Nr. 212 Dienstag den 11. September 1888; Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. ivureaur Schulstraße 7. ____________________________________I_____________________ .1 Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf, Politische Rundschau Gießen, 10. September. Zu den in der Zeit vom 10. bis 13. September ftattftndenden Manövern M Nordsee-Geschwaders wird Kaiser Wilhelm erwartet. Die Zeit der Ankunft des Monarchen in Bremerhafen ist ab^r wohl deshalb noch nicht genau bestimmt, weil man nicht genau weiß, zu welcher Zeit die Kaiseryacht „H^henzollern", die den Kieler Hafen bereits verlassen hat, auf der Rhede von Bremerhafen eintreffen robb, denn wieder an Bord der „Hohenzollern" gedenkt der Kaiser den Flottenmanövern auf der Nordsee beizuwohnen. Man nimmt aber mit ziemlicher Sicherheit an, daß der Kaiser am Morgen des 11. September in Bremerhafen eintreffen wird. Die Flottenübungen finden auf der Seeftrecke zwischen Bremerhafen und Wilhelmshafen statt. Auf der Rhede von Bremerhafen sind bereits 21 deutsche Kriegsschiffe, 1 Panzerschiff, 4 Kreuzerfregatten, 2 Avisos und 14 Torpedoboote angekommen. In der Zett vom 11. bis 13. d. M. wird in Stettin der deutsche Juristen- lag abgehalten werden. Unstreitig gehört der deutsche Juristentag, beschickt von bedeutenden juristischen Autoritäten, praktischen Juristen und Rechtslehrern aus allen Theilen Deutschlands, zu jenen Versammlungen, welche wissenschaftliches Streben mit praktischen Tendenzen zu vereinigen gewußt und indirect durch ihre Beschlüsse auf die Einigung im Entwickelungsgange des öffentlichen Lebens in Deutschland eingeroirkt haben. Auch seitdem ein deutsches Parlament geschaffen, welches das Rechtsgebiet vollständig beherrscht und bedeutende theoretische und praktische Juristen in der Mitte zählt, ist die Bedeutung des deutschen Juristentages, seine Aufgabe, die Rechtswissenschaft zu fördern und auf das öffentliche Leben praktisch einzuwirken, noch immer eine hervorragende. Der Juristentag beschäftigt sich nicht allein mit Materien, die bereits abgeschlossen in Gesetzen vorliegen, sondern er läßt sich auch angelegen sein, neue gesetzgeberische Acte, welche vom fortschreitenden Bedürfniß verlangt werden, durch praktische Mitwirkung und theoretische Beleuchtung nach Möglichkeit zu fördern. In den höchsten militärischen und politischen Kreisen Oesterreichs zeigt man sich über das Ergebniß der Kaisermanöver in Böhmen außerordentlich befriedigt. Dieselben haben nicht nur einen hohen Stand der Leistungsfähigkeit der in Böhmen stehenden Truppen, sondern auch eine treue und aufopfernde Anhänglichkeit der Bevölkerung an das Kaiserhaus und die H^ereseinrichtungen bewiesen. Wie bereits bekannt wurde, hat auch der Kaiser Franz Josef in einem Erlaß an den Statthalter von Böhmen seinen kaiserlichen Dank für die erhebenden Kundgebungen und Opferwilligkeit der Bevölkerung während der zwei Monate kundgegeben. Zwischen Rußland und Egypten, dem nach vollständiger Unabhängigkeit strebenden größten türkischen Vasallenstaat, hat ein recht bemerkenswertherAustausch herzlicher Beziehungen stattgefunden. Wie man aus Moskau schreibt, sind die beiden Söhne des Vicekönigs von Egypten, Erbprinz Abbas Bey und sein Bruder Prinz Mehemed Ali, am 27. August, von St. Petersburg kommend, dortselbst eingetroffen und auf Befehl des Czaren sammt ihrem Gefolge im Kreml untergebracht worden. Die Prinzen werden sich von Moskau aus nach Nischnij-Nowgorod begeben. Vor ihrer Abreise von der russischen Hauptstadt sind die beiden Prinzen sowohl vom Czaren wie von der Czarin in Abschieds-Audienz empfangen worden. Kaiser Alexander verlieh dem Thronerben Egyptens das Großband des St. Stanislaus-Ordens, sein Bruder Mehemed Ali erhielt die zweite Klasse desselben Ordens. Auch des Gefolge der Prinzen wurde mit Ordens- Auszetchnungen bedacht. Man sollte meinen, der wackelige Zustand, in welchem sich die französische Republik befindet, werde die Republikaner zur Eintracht unter sich und zur Stütze der Regierung veranlassen. Wer aber das glaubt, irrt sich in dem politischen Verstände der Republikaner sehr. Seit einiger Zett mehren sich vielmehr in der Pariser Presse die Angriffe gegen das am Ruder befindliche Cabinet FloqUet. Den Einen geht Herr Floquet zu weit, den Anderen nicht weit genug. Es fehlt einstweilen nur an einem Vorwande, der die Bildung einer Parteikoalitjon zum Sturze des Cabinets ermöglichen könnte; die Unzufriedenen sehnen deshalb den Zusammentritt der Kammer herbei, der ihren Angriffen den parlamentarischen Spielraum schaffen soll. Es sind übrigens nicht blos innere Schwierigkeiten, auf die das Cabinet sich gefaßt machen muß, sondern auch der ewige Stein des Anstoßes und Aergernisses, Tonktng, kann Floquet zu Fall bringen. Das Budget für dieses Kolonialreich schließt mit dem Fehlbetrag von runden 30 Millionen. Die Ausrede, die größere Summe sei auf innere Kolonisation verwendet worden, dürfte schwerlich ausreichen, um die 30 Millionen nachbe- roilltgt zu erhalten. Den Berichten der „Lanterne" zufolge übersteigt die Mißwirth- schaft in Tonking alles Maaß, die dortigen französischen Beamten leben wie „Gott in Frankreich" herrlich und im Lande nimmt die Anarchie reißend zu. Da wäre also schon der schwache Punkt entdeckt, an welchem man einsetzen kann, um das Ministerium aus den Angeln zu heben, ein Ministerium, dessen größter Fehler in den Augen des hungrigen französischen Streberthums offenbar der ist, nun schon eine ganze Weile im Sattel zu sitzen und anderen Leuten über Gebühr den Weg zu einer guten Stelle zu versperren. Die Auflösung der rumänischen Kammern wird demnächst erfolgen. Am 13. d. M. tritt bereits in Sinaia unter dem Vorsitze des Königs ein Mtnisterrath behufs endgültiger Festsetzung des Tages der Auflösung innerhalb dieses Zeitraumes zusammen. Unmittelbar darauf erfolgt die Einberufung der Vertretungskörper zur Anhörung der die Auflösung aussprechenden königlichen Botschaft. Die Neuwahlen finden nach der „Corr, de V Eft" gegen den 1. November statt. Der Zusammentritt der neugewählten gesetzgebenden Körperschaften wird zum ordnungsmäßigen Termine, das ist am 27. November, erfolgen. Deutschland. Darmstadt, 8. September. Seine König!. Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst^ geruhtordentlichen Professor an der Universität Basel, vr. Otto Behaghel, zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Landes- untversität, mit Wirkung vom 1. October ds. Js. an, zu ernennen und in gedachter Eigenschaft zu berufen. Telegraphisch« pepeschen. Wolfs'» telegr. Eorresponbenr-Burear». Hirschberg i. Schl., 9. September. Das Wasser des Bober ist seit Mitternacht langtem tm Fallen. Der durch das Hochwasser angerichtete Schaden ist sehr bedeutend. Haag, 8. September. Die Generalstaaten sind zur Berathung des Gesetzentwurfs über die Vormundschaft für die Kronprinzessin auf den 11. d. Mts. einberufeu. Bei dem Bureau der Kammer soll die Hauptbestimmung des Gesetzes, die Vormundschaft der Königin zu übertragen, allgemeine Zustimmung finden. Die Regierung hat einige Abänderungen in Betreff der Details des Gesetzes gemacht. Washington, 8. September. Die Repräsentantenkammer nahm heute den Gesetzentwurf an, durch welchen dem Präsidenten der Union die verlangten Vollmachten zur Ergreifung von Repressalien gegen Kanada erthetlt werden. Nur vier Mitglieder des Hauses stimmten gegen die Annahme dieser Bill. Afrika. Zanzibar, 8. September. Am 5. September ging Sr. M. Schiff „Möwe" nach Tonga, wo durch die ostafrikanische Gesellschaft die Uebernahme der Verwaltung stattfinden sollte. Erkundigungshalber ging Nachmittags ein Boot an's Land, mußte aber umkehren,_ weil es von der einheimischen Bevölkerung ohne Grund beschossen wurde. Am nächsten Morgen wurden zwei Boote der „Möwe" in gleicher Weise angegriffen, worauf diese auf die Angreifer feuerte und dieselben durch ein kleines Detachement zerstreute. Der Sultan hat Truppen zur Züchtigung der Aufständischen abgesandt. Die Ruhe ist wieder hergestellt. Darmstadt, 9. September. Seine Königliche Hoheit der Großherzog sind am 7. d. M. von Balmoral abgereist und gestern Abend In Hamm zur Besichtigung der 14. Division eingetroffen. Darmstadt, 8. September. (Militärdienstnachricht.) Prinz Reinhard zu Solms- Hohensotms-Ltch, in der Armee, und zwar als Sec.-Lt. ä la suite des 2. Großherzogl. Hess. Drag.-Regmts. (Leib-Drag.-Regts.) Nr. 24, vorläufig ohne Patent, — angestellt. Berlin, 8. September. Se. Majestät der Kaiser nahm heute Vormittag Vortrüge entgegen und entsprach Nachmittags einer Einladung des Vice-Präsidenten des Reichstags, Benda (Rudow), zur Hühnerjagd. — Der Kaiser hat dem Commandeur des 5. Armeekorps, General v. Meer- scheidt-Hüllessem, das Großkreuz des Rothen Adlerordens mit Eichenlaub verliehen. — Das 3. Armeekorps ist heute in Beilin eingerückt. — In dem jetzt erschienenen Wahlaufruf der konservativen Partei, welcher von v. Rauchhaupt, v. Minnigerode, Grimm, v. Hammerstein, Korsch, Grafen Limburg- Stirum, v. Liebermann, Sack und o. Wedell-Malchow unterzeichnet ist, heißt es: Die Partei hält die Reform der bestehenden directen Steuern für ein dringendes Bedürfniß. Die Leistungen für die Volksschulen bedürfen einer weiteren gesetzlichen Regelung. Die Partei tritt im Interesse der religiös - sittlichen Jugenderziehung und gemäß der historischen Entwickelung für die confessionelle Volksschule ein, kann aber zu einer gesetzlichen Regelung des Verhältnisses der Kirche zur Schule, wie sie der Antrag der Centrumspartei fordere, die Hand nicht-bieten. Berlin, 8. Sept. Die „Post" schreibt heute wörtlich: Gegenüber den in letzter Zeit durch die Zeitungen gebrachten Nachrichten über eine bevorstehende Veröffentlichung testamentarischer Bestimmungen Sr. Majestät Kaiser Friedrichs sind wir in der Lage, solchen Nachrichten auf das bestimmteste zu widersprechen. Dieselben haben an maßgebender Stelle und insbesondere auch bei Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich umsomehr Befremden erregen müssen, als letztwilltge Bestimmungen des hochseltgen Kaisers überhaupt nicht bestehen. (F. I.) Berlin, 9. September. Die „Nordd. Allgem. Ztg." erklärt die Nachrichl der „Staatencorrespondenz", daß zur Arbeitsentlastung des Fürsten Bismarck eine anderweitige Besetzung des Handelsministeriums zu erwarten sein würde, als müßige Erfindung. Wir möchten bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam machen, daß für den Posten des Handelsministers zur Zeit im Etat nicht einmal ein Gehalt ausgesetzt ist. " (F. I.) Berlin, 9. September. Das „Armee-Verordnungsblatt" veröffentlicht folgende al/rhöchste Cabinetsordre betreffend die Herausgabe des Exercier-Reglements für die IKanterie: „In dankbarem Gedenken an Meines in Gott ruhenden Herrn VaterS Majestät übergebe Ich hiermit der Armee daS aus seiner Anregung hervorgegangene neue Exercter-Reglement für die Infanterie. Dasselbe soll neben voller Aufrechterhaltung der althergebrachten Zucht und Ordnung der Ausbildung für die Bedürfnisse deS Gefechts weiteren Raum schaffen. Der durch Vereinfachung mancher Formen erreichte Vortheil darf nicht dadurch verloren gehen, daß von irgend Jemand zur Erzielung gesteigerter äußerlicher Gleichmäßigkeit oder in anderer Absicht mündlich oder schriftlich Zusätze zu dem Reglement gemacht werden. Es soll vielmehr der für die Ausbildung und Anwendung absichtlich gelassene Spielraum nirgends eine grundsätzliche Beschränkung erfahren. Jeden Verstoß gegen diesen Meinen Willen werde Ich unnachsichtlich durch Verabschiedung ahnden. Im Uebrigen ist jede Zuwiderhandlung gegen die Festsetzung des 1. und 3. Theils mit Ernst zu rügen, mißverständliche Auffassung des 2. Theils dagegen in belehrender Form zu berichtigen. Berlin, den 1. September 1888. Wilhelm." (F. I.) Hirschberg i. Schl., 8. September. In Folge zwölfftündigen heftigen RegenS sind alle Gebtrgsflüsse wieder aus ihren Ufern getreten; aus Landeshut und Schreiberhau wird drohendes Hochwasser gemeldet. München, 8. September. Der heutigen Jubelmesse zu Ehren des Erzbischofs vr. v. Stetchele wohnten der päpstlichen Nuntius, die Bischöfe von Salzburg, Augsburg, Regensburg, die obersten Hofchargen, die Minister v. Feilitzsch, v. Leonrod, v. Heinleth, zahlreiche Beamte und Einwohner bei. Der kirchliche Festzug konnte Regens halber nicht stattfinden, dagegen wird morgen ein großer Festzug der katholischen Vereine abgehalten. Lokales. Gieße«, 10. September. Das gestrige Sommerfest de« hiesigen Rad- sahroereins, welches in Rücksicht aus die ungünstige Witterung mehrere Male verschoben werden mußte, hatte sich auch gestern nicht gerade des besten Wetters zu erfrct£n-„ konnte aber trotzdem ganz programmgemäß abgehalten worden. Rach der vom Wallthor ausgehenden Corsosahrt entwickelte sich in Slein's Garten ein fröhliches Treiben und nahmen namentlich die abgehaltenen Fahrten das Interesse der Festtheil- nehmer in Anspruch. Von den sportlichen Leistungen verdienen besonder- Erwähnung dieiemgen am sahrenden Reck, das Einradfahrcn und die Gießener Zukunstsbilder- in 4 Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr _ Luft 13, Wasser 11 Gr. Gießen, dm 10. September 1888. Rübs-men. . Vermischtes. _ Offenbach, 8 September. Einen Fund von geradezu enormer Bedeutung mackte Herr A. Neubecker auf seinem Grundstück an der Ludwigstraße, als er nach Wasser für den Betrieb seiner Eismaschine bohrte. Die dreijährige mühsame Arbeit wurde endlich mit einem überraschenden Erfolg gekrönt; denn aus einer Tiefe von nahezu 300 Mtr. entstieg dem Schooß der Erde eine klare und überaus reichliche r't ^Duelle. Nach angestellten Versuchen war man keinen Augenblick im Zweifel, daß es sich um eine werthvolle Natron-Ltthion Quelle handele urfi die Analyse des Geh-Hosraths Prof. Dr. Fresenius lautete dahin, daß die Quelle quantitativ und qualitativ den besten in Europa gleichzuachten sei. — Auch in Bezug auf ihre Heilkraft ergaben Proben sehr erfreuliche Resultate. Gleichfalls darf nicht unterschätzt werden, daß die Quelle in Folge ihrer Tiefe von den Einwirkungen der Niederschläge ganz unabhängig ist. Wir werden demnächst in einem längeren Artikel auf die Natur der ^"blle naher eingehen; doch so viel können wir schon jetzt sagen, daß die Entdeckung für Offenbach einen Wendepunkt bedeutet. (Offenb. Ztg.) . ., , △ Mainz, 9. September. Das blutige Vorkommniß in Ober-Olm hat bis letzt zu drei Verhaftungen geführt. Außer den bereits am Freitag verhafteten Per- ®*re,"cr™ifter imperial und ein Taglöhner von Ober-Olm, welche sich Redensarten verdächtig gemacht haben — wurde gestern Nachmittag auch der (söhn eines wohlhabenden Oekonomen festgenommen und heute Morgen in das !^Ä^"/^^"^^6efängniß abgeliefert. Derselbe soll mit dem Erschlagenen, wie verschiedene Personen dem Untersuchungsrichter anzeigten, am Tage vor dem Ver- nWirtschaft einen heft^en Wortwechsel gehabt haben, der aus einer politischen Unterhaltung entstanden. Wie man uns mittheilt, hat trotz dieser 93er: die Untersuchung noch nicht das geringste Material zu Tage gefördert, aus Sa ben weiteren Gang der Untersuchung schöpfen Ä. r 1 tetzt verhafteten Personen sind nur verdächtige Aeußerungen con- ?^^rt, es ftagt sich aber noch sehr, ob diese Aeußerungen wirklich den Sinn gehabt etntQe ^onen ihnen unterlegen, oder ob man es nicht vielmehr nur mit nichtigem Gerede zu thun hat, wie es leider allzu häufig bei außergewöhnlichen Vorkommnissen auf dem ß*nbe geführt wird. b ^cwvynucyen a ?om Rhein, 9. September. Seit dem Unfall in einer Mainzer Bade- Ed die Strompolizei auf dem Rhein viel schärfer gehandhabt wie früher Insbesondere wird strenger überwacht, ob die Dampfer nicht schneller als vorgeschrieben hMba°b b e die zulässige Länge und Breite nicht überschreiten. Während b e r8 nu- etne "ine Formalität betrachtet wurde und einfacher Besichtigungsstempel genügte, mutz jetzt der betreffende Beamte vor der Wegfahrt genau die Lange und Breite der Schiffe und Flöße aufnehmen. 9 0 DtC 9* S-ptember. Während sich noch mein letzter Bericht über unfern Silberdieb Bergmann, in welchem ich von neuem die Ansicht aussprach daß es unserer Polizei doch gelingen werde, den richtigen Namen dieses schweigsamen Verbrechers zu ermitteln, in Druck befand, war beim Polizeipräsidium hterselbst die Ä^Ä^biochricht eingetroffen, daß Werner-Bergmann auf das Bestimmteste recognoscirt sei als der am 2t>. September 1835 geborene Weber August Wilhelm Willer von 1 «nhCrtnarh Ä l9 wurde ermittelt, datz das im Jahre 1882 zu Trier verhaftete b brsuchungsgesängniß entsprungene Individuum mit Willer identisch M. Wie ^ ^hnen schon meldete, nannte der Verbrecher sich in Trier anfänglich Carl Schwarz, nachher Backer Gustav Birr aus Stojenthin im Kreise Stolp. Den letzteren r Vr lieber, als ihm bekannt war. daß Gustav Birr, mit welchem 8 ^?d £ einem Hause gewohnt hatte, seit dem deutsch-französischen Kriege ver- mißt wird. Er hatte also nicht zu befürchten, datz man den Bäcker Birr ausfindia machen werde. Man muß gestehen, daß Willer sehr geschickt operirt hat, die PoUzei I rlch"gen Spur abzulenken Jndeß haben alle seine Kniffe nichts genutzt; was durch briefliche Nachfragen bei noch so viel Polizeiämtern schwerlich jemals an's Lickt I sem würde, ist mit Hülfe der Photographien ermittelt worden Es erhellt Hieraus deutlich der große Nutzen des Verbrecheralbums und es erklärt sich durch ein * Aei den Wettfahrten siegte im Vereinsfahren Gießen über Wetzlar, im Sicherheits- Zweiradfahren Conr. Hamel und im Hauptfahren Wilh. Hamel von hier. Von Jugendfahrern trug den 1. Preis Hugo Schneider aus Offenbach, von seinen ebenso jugendlichen Mitbewerbern (Paul Nassauer und Emil Möhl) hart bedrängt, davon. Nach der Preis- verthellung hielt noch ein Tanzvergnügen im Saale die Festtheilnehmer einige Stunden vetfammen. ,, Gießen, 10. September. sZur Hühnerjagd.) Mit Hinsicht darauf, daß es Wr die oiesjährige Saison mit der Hühnerjagd nicht glänzend bestellt sein dürfte, schreibt ein Waidmann: „Die Hühnerjagd sollte diesmal, wenn waidgerecht gejagt werden sollte, nicht vor dem 10. September eröffnet werden, denn alle Völker welche man lm Felde antrifft, sind so verschieden entwickelt, daß man wohl annehmen kann Ä K°?er ^eil der jungen Hühner sei erst Anfang oder Mitte Mat ausgekommen! tLs ist daher zum Mindesten rathsam, dieses oder jenes Volk noch unbeschossen zu lassen, vor allen Dingen aber einzelne losgemackte Hühner ober Paare zu schonen um den etwa noch Schutz bedürftigen jungen Rebhühnern die Eltern nicht wegzunehmen wie es überhaupt immer grundfalsch ist, den allen Hahn oder das Mutterhuhn aus dem Bolke zu schießen, da besonders ersterer durch feine ungeheure Fürsorge und -tvachsamkeit das ganze Volk vor den vielen Feinden, besonders aber vor dem Raubzuge, zu schützen vermag. Darum — schont den alten Hahn im Volke! Gießen, 10. September. In den im Kreis Gießen gelegenen Natural- oerpflegungtzstationen wurden in der Zeit vom 20. November 1887 (Tag der Errichtung derselben) bis 1. Mai 1888 insgesammt 1931 Durchreisende ausgenommen, "W- nach einer entsprechenden Arbeitsleistung mit Frühstück, Mittag- oder Abendessen versehen. Hiervon kommen auf die Verpflegungsstation Gießen allein 1286 Durch- reisende, wogegen die Zahl der die Verpflegungsstation Grünberg in Anspruch nepmenben 388, diejenige der Station Hungen 257 beträgt. Außerhalb des Kreises * noch Naturalverpflegungsstationen in den Kreisen Büdingen (Alten- Fs?cdberg (Friedberg, Butzbach, Großkarben) und Schotten (Schotten, ©ebern, Laubach und Ulrichstein). Sämmtliche hier verzeichneten Naturalverpflegungsstationen in der Provinz Oberhessen werden von den betreffenden Kreis- raffen unterhalten, nur in Gießen hat der Armenverein Antheil an dem Aufbringen ber Kosten für bie Verpflegungsstation. 0 UniverfitätS-ChronLk. , . —Dem „Franks. Jour." wird ans Gießen berichtet: Die Landes-Universität r sinter drei Lehrstühle neu zu besetzen, deren seitherige Inhaber an bayerische Hochschulen gehen. Der Physiker Prof. R ö n t g en und der Frauenkliniker Prof. H of m e ier Gießen mit Würzburg, und nunmehr hat auch der Pandektist Prof. Helwig Nack anfänglicher Ablehnung für Erlangen angenommen. Dagegen ist die eine Seit lang Vermukhung, Prof. Riegel, der Director ber medicinischen Klinik, werde gleichfalls Gießen verlassen (um nach Bonn zu gehen), jetzt dadurch hinfällig geworden, daß MEnistkr v. Goßler zu allgemeiner Ueberraschung keinen der drei von der Bonner Fakultät Vorgeschlagenen (Liebermeister-Tübingen, Riegel-Gießen, Quinke-Kiel) ge- nehmlgt, sondern aus eigener Entschließung den Dorpater Schultz nach Bonn berufen hat. — Den neu geschaffenen Lehrstuhl für Hygiene an der Landesuniversität wird Regierungsrath vr. Gaffky, zur Zeit im Reichsgesundheitsamt, einnehmen. Als hygienisches Institut wird ein Theil des jetzigen chemischen Laboratoriums eingerichtet desselben, in dem einst der große Liebig gelehrt, das einst als Muster galt, heute aber fo wenig den Anforderungen genügt, daß in der Ludwigstraße ein prächtiger Neubau A ^et werden mußte der im Laufe des Herbstes (etwa im November) bezogen werden soll. Dr. Gaffky hat 1884 den „Baclllen-Koch" auf dessen Reise an die Herde ber Eholera nach Aegypten und Indien begleitet. „„ — Die Doctoren der Philosophie Donle aus Ansbach und Solereder aus München wurden als Privatdocenten in die philos. Fakultät der Universität München » , ~PT‘ PhiJ* Pokorny aus Neukirchen ist als Privatdocent in die philosophische Fakultät der Universität Erlangen ausgenommen. ,, hervorragende Lehrer der Universität Leipzig begingen in diesen Tagen am 10^^0M ^^^oriubiläum: Geh.Ktrchenrath Baur am 8. d. und Geh.-R. Roscher ir • Mts. feierte der Großh. Bad. Geh.-Rath und Professor an der Uniperftfat Heidelberg Dr^ Hermann Kopp sein 50jähriges Docforjubiläum. Repertoir der vereinigten Stadttheater zu Frankfurt a. M Opernhaus. Dienstag den 11. September: Don Juan. Große Preise. ©roße greife 2’ @eptembct: Meistersinger. Außer Abonnement. Donnerstag den 13. September: Afrikanerin. Große Preise «che LLLM a@Kt$ercin3 für 5ff'"u S°nntag dm 16. S-Äemb«-' ®rou36“bo"J1 ^oßÄ^''’ Außer Ab7nn?m°n?. Gro^e'S/ *“fe Um ble Tagen. Schauspielha«-. «nm ta2 $en Jl’ September: Kaufmann von Venedig. Große Vreife Mittwoch den 12. September: Mutter und Sohn. Große Preise Donnerstag den 13. September geschlossen. “ Freitag den 14. September: Maria Stuart. Große Preise Samstag den 15. September: Tilli. Große Preise Sonntag den 16. September: Alt-Frankfurt. Große Preise Montag den 17. September: Der luftige Krieg. Große Preise Dienstag den 18. September: Zum ersten Male: Antoinette ' Schausviek Akten von Hans Norweg und Curt Kraatz. Große Preise * d?au'ptcI Ä Ss, da7ZuÄL?n7che!nma?Len^^ fpäter machte er wieder mit der Polizei Bekanntsckast (fa fApiJt hn&'pr 88NMRS8 sein. Auch diese Zuchthausstrafe hat er verbüßt r V?en beworben Versuch gelang ihm: auf dem Transport wä bn £5 ÄenTu stin, w.mi®^tTuffer9^^ «be/doch ber Bonner Polizei gegenüber Kellner Carl Werner aus Damta nannte 2 W-rner td-ntlfch zu sein. Von 1880-1882 blieb er unsichlbar 1889 1 föwerc ÄÄ wurbT » Ä W »®Sefär104a^e mÄ 7-ttN°nÄn °°uch"d«"in PrS Ä angesichts des Vorlebens des Willer ruhig mit 20 Iah?-» ?fen, die man SB® beschließen können, wenn er etwas vorsichtiger gewesen wäre SuitA ff» es eit 1884 verstonden, hier in Frankfurt alle P?r?onen b e i m l C§ S’ÄÄäWÄsfc?? fä p'Ä’sä ff äftÄs dem Beweismaterial, das heute vorliegt, nicht bleiben fonbem ieht man den richtigen Namen endlich kennt, noch manches Interessante ermittelt Daß Bergmann-Willer unser bebeutenbrter Silberbleb tft ' tftfo“Ä m7e,Cnr'^ «nn S'lberbiebstäble batlren seit 1884, also 'seit jener Ät da Mer sich hier n eberli-ß und st- hörten mit seiner Verhaftung auf. Unsere Polizei P^enstau 20 Jahre und hier 15 Jahre), müßte bas respektable Alter von 98 asraagA», L«""' *■« «-Ä Handel und Verkehr. MrhcMe Eisenbahnen. Am 1. October dieses Jahres findet die Eröffnung des Betriebes auf der Neben- bahn Stockheim-Gedern statt und zwar nach Maßgabe des in den Plakaten für die mit dem pleichen Tag beginnende Win- terperiode veröffentlichten Fahrplans- Die Beförderung von Personen, Gütern und lebenden Tbieren erfolgt auf Grund des Betriebsreglements für die Eisenbahnen Deutschlands nebst Zusatzbestimmungen, sowie des Nachtrags IV zum Lokultarff für den Personenverkehr, bezw. des Nachtrags I zum Lokaltarif für den Güterverkehr und für die Beförderung von lebenden Thieren und Fahrzeugen auf den Oberheffischen Eisenbahnen. Die Beförderung von Equipagen und anderen Fahrzeugen ist auf die Haltestellen Ortenberg und Gedern beschränkt. Gießen, den 9. September 1888. 7225 Großherzogliche Direction- —Disnstag den 11., und Mittwoch d. 12. Septbr., von Nachmittags 2 Uhr an, Fortsetzung der Versteigerung von Mobilien der Rett er »scheu Erben, Selterswcg 1. Der Anfang wird mit Maaren gemacht- Dabei sind: seidene Foulards, zwei Tüllshawls, Sammte, Spitzen, Cachemirs, farbige Satins, Mulle, Batist u- s. w.; ferner: Betten, dreitheilige Roßhaarmatratze, Kommoden, Stühle, Tische, Küchenfchrank, Weißzeug, Porzellan, Küchengeräthe rc. rc. Im Auftrag: Louis Rothenberger, 7110 Taxator- Aeitgeöotenes. Zwei große noch sehr gute Regen- fäffer billig abzugeben. 7197 Hotel Rappen. Neue Linsen § °/o Franks. Landwsch. Creditbk.- Oblig. 103.70 4% Hamb. Hypothbk.-Psandbr. 103.00 3,/2% do. 99.00 5% Buderus Oblig. 104 90 3V,o/o SolmS-Braunf. Oblig. 96.40 4% Gießener Obltg. 104 00 4% Oefterr. Goldrente 9300 41/so/o Oefterr. Silberrente 69.10 5% Portugiesen Oblig. 100 50 Darmst. Bank-Actten 166.90 Geldsorten. 20 FrancS-Stücke 16.16—16.19 do. in Vi 16.12-16.16 Engl. Souvereigns 20.35—20.40 Dollars in Gold 4.16—4.20 Tel«araphischer Loursbericht der Berliner Börse vom 10. September 1888. Oefterr. Creditactten Oefterr. Staatsbahw-Actien 1880 40/0 Russen Oblig. 4°/o untf. Egypter Obltg. 165.90 108 00 84 25 86.00 Disconto-Com.-Anthetle Lombarden 4% Ungar. Goldrente 5% Gemischte Rusten 230.25 46.80 84.50 98 00 Tendenz: steigend. 7204 Ein möbl. Stübchen zu vermiethen. ___Flügels gaste 9. 7210 Ein freundl. möblirtes Zimmer vermiethet Robert Stuhl, Neustadt 23. 6901] Schöner Laden, mit oder ohne Logis, zu vermiethen bei Fr. Leo, Seltersweg 71. Vermischte Anzeigen. 7202 Ein Lehrling mit guter Schulbildung wird gesucht von K. Köhler in Llch, Colonial- und Eisenwaaren-Handlung. 7206 In Annerod ist gestern cin gold. Medaillon verloren gegangen- Der redliche Finder wird gebeten, dasselbe gegen Belohnung Katharinengasse 7 abzugeben. Wer verkauft größere gebrauchte Kisten? 7216 -Off. an die Exp. d. Bl. erb. 7217 Ein g'töner Papagei entflogen. Dem Wiederbringer eine Belohnung. Abzugeben Schillerstraße 19. Mensverficherung. 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