Samstag den 14. Juli Nr. 162 1888. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. V Bureau r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf; Amtlicher Hßeik. Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur Kenntniß der Jntereffenten gebracht, daß der Vorstand der Steinbruchsberufsgenossenschaft, Section V, den Herrn Ingenieur Karl Drost zu Dortmund zum Beauftragten der Settion V im Sinne des § 82 des Unfallversicherungsgesetzes ernannt hat. Gießen, am 9. Juli 1888. Großherzogliches Krei-amt Gießen. Dr. Boekmann. Politische Rundschau Gießen, 13. Juli. An diesem Samstag wird Kaiser Wilhelm von Kiel aus, dem ersten Hafen des Reiches, seine Meerfahrt antreten, die ihn nach den russischen Gestaden zu der bedeutungsvollen Begegnung mit dem Czaren führen soll. Kaiser Wilhelm wird wahrscheinlich drei Tage lang der Gast der Czarenfamtlie sein und gedenkt er auf der Rückreise nach Deutschland auch den Höfen von Stockholm und Kopenhagen einen Besuch abzustatten. — Selbstverständlich war, daß ein so wichtiges Ereigniß, wie die Zusammenkunft der Herrscher von Deutschland und Rußland, noch vor seinem Eintritte bereits den Mittelpunkt der europäischen Tagesdiscussion bildete und dies wird natürlich in kommender Woche erst recht der Fall sein. Rur gehen bislang die Preß- äußerungen über die politische Bedeutung des Ereignisses noch ziemlich weit auseinander, allerdings wird auf keiner Seite der friedekündende Eharacter der bevorstehenden Kaiser-Begegnung geläugnet, aber während die Einen meinen, daß sie tiefgehende Wandlungen in der bisherigen europäischen Eonstellation zur Folge haben werde, sind die Andern der Ansicht, daß die internationalen Beziehungen auch nach der Entrevue im Großen und Ganzen unverändert bleiben werden. Vielleicht liegt die Wahrheit, wie in so vielen Dingen, auch hier in der Mitte, jedenfalls wird aber die persönliche Aussprache zwischen Kaiser Wilhelm II. und dem Kaiser Alexander von beruhigender und klärender Rückwirkung auf die gesammte Lage sein und deshalb' können alle europäischen Friedensfreunde mit Zuversicht der neuesten Monarchenbegegnung entgegensehen. Kaiser Wilhelm II. hat soeben einen erhebenden Beweis kindlicher Pietät gegenüber den Manen des hochseligen Kaisers Friedrich gegeben. Ein vom 9. d. M. datirter kaiserlicher Erlaß ordnet an, daß das von Kaiser Friedrich angeregte Project der Erbauung eines Domes in Berlin mit allem Nachdruck gefördert werde. Die Aus- und Fortführung des Planes, im Sinne seines verstorbenen Vaters, sei ihm, dem Kaiser, ein heiliges Vermächtniß. Er wünsche, daß das Werk die Arbeit kröne, welche sein verstorbener Vater jahrelang auf dasselbe verwandt habe. Die bereits auf Befehl Kaiser Friedrichs eingesetzte Jmmediat-Commission soll unverzüglich mit ihren Arbeiten beginnen. Erst am letzten Donnerstag hat der Bundesrath in einer Plenarsitzung seine Arbeiten für das Sommerhalbjahr definitiv beendigt. Die in der erwähnten Sitzung zur Erledigung gelangten Gegenstände beanspruchter kein sonderliches Interesse. Aus den Wochenereigniffen auf dem Gebiete der inneren Angelegenheiten sind ferner heroorzuheben die Veröffentlichung des umgeanderten Entwurfes der Altersund Invalidenversicherung der Arbeiter, das Urtheil des Reichsgerichtes im Landes- verrathsprocesse Dietz und der definitive Rücktritt des bisherigen Chefs der Admiralität v. Caprivi. Was letzteren Vorgang anbelangt, so erblickt man in ihm allseitig nur den Anfang zu ferneren wichtigen Veränderungen, über deren Umfang jedoch noch nichts Genaues feststeht. Herr v. Caprivi selbst wird voraussichtlich das Commando eines Armeecorps übernehmen, während zu seinem Nachfolger in seinem bisherigen Posten bekanntlich der gleichzeitig zum commandirenden Admiral beförderte seitherige Vice- Admiral Graf Monts provisorisch ernannt worden ist, welche Ernennung aber bald in ein Definitum umgewandelt werden dürfte. In Oesterreich-Ungarn wird die Thätigkeit der beiderseitigen Ministerien augenblicklich durch das neue Wehrgesetz in Anspruch genommen, welches dem österreichischen Reichsrathe albald nach seinem Wiederzusammentritte vorgelegt werden soll. Nach den bisherigen Mittheilungen über das neue Gesetz wird dasselbe von ziemlich einschneidender Wirkung auf die künftige Gestaltung der Wehrverhältnisse des Donaureiches sein. So soll die Bestimmung, wonach die Kriegsstärke der österreichisch-ungarischen Armee 800,000 Mann beträgt, wegfallen und an ihre Stelle der Grundsatz treten, daß sich die Kriegsstärke nach der Beoölkerungszahl Oesterreich-Ungarns richtet. Wird dieser Grundsatz practisch durchgeführt, so wird das österreichisch-ungarische Heer im Kriegsfälle künftig weit über eine Million Streiter zählen. Die Recrutirung soll ferner sowohl für das stehende Heer, als auch für die Ersatz - Reserve und die Landwehr erfolgen, auch sollen die Ersatzreservisten in Zukunft jährlich zu einer dreiwöchentlichen Waffenübung einberufen werden. Das neue Wehrgesetz stellt sich somit als eine abermalige bedeutende Erhöhung der militärischen Kraft und Schlagfertigkeit Oesterreich- Ungarns dar. Das meerbeherrschende Albion giebt in diesen Tagen der Welt das interessante Schauspiel einer Flottenmobilisirung zum Besten. Zwei große Geschwader, unter ihnen die stärksten Schlachtschiffe Englands, sollen an bestimmten Punkten und innerhalb einer gewissen Zeit vollständig kriegsbereit zusammengezogen werden, um bann gegeneinander zu manövriren. Die englische Regierung will hierdurch Europa ad oculos demonstriren, daß die schweren Angriffe, welche im In- wie Auslande gegen die Schlagfertigkeit der englischen Flotte gerichtet worden sind, unbegründet erscheinen und daß England sehr wohl im Stande ist, erforderlichen Falls mit feiner Flotte schnell und nachdrücklich in eine europäische Action einzugreifen. Inwieweit dieser Beweis durch die Flottenmobilisirung erbracht werden wird, dies wird deren Verlauf ja zeigen. Die Franzosen feiern an diesem Samstag ihr Nationalfest, den Jahrestag des Bastillensturmes. Das Fest soll diesmal innerhalb eines besonders glänzenden Rahmens begangen werden, sieht man aber näher zu, so läuft schließlich Alles darauf hinaus, Reclame für die Republik zu machen, was z. B. auch von dem famosen Festbankette der 30,000 Bürgermeister auf dem Pariser Marsfelde gilt. Die gichtbrüchige dritte Republik hat bei ihren faulen inneren Zuständen, und ihrem tief gesunkenen Ansehen nach Außen eine solche Reclame auch stark nöthig — schade nur, daß sie nicht viel helfen wird! Deutschland. Darmstadt, 12. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädtgst geruht: Am 10. Juli dem Senatspräsidenten bei dem Oberlandesgericht Carl Eckstein das Comthmkreuz zweiter Clafse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen. Darmstadt, 12. Juli. sOrdensauszeichnung.j Nach dem „Reichsanzeiger" hat der Kaiser den nachbenannten Großherzoglichen Beamten folgende Auszeichnungen verliehen, und zwar: dem Oberst-Kammerherrn v. Grolman den Rothen Adlerorden erster Klasse; dem Geh. Rath v. Werner im Staatsministerium den Stern zum Rothen Adlerorden zweiter Klasse; dem außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministerin Berlin, Wirklichen Geheimen Rath Dr. Neidhardt, den königlichen Kronenorden erster Klasse mit Brillanten; dem Staatsminister, Minister des Großh. Hauses und des Aeußeren, Minister des Innern und der Justiz, Finger, den königlichen Kronenorden erster Klasse; dem Ober - Stallmeister , Kammerherrn Freiherrn von Nordeck zur Rabenau, den Stern zum königlichen Kronenorden zweiter Klasse;, dem Hof-Jägermeister, Kammerherrn v. Werner, und dem Geheimen Rath und Vorstand der Großh. Cabinetsdirection, Dr. B ecker, den königlichen Kronenorden zweiter Klasse, sowie dem Legationsrath Dr. jur. Breidert im Staatsministerium den königl. Kronenorden dritter Klasse. Ferner hat der Kaiser dem bisherigen Regierungsbaumeister in Berlin, jetzigen Großh. hessischen Oberbaurath und Vortragenden Rath im Ministerium der Finanzen, Victor von Weltzien, den königlichen Kronenorden vierter Klasse verliehen. Telegraphische Depeschen. Wolffs telegr. Korrespondenz. Bureau. Berlin, 12. Juli. Der Kaiser hörte gestern einen Vortrag des türkischen Staatssecretärs Horn. Das Kaiserpaar machte Abends eine Wasserfahrt auf der Dampfyacht „Alexandria". Dem heute Abend um 7 Uhr im Stadtschloß in Potsdam stattfindenden Botschafter- und Gesandten - Diner wohnen ferner der Staatsminister Graf Bismarck, Wedell, Lucanus, Albedyll, Graf Eulenburg und der Ober-Stallmeister Rauch bei. — Reichskanzler Fürst Bismarck ist mit dem Grafen Rantzau heute um 5*/r Uhr Nachmittags nach Friedrichsrub abgereist. Berlin, 12. Juli. Heute Abend 7 Uhr fand im Marmorsaale des Stadtschlosses zu Potsdam das große Galadiner statt, zu dem alle Botschafter, Gesandten mit ihren Attaches und zahlreiche andere distinguirte Personen geladen waren. Der Kaiser trug die Gardehusaren-Uniform mit dem großen Bande des schwarzen Adlerordens. Rechts und links neben dem Kaiser saßen die Botschafter nach der Anciennität. Dem Kaiser gegenüber saß Staatssecretär Fürst Bismarck. Vor dem Beginn des Diners nahm der Kaiser im Broncesaale die Vorstellung der Geladenen entgegen. Gegen 9 Uhr kehrten dieselben mit Extrazug nach Berlin zurück. — Den „Berl. Polit. Nachr." zufolge ist Regierungsrath Brandenstein zum Präsidialrath der königlichen Regierung zu Potsdam ernannt. — Beim gestrigen Empfange der Deputation der Akademie der Künste betonte der Kaiser, den Traditionen seines Hauses gemäß, im Derhältniß zur Kunst sein besonderes Interesse und versprach, derselben ein Schutzherr zu sein. Er sprach schließlich seine Freude aus über die großen Aufgaben, welche den Künstlern durch die Denkmäler für die Kaiser Wilhelm und Friedrich, durch den Berliner Dombau und andere beabsichtigte Kunstschöpfungen erwüchsen. London, 12. Juli. Einer Meldung des „Bureau Reuter" aus Capstadt zufolge stand gestern Abend der Eingang des Schachtes im Bergwerk Debeers bei Kimberley in vollem Brand. Bei Ausbruch des Feuers sollen sich in demselben 800 Leute, darunter der Betriebsleiter Lindsay und zahlreiche Europäer, befunden haben. Man befürchtet zahlreiche Menschenverluste. Rom, 12. Juli. Einer Meldung aus Massauah zufolge hat gestern eine Explosion einer kleinen Quantität explosiver Gelatine im Pulverthurm des Forts Arckiko stattgefunden, durch die sieben Soldaten leicht verwundet worden sind. Die Untersuchung ist eingeleitet; verbrecherische Absichten scheinen jedoch ausgeschlossen zu sein. Wiesbaden, 13. Juli. Der Kronprinz von Serbien wurde heute Vormittag kurz nach 10 Uhr dem Polizeipräsidenten übergeben. Die Krankheit Kaiser Friedrichs. (Fortsetzung.) Das folgende Kapitel der Broschüre behandelt den von Dr. Mackenzie gegenüber der von den übrigen Aerzten auf Krebs lautenden Diagnose entgegengesetzten Widersprach. Mackenzie erklärte nach der am Abend des 21. Mai 1887 von ihm vorgenommenen Untersuchung des Kronprinzen, daß er die Krankheit nicht für Krebs halte. Das ganze Aussehen der Anschwellung sei nicht krebsartig; deshalb sei er gegen die Operation von außen, so lange nicht durch mikroskopische Untersuchung eines herausgenommenen Stückes der Wucherung deren krebsartige Natur erwiesen sei. Dem Aufschub der Operation wurde nun zugestimmt und Mackenzie mit der Herausnahme eines Stückchens der Geschwulst betraut. Die Untersuchung des am 21. Mai entfernten Gewebestückchens durch Virchow ergab nur irrttative Vorgänge, allein es bestand auch noch der Einwand, daß das exstirpirte Stück nicht aus der Geschwulst selbst herrühre. Mackenzie suchte deshalb ein weiteres Stück zu erhalten und ging am 23. Mai Abends daran, dasselbe zu entnehmen, es gelang ihm dies tndeß nicht; wohl aber fand Prof. Gerhardt beide Stimmbänder stark geröthet. Er ging deshalb zu Mackenzie und theilte ihm mit, er (Mackenzie) habe statt des linken (kranken) das rechte (gesunde) Sttmm- band mit seiner Zange gefaßt, gequetscht und gerissen. Mackenzie sagte: „It can be“ und sprach dann von alsbaldiger Abreise. Der Kronprinz war von da an bis lange in England stimmlos und hatte beiderseits Schmerzen im Halse. Der hohe Kranke, der früher heiser, aber nie länger als 3 Stunden stimmlos gewesen, blieb nun viele Wochen, bis zum 8. Juli, stimmlos. Wenn man in gewissen Kreisen wußte, daß Mackenzie den Angehörigen des Kronprinzen versprochen hatte, die Krankheit ohne Operation in einigen Wochen zu heilen, so mußte es auffallen, daß er hiervon den mitbehandelnden Aerzten kein Wort gesagt hatte. Auf Befragen Gerhardt's erklärte Mackenzie, man müsse die Geschwulst mit der scharfen Zange entfernen oder man könne dasselbe durch fortgesetzte galoanokaustische Behandlung erreichen. Auf die Frage, ob er dies bestimmt versichern könne, erwiderte er: „Ja bestimmt" und fügte nach einer Pause hinzu „humanly speaking*. Die am 25. Mai abgegebene Zusicherung, dem Kronprinzen die Stimme wieder „laut" herzustellen, klang etwas weniger bestimmt als vorher. Bergmann erklärte ausdrücklich, daß er die Geschwulst für eine bösartige Neubildung halte, worauf auch Tobold die Befürchtung äußerte, daß man die ganze Geschwulst nicht mit der Zange entfernen könne und später doch operiren müsse, er warnte vor wiederholten Eingriffen, durch die das Wachsthum der Geschwulst nur beschleunigt würde. „Vom 23. an wurde auf Mackenzie's Wunsch nur durch Generalarzt Dr. Wegner täglich ein Pulver aus Morphium, Wismuth, Catechu und Zucker eingedlasen. Wir sahen den Krebs wachsen und man streute ein unschuldiges Pulver darauf. Mackenzie's Versprechungen wurden allenthalben felsenfest geglaubt. Dies ist gerade eine Besonderheit des Kehlkopfkrebses, daß er lange Zeit rein örtliches Hebel bleibt und die Frische und Gesundheit nicht beeinträchtigt. Alle Welt freute sich des trefflichen Auslehens, der Kraft und Frische des Hohen Kranken und wer da sagte, daß das Hebel ein leichtes, ungefährliches sei, hatte den Beifall aller derer, die um den wahren Stand der Sache nichts wußten." Am 1. Juni 1887 hat Prof. Gerhardt zum letzten Male genau untersucht; die Geschwulst war größer, die Unebenbeit und Zerstörung ging bereits auf die hintere Wand über. Mackenzie exstirpirte am 8. Juni wieder zwei Stückchen, wußte aber bei dieser Operation einen so unbequemen Zuschauer wie Gerhardt fernzuhalten. Die Untersuchung der exstirpirten Stücke durch Virchow ergab eine mit papillären Auswüchsen verbundene Epithelwucherung; ob ein solches Hrtheil indetz in Bezug auf die | gesammte Erkrankung berechtigt sei, ließ sich aus dem entnommenen Stückchen nicht ersehen. In der Eonsultation am 10. Juni versicherte Mackenzie, das Klima der Insel Wight werde die Heilung sehr fördern, wogegen v. Bergmann erklärte, das Klima habe auf solche Krankheiten gar feinen Einfluß. Alle Adralhungen der. deutschen Aerzte waren vergeblich, die Abreise nach England war beschlossene Sache, wie der Beschluß zu Stande gekommen, wußte nur Mackenzie, sonst Niemand von den Aerzten. Da die Reise nicht mehr verhindert werden konnte, drangen die Aerzte darauf, daß alle noch zu entfernenden Stücke der Neubildung an Virchow zur Hntelsuchung gesandt werden sollen und die Behandlung in England unter Eontrole eines deutschen Arztes stattfinde. Zu dieser Zeit verbreitete sich unter Aerzten und Laien die Auffassung, daß die deutschen Aerzte „irrthümlich" Krebs angenommen hätten. Was sollte nun aber die Geschwulst lein? Nach Mackenzie sollte sie niemals Krebs sein. Irgend eine klare haltbare Diagnose hat derselbe nie gegeben, nur in der Verneinung des Krebses sei Mackenzie nicht schwankend gewesen. t Die Gründe, die Mackenzie gegen die Krebsdiagnose vorbrachte, waren folgende: I Erstens, die Geschwulst sehe nicht aus wie Krebs. Zweitens, ein Stück müsse mikroskopisch I als Krebs erwiesen werden. Als die Aerzte bei der letzten Eonsultation Mackenzie sagten, die Geschwulst habe I sich vergrößert, war seine Antwort: „Ich sehe das nicht!" Trotzdem schrieb er später I selbst aus einem in San Remo veröffentlichten Berichte, daß die geringere Beweglich- I feit des Stimmbandes bereits in Berlin festgestellt war. Sollte er sie doch schon in I Berlin gesehen haben? Die eine Zeit lang verbreitete Annahme, daß die Krankheit I nicht Krebs, sondern pachydermia verrucosa laryngis fei, konnte nicht erhalten werden, I denn es sprechen drei Gründe dagegen: 1. Pachydermia ist ganz vorzugsweise Trinker-Krankheit. Davon konnte hier I nicht entfernt die Rede sein. 2. Pachydermia kommt fast nur doppelseitig vor, wie I Jürgens, der die erste Beschreibung dieser Krankheit veranlaßt hat, in der Sitzung I der Gesellschaft der Charito-Aerzte vom 29. März d. I. selbst zugab. Hier war die I Erkrankung monatelang einseitig. 3. Pachydermia ist eine langsam verlaufende Krank- I heit, während hier das rasche Wachsthum von Anfang an aufffel. ; In jedem Falle einer kleinen, dem Stimmbandrande ansitzenden Neubildung noch I unbestimmten Charakters wird es Pflicht sein, sie zu entfernen. Wird die Neubildung I zerstört und wächst mit einer bedrohlichen Schnelligkeit wieder, so wird man allerdings I nicht säumen dürfen, sie durch die Spaltung des Kehlkopfes frei zugänglich zu machen I und mit Stumpf und Stiel auszurotten. Oder sollte Lennox Brown, der den Ein- I wand gemacht, die Krankheit sei ursprünglich gutartig gewesen unb sei durch irritirende I Einwirkungen verschlimmert worden, etwa ganz besonders der galoanokaustischen Be- I Handlung die Fähigkeit zutrauen, aus Polypen Krebse zu machen ? mehr noch als Herrn I Mackenzie's Zange, die später diesem Kehlkopf grobe Verletzungen zufügte? — Gesetzt I es wäre bewiesen, daß mit irgend erheblicher Häufigkeit, sogar selbst in >/- Procent I der Fälle, wie es nach Semons Statistik scheinen könnte, gutartige Geschwulst in Krebs I des Kehlkopfes sich umwandle, dann wäre Immer noch nicht bewiesen, daß irgend eine I Behandlungsweise auf diesen Prozeß Einfluß übe, begünstigenden oder verhütenden I Einfluß, noch weniger, daß dies in diesem Falle ftattgehabt habe. Es ist eine dreifach I unbegrünbite Behauptung, die da in die Oeffentlichkeit gebracht wurde. ’ Heber die Reife des Kronprinzen nach England berichtet Professor I Dr. Gerhardt, daß dieselbe ohne Wissen der Aerzte geplant und beschlossen worden Die I Erklärung v. Bergmanns, daß die Luft auf den Verlauf solcher Prozesse keinen erheb- I lichen Einfluß habe, wurde von Mackenzie einfach verneint. Die Folge habe aber be- I wiesen, daß Mackenzie den hohen Kranken zu einer Reise nach Schottland bewegte daß I also weder die Luft der Insel Wight, noch die von Toblach, Baveno und San Remo I die Krankheit zu hemmen, viel weniger zu heilen vermochte. Die so dringend gewünschte I Eontrole durch einen der Laryngoskopie kundigen deutschen Arzt wurde erst nach vielen I umstanden erreicht; Dr. Landgraf, der Assistent Gerhardl's, war dazu ausersehen worden I i)em aber jede Unterredung mit ihm untersagt worden. Dr. Landgraf wurde von I Wegner mit dem früheren Verlauf der Krankheit bekannt gemacht. Der erste amtliche I Bericht Landgrafs bestätigte mit einer kleinen Ausnahme den Befund Gerhardt's vorn 1. Juni, ebenso stimmten dessen spätere Mittheilungen damit überein. , .. 17;,äunLi batte Herr Mackenzie Herrn Wegner folgenden Befund mitgetheilt, den dieser amtlich berichtete.Keine Congestion, Zustand günstig, er bemerke keinen De ekt am rechten Strmrnbande und erkläre die Aphonie aus dem Hervorragen der Anschwellung am linken Stimmbande, welche das Zusammentreffen beider Stimmbänder Verhindere. Landgraf hatte mit der einen erwähnten Ausnahme all das gesehen was ich am 1. Juni aufzeichnete, was Mackenzie hier nicht sah und auch in England zu iefcen ausdrücklich in Abred- stellt-, nämlich di- Risth- des rechten Stimmbandes di- unregelmäßige Form des rechten Stimmbandrandcs, das Uebergreisen des Erkrankunas- wrocesses aus die Hintere Wand des Kehlkopfes und die Schwerbeweglichkeit des linken stimmbandes. Am Juli findet Landgras das Kchlkopfsinnere geröthet, di- Ausbuchtung am r-cht-n Stimmbande und die G-schwul,t am linken Sttmmbande nicht mehr sichtbar -b-r„°n der h'ntcrn Wand deutlichere Schwellung von graugelbem Aussehen, Das Landgraf am 1. Juli Mackenzie wurde erst viel später aus der Insel Wight auf eine Verdickung der Schleimhaut an der Hinteren Fläche der Cartilago arytaenoidea von seinem Assistenten aufmerksam gemacht und sah sie dann auch Von hier an erhielt Gerhardt keine Mittheilung mehr über den Verlaus der Krankheit. 1 Lokales. „ .1?' Juli, Die Adresse, welche Rector und Senat unserer Universität aus Anla« des Hmscheidens Sr, Mas. des Kaisers Friedrich an S- Kgl Hobei den Großhcrzog gerichtet, hat folgenden Wortlaut: K0U 9°9cU 6en Allerdurchlauchtigster Großhcrzog! Allergnädigster Fürst und Herr! Königliche Hoheit haben.geruht, den unterthänigsten Ausdruck der Gefühle welchen die Landcs-Unlvcrsitat nach dem Abscheiden Kaiser Wilhelms I. Höchstdenselbcn und d-m kai erlichen Nachsolger des Verschiedencn darzubringen sich gedrungen fühlte ÄaaIV?t6C0^net6men- Inmitten der erneuten Trauer des gesammten deutsch n B°»-s bei dem Tod- eines zweiten Kaisers Friedrich HL, der seinem erhabenen Vat-r nach ,° kurzer Frist emer Regentenzeit voll heldenmüthiger Ergebung und Pflichttreuen die stwigk-it gefolgt ist, sind die Blick- des hessischen Stammes mit erneuter nnh oerftarfter Antheilnahme der Person und dem Hause Ew, Königlichen Höhest zugew-ndtt Die Stimmung der Trauer, welche die gegenwäitigcu Tage über ganz Deustch- land verbreiten, ist in den Herzen Hochst-Jhrer Untertanen um so fühlbarer als in biefen nod) die freudige Erregung aus Anlaß eines beglückenden Ereignisses her iLn " n. Vergangenheit nachklingen durste. Die Klage um len tobten Kaistr önt n ch fast mitten hinein m di- laute und herzlich- Freude, die sich hier aller nrten fnnh™h LJ* gesicksts destzerzensbundes, durch welchen die zwischen Ew Königlichen nobeti"’i ?"' kaiserlichen Hause schon bestehenden persönlichen Beziehungen zu noch enaererVnmttf, 8.Cmeinhf4af‘-^ flCftal,e,c"i E?- Königliche H°he?t haben mitbemK'fsirHtibrich einen der nächsten und geliebtesten Verwandten verloren >;rleortch Die Landes-Universität, welcher es noch vor wenigen Wochen neroRnnt i&rem Landesherrn in persönlicher Vertretung ihre innigsten Glückwünsche zu d r $er- w-hlung sem-r erlauchten Tochter darzubringen, nimmt nunmehr Veranlassung Kunde zu geben von ihrer Trauer über die schwere Trübung, welche durch hns 9tÄ,k. » döchstseligen Kaisers d-m Glücke Ew. Königlichen Hohlunbbeäneu ™ Paar-s b-reitet wurde. Sie genügt ba.nit etiiem inbenGemüthernaller brer^Mi? glieder lebenden ausrichtigen Bedllrsnisse des H-rz-ns 0 " aUer *’rer Mit- Möchten nach diesen Tagen des Leides Ew. Königlichen finbeH nnh gelammtem Hause um so reichere Jahre der Freude und des ^i^-s"ü-s?^^eren "»-»-» Konigitch, 506dl 8näbf,fi Sich inSbdcukod DU. oon Sddn bn In tiefster Ehrfurcht verharren Ew. Königlichen Hoheit allerunterthänigste, treugehorsamste Rector und Senat der Ludewigs-Hnioersität. Gießen, am 20. Juni 1888. Dr‘ Wortla?st Unttrm 28' 3Un* l,krauf erfol0te A°-rhöchst- Kundgebung ha, folgenden An den Rector und Senat der Ludwigs-Universität. Gesinnung,^"we?chc"aus^A^nlaß'd-s^schmerzIichkn, ^Mich^^tz^^^rn theiliiahmsvoller rührenden Ablebens weiland Seiner Majestät des Kaisers Friebri^MH bc= sind, auch Meiner Landes-Universität wohlg-meinleM?1" lUgegangen M° Treue und Anhänglichkeit an M-./L"welche^^ Zierde gereichten, ist auch in Ihrer Adresse vom 20. dieses Monats non ,J™ sonsten Ausdruck gelangt und ergreif- Ich gerne die Gelegenheit, Ihre Wünsche wi! I __ . Nach den Confultationen vorn 9. und 10. November 1887 erklärte Sir Morell Mackenzie ostentltch: Obgleich die Natur der letzt aufgetretenen Neubildung nicht sicher I festgestellt Ist, bietet sie durchaus das Aussehen einer carcinomatöfen Neubildung dar. I — (Forts, folgt.) Die französische Ualionalfeier. an diesem Samstag ihr Nationalfeft, zu welchem der bl$ ^^ffurmes, der 14. Juli, unter der dritten französischen Republik erhoben worden rst und felbstoerständlich bildet die Hauptstadt Paris den Mittelpunkt der ganzen Festlichkeiten. r besondere Anstrengungen gemacht worden, um der f?rh»0^n möglichsten Glanz zu verleihen und wird u. A. auf dem Mars- pe*n Festessen unter dem Vorsitze des Präsidenten Carnot stattfinden, zu hPrfSti^nTr ter Cantonshauptorte Frankreichs eingeladen sind. Die herkömmliche protze Truppenrevue zum Nationalfeste soll sich zu einem außerordentlich gestalten und daneben laufen noch eine Menge U< L* blnher, während die in Vorbereitung begriffene Weltausstellllng den Hintergrund des Ganzen abglebt. n <^Wenn inbeffen bte leitenben Männer Frankreichs vermeinen, burch bie prunkvolle Begehung bes französischen Nationalfestes bem verblassenben Stern ber brüten Republik zu neuem Schimmer zu verhelfen und bas Ausland hierdurch zu blenden, so durften sie sich verrechnen. Denn alle Welt weiß ja, daß es feit dem ffaunl /raurtger um Frankreich bestellt gewesen ist, als heute und daß fern erst so.vielgepriesenes echt" republikanisches Regime eigentlich nur noch eine vegetirende Existenz fuhrt. Kecker als je erheben die verschiedenen Prätendenten auf den Thron Frankreichs ihr Haupt und erst die jüngsten Wocken haben in mH hem briefWn Mani,este bes Grasen von Paris an bie 20 000 antirepublikanischen Bürger - m-ist-r Frankreichs eine neue nid)t zu unter,chätzenbe Kunbgebung aus bem Kreise d r Thronb-werber gebrach, Die Republikaner aber finb mehr als je gespalten, Opportunisten, Radikale unb Ultraradikale bekämpfen unb besehben sich, unb-kümmert um die ihnen gemeinfarn von monarchischer Seite drohende Gefahr, während daneben die pseudorepubltkanrsche Bewegung des Boulangismus noch immer ihre Kreise zieht. Zwar hat der Boulangismus in letzter Zeit mehrfach Fiasco gemacht und auch die Erfolge Boulangers felber auf ferner soeben beendigten Rede-Tourn4e durch die Bretagne nehmen sich recht zweifelhaft aus, aber er zählt noch immer zahlreiche Anhänger und ber der Hnberechenbarkert aller Dinge in Frankreich ist es nicht ausgeschlossen, daß die boulangistrsche Bewegung von Neuem zu gefährlicher Höhe emporflammt. B das Ansehen ber Republik untergrabenen zerrissenen Parteiverhältnissen gesellen sich auch noch dre sich ftergernben finanziellen Schwierigkeiten, bie wachsenbe Beamtenftanbe, wie die Affarre bes Maire von Carcaffone beweist bie ^Ende oNzufriebenheit weiterer Bevölkerungsklassen mit ben gelammten Verhält- Pinl fiRAf? hh,bm*Unb Qü oba§ rusammen ergibt für bas republikanische Frankreich eine höchst bebenklichernnere Lage. Kaum minber unerfreulich für die heutigen Macht- ln lebocb auch der Blick auf die auswärtige Situation ihres Landes verkehrte unb oerblenbete Politik sozusagen auf den europäischen Jsolirschemel gesetzt worben ist, bte bankerotte Diplomatie ber französischen Staatsmänner hat für Frank, eich eben Mrßersolge auf Mißerfolge gehäuft, selbst ber Traum ^ner russisch-französischen Allianz wirb durch die beoorstehenbe rrusammenkunst der Kaij-r WUH-lm und Al-xand-r rauh zerstör, und somit stell, sich sür Frankr-ich auch völle^dar"^ a Eine nichts weniger als befriedigende und hoffnungs- Ohne Zweifel wissen die Herren Carnot, Floguet, Goblet u. s. w. selbst sehr ,aV,e ,m Innern „aus einem Vulkan tanzen" und daß die Stellung Frankreichs in Europa -,n- völlig isolirte geworden ist. Aber eben deshalb soll der vermehrte außer- Glanz des Rationalf-stes nur dazu bienen, di-Gebrechen und Gebresten der g-g-nwart gen sranzo,rschen R-pudlik möglichst zurücktreten zu lassen und sie als ein kräftiges, lebensfähiges Gebilde erscheinen zu lassen, während sie in Wahrhe t doch kaum mehr als eine Ruine darstellt. Mag darum die Feier des 14. Juli jenseits der V°g-ien in den repubtikanischcn Kreisen noch so sehr geräuschvoll und demonstratio begangen werden, mag sie auch als -in- sichtliche Vereinigung aller antimonarchistischen Elemente Frankreichs auspo,arm, werden - di- republikanisch- Herrlichkeit wird eines Tages zu Ende und an ihre Stelle die Monarchie oder die Dictatur aetreten Idin mögen bie5 6,6 ’c^ißen Träger jener Herrlichkeit viellticht versehen mit herzlichem Dank so auch mit der Versicherung Meiner fortdauernden Fürsorge und Meines unveränderten Wohlwollens für die Ihrer Pflege unterstellte Bildungsstätte zu erwidern. Darmstadt, den 28. Juni 1888. Ihr wohlgeneigter Ludwig. Gießen, 13. Juli. Die Gesammtproben zu dem am nächsten Sonntag in Stein's Garten stattfindenden Wohlthätigkeits-Concert der vereinigten Männer- Gesangvereine, unter der Direction des Herrn Kaufmann, nahmen den besten Verlauf und verspricht die Aufführung, da jeder Sänger sein bestes Können einsetzt, sowohl in den mächtigen, imposanten Gesammtchören, als in den Vorträgen der einzelnen Vereine für alle Freunde des Männergesanges hochinteressant zu werden. In der gestrigen Probe wurde für den dem Concert sich anschließenden Famtlien-Abend der bethetligten Vereine, an welchem sich auch Freunde der Mitglieder betheiligen können, ein Eintrittsgeld von 30^. für Musik für jeden Herrn beschlossen, während Damen frei eingehen. Gießen, 13. Juli. Einem raffinirten Schwindler aus dem benachbarten Odenhausen ist ein hiesiger Uhrmacher zum Opfer gefallen. Derselbe entnahm auf den Namen eines Gutsoerwalters zu Nordeck, dessen DZumen, beiläufig bemerkt, gar nicht exiftirt. gegen Hinterlegung einer älteren Uhr eine werthvolle neue vorläufig zur Ansicht des Verwalters mit der Angabe, daß et nach getroffener Auswahl das Geld alsbald überbringen wolle. Doch Uhr und Mann kam nicht wieder. Nach erstatteter Anzeige ermittelte die Polizei den Schwindler in Großen-Linden und wurde derselbe gestern nach hier in Untersuchungshaft verbracht. Vermischtes. A Mainz, 12. Juli. Mit Bezug auf eine in der jüngsten Stadtverordneten- Sttzung gefallene Aeußerung, daß die Erwartungen, die man bezüglich des Auifchwungs des Mainzer Handels an die neuen Hafenanlagen hier geknüpft habe, nicht in Erfüllung gegangen, nahm der Vicepräsident der hiesigen Handelskammer in der heutigen Stadt- verordneten-Sitzung Veranlassung, eine Reihe officieller Zahlen vorzulegen, aus welchen hervorgeht, daß sich der Verkehr im Mainzer Hafen gegen das Vorjahr bedeutend entwickelt und gehoben habe. In drei Monaten allein beläuft sich das Plus der verladenen Güter im laufenden Jahre gegen das Vorjahr auf 148,000 Doppelccntner. Ferner wurde conftatirt, daß sich sämmtliche Lagerräume heute schon als zu klein erwiesen und die großartigen maschinellen Einrichtungen des neuen Hafens eben Tag und Nacht im Betriebe sind, um die Abfertigung der Güter zu bewerkstelligen. — In der heutigen Sitzung des 5. Verbandstags der deutschen Seifenfabrikanten wurde der Vorstand beauftragt, gegen die beabsichtigte Erhöhung des Zolles auf Fette und Oele vorstellig zu werden. — Bei seiner gestrigen Generalversammlung beschloß der Landwirthschaftliche Verein für Rheinhessen, bei dem Reichstag, sowie bei dem Fürsten Bismarck Petitionen um Erlaß eines Verbots des Verkaufs von gallisirtem Weine einzureichen. Die Petitionen sollen in ganz Rheinhessen zur Unterschrift circuliren. — Frankfurt a. M., 12. Juli. Hier kommen die Wintervaletots langsam wieder in Benutzung. Das Wetter ist nämlich ein solches, daß die Wirthe ihre Lokale iu Heizen beginnen und die Promenaden menschenleer sind. Ganz abgesehen davon, daß es jeden Tag seit Anfang dieses Monats regnet, die Temperatur ist auch eine so niedrige, daß es nicht zu den Annehmlichkeiten gehört, im Freien zu sein. Verflossene Nacht sank das Thermometer auf + 6 Gr. R. und heute früh hatten wir nur 8 Gr. Wärme. Dabei Mitte Juli'. Der gegenwärtige Monat ist mindestens um ebenso viel zu naß und zu kalt, wie der Juni zu warm war. Für die Heuernte ist das Wetter sehr schlecht, das Gras verfault auf den Wiesen. Landwirthschaftliche Nachrichten. (Nachdruck verboten.) — Um dem Fleisch den üblen Geruch zu nehmen, der ihm im Sommer fast immer an haft et, ift als das einfachste Mittel das mangansaure Kali zu empfehlen. Zu diesem Zweck löst man in einem Liter recht reinen Wassers 20 Gramm mangan- >aures Kali auf, diese Lösung läßt sich bei gutem Verschluß der Flasche Jahre lang aufbewahren, ohne ihre Wirkung zu verlieren. Das Fletsch, welchem man den üblen Geruch nehmen will, lege man in ein Gefäß, übergieße dasselbe mit ganz reinem -ZBafier, so daß das Fleisch vom Wasser gänzlich bedeckt ift. Dann setze man von der mangansauren Kaliauflösung, je nach der Größe des Fleischftückes oder des Wildes, mehr ober weniger Tropfen hinzu, bis das Wasser, in welchem das Fleisch liegt, eine rothliche Färbung bekommen hat. Nun läßt man das Fleisch etwa 15 Minuten in bem Wasser liegen, wobei basselbe von außen eine weiße Farbe annimmt, welche sich ledoch beim späteren Braten ober Kochen wieder verliert. Der üble Geruch verschwindet dann vollständig, ebenso wie sich der Wohlgeschmack des Fleisches durch das Kali auch nicht vermindert. — sBrennnesselsamen als Pferdefutter.j Einen ganz vorzüglichen Einfluß hat Brennnesselsamen auf Pferde, weshalb ihn die Dänen, deren Pferde, wie ja bekannt, sehr stattlich aussehen, sorgfältig sammeln, trocknen und zerreiben. Von diesem Nesselstaube mengen sie Morgens und Abends eine Handvoll unter den Hafer: die Pferde werden davon fleischig und fett und ihr Haar erlangt einen auffallend schönen Seiden- glanz. Man wendet dieses Futter dreimal in der Woche an und erreicht damit schon jene vorzügliche Wirkung. Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen. Eliangktischr Gemeinde. Gottesdienst. 7. Sonntag nach Trinitatis, den 15. Juli: Vormittags 9Vz Uhr: Professor Dr. Gottschick Nachmittags 2Vz Uhr: Pfarrer Schlosser. , . Nach beiden Gottesdiensten Kollekte zum Besten des Kirchenbaus in Arnshain, Kreis Alsfeld. Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser. Katechismuslehre für die Mädchen, Vormittags 8 Uhr, in der Kirche, Pfarrer Schlosser. Die Pfarrge sch äste in der Woche vom 15. bis 21. Juli besorgt Pfarrer Dingelbe y. Katholische Gemeinde. 8. Sonntag nach Pfingsten. Von 6 Uhr an Beichte. Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung ber h. Communion. Um V2IO Uhr: Hochamt und Predigt. „ 2 Uhr: Sakramentalische Andacht. Gottesdienst in der Synagoge. Freitag Abend 70® Uhr, Samstag Morgen 800 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr. Samstag Abend 900 Uhr. Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. Luft 10, Wasser 12 Gr. Gießen, den 13. Juli 1888. Rübsamen. Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Der für Verhinderungsfälle eines der Kaffenbeamten der Gewerbebank zu Gießen e. G. als Stellvertreter bestellt gewesene Herr Kaufmann Karl Loo- zu Gießen mußte, in Folge seiner Wahl als Mitglied zum Aufsichtsrathe dieser Bank, sein Amt niederlegen und ist demgemäß Herr Loui- Schultheis, Rentner zu Gießen, an seine Stelle getreten. Gießen, den 11. Juli 1888. Großh. Amtsgericht zu Gießen. Gebhardt. 5737 Immobilien- Versteigerung. SamStag, den 21. l. MtS., Don Nachmittags 4 Uhr an, sollen auf dem Bureau des Großh OrtSgerichtS Merlau die zur Concursmaffe des Johannes Wöll gehörigen Immobilien, als: 1) Mühle (die Triebmühle), 2) ca. 12V2 Morgen Acker- und „ 31/2 n Wiesenland unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen nochmals versteigert werden. Die Mühle, bestehend aus Mahlmühle mit zwei Gängen und Oelmühle mit guter Wafferkraft, liegt bei dem Dorfe Merlau, V4 Stunde von der Bahnstation Mücke und befindet sich wie die übrigen Gebäude in gutem baulichen Zustande. Das Gut liegt zum größten Thell um die Mühle. Nähere Auskunft ertheilt der unterzeichnete Maffeverwalter. Grünberg, den 11. Jnli 1888. Der Masseverwalter: Karl, 5730 Sparkasserechner. ’Jll i Es wirb sehr oft versucht, wenig rt 1 Werth babei.de Stärke-Präparate als ♦ Glanz-Stärke einzuführen und durch Nachahmung der Packung meiner jl Amerikanischen Glanz-Stärke das Publikum zu täuschen, II weshalb ich hiermit ganz besonders darauf aufmertiam mache, daß jede- Paket meines Fabrikats meine Firma und obigen GlobuS trägt, denn ich will nicht, daß der Ruf meines durchaus reellen, allgemein als vorzüglich anerkannten Fabrr- kats geschmälert wird. Von den Vorzügen meiner Glanz-Stärke anderen Fabrikaten Gegenüber wird man sich durch einen Versuch leichi überzeugen. » Paket 20 Pfg. in den meisten Drogen-, Seifen- und Colonialwaaren- handlungep vorräthig. • [5739] Fritz Schulz jun., Leipzig. EE Flaschenbier. E Hiermit empfehle ich einem geehrten Publikum • per Flasche Prima hellfarbiges Exportbier 23 Pfg. Prima dunkelfarbiges Exportbier 25 „ Prima hellfarbiges Lagerbier 18 „ aus der Äclikn-Brauerei Gießen. Gütigen Bestellungen fehe ich gerne entgegen und liefere bei Abnahme von mehreren Flaschen frei ins Haus. Daniel Heil, 2370____________________Lindenplatz 3.___________ JEmail- aus ächtem Bernstein-Oel Lack, zum Eelbstlackiren. Er ist fast geruchlos, kann von jedem Laien verarbeitet werden, trocknet rasch und hart, erzeugt einen hocheleganten Anstrich von großer Dauer Er übertrifft an Qualität alle im Handel existirenden Sorten, namentlich die wenig haltbaren Spirituslacke. Niederlage in den gangbarsten Farben mit Probeanstrichen in Gießen bei den Herren: Carl Petri, Kaufmann, Marktplatz, Friedrich Leo, „ Seltersweg, 5212 Carl Schulze!!,,, Schillerstraße. Samstag, den 14. ds. Mts, Nachmittags 2 Uhr, in ber früher Bramm'schen Hofraithe bahier werbe ich gegen Baarzahlung öffentlich versteigern: 1 Clavier, 2 Sopha's, 4 Sessel, zwei Kleiberschränke, 1 Verticvw, 1 ovalen Tisch, 1 Spiegelschrank, 1 ©ecretar. 1 Hobelbank, 1 Handwägelchen, eine Anzahl WtrthStische (noch neu), do. Stühle und Bänke, 1 Regulator, 1 silberne Taschenuhr, 1 Theke, zwei Decimalwaagen, 22 neue feinere Filzhüte, 1 Parthie Plüschkappen, Muffs, Wollewaaren rc. Versteigerung voraussichtlich bestimmt. Gießen, den 12. Juli 1888. Gugel, 5724 Gr. Gerichtsvollzieher. Dienstag, den 17. Jnli, Nachmittags 2 Uhr, wird in meinem Haus ein fast noch neuer Stotzkarren mit Federn, und um 3 Uhr an der Grünbergerstraße, nächst der Kaserne, eine Parthie gerissenes Tannenscheityolz versteigert. 5747 F. Hoffmann, Konkursverwalter. Mühlen-Verkauf. Eine der Spar- und Vorschußver- einS'Kaffe Allendorf a. d. Lda. E. G. gehörige, an der Lumda gelegene Mühle, ist unter günstigen Bedingungen zu verkaufen. Auf Wunsch können circa 5 Morgen Acker, Wiesen und Gärten mitverkauft werden. Nähere Auskunft ertheilt der Vorstand jener Kasse. 5736 Jeikgeöoteues. 5785 (Sine autgerittene, ein- und zwei- spännig gefahrene Schimmelstute zu verkaufen. Näheres in der Exped. d. Bl-_________ Neue holl. Vollhäringe eingetroffen. 5738. L. KaUihof. ®ar Hauptgewinne20,000u.l0,000Mk Einladung zur Feier des 25jährigen Stiftungsfestes s Gesangvereins „Adamlsheimische Stiftun des Gesangvereins u 99 2. T. Ä. Tischer. // K Garh. 3 4. a. Abendlied ff ir ab täglich bis einschließlich 5740 Walllhorstcaße 15. Samstag, 14. d. M.: 4% Hamb. Hypothbk.-Pfandbr. 31/2% do. 5°/o Buderus Oblig. Telegraphisch» E-ursbericht der Berliner Börse vom 13. Juli 1888 eingetroffen. [5745 4°/o Ungar. Goldrente 85.30 5% Gemischte Russen Tendenz: schwach. H ff 2. Theil. von Decker. Dürrner. von jetzt Werner. Storch. 98.00 103.00 102.50 98 .CO 104.00 158.00 94.90 84.20 ff tf tf tf ft L. 3. von uns baar ohne jeden Abzug auszahlbar. 107 20 104 30 100.90 107.30 105.40 106 80 Röhring. Kinkel. Pfeil. Abt. Abt. ft sind 8. a) Heute scheid' ich . . b) Heute ist heut' . . 9. a) Haiden-Röslein . . b) Gebet vor der Schlacht 10. Sturmbeschwörung . . Eintrittskarten August Noll II, Bahnhofstraße 53. 96.40 103 50 9160 67.20 99 70 15150- 1615-16.18 1612-16.16 20.30—20.35 4.16-4.20 214.80 39.00 83 00 97 60 6. Das Kirchlein..... 7. a) Frühlingsmorgen . . . b) Erinnerung an die Kindheit Einmach- u. Gelöegläser, Konservenbüchsen und große Steinguttöpfe empfiehlt billigst Moritz Scmmler, Pbotographiecn. 5731 Disconto-Com.-Antheile Lombarden a) Zur Nacht! .... b) O du wunderbar herrliche Frühlingszeit . . . a) Waldfrieden .... b) Ritters Abschied . . . a) Still ruht der See! . . b) Roth-Röselein .... Empfang der auswärtigen Vereire von 12V2 Uhr an. — Aufstellung des Festzuges um 1 % Uhr. — Nach Beendigung der Gesänge: Tanzbelustigung. Zu zahlreichem Besuche wird herzlichst eingeladen. 5~34 Da- Fest Counts. sheimische Stiftung zu Grüningen. am 15. und 16. Juli 1888. Oesterr. Creditactien Oesterr. Staatsbahn-Acuen 1880 40/0 Russen Oblig. 4°/o unif. Egypter Oblig. T. Abt. Z. W. Zmmler. Zsenmann. R v. Weinfierl. Gesammt-Chor. \ gesungen vom j „Sängerkranz". \ gesungen von der i „Bürgergesellschaft". \ gesungen vom \ „Liederkranz". Gesammt-Chor. 31/a°/o Solms-Braunf. Oblig. 40/g Gießener Oblig. 4% Oesterr. Goldrente 4'/5% Oesterr. Silberrente 5% Portugiesen Oblig. Darmst. Bank-Actien Ge 1 dsorte «. Der Zutritt zum Concertsaal findet für den I und II. Platz durch die Hauptthüre, für den III Platz durch den Nebensaal statt. Während des Gesanges bleiben die Emgangsthüren geschlossen. [5684 Nur noch wenige Lose zu haben hier bei Julius 11 allach und Friseur Gerhardt oder durch die General-Agentur [5732 —e*r Lud. Müller & Co., Bankgeschäft u. Lotterie-Bureau für alle concess. Staatslotterien, in Nürnberg. Neue Holl. Vollhäringc Sonntag Mittag 12 Uhr in der Rudolph'scheu Musikalienhandlung bei' Herrn Challier und in der Schreibmaterialienhandlung des Herrn Balser zum Preise von 3, 2 und 1 «M. zu haben. I. und II. Platz ist nummerirt. Kaffen-Oeffnung um 4 Uhr Nachmittags. Programme sind an den Verkaufsstellen und an der Kaffe ä 20 H zu haben. Todes-Anzeige. Hierdurch allen Verwandten, Freunden und Bekannten die Nachricht, daß unser geliebter Vater, Großvater und Urgroßvater Wilhelm Reidel, vormals Bürgermeister, im 92. Lebensjahr gestern Morgen 5 Uhr sanft entschlafen ist. Heuchelheim, den 13. Juli 1888. 5741 Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Samstag Nachmittag 2 Uhr statt. Coursderichl der frankfurter Börse. Reichsbank-Disconto 3% 12. Juli 1888. Franks. Bank-Disconto 3=0 Ein j. Landwirt!), Abiturient einer landyürthscb. Schule, aus guter Familie, sucht Familienoerh. h. Aug. u. Sept. Beschäftigung auf einem Gute mittlerer Größe, ohne Geh.-Anspr., gegen freie Station. Familien-Anschl. erwünscht. Nähere Auskunft ertheilt die Expedition d. Bl. 5743 Concert der Bereinigten Jliänner-flefnng ljereine Gießens für die Wasserbeschädigten an der Nahe und in der Herrschaft Itter am Sonntag den 15. Juli ls>5S Nachmittags pünktlich um 5 Uhr, im grossen St einfachen Saale« PROGRAMM. 1. Tb.il. 1. Der Jäger Abschied . . von $. Mendelssohn. Wer München kennen lernen will, wie es lebt und lacht, wie es singt und trinkt, bei Tag und rttacht, der kaufe den „Lustigen Baedeker“ Band I r München, reichillustrirt von Münchener Künstlern. Bietet zugleich einen zuverlässigen praktischen Führer nebst Stadlplan. Kart Preis Jl. 1.—. Vorräthig in allen Buchläden: gegen JL 1.10 in Freim. v d. Verlags- Handl. Levy & Müller in Stuttgart. 5733] Möblirtes Zimmer mit Cabinet zu oermiethen. Bavaria. Sonntag, den 15. Juli: Ausflug nach dem Staufenberg mit Musik. Abfahrt 1" Uhr. — Bei ungünstiger Witterung 5 Uhr cd ä g So o O) ® Ja >-3 o ' CO tiZ3 .