Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. . ji Virreau r Schnlstraße 7. . MI 'IBUIfeWIJSIWRW. Erscheint täglich mit Ausnahme des MotttagS. ^71 Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hßeik. Bekanntmachung. Oesterreichischerr Bekanntmachung. “XKää Local - Reglement, - die Anlage von Sammelplätzen und Lagerräumen für Ihierifche Abfälle betreffend. c ra . . . „T . her Städteordnuna wird nach Anhörung der Stadtverordnetenversammlung mit Genehmigung Grobherzoglichen Ministeriums des Jnner?nn?L Nr. Ä b. I- 28246 für den Bezirk der Stadt Gießen verordnet, was folgt: unb Laaerräume für Knochen, Klauen, Haare, frische Häute und sonstige Abfälle, wozu auch die Raume für das Trocknen der frische« Häute gehören, muffen mindestens 300 Meter von bewohnten Theilen der Statt angelegt werden. Uebertretungen werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mark, an deren Stelle im Unvermögensfalle entsprechende Hast tritt, bestraft. § 3. Di? Polireiverordnuna tritt mit dem Tage deren Verkündigung in Straft. Gi-i-n »M7 s»«» 1888. * Aeutschland. 2lu« den» Großherzvgthum Hessen, 11. Januar. S3el . SBe- xatbuna des neuen Staatsbudgets wird auch die in den letzten Jahren vielfach besprochene Frage bet Reorganisation der Centralstelle für die ^andwirthschas und die landwirthschastlichen Vereine ihre Erledigung finden. Nach den Crlau terunaen «um StaalSbudget glaubt die Regierung unter Aushebung icner Cen tralstelle eins obere landwirthschafiliche Behörde errichten zu sollen, welcher utter Oberleitung de« Ministeriums d-r Innern und der Justiz die Verwaltung der landwirthschastlichen Angelegenheit übertragen wird. Diese Behörde soll. au« einem Mitglieds der Ministerium« aU Vorsitzenden, einem landwirthscyaftlich technischen und einem culturtechntschen Referenten bestehen, denen in den geeig «««» «tri«. M«jU »««ä« Ausgabe, die Lanewirthschaft und Landescaltur zu sücdern, infoweit der Staat hierzu berufen ist, insbesondere werde sie die Functionen einer Lander-Com miiston in Feldbereinigungssachen der fachlichen Centralbehörde nach dem Wasiergesetze und dem Gesetze über die Landercultur-Genossenschaften übernehmen, alle Mcliorationrpläne prüfen und deren Ausführung überwachen, das Staat«- c$.,tereff3 bei landwirthschastlichen Vereinen und Genossenschaften wahren, das landsirthschaslliche Unterricht«- und Prämiirungrwesm leiten. Rach Errichtung Meier Behörde kommen die Stellen des Generalsecretärr der bandwirthschait- lichen Vereine und de« Landescultur-Jnspector«, al« solche inWegfall, bezw. gehen in erst-re über. Die Landescultur-Jngenieure werden ^der^Bchürde U 'lCr söetlin, 10. Januar. Nachdem die französischen Blätter vom Schlage des Jntranstgeant", der „Agence Libre" u. s. w. wochenlang die Anklage wiederholt hatten, daß preußische Geheimpolizisten in der Schweiz den Mord- anschlag gegen den Kaiser von Rußland angezelteU hätten, den sie nachher den Nihilisten in die Schuhe geschoben, bringt heute der „Jntransigeant folgender Telegramm au« Genf: „Der Untersuchungsrichter in Zürich hat dem Vorsteher der Bundespolizei die Acten mitgctheilt. Die Untersuchung beseitigt die &etau«. forberung zu einem Verbrechen, stellt jedoch fest, daß Haupt und L-chröder besoldete ©enblmge der deutschen Polizei find. Die »Spione Eben bah.r nicht vor Gericht gestellt, jedoch ausgewiesen werden. Wo bleiben nun die scheußlichen Verleumdungen, welche die französischen Blätter de« °^"annten Kaliber« unablässig gegen die preußische Polizei und sogar unmittetoar gegen den deutschen Reichskanzler geschleudert haben? mUhpr Berlin, 11. Januar. Am nächsten Dienstag tritt der Reichstag wieder zusammen. Die Plenarsitzungen in der ersten Zeit dürsten vorzugswetie der »weiten Etalsberathung gewidmet fein. Daneben wird man über auch bal Berathung des Socialistengesetze» und de« Anträge« auf Verlängerung Legislatur-Perioden erwarten dürfen. Von den Commissionen wird dieMige zu Berathung der sog. Landwehr-Vorlage die Aufmerksamkeit vorzugsweise aus fich ziehen. Es stehen sonach schon für die nächste Zeit wichtige Verhandlungen und wahrscheinlich auch Entscheidungen bevor. England. London, 10. Januar. Nichts einfacher und bescheidener, als die gestrige Ueberführung der sterblichen Ueberreste des tobten sranMschen Cäsar» und feiner Sohnes von Chislehurst nach Farnborough. Um 10 Uhr Morgen» rückten berittene Artilleristen von Woolwich mit zwei Lafetten an, auf welchen die Särge, bedeckt mit der Tricolore und Veilchenkränzen, nach der Bahn ge- schafft wurden. Monsignore Goddars hielt einen kurzen Trauergottesdienst ab; die Kaiserin Eugenie war durch Herrn Pietri und den jungen Herzog von Baffano vertreten: Polizisten aus Blackheath bildeten Spalier. Nach Ankunft der Son- Verzugs in Farnborough um 1 Uhr bildete sich ein Trauerzug nach dem neugebauten Mausoleum, wo zwei Marmor - Sarkophage die Särge au nehmen. Des Kaisers Sarg auf der Rechten trägt die Inschrift: »^k>olöon NI. R. I. P • und der kaiserlichen Prinzen Sarg auf der Linken die Worte. Napoleon Prince Imperial, n6 ä Paris, 16. Mars 1856, mort en soldat 1 Itrotroliozy Afrique Australe, 1. Juin 1879. R. I. P-“ Unter Öen ßeü)* tragenden befanden sich der Herzog von «affano, der Prinz Lucian Bonaparte, die Generäle Wood und DrmyLowe, Major Bigge, Stallmeister der Kömgin, unb verschiedene Osficiere der englischen Artillerie aus Woolwich, zu deren Regiment der Prinz gehörte. Wie ersichtlich, war das ganze eine einfache Familien- feier, weit entfernt von jeder politischen Kundgebung im Interesse de« vorläufig absterbenden Bonapartismu«. Die musterhafte Haltung der Kaiserin Eugenie fand darin eine neue Bekräftigung. Der „Standard , welcher heute der Sargübertragung einen warmen Leitartikel widmet, erinnert an den Wohlstand m Frankreich unter der Regierung des Manne« von Sedan und vergleicht damit die zerfahrenen Zustände der dritten Republik, die unter ihren Errungenschaften vorläufig nichts al« ihr eigene« Dasein auszuweisen habe. — Er ist eine wahrhaftige Odyssee, die der britische Abgesandte Gerald Portal i" ^byssinien durch- gemacht hat. Er ist soeben in Kairo angelangt und erzählt ferne Erlebnisse wie folgt: Nach langen Kreuz- und Quersahrten langte er in Begleitung be« Major» Beech, eine« abysstnischen Dolmetscher« und seines englischen un^ abysfi« Nischen Trosse« in Armara im Hauptquartier de» Ra« Alula an unb warb sofort gefangen genommen. „Ihr seid Spione, Helfershelfer der Italiener und wollt nur Zeit gewinnen; also bleibt ihr hier." ^ehn Tage lang blieben sie in einer Zariba (einer leichten Verschanzung au« Erdwerk unb ®e^üpp) e n- geschlossen bewacht von Soldaten, bi« am 19. November em Befehl d » Nezu» anlangte, welcher die Abgesandten vor sich beschied. Ra« Alula haltezu gehorchen, schrieb aber Portal einen andern Reiseweg über Berge, Flüsse und Ebenen vor, reizte die Dörfer gegen ihn aus, damit er und seine Begleiter den König verfehlten. Endlich am 4. December erreichten sie da» Lager des Königs in Wolfiia und wurden zur Audienz zugelassen, wobei der König aber fein Vermischtes 228 260 B. Katzenstein SchMerstraße 27. 3« An- und Verkauf von Immobilien und VeJm?ttelun9 von Darlehn auf Immobilien habe etn Agenturgeschäft errichtet. y Durch Verbindungen mit Geldkräften ersten Ranges bin ich im Stande allen Anforderungen zu entsprechen. 0 «9 im ^ranoe, 3nbem ich reellste Bedienung zusichere, sehe geneigten Aufträgen entgegen. Hochachtungsvoll Haupt mit einem Shaw! verhüllte. Alles ging gut; sie marschirten mit ihm «ach Aschangi und rüsteten sich nach einer längeren Unterredung am 7. Decbr. zum Rückzüge, als plötzlich der König sie mit der eben eingetroffenen Nachricht von der Besetzung Saatis durch die Italiener anfuhr: wie sei das zu erklären. Neun Tage lang stockte darauf Portals Verkehr mit dem Negus; am 16. Decbr. aber, nachdem sie in seinem Gefolge bis Chelikot gekommen, erweichte sich des Negus Herz. Er ließ Portal durch einen hohen Hofwürdenträger prächtig mit Ehrenkleidern herausputzen, eine mit Silber- und Goldknöpfen verzierte Löwenmähne über die Schultern hängen, schenkte ihm Schwert und Schild und ein königlich aufgezäumtes Maulthier und gab ihm zwei Briese für die Königin mit auf den Weg. Am 17. Decbr. zogen sie ab, fanden aber gegen Mitternacht sich von Wachtfeuern umgeben und sahen deutlich, wie die Soldaten aus sie anlegten. „Du nimmst diesen aus's Korn und ich jenen, und dann die übrigen", hörte ihr Dolmetscher die Soldaten unter sich flüstern. Den Dolmetscher, den Portal daraus zum König absandte, banden die Soldaten an einen Baum fest, den Major Beech aber ließen sie ziehen; und der König, der dessen Botschaft empfing, ward wüthend und bedrohte den Bezirksstalthalter mit dem Tode, falls den Engländern ein Haar gekrümmt würde. Dadurch wurde endlich ihr Weg frei. Am 23. Decbr. trafen sie bei Ras Alula ein, der sie aber trotz Portal's Löwenmähne einen Tag lang aufhtelt und gröblich behandelte; am 25. Decbr. stießen sie auf die italienischen Vorposten. Die Sendung ist also gescheitert, und ; Portal wird sich mit der Löwenmähne trösten müssen, die ihn jedenfalls zum Helden und Löwen der nächsten Saison in London machen wird. Achtungsvoll Lina Moeser, geprüfte Lehrerin, Schiffenbergerweg 14. Frauen - Arbeitsschule. Der Unterricht in meiner Schule beginnt wieder am 16. Januar. snrFächer.Hand- und Maschinen-Mhen, Weiß-und Buntstickerei'rc Erste Bügelstunde: Dienstag den 17. Januar. Die Anfertiauna van Knetarbetten wird als neuer Lehrgegenstand eingeführt. ® Auskunft wird täglich bis Nachmittags 2 Uhr gerne ertheilt. Literarische«. fei® tief- Stimme ecrfd>icbenen Stimmlagen -°r, für hohe, für mittler- und für _ K cJO* Januar. Die anläßlich des Jahreswechsels zur Beglückwünschung Altchen Hof nach Berlin entsandte Abordnung der Salzwirker-Brüderschaft a°rC1?\ Astern von dort zurückgekehrt. Wie immer begegneten die Gäste auch diesmal huldvoller Aufnahme. Als die Abordnung am Neujahrstaae rum Empfange beim ^Kaiser erschien, musterte Se. Majestät vom historischen Eckfenster aus ?intfarUh^CQ?s9Bad)e,t wobc[ 1i$neine der bekannten Volksscenen abspielte, indem die hpa Dsr 5? mmrcltc Menschenmenge, erfreut über das treffliche Aussehen an. das Palais vordrängte und dem greisen Monarchen in stürmischen Hoch- und "jubdrufen huldigte. Dabei äußerte Der Kaiser: „Seht die Menae wie si-mrsr-und-ch zuruft, st- wist-n nicht, was st- mir Fs-undlich-s -rw-if-n fallen.-- ^U den Halloren gewandt, fuhr L>e. Majestät fort' °tn 1848 mar PÄ frptH* t®t£U£ftr w überall schmerzlich empfunden. In unser Kaiserhaus sind aber neue Hoffnungen ein Wogen. Nicht nur die Mitglieder der kaiserlichen Familie sprachen sich recht^günssta bohen Herrn aus, sondern auch der Kaiser selbst kam wieder^ Neuiahrstage während der Tafel befahl Se. Majestät den Sprecher und Führer der Halloren, Andreas Ebert, zu sich und drückte sein Bedauern darüber aus, daß in diesem Jahre in Folge des Verweilens des Kronprinz Remo von der frnnnrimrMiPn «nnc-r.. r V rV.Hn2 Nerlaa^s^^ue Jahr eröffnet »Hebet Land und Meer- (Stuttgart, Deutsche fr^pnh65 bcni ^uen Quartal auch durch neu beginnende Erzählungen Rechnung von'Änsa s en f^^^schichte: „Gräfin Ada KrMenS F?nster" Zu lassen und dieselben so unter einer altbewährten RIaaae rühm AfS qh T" mit^aleicü reaem^A^tb ^^"r9^ ®cKlt DOn den Anhängern jedes Glaubensbekenntnisses Mr dn ^L andpr.?/^^ »^ roeIbc" können. Dabet behält es immer noch Raum I r eine ^"ihe anderer Aufsatze aus den verschiedensten Gebieten des Wissens Bilderschmuck^ h't^eLnfo^piAC willkommener Anregungen übermittelnd.' Der ^uoerichmucr ist ebenso reich und mannigfaltig als künstlerisch vollendet „nh « I uu?r vud ui uicrem ^zayre in ^olge Des Verweilens des Kronprinzen in San I erneut bet diesem Anlaß unseren Lesern das prächtige Familten-Journal Wilhelm anwesend fein könne Di- I bäT 1XtflMfrofftogn*ur oierieljährig für 13 Nummern 3 M, I neuesten Depeschen aus San Remo brachten aber recht gute Nachrichten, die Heil der Befürchtungen sei vorüber. Freilich wäre viel, viel Ruhe und Schonung K?onvri^'?nm0Uk0 25r Hoffnung, daß Se. K. Hoheit de? fBnnpn gesund nach Deutschland und Berlin werde zurück- I u 3 folgende» Tage kam der Kaiser hierauf zurück und äußerte sich I nr üÄ q " 0/n F nnc\ Das Befinden und das Aussehen des Kaisers waren I £roar etwas von der Last der Jahre gebeugt, richtet sich der Körper beim I Fachen stolz und straft empor, die Stimme ist wunderbar frisch und kräftig. In I qF kluterredung, welche Seine Majestät während der etwa eine Stunde dauernden I U k.e^H?lloren pflog, zeigte der hohe Herr ein äußerst lebhaftes Interesse und ^L o b na n a e le En r f cb ö fj angehenden Angelegenheiten; nicht nurArbeits- I “HE Mrs,? 9 1 0 tenk ändern auch viele andere, theilweise sogar Familienoerhält- Ä ÄtCn ben @c6enJtanb von Fragen. Tief bewegt und erfüllt von Stolz Freude I Hoffnung waren dre Abgeordneten, als sie vom Kaiser unter Grüßen an die I Händedruck und den Worten: „So Gott will, auf Wiedersehen I an beSr3bo6en ^räu ^nh“2B£.ni9£r rüf,‘8 als her Kaiser erschien die Kaiserin; I an ücr poyen tyrau sind die Einwirkungen schwerer Leiden nicht svurlos Dnrüher- ?,n0h b9ipnf Dle Glückwünsche und Geschenke der Brüderschaft an de7Kronprinzen I übemlttel""Pr "8 41 ®amUi£ fmb durch das Hofmarschallamt den hohen Herrschatten iSUaeme7ne^urnn,^a0V?P^Cf,Ctf£i£f ?£9in«J^ £ini0e Mitglieder des Dresdener I ^ugememen Lurnoereins, die als enragirte Haide-Läufer bekannt sind Sie beschlossen steh " Nachdem ma^nlm^ LL ?°nne7baum an!u»°nd«,"'Ä TrinTÄ * c* -'su'^oem man tm Ftschhaus an der Radeberger Straße einiae frnh? Stnnßpn verbracht, zog man um 11 Uhr hinaus nach der Schneise 18, um von dort au einer rer anan bie Stabt übersehen kann, die ernste Feierstunde der Jahreswende I lm Geiste langst vergangener Zetten zu begehen. Es wurde ein alleinstehender mit Schnee bedeckter Baum mit zahlreichen Lichtern besteckt und bei dem Glocke^ Broolr bronnte man diese an. Das war ein wunderbarer Anblick in der bellen gPnnh- Ä ^dresem Augenblicke tiefften Waldesfriedens. Feierlich klang das Lied SUlle stacht, heilige Nacht durch die Ruhe. Wohl über eine Stunde erfreuten sick bie "Theil- I di?H"m7ehr'an.^^^^n Baume, dann wurden die Lichte? ^lösch? MaÄ , r. ,, „Bettelarmband", dieser bei der jungen Damenwelt fn Hnnpmpin m t bef?nber^ weibliche Jugend ausgeschüttet hat, legen ihn die Mädchen ovberer Vorliebe, wenn sie zur Schule gehen, an, da man den Mitschülerinnen bo.ch g^rn zeigen mochte, wie viel Münzen man schon geschenkt bekommen oder besser sich nun C^irfifßi?nanimenöebettelt" bat. Gegen diese unschuldige Prahlerei ließe Aufheben ^der Arm7beim nicht durch Die unglücklichen Armbänder beim m t „f«eUenbcbangenen Schlittenpferben" ober gar mit jngenblichen Verbrechern vei" in bir ea»e £"> bi^en flar? au§8ZbrMt aber Ä Ätä,ÄM,»‘ '"=•■"«SÄ ÄS XXÄt’Ä S’ SÄi.W?"” ■“ »>» •» «pifpfto« 03 ^"kuch eine Recension „Ach, lieber Doctor, ich wollte Ihnen noch ^bres Bei Allem aber, was ihr macht, t Bedenket 1: habt 888! (Lei Allem aber, was ihr macht, Bcbenket eins: habt breimal acht!) Uaiverfitäts - Chronik. „ , „ — In ber mebicinischen Facultät ber Unioersttüt Straßburg ist ein neuer Lehrstuhl unb zwar für Zahnhcilkunbe, errichtet worben. Der practische Zahnarzt «rtrr.r,,«. '>t.b^t am slltontag seine östentliche Antritts- & b°s Thema „Prothese bet Gaumendeftcten" mit Demonstrationen in dem Auditorrum der chirurgischen Klinik gehalten. — Professor vr Kundt von der Straßburger Universität ist, der „Str. Dost" Lehrstuhl von Helmholtz nach Berlin berufen worden, der künfltg in ira werden soll, daß Professor Kundt die Experimentalphysik, Professor Boltzmann aus Graz die mathematische Physik übernehmen wird. Professor Kundt hat dem ehrenvollen Rufe Folge geleistet. ~ ^Die Universität Bologna, welche am 12. Juli dss. Js. die Feier ihres achthunderftahrlgen Bestehens begehen wird, hat die Einladungen zur Thetlnahme an den beabsichtigten Festlichkelten soeben an die Universitäten Italiens und des Auslandes Btriflnji. Briefe aus San Memo. t r c, E. C. San Remo, 10. Januar. Ich hatte Sie gebeten, die Veröffentlichung meines letzten, in der zweiten Hälfte des December abgesandten Briefes zu sistiren. Ich that dies auf ausdrücklichen Wunsch meines zur nächsten Umgebung des Kronprinzen zählenden Gewährsmannes, welcher mir damals schon, also vor nahezu drei Wochen, die bündigste Versicherung gegeben, daß die Diagnose vom 10. November unhaltbar sei und daß keiner der den Kronprinzen behandelnden Aerzte an ein ausgesprochenes Krebsleiden glaube. Da jedoch die Gefahr einer plötzlichen Verschlimmerung des Leidens damals noch nicht ganz ausgeschlossen war, so bat mich mein Gewährsmann, mit der Veröffentlichung seiner Ansicht, die zugleich diejenige der ganzen Umgebung, einschließlich ber Aerzte, des Kronprinzen sei, noch zurückzuhalten. Heute ift diese Gefahr, wenn nicht völlig unberechenbare Zufälle emtreten, so gut wie ganz verschwunden und man richtet sich in der Villa Etrio bereits auf die Abreise ein — nicht nach Egypten oder Algier, sondern zur Rückkehr tn die deutsche Hetmath. Allerdings will ich damit nicht gesagt haben, als seien die Koffer bereits gepackt, aber man spricht in der Umgebung des Kronprinzen nur mehr non der baldigen Rückkehr nach Deutschland und, wie mir mein Gewährsmann ver- fichert, die Augen unseres Kronprinzen füllen sich mit Thrünen der Rührung, wenn zede Post aus allen Gauen des deutschen Varerlandes so zahlreiche Beweise der Liebe und Verehrung bringt. Besonders wohlthuend empfindet es des Kronprinzen Herz daß die auf Wiederherstellung seiner Gesundheit und Wiederkehr in's Vaterland lautenden Wunsche so unendlich zahlreich aus den Kreisen des deutschen Bürgerthums des Handwerker-, Arbeiter- und Bauernstandes kämen. Wie oft habe der Kronprinz meinem Gewährsmanne gegenüber geäußert, daß er jedem einzelnen dieser treuen Menschen die Hand drucken und ihm persönlich versichern möchte, wie ihn eine solche raum geahnte Theilnahme beglücke und wie sie ihm über manche traurige Stunde ylnweggeholsen. J??,n ^ht es dem Kronprinzen an, wenn man ihm jetzt, nachdem wieder warmes Fruhltngswetter eingetreten, auf der Promenade begegnet, wie mit der Hoff- nung auf völlige Wiedergenesung auch wieder froher Lebensmuth aus seinen Zügen L. v. 8. ÄrbeiiSMgebang. Das Aufsetzen von 65 cbm Basaltstemen, sowie die Herstellung des Unterbaus und das Ausbringen des Kleinschlags für eine auf dem Bauplatz der neuen Kliniken herzustellende Zufuhrstraße sollen auf dem Wege des öffentlichen Angebots vergeben werden. Voranschlag und Bedingungen liegen aus unserem Bureau offen, woselbst auch die Angebote verschlossen und mit der nöthigen Aufschrift versehen bis spätestens Dienstag, den 17. d. M, Vormittags 10 Uhr, einzureichen sind. Gießen, den 12. Januar 1888. Großh. Kreisbauamt Gießen. Walter. 416 430 Heinrich Wallach. König Wilhelm’s Felsen-Quellen, Ems. ''Spitze Bad-Nauheim. 6 mser Pastillen in plomblrten Schachteln. Emser Catarrh-Pasten in runden Blechdosen m. uns. 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Ztg." wird geschrieben: Die russischen lj V Blätter erörtern noch immer die deutsche Veröffentlichung der gefälschten Schriftstücke 1 v - U und vor Allem die einleitenden wichtigen Bemerkungen des „Reichs-Anzeigers" dazu. i Die Mehrzahl der Blätter kommt zu dem Schlüsse, daß jetzt aller Argwohn in Bezug > auf die Zweideutigkeit der Politik des Fürsten Bismarck von selbst hinfällig geworden t - sei. Es klingt dabei allerdings seltsam, wenn beispielsweise versichert wird, hinfort . habe weder der Prinz Ferdinand von Coburg noch seine Partei ein Recht auf die Unterstützung Deutschlands. Als wenn diese je von deutscher Seite zum Glauben an eine solche Unterstützung ermuthigt worden wären. Und ebenso seltsam ist es, wenn russischer Seils betont wird, in der Mtttheilung des „Reichsanzeigers" sei Deutschlands Verpflichtung enthalten, in der bulgarischen Frage mit Rußland Hand in Hand zu gehen. Vorläufig müßte doch zunächst Rußland sich überhaupt erst zum Gehen in einer Richtung entschließen, und davon scheint es noch vorläufig recht wett entfernt zu sein. Deutschland hat von jeher die Regierung des Prinzen Ferdinand als ungesetzlich anerkannt, aber bevor es der Aufforderung der russischen Blätter folgen kann, gemeinsame Schritte zur Wiederherstellung des Berliner Vertrags auf der Balkanhalbtnsel zu thun, muß es doch zunächst wissen, welche einzelne Schritte die russische Regierung, als die am meisten bei Regelung der bulgarischen Frage betheiligte, einzuschlagen willens ist, um jenes Ziel zu erreichen. Vorläufig ist darüber noch ein dichter Schleier gehüllt. Der „Swjet" allein ist mit den bisherigen Mittheilungen der gefälschten Schriftstücke noch nicht zufrieden; er verlangt noch immer von Deutschland die Wahrheit. Worte und Versicherungen hätten in der Politik nur eine geringe Bedeutung. Thatsachen seien nöthig, und es sei anzunehmen, daß Deutschland die russische öffentliche Meinung von seiner Friedensliebe wirklich überzeugen werde. Diese Wendung kennzeichnet das deutschfeindliche Blatt. Rußland ist es gewesen, das die Welt durch den Ton seiner Presse, durch die noch jetzt in voller Kraft erhaltenen Trupvenverschiebungen und Truppenverstärkungen in höchstem Grade beunruhigt hat^ Rußland ist es, das, wenn man den „Swjet" beim Worte nehmen wollte, die öffentliche Meinung fast der ganzen Welt durch wirkliche Thatsachen von feiner Friedensliebe überzeugen müßte. Durch die Enthüllungen ist allerdings ein Gefühl des Mißtrauens zwischen Rußland und Deutschland erfreulicherweise beseitigt worden, aber dieses Gefühl des Mißtrauens kann schnell wiederkehren. Was soll es beispielsweise bedeuten, wenn der „Swjet" als einen Beweis, daß die Beziehungen der Centralmächte zu Rußland aufrichtig sein sollen, die Auflösung der Friedensliga und die Aufgebung der deutschen VermittelungsroUe als nothwendig fordert. „Bis hierzu", sagt das Blatt, „hat die deutsche Diplomatie die Oberhand behalten, weil sie verstanden hat, ihre früheren Feinde um sich zu gruppiren. Darin schloß sich aber eine Gefahr, welche dem Frieden im Laufe der letzten Jahre gedroht hat. Der Friede wird auf lange Zeit gesichert sein, wenn alle bestehenden Eoalitionen und Liguen zerfallen und jede der Großmächte ihre eigenen Interessen oer- folgen und sich mit den anderen Mächten in directe Beziehungen setzen wird, wie es sich einer Großmacht auch geziemt. Ehre und Ruhm dem russischen Diplomaten, welchem es gelingen mtrb, Deutschland ebenso zu vereinzeln, wie es Deutschland seinerzeit gelang, Frankreich zu vereinzeln. Die Sprengung des Dreibundes durch eine directe Vereinbarung zwischen Oesterreich und Rußland, das sollte bas Programm der wahrhaft russischen Politik sein. Wenn Oesterreich mit uns aufrichtig in Frieden leben will, muß es seine Bedingungen stellen, die auch von Rußland angenommen werden würden. Ein Versuch in dieser Richtung wurde schon vor dem türkischen Kriege gemacht, es erwies sich aber in der Folge, daß Oesterreich Hintergedanken hatte und ein Doppelspiel trieb. Natürlich verstehen wir unter einer austro-russischen Vereinbarung eine völlig aufrichtige, feine solche, welche vorher nach Berlin, nicht aber auch an die übrigen Mächte mitaetheilt würde." Die Ausführungen dieses Blattes sind um so bemerkenswerther, als Der „Swjet", der eine Gründung aus der Zeit des Grafen Ignatiew und im russischen Volke nicht unbeträchtlich verbreitet ist, von jeher den Haß gegen Deutschland und Oesterreich in einer besonders kriegerischen Haltung mit recht ernsten Angriffen gepflegt hat. Sein Chefredacteur ist der ultrapanslaoiftifche Oberst a. D. Komarow, der seiner Zeit als . Generalstabschef von Tschernojew im serbisch-türkischen Kriege eine seltsame Rolle gespielt hat, und einer seiner Mitarbeiter ist der bekannte General Sobolew, der frühere bulgarische Kriegsmtnister. Es ist bezeichnend, daß selbst im jetzigen Zeitpunkte diese Männer es für zweckmäßig erachten, ihrem Deutschenhasse in solchen Worten bet ihren Lesern erneute Verbreitung zu schaffen. Lokal--. Gießen, 14. Januar.' sSttzung der Stadtverordneten vom 12. Januars Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten Gnauth und Keller, Seitens der Stadtverordneten die Herren Bai st, Georgi, Grüneberg, Dr. G utfleisch, Hanstein, Hoch, Hornberger, Jughardt, Kauf, Ad. Noll, Aug. Roll, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schopbach, Simon, Vogt und Wallenfels. Großb. Kreisgesundheitsamt hat an Großh. Kreisamt in Betreff der Trichinenschau ein Schreiben gerichtet, in welchem dasselbe es für angezeigt hält, für die Stadt Gießen eine geregeltere Trichinenschau einzuführen, da die gegenwärtige nicht genüge, um aus derselben mit absoluter Sicherheit auf die Ungefährlichkeit des Schweinefleischgenusses schließen zu können, und auch das hierzu erforderliche Personal nicht vorhanden sei, obgleich eine Vermehrung desselben geboten erscheine, wenn man berücksichtige, daß jährlich ca. 6000 Schweine geschlachtet würden, ein Aufbringen der Kosten also wohl möglich sei. Auf diesbezügliches von Großh. Kreisamt eingefordertes Gutachten hat Großh. Bürgermeisterei unterm 24. September v. I. um Erlaß eines die Einführung der obligatorischen Trichinenschau betreffenden Localreglements nachgesucht. Das von Großh. Ministerium nun erlassene Rescript spricht sich eingehend gegen die Einführung der obligatorischen Trichinenschau aus und hält die facultatioe für genügend. Die Gefahr, welcher das Publikum durch Genuß trichinösen Fleisches ausgesetzt werden könne, sei in hiesiger Gegend nicht so groß wie z. B. in Nordknutschland, allwo der Consum von ungekochtem Fleisch, Dörrfleisch und rohen Würsten ein größerer sei, während hier das Schweinefleisch zum größten Theile in durchkochtem Zustande genossen werde. Die von der Stadt Gießen beantragte Einführung der obligatorischen Trichinenschau erfordere einen sehr großen Apparat von Controlmaßregeln, die Trichinenschau müsse, wenn sie obligatorisch und wirksam sein solle, auch auf das von auswärts ein- geführte Fleisch ausgedehnt werden, dies gäbe aber wieder, wenn nicht eine Verschärfung der Aufsichtsmaßregeln einträte, Anlaß zum Einschmuggeln von Fleischwaaren. Die damit zusammenhängende Erschwerung der Einfuhr auswärtigen Fleisches liege aber nicht im Interesse des Publikums, welchem jedenfalls durch die auswärtige Concurrenz erträgliche Fletschpreise geschaffen würden. Auch die Kosten würden sehr bedeutend werden, wenn man in Berücksichtigung ziehe, daß in Gießen beispielsweise bei circa 6000 geschlachteten Schweinen jährlich ca. 80 000 Proben (von jedem Schwein 12) untersucht werden müßten. Auch das Großh. Polizetamt spricht sich aus den von dem Ministerium angeführten Gründen nur für die facultatioe Trichinenschau aus, bezeichnet aber das bisher vorhandene Personal nicht für ausreichend, um die Untersuchung des Fleisches gründlich vornehmen zu können, da nach der Zahl der geschlachteten Schweine anzunehmen sei, daß ca. 17 derselben pro Tag von einer Person zu untersuchen seien; da nun im Mindesten 12 Proben aus jedem Schwein entnommen werden müßten, so läge dem betr. Microskoperr ob, täglich 204 Proben zu untersuchen. Die Commission schlägt angesichts der stattgehabten Verhandlungen vor: 1) von Einführung obligatorischer Trichinenschau abzufehen, dagegen die facultatioe einzuführen, 2) Fräulein Stoß als stellvertretende Fleischbeschauerin zu bestellen, 3) dieselbe und einige wettere Aspiranten zu veranlassen, sich einer Prüfung auf Trichinenschau zu unterziehen, in welchem Falle die Betreffenden öffentlich empfohlen und zur Führung von Conti olstempeln legttimirt werden sollen, 4) die Namen derjenigen Metzger zu veröffentlichen, welche sich verpflichtet haben, das Fleisch der von ihnen geschlachteten Schweine mikroskopisch untersuchen zu lassen. In der nun folgenden, sehr eingehend geführten Debatte äußern sich sämmtliche Redner zu Gunsten der obligatorischen Trichinenschau. Herr Beigeordneter Gnauth bedauert den ablehnenden Bescheid Großh. Ministeriums und will den Standpunkt der Stadt in Bezug auf obligatorische Trichinenschau insofern gewahrt wissen, als man nicht ohne Weiteres davon absehe, ohne daß die Stadt alles Mögliche gethan, um die Untersuchung auf Trichinen obligatorisch einzuführen, um jede Verantwortung für die Zukunft ablehnen zu können; eine facultatioe Untersuchung sei auch so umständlich wie eine obligatorische, aber man könne sie auch als oberflächlich bezeichnen. Herr Haustein bemerkte unter Bezugnahme auf die Bedenken Großh. Polizeiamts, eine genaue Untersuchung des Schweinefleisches würde auch durch den Umstand erschwert, daß die hiesigen Metzger in der Regel nur an zwei Wochentagen schlachteten und es eben nicht möglich sei, eine so große Anzahl Schweine in der kurzen Zeit zu untersuchen, daß man die Metzger ersuchen solle, auch an anderen Tagen zu schlachten. Herr Dr. Gutfleisch ist ebenfalls für obligatorische Trichinenschau, empfiehlt aber vorerst weitere Schritte gegen den Ministerialbescheid nicht zu unternehmen; auch spricht er gegen das an die Metzger gerichtete Ansinnen, die Schlachtzeit zu ändern, indem die zu berücksichtigenden Interessen derselben stärker seien als die Wünsche des Stadtvorstandes; das Schlachthausreglement gestatte den Metzgern, täglich zu schlachten, also könne man ihnen keine Vorschriften über bestimmte Tage machen. Um die facultatioe Trichinenschau wirksamer zu machen, empfehle er, entgegen dem Commissionsantrage, Veröffentlichung der Namen derjenigen Metzger, welche sich nicht verpflichteten, das von ihnen feilgebotene Schweinefleisch auf Trichinen untersuchen zu lassen, die Stellung derselben würde dadurch eine exponirtere gegenüber denjenigen, welche das Fleisch mikroskopisch untersuchen lassen. Ferner empfiehlt Redner Festsetzung einer Conventional- strafe gegen diejenigen Metzger, welche sich zur Untersuchung des Fleisches verpflichtet hätten, dieselbe aber trotzdem unterließen. Herr Ad. Noll wünscht, daß man, um eine möglichst weitgehende Garantie für die Reinheit des Fleisches zu erreichen, den Mikroskopen aufgeben müsse, die zur Untersuchung nothwendigen Proben aus den Schweinen selbst auszuschneiden, daß man ferner entsprechende Belohnungen auf das Vorfinden von Trichinen aussetzen müsse, um gewissermaßen die mit der Untersuchung betrauten Personen zur gründlichsten Nachforschung anzuspornen. Herr Petri ist ebenfalls der Ansicht, daß die Metzger ganz gut auch an anderen Tagen schlachten könnten, den Grund, warum allenthalben nur an zwei Wochentagen geschlachtet würde, erblicke er mit in der Stallmiethe im Schlachthause; wenn man diese abschaffe, könnten die Metzger ihr Vieh länger liegen lassen als bisher. Herr Hornberger ist gleichfalls für Verlegung resp. Verkeilung der Schlachttage und spricht sich für obligatorische Trichinenschau aus, da ihm die facultatioe nicht genügende Sicherheit biete, er empfiehlt nochmals Schritte zu Gunsten der obligatorischen Untersuchung bei Großh. Ministerium zu thun. Herr Georgi wünscht die Frage, ob eine Vertheilung der Schlachttage auf den übrigen Theil der Woche angängig, in der Commission zu erörtern. Herr Vogt tritt für den Commissionsantrag ein und bemerkt ~auf die Frage, ob das Fleisch sämmtlicher an den zwei Schlachttagen geschlachteten Schweine auch in dieser Zeit untersucht werden könne, daß dies möglich fei, wenn ein Theil der Metzger Vormittags, der andere Theil Nachmittags schlachte. Stellten sich dennoch Schwierigkeiten ein dadurch, daß die Fleischbeschauer die Arbeit in der betr. Zeit nicht bewältigen könnten, so würden die Metzger schon selbst dafür sorgen, und sich so einrichten, daß ihnen aus der Trichinenschau eine Hemmung ihres Geschäftsbetriebes nicht erwachse. Herr Haustein spricht sich für möglichst geregelte Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen aus, da aus der Unterlassung durchgreifender Maßregeln dem Stadtvorstand und de» ihm unterstellten Organen schwere Vorwürfe von Seiten des Publikums erwachsen könnten, wie solches in der That auch bei einem neulich eingetretenen Falle des Vorkommens von Trichinen geschehen sei. Das Publikum sei allgemein der Meinung, die obligatorische Trichinenschau bestehe schon und habe in diesem Glauben seither auch Schweinefleisch confumirt. Kläre man das Publikum endlich einmal hierüber auf (was Herr Haustein namentlich den anwesenden Vertretern der Presse au's Herz legt), so würden die Metzger schon selbst gezwungen sein, das von ihnen znm Verkauf gestellte Fleisch gründlich untersuchen zu lassen. Herr Dr. Ploch gibt schließlich noch einige Andeutungen über die Einrichtung der Trichinenschau in der Berliner Schlachthalle. Danach bestätigt sich die Auffassung, daß die obligatorische Untersuchung auf Trichinen eine ziemlich kostspielige und umständliche, weil auch zeitraubende ist. Die Mikroscopen der Berliner Schlachthalle brauchten zur Untersuchung eines Schweines im Durchschnitt 18 Minuten und seien infolge der an das Sehvermögen gestellten Anforderungen auch nur im Stande, täglich 6 Stunden zu arbeiten, wobei dieselben die Fleischproben noch nicht einmal selbst ausschneiden. Herr Bürgermeister Bramm empsiehlt Annahme des Commissionsantrages und spricht sich ferner für Zulassung weiterer geprüfter Personen zur mikroscropischen Fleischuntersuchung aus, es den einzelnen Metzgern überlassend, unter diesen ihre Wahl zu treffen. Herr Beigeordneter Gnauth spricht sich gegen die Concessionirung von Fleischbeschauern über die erforderliche Anzahl hinaus aus, eine mit bestimmter Verantwortlichkeit verbundene Function müsse auch ein bestimmtes Einkommen gewähren, dies sei nicht möglich, wenn mehr Fleischbeschauer vorhanden seien, als nöthig. Er spreche sich auch mit aus dem Grunde gegen die freie Wahl der Mikroscopen durch die Metzger.aus, weil damit die Zahl der Personen, welchen die Befugniß zum Verweilen in den Räumen des Schlachthauses zustehe, über Gebühr vergrößert werde. Herr Hornberger äußert sich im Sinne des Herrn Bürgermeisters und meint, daß zwei Fleischbeschauer zu wenig seien. Herr Georgi vertritt die Ansicht, daß die Stadt das Zulassungsrecht zu den Functionen eines Fleischbeschauers sich ja in jedem Falle wahren könne, ebenso die Festsetzung der /Gebühren. Die Anträge der Commission werden angenommen, ferner der i Antrag des Herrn Ad. Noll, eine Geldprämie für das Auffinden von Trichinen zu bewilligen (es werden 10 JL vorgesehen), sowie ferner die Bestimmungen, daß diejenigen Metzger, welche das von ihnen zum Verkauf gebrachte Fleisch untersuchen zu lassen sich verpflichten, diese Verpflichtung mindestens 1 Jahr einzuhalten haben und ein weiteres Jahr daran gebunden sind, wenn sie nicht ein Vierteljahr vorher kündigen. Der Verkauf nicht untersuchten Schweinefleisches solle an diesen mit Strafe bis zu 100 JL geahndet werden. Die Gebühr für die Untersuchung eines Schweines wtrd auf 50 H festgesetzt und hierzu btftimmf, daß diese durch den Schlachthausverwalter zur Erhebung kommt. Der Vorschlag des Herrn Dr. Gutfleisch, die Namen derjenigen Metzger zu veröffentlichen, welche das Fleisch nicht untersuchen lassen, soll ebenfalls in die bezügl. Bestimmungen aufgenommen werden. — Die folgenden Gegenstände der Tagesordnung finden rasche Erledigung. So das Gesuch der Gr. akademischen Administrations-Commission um Ermäßigung des Preises für das im physikalischen Cabinet gebrauchte Gas; das Gesuch wird abgelehnt unter Hinweis auf die Bestimmung, daß eine Ermäßigung für Gas zu gewerblichen Zwecken gegenüber dem Leuchtgas nur dann eintritt, wenn hierfür besondere Gasmesser und Druckregulatoren vorhanden Men, zu deren Beschaffung die Gesuchstellerin sich indeß nicht bereit erklärt hat. — Das Gesuch des Herrn Gastwirths Arnold (Neuenweg) um Erlaubniß zur Anlage eines Treppentrittes vor seinem Hause wird in Rücksicht auf die geringe Trottoirbreite an fraglicher Stelle mit dem Anheimgeben abgelehnt, daß Gesuchsteller sich mit seinen Nachbarn zu einer gemeinschaftlichen Erhöhung des Trottoirs (vom Kreuzplatz her) einigen möge. — Zum Schluß werden die Voranschläge über Fertigstellung der Fahrbahn in der Ostanlage (5700 JC) und über die Reinigung des durch den Kupferschmied Zimmer'schen Garten ziehenden Fluthgrabens (100 JC) genehmigt. 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