine politische Banketrede gehalten und empfahl er in derselben ein festes Zusammenschließen der Republikaner. Von Havre aus besuchte Carnot am Freitag noch die Hauptstadt der Normandie, Rouen, und beschloß er seine Reise mit einer in der Umgegend von Rouen über das 3. Armeecorps abgehaltenen Revue. Zwischen Belgrad und Sofia herrschen fortgesetzt sehr fteundschaftliche Beziehungen vor. Hiervon zeugt der seitens der bulgarischen Regierung geäußerte Wunsch, bei der nationalen Feier des serbischen Patrioten Karadkie officiell vertreten zu sein, von welchem Wunsche man in Belgrad mit Befriedigung Kcnntniß genommen hat. Telegraphische Pepesche». Wolsf'S ielegr. Correspondenz. Bureau. Berlin, 14. September. Der König von Sachsen und die übrigen fürstlichen Manöoergäste fuhren Morgens 7 Uhr mittelst Extrazugs nach dem Manöoerfeld. Der Kaiser hat sich von Münckeberg aus mit glänzender Suite Morgens 7 Uhr nach dem Manöoerfeld nächst Jahnsfelde begeben. Berlin, 14. September. Großfürst Nikolaus von Rußland ist heute Abend 8 Uhr 38 Mm. hier eingetroffen. Er wurde von den Prinzen Heinrich und Albrecht am Bahnhose empfangen und zur russischen Botschaft geleitet, von wo aus er sich morgen auf das Manöoerterrain begeben wird. Berlin, 14. September. Hiesigen Börsenblättern zufolge kom?dirt die Antwort des Handelsministers an die Börfenältesten betreffs des Getreidetermtngeschäftes, I daß das Getreidenaturalgewicht gemäß der Vorstellung des Aeltestenkollegiums normirt werden und daß zu Sachverständigen auch Getrcidelokohändler zugezogen werden dürfen, ferner ist für das unkontraktliche Getreide eine siebentägige Sperrzeit eingeführt, endlich sollen si"'r Rauhweizen besondere Schlußscheine eingeführt werden, letzteres ist jedoch an besondere Bedingungen geknüpft. Berlin, 12. September. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Genehmigung der nachgesuchien Dienstentlassung des Staatsfecretärs Dr. Jacobi zum 1. October l unter Erhebung desselben in den Adelstand und die Ernennung des Frhrn. v. Maltzahn ' zum Staatssecretär des Retchsschatzamts unter Beilegung des Charakters Wirklicher Geheime Rath mit dem Prädikat Excellenz. — Der „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge sind über den Termin der Hochzeit der Prinzessin Sophie mit dem Kronprinzen von Griechenland noch keine Bestimmungen getroffen. Nur das Eine möchte sicher sein, daß die Hochzeit nicht vor dem Frühjahr stattsindet. — Die „Kreuzzeitung" enthält eine ihr zugegangene Berichtigung des früheren Oberpräsidenten v. Ernsthausen, welcher die Nachricht der „Kreuzzeitung", sein Rücktritt sei veranlaßt durch Fragen, die mit der Ueberschwemmung und der Beseitigung ihrer Folgen in Zusammenhang stünden, in jeder Beziehung für durchaus unbegründet erklärt. Müncheberg, 14. September. Heute früh kurz nach 8 Uhr trafen der König ! von Sachsen und die übrigen fürstlichen Manövergäste bei Jahnsfelde ein und stiegen j hier zu Pferde. Se. Majestät der Kaiser in der Uniform seines Leibgardehusaren- i Regiments war direct von Müncheberg nach Jahnsfelde geritten. Allerhöchstderselbe ] commandtrte persönlich das Gardecorps, das durch eine combtnirte Cavalleriedivision - des 3. Armeecorps verstärkt war, gegen den markirten Feind. Gegen 9 Uhr j begann die Bewegung der Truppen. Cavallerie leitete das Gefecht ein, indem ? südöstlich von Müncheberg 12 Cavallerie-Regimenter einen zweimaligen glänzenden > Angriff unternahmen, dieselben mußten indessen, da sie auf feindliche Uebermacht ] stießen, zurückgehen. Inzwischen gingen von Südosten her die erste und zweite 5 Garde-Jnfanterte-Dioision und die Corps-Artillerie vor. Die Avantgarde derselben z nahm auf der Höhe nordwestlich von Heinersdorf Stellung. Hier verweilte auch Seine * Majestät der Kaiser längere Zeit. Der markirte Feind versuchte einen umfassenden k Jnfanterieangriff. Plötzlich brachen von Nordosten her, wohin sie verdeckt gelangt j waren, beide Kavallerie-Divisionen vor und griffen in langgerittener Attacke den Feind I an. Die Infanterie benutzte dies, um nunmehr einen allgemeinen Vorstoß zu unternehmen. Unter persönlicher Führung Seiner Majestät des Kaisers, der sich zwischen dem 1. und 2. Bataillon des 1. Garderegiments zu Fuß befand, ging das gesammte Corps zum Angriff vor. Der Gegner wurde vollständig geworfen. Hiermit war das Manöver beendet. Der Kaiser sprengte sodann zu sämmtlichen Truppentheilen. Bei dem darauf stattfindenden Parademarsch führte Seine Majestät das Gardekorps, sowie die kombinirte Kavallerie-Division des 3. Armeekorps seinen hohen Gästen vor. Tie ■ Haltung der Truppen war wiederum vorzüglich. Seine Majestät der Kaiser ritt nach | dem Hauptquartier Müncheberg zurück, während die fürstlichen Gäste sich mittelst Extra- ! zuges nach Berlin zurückbegaben. Bern, 14. Sept. Nach Mittheilung des Bundesrathes Snid von dem Justiz- ! Departement wurden die angeordneten Untersuchungen über Einschmuggelung von 3 Druckschriften provokatorischen Inhaltes nach Deutschland nicht auf Ansuchen der ; deutschen Behörden eingeleitet, sondern haben ausschließlich zum Zweck, den Bundesrath | über diese Vorgänge zu unterrichten. Der Bundesrath billigte das Vorgehen des ! Justizdepartemenls und beauftragte dieses, in Zukunft über alle derartige Erscheinungen ' wie bisher zu wachen. Rouen, 14. September. Präsident Carnot hielt heule Vormittag in Begleitung von Floquet, Krantz, Freycinet und Billot eine Revue über das 3. Armeekorps ab, mit welcher die großen Manöver desselben beendet sind. Nach der Revue begrüßten die fremden Militärbevollmächtigten den Präsidenten der Republik. — Botschafter Herbette kehrt gegen Ende dieses Monats nach Berlin zurück. London, 14. September. Der Deputirte William Redmond (Nationalist) in Wexford ist wegen Aufreizung der Pächter zum Widerstand gegen das Gesetz zu einer Gefängnißstrafe von 3 Monaten verurtheilt worden. London, 14. September. Der frühere Statthalter des Congostaates Francis de Winton erhielt vom Congo die Nachricht, Major Barttelot sei von seinen Trägern ermordet; James Won sei nach den Stanleyfällen zurückgekehrt, um eine neue Expedition zur Unterstützung Stanley's zu organisiren; Tippu Tipp befinde sich in Nyangwe. bet ihm noch 430 auf die Sacke bezügliche Briefe vor von 57 Briefmarken bet dem Manne tn Beschlag. und nahm auch einen Vorrath Gchtff» Nachrichten. p-,c Bremen, 12. Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.^ Der Schnelldamvter ®£pt Ü-Bauv, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 1 September von Bremen und am 2. September von Southampton a^aeaanaen J 10- (s>eplember 11 Uhr Abends wohlbehalten in R-wpmk ang-komm^. Lokales. Gießen, 15. September. Die zweite sechswöchentliche Hebung der Ersatzreservisten findet in der Zeit vom 20. September bis 31. October statt. Hierzu werden hauptsächlich die Mannschaften aus den Jahrgängen 1881—1883, also die tn den Jahren 1861, 1862 und 1863 Geborenen, einberufen. Ferner werden die Tratn-Reservtsten zu einer 16tägigen Hebung und zwar vom 18. September bis 3. October einberufen. Sämmtltche Mannschaften der Ersatz-Reserve, welche nicht geübt haben und deren Dienstpflicht in der Ersatzreserve vom 1. October 1883 ab zählt, haben die in ihrem Besitz befindlichen Ersatz-Reservepässe bis Ende dieses Monats behufs Ueberführung zum Landsturm ersten Aufgebots dem zuständigen Bezirksfeldwebel einzureicken. Es wird hierbei besonders darauf aufmerksam gemacht, daß, so lange der Ueberführungs- oermerk in dem Ersatz-Reservepaß fehlt, der Inhaber desselben auch der Ersatz-Reserve angehört. Gießen, 15. September. Die Verwendung der Reichsmünzen als Gewichte. Durch viele Zeitungen lief in den letzten Jahren die Notiz, daß man deutsche Reicksmünzen bequem als Gewickte gebrauchen könne. Hiernach sollte ein Zwanzigmarkstück 8 Gramm, ein Zehnmarkstück 4, ein goldenes Fünfmarkstück 2 Gramm wiegen. Das Gewicht des Etnpsenntgstückes wird zu 2, das des Zweipfennigstückes zu 3Vz Gramm angegeben. Von den Ntckelmünzen soll das Fünfpfenntgstück ein Gewicht von 2V2, das Zehnpfennigstück ein Gewicht von 4 Gramm ersetzen können. Vor dem Gebrauch der Münzen als Gewichtsstücke muß nun eindringlich gewarnt werden, da die oben angeführten Gewichte der Münzen theilweise gar nicht richtig sind. So wiegen Zwanzigmarkstücke und Zehnmarkstücke schon eine Kleinigkeit weniger. Am schlimmsten ist aber die Sache bei den geringwerthigen Scheidemünzen. Das Normalgewicht derselben stimmt zwar mit dem oben angeführten überein, jedoch gestattet schon das Gesetz, daß diese Münzen 5pCt. mehr oder weniger wiegen. Außerdem verlieren sie noch durch den Verkehr sehr beträchtlich an Gewicht. Gießen, 15. September. Das 2. Großh. Hessische Infanterie-Regiment Nr. 116 trifft Montag Abend >/,11 Uhr mittelst Extrazügen aus den Manöoern wieder hier ein. Vermischtes. Büdingen. Dem hiesigen „Allg. Anzeiger" zufolge ist ein Büdinger, der seitherige PoUzeicommissär Hörhold in Mainz, zum Polizeimeister in Kamerun designirt worden. Derselbe hat sich dieser Tage an seinen neuen Bestimmungsort nach Westafrika begeben. nn. Darmstadt, 14. September. Die Ihnen s. Z. gemeldete Räuberaffaire scheint sich nach den gemachten polizeilichen Erhebungen nicht zu bestätigen. Das betr. Dienstmädchen hat die ganze Ueberfallgeschichte erfunden, um ihre wegen verschiedener schlechter Streiche erfolgte Entlassung aus dem Dienst hierdurch zu verdecken. Bedauerlich ist es nur, daß wegen dieser Person unsere ganze Polizeimannschaft Tag und Stacht in Bewegung gesetzt wurde, ohne daß auch nur eine Spur von einem Straßenräuber zu entdecken gewesen wäre. Mainz, 14. Sept. Der Großherzog in Begleitung des Prinzen Heinrich begab sich heute Morgen um 7 Uhr nebst militärischem Gefolge mittelst eines vierspännigen Hofwagens nach dem Manöverfeld bei Niederolm. Die Rückkehr hierher et folgt heute gegen Abend. Wie auswärtige Blätter melden, steht in der Besetzung des hiesigen Gouverneurpostens wieder ein Wechsel in Aussicht. Der seitherige Gouverneur, Generallieutenant v. Winterfeld, beabsichtige, in den Ruhestand zu treten. Wenn sich diese Mittheilung bestätigen sollte, würde sie hier lebhaftes Bedauern Hervorrufen, da sick Herr v. Winterfeld, trotz der kurzen Zeit seines Hierseins, die Sympalhieen aller Kreise erworben hat. Mainz, 14. Sept. Im Anschluß an eine größere Versammlung hat sich gestern hier eine gemeinnützige Baugesellschaft conftituirt, die den Zweck hat, billige Arbeiterwohnungen zu beschaffen. Nach der in der erwähnten Versammlung gegebenen Skizze sollen die zu errichtenden Häuser kein kapitalistisches Unternehmen, sondern Eigenthum der organisirten Masse sein. Die Theilhaber der Gesellschaft sollen nur mittelbar beschränktes Eigenthum erwerben. Mit Rücksicht auf die hohen Terrainkosten sind vierstöckige Häuser gedacht und hofft man, daß die Stadt Mainz bei dem Terrainerwerb günstige Bedingungen stelle. Mitglied wird Jeder, der 30 Eintrittsgeld und 1 JL Jahresbeitrag zahlt. Wer auf eine Wohnung reflectirt, hat weitere 20 JL jährlich zu entrichten, welche in Summen von je 50 A als Antheilscheine gutgefchrieben und mit 4 pCt. verzinst werden. Die Vertheilung der Wohnungen geschieht durch Verloosung. Aus Rheinhessen, 14. September. Den guten Bewohnern von Bretzenheim hat das Schicksal gestern einen schlimmen Streich gespielt. Sie hatten gehört, daß der Großherzog an dem Ort vorüberkommen würde, und so sind denn gestern Mittag der Bürgermeister, die Adjunkten, der Pfarrer, der Lehrer und fonstigen Honorakionen mit der Schuljugend vor den Ort gezogen, um den Landesfürsten zu begrüßen. Durch Zufall fuhr der Großherzog einen anderen Weg und so bekamen denn die braven Bretzenheimer nach vierstündigem Warten nichts zu sehen, als eine große Staubwolke welche der Wagen des Großherzogs zurückließ. ' Chemnitz, 12. September. Gar häufig erscheinen, besonders in den kleineren Provinzialblättern, Anzeigen, in denen für eine gutbezahlte Stelle als Aufseher ober dergleichen in Berlin ein tüchtiger Mann gesucht wird, mit dem ausdrücklichen Beifugen, daß Vorkenntnisse nicht erforderlich sind, wohl aber die Einsendung von Freimarken zur Rückantwort verlangt wird. Als Adresse wird dabei nur eine Chiffre ober ein bei der Wiederholung der gleichen Anzeige öfter wechselnder Name angegeben Alle solche Anzeigen erregen den Verdacht, daß es dem Einsender nur um die eingehenden Briefmarken zu thun ist, aber es ist bisher nur in wenigen Fällen gelungen den Be- Irug aufzudecken. Die hiesige Polizei war in diesen Tagen so glücklich, einen solchen Briefmorkenschwindler zu entlarven. In mehreren auswärtigen Zeitungen waren in Men Wochen Anzeigen erschienen, daß man ein sieben Monate altes Kind gegen das tur Viele verlockende „Ziehgeld" von 30 A monatlich unterzubringen suche. Post- J1™ >ur die Beantwortung seien beizufügen. Auch hier war als Adresse nur eine ilbttfre angegeben. Auf eingegangene Beschwerde erkundigte sich die Polizei des Näheren nach der Sache, ermittelte als Einsender einen hiesigen Galanteriewaarenhandler, fand | Den Tochter des Den Handel und Verkehr. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. geborenem ieMug$tm ’5oftWttffnet ®tot8 Wilhelm Kumps eine Tochter, Paula, 11 2Iu®uftfdben' $Cm Fuhrmann Konrad Hoffmann eine Tochter, Elise, geboren den geboren$,bme2?';M®im ^tcn6änbIcr Eduard Klinkei ein- Tochter, Karoline Margarethe, Maria,^g?b°rm den w^Akgüst'^ Wm cinc Tod>,cr- Anna Elisabeth Denselben. Ein unehelicher Sohn, Wilhelm Emil, geboren den 4 August .. Beerdigte. 9. ©cpkrnVr1' @eplCmbtr- §einri4 ^'Müller, Tagiöhner, alt 44 Jahre, starb den .. B ?/u_I?„?Eptember. Karoline Wülfing, geb. Riegelmann aus Wetzlar, Wittwe des KrAsgerichtssecretar Wülfing daselbst, alt 68 Jahre, starb den 10. September 12. September 3”ar8arc,6e RaW- '-big, alt 52 Jahr-, starb den Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen. Aufgebote. u September: 11. Wilhelm Spaar, Gärtner zu Rödgen, mit Ludwia Kolb Wittnw Esießen. 11. Hermann Ludwig Karl Köhler, Kreisbauaufseher-Aspirant zu Worms mit Susann- Frt-d-rik- Emma W.tzmann von ht-r. 11 Guftav D?ott Bur-?^ m’UÄn' -n" Katharine Seng zu Gietzen. 13. Johann Jost, genannt Justus Buchbmder dahrer, mit Auguste Kreuter Hierselbst. 14. Georg Schepp ftrbeur S tÄ8?“" "■ »■«»ÄSSi mit Katharine Leidner, gebürtig von Wetterfeld, wohnhaft dahier. P ' ~ Geborene. , , ^cp^inber: 2. Dem Mechaniker Wilhelm Gras eine Tockter 5 mrtn- Xmhte?r h£P dne 2°«$>tcr,.2ince' 6* Dem Kaufmann Gustav Müller eine 7Xm wm ?'ßD?» ®U®r“!aS5 ?*artln Helferich eine Tochter, Katharine Elisabethe 7 Dem Bäckermeister Karl Plank II. ein Sohn, Earl. 7 Dem Oeconomen Vbilivv mJhtP°rr n Fabrikanten Georg Throm ein Sohn. 8. Dem Maure^r- ? %pm^r?iann ^eOt0 dfaff ein Sohn. 9. Dem Schreiner Ludwig Beil eine Tochter. . Dem Telegraphenvorarbeiter Franz Kreuzburg ein Sohn. 9 Dem Metzaermeister GeorZ Heinrich Meister eine Tochter, Karoline. 10. Dem Schuhmacher Carl Amend ein ©obn 10. Dem Henenkleidermacher Johann Georg Pfaff eine Tochter Elife ÄS'’ 1L ®Cm 3trbeiter Ludwig Engel -in todtgeborcnes Klnb wei'bl^en ~ Äestorbeue. ®Iifabet&a Rausch, 5 Tage alt, Tochter von Taglöbner Nicolaus Rausch dahier. 9. Heinrich Etzelmüller, 45 Jahre alt Taglöbner dabstr Wiststna^Ä?b«b^,F°b"^s"c?^8 Throm dahter, 13 Stunden alt 10. Karoline SH'» Ricgelmann, 68 Jahr- alt, Wittwe von Landgerichtssecretär NA 3U ^c6ÄQr\,l0; Alb-rt Schmidt, 6 Monat- alt, Sohn von B-rgmann Pbiltvo Schmidt zu Gebhardshain. 10. Marie Wendland, 24 Jahre alt ledig Dicnstmaad Db-r-Ohmen. 12. Margarethe Rühl, 52 Jahre altz ledig, Haushüli^in dahier 18 2"bre aii, Geheimer Baurath dahter. 12. Peter Lutz, kbig, Dt-nstmagd von 2ang"@BnS. "14°Estsabethe^Becker"Deibe? 72 Jahre alt' Getraute. nnh Wrtri y. 'Se^ember Leo M^zer, Telegraphenleitungsaufseher, ein Wittwer, unb Marie Keßler, Tochter des Ziegelbrenners Theodor Keßler zu Homberg a. d. Ohm Den 14 Sept-mb-r. Georg Jakob MÜll-r, Taglöhner, und Katharine Leidner, Bahnwärters Johannes Leidner zu Schiffenberg. Getaufte. geboren den 28. Jul? ®Em £a,flrcr 3°6fln,,e§ Röhmig -in- Tochter, Mart-, Kirchlicht Aapigen der evangelischen Gemeinde. mora?SnnnSBM8, rtfrA0^86" uuf dem Thurm der Stadtkirche können 6 gelautet werden. Die Besucher der 0 3/ itr;roOkfn mariUim beachten, daß Vormittags 98/4 Uhr unb Nachmittags /4 Uhr die Gottesdienste mit dem Orgelspiel beginnen werden. Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. Luft 15V,, Wasser 12 Gr. Greßen, den 15. September 1888. Rübsamen 7392 bvrräthig auf meinem Lagerplatz Rodberg. > -ffrieover^er & jtt i 2. Chr. Rübsamen. I empfiehlt ‘[7351] Julius Wallach Lina Moser, Schiffenbergerweg Nr. 14. Meinen seitherigen Schülerinnen und sonstigen Interessenten theile hier- durch mit, daß ich, den Unterricht in Knetarbeit, Filigran, Flachschnitzerei und Blumenmachen nach wie vor ertheile. Näheres hierüber wolle man gefälligst bei mir erfragen, Achtungsvoll Allgemeiner Anzeiger. E. K. G. V Beginn der Proben: Dienstag den 18. Septbr., Abends 8 Uhr, tm Realgymnasium. Da am 30. September gesungen werden muß, so wird um vollzäh- liges Erscheinen gebeten. 7393 7J. Lahnkies und -Land stets i Darmstädter Pferdelsose h jl. 2 — 'rräthrg auf meinem Lagerplatz Rodbera. ! ^riedber.,er VT ’ ä jü 1.50* Bekanntmachung. Am 14. Juni 1888 ist über das Vermögen des Handelsmannes Simon Maas von Mardors das Konkursverfahren eröffnet und in der Folge gegen den Gemeinschuldner wegen betrüge- rischen Bankerutts, gegen die Schwester desselben, die ledige Regine Maas von Mardorf, wegen Beihülfe zu diesem Verbrechen unter gleichzeitiger Verhängung der Untersuchungshaft über beide, die gerichtliche Voruntersuchung eingeleitet worden. Der Vermögensverfall wird von dem I». Maas zu erheblichem Theile auf «fortgesetzte größere Verluste zurückge- Mrt, welche er in dem von ihm betriebenen Viehhandel erlitten haben svill, ohne daß eine nähere Auskunft, Lei welchen einzelnen Geschäften solches der Fall gewesen sei, von ihm gegeben werden konnte. Hiernach und nach den sonstigen Ergebnissen der Untersuchung äst der Verdacht unabweisbar, daß die Angaben des p. Maas aus Erfindung Leruhen und daß in Wirklichkeit sein Aktivvermögen seiner mitangeschuldigten Schwester, mit welcher er allem Anscheine nach den Viehhandel auf gemeinschaftliche Rechnung betrieben hat, zugewiesen worden iss oder anderweitig verheimlicht wird. Die genaue Feststellung der Vermögenslage des p. Maas ist für die Untersuchung aber von größter Wichtigkeit. Wir ersuchen deshalb alle diejenigen, welche nähere Kenntniß von den Geschäfts- und Vermögensverhältnissen des p. Maas, sowie denjenigen seiner vorgenannten Schwester und seines am 25. Januar 1887 zu Mardorf verstorbenen Vaters, Handelsmannes Moses Maas befitzen und nicht bereits vernommen sind, sowie insbesondere alle diejenigen, welche über Viehankäufe und Verkäufe des Maas während der letzten drei Jahre Auskunft zu geben vermögen, ihre Wissenschaft entweder unmittelbar zu den Untersuchungsakten F 1/88 bei uns zur Anzeige zu bringen oder sich bei der nächsten Polizeibehörde darüber vernehmen zu lassen. Von besonderem Werth für die Untersuchung werden diese Mitthellungen sein, wenn zugleich bei Angaben über Ankäuse von Vieh über den weiteren Verbleib desselben, bei Angaben über Verkäufe über den Ursprung des verkauften Viehes nähere Auskunft gegeben wird. Amöneburg, den 13. Septbr. 1888. Königliche- Amtsgericht. Greib. 7363 Verkauf eines Getreide- Schuppens auf den Abbruch. Der in dem sog. Altenfeld, Gemarkung Allertshausen, auf Freiherrlich von Rabenau'schem Gelände befindliche, in 1876 neu erbaute Getreide-Schuppen soll Freitag, den 2L September, Wittag 12 Uhr, an Ort und Stelle auf den Abbruch meistbietend versteigert werden. Das Gebäude ist 20 m lang, 14,4 m tief, 4 m hoch bis an das Dach, und mit Stroh gedeckt. Die Wände sind theils mit Dielen, thells mit Latten zugeschlagen, sowie mit zwei Thoren versehen. Rabenau bei Londorf, den 12. September 1888. Freiherrlich von Rabenau'sche Rentei. Schmidt. 7358 ÄeMmofl Sei * 7309 C Roth, Wallthorstraße 5- F> - | 7355 Ein anständiger Wirth, der auch Metzger ist. kann an der Landstraße in ! Schotten, vis-h-vis dem Bahnhof, eine Hof- raithe mit Karten an der Fronte, unter günstigen Bedingungen wegen vorgerückten Alters des Besitzers auf 10 bis 15 Jahre in Pacht erhalten. \ Näheres durch Th. Kißner in Schotten. Die Nr. 50 enthält u. a-: Kein Glück. Forts. Novelle von E. von Mellnitz — Ein Sanitätszua im sieben- jähriaen Kriege. Von W. Bonnell. — Der Haselwurm. Echluß. Von Heinrich Seidel. — Moderne Kriegshunde. Von Ernst Schlotfeldt. — Am Familientisch: Graf Alfred von Waldersee. Mit Porträt- — Au unseren Bildern: Die wißbegierige Großmutter von Paul Wagner, Eine alte Handschrift von E. Stammel, und Der deutsche Schäferhund als Kriegsbund von Fr- Specht. — Die Araberpest in Jnnerafrika. — Hin und Her- — Aus der Redactton. — In unserer Spielecke. Erste Beilage: Aus der Zeit^— für die Zeit. Zweite Beilage: Frauen-Daheim-__ 20,000 Mark, im ganzen oder getrennt auf 1. Hypothek auszuleihen. 7267 K. KleeS, Ludwigstraße 5. Die Direktion 7378 Preise von 15 Pf. 2Jtfgr Probehefte durch jede Buchhandlung. W. Hess, Brandgasse 6. 7380 erscheinen wird. Die Salon-Ausgabe von Schorers Familienblatt erscheint in mer- wöchentlichen, reichillustrirten Heften in handlichem Octavsormat zum Gr. Realgymnasium und Realschule. Mit Genehmigung des Grosth. Ministeriums werden die Ferien wegen Behinderung mehrerer Lehrer um eine Woche verlängert. Der Unterricht beginnt demnach erst Montag den 24. September, Vormittags 8 Mr. Gießen, den 13. September 1888. Nr Einjahrig-Freiwillige. Der Unterzeichnete hält sich in Anfertigung von Uniformen aller Art unter Garantie für guten Sitz und eleganter Arbeit bestens empfohlen- Lager in fämmtlicheu Militär-Effekten bester Qualität. Hochachtungsvoll 7356 Zur bevorstehenden Saison empfehle eine reiche Auswahl in elegant garuirten Dameuhüten zu äußerst billigen Preisen. J. PfeifEer, Moder, 7356 Bahnhofstraße Nr. 27, im Haus« de« Hrn. Sony. | ^MUSISCHER THei. | Marke Excelsion Marke Mikado (ff Melange). ▲ Direct von Shanghai pr. Reichspostdampfer „Sachsen" via Suez- ♦ canal bezogen, au- neuester Ernte in praktischen bleifrei-n ▲ Blechdosen (perfection fla can) ä Netto Vi» Vr, Vt Pfund verpackt, a Alleinverkauf bei 7377 X Ohr. Ludw. Thomas, X X Neuen Baue IO. 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