1888; 9Xv. 190 Erstes Blatt. Donnerstag den 16. August Wchener Amts und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Dringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Bnreau r Schul st raße 7. Deutschland. Darmstadt, 14. August. Seine Königliche Hoheit der Großherzog und Ihre Grotzherzogltche Hoheit die Prinzessin Victoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, stnd gestern Abend nach 10 Uhr von Bayreuth hierher zurückgekehrt. Allerhöchstdieselben wohnten heule Vormittag einer elektrischen Probebeleuchtung im Großh. Hoftheater bet. — Seine Königl. Hoheit der Großherzog, begleitet von Flügeladjutant Oberst Wernher, sind heute Nachmittag 5 Uhr 22 Min. nach England abgereist, während Ihre Großh. Hoheit die Prinzessin Victoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, sich nach Schloß Heiltgenberg begeben. Darmstadt, 14. Aug. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst geruht: ' Am 11. August den technischen Rath bei der oberen Bergbehörde und vortragenden Rath bet der Abthetlung des Ministeriums der Finanzen für Forst- und Eameraloerwaltung Geheimen Oberbergrath Gustav Pfannmüller auf sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste, mit Wirkung vom 16. d. M. an, in den Ruhestand zu versetzen. Politische Rundschau. Gießen, 15. August. Der König von Portugal hat Berlin nach dreitägigem Aufenthalte am Dienstag Abend wieder verlassen, um zunächst mit seiner Gemahlin in Bad Gastew zusammenzutreffen. Die dem erlauchten Gaste zu Ehren am Montag Vormittag statt- aefundene Parade der Potsdamer Garnison — zugleich die erste Parade der preußischen Truppen vor Kaiser Wilhelm 1L - verlief von Anfang bis Ende in der glänzendsten Weise. Der portugiesische Herrscher sah übrigens leidend aus und wohnte er der Parade auch nicht zu Pferde, sondern im offenen Wagen bei. Personalveränderungen, welche in letzter Zeit in den höheren Eommando- stellen der prentzisch-deutfchen Armee eingetreten sind, werden durch eine Veränderung in den Hintergrund gedrängt, die soeben erst bekannt wird. Von mehreren Setten wird übereinstimmend gemeldet, daß der Kaiser den Generalfeldmarschall Grafen Moltke auf dessen Ansuchen von der Stelle eines Ehef's des deutschen Generalstabes enthoben, und zu seinem Nachfolger den Generalquartiermeister Grafen Waldersee ernannt habe. Obgleich die Nachricht von dem Rücktritt des berühmten Strategen von der deutschen Heeresleitung alle Kreise der Armee wie der Nation nur mit Bedauern erfüllen wird, so muß doch anderseits zugestanden werden, daß der greise Feldmarschall — Graf Moltke wird in diesem October 88 Jahre alt — ein Recht daraus hat, angesichts der langjährigen großen Dienste, die er dem Vaterlande Speistet, von seinem verantwortungsreichen und mühevollen Posten an der Spitze des deutschen Heeres nunmehr entbunden zu werden. Erfreulicher Weise scheidet aber Graf Moltke nicht ganz aus der Armee, er wird ihr vielmehr auch ferner als Präsident der Landes vertheidigungscommission angehören, eine Stellung, welche der hochselige Kaiser Friedrich als Kronprinz bekleidete. Die amtliche Nachricht von dieser so wichtigen nulrtarischen Personaloeränderung wird jedenfalls in den nächsten Tagen zu erwarten sein. Von der seit dem 1. Mai in Brüssel stattfindenden Weltausstellung, welche übrigens diesen Namen nur in sehr beschränkter Weise verdient, werden allerhand merkwürdige Dinge laut. Die ganze Ausstellung scheint von einer Rerhe mehr oder weniger einflußreicher Persönlichkeiten nur als ein „Geschäft" betrachtet zu werden, um ihren werthen Geldbeutel füllen zu helfen und es soll von dieser Seite ein wahrer Terrorismus gegen die Aussteller entfaltet werden. Auch die Thätigkett des Commissars der deutschen Ausstellung, eines Herrn Cornely, früher Bürgermeister der Stadt Eleve, soll außerordentlich verdächtiger Natur sein und den Interessen der deutschen Aussteller ebensowenig wie der Würde des Reiches entsprechen. Ein Theil der deutschen Aussteller in Brüssel, welcher sich durch das Gebühren des Herrn Eornely schwer geschädigt glaubt, hat dem Vernehmen nach bereits eine das Thun und Treiben dieses seltsamen Reichs- commissars scharf beleuchtende Eingabe an des Reichskanzleramt abgesandt, in welcher um Enthebung dieses Herrn von seinem Posten gebeten wird; doch ist über die Stellung der deutschen Regierung in der unerquicklichen Affaire noch nichts bekannt. König Leopold von Belgien hat sich nach England begeben, um hier einerseits für die Interessen des Eongostaates, anderseits für das Zustandekommen der geplanten Expedition zu wirken, welche über das Schicksal der Stanley-Expedition und über die Lage Emin Pascha's Aufklärung herbeiführen soll. Heber die Pariser Strikebewegung fehlen seit ein paar Tagen orientirende Nachrichten. Man weiß nur, daß die Strikenden, wenigstens was die Erdarbeiter anbelangt, noch nicht an die Arbeitsstätten zurückgekehrt sind, nachdem die Unternehmer die Einigungsvorschläge des Schiedsgerichts so schroff zurückgewiesen haben. Von neuen Excessen der Strikenden ist indessen noch nichts bekannt geworden. Die nach mancherlei Verzögerungen nunmehr erfolgte Eröffnung der Eisenbahnlinie Belgrad-Sofia-Constantinopel bedeutet einen neuen großen Culturfortschritt auf der Balkanhalbinsel, wenngleich sich dessen Einwirkungen auf die Balkanstaaten noch nicht sogleich in tiefgreifender Weise äußern werden, aber schon die Thatsache, daß nunmehr ein directer Schienenweg die türkische Hauptstadt mit dem westlichen Europa verbindet, spricht für die hohe civiltsatorische Bedeutung der Eröffnung der neuen Orientbahnlinie, denn es ist hiermit ein neues wichtiges Bindeglied zwischen Orient und Occident geschaffen worden. Die Eröffnung selbst erfolgte durch den Ortentexpreßzug, welcher am Sonntag von Belgrad abging und am Montag Mittag in Sofia eintraf, um gegen Abend nach Ost-Rumelien wetterzufahren. Aus Massauah kommt die unerwartete Kunde von einem Zusammenstöße der Italiener mit den Abyssintern unter dem Häuptling Debeb. Die Italiener erlitten infolge des Verrathes ihrer einheimischen Hilfstruppen, der Assaortins, eine empfindliche Niederlage und mußten sich zurückziehen; mehrere italienische Osficiere sind gefallen. Seitens Rußlands, Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, Englands und Spaniens ist in Rom die Erklärung abgegeben worden, daß die Eapitulationen auf bas Massauahgebiet nicht anwendbar seien. Alle übrigen Brächte nahmen diese, die Haltung Italiens vollkommen billigende Erklärung unter Zustimmung zu den italienischen Noten vom 25. v. M. zur Kenntniß. Telegraphische Depeschen. Wolst'S telegr. Eorrespondenz. Bureau. Berlin, 14. August. Der Kaiser gedenkt Nachmittags nach Berlin zu kommen, mit dem König von Portugal an einem Diner bei dem Prinzen Friedrich Leopold von Preußen thetlzunehmen, hier zu übernachten und auch morgen in Berlin zu verbleiben. König von Portugal das zwanzigste Infanterie- Regiment. ^chsische Konigspaar ist heute Abend hier eingetroffen und setzte sofort seine Reise nach Dresden fort. Berlin, 14. August. Zur Mittheilung eines hiesigen Börsenblattes über deutsch- russische Zolloerhandlungen erfahren die „Berl. Pol. Rachr.": An hiesigen maßgebenden Stellen ist von derartigen Verhandlungen nichts bekannt. m , Kiel, 14. August. Zur Feier des Geburtstages Sr. K. Hoheit des Prinzen Heinrich ist die Stadt reich beflaggt. Persönliche Gratulationen wurden nicht entgegengenommen, dagegen sanden sehr zahlreiche Einzeichnungen in die ausgelegte Glückwunsch- liste statt. Mittags nahmen die prinzlichen Herrschaften mit der Erbprinzesstn von Meiningen das Frühstück auf der Yacht „Hohenzollern" ein. DuiSburg, 14. August. Die Generalversammlung des evangelischen Bundes hat einstimmig eine Resolution angenommen, worin dem Bedauern über die Hindernisse, welche der Aufführung des Trümpelmann'schen Lutherfestspiels in Berlin bereitet wurden, Ausdruck gegeben wird. Außerdem wird eine Erklärung beschlossen, in Betreff der Betheiligung evangelischer Behörden an der Aachener Heiligthumsfahrt, sowie in Betreff der Solinger Vorgänge. , m München, 14. August. Der deutsche Handwerkertag nahm eine Resolution an, worin allen gewerblichen Vereinen Anschluß an den Handwerkerbund empfohlen, obligatorischer Befähigungsnachweis und Erweiterung der obligatorischen Innungsrechte gefordert wird. Als Endziel der Bestrebungen werden die Zwangs-Innungen bezeichnet. Ein Antrag auf Errichtung eines Wahlfonds durch Erhöhung der Beitrage wurde ab- aeMmt eifrige Wahlbetheiligung im Sinne des Programms dringend empfohlen. ° Wien, 14. August. Das „Fremdenblatt" sagt anläßlich des Rücktritts Moltke's, die Größe dieses Geistes anzuerkennen, hat Oesterreich nie gesäumt. Wir haben sie in ehrlichem, ehrenvollen Kampfe erfahren und bewundert, als Moltke an ber eette-feine« königlichen Herrn den Siegeszug durch Frankreich lenkte. Auch als Präses der Landes- vertheidigungs-Commission bleibt Moltke den Männern zugezahlt, von welchen Deutschland in erster Linie die Aufrechterhaltung der in blutigem Kampfe erworbenen Große erwartet. Sein Nachfolger sei eine der österreichischen Armee sympathische und bekannte Persönlichkeit. Er war Zeuge unserer großen Heeresmanöver und gab den warmen kameradschaftlichen Gefühlen für das Heer unserer Deutschland so innig verbündeten Monarchie stets vollen Ausdruck. Wenn die deutsche Armee diesen hervorragenden, stets bewährten General auf dem bedeutsamen Poften Moltke's begrüßen darf, so begrüßen wir mit sympathischer Theilnahme in ihm auch insbesondere den warmen Freund Oesterreichs und seiner Armee. , , £I * . Paris, 14. August. Floquet empfing Vormittags eine Delegation der strikenden Erdarbeiter, welche die von den Arbeitern erhobenen Forderungen darlegte, die ihrer Ansicht nach zum Ziele geführt haben würden, wenn die Arbeitgeber von der Verwaltung und der Polizei unterstützt worden wären. Floquet antwortete, daß die Republik den Arbeitern das Recht gewähre, frei Über die Arbeitsbedingungen zu verhandeln, aber daß die Regierung nickt gestatten könne, daß die Ausübung des Arbeitsrechts beeinträchtigt werde. Die Regierung muffe die Arbeiter gegen alle Gewaltthatigkeiten schützen. Die Schließung der Arbeiterbörse sei angeordnet worden, um allen Provokationen ein Ende zu machen. t r ,. c Paris, 14. August. Einzelne Trupps strikender Erdarbeiter versuchten auf mehreren Bauplätzen die Arbeiter zum Niederlegen der Arbeit zu verleiten, wurden aber unter Beihilfe der Arbeiter selbst von der Polizei entfernt. Auf mehreren Bauplätzen, wo die Arbeiter bisher strikten, wurde die Arbeit wieder aufgenommen. London, 14. August. Nach einer Reuter-Meldung aus Pietermaritzburg fand am 10. ds. Mts. ein Zusammenstoß zwischen einer Abteilung Engländer und Zulus statt. Letztere hatten mehrere Todte und Verwundete. Der Verlust der Engländer ist unbefanm.^^Ä^w, 14 August. Der ehemalige Minister Hall ist gestorben. Rom, 14. August. Amtlich wird aus Massauah gemeldet: Der Obercommandant hatte erfahren, daß Debeb in (saganetti gegen 300 mit Gewehren Bewaffnete ansammle, um Razzias zu unternehmen, und er ordnete deshalb eine Expedition gegen denselben an, zu welcher 400 Baschibozuks unter einem Capitan und vier Lieutenantv sowie 200 Baschibozuks und 200 Assaortiner unter Adamaga vor Saganettt eintrafen. Debeb verfügte über 470 Mann. Er hatte von dem Anrucken der Italiener Kenntniß, daher Alles zur Vertheidigung vorbereitet; gleichwohl drangen der Capitan, ein Lieutenant und 100 Baschibozuks in den Ort ein, vertrieben die Abessinier aus dem Hehicn Fort und besetzten dasselbe, konnten es aber nicht halten, well die A saortiner, welche bereits auf dem Marsch durch Benachrichtigung Debeb'« Verrath geübt wahrend de« Kampfe« rum Feind übergingen und die Italiener angriffen. Der tn das Fort eingedrungene Capitän und der Lieutenant fielen und die Baschibozuks verließen das Fort in Unordnung. Hierdurch, sowie durch die mrvermuthet große Anzahl des Feindes wurde unter den außerhalb des Ortes befindlichen Baschibozuks eine Panik her vor gerufen. 3wei bis drei italienische Offiziere sind gefallen. 400 Baschibozuks haben sich m Uaa wieder gesammelt. Der Verlust Debeb's wird auf 350 Mann geschaht; auch Adamaga soll gefallen sein. Der Obercommandant ließ 40 Assaortiner als Geiseln festnehmen und wird nach ausreichenden Nachrichten gegen den Feind vorgehen. Rom, 14 August. Ein Telegramm des Oberbefehlshabers in Massauah meldet, es sei ein französischer Mifsionspater aus Akrur eingetroffen mit der Nachricht, daß bei der Expedition gegen Saganeiti vier italienische Offiziere getodtet feien, während das Schicksal des fünften unbekannt blieb. Debeb verfugte beim Kampf über <00 Mann, wovon 350 mit alten Gewehren und geringer Munition versehen waren- Von den zerstreuten italienischen Soldaten sei eine größere Anzahl mit Adamaga zuruckgekehrt. Berlin, 14. August. Aus Anlaß des letzten LandesverrathSprozesseS werdm sämmtliche Truppentransportpläne von Bayern nach dem Elsaß neu ausgearbeitet. — Die Freiburger Studenten, welche seiner Zeit in Belfort mißhandelt wurden, hatten nach dem französischen Gesetz von der Gemeinde Belfort eine Entschädigung zu beanspruchen. Es ist jedoch den Studenten nicht gelungen, irgend einen französischen Anwalt zu ihrer Vertretung zu gewinnen. Ebenso hat der Gerichtspräsident in Belfort es abgelehnt, den Gemißhandelten von Gerichtswegen einen Anwalt zu bestellen. ES ist hiermit conftatirt, daß der Deutsche In Frankreich fein Recht findet und daß für Vergehen gegen Deutsche in Frankreich keine Sühne zu erlangen ist. 6445 Schirmfabrik M. Levi. Ausverkauf. 1imiUÖ Ln b.o8?on mir gekaufte I C. Retter'sche Haus am Kreu; verkaufe, um zu räumen, sämmtlickie Waaren zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 1 JC ^narcn 65691 Julius Schulze* _^^_Mem_Haus^Sonnenstraße 20, beabfichtisse iu^fterkanfen. Bedeutende Preisermäßiauna. Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr ra., . Luft 12, Wasser 15 Gr. 9 ' ließen, den 14. August 1888. R ü b s a m e n. Landwirthfchaftliche Nachrichten. (Nachdruck verboten.) kB-rtilzung der Raupen an Heckens Zur Vertilgung der Raupen die fn oft die Hecken durch ihre verwüstende Arbeit gar sehr entstellen wird ein Mittet em^ofjlen beffm Anwendung sich besonders an Weihdornhecken sehr bewährt ba/ Nachdem die Hecken geschnitten waren, was Ende Juni geschah, wurden dieselben mit r* C e? D?n deiben Seiten gründlichst abgefegt. Aller Abgang sowohl das Abgeschnittene als das Abgefegte wurde verbrannt 0' -Endung di-US Verfahrens. also nach°zw?i Jahren waren nur noch g»i^ Z ür°en von Raupennkstern vorhanden. Der Versuch möchte sich wobl für Zn7r.P s unter dieser Plage an seinen Hecken zu leiben hat ’ ' 13 bm lof,n€n- btr Ium 2 September. bevorstchmden^Nattonalftst Septtmbemit°Är"Bitt?um^ad«n Krioae« hinterbliebeuen gefallener Soldaten des Krreges 1870/71. Ueberall, wo man an jenem Tag, in Gotteshäusern oder bei sonstigen Vereinigungen dieses Fest feiert und sich dessen erinnert was vor achtzehn Jahren geschah, möge man auch jener Opfer des Krieges dankend gedenken und durch Gaben je nach Vermögen dazu beitragen, daß chr Loos auch weiterhin verbeffett werde. Ist doch durch die schweren Erlebnisse dieses Jahres dar deutsche Gefijhl wieder stärker angeregt und die Erinnerung an lene große Zett wieder lebhafter erweckt worden Erinnerung an Wir bitten jinsbesondere, wie früher, die evangelischen Pfarr- und Kirchenvorstände, gemäß der ihnen von Großherzoglichem ÄÄTÄ» 61M b" »**•«*” «Ä we!Ö**lrefn‘L ^suchen wir, wie seither möglichst für Verbreitung dieser Ansprache und Durchführung unserer Idee zu wirken ins- besondere an geeigneten Orten Sammelbüchsen aufzustellen ' ... ,welche uns demnächst die Erträgnisse von Sammlungen in über- Mitteln haben, bitten wir, dieselben durch Posteinzahlunq an unseren Kckma meister Herrn Brand°-rstcherungs.Rath Hechler dahier,9enzuftn n Darmstadt, den 1. August 1888. 1 1 n- Der Vorstand de« Hülfsvereins im Großherzogthum Hessen für die Krankennklene „nh (Muns der Soldaten im Felde, als Landerverein der Kaiser-Wilhelmz-Stiftung für deutsche Invaliden. 1 a 21. W-ber Ministerialpräsident, 21. Buchner, Geh. Oberconsistorialrath, Vorsitzender.__Schriftführer. * die Zahl der bisher wieder Gesammelten betrage etwas über 400. — Vom Ober- commando wurden Boten abgesandt, um weitere Erkundigungen einzuziehen. Athen, 14. August. Dre griechische Regierung hat der türkischen Regierung angezeigt, dah ihr die Ernennuna Riza Paschas zum Gesandten an Stelle des abberufenen Pheridon Beg genehm sei. Konstnnttnopet, 14. August. Der erste Orientzug der Linie Wien-Kon- fiantinopel ist programmmäßig eingetroffen. Lokales. *♦* Gießen, 15. August. (Krauße-Concert.) Gestern Abend fand vor zahlreichem Publikum das letzte Sommer-Abonnements-Eoncert unserer Regimentsmusik statt und bot. wie immer, Gutes und Erfreuliches. Wir haben schon oft betont, daß Herr Musikdirector Krauhe besonders auf dem Gebiet der Harmoniemusik in jeder Beziehung tüchtig ist und daß er die schwierigsten Sätze mit feinem Verständniß ein- zuüben versiebt, so daß eine überall ergötzende Modulation zwischen Pianissimo und Forte hervorti llt. Die Annehmlichkeit für den Hörer kommt hauptsächlich in Ouvertüren und Opernphantasien zur vollsten Geltung. Aber auch bei ausgeführten Tänzen kann man von Feuer und Grazie sprechen. — Bei Herrn Krauße's ConcMen paart sich also stets das Interessante mit dem reinen Genuß, und Jeder, der dieselben besucht, wird daher angenehme Befriedigung finden. Gießen, 15. August. Wie man uns mittheilt, mußten wegen Mangel an den nöthigen Sandsteinen heute an den Kliniksbauten 40 Arbeiter vorläufig entlassen werden. Vermischtes. Darmstadt, 13. August. (Victoria-Heim.) Das durch die Munificenz Ihrer Großh. Hoheit Prinzessin Victoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, im Jahre 1886 dahier begründete Asyl für stellenlose weibliche Dienstboten, das Victoria-Heim (Louisen- ftraße 40), welches, wie bekannt, jedem anständigen Dienstmädchen Wohnung und Kost iu billigeren Pretsen als anderwärts bietet und ohne belästigende Ueberwachung doch für dieselbe entsprechenden Schutz vor schlechter Gesellschaft gewährt, hat seit seinem Bestehen gewiß sehr segensreich für die betreffenden Kreise gewirkt, wenn auch von der hier gebotenen Einrichtung nicht in dem Matze Gebrauch gemacht worden ist daß ein Fortbestehen der Anstalt als ein dringendes Bedünniß zu bezeichnen wäre. 'Offenbar sind bereits tüchtige Dienstboten so sehr gesucht, daß sie das Victoria-Heim aufzusuchen nicht genothigt sind. Was ferner die von auswärts kommenden Dienstboten anbelangt so treten diese erfahrungsgemäß meist sofort in ihre betr. Stellen ein. Diese und andere Verhältnisse möchten die geringere Frequenz des Victoria-Heims wohl erklären und es scheint hiernach kein Bedürfniß vorzuliegen, dasselbe für die Zukunft zu erhalten Da auch keine Aussicht vorhanden, daß die Anstalt seitens einer Korporation oder der hiesigen Gemeindeverwaltung übernommen und zum Besten der hier vertretenen Sache in der seitherigen Weise weitergeführt werden würde, so hat Ihre Großh. Hoheit Prinzessin Victoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, Entschließung gefaßt, an deren Stelle eine andere Anstalt treten zu lassen, die sich den vorhandenen Schöpfungen auf dem Gebiete der weiblichen Fortbildung in hiesiger Stadt würdig anreihen dürfte. Tas Victoria-Heim wird daher mit dem 1. November d. I. seine Thätigkeit beschließen und in demselben Lokale mit höchster Unterstützung seitens des Alice-Vereins für Frauen- bUdung und Erwerb und zwar in Verbindung mit der Industrieschule des Vereins eine Kochschule für erwachsene Mädchen errichtet werden. Diese Kochschule wird zu dem angegebenen Zeitpunkte (1. November er.) ihre Thätigkeit beginnen. (D. Z.) Darmstadt, 12. August. Der „Köln. Ztg." wird aus Hessen aefebrieben • Bei der Anstellung der richterlichen Beamten in unserem Lande wird jetzsein neuer Grundsatz eingehalten. Während bisher die jungen Gerichts-Assessoren in der Regel d e erste Anstellung als Einzel-Amtsrichter in kleineren Landstädten erhielten, werden dieselben funfttg zunächst bei den mit mehreren Richtern besetzten Amtsgerichten der größeren Städte verwandt Es soll damit verhütet werden, daß die jungen Amtsrichter in ein gewisses Abhangigkeitsoerhaltniß zu den Gerichtsschreibern auf dem Lande gerathen. Die erste Anstellung bei bem Eollegialgericht der Städte wird für sie noch Art prallt cher Schule, sein. In die Amtsrichterstellen der Landstädte werden dann bereits völlig eingeschulte jüngere Richter entsandt. v ~ Die neuen Achselstücke für die Infanterie-Offiziere, welche nach der Eabinets- ?^dre des Kaisers Wilhelm II. für bie Folge getragen werben müssen, sind bereits in aÄr Mi stäreffecten-Hanblungen größerer Garnisonstäbte zu haben. Sie sehen den Achselstücken der Husarenoffiziere ähnlich, nur sind sie doppelt so breit. Die Unterfütterung ist in der Farbe die gleiche wie bei den alten Achselstücken. △ Mainz, 14. August Es vergeht eben fast keine Woche, in welcher nickt auf bem eben tm Umbau begriffenen Gebiete der „Neuen Anlage" neue Nömergräber aufgedeckt werden. Gestern wurde wieder ein solches blosgelegt, in welchem man noch vergebene Knochen sowie ein guterhaltenes Gebiß vorfand. Außerdem waren in bem ©arge in unversehrtem Zustanbe noch mehrere sehr werthvolle Glasgefäße Die Leicke war in emem Holzsarge beigesetzt worben. In Folge ber vielen Funde, die gemach worden sind, besteht die Absicht, auf der Stelle des römischen Begräbnißplatzes in der ^9teuen Anlage einen stillen Hain anzulegen und in demselben diejenigen Särge Grabdenkmäler u. f. w. aufzustellen, welche aus räurylichen Gründen in den städtischen Sammlungen nicht mehr untergebracht werden können. uaoiffyen . . — ®in roegen jeineS übergroßen Durstes von seiner besseren Ehehälfte zeitweise ^gesperrter hiesiger Geschäftsmann wollte sich gestern Abend von seiner im /w^ Stocke gelegenen Wohnung durch das Fenster einen Gang nach dem Wirthshause suchen wobei er mdeß ausglitt und auf bie Straße stürzte. Obwohl ber Gestürzte viele Verlegungen baoontrug, konnte er noch zu Fuß nach bem Spitale wanbeln. 3 ® ©aft^nW^ st"-°tYP-n Engländern sind Heuer vieleVranTofen uXweflT " senden schaftsbetriebs, bie Herren Gebr. Steinbach, haben bekanntlich bie r ' Hauptpersonenbahnbof erhalten unb verlassen baher mit dem 18 b 3)2 ®axun An dieS.elle derselben traten die HerrenEmilThoma^nd H^nt L? dt-^iach dem verflossenen L>amstag zu urtheilen, durchaus leistungssähia sind. ’ I Y — W'e h-ut- Nachmittag telegraphisch hierher gemeldet wurde, ist in Hanau der Taglohner Morlock welcher wegen Ermordung deS Försters Mankel von Wachen- buchen zu 12 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden war, auS dem Landgerichisgefängnist en-tprungen Die Entweichung deS Morlock soll bet Reinigung der Zelle passirt solgung desselLn Me/geschah " obgleich sofort zur Ver- + ^.o/enhetm, 14. August. DaS Schützenfest nimmt bet herrlichem Welter programmmabigen Fortgang Der Besuch ist sehr stark Sonntag wurden an ba °cr°'ni>°hmt und bis jetzt Haden ca. 35000 Menschen den Feskplatz besucht. Die Wirthe machen glanzende Geschäfte; die drei vertretenen Brauereien verzapf,-n allein am Sonntag 106 Heetoliter Bier; auch der Konsum in Wein war nicht °er.»kb, Die Betheiligung beim Schietzen ist ebenfalls stark. Den besten Schuh gab btS letzt auf der Festschetbe .Herr Metzgermetstcr Klingler-Sachsenhausen mit 38 auf der Feldsche.be Herr Gustav Presche, ab, welcher bei 20 Schuh ebensoviel Trester erzielte. Heute Abenb ist großes Sangerfest. tcntr Ilniversttäts - tzhrouiL. E " Dem „Frankfi Journ." wirb von hier geschrieben: Unsere Hockschule hat burch Berufungen nach auswärts in biesem Jahre eine ganze Reibe 3re?in?t, erlitten. 9tachbem im Frühjahr Kanzler Gar eis, der scharfsinnige Jurist betfro Ä S«n8 auch in gesellschaftliche.- Beziehung viel bedauert mürbe auf besöndern d°s Ministers v. Gö hler den Lehrstuhl Felix Dahn'S tn Söni“^'g ei. g"namm n merben ihm zum Herbst drei wettere Giehener Hochschullehrer nach auswärts s"lgen' ber Neuphilologe Prof. Braune, welcher einem wieberholten Rufe naA ctih, K falat unb biet durch Pros. B-Ha ghel von Basel ersetzt L?der Physik ß n g-» und der Frauenklincker »of meier Die letzteren beiden gehen nach Würzburg Rönt- S e^£ D-On Straßburg wirkt, Hofmeier an Stelle des seit bem vorigen Jahre in ben Ruhestanb getretenen Scanzoni von Ltchtenfels T°^öcrJn Bietzen, Kaltenbach-Halle, hatte für Wü?zbura abgelehnt und so wird G ehen den noch jungen Frauenkliniker verlieren der lana- lahr.ger Assistent des verstorbenen Schroder-Berlin (dessen Schwiegersohn er aück geworden isti, hier erst seit drei Semestern wirkt. Moglicherweift ist damit die Liste der Abgehenden noch nicht geschlossen, da von der Bonner medieinischen Facultät als ffiT^e^a^e^ ^ftOtbCnen 9iÜbIe der Letter der Hi-L Allgemeiner Email-Fussbodenlack ! aus mrum S-lbstlackir-n. ra 1«®^? fXl®°S“ann"r“''äÄ dm Hnren;^^ 9Qn9baiften Farben mit Probeanstrichen in Gießen bei Carl Petri, Kaufmann, Marktplatz, 5219 Leo, „ .Seltersweg, —------—_____Schulze II., „ Schillerstraße, Schweizer Stickereien — ohne Avuret tn^unberten von Mustern wieber frisch eing*t"offen bei J. Kaan jun., Kreuzplatz 10. SberheMk Eiseubahnen. Am 18. d- M. tritt ein neuer Personen- rc. Tarif für den mitteldeutschen Verbandsverkehr in Kraft, durch welchen viele Ermäßigungen der Fahrtaxen herbeigeführt werden. Nähere Auskunft ertheilen die betreffenden Billetexpeditionen. Gießen, den 11. August 1888. 6559_________Großherzogliche Direction- Mrhesßschk Wndahukn. Die Lieferung von kiefernen Brückenschwellen und Dielen soll vergeben werden- Bedingungen nebst Verzeichnissen sind bei unserer Magazinsoerwaltung dahier, sowie bei dem Großherzoglichen Eiscnbahnbau- meister in Alsfeld einzusehen. Angebote, verschlossen und mit bezüglicher Aufschrift versehen, bis zum 23. August ds- Js- dahier einzureichen. Gießen, den 14 August 1888. 6558________Großherzogliche Direction. Verdingung^ Die Abfuhr der Latrinen und Müllgrubenstoffe der hiesigen Garnisonanstalten vom 1. October ab auf ein, event- auch mehrere Jahre, wird am Freitag, den 24. August, Vormittags 10 Uhr, im Bureau der unterzeichneten Verwaltung, woselbst auch die Bedingungen ausliegen, öffentlich verdungen. [6563 Gießen, den 14. August 1888. Großherzogliche Garnisonverwaltung. In der Privatklagesache des Christian Rofeubecker in Rodheim a/B., vertreten durch Rechtsanwalt Barth zu Gießen, Privatklägers, gegen die Ehefrau deS Ackermannes Johannes Georg Stork zu Rodheim a/B., Angeklagte, wegen Beleidigung, hat das Königliche Schöffengericht zu Gladenbach am 31. Juli 1888 für Recht erkannt: daß die Angeklagte der öffentlichen 'Beleidigung schuldig und deshalb mit vier Tagen Hast zu bestrafen und die Kosten des Verfahrens zu tragen gehalten. Zugleich wird dem Privatkläger die Befugniß zugesprochen, die Verurtheilung der Angeklagten durch einmaliges.Einrücken der Urtheilsformel in den „Gießener Anzeiger" binnen 6 Wochen nach der Rechtskraft des Urtheils auf Kosten der Angeklagten öffentlich bekannt machen zu laffen- Die Richtigkeit der Abschrift der Urtheilsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urthells bescheinigt. Gladenbach, den 8 August 1888. (L. 8.) gez. Mallert, Gerichtsschreiber des Kgl. Amtsgerichts. Für die Richtigkeit: F. 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All der Liebe und Verehrung, welche wir ihm bei Lebzeiten als Menschen, als Fürsten und Feldherrn gezollt, können wir sichtbaren und dauernden Ausdruck nur noch durch ein Denkmal verleihen, welches würdig ist des großen Tobten. Und fragen wir: Wo ist ber geeignete Platz für ein Friedrichsdenkmal, zu dem jeder Deutsche dankbaren und freudigen Herzens beisteuern kann? so bietet sich ungesucht die geweihte Stätte bar, wo Friebrich seinen herrlichsten Steg erfocht, wo auf blutigem Schlachtgefild bie köstlichste Frucht erwuchs, bie er von Jugenb auf ersehnt, bas unvertilgbare Bewußtsein ber Zusammengehörigkeit aller beutschen Stämme. Und von ber Höhe, wo ber heiße Kampf getobt, in Fröschweiler, grüßt nach allen Seiten weit ins Lanb hinein bie schöne Friebenskirche, bie unter Friebrichs besonderem Schutze stanb, ein rebenbes Zeugniß bafür, baß nicht Kampf unb Ruhm, sonbern Friede und Versöhnung, auch in dem wiedergewonnenen Lande, das höchste Ziel seines Strebens war. Darum, wer den Helden ehren will, der durch den Sieg bei Wörth dem deutschen Volke das erhebende Gefühl der auf der Einigkeit beruhenden Kraft wiedergeschenkt hat; wer dem edlen Fürsten seine Verehrung und Dankbarkeit bezeugen möchte, der durch seine milde, hochherzige, für alles Schöne und Gute begeisterte Persönlichkeit Nord und Süd vereinigt und aller Herzen gewonnen hat: der wirke mit uns, daß bei Wörth dem geliebten Kaiser ein Denkmal erstehe, das auch künftigen Geschlechtern ein Wahrzeichen werde seiner edlen Größe, unserer dankbaren Liebe. Der gkfthsstsführende Ausschuß: Heller, Kaiserl. Amtsrichter in Wörth, Vorsitzender. Dr. von Rohden, Gymnasialoberlehrer, Premierlieutenant b. R., stellvertretenber Vorsitzenber und 1. Schriftführer. GngeL, Kaiserl. Enregistrementseinnehmer in Hagenau, Schatzmeister. Andrae, Referenbar, Lieutenant b. R., 2. Schriftführer. Dr. Biedert, Chefarzt bes Hagenauer Hospitals. Bippert, Kaiserl. Postmeister in Sulz u. W. Bollinger, Kaiserl. Amtsgerichtsrath in Hagenau, Premier-Lieutenant a. D. Brack, Kaiserl. Hypothekenbewahrer in Weißenburg. Chrobog, Kaiserl. Polizeikommissar in Nieberbronn. Graf v. Dürckheim- Montmartin auf Schloß Fiöschweiler, Premier-Lieutenant b. R. Fr. Gilardone, Rebacteur und Buchbruckereibesitzer. König, Kaiserl. Oberförster in Weißenburg. Mayer, Kaiserl. Steuereinnehmer in Weißenburg, Hauptmann a. D. MeeS, Kaufmann in Sulz u. W. Rorth, Kaiserl. Amtsrichter in Sulz u. W. Schneider, Kaiserl. Steuereinnehmer in Bischweiler, Lieutenant b L. Siegfried, Kreisbirector in Hagenau. Spiecker, Kreisbirector in Weißenburg. Strobmeyer, Kaiserl. Oberförster in Hagenau. Trautmann, Bürgermeister in Wörth, von Wickede, Kaiserl. Obersteuercontroleur in Nieberbronn, Hauptmann a. D. Wißmann, Gymnasiallehrer in Weißenburg, Premier-Lieutenant b. L. C. D. 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