Nr. 37 Zweites Blatt. Sonntag den 12. Februar 1888. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Shtrcait r Schulstraße 7. X ...... - iwun Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Darmstadt, 8. Februar. Das Grobherzogliche Regierungsblatt Nr. 6 enthält: 1. Allerhöchst.' Verordnung, die Jagdwaffenpässe betreffend. 2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die ärztliche Vorprüfung betreffend. 3. Bekanntmachung deffetben Ministeriums, die Beförderung von Leichen betreffend. Berlin, 9. Februar. Sicherem Vernehmen nach wird bereits in den nächsten Lagen dem preußischen Landtage eine Vorlage zugehen, die für den Ausbau de» namentlich in strategischer Hinficht bisher sehr vernachlässigten Elfenbahn-Netze» an der östlichen Grenze eine Summe von etwas über hundert Millionen Mark fordert. — Dis Budgetcommiffion des Reichstags genehmigte die zweite Rate für das Retchrgerichte-Gebäude in Leipzig ohne Berathung; sodann stand noch ein erneuter Anschlag für ein zunächst zurückgestelltes Lazareth-Gebäude in Lehe zur Beratung, der um 145,000 JL hinter dem früher» zurückblieb. Bei der Nothwendtgkeit des Baues an stch und unter Anerkennung der vorgesehenen Ersparnisse beschloß die Commisston, die nunmehr verlangten 220,000 JC. dem Hause zur Genehmigung oorzujchlagen. Berlin, 8. Februar. Bei dem Festmahle, welches der Oberprästdent Staats Minister Dr. Achenbach gestern dem brandenburgische« Provinzial-Landtage im Englischen Hause gab, brachte Prinz Wilhelm in Erwiderung auf einen Trinkspruch des Ministers, der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge, folgenden Trinkspruch aus: Ew. Excellenz danke ich für die freundlichen Worte, die Sie mir soeben im Namen der Provinz ausgesprochen haben, und Ihnen, meine Herren, danke ich zugleich, daß Sie in diesem Jahre bei Ihrem Feste wiederum an mich gedacht haben, woraus ich entnehme, daß Sie mich nach wie vor ebenfalls unter die Brandenburger zählen. Heber dem heutigen Tage schweben trübe Wolken, deren einer Ew. Excellenz in so freundlicher Weise soeben gedachte; ich möchte auch noch die andere erwähnen. Ich gedenke hierbei eines märkischen Edelmannes von altem Schrot und Korn, voll Treue und Hingabe an sein Herrscherhaus, voll regsten Interesses und wärmster Sympathie für die Provinz, nämlich des Grasin Arnim-Boitzenvurg; er ist nicht mehr unter uns, doch wird seine Persönlichkeit uns als ein leuchtendes Voibilo zu« Nacheisern noch lange glänzen. Al» Se. Maj. mein Durchlauchtigster Herr Großvater mir die Arbeit in der Civil-Carriöre anbefohlen, bestimmte er die Provinz Brandenburg und deren tüchtigen und bewährten Leiter, um mich mit der Verwaltung bekannt zu mache«; was ich auf dem Gebiete der Civiloerwaltung gelernt und erfahren, verdanke ich Sw. Excellenz in erster Linie und den Herren unter Ihnen, die mich in den verschiedenen Zweigen orientirt haben. Auf meinen Ritten durch die Mark im Laufe der Manöver haben mich die blühenden Gefilde und die im vollen Betrieb befindlichen Gewerbe davon überzeugt, worin der wahre Grund des Volkswohlstrndes und der fruchtbaren Arbeit zu finden fei. Ich weiß wohl, daß im großen Publikum und speciell im Auslande mir leichtfinnige, nach Ruhm lüsterne Kriegsgedanken imputirt werden: Gott bewahre mich vor solchem verbrecherischen Leichtsinn. Ich weise solche AnschuloigUNgen mit Entrüstung zurück! Doch, meine Herren, ich bin Soldat, und alle Brandenburger find Soldaten, das weiß ich, daher taffen Sie mich mit dem Wocte schließen, welches am 6. Februar unser großer Kanzler dem Reichstage zuries, der an jenem Tage bas großartige Bild der geschloffenen, Hand in Hand mit der Regierung gehenden Volksvertretung uns zeigte, indem ich den Ausspruch auf die Mark Brandenburg specia- lifire: Wir Brandenburger fürchten nur Gott und fönst nichts aus dieser Welt! In dieser Gesinnung erhebe ich mein Glas und trinke aus das Wohl der Provinz Brandenburg! — In parlamentarischen Kreisen hat die Zustimmung, welche die Haltung des Reichstages gegenüber der Wehrgesetzvorlage im bayerischen Abgeordneten- hause gesunden und welcher der Abgeordnete von Schauß einen so glücklichen, von warmem Patriotismus getragenen Ausdruck gegeben hat, große Befriedigung erregt. Daß In der Volksvertretung des zweitgrößten Staate», wo sich sonst dis Parteien so schroff entgegenstanden, das geeinte Vorgehen des Reichstages eine solche Aufnahme finden konnte, ist ein weiteres Warnungszeichen für die Gegner Deutschlands und eine weitere Friedensbürgschaft für seine Freunde. Berlin, 8. Februar. Die Budgetcommiffion des preußischen Abgeordnetenhauses verhandelte in ihrer letzten Sitzung in Folge einer eingelausenen Petition über die Frage der Herabsetzung der Frachtsätze für Getreide und Mehl. Es wurde mit Rückficht darauf, daß die Gesammtheit der deutschen Landwirth- schaft aus der Herabsetzung der Getreidetarise keinen Vortheil, dagegen die Eisen- Lahnverwaltung offenbar einen Nachtheil haben würde, und daß Die eigentliche Wirkung schließlich eine Ermäßigung der eben beschloffenen Einführung der Getreidezölle sein würde, Uebergang zur Tagesordnung angenommen. Berner- ikenswerth waren die Gründe, welche der Regierungscommiffär gegen die Herabsetzung der Tarife vorbrachte. Derselbe erklärte, daß die Herabsetzung der Getreidetarife für die Landwirthschast im Osten unwirksam sei, weil nach den mit den Nachbarstaaten getroffenen Vereinbarungen ausländisches Getreide aus den preußischen Bahnen ebenso billig befördert werden müsse, wie inländische» Getreide, und deshalb die Wirkung der Herabsetzung der Getreidetarife sein würde, daß nicht der Landwirth des Ostens, sondern das russische Getreide den Markt in Frankfurt o. M. gewinnen würde. Auch widerstreite die Forderung der Herabsetzung der Tarife für Mehl den Jntereffen der Mühlen im mittlere» und westlichen Deutschland. Herannahende Umwandlungen im Industriebetriebe. Noch ehe unser Jahrhundert zu Ende geht, werden sich im Erwerbsleben der Nationen gewaltige Umwandlungen vollzogen haben, zu denen namentlich die Technik und die Mrthschaftswissenschaften beitragen werden. Der Schwerpunkt des Fortschritts wird in der Neugewtnnung und Ersparung von Kräften und in der richtigen Leitung von Natur- und Menschcnkräften liegen. Wind- und Wasserkräfte hat man feit Jahrtausenden im Dienste der Industrie oerwerthet. Erst der Gegenwart war es vorbehalten, auch Dampf, Gas und Electricität als Krafterzeuger zu benutzen. Da kommen nun die Naturforscher und Techniker und eröffnen uns die Aussicht, daß auch die atmosphärische Luft, sei es nun durch Hochdruck oder durch Tiefdruck als Kraftträger und Krafterzeuger in umfassender Weise versendet werden wird. Die Aufgabe der Zukunft besteht in der Herstellung großer Eentralstattonen, von denen aus. bewegende Kräfte ausgesendet werden. Zu diesen bewegenden Kräften soll nun künftig auch noch die atmosphärische Luft hinzutreten. Professor Reuleaux hat am 28. Januar vor einem zahlreich versammelten Publikum in der Gehe-Stiftung zu Dresden einen fesselnden Vortrag über diese heraus nahenden Umwandlungen gehalten. Das industrielle Gepräge unserer Zeit — so führte Redner aus — sei der Kampf des Kleingewerbes mit dem Kapital, ein Kampf, der mit ungleichen Mitteln geführt werde und in welchem das Kleingewerbe zu erliegen drohe. Immer weitere Gebiete, auf welchem das Kleingewerbe bisher heimisch gewesen, werden von dem Kapital diesem streitig gemacht und manche Handwerkerfamilie schaue bang auf zu ihrem Ernährer, welcher durch diesen scheinbar unaufhaltsamen Prozeß dem zersetzenden politischen Parteitreiben in die Arme getrieben werde. Aber dennoch sei weder theoretisch noch praktisch der Gegensatz des Kapitals zum Kleingewerbe ein absoluter, im Gegentheil das Kapital sei nur die Wirkung der Arbeit und es nähere sich auch den Bedürfnissen des Kleingewerbes, sobald ihm die Wege gezeigt würden. Bereits vor 15 Jahren hat Reuleaux ausgeführt, daß durch kleine Kraftmaschinen ein erhöhter Wettbewerb des Kleingewerbes mit den Großbetrieben möglich sei. 2^"^ders wichtig geworden ist der sogenannte Otto'sche Gasmotor, dessen bahnbrechende ^vU'swttthschastuchc Bedeutung darin bestehe, daß er seine Kraft von einem Central- punkt, in der Regel aus einer städtischen Leitung bezieht. Diese Kraft wird übergeleitet auf die Werkstattmaschinen der kleinen Gewerbetreibenden. Die öconomische Tragweite eines solchen Verfahrens konnte nicht lange unbekannt bleiben. Es folgten in Zürichs London, Newyork, Philadelphia Versuche mit der Verwendung der Wasserkraft auS städtischen Wasserleitungen. Jedoch haben dieselben wegen der Schwankungen der Kraft und wegen des Kraftverluftes keine großen Erfolge aufgezeigt. Die Verwendung der Electricität, an welche man jetzt zunächst denken könnte, ist ebenfalls noch nicht genügend sicher gestellt. Dagegen sind — wie Reuleaux ausführte — mit der Benutzung der atmosphärischen Luft als Kraftträger in Paris und neuerdings in Birmingham Versuche von durchgreifendem Erfolge gemacht. In Birmingham — bemerkt er — fei bereits ein Eentralkrafterzeuger in der Stärke von 30000 Pferdekräften angelegt. Durch ein Röhrennetz werde die Kraft an die einzelnen kleinen Gewerbetreibenden ver- theilt, aber dadurch, daß es möglich wäre, 3—4 Atmosphären Druck zu erzeugen, fei die Kraft auch für den Großbetrieb von der hervorragendsten Bedeutung. Der Verbrauch der Kraft sei durch Luftmeffer conttolirbar. Die Vortheile dieser Kraftfabrikation springen in die Augen, zahlreiche Dampfkessel mit Oefen und Schornsteinen fallen weg, die Verunreinigung der Luft mit Ruß und Dampf höre auf. Concessionen zu neuen Anlagen seien nicht mehr nöthig. Hier zeige sich also das Großkapital dem Kleingewerbe freundlich. Es werde die Aufgabe des nächsten Vierteljahrhunderts sein, das Princip der Centraltsation der Krafterzeugung und der Vertheilung dieser Kraft an die Gewerbtreibenden in die Praxis zu übersetzen. Das Handwerk werde sich mit den Arbeitsmaschtnen, zu deren billiger Herstellung das Kapital sich drängen werde, rasch befreunden. Die Innungen aber könnten, statt sich über fade Formalitäten herumzuzanken, zu Vorschußbanken für Arbeitsmaschinen der Handwerker werden. Mit den Segnungen der Maschine werde wieder frischer Muth das Kleingewerbe beleben und es concurrenzfähig machen mit dem Kapital. UniverfitätS-Chronik. — Der außerordentliche Prof. Dr. A. Brandl-Prag ist als ordentlicher Prof, für englische Sprache an die Göttinger Universität berufen und wird sein neues Amt mit dem nächsten Semester antreten. — Der durch den Weggang des Prof. Dr. Kundt frei werdende Lehrstuhl in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Facultät der Kaiser Wilhelms-Universität zu Straßburg ist dem ordentlichen Prof. Dr. Kohlrausch zu Würzburg angetragen worden. — Prof. Fick-Göttingen hat den Ruf an die Universität Breslau, Prof. Kohlrausch den Ruf an die Universität Straßburg angenommen. Privatdocen Dr. Wyder in Berlin hat einen Ruf nach Zürich angenommen. Privatdocen P. Bunge-Halle ist zum außerordentlichen Professor ernannt worden. Lokales. Gießen, 11. Februar. Die Sitzungen des Schwurgerichts für das erste Quartal d. I. beginnen Montag den 12. März, Vormittags 9 Uhr. Herr Landgerichtsrath Dr. Möbius ist zum Vorsitzenden bestellt. Gieße«, 11. Februar. In der gestrigen Hauptversammlung des hiesigen „Fechtverbands" wurde die Abrechnung über den vorigen Sonntag in „Stein's Saalbau" abgehaltenen Maskenball vorgelegt. Hiernach erreichte die Frequenz der Festlichkeit die Zahl 400, ein Besuch, wie ihn wohl noch nie ein hiesiger Maskenball aufzuweisen hatte. Der überraschend starken Betheiltgung entsprechend ist auch das finanzielle Resultat. Die Gesammteinnahme bezifferte sich aus JL 278.75, so daß nach Abzug der Unkosten, welche 125.91 betrugen, ein Nettoertrag von X 152.84 verbleibt. — Einen wohlunterrichteten Berichterstatter hat die Frankfurter „Kleine Presse" in hiesiger Stadt. In einer der letzten Nummern dieses Blattes fand sich nämlich eine Notiz bezüglich des 96. Geburtstages des nunmehr verstorbenen Herrn Louis Gail vor, in welcher derselbe als „einer der bedeutendsten Industriellen hiesiger Stadt" bezeichnet wurde. Die nächstfolgende Nummer bemerkte berichtigend, daß der betreffende. Herr nicht Großindustrieller, sondern „Kaufmann" gewesen sei. Unseres Wissens war Herr Gail weder das Eine noch das Andere. Allgemeiner etwaigen Hervortreten mit neuen Vorschlägen geben zu wollen, eher würden wir, falls unser Gedanke Anklang fände, eine solche Anregung für Sache derjenigen Lokalbehürden halten, welche auf dre Beschaffung von Dienstwohnungen reflectiren, ohne dabet doch den Interessen unserer Stadt schaden zu wollen. Und in solchem Falle haben wir dann auch zu unserem Stadtvorftand das Zutrauen, daß er es — wenn die Frage thn herangebracht würde — an dem nöthtgen Entgegenkommen nicht wird fehlen lassen. Vermischtes. Marburg, 9. Februar. Am Dienstag Nachmittag 51/« Uhr ereignete sich im Neubau des physiologischen Instituts Hierselbst ein bedauernswerther Unglücksfall. Der in demselben beschäftigte 41jährige Taglöhner Heinrich Kraft aus Leidenhofen stürzte tn einer Höhe von 2,40 Meter vom ersten Stockwerk herab und erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß er denselben gestern in der chirurgischen Klinik, wohin man thn gebracht hatte, erlag. (£>. Q) △ Mainz, 10. Februar. Mil Rücksicht auf das heftige Auftreten der Masern- erkranlungev hat die hiesige Bürgermeisterei im Auftrage der Kreis-Schul-Commission den Lehrern und Schulvorständen folgende Zustellung gemacht: Nach einer Mttthetlung des Kreisgesundheilsamls erachtet es die Ministerial-AbtheUung für öffentliche Gesundheitspflege für höchst wünschenswerth, daß alle diejenigen Schulklassen, Kleinktnder- Bewahranstalten, Kindergärten rc. rc., also alle diejenigen Schulen, welche von Kindern des den Masern am meisten ausgesetzten Alters besucht werden, sofort geschlossen werden, sobald die ersten Erkrankungen an denselben sich bemerkbar machen. Die Schulvorstände und Lehrer werden demnach beauftragt, Erkrankungen sofort zur Anzeige zu bringen und entsprechend dem Wunsche der Mmistertal-Abtheilung für Gesundheitspflege zu handeln. — Die Unterklasse der Vorschule des hiesigen Realgymnasiums ist heute wegen zahlreichen Erkrankungen unter den Zöglingen geschlossen worden. — Aus Arbeiterkreisen ist im verflossenen Jahre ein Gesuch um Einführnng gewerblicher Schiedsgerichte hier an die Stadtoerordneten-Versammlung gerichtet worden, nachdem eine Petition von der Mehrheit des Collegiums ablehnend beschicken wurde.' Neuerdings ist das Gesuch nun wiederholt an die Stadtverordneten - Versammlung gelangt und wird dieses Mal einen besseren Erfolg haben, indem die juristische Commission sich jetzt für die gewerbliche Schiedsgerichte ausgesprochen hat. — Ein von der hiesigen Strafkammer jüngst zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurtheilter Verbrecher, ein gewisser Wenzel aus Zittau, der hier als Student dort als Jurist allerlei Betrügereien verübt hat, sollte vorgestern nach Naumburg zu einer weiteren Aburteilung verbracht werden. Bet dem Transporte gelang es dem Verbrecher, zu entspringen, ohne daß man desselben bis jetzt wieder habhaft werden konnte. Loeflüßds Algäuer tom-flifcb vollkr^men ohne Zucker condensirt, unverdünnt als frischer Rahm, mit Wasier als Alvenmilch tu gebrauchen. Für Kranke und Kinder. ärztlich empfohlen. Per Büchse 65 Pfg. Lüpfhinds Kindprmileh Alpenmilch mit Weizen-Extrakt con- MJUU11UUUB AlllurilUIlCIl densiri; für Säuglinge die gedeihlichste und zuverlässigste Nahrung, besonders bei gestörter Verdauung. Per Büchse Jt 1.20. In alle« Apotheken, en gros von Ed. Loeflund in Stuttgart. 279 Gingesandt. Gießen, 11. Februar. So dankbar alle Freunde der künftigen Entwicklung Gießens die von uns früher mitgetheilte Absicht unseres Stadtvorstandes, das Gelände des alten Hof- gerichtSgedäudes zur Verbindung des Ltndenplatzes mit dem Brand für Marktzwecke, eoent. für spätere Errichtung einer Markthalle, zu erwerben, begrüßt haben, so enttäuscht sind dieselben durch den Stand, in welchen diese Angelegenheit neuerdings getreten ist. Obgleich Seitens der Stadt die ihr gestellte Forderung von 30 000 JL bedingungslos angenommen worden ist, enthält doch der Entwurf des Staatsbudgets eine Vorsehung von 17 000 JL für Einrichtung des Hofgerichts zu Dienstwohnungen rc. (man spricht von Oberförsterei, Kreisbauamt, Dlstrictsetnnehmerei rc.). Wenn man bedenkt, daß der von der Stadt erstrebte öffentliche Zweck eben nur an dieser Stelle durch den Erwerb des Hofgerichts, die andererseits gewünschte Schaffung von Dienstwohnungen aber bei Verwendung des Kaufpreises für das Hof- gertcht und der obigen Vorsehung für die bauliche Einrichtung desselben an jeder anderen Stelle mindestens ebenso gut und zweckmäßig erreicht werden kann, so sollte man allerdings meinen, die Interessen derjenigen Beamten, welche Dienfträume W erhallen wünschen und diejenigen des Stadtvorstandes, welcher der Entwicklung des Marktes Rechnung tragen will, müßten sich vereinigen lassen, statt daß ein für beide Theile bedauerlicher Conssict derselben erzeugt würde. n Dmn mit den obigen 47 000 at läßt sich sicherlich ein praktisch -ingetheiltes Dienstgebaude in passender, freier Lage neu erbauen oder ein vorhandenes, entsprechendes Privatgebäude erwerben, statt daß das alte, nur in feinem Seitenbau massive, sonst aber ui anscheinend schlechtem Bauzustand befindliche Hofgericht dazu künstlich ein-, «obgleich die Stadt mit Grund gerade auf diesen Platz reflectirt. Schließlich wurde sich ja — wenn ein eigentlicher Verkauf des Letzteren nicht beliebt werden wollte — vielleicht auch die Stadt dazu verstehen können, ein entsprechendes neues Gebäude in passender Lage dem Staat in Tausch gegen das Hofgericht zur Verfügung zu stellen. 0 Dem Benehmen nach soll die Stadt sogar auf ihr entgegenkommendes Gebot noch ohne jede Antwort sein. Unter diesen Umständen sehen wir davon ab, mit 'ßox- stehendem unserem Stadtvorstand eine Anregung in der angedeuteten Richtung zum UM hp <1tu* Special-Arzt für Geschlechts- u. Krauen- ■Vffe W©ria [oate i:1 keinem Haushalt ichlen. Ihrer Billigkeit wegen ist sie auch bei den Wunden der Hausthiere zu empfehlen. . tr <“ ber Mistbeetfenster.j In der jetzigen Zeit, in der eine Repa- ratur der Fruhbeeffenster vorgenommen zu werden pflegt, sei daran erinnert, daß der Vernttung der Scheiben besondere Beachtung gewidmet werde. Wenn der Kitt nicht mehr festsitzt oder stellenweise ganz fehlt, dringt leicht Feuchtigkeit ein und jeder Gärtner la» welche Schäden durch Tropfenfall in den Kästen verursacht werden. Der lose und bruchig geworbene Kitt ist sorgfältig zu entfernen. Dann sind aber, und das wird vielfach unterlassen, die Rahmen vor dem Neuoerkitten erst mit Firniß zu bestreichem Es tst dies nothwendig, damit das Holz Fett aussauge. Geschieht das nicht, so wird unter Der Einwirkung der Sonne von dem Holze dem neu aufgetragenen Kitt das F tt endogen, so daß der Kitt trocken und brüchig wird und wieder in Kurzem abfällt. Nach Dem Streichen läßt man die Fenster ein bis zwei Tage trocknen und verkittet Dann neu. . ~ Die Knötchenschwindsucht der Hühner ist eine der Tuberkulose der Menschen und anderer Thiere entsprechende Infektionskrankheit, die als absolut unheilbar angesehen werden muß. Sowie sich daher Anzeichen der Knötchenschwindsuchi bei den Hühnern zeigen, sind diese am besten zu tobten. Jedenfalls muß für eine strenge Absonderung der erkrankten und verdächtigen Hühner gesorgt werden, weil die Krankheit C?Lan' e“enb itff* Tüe Entleerungen der kranken Hühner geben, wenn sie, wie es ja k bcn?"t dem Futter in Berührung kommen, Anlaß zur Ansteckung C'h i der Krankheit. ~ Als Anzeichen derselben sind folgende zu nennen: , enranfen blutarme Hühner, auf die daher auch ein besonderes Augenmerk ju richten ist. toonft macht sich die Knötchenschwindsucht durch Abmagerung bei nor- maler Freßlust und durch eine große auffällige Schwäche der Beine bemerkbar, die so sehr zunimmt daß die Hühner sich nicht mehr laufcnb, sondern rutschend fortbewegen. Das Fleisch der kranken Hühner ist sehr schlecht und es ist daher besser, es nicht zum ei.1) rrU Din.rocr ben' zumal doch eine Gefahr bei dem Genüsse desselben nicht ausgeschlossen ist. Schwarze Seidenstoffe v. Mk. 1.25 bis 18.65 p. Met. (ca. 150 versch. 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Länge, welche sich zu Leiterbäumen und Rüststangen eignen, 645 Fichten-ReiSstangen, zu jedem Gebrauch geeignet, versteigert werden. Der Anfang ist Morgens 9 Uhr in der Embach. Sodann kommen Donnerstag, den 16 d. M., zur Versteigerung in den Districten Ameisenkopf und Heeghecke: 184 Raummeter Buchen-Scheitholz, 72 „ „ Knüppelholz, 66 „ „ Stockholz, 1970 Buchen-Wellen, 32 Raummeter Kiefernscheit, 178 „ Kiefern-Knüppel, 72 „ Stockholz, 8140 Kiesernwellen, 4800 Erchen-Durchforstungswellen. Der Anfang ist Morgens 9 Uhr am Buseckerweg. Steinbach, 9. Februar 1888. Großh. Bürgermeisterei Steinbach. Krämer. 1106 Holzversteigerung im DppcnrödrrGrmkindkmald. Dienstag, d 14 Februard. I., Vormittags 9 Uhr, soll in dem District Eichbusch nachverzeichnetes Holz versteigert werden: 53 Eichen-Stämme mit 9,54 fm, 212 Fichten - Stämme von 12—34 cm Durchm., 10—18 m Länge mit 77,54 fm, 20 Eichen-Derbstangen m. 1,44 fm, 115 Fichten-Derbstangen m. 8 57 fm, 395 Fichten-ReiSstangen m. 8,87 fm. Mittwoch, d. 15. Fcbr d I., Vormittags 9 Uhr: 22 Raummeter Buchen-Scheit, 26 „ „ Knüppel, 75 n Radel-Knüppel, 1070 Buchen-Wellen, ' 3730 Radel'Wellen. Der Anfang ist zur bestimmten Stunde. Zusammenkunft jedesmal im Ort. Das Holz kann zu jeder Zeit abgefahren werden. Oppenrod, den 8. Februar 1888. Großh. Bürgermeisterei Oppenrod. __Petri.________1131 Bau-, Nutz- und Brennholz. Montag, den 20. ds. Mts., von 9 Uhr ab, wird im dies. Gem.-Hause a. d. Gem.-Walde Crofdorf-Gleiberg, Distr. Krocket, Heide, Eichwald und Steinbusch nachoerz. Holz versteigert: l. Eichen: a) Stämme, 6 Stück II. Kl. — 9,85 Fstm.;28Stck.IH.u.lv.Kl. = 24,33 Fstm.; b) Nutzholz: 4 rm. 11. Kl., 4 m. lang; o) Brennholz: Schtkpl. 23, Stöcke 23, Reiser 686 rm. II. Buchen-Brennholz: Schtkpl. 72, Reiser 378 rm III Nadel. Holz: a) Stämme, 241 Stück III. u.iv. Kl. — 52,62 Festm.; b) Stangen: 280 Stück I., II. u. III. Kl. = 8,8o Festm.; c) Nutzholz: 78 rm. II. Kl-, 4 m. lang; d) Brennholz: Echt 9, Kpl. 37, Stöcke 32, Reiser 387 rm. iv. Weichholz: 45 Stück Birken-Stangcn II. Kl. = 2,70 Festm. (f. Wagner), 7 rm Kpl., 85 rm Reiser. Crofdorf, den 10. Februar 1888. 1174 Das Bürgermeisteramt. Einen Lehrling Z sucht Wilh. Hosch, Mechanikus. Holzversteigerungen. In der Jürfllichen Obersörflerei Hohensolms soll nachverzeichnetes Holz an Ort und Stelle versteigert werden: I. Montag den 20. d. M. in den Distrikten Scheuernwald, Lappenberg und Psaffenstrauch: 251 Raummeter Buchen-Scheitholz I. Klasse, 93 „ Buchen- und Eichen-Prügelholz, 180 „ „ „ „ Stockholz, 5830 Wellen „ „ „ Reisholz. ii. Dienstag den 21. d. Mts in denselben Districten und dem District Eichelsberg: 167 Eichen-Stämme I., II. und III. Klasse mit 73,43 Festmeter, zu Schnitt-, Bau-, Wagner- und Grubenholz geeignet, 2 Buchen-Schnitt-Stämme mit 2,17 Festmeter, 18 Fichten- und Kiefern-Bau-Stämme mit 5,51 Festmeter, 193 Fichten-Leiterbäume. Die Zusammenkunft und der Anfang der Versteigerungen ist jedesmal Morgens 9y3 Uhr im District Scheuernwald am Teich. III. Montag den 27. d. Mts. in den Districten Buchenberg und Fuchslöcher: 2 Lärchen-Bau-Stämme mit 2,02 Festmeter, 91 Kiesern-Stämme mit 16,99 Festmeter, zu Bau- und Grubenholz geeignet, 66 Fichten- und Kiefern-Stangen mit 6,24 Festmeter, zu Sparren und Leiterbäumen geeignet, 12 Raummeter Fichten- und Kiefern-Prügelholz, , 41 „ „ „ „ Stockholz, 1450 Wellen „ „ „ Reisholz. Der Anfang der Versteigerung ist Morgens 10 Uhr im District Buchenberg zunächst Altenstävten und wird Mittags 1 Uhr im District Fuchslöcher fortgesetzt. Hohensolms, den 8. Februar 1888. Fürstliche Obersörsterei. _______Rie^sch._________________________1173 Hotzversteigerung in Gräflicher Obersörsterei Saubach. Montag den 20. Februar d. I kommen im Districte Hirsch- rotb bei Villingen zur Versteigerung: 530 rm Buchen-Scheiter, 157 rm -Prügel, 174 rm -Stöcke, 500 rm -Reiser, sowie Kohlreiser flächenweise im Hölzchen und in der Silbach. Das in Abteilung 2 sitzende Stock- und Reisholz wird bei der Versteigerung nur theilweise vorgezeigt werden. Zusammenkunft Vormittags 9 Vs Uhr im Wendergrunde zwischen Hirsch- roth und Steinknorr. Laubach, den 6. Februar 1888. 1163________________________Gräfliche Forstverwaltung. Landwirthsch.Jnventarverßeigerung. Donnerstag, den 16., und Freitag, den 17. Februar, Vormittags 10 Uhr anfangend, soll zu Bergermühle bei Lich das vorhandene lebende und todte Inventar abzugshalber meistbietend versteigert werden und zwar: 10 Stück gute Arbeitspferde, theils 4-, 5-, 6- und mehrjährig, 4 „ trächtige schwere junge Milchkühe, 1 Stamm Hühner und Tauben, 1 Dampfkessel zum Futterdämpsen, eiserne Reservoire, Maisch- und Wasserpumpe mit Stopfbüchsen, eisernes Kühlfaß und 4 Stück Maischbütten ä 800 Liter, Wägen mit vollst. Ausrüstung, Eggen, Pflüge, Walzen, Wiesenegge, Fahr- und Ackergeschirre, Bäckereigeräthschaften, Fässer (darunter 5 Stück gute Stückfässer), Waschbütten, 1 neue Kelter mit 2 Schrauben, und Zubehör, 1 leichter Mühlwagen, 1 Fcderwagen (Break), ein einsp. Chaisengeschirr, 10 vollst. Belten, Säcke, Schränke, Tische, Bänke, 2 Sopha's und alles mögliche Hausgeräthe, 1 amerik. Ofen (Lönhold's Patent). Sodann eine .Scheune von meist Eichenholz, die leicht zum Wohnhaus umzuändern ist, mit'Anbau, ein kleinerer Anbau, Gartenhaus, Hobelbank rc. 15—18 Meter Kiefernholz, 14 Fuß lang, zu Pfosten und Balken geeignet, e'nr Parthie Mist und Composthaufen. Anfang Donnerstag, den 16. d. M., mit Versteigerung der Pferde. Bergermühle (Post Lich), 8. Februar 1888. 1132______________________________________________Burg. Ausverkäufe Um rasch zu räumen, verkaufe sämmtliche Kurz-, Weiß- und Wollewaaren zu und unter Einkaufspreisen- Günstigste Gelegenheit für Wiederverkäufer, Schneider rc. 1177________Fr» Zülch Wwe,, Settersweg 14. Universal-Katarrh-u. Husten-Bonbons Paquet ä 15 Pfg. von E. O. Moser & C*®i in Stuttgart. Za haben bei Herren Chr. Krämer, Bahnhofrestaurateur, H. Kinkel, Fr. Leo, Carl Schwaab, Giessen.___431 Schlesischen u. Dänischen Saathafer, fotvie Erbsen u. 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