Nr. 39. Mittwoch den 15. Februar ißgßj Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Vureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf, Amtlicher Hßeik. Betreffend: Beiträge zum Gustav-Adolf-Verem. Lang-Göns, am 13. Februar 1888. Das Großherzogliche evangelische Dekanat Gießen an sämmtliche Localvorstände des Gustav-Adolf-Vereins (Zweigverein Gießen). Sie werden hiermit dringend aufgefordert, die Jahresbeiträge für den Gustav-Adolf-Verein alsbald zu sammeln und an den Rechner des Zweigvereins, Herrn Döring in Gießen, einzusenden. Dr. Strack. Politische Uebersicht Gießen, 14. Februar. Die amtlichen wie privaten Meldungen aus San Remo über das Befinden des Kronprinzen nach der Operation lauten fortgesetzt äußerst günstig und das deutsche Volk kann darum wieder etwas erleichtert aufathmen. Bis Montag hatte stch kein Fieber eingestellt, ja, schon am Sonntag war der hohe Patient im Stande, aus einige Stunden das Bett zu verlassen. Pros. v. Berg, mann, der bis aus Weitere» in der Umgebung de» Kronprinzen verbleiben wird, findet da» Aussehen der Wunde sehr gut, eine nähere Besichtigung ist jedoch für jetzt noch nicht möglich und läßt sich daher auch noch keine letzte entscheidende Diagnose fällen. Jedenfalls ist aber wenigsten» die augenblickliche Gefahr behoben und die Hoffnung bleibt bestehen, daß der Wundverlaus bei dem erlauchten Kranken ein normaler sein werde, während sich freilich über die Endentwicke- lung des eigentlichen Leidens nach wie vor nichts Bestimmtes sagen läßt. Für die Montagssitzung de» Reichstage- stand die zweite Lesung des Socialtstengesetze» mit aus der Tagesordnung und hat auch, wie nach dem Verlause der Commissions-Verhandlungen zu urtheilen war, das Plenum des Reichstages die einfache Verlängerung des bestehenden Gesetzes auf 2 Jahre gutgcheißen; die Regierung wird stch mit diesem Resultat wohl oder Übel zufrieden geben müssen. Mit der Veriängerurg des Socialistengesetzes schließt die Reihe der hervorragendsten Aufgaben der gegenwärtigen Reichstagssejsion — Erhöhung der Getreidezölle, Wehrvorlage und Anleihegesetz Verlängerung der Legislatur-Perioden und Socia- listengesetz — ab und es bleiben, wenn man vom Etat absteht, nur noch gesetz» geberlsche Arbeiten zweiten und dritten Ranges zu erledigen übrig, wie die Rechtsordnung in den deutschen Schutzgebieten, das Weingesetz, das Vogelschutzgesetz, Ausschluß der Oeffentlichkeit bei Gerichts.Verhandlungen, Entschädigung unschuldig Verurteilter (Wiederaufnahme de» Verfahrens) u. dergl. Da diese Materien auch in den Commissionen schon zum Theil durchberathen sind, so wird der Reichstag zu ihrer vollständigen Bewältigung wohl nur noch kurze Zeit gebrauchen und der Sessionsschluß könnte bei dieser Sachlage ganz gut zu Ostern erfolgen. Daß der Reichstag sich noch mit der Alters- und Invaliditäts- Versicherung zu befassen haben werde, glaubt man in parlamentarischen Kreisen nicht, denn der betr. Entwurf soll im Reichsamte des Innern doch noch nicht ganz fertig gestellt fein, auch würde es sich nicht empfehlen, diesen hochwichtigen Entwurf dem Parlamente noch gegen Ende seiner Thätigkeit zugehen zu lassen. Die Verlängerung der Legislatur-Perioden ist nun, wie im Reichstage, so auch im preußischen Abgeor'onetenhause nach sehr lebhaften Wort- kämp^en mit ben Stimmen der drei Mehrheltsparkeien angenommen worden. Rur kann sie in der preußischen Volksvertretung noch nicht zum definitiven Beschluß erhobm werden, da sie eine Verfassungsänderung involvirt, weshalb der beantragte Gesetzentwurf einer nochmaligen Lesung unterliegen muß und natürlich auch der Zustimmung des Herrenhauses bedarf. An der definitiven Annahme des Entwurfes in beiden Häusern de» Landtages ist nicht im Geringsten zu zweifeln und da das jetzige Mandat des Abgeordnetenhäuser mit der gegenwärtigen Session abläust, so werden bereits Die Neuwahlen dieses Jahres für eine fünfjährige Legislatur-Periode zu gelten haben. Nordamerika und China stehen im Begriff, einen neuen Auswanderung». Vertrag abzufchltcßen. Nach demselben sollen diejenigen chinesischen Auswanderer nach Nordamerika, gegen welche die Bevölkerung der Länder am Stillen Ocean Protest erhebt, von der Auswanderung nach Nordamerika abgehalten werden. Ebenso wollen die Vereinigten Staaten sich durch einen Vertrag mit England gegen die englischerseits stark betriebene Einführung von Kulis nach Nordamerika wehren. Aeutlchland. Darmstadt, 13. Februar. Das Grobherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 3) enthält: Verzeichniß der Vorlesungen, welche auf der Großherzoglich Hessischen Ludewigs-Universität zu Gießen im Sommer-Halbjahre 1888 gehalten werden und am 23. April ihren Anfang nehmen. Berlin, 10. Februar. Ueber die Operation de» Luftröhrenschnitts wird der „Nat.-Ztg." anscheinend von sachmännifLer Seite gefchrieben: Jetzt darf man wohl sagen, daß die Tracheotomie keineswegs immer so leicht und gefahrlos ist, wie vielleicht behauptet wurde. Bei kleinen Kindern, bei denen die Tracheotomie meist in Folge von Diphtherie ausgeführt wird, vertäu t sie gefahrlos und fast ohne Blutverlust. Anders liegen dagegen die Verhältnisse bei Erwachsenen und namentlich hier beim Kronprinzen. Da die Wucherungen beim Kronprinzen bereits den Jnnenraum des Kehlkopfes ergriffen und durch Verengung des Lustkanals Erftickungsanfälle hervorgerufen hatten, so wäre es zwecklos gewesen, den Kehlkopf selbst zu eröffnen. Es mußte deshalb die sog. „tiefe Tracheotomie" ausgeführt, d. h. die Luftröhre unterhalb des Kehlkopfes eröffnet werden. Bei dieser Operation besteht die Gefahr, daß im Moment des Einschneiden« die angeschnittenen venösen Blutgefäße klaffen, daß Luft in dieselben eintreten und bi« zum Herzen dringen kann, sodaß eine Herzlähmung den sofortigen Tod herbeisühren kann. Unter der sichern Hand dcs Berliner Chirurgen ist die Operation glatt verlaufen. In die durch dieselbe geschaffene Oeffnung in der Luftröhre wirb, wie zum Verständniß der Leser bemerkt sei, eine gebogene metallene Röhre (Canüle) eingeführt und außen am Halse befestigt. Durch diese hohle Canüle athmen die Lungen die Luft ein. Es braucht übrigens kaum hervorgehoben zu werden, daß diese Operation nur Erleichterung. Ermöglichung des Athmens bezweckt, auf den Verlaus des Leidens selbst aber keinen unmittelbaren Einfluß hat. — Ueberall in Deutschland wird die Nothwendigkeit, daß die Operation erfolgen mußte, mit schmerzlicher Bewegung, ihr Gelingen aber mit hoher Freude und herzlicher Sympathie für den Kronprinzen ausgenommen werden- Berlin, 11. Februar. Die „Neue Fr- Pr." in Wien will aus Rom Hauptpunkte drb>,-e ß°nie1'Aal}^e. und dessen patriotischen Gesinnungen. Die Gefühle d-r I Anhänglichkeit an dr- freien Einrichtungen werden auch di-Erfolge Frankreichs verbürgen, wenn die Grenze angegriffen würbe. Briai-on sei eine voraerückte Schild < wache Frankreichs Aus di-Anspielung des Maires über das Projekt einer Verstärkunna ; der Streitkräfte Briaveons sagte der Minister er eruairunng I Patriot sich mit diesen Entwürfen beschäftigt erfahre fort, sich daVr tt rtstreffsten"^ ! , _ L°,ndo«, 13 Februar Unterhaus. Anläßlich der irr.hümlichen Verhastuna der Dk-puttrten Patrick und O Arten beantragt Pikton, das Haus möge dieselbe als ' Verletzung Priv. egten des Unterhauses erklären. Matthews erklärt es handle j lediglich um ein Versehen des Polizisten, wofür dieser, sowie der Polizeicommissär bereits zur Verantwortung gezogen eien, er (Matthews) drücke dem Redner aeTenüber febiSebauern aus. W-bst-r stellt ein-n Unterantrag,worin das^L^dauern^iwe'r'dt- d-n ^lpu,irtin zugefugte Beleidigung au-g-drückt, jedoch ein weiteres Vorgehen in der | ffach- 'ur unnothig erklärt wird, da nur ein Versehen des Polizisten vorliege. Gladstone bean ragt u-berw-i ung an das Pripilegieneomii«. Das Haüs nahm mit 246 gegen । 151 Stimmen den Unterantrag Webster an. B B los- mUtt tand -in- große D-monstiation d-r radikalen Clubs von London zu Ehren SuUtvan'S und der übrigen irischen D-pu,irt-n statt, w.lche während , der letzten Monate G-tangntßstras-n p-rtüßt haben. Sullivan traf Morgens von ! Irland ein, wurde von Stuart Wilfr'v Lawson und änderet, ,adikal-n D-putirteu herzlichst begrüßt und mit den übrigen irischen D-putirten von ungefähr 15 000 $er ■ fonen, wovon Einige Fahnen mit voliiischen Inschriften trugen, bis Hvdepark geleitet i S50. ^rMtebene iReben gegen das i-tzig- Ministerium gehalten wurden. Ruh-stör ngen sind nicht vorgekommen. London, 13. Februar. Di- „Morning Post" b-zeichn-t die von Daris ans verbreiteten Geiuchte Uber Unterhanblungen mit England für ressen Anschluß an eine tt-ru(ft'fd)e Allianz, um• ber Koalition der C-iitralmächte enigeg-nzuarbett-n als gänzlich unbegründet; em solches Vorgehen würde eine ernste Bedrohung des cui°- paifdien Friedens bilden, der z-tzt nicht gefährdet erscheine, so lange di- TripelaMant non England und d-r Turke, unterstützt werde. D-r „Standard" führt aus es b dur - nicht besonderer Vereinbarungen mit England, um die osterr-ichiich-n und italienifdien Kuflen vor feindlichen Landungen zu schützen. England könne k-i,?- Schutz- und Trutzbundniffe eingeben, es sei jedoch vorbereitet, die Veiträae aufrerhtiiihXn unt-r d-nen seine Unt-rfchrtst steh-- ' So lange die ZriPelamaÄ Erhaltung de. $rteben§ sei, werde sie Englands Unterstützung finden; wenn der Friede von einer Macht auserhalb der Allianz gestört würde, werde Englands Gewicht tn die Waagschale gegen den Angreifer geworfen werden. Das sei die Politik Lord öditsDuri) s. , „ ,,1 'j' B-bruar. Nach einem in d-r Kammer eingebradlten Atstraae betreftenb bie Besteuerung des Alkohols, soll eine Zuschlagssteuer von 100 Francs pro .^eftonter von °usl°ndsichem, zu gewerblichen Zwecken bestimmten Alkohol erhoben wJBrtssssa ex» “• ........ * Rewstork, 13. Februar. Blain- ersucht in einem Schreiben aus Floren, an d-n Ersitzenden des republikanischen Nationale°>nii«'s, die Mitglieder der repm b ^siachrichtigen, daß sein Name gelegentlich der bevorsteb-nden 3Ut auffteUu"8 cinc§ Präsidentschaftskandidaten „ Ä- »• M--rtuards-n (nl.); Herr Träger wolle Alles durch das gemeine Recht bekämpfen und Herr Windthorst halle das Preßgesetz und das Vereinsaesetz für 5.Cnb'm®5| F6Lab'r f-in d-utsch-s V-r-insgesetz, es gebe in den Bin.® Iftaaten uerf(biebene ä3erein§ge[eje, in einigen auch gar keine. Mai, käme also dann dazu diese gefährlichen Bestrebungen bekämpfet, zu wollen durch Waffen, di- in einigen Staaten hÄ^/äCü„hU^sf«l\ro,Ur^,L 3.m U-biig-n hoffe -r, daß -s den Bemühungen des Retchslags und des BundeSraths gelingen werde, nach zwei Jahren ein dauerndes firingen ätuänfl°mc0efet’ 8e0en bie Bestrebungen der S-cialdemokratie ,u Stande zu Hierauf wird die Discussion geschlossen. Die Forderung der Regierung Verlängerung auf 5 Jahre wird gegen die Stimmen der Con ervativen und der Reichspartei abgelehnt 9 9 - , r,. Ueber die Verlängerung des Gesetzes bis 30. September 1890 wird namentlich abgestimmt Dieselbe wird mit 164 gegen 80 Stimmen angenommen. £)aLchuKwaaren, das anerkannt beste Fabrikat, zu Originalpr?ifin nur bei 211 ^t S fiss, Marktstraße 9 Mlsensrüchle, vorzüglichste Kochart, zu billigsten Preisen empfiehlt 761 Robert Stuhl, Neustadt 23. Minerva, eine hochfeine S-Pfg.-Cigarre, per Kistchen (50 Stück- 2 Mk. 25 Pf. bei ! in größter Auswahl offerirt billigst ^^2 Carl Bieler, Kreuzplatz 6. Aeikgeöolenes. Unterzeichneter empfiehlt: selbstgefcr- tigte Korbwaaren jeder Art, sowie übernimmt Reparaturen und das Flechten von Rohrstühlen zu billigsten Kreisen Ang. Werner, 1116 Korbmacher, Wetzsteingasse 10 platte, 1 Handtuchständer, 1 einthür. 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