M. 12 Samstag den 14. Januar ' 1888. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. ' -------------------------------------------- " 7" 7 Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Vurea« r S ch u l st r a tz e 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. im i in Amtlicher H h ei t. Das Großhcrzoqlichc Steuer-Commissariat Gießen an die Großherzoglichen Ortsgerichtsvorsteher deS Bezirk-. Wir ersuchen Sie um Rücksendung der Bau- und Cultur-Veränderungs-Verzeichnisse, nachdem Sie auf solchen die Offenlegung bescheinigt haben. Gießen, am 12. Januar 1888.Süsfert. Politische Wochen - Ueberfkcht. Gießen, 13. Januar. Die Krankheits-Erscheinungen beim Kaiser haben in wahrnehmbarer Weise abgenommen, doch wird die völlige Wiederherstellung der hohen Herrn wohl erst in einigen Tagen zu gewänigen sein; einstweilen bedarf er noch sehr der Ruhe. Recht zufriedenstellend lauten fortgesetzt die Berichte aus San Remo über das Befinden des Kronprinzen und stimmen fie ganz zu der wiederholt geäußerten Zuverstcht des erlauchten Kranken, in völliger Genesung im kommenden Frühjahr oder Sommer nach der Heimath zurückkehren zu können. — Von einem gegen den Kronprinzen verübten nichtswürdigen Act weiß der Special- Correfpondent des „Berl. Tagebl." m San Remo zu berichten. Der genannten Quelle zufolge sind fämmtliche Lieblingshunde des Kronprinzen von unbekannter Hand vergiftet worden, eine Nichtswürdigkeit, die bei dem bekannten gewinnenden Wesen des kronprinzlichen Herrn und der außerordentlichen Beliebtheit, deren er sich auch bei der Bevölkerung von San Remo erfreut, ganz unerklärlich erscheint. Mit der Wiederaufnahme der Verhandlungen des preußischen Landtags und des deutschen Reichstags wird die parlamentarische Thätigkeit im neuen Jahre rasch ihrem Höhepunkte zuführen. Rach Allem, was bis jetzt über das Arbeitsprogramm des preußischen Landtags verlautet, erwarten denselben keine außerordentlichen Ausgaben und es dürften sich daher seine Verhandlungen im Allgemeinen glatt abwickeln. Zwischenfälle sind natürlich nicht aurgeschlsffm und besonders von dem im Abgeordnetenhause angekündigten conservatio-nationalliberalen Anträge, betr. die Verlängerung der Legislatur- Perioden — ein gleicher Antrag für das Reich steht bekanntlich auch im Reichstage zu erwarten — ist anzunehmen, daß er zu bewegten Debatten führen wird. Sonst aber scheint das den Landtag erwartende Arbeitsmaterial nicht geeignet zu sein, hitzige parlamentarische Kämpfe hervorzurufen, während sich dagegen der neue Abschnitt der Reichstagssession voraussichtlich um so bewegter gestalten wiro. Vor Allem werden da die Fragen der Verlängerung der Legislatur- Perioden für das Reich und des Soctalistengesetzes, resp. die signalisirten Ver- schärsungen desselben zu ebenso interessanten wie lebhaften Verhandlungen führen und daß ferner auch die beträchtliche Neuforderung von ca. 100 Mill. «X, die mit d:m neuen Wertgesetz zujammenhängt, Veranlassung zu allerhand Ausein- anderschungen im Reichstage geben wird, kann kaum bezweifelt werden. Jedoch auch sonst noch ist die Tagesordnung des Reichstages in dem bevorstehenden weiteren Sesfionsabschnitte qualitativ wie quantitativ eine sehr reichhaltige und rechtfertigt sie darum das Interesse, welches man allseitig auch den ferneren ReichstagsVerhandlungen entgegenbringt. Der Bundesrath hat seine Verhandlungen bereits Anfangs dieser Woche wieder ausgenommen. Eingegangen ist während der Weihnachtspause u. A. der in erster Lesung fertiggestellre Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuches nebst dem begleitenden Bericht. Wie der Vorsitzende der mit Ausarbeitung des Entwurfes beauftragt gewesenen juristischen Commission, Wirkt. Geh. Rach v. Pape, bei Ueberreichung des Berichts erklärte, hat die Auf- und Feststellung des gegenwärtigen Entwurfes nicht weniger als 61/» Jahre in Anspruch genommen. Während die Vorarbeiten zur Redaction sogar 7 Jahre — vom September 1874 bis October 1881 — beanspruchten. Von einer sofortigen Berathung des Entwurfes seitens des Bundesrathes kann indessen noch keine Rede fein, dazu ist der Entwurf noch nicht genug durchgearbeitet. Vielmehr wird der Bundesrath vorerst nur sein Gutachten über denselben abzugeben haben, woraus der Entwurf zu gleichem Zweck auch weiteren competenten Kreisen vorgelegt werden soll. In Rom sind aus Ostaftika neuerliche Meldungen eingelaufen, welche die precäre Lage des ftalienifchen Expeditionscorps bestätigen. In Gura befinden sich 25,000 berittene Gallas (Negerhilfstruppen des abyssinischen Herrschers), denen 30—40,000 Fußtruppen folgen. Der Negus Johannes selbst befindet sich in Adua. Die in Ghinda stehenden gbyssinischen Truppen fällen alle Bäume an der nach Saati führenden Straße, um Verhaue anzulegen. Ferner hat König Menelik von Schoa, dessen Haltung in dem italienisch - abyssinischen Conflicte bisher schwankend war, alle Europäer aus seinem Reiche vertrieben und ein Bündniß mit dem Negus abgeschlossen, lieber den weiteren Vormarsch der Italiener fehlen seit ein paar Tagen wieder einmal alle Nachrichten. Aerrtschlanv. Darmstadt, 11. Januar. (Zweite Kammer der Stände.) Abgeordneter Dr. Osann hat bei der Zweiten Kammer der Stände folgenden Antrag betr. die Verordnung vom 10. November 1886, den Betrieb von Wirthschasten und den Kleinhandel mit Branntwein und Spiritus, eingebracht: „Großh. Staatsregterung zu ersuchen, die Verordnung vom 10. November 1886, betr. den Betrieb von Wirthschasten und den Kleinhandel mit Branntwein und Spiritus, derart abzuändern, daß dieselbe Anwendung nicht erleide auf Fälle, in denen die Erlaubniß nachgesucht wird von Personen: 1) welche sich im Besitz einer betr. Erlaubniß befinden und nur den Ort des Gewerbebetriebs in derselben Gemeinde verlegen; 2) welche ein Haus ober ein Geschäft durch Erbschaft, Kauf rc. erwerben, in welchem der betr. Gewerbebetrieb zur Zeit der Erwerbung des Hauses, bezw. des Geschäfts bereits bestanden hat. Zahlreiche, fortwährend sich vermehrende Fälle schwerer Benachthetligung von Personen, die Unsicherheit der Rechts- und Geschäfts-Verhältnisse, die Verletzung des Rechtsgefühles, die Verschiedenheit der Entscheidungen je nach strengerer ober milderer Beurtheilung, die Billigkeit, die Rücksicht aus Erhaltung bestehender Verhältnisse rc., rechtsertigen den vorstehenden Antrag." / Darmstadt, 12. Januar. [Breite Kammer der Stände.^ Vom Abg. Haas ist folgender Antrag eingebracht worden: Den Mitgliedern der beiden Kammern der Landstände sind gegen den Schluß des XXV. Landtags hin Seitens Großh. Regierung gedruckte Exemplare der Herstellung der Ergebnisse Der auf landständisches Ersuchen veranstalteten Erhebungen über die Lage der Landwirthschaft im Großherzogthum und der dc z.. gehörigen Einzelberichte zugegangen, ohne daß die geschäftlichen Verhältnisse des Landtags es gestattet hätten, — so wünschenswerth dies aus verschiedenen Gründen gewesen wäre — das reiche Material, welchem eine weit über die eigentliche landwirth- schaftliche Interessensphäre hinausreichende, allgemein volkswirthschaftliche Bedeutung nicht abgesprochen werden kann, der nothwendigen Prüfung behufs Erwägung der Frage zu unterziehen, ob und zu welchen weiteren legislatorischen, finanziellen oder administrativen Maßnahmen im Interesse der Hebung des landwirthschaftlichen Gewerbes, neben den regierungsseitig oder von anderer Seite bereits getroffenen, die Resultate Anlaß geben müssen. Diese Aufgaben dürften deshalb dem gegenwärtigen Landtag zufallen, zumal das Enquetewerk einer Fructificirung durchaus werth ist und die weitere Behandlung des Gegenstandes auch schon gelegentlich des oben erwähnten Ersuchens an die Regierung landständischerseits in Aussicht genommen worden. Selbstverständlich würde die Berichterstattung durch einen Ausschuß der Berathung voran- zugchen haben und empfiehlt sich zu diesem Behufe die Einsetzung eines Sonderausschusses. Ich beantrage hiernach (zur Geschäftsordnung): Die Kammer wolle 1) die Ergebnisse der landwirthschaftlichen Enquete in Erwägung ziehen, und 2) zu diesem Zweck einen aus 5 Mitgliedern zu bildenden besonderen Ausschuß mit der Berichterstattung über das mitgetheilte Enquetewerk beauftragen. Berlin, 12. Januar. In der heutigen Sitzung der Stadtoerordneten-Ver- sammlung verlas der Vorsitzende folgendes Antwortschreiben des Kronprinzen:! Auf die Glückwunschadresse der Versammlung zu Neujahr, für die guten Wünsche, die mir die Stadtverordneten Berlins bei dem Jahreswechsel in die Ferne gesandt haben, und für den Ausdruck herzlicher Thetlnahme, welche die Bewohner Berlins in treuer Anhänglichkeit meinem Leioen zollen, spreche ich den Stadtverordneten meinen aufrichtigen Dank aus. Es würde mir aber ein trübender Gedanke sein, wenn ich erkennen müßte, daß diese Theilnahme auf das gesellschaftliche Leben der Bürgerschaft einen Einfluß ausübt, welcher auf einige Industriezweige der gewerkthätigen Hauptstadt lähmend einwirken müßte. Der jetzige Zustand meines Befindens erfüllt mich mit dem wohlthuenden Gefühle zuversichtlicher froher Hoffnung und es würde mich beglücken, wenn ich erführe, daß sich eine gleiche Stimmung in dem gesellschaftlichen Leben Berlins geltend machte. Der Bürgerschaft sende ich meinen herzlichen Gruß zum neuen Jahre. San Remo, den 5. Januar 1888. (gez.) Friedrich Wilhelm, Kronprinz. An die Stadtverordneten zu Berlin. Der Vorsitzende schloß die von Beifall unterbrochene Verlesung mit einem Hoch auf den Kronprinzen, in das die Versammlung lebhast einstimmte. (F. Z.) — Wie die „Ostpreuß. Zeitung" unter Vorbehalt meldet, werben zum 1. April b. Js. verschiedene Befatzungs-Veränberungen an dortiger Grenze vor sich gehen. So werden zwei Bataillone des schlesischen Füsilier-Regiments Nr. 38 mit dem Stabe nach Goldap verlegt, ein Theil des 2. Bataillons wird in Mierunsken, wo bisher noch kein Militär lag, die Besatzung bilden. Das jetzt in Goldap stehende 3. Bataillon des ostpreußischen Füsilier-Regiments Nr. 33 soll nach Pillau kommen. Ilrankreich. Paris, 9. Januar. Nach den Berichten hiesiger Blätter hat Leo XIII. den französischen Botschafter beim Vatikan, be Behaine, mit großer Auszeichnung behandelt. Der Papst soll über die Liebesgaben des katholischen Frankreichs, das immer die erste Nation sei, wenn es gelte, den Stellvertreter Christi auf Erden zu ehren, tief gerührt gewesen sein. Der Papst kann übrigens mit seinem Jubiläum zufrieden sein. 60,000 Pilger, worunter 35,000 Italiener, 5000 Franzosen, 4000 Deutsche und 2000 Spanier find nach Rom gewandert und 52 Cardinäle und 560 Bischöfe schlossen sich ihnen an. Der Gesammt- werth der Geschenke wird auf 60 Millionen geschätzt, das boare Geld beträgt 14 Millionen. Unter den Geschenken befinden sich auch 90,000 Flaschen Wein, für die man einen befonbern Keller bauen mußte. England. London, 12. Januar. Di? „Times" läßt sich von außerhalb telegra- phiren, die Pforte hätte sich auf Ansuchen der Mächte bereit erklärt, den Prinzen Ferdinand von Bulgarien aufzufordern, Sofia zu verlaffen. Eine anderweitige Bestätigung dieser Nachricht, die jedenfalls den Thatfachen vorauseilt, liegt hier nicht vor. Italien. Nkom, 12. Januar. In der Sitzung des Gemeinderaths theilte an Stelle des seines Amtes entsetzten Bürgermeisters, Herzogs Torlonia, der Ao- junct Guicctoli den Beschluß der in dieser Angelegenheit eingesetzten Commission mit, daß der Gemeinderath in Function oe;bleibe, zugleich sprach Guiccioli die Erwartung aus, daß in diesem Momente jede Debatte über die Enthebung Torlonia's von seinem Posten im Interesse Italiens unterbleibe. Der Adjanct ersuchte ferner die klerikalen Mitglieder des Gemeinderathes. ihren Antrag, wonach der Gemeinderath sich lobend über dis Verhalten Torlonia's aussprechen sollte, zurückzuziehen. Die klerikalen Mitglieder zogen angesichts dieser Erklüruag ihren Antrag zurück. Telegraphische Depeschm- Wolffs telegr. 6 ätowixu Berlin, 12. Januar. Seine Majestät der Kaiser, dessen Befinden gestern recht befriedigend und schmerzfrei war, verbrachte einige Zeit außer dem Bett. In der letzten Nacht schlief der Kaiser gut, mit einmaliger Unterbrechung. — Seine Majestät der Kaiser nahm heute Vormittag den Vortrag Albedyll's entgegen. Nachmittags den Vortrag Wilmowski's. — Ihre Majestät die Kaiserin besuchte Vormittags das Augustastift, machte um IVa Uhr eine Spazierfahrt und Promenade im Schloßpark Bellevue. Abends findet kleine Theegesellschaft statt. Berlin, 12. Janaar. Die Aerztekammer von Berlin und von der Provinz Brandenburg trat heute Mittag zusammen. Oberpräsident Achenbach eröffnete die Sitzung, gedachte des in der Ferne weilenden Kronprinzen und sprach den Wunsch aus, daß Gottes Gnade und die ärztliche Kunst denselben geheilt zurückführen mögen und es dem Kaiser vergönnt sei, den heißgeliebten Sohn frisch und gesund wieder in ferne Arme schließen zu können. Geheimrath vr. Körte wurde zum Vorsitzenden gewählt und dankte dem Oberpräsidenten für das bekundete Interesse und die angekündigte Unterstützung. Wien, 12. Januar. Wie die „Presse" schreibt, findet die Meldung der „Limes", die Mächte hätten bereits gemeinschaftliche Schritte bet der Pforte gethan, um sie zu bestimmen, den Prinzen Ferdinand von Coburg aufzufordern, Sofia zu verlassen in hiesigen diplomatischen Kreisen keine Bestätigung. Man weiß in diesen Kreisen absolut nichts von diplomatischen Verhandlungen in der bulgarischen Frage, geschweige denn von bereits erfolgten Collectioschritten in dieser Sache. Wien, 12. Januar. Der Reichsralh ist auf den 25. Januar einberufen. Pesth, 12. Januar. Dem „Nemzet" zufolge erreichten die eingegangenen dtrecten Steuern des letzten Quartals nicht blos die im Voranschlag des laufenden, sondern auch die im nächstjährigen Budget dafür vorgesehene Höhe. mrirr. Goch , 12. Januar. Die engliche Post aus London von gestern früh über Mtssingen ist ausgeblieben, weil das Schiff in Folge des starken Nebels Vlissingen nicht rechtzeitig erreicht hat. Auch die über Ostende gehende Post ist ausgeblieben, weil die Schifffahrt im Canal wegen des Nebels verzögert ist. Goch, 12. Januar. Die englische Post von gestern Nachmittag ist aus- geblleben, weil das Schiff wegen starken Nebels auf See in Vlissingen verspätet eingelaufen rst. B o k a § e L. <- 13. Januar. Von gut unterrichteter Seite wird uns miigetheilt, daß oer hiesige Radfahr-Veretn am 29. Januar in Stetn's Garten ein größeres Galafest feiert, bestehend in Concert der hiesigen Regimentscapelle, Aufführen eines Saalkorsos, gyren von Quadrillen und mehreren humoristischen Stücken auf dem Rad. Den Schluß bildet ein solenner Ball. Wie aus dem Programm zu entnehmen, verspricht dasselbe einen recht genußreichen Abend für die Thetlnehmer und da der Radfahrsport überdies reich an heiteren Scenen ist, so werden für diesen Abend auch die Lachmuskeln ihre Schuldigkeit zu thun haben. Freunde und Gönner des schönen Sports werden hierauf aufmerksam gemacht. 13- Januar. sT Heater.) Kommenden Sonntag wird die bereits ?^^umlich gewordene Zauberposse „Lumpaci Vagabundus oder: Das luderliche Kleeblatt als vorletzte Sonntags-Vorstellung gegeben, während am Montag das Benefiz für die Soubrette Fräulein Selma Hesse stattfindet, gelegentlich welchem das beliebte Schauspiel „Muttersegen" zur Aufführung gelangt Am Vorstellung " Januar gibt die Rudolph'sche Gesellschaft definitiv ihre letzte ch-^i Gesinge Benefiz des Herrn Heinrich hatte ein zahlreiches und gewähltes Publikum im Theater versammelt, welches dem geistreichen Schauspiele „Maria und Magdalena mit gespannten Interesse folgte. Die Aufführung war eine exquisite, f?ameQuS? Di?n vornehmen Salonstücken eine Specialrtät der Rudolph scheu Gesellschaft ist. Werthvolle Lorbeerkranze und Bouquets gaben der geflrtgen Vorstellung noch ein besonderes Relief. ß he3 Nr. 8 bringt eine Notiz über einen „Rettungsact fce? Wlrthes auf dem St. Bernhard", der einer Richtigstellung bedarf. Nach jener Dar- fcernnfint ^hr bescheidene Wirlhschaft, von einem Manne s« T -. be" befände. Dem ist jedoch keineswegs so. Als ich im Jahre 1839 ben St. Bernhar^sberg besuchte und eine Nacht dort zubrachte, fand ich nach meinem Tagebuchs 8 Mönche (Augustiner) und 8 Maronnier (Knechte) nebst 7 Hunden 1« dem geräumigen Wirthszimmer 30-40 Gäste. Das Kloster ein massives dreistöckiges Gebäude hat über 40 Zimmer, in denen mehr als 600 Menschen beherbergt werden können. Meine weiteren Notizen besagen: In St Pierre ein-,» XI Dörfchen, 4890 Fuß über dem Meer, hört der Weg auf fahrbar zu sein die Waaren werden auf Maulthi-r-n und Pferden über den St. Bernhard wcitergebracht.' Don hie? sind c8 J10* 3 Stunden bis zum Kloster (7680 Pariser Fuß hoch). Die Nacht brück an und der Weg, meist über Steingerölle, wurde immer.schlimmer. Ich kam durch ein °oft „B.eim?efu5 1 $6aL d°s Todtenthal, und gelange bei stocksinst-fer Rothw^n b-wstthÜt.^ m 3-h wurde mit Supp-, Kartoffeln, »äse und All- Reisenden gingen zur Ruh-, tiefe Stille herrscht- durch das Kloster nur draußen heulte furchtbar der Wind und schlug Schnee und Regen wider die zitie'rnden Fenster; er schien das Kloster in seinen Grundsesten erschüttern zu wollen. Bald nach Mitternacht drang mit dem wilden Toben der Elemente das feierliche Geläute der “ÄS«S”Ä*‘ ""m b" ®"n“ia «|»> Biftj 000 Gulden belaufen, für die Unterhaltung der jährlich büer b-Wrgt-n ^0^1? ^0 Menschen werden von mehreren Kantonen der Schweiz bestritten ^lAer J? Kloster anstoßenden. Kirche kann man eine Gabe niederlegen. Im Winter und Lhaupt mr Tagen, die durch üble Witterung den weisenden geiä^dtcb ^erben rön^n Sc^en c^n Mvnch und ein Maronnier, mit langen Stöcken und Schneeschuhen versehen' und von einem der berühmten Hunde begleitet, nach der italienHdjen unh d-r schweizerischen Seite hinab. Finden 'sie -inen von der Kälte erstarrten -der Kirchliche AnzeiKeR der Dtnbt Tiefters. EvKngsiische Gemeinde. Gottesdienst. ^»Sonntag nach Epiphanias, 15. Januar: Vormittags 9V- Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. e,. , Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey. ' Kinderklrche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser- r ™ nta4'«en lo Januar, Abends 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinder- MarrerOor^Na^man'n^" ^cr§ 21 an> ^brifti Kommen; dieses Geschlecht; Wachet; Ab-nb^ots/s dienst"" 22' 3“nUar: Reicht- und heiliges Abendmahl im Hie bei dem Missionsf-st eingegangene Kirchenkollekte für di- äußere Mission Uu a§ Kloster und geben durch Bellen rc. ihre gemachte Entdeckung kund. Der - bekannte Barry, der im Museum zu Bern ausgestopft ist, jsoll mehr als 30 Menschen | gerettet haben. I - , , Anmerkung. Oberhalb St. Pierre, auf dem halben Weg nach dem Hospiz, kehrte lch in einem Wtrthshaus ein. Ob der angegebene Grand vielleicht dieses Haus f bewohnt und den Rettungsact ausführte? t ... JF“8 ?ri.0.ät^um- Im 3. Quartal 1887 kamen im Groß- herzogthum Hessen 4968 Todesfälle vor, von welchen auf die Provinzen Starkenburg &135'ß?Qe?eiCn "o^^^lnhessen 1659 entfallen. Darunter waren in Starkenburg 808 Ätnber tm 1 317 im 2 —15. Lebensjahre und 1010 Erwachsene; in Ober- beften 249 Kinder tm 1., 195 tm 2.—15. Lebensjahre und 730 Erwachsene; in Rhein- • Hessen 616 Ktnder tm 1 312 im 2.-15. Lebensjahre und 731 Erwachsene. - Die , Brutto-Emnahmen des Großherzogthums Hessen an Reichssteuern im Etatsjahr 1886,87 M Suf/o?^not87-35x ÜOn diesen kommen auf Eingangsabgaben 6 1d7 583.20 ^ü (31508.76 JL), Relchsstempelabgaben 81056.05 (1621.14°^), Tabaksteuer 272 269.80 JL (22 832.05 ^L), Salzsteuer 989 847 40 (9 644 85 Branntweinsteuer 220 179.70 * (39 506.42 M), Brausteucr 871393A5 JL (1339964,4 M)', 162 777.40 JL (8 053.79 M), Zuckersteuer 753380.35 M (46 925.15 JL). Die in Klammern beigesetzten Beträge wurden zur Großh. Staatskasse vereinnahmt. — Im Jahre 1886 wurden in folgenden Orten des Gtoßherzog- ^bums mtt Postämtern 1. Classe an Porto- und Telegrammgebühren vereinnahmt: io«?onoan762 Darmstadt-Bestungen 494 335 JL, Offenbach 359 392 Jt, Worms 4ß ftm9 ^f^^7 318 Bingen 81945 ^L, Bensheim 33 443 ^, Alzey 46 801 utl und Friedberg 50 485 JL, zusammen 3 314 099 JL △ Mainz, 12. Januar. Auf ein von dem ComitL der „Narrhalla" erlassenes Circular h.n find aus allen Klassen und Kreisen der Bevölkerung zahlreiche An- meldungen zur Bethetligung an dem Carnevalszug erfolgt, so daß es jetzt schon außer allem Zweifel ist, daß ein Zug am Carnevalsmontag stattfinden wird. Da neben hervorragenden carnevalistischen Kräften auch schwerwiegende Geldmänner die active Lhetlnahine an dem Zuge zugesagt haben, verspricht das Mainzer Carnevalsjubiläum auch nach dieser Rtchtung hin großartig zu werden. Mit dem Entwurf wie auch mit der Oberlertung bet dem Arrangement des Zuges ist der Architect Zulehner betraut, Der sich auf bte|em Gebiete schon viel Lorbeeren errungen. Nächster Tage wird das Comtt^ die emzelnen Commissionen bilden und alsdann mit der Ausführung der einzelnen Projecte begonnen werden. ~ In der Schloßkaserne hier hat sich heute Morgen aus noch unbekannten Gründen ein Soldat erschossen. △^¥Iainj,r,12. Januar. (Rückkehr der Jesuiten.^ Aus Moresnet, eine ganz vom preußlschen Gebiet etngeschlossene holländische Enclave im Reg.-Bez. Aachen, wird dem M. Journal" geschrieben, daß in das bis vor Kurzem von Mitgliedern des Franziskaner-Ordens bewohnte dortige Kloster dieser Tage wieder drei Patres der Gesellschaft Jesu eingezogen, unter diesen der Pater Sack, welcher mehrere Jahre Kaplan in dem nahen Mombach war. Sack, der Ende der sechziger Jahre hier in Mainz lebte, genoß einen bedeutenden Ruf als Kanzelredner. A Aus Rhein Hessen, 12. Januar. Mit Rücksicht aus das demnächst im Reichstag zur Berathung kommende Weingesetz beschäfttgt man sich in den Weinbau- distncten Rqeinhessens eben vielfach mit der Frage, in welcher Weise das vielbesprochene Thema se^e Losung finden soll. Im Allgemeinen geht die Stimmung dahin, strengere Bestimmungen gegen die Kunstweinfabrikation zu erlassen. Petitionen in diesem Sinne stnd mehrfach in Circulation. ,. m Münster, 8. Januar. Die Sänger, welche auf dem hiesigen RathhauLsaale die Generalprobe zu einem Vereinsconcert abhielten, wurden gestern Abend in unangenehmer Weise überrascht. Als eben Frau Joachim aus Berlin ein Solo fang, platzte em grofee§ ^öhr ber Wasserleitung und ein mächtiger Strahl setzte den Saal unter ira M^^er sprangen auf die Stühle und die Damen schrieen um Hilfe, bis der Zwifchensall beseitigt war. . c^W?en 12. Januar. In der Pfarrkirche in Lavis bei Trient brach gestern bei Der Abendpredigt infolge einer Unruhe, welche der epileptische Anfall einer Frau verursachte, eine entsetzliche Panik aus. Fünf Personen wurden todtgedrückt, drei welkere starben im Laufe der Nacht, zahlreiche Personen wurden verwundet. (F. Z) , . ™ Aus Varis wiro geschrieben: Jrn Theatre Beaumarchais, welches seit drei Monaten geschloffen rst, brachen am 3. ds. Mts., um 4 Uhr Nachmittags mehrere Wasterleitungsrohre und setzten das Parquet des Bühnenhauses vollständig unter Aaner. Da Niemand rm Theater anwesend war, konnte man denFluthen nicht gleich ®lI\bfraltCi ^un und so stieg das Wasser bis zur Höhe der ersten Gallerte. Durch den Au^siuß des Wasters auf die Straße wurde man erst aufmerksam gemacht. Nur mit Kahnttt konnten die schleunigst herbeigeholten Pompiers auf die Bühne gelangen, um das Wasser abzulassen. ° ' .. ” Mit dem Winter und seinem, leidigen Gefolge, wie Frost, Schneewehen, Glatteis rc., beginnt gleichsam als Entschädigung auch das Regen der Bälle, feinen Diners rc. In der Thai, wenn draußen der Nordwind weht, wild am eifrigsten getankt und die Feinschmecker geben sich alsdann mit Wohlbehagen dem Genuß ausgesuchter Speisen, edler Weine und feinen Liqueurs hin. Dieses Jahr gebührt die Palme dem ächten Benediktiner der Abtei zu F^camp; durch seinen köstlichen Ge- fchmack und seine tonischen und die Verdauung btförbernben Eigenschaslen hat sich dieser Liqueur die Gunst selbst der verwöhntesten Gaumen zu erwirben gewußt. Bei Kbcm Doaitanbigen Dessert unb auf j-bcm wohlgarmrten Buffet nimmt heute ber Benediktiner den ersten Rang ein. nnrfc ^Ugenehmer und gleichzeitig gesünder, als unmittelbar nach dem Eis ein Glas dieses ausgezeichneten Liqueurs zu trinken. Kktholische GeAeinde. 2. Sonntag nach Epiphanie. Von 7 Uhr an Beichte. Um 8 Uhr: Frühmesse »nb Austheilung ber h. Communion. • VglO Uhr: Hochamt und Predigt. n 2 Uhr: Sakramentalische Andacht. Gottesdienst in der Kqnagoae. Samstag Ab?nb5^Uhr. W' 2Ror(,en 8” Uhr. Samstag Mittag 3 Uhr. Das Aufsetzen von 65 cbm Basaltsteinen, sowie die Herstellung des Unterbaus und das Ausbringen des Kleinschlags für eine auf dem Bauplatz der neuen Kliniken herzustellende Zufichrstraße sollen auf dem Wege des öffentlichen Angebots vergeben werden. Voranschlag und Bedingungen liegen auf unferem Bureau offen, woselbst auch die Angebote verschloffen und mit der nöthigen Ausfchrift versehen bis spätestens Dienstag, den IT d. M, Vormittags 10 Uhr, einzureichen sind. Gießen, den 12. Januar 1888. Großh. Kreisbauamt Gießen. Walter. 416 Holzversteigerung in der Oberförsterei Krofdorf. SamStag, 28. er., 9 Uv-b-i Wirtb Kahlert in Krofdorf, Schutzbezirk Krofdorf, District Homberg 3c : Mchte«: 62 Stämme mit 10,22 fm k. I.. 1515 Stangen I—IV. El-, 6 rm Knüppel; Disir. Buchwald 17b: Eichen: 6 Stämme mit 2,04 frn k. I, 110 rm Klafter-Nutzholz (2, 3 und 4 Meter lana), 1 rm Scheit, 39 rm Knüppel, 192 rm Reiser; District Kühbett 21b: Fichten: 1390 Stangen L, II., HI. Cl.; Dillr Kühbett 23a: Eichen: 32 Stämme mit 18,69 fm k. I., 33 rm Klafter-Nutzbolz, 28 rm Scheit, 11 rm Knüppel, 152 rm Reiser; Buchen: 8 rm Scheit, 10 rm Knüppel, 80 rm Reiser. Krofdorf, den 12. Januar 1888. 415 Mütter, Kgl. Oberförster. Barrholz- Versteigerurrg im Villinger Gemeindewald. Dienstag, den 17. d. Mts., werden versteigert: 121 Eichen-Stämme von 14—52 cm Durchmessern. 3—14Mtr. Länge mit 79,15 fm (darunter ein gradwüchsiger Stamm v. 52 cm Durchm. u. 14,4 Mtr. Länge), 2 Rm. 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