EiPes Blatt. Nr. 61 Sonntag den 11. März 1888 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Friedrich Friedrich. es [1* 11' ■ { 1 u »5 ii S- s« L- n- m, |ü Ht tei ilb 14 DH Kl Vnreaur Schulstraße 7. -j -'-!■ -~twiw^mimtMu »-rf’^siTi tretung, wenigsten- für gewisse Regierung-acte, seine- Vater- übernimmt, wohl dtscutabel erscheinen, doch wird eben in dieser Beziehung der Lauf der Dinge abzuwarten sein. Am Sterbelager de- Kaiser- waren sämmtliche in Berlin an wesende Angehörige der Königlichen Familie versammelt. Der Körper bet Kaiser Wilhelm ruht, mit weißer Decke bedeckt, im Schlafzimmer aus feinem Bett, von Lichtern umgeben. Der Gesichtsauödruck ist überaus friedlich und milde. Vor dem kaiserlichen Palais standen am Freitag über Tausende dicht gedrängt in lautloser Trauer. Die höchsten Herrschaften verließen Vormittags nach zehn Uhr das Palais. Am Abend des Freitag fand im Sterbezimmer Golteedienst durch den Domchor statt. Aus Wien wird gemeldet, daß die letzten Nachrichten über das Be stnden Kaiser Wilhelm's vom Donnerstag einen unnennbar schmerzlichen Eindruck machten. Die Stimmung war eine geradezu fieberhaft erregte und sah man mir allftundlich sich steigernder Spannung weiteren Meldungen entgegen. Nichts vermochte sonst die öffentliche Ausmerksamkett zu fesseln u muß man jetzt vom Kaiser Friedrich sprechen, aber noch ist der Wechsel ter Situ^tijfi ein so jäher, erschütternder, baß man fich nur schwer in die neue 2:ge fiiidertrann unb unwillkürlich spricht man da noch immer vom Kronprinzen. Unb wenn man nun ferner erwägt, baß der neue Kaiser selber noch zwischen Tod und Leben steht, trotz ber verhällnißmäßig so günstigen Meldungen, welche noch in den letzten Tagen aus San Remo einliefen und baß er, ber Tieskranke, nunmehr so plötzlich zur Regierung berufen worden ist, so stellt dies einen Fall i i ber Weltgeschichte bar, wie er so tragisch wohl noch nie zu verzeichnen ge* Schn ist! D'e letzten Regierungshandlungen Kaiser Wilhelms waren fiie Einsetzung bes Prinzen Wilhelm zu feinem Stellvertreter und die Unter* zcichnm.g der zum Schluffe der Reichstagssesfion ermächtigenden Ordre. Wie es nun in Anbetracht der eingetretenen traurigen Sachlage mit den noch restiren- den Arbeiten des Reichstages werden wird, steht einstweilen dahin, wahrscheinlich ist jedoch, daß er seine Geschäfte unter Verzicht aus alle Formalitäten schleunigst obwickelt und bann vielleicht zur Proclamirung bes neuen Kaisers versammelt bleibt, denn den Reichstag bei dieser Lage der Dinge auseinander gehen zu lassen, erscheint doch wohl ausgeschloffeti. Was die Stellvertretung des Prinzen Wikbelm anbelangt, die auf ber kafferlichen Lerorbnung vom 17. November 1887 brühte, so ist bteselbe natürlich unter ben obwaltenben Verhältnissen hinfällig geworben, aber in Anbetracht ber Krankheit bes bisherigen Thronfolgers durfte *üe Frage, ob Prinz oder vielmehr nun Kronprinz Wilhelm nicht die Stelloer- Reichstags. Auf seinen Vorschlag wird der Reichstag nicht, wie Bismarck wollte, auf Grund einer Ordre des verstorbenen Kaisers geschlossen, sondern nur vertagt werden. eine kleine Erholung einzutreten. Einzelne verließen das Palais, kehrten aber später zurück. Etwas nach halb 9 Uhr erfolgte der Tod, dessen Eintritt auf Berlin, 9. März. Die letzten Stunden des Kaisers waren ruhig und schmerzlos. Zwischen 2 und 3 Uhr hat er dem Leibarzt Tieman noch Verschiedenes diktirt. Von 6 Uhr an trat Bewußtlosigkeit ein. In dieser entschlief er sanft. Die Leiche sitzt aufgerichtet im Bett und gewährt mit den ruhigen, schmerzfreien Zügen den Anblick eines Schlafenden. Anton v. Werner zeichnet sie. Der Kronprinz wird bestimmt Sonntag hier erwartet. Die Mitglieder des Abgeordnetenhauses und des Reichstages versammeln sich in tiefernster Stimmung. In beiden Häusern wird Fürst Bismarck erwartet. Berlin, 9. März. Am Sterbelager des Kaisers waren sämmtliche hier anwesende Angehörige der königlichen Familie versammelt. Der Körper des Kaisers Wilhelm ruht jetzt, mit weißer Decke verhüllt, im Schlafzimmer auf seinem Bett von Lichtetn umgeben. Der Gesichtsausdruck ist überaus friedlich-milde. Vor dem Palais verharrt eine dichtgedrängte Menschenmenge in lautloser Trauer. Die höchsten Herrschaften haben nach 10 Uhr das Palais verlassen. Heute Abend findet im Sterbezimmer ein Gottesdienst mit dem Domchor statt. Berlin, 9. März. Der „Staatsanzeiger" bringt folgende Bekanntmachung: „ES hat Gott gefallen, Se. Majestät den Kaiser und König, unseren Allergnädigsten Herrn, nach kurzem Krankenlager heut 8V2 Uhr Morgens int achtundzwanzigsten Jahre seiner reichgesegneten Regierung aus dieser Zeitlichkeit abzurufen. Mit dem königlichen Hause betrauert unser gesammtes Volk den Hintritt des allgeliebten, ehrwürdigen Herrschers, dessen Weisheit so lange über seinen Geschicken in Krieg und Frieden ruhmreich gewaltet hat. i Berlin, 9. März. Der „Kreuz-Zeitung" zufolge hätte der verstorbene Kaiser Wilhelm seine Beisetzung im Mausoleum von Charlottenburg angeordnet. Nach anderweiten Mttheilungen fehlen darüber noch Bestimmungen. Berlin, 9. März. Im Reichstage machte der Reichskanzler, im Abgeordnetenhause der Minister v. Puttkamer die Mittheilung vom Tode Seiner Majestät des Kaisers und Königs. Der Nachfolger des höchstseligen Kaisers nimmt den Namen Friedrich III. an. Berlin, 9. März. Der heutige Trauergottesdienst im Sterbezimmer findet nur für die engere königliche Familie ohne Domchor statt. Morgen wird dagegen um ll1/? Uhr ein Trauergottesdienst für die Familienmitglieder mit Gefolge, wobei der Domchor mitwirken wird, abgehalten werden. Nähere Bestimmung,m über die Trauerfeierlichkeiten sind noch nicht getroffen worden. Dieselben werden erst nach der Eröffnung des Testamentes getroffen werden. Berlin, 9. März. Die außerordentliche Stadtverordnetensitzung fand I ^eute Nachmittag 5 Uhr statt. Die Mitglieder, ausgenommen die Vertreter I der Arbeiterpartei, erschienen in Amtstracht ohne Kette. Nachdem der Vor- steher v. Forckenbeck in bewegten Worten des hochseligen Kaisers gedacht und für den Kaiser Friedrich den Segen des Himmels zur Wiederherstellung seiner Gesundheit erbeten, wurde beschlossen, gemeinschaftlich mit dem Magistrat an die Kaiserm-Wtttwe eine Beileidsadresse zu richten, ebenso eine solche an Kaiser Friedrich entweder zu erlassen oder eventuell durch eine Deputation zu überreichen. Berlin, 9. März. Das Aussehen der Stadt ist jetzt wenig verändert. Ein starker Regen fällt. Nur in der Umgebung des Palais, das abgesperrt ist, sammeln sich große Menschenmassen an, die eine ruhige, musterhafte Ord- nung beobachten. Die Börse und die Schulen sind geschlossen, aber noch keine Geschäftsläden. Immer mehr Flaggen auf Halbmast, zum Theil auch schwarze Trauerflaggen, erscheinen. Berlin, 9. März. Heute ist die Berliner Börse geschloffen. Berlin, 9. März. Die Schulen wurden nach dem Bekanntwerden der Todesnachricht mit einer Trauerfeier geschlossen. Die Professoren der I Universität setzten die Vorlesungen aus, auch die Theater sind sämmtlich geschlossen. Der Magistrat berieth über die an die Kaiserin-Wittwe und den Friedrich zu richtenden Adressen und beschloß, daß die Magistratsmitglieder sechs Wochen Trauerflor tragen sollen. Um zwölf Uhr erscholl von sämmt- lichen Kirchen ein einstündiges Trauergeläute. Mit der Abnahme der Todten- maske ist der Professor Begas betraut. Q Dresden, 9 März Auf Befehl des Königs sind alle öffentlichen Lustbarkeiten wegen des Ablebens des Kaisers Wilhelm bis zur Beisetzuna unterlagt Es wird em einstündiges tägliches Trauerläuten auf vorläufig I unbestimmte Zett und die Ankündigung des Trauerfalls von den Kanzeln | herab angeordnet. I Kn München, 9. März. Kaiser Friedrich trifft morgen Abend 10 Uhr I 00 von San Nemo mittelst Extrazug in Ala ein. Er reist sofort I weiter und durchfährt München am Sonntag früh 8 Uhr. I fi Stuttgart, 9. März. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht die köniq- I Verordnung, betreffend die Landestrauer. Es werden alle öffentlichen - «netten bis zum Beisetzungstage des hochseligen Kaisers untersagt und das Glockenlauten in sämmtlichen Kirchen des Landes angeordnet. Das schwarz umränderte officielle Blatt widmet dem Kaiser und König einen Nach- m welchem die Herrschertugenden des Feldherrn, sowie des Friedens- fursten gepriesen und die Verdienste um das Vaterland hervorgehoben werden. Der Schluß lautet: „Die Saat, die der hochselige Kaiser und König ausgestreut hat, wird keimen und wachsen, das Gestirn Deutschlands, welches mit ? Kaiser Wilhelm I. aufgestiegen ist, wird nicht erbleichen. Der unermeß- liche Verlust muß das Band zwischen dem Kaiserhause und dem deutschen fester knüpfen. Die gemeinsame Trauer einigt die Herzen und richtet den Buck auf das Vaterland, von dem wir hoffen, daß es unversehrt aus dieser schweren Prüfung hervorgehen wird." Straßburg i. E.. 9. März. In der heutigen Vormittagssitzung des Landesausschusses verlas der Präsident Schlumberger die Mittheiluna des i Statthalters über das Ableben Sr. Majestät des Kaisers. Der Landes- ausschuß ermächtigte das Präsidium einstimmig, die geeigneten Schritte zu thun, um der tiefen Theilnahme der Landesvertretung an dem schmerzlichen Ereignisse Ausdruck zu geben. Die Sitzung wurde alsdann aufgehoben. .. Wien, 9. März. Alle Zeitungen bekunden anläßlich des Dabin- scheidens des Kaisers Wilhelm die tiefste Theilnahme. Das „Fremdenblatt" hebt hervor, daß das innige bundesfreundliche Verhältniß zwischen Deutschland und Oesterreich durch den Thronwechsel unberührt bleibe. Das Reichs- cepter bleibe in der Hand eines Friedensfürsten, der die geschaffenen Grundlagen festhalte. ... Paris, 9. März. Präsident Carnot sandte nach Empfang der Nach- richt vom Tode des Kaisers Wilhelm ein Beileids-Telegramm nach San Remo cm. n o-x ^r.i^nch' und beauftragte den Chef seines militärischen Hauses, Oberst Lichtenstein, dem deutschen Botschafter Grafen Münster seine innigste theilnahme auszudrücken. Dem Botschafter Herbette in Berlin wurde gleichzeitig em Beileids-Telegramm zu Händen des deutschen auswärtigen Amts übermittelt. Der Ministerpräsident und sämmtliche Minister schrieben sich beim Botschafter Grafen Münster ein. London, 9. März. Die „Pall Mall Gazette" zollt der Charakter- große des Kaisers Wilhelm tiefe Huldigung. Sie sagt, er war von fleckenloser Chrenhaftigkeit, ein Muster und Vorbild aller modernen Monarchen und er^hinterlaste Deutschland in nie geahnter Größe. Der „Globe" und die „^amt James Gazette" drücken ihre aufrichtigste Theilnahme an dem Schmerz der deutschen Ration aus und huldigen dem Heimgegangenen großen Monarchen. _ 91 März. Heute um Mitternacht reist König Humbert in bglettung nach Genua, um den neuen Kaiser Friedrich bei seiner Durchreise nach Berlin zu begrüßen. Der König wird nach dreistündigem Aufenthalte rn Genua nach Rom zurückkchren. König Humbert condolirte heute sosort dem neuen Kaiser und begrüßte in ihm den Nachfolger des väterlichen Ruhmes. Das Telegramm des Königs kreuzte sich mit einer De> pejche des Kaisers Friedrich, welche besagte, daß ihn im Schmerze des Augenblicks die Freundschaft des Königs und Italiens tröste. Die hiesige Köniqs- familie sandte auch an die kaiserliche Familie nach Berlin ein Beileidstelegramm. Der Bürgermeister von Rom condolirte dem Oberbürgermeister m REM0, .9- März. Kaiser Friedrich hat gut geschlafen. Sein Befinden ist recht befriedigend. 1 Remo, 9. Marz. Die Nachricht von dem Ableben des Kaisers Wilhelm traf hier gegen 1 Uhr ein und rief große Aufregung hervor. Auf tC^en Gruppen und besprechen sich. Der Kronprinz empfing die Meldung bereits am Vormittag, während er im Garten promenirte, ein Diener überreichte ihm die betreffende Depesche auf einem Teller. Der Kronprinz war sehr erregt, obgleich er durch ein vorhergegangenes Telegramm der Katterm aus den Tod des Kaisers vorbereitet worden war. Die Kronprin- ihr^Kn f ^a^en ®aS GoniuIat und die Vizeconsulate haben H°'kmast gezogen. Im deutschen Vizeconsulat wurde die Nachricht vom Tode des Kaisers öffentlich angeschlagen. Die Flagge ist mit ^rauerflor umhüllt. Die Abreise soll am Samstag Vormittag 9 Uhr er- soigeN. rx x , San R-m-, 9 März. Der Magistrat von San Remo ließ heute Nachmittag große Plakate mit Trauerrand folgenden Inhalts in deutscher a"f$Ia9en- "MUbürger! Die traurige Nachricht von dem Tode des deutichen Kaisers hat auf s tiefste alle Städte Italiens berührt und vor "" '-irr“ * bas Schmerzlichste betroffen, welche auf das Leb- Hafteste erfüllt ist von der tiefsten Hochachtung und Zuneigung für den Erst- verstorbenen und seine Familie. Unser erhabener Ga t, Se* ,n l«n Vaterland um die höchsten Pflichten zu übernehmen, ver aßt am morgenden Tage unsere Stadt, die er in der Zeit seines Aufent- hal s b,S zum letzten Moment mit dem höchsten Wohlwollen beglückt hat. Mitbürger! Wenn nur uns trennen von diesem glorreichen Fürsten, so zeigen wir, daß wir alle, ohne Unterschied des Standes, einen lebhaften Antheil nehmen an semer Trauer und, obschon wir seine Abreise bedauern, so be> gleiten wir ihn doch mit heißen Wünschen im Namen der ganzen Stadt. Im Namen der Municipalität der Stadt San Remo: AcauaSciati." (F Q \ San Remo, 9. März. Das Befinden des Kaisers Friedrich ist 8 Uhr 32 Minuten konstatirt wurde/ Soeben tagt der Seniorenkonvent des I 9>//uhr früh^festg"-!^".^ Kräuselst ^Än"äbgMist7°^'" SRpirfiätnnä. 9Iiff fpinpn 9^nrfrhfnn mirh hör ritrht mi» I 'S'aU «HlUtO 9 Kaiser F fr d) ß seIner°FamU?e"ein^°" Cperation bas Diner gemeinsani^mit diese beiden mächtigen Pfei'er des europäischen Friedens dahinraffen sollte, sei dieser dennoch nicht gefährdet, weil der Nachfolger auf dem deutschen Kaiseclhrone die Traditionen seines Großvaters und Vater» nicht unmittelbar verletzen könne und weil Fürst Birmarck, der Krone erster Beirath, unzweifelhaft den Frieden wolle. — Man wird gestehen müssen, daß eine solche Sprache aus französischem Munde gegenüber dem nationalen Unglück, welches Deutsch- land betroffen, eine durchaus würdige und angemessene ist. Im Uebrigen müssen diesmal die sonstigen politischen Nachrichten gegen- über den folgenschweren Meldungen aus der deutschen Reichshauptstadt durchaus zurücktreten und werden dieselben jedenfalls noch füc längere Zeit dar Interesse und die Theilnahme Europas wie der ganzen übrigen Welt in An- sprach nehmen. Berlin, 9. März. Von einem Augenzeugen der letzten Stunden des Kaisers erfahre ich, daß gegen 8 Uhr die gefammte Familie, die anwesenden Generäle, Minister und Hofschargen in das Sterbezimmer gelassen wurden, es dicht gedrängt füllend. Der Kaiser befand sich bewußtlos in halbsitzender Stellung im Bett, Prinz Wilhelm und die Aerzte um ihn beschäftigt, auf das letzte Zeichen des Lebens lauschend. Der Tod erfolgte schmerzlos und unmerklich. Berlin, 9. März. Der Tod des Kaisers erfolgte, nachdem der Kaiser in der Nacht wiederholt klare Momente gehabt hatte, um halb 9 Uhr ruhig und schmerzlos. Die Nachricht ist in der Stadt bereits verbreitet, die Flaggen von allen öffentlichen Gebäuden wehen aus Halbmast. Tiefe Niedergeschlagenheit macht sich im öffentlichen Verkehr bemerkbar. Berlin, 9. März. Der Kaiser war bis 3 Uhr Morgens bei guter Besinnung; er sprach und diktirte auch. Einiges. Dann trat wieder ein Ohn- machtsansall ein. Bismarck, die Minister und Generäle wurden benachrichtigt, I sie erschienen mit der ganzen kaiserlichen Familie. Gegen .6 Uhr schien wieder von Berlin und stattete im hiesigen deutschen Botschafterpalais seinen Beileidsbesuch ab. (F. 3.) Kopenhagen, 9. März. Die Präsidenten des Folkethings und des Landesthings gedachten in den heutigen Sitzungen des dahingeschiedenen Kaisers Wilhelm mit lebhafter Anerkennung, hoffend, daß das wachsende Ein- verständniß zwischen Kaiser und Volk Deutschlands Wunden aus früheren Zeiten heilen möge. Beide Häuser stimmten den Worten ihrer Präsidenten zu. London, 9. Mürz. Der hiesige Hof legt anläßlich des Todes des Kaisers Wilhelm eine einmonatliche Trauer an. Der Prinz von Wales machte kur; nach 10 Uhr der Königin einen Besuch. Sonntag findet in der deutschen Kapelle nahe dem St. James - Palast ein besonderer Trauergottesdienst statt. Bukarest, 9. März. Die Kammer ersucht die Negierung, anläßlich des Ablebens des Kaisers Wilhelm dem neuen Kaiser Friedrich ihr Beileid auszusprechen. Petersburg, 9. März. Ein Extrablatt des russischen „Regierungsboten" veröffentlicht die von einem Trauerrande umgebene Depesche vom Ableben des Kaisers Wilhelm. — Der große Empfang bei Hofe anläßlich des heutigen Geburtstages des Zaren fand nicht statt. In allen Klaffen der Bevölkerung gibt sich eine tiefe Theilnahme an dem Trauerfalle kund. Petersburg, 9. März. Außer dem Kaiser und der Kaiserin von Rußland nebst Thronfolger machten auch die übrigen Mitglieder des Kaiserhauses, sowie die Minister Giers und Woronzow, sämmtliche Botschafter, Gesandte und viele Würdenträger dem deutschen Botschafter v. Schweinitz Beileidsbesuche. Bukarest, 9. März. Die Kammer nahm einen Antrag an, die Regierung zu ersuchen, dem Kaiser Friedrich ihr Beileid anläßlich des Ablebens dcs Kaisers Wilhelm auszudrückcn. Brüssel, 9. März. Die Kammer erhebt sich, als der Präsident das Wort ergreift, vm das Hinscheiden des Kaisers Wilhelm nützuthülen. Er glaube der Interpret der einstimmigen Gesinnung der Kammer zu sein, indem er Namens der Kammer den Antheil ausspreche, den sie an der Trauer der kaiserlichen Familie nehme. Der Minister der Auswärtigen schließt sich den Worten des Präsidenten an und ist überzeugt, daß das ganze Volk den Ausdruck der Sympathie bestätigen wird, welche dec belgische Gesandte in Berlin bereits der kaiserlichen Familie kundgegeben hatte. Pesth, 9. März. Die ungarische Regierung beeilte sich sofort, nachdem sie von dem Ableben Sr. Maj. des deutschen Kaisers Kenntniß erhalten batte, ihrem Beileide Ausdruck zu geben, ersuchte zunächst aus telegraphffchem Wege den gemeinsamen Mirstster des Auswärtigen, Grasen Kalnoky, bei ter deutschen Regierung der tiefsten Betrübniß und dem aufrichtigsten Beileioe der ungarischen Regierung über das Hinicheiden Sr. Maj. de« deutschen Kaisers Ausdruck zu verleihen; zugleich wurde ein Telegramm gleichen Inhalts an Den Botschafter des deutschen Reiches in Wien, Prinzen Reuß, gerichtet. Privatdepeschen. San Remo, 9. März. Der Kronprinz läßt sich hier nicht zurückhalten und erklärte den Aerzten, lieber unterwegs sterben zu wollen. Er tritt die Regierung als Kaiser Friedrich an. Die Abreise erfolgt bestimmt morgen früh. San Remo, 10. März. Kaiser Friedrich hatte eine gute Nacht und fühlt sich heute früh gekräftigt. Eine große Menschenmenge bewegt sich in den Straßen, namentlich in der Nähe der Villa Zirio. Berlin, 10. März, 11 Uhr 5 Min. Vormittags Die Leiche Kaiser Wilhelm's bleibt bis zum heutigen Trauergottesdienste im Sterbezimmer. Der Gottesdienst, woran sämmtliche hier anwesende Fürstlichkeiten nebst Gefolge, sowie der Reichskanzler, Feldmarschall Graf Moltke, der Hausminister, 'die höheren Hofchargen theilnehmen, findet im Fahnenzimmer statt, worauf "dann die Einbalsamirung der Leiche erfolgen dürfte. Zu einem späteren, noch micht festgesetzten Zeitpunkte soll die Leiche nach dem Dome übergeführt und Lort ausgestellt werden. Die Leiche wird auf Befehl des Kaisers Friedrich, Lbereinstimmend mit den Wünschen des hochseligen Kaisers, in der Uniform Les 1. Garderegiments mit umgelegtem Feldmantel gekleidet werden. Den »Ehrendienst bei der Leiche haben die General- und Flügeladjutanten in sechsstündiger Ablösung im Nebenzimmer selbst, stets anwesend zur Wache sind «ein Kammerdiener und zwei Lakaien. Bei der gestrigen Trauerfeier hielt Hofprediger Kögel, zwischen der Kaiserin Augusta und der Großherzogin Don Baden stehend, eine kurze Ansprache, worin er des Todesmomentes ermähnte, wie beide Majestäten von einander schieden, indem die Kaiserin die Hand ihres Gemahls umschlungen hielt. Auszug aus bett Standesamtsregistern des Standesamts Gießen. Aufgebote. r r , 3- vr. Eduard Joseph Molly, Gr. Lehrer an der höheren Mädchen- !SS!C ^aroIinc Catharine Charitas Thümmel, geb. Grieben, dahier oT.hmfA w tD;Crf™bcncn Fabrikbesitzers Dr. Gustav Martin Thümmel. 5. Friedrich n saenberger, Korbmacher zu Rieder-Waroldern, mit Marie Caroline m*^nrbcr o$u Ober-Waroldern. 5. Wilhelm Hofmann, Taglöhner zu Alten- ^usecr, mit Roima Lemmer zu Gießen. 5. Ludwig Wilhelm Meier von Braunfels, ^^^"/.dahler, mit Mathilde Marie Anna Lange zu Wiesbaden. 6. Wilhelm Hochelheim, mit Maria Margaretha Kuhl zu Wetzlar. 8. Ludwig rSi 6at mPpc1, Schuhmacher, Wittwer zu Gießen, mit Wilhelmine Bruchhauser, ledig, von Aumenau, wohnhaft dahier. Gheschttetzuuge«. nnn zjxlfc Philipp Appel von Londorf, Schuhmacher dahier, mit Maria Schneider hnLr ^er. 7 Johannes Häuser von Leihgestern, Drechsler dahier, mit Christina Gerhard von Eudorf, wohnhaft dahier. Februar: 26. Dem Bäckermeister Johannes Deuker eine Tochter, Elsa Lisette Hermine. 26. Dem Kaufmann Wilhelm Theodor Wittlich eine Tochter. 27. Dem -öremfer ^..^^.^ain-Weser-Bahn Johann Heinrich Kahl eine Tochter, Martha Johanna Elisabeth. März: 4. Dem L-chuhmacher Christian Jost Schmidt eine Tochter, Ottilie Katharine Elisabeth. 7. Dem Kaufmann Fritz Roth ein Sohn. cm- o <_ «eflordeue. 9 ^dwig ?b"'pp Framer, 51 Jahre alt, Postschaffner dahier. 2. Friedrich Donecker, 2 Jahre alt, Sohn von Taglöhner Heinrich Donecker zu Bocken- m J^nct,en' H Zahre alt, Sohn von Tischler Gottfried Söhnchen von Oberbiel, Kreis Wetzlar. 2. H/arie Herzig, 34 Jahre alt, Ehefrau von Taglöhner Leo Herzig zu Okarben 3. Marie Altmayer, 5 Jahre alt, Tochter von Former Jakob Altmayer dahier. 3. Guftao Emil Feußer, 1 Jahr alt, Sohn von Weißbinder Heinrich Feußer dahier. 4. Valentin Horit, 23 Tage alt, Sohn von Taglöhner Heinrich Horst dahier. 5 Georg Schlrenbecker, 34 Jahre alt, Bergmann von Fellingshausen. 7. Minna Äen' Ja SaVe aIt' Tochter von Postschaffner Wilhelm Magen dahier. 7. Adam Klüver, 60 Jahre alt, Taglöhner, wohnhaft zu Ober-Erlenbach, Kreis Friedberg. 8. Johann Wilhem Kurz, 54 Jahre alt, Bremser bei der Köln rechtsrheinischen Bahn MOtcr. 9. Marie Demuth, geb. Schopbach, 75 Jahre alt, Wittwe des verstorbenen Welßbindermeisters Heinrich Demuth dahier. Handel und Verkehr. nQO-n^VRAk10, 9?är3‘ ^uf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund eMtrnnH? Hühnereier pr. St. 5-6 4, Gänseeier St. 10—00 Käse vr. St. 4-8 A, cmatre 2—5 Erbsen pr. Liter 19 H, Linsen 32 H, Tauben per Paar 80 bi» 100 'S' Hühner per Stück X 0.90-1-20? Hahnen pr. Stück T1.2O-1.5O Enten 2.40, Gänse per Pfund 00—00 Ochsenfleisch per Pfund 58 bis ßn 5^« VJ!? Rindfleisch 45—50 Schweinefleisch 54—60 Hammelfleisch 40 bis -Ä 40r^ Kartoffeln per 100 Kilo JL 5 00—5.50, Milch per Liter 1218^, Weißkraut Stück 0—00 Zwiebeln per Gentner X 12.00—18.00. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. _ _ rrYX„ «etraute. r Fen 7. Marz. Philipp Appel, Schuhmacher in Gießen, und Marie Schneider, ledige Tochter des Taglöhners Conrad Schneider in Großerda. r vi Deiffelben. Johannes Häuser, Drechsler in Gießen, und Christine Gerhard, ledige Tochter des verstorbenen Landwirths Johannes Gerhard in Eudorf. Denselben. Friedrich Joseph Freiherr Rödcr von Diersburg, Hauptmann und Compagniechef im 2. Großh. Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 116 in Gießen, und Marie Friederike Mathilde Caroline Clothilde Marianne Gail, ledige Tochter des verstorbenen Rentners Ferdinand Gail in Gießen. _ . _ »etaufte. -nr , Den 4 Marz. Dem Schrcinermeister. Heinrich Karl Demuth eine Tochter. Elisabeth Katharine, geboren den 5. Februar. ~ Denselben. Eine uneheliche Toch.'er, Katharine Luise Emilie Anna, gehörenden 13. Februar. Denselben. Dem Kutscher Ernst Kratz ein Sohn, Karl, geboren dm 10. Februar. Denselben. Dem Professor Dr. Karl Fromme eine Tochter, Bertha Anna Gertrud, geboren den 6. Januar. Denselben. Dem Kaufmann Eberhard Metzger ein Sohn, Hermann Geora Philipp, geboren den 5. Februar. Beerdigte. , Den 3. März. Louis Pfaff, lediger Sohn des Schlossers Karl Pfaff in Gießen, alt 8 Jahre, gestorben den 29. Februar. v n 4* März. Philipp Kramer, Postschaffner in Gießen, alt 51 Jahre, gestorben den 2. Marz. Den 9. März. Wilhelmine Magen, ledige Tochter des Postschaffners Wilhelm Magen II., alt 17 Jahre, gestorben den 7. März. An unsere geehrten Abonnenten. Wiederholte Beschwerden, welche in den letzten Tagen uns kund wurden, veranlassen uns,, die geehrten Abonnenten unseres Blattes zu bitten, jede Unregelmäßigkeit der Austräger uns mit kurzer Notiz gefl. bittet zu melden. Nur dadurch sind wir in Stand gesetzt, Abhilfe zu schaffen. Die Austräger sind angewiesen, den Anzeiger in die Wohnung der Abonnenten zu bringen und nicht, wie vielfach zu geschehen scheint, auf Treppen und Fluren abzulegen. ______________Die Expedition de- „Gießener Anzeiger". Telegraphischer Coursberichl der Berliner Börse vom 10. M«z 1888. In Folge Ablebens Sr. Majestät des Kaisers findet heute kein Börsen-Verkehr statt. Allgemeiner Anzeiger. Fritz Scharmann Schiessgasse 15 Uhrmacher Schlossgasse 15 empfiehlt iem Lager in goldenen und ßlbernen Herren- und Damen-Uhren, Negulateuren, Weckern und Schwarzwälder Uhren. 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Landgericht und der Staatsanwaltschaft Gießen erforderlichen Schreibmaterialen und Buchbinderarbeiten eingereicht und die Bedingungen ersehen werden aus der Gerichtsschreiberei Gr. Land- > gerichts Gießen. Löwer, 2035 Gr. Landqerichtssecretär.