Ar. 36 Samstag den II Februar 1888; M M Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. ähite*ut Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hßeil. Bekanntmachung. SamStag den 18. I. M, Vormittags 10 Uhr, findet im Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung de- Kreistags deS Kreises Gießen statt. Tagesordnung: 1) Prüfung von Kreistagswahlen. 2) Prüfung der Kreiskafferechnung für 1886/87. 3) Erstattung des Rechenschaftsberichts für 1886/87. 4) Feststellung des Kreiskaffevoranschlagslfür 1888/89. Gießen, den 9. Febmar 1888. Der Vorsitzende des Kreistags des Kreises Gießen. __Dr. Boekmann.____________________________ Betreffend: Die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig - sreumlUgen Dienst aus Grund von Scyutzeugmjsen. Bekanntmachung. Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden. 1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzog- thum Hessen gestellungspslichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat- 2. Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen. 3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Acteniormat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird. 4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: a. Geburtszeugniß; b. ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit ».Fähigkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen; c. ein Unbeicholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen junge« Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist; 8. das Schulzeugniß. Sodann wird noch besonders bemerkt: Zu pos. b: daß in den: Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, in der Lage zu sein, den Freiwilligen während des emjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf. Zu pos. (1: daß de Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien und Realschulen I. Ord., sämmtlich nach dem Schema 17 zur Ersatz-Ordnung (I. Theil der Wehr - Ordnung vom 28. September 1875 Reg.-Vl. Nr. 55 von 1875) ausgestellt sein müssen. Im Uebrigen wird smf die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Ersatz-Ord. verwiese«. Großherzogliche Prüfunzs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Dr Z - ller Politische Wochen - Ueberfkcht. Gießen, 10. Februar. Die epochemachende Reichstagsrede de« Fürsten Bismarck über die europäische Lage hat ein gewaltiges Echo in ganz Europa geweckt und pielt sie in den politischen Betrachtungen der Presse aller Länder auch jetzt noch die erste Rolle. Eine geradezu enthusiastische Ausnahme ist der Kundgebung des Reichskanzlers in den österreichischen und ungarischen Blättern zu Theil geworden, wobei allerdings schon die Veröffentlichung des deutsch-österreichischen Bünd- nißvertrages vorgearbeitet hatte. Sehr sympathisch klingen auch die Urtheile der englischen und italienischen Presse — steht man von einzelnen Ausnahmen ab — über die Bismarck'sche Rede, dagegen lauten die Commentare, welche die Pariser Blätter zu diesem weltbewegenden Ereignisse geben, um so absprechender und zeugen sie fast ausnahmslos von dem gehässigen Bestreben, den Auslassungen des Fürsten Bismarck bedrohliche Motive zu unterschieben und sie ihres doch unverkennbar friedlichen Charakters zu entkleiden. An der mächtigen Wirkung der Kanzler-Rede auf das Ausland hat indessen dis Haltung des Reichstages und der gejammten deutschen Nation gewiß mit ihren Anthetl. Die in den Beschlüssen des Reichstages vom Montag bekundete einmüthige Zustimmung aller Parteien des Reichstages zu den Worten des Kanzlers wie die Begeisterung, mit welcher dieselben nicht nur im Parlamente, sondern auch draußen im Lande, in allen Gauen Deutschlands ausgenommen worden find, redet zum Auslände eine außerordentliche verständliche Sprache, denn Freund und Feind des deutschen Reiches weiß es jetzt ganz genau, daß alle deutschen Stämme wiederum wie Ein Mann zusammenstehen würden, wenn es von Neuem gälte, einen Angriff aus das Vaterland abzuwehren. Hoffentlich wird diese ernste Lehre, welche die denkwürdige Reichstagssitzung vom 6. Februar in sich schließt, vor Allem bei den dunkeln Elementen, denen das kräftig emporstrebende Kaiserreich der Hohenzollern ein Gegenstand steter Befehdung ist, auf lange hinaus nachwirken! In der Socialistengesetz-Commission des Reichstages sind die seitens des Abg. Dr. Windthorst zu dem bisherigen Gesetze beantragten abschwächenden Amendements abgelehnt worden. In der Erregung, welche die hochpolitischen Ereignisse der letzten Tage hervorgerufen haben, ist es wohl nicht allseitig beachtet worden, daß die Nachrichten über den deutschen Kronprinzen jetzt wieder etwas beunruhigender klingen. Die Nachrichten der „Kreuzzeitung" und der „Post", nach welchen sich der Luströhrenschnitt beim Kronprinzen vielleicht eher nothwendig machen könnte, als bislang angenommen worden sei, haben sich leider bestätigt, denn die uns heute zugegangene Privatdepesche meldet, daß gestern Dr. Bramann diese Operation bereits vorgenommen, daß aber der Zustand des Kronprinzen befriedigend sei. Jenseits der Vogesen ist die Stimmung, welche die Darlegungen des Fürsten Bismarck über die allgemeine Lage hervorgerufen haben, eine denselben recht ungünstige, wie schon angedeutet. Ohnmächtige WutA Grimm, Haß und ähnliche Regungen spiegeln sich in den Betrachtungen der frcknzösischen und speciell der Pariser Presse über die Bismarck'sche Rede zum größten Theile wieder, obwohl der Kanzler Frankreich eigentlich gar nicht zu nahe getreten ist. Vielleicht ärgert die Franzosen das nationale Selbstbewußtsein, welches so hell aus den Aeußerungen des deutschen Kanzlers strahlt? Sei es, die blindwüthige Kritik der Franzosen vermag an der Bedeutung der Bismarck- Rede kein Jota 'zu ändern. In Oftafrika scheint der längst erwartete Zusammenstoß zwischen den Italienern und dem abyssinischen Heere endlich bevorzustehen. Wenigstens berichtet der italienische Telegraph aus Massauah von kleinen Scharmützeln, die seit einigen Taaen zwischen den den Italienern befreundeten Stämmen und den Vortruppen des Negus stattfinden und welche man vielleicht als die Einleitung zu den entscheidenden Kämpfen betrachten darf. Nach der Verstcheruna de» osficiösen Telegraphen hätten die Abyssinier in diesen kleinen Neckereien überall den Kürzeren gezogen, während die Verbündeten der Italiener überhaupt keine Verluste gehabt baden sollen. _________________________ Deutscher Reichstag; 33. Sitzung vom 9. Februar 1888. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist zweite Berathung des Anleihegesetzes für Zwecke des Reicbsheeres. Abg. Frhr. v. Huene als Referent der Budgetcommission constatirt, datz die gewünschte Specifictrung der Vorlage in der Commission vom Kriegsminister gegeben und eingehend discuttrt worden fei. Die Commission erklärte sich durch die gegebenen Mittheilungen für befriedigt und bitte das Haus, die Vorlage unverändert anzunehmen. Loelhmd’s Itiäteiiscte Mittel. aIt Hustenbonbons sehr beliebt. DasMalr-Ertrakt mit (ftfett Vitali mVÄ Kalk bei eZffffÄ AW««1schwächliche Kinder empfohlen, die es gerne nehmen. Zkuttaart ^ottxten, wobei ausdrücklich ,u verlangen: 'von Ed." Loeflund L. 150 Die Vorlage wird hierauf ohne Debatte angenommen. Es folgt dritte Berathung des Antrags auf Verlängerung der Legislaturperioden. Feutschland. mth0T Äderung, wonach mindestens eine zweijährige Gesängnißstrase bei Zuw ^hanblungen gegen die §§ 17 bis 20 bestimmt wird und der neu etngeschobene § 22a, betr. die Expatritrung, wurden gegen die Stimmen der SS— “**'■ “•»20 “*22 ta b“ Rußland. , ..^EerSburg, 9. Februar. Ein Tagerbesehl der Kriegrministerr o dnet berettr sür den Ium 1888 die beschlossene Bildung einer Mobilisulionr^Abibei. lung der Hauplarttllerie.Verwaltung an. a,iuuuS|auons «viyei. hör »Nowoje Wremja" sNme Zeit) sagt in einer weiteren Besprechung der Rede Bismarcks: Zwei starke Mächte, wie Rußland und Deutschland können im Frieden mit einander leben, nicht auf der Grundlage von A' rech- ?“n,8£n., Vergangenheit, welche immer unangenehm sind und zu Miß. f»»«w säs kä Herrn v. Giers sei gänzlich unbegründet. »emifston des sn.. Wien, ^-Februar In der heutigen Bürgermeisterwahl wurde der bisherige Burgermelster Uhl mit 90 von 116 Stimmen wtedergewählt. — Die Stattballerei hat die Burschenschaft „Teutonia" aufgelöst. $ ^cbIUm Einer Meldung der „Agence Haoas" aus Kairo zufolge gesunde/ 6onfItct fischen Christen und Muselmännern statt- TkrnnrSs>tt??n,t 9* : Tie zur beutigen Eröffnung des Parlaments verlesene Thronrede besagt: Die Königin erhalt fortgesetzt von allen Mächten herzliche Ver- slcherungen freundschaftlicher Gefühle und des lebhaften Wunsches, den Weltfrieden auf- rechtzuerhalten. Die Königin hofft, die Absteckung der afghanischen Grenze werde dazu e ^06"chkett eines Mißverständnisses zwischen England und Rußland bezüglich der asiatischen Besitzungen zu beseitigen. Von dem Wunsche beseelt, Blutvergießen zu verhindern, sandte die Königin eine Mission an den König von Abesfynicn " r$Ä,IK We!?n . DOn ^nem Kriege mit Italien abzurathen; sie bedauert ^haf , daß diese Bemühungen erfolglos geblieben sind. Die Thronrede erwähnt den Abschluß der Verhandlungen mit Frankreich betreffs des Suezkanals, sowie das Abkommen mit demselben betreffs der Neuen Hebriden. Die im Herbst zu Loudon Ä der an der Zuckerfrage interessirten Stauten machte beu acht iche Fortschritte hinsichtlich des Abschlusses eines befriedigenden Arrange- SXfU 7tcbe 'blre bulgarische Frage noch die europäische Lage, mmnännm-t eiten sagt die Thronrede, daß Handelsaussichten hoff- a a? e L vielen Jahren, aber die Lage der Landwirthschast sei nicht ^bessert. Im Budget werden Mittel zur Verthetdigung der Kohlenstationen des Reiches ^iro ein besonderes Geschwader ge- Derbrechen in Irland haben abgenommen. Maßregeln werden Vorschlägen zur Vermehrung selbstständiger Grundeigenthümer unter den Bauern in 9. Februar. In der heutigen ersten Sitzung des Oberhauses drückt Salisbury sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß der deutsche Kronprinz, der Thronerbe eines großen, durch die Bande der Sympathie so eng mit England verbundenen Kaiserreichs, von einem Leiden heimgesucht werde, das schwere Sorgen erregen müsse. Es gebe unter den hochstehenden und bedeutenden Persönlichkeiten Europas keme, die eine so hohe Zuneigung und Bewunderung gesunden hätten, wie der deutsche Kronprinz. Derselbe durste daher nebst seiner Gemahlin und feinen Familienangehörigen der herzlichsten Sympathien des Hauses versichert sein. Er fei glücklich zu hnl"« Üs6 ble Au,f. Remo erfolgte Operation glücklich verlaufen und 9ih6r,(fP A^httb rkb Kenten ein befriedigendes sei. - Bei der Berathung der 3 ® rlJ e Thronrede, die eine kurze Umschreibung der Thronrede darstellt, er- ?r fc h br klaube ebenso wie Fürst Bismarck an die Erhaltung des Friedens: 7nm?fMhnL 4m 1 x nbF Versicherungen, daß Rußland an eine 7barm>ufE.1 11 nid) ?Enke und sich solcher sorgsam enthalten werde. Die diesbezüglichen Mtheilungen feien nicht nur versöhnlich, sondern auch aufrichtig. hier erma 9' $ebruar* Professor Bergmann und Graf Radolins'ki werden c» eatt Remo, 9. Februar. Dr. Bramann nahm bei dem Kronprinzen heute befrÄgend^ °° ^tn' ben Luftröhrenschnitt vor; der Zustand des Patienten ist tS? B“tdt E,nC ®eba“e tr8ffncn- '°b°ld »otlftänb.g, Lokale». norf,. Dietzen, 10- Februar. Der Hausbursche eines hiesigen Geschäfts, welcher sich bcm^Ge/icht ^idergebem Zuschulden kommen ließ, würbe gestern verhaftet und Sonntag den 5. d. M. kamen in einem Hause der Frankfurterstraüe An L2 neue Knabenstiefel abhanden. Der Thäter ist gestern in der Person eines lljahrigen Schuljungen von hier ermittelt worden. und ÄS’ UtMn »ur An.eig? gekraut ÜÄ Abg. Dr. Meyer-Jena: Der Abg. Hänel habe der nationalliberalen Partei Verfassungsänderung vorgeworfen zu derselben Zeit, wo Abg. Rickert eine weit einschneidendere Verfassungsänderung, die Dtätenbewilligung, beantragt habe. Seine Partei habe wiederholt erklärt, daß sie zu einer Beseitigung des allgemeinen Wahlrechts die Hand nicht bieten werde. Herr Hänel meinte, es könne schon dadurch das allgemeine Wahlrecht beschränkt werbet., dutz das Wahlrecht an eine gewisse Äufenthalts- zeit am Wahlort gebunden werden solle. Die Nationalliberalen wollten das nicht, wohl aber habe das der Parteigenosse des Herrn Hänel, Dr. Bamberger, gewünscht (Heiterkeit.) Auch die Auflösung des Reichstags sei nicht so leicht, wie Herr Hänel meine, sie bedürfe der Zustimmung des Bundesraths und des Kaisers. Wenn auch in » England die Parlamente selten eines natürlichen Todes sterben, so hätten die meisten doch 5 Jahre gedauert. Die Schweiz und Nordamerika mit ihren kürzeren Perioden seien nicht maßgebend, denn es seien Republiken. Wenn Herr Hänel sich auf Dr. Miquel berufe, daß die häufigen Wahlen dte Bekämpfung des Parttcularismus erleichterten, so treffe das nicht mehr zu. Der ReichSgebanke lebe jetzt bet uns kräftig und unangefochten. Deshalb könne feine Partei Oiefen Antrag auch vor dem liberalen Gedanken verantworten. Abg. Dr. Bamberger (freis.): Man habe dte ganze Begründung des Antrags auf feine frühere Argumentation gestützt. Er fordere, daß das, was Herrn Miquel recht, ihm billig fei. Als er in früheren Jahren Oie Verlängerung der Periooen gefordert habe, sei der Reichstag noch ein starkes Parlament gewesen; aus dieser Aenderung der Bedeutung des Reichstags erkläre sich auch seine jetzige Stellung. Herr v. Bennigsen könne nicht bestreiten, daß wir in den letzten Jahren in liberaler Hinsicht zurückgegangen sind. Er betrachte freilich dte Verhältnisse mit einem grogen Maße staatsmännischer Weisheit, aber trotzdem wird er nicht behaupten können, daß es recht sei, wenn tn Preußen ein verrosteter Paragraph auSgegraben werde, um dte Annahme von Dtäten fettens der Abgeordneten von ihren Wählern zu beitrafen. Regierungen, die solche Niederlagen erlitten, wie dte unfrige, mit dem Tabakmonopol :c., würden in anderen Ländern längst verfchwunden fein. Bei solchen Verhältnissen könne man nicht noch eine wettere Stärkung der Regierung zugeben. Er habe vor vielen Jahren gesagt, wenn einmal die verbessernde Hand an die Verfassung gelegt werde, dann sollten auch dte Perioden verlängert werden. Man könne thn doch aber nicht für so verrückt halten, daß er den jetzigen Zustand für gekommen halte, die Verfassung zu andern? Herr v. Bennigsen habe gemeint, in seinem (Redners) Kopse drehe sich die ganze % politische Welt unter dem Gesichtspunkte von Freihandel uno Schutzzoll. Er (Redner) n*c e^nc Sterbe des Freihandels gewesen. Das seien vielmehr Geheimrath Engel, Professor Treitschke, Gneist, Marquardsen, v. Maltzahn-Gülh u. A. gewesen. Er bleibe dabei, daß das Odium dieser ganzen Maßregel bei den Nationalltderalen hängen bleibe. _ Abg. Stöcker (conf.): Dieser Antrag sei kein weiterer Schritt zur Reaction, sondern nur ein Suchen nach gesunden Grundlagen. Wir dürfen nicht nach England blicken, das habe eine weit längere Vergangenheit; wir ständen vor so vielen politischen, confessionellen und socialen Streitpunkten, daß die häufige Agitation etwas Gefährliches enthalte. Besonders wer die tiesaufwühtende Agitation in Berlin kenne, müf e anerkennen, daß es die Pflicht einer weisen Staatsleitung sei, hier Wandel zu schaffen. Parteien wie der Fortschritt und die S-ctaldemokratie brauchen die Agitation tn kurzen Zwischenräumen, die anderen Parteien könnten aus den dreijährigen Wahlen nur Vortheile ziehen, sie seien im Aufschwünge und hätten in Berlin den Fortschritt besiegt, ^ie politische Bildung des Volkes könne durch den Reichstag, nicht aber durch die Aufregung der Wahlagitation gefördert werden. In Berlin feien bei der letzten . . r.y* 6anze Wasser einer politischen Sündfluth zu Tage gefördert worden, h 1 ?kUnn™Djy?iftun0 eingetreten. Redner verliest einige freisinnige Flugblätter auS der Wahlbewegung von 1887, in der die Kriegsgerüchte als frivol erfunden bezeichnet werden. Bei solcher Agitation müsse jedes Vertrauen zur Regierung schwinden. Dagegen müßten wir reagtren, denn höher als das Parlament, in dem Leute ihre Meinung von Jahr zu Jahr ändern, stehe die Monarchie, das Fürstenthum als ein bleibender rocher de bronce! (Beifall rechts.) Redner dankt dem Abg. ttaA^nwöfen daß er den Ausruf zur Bekämpfung des kirchlichen Nothstandes unterstützt habe. Es muffe endlich einmal die Verfilzung der politischen mit der religiösen Frage aufhoren, die Religion muffe allen gemeinsam fein. (Lebhafter Beifall rechts.) Dc' 2Lindthorst hätte gewünscht, daß der Vorredner schon früher so gedacht hatte, dann wäre uns der Cutturkamps erspart «blieben. Wenn Herr Stöcker meine, die leidenschaft der Wahlagitation bringe keine Bildung des Volkes, bann sei biefer Reichstag und seine Majorität auch nicht der guten Einsicht des Volkes zu verdanken. (Hetterkeit.) Die Consequenz der Aussührungen des Vorredners wäre die des Parlaments. Nur wünsche er («ebner), daß dann wieder di- alten er>,Itc” bli-ben, wo väterlich der Monarch regiere und nicht die Minister. ie-2abt ansedeutet, daß er das wahlsähiqe Alter aus 30 Jahre sestsetzen mochte, zum Gluck wolle Herr v. Bennigsen das nicht. Die langen &gi8= mad)rePnn°bCn ba6‘n fuhren, dem Volke das Parlament rech, unbequem zu Hierauf wird die Debatte geschlossen. Das Haus tritt dann in die Specialdiscussion ein. Dr $ 1 der Legislaturperiode auf 5 Jahre) polernisirt Abg. fü^r^ng be/^äfibinkn Stifir^3 8‘ die @efd)äflä; a,,8~ Telegraphische Depesche«. Wolff s telegr«. >«>. »ÄSÄyS,»? äs sr* geltt es nicht mehr°guft di" Schwe^ng^wächst, dtt°r7achs°,°mi° wird^ri^gend"''''^ Vermischtes. R*i,nue.Xln sm?in- 9- Februar. Sowohl bei Kostheim wie an den übriaen Schleusenkanälen wurde heute mit dem Eisbrechen begonnen. Die Arbeiten merben !ieftaUe!*hCUn«tfU?1a man' nlenn die Witterung bas Ausrichten des Nadelwehrs ju Knnen T Uhr. Kemmerich Allgemeiner Anzeiger. Submission. Zur Erbauung einer Scheuer für Herrn Friedrich Roth in Hattenrod sollen nachstehende Bauarbeiten und Lieferungen auf dem Sub- mtsfionswege vergeben werden: 1) Lieferung von Träger und Eisengußartikel, veranschlagt zu J6. vom 12. l. M. von da ab bis H M n n n n X JL •X Ji. cX 9) Steinhauerarbeit, 10) Zimmerarbeit, 11) Dachdeckerarbeit, 12) Schreinerarbeit, 13) Glaserarbeit, 14) Weißbinderarbeit, 15) Pflasterarbeit, 16) Wagnerarbeit, 276,24 275,00 818,80 180,00 22,00 125,50 14,00 824,63 250,00 409,29 420,42 90,45 12,30 19,45 73,65 25,80 zu H ff ff ff ff ff II Bedingungen, Kostenüberschläge und Zeichnungen können ab aus meinem Geschäftszimmer eingesehen und die Offerten zum 16. Februar, Mittags 1 Uhr, eingereicht werden. 2) Lieferung von 125 -bm Mauersteinen j AKr u°S-tz-n^ i A 3) Lieferung von 35,600 Stück Backsteinen 4) Lieferung von 180 Ctr. Luftkalk..... 5) Lieferung von 100 Ctr. Schlackenmehl .... 6) Lieferung von 3Vr Waggon Schlackensand 7) Lieferung von 8,25 stgd. Mlrn. 15 cm weiten Thonröhren 8) Maurerarbeit, veranschlagt Dieselben müffen mit der Aufschrift „Scheuerbau zu Hattenrod" unter Bezeichnung der betr. Arbeit versehen sein. Die Abgebote sind in Procenten auszudrücken. Lich, den 9. Februar 1888. 1139 K. Schön, Bauinspector. Fandwirthsch.Inoentarverflcigerung. Donnerstag, den 16., und Freitag, den 17. Februar, Vormittags 10 Uhr anfangend, soll zu Bergermühle bei Lich das vorhandene lebende und tobte Inventar abzugshalber meistbietend versteigert werden und zwar: 10 Stück gute Arbeitspferde, theils 4-, 5-, 6- und mehrjährig, 4 „ trächtige schwere junge Milchkühe, 1 Stamm Hühner und Tauben, 1 Dampfkessel zum Futterdämpfen, eiserne Reservoire, Maisch- und Wafferpumpe mit Stopfbüchsen, eisernes Kühlfaß und 4 Stück Maischbütten ä 800 Liter, Wägen mit vollst. Ausrüstung, Eggen, Pflüge, Walzen, Wiesenegge, v Fahr- und Ackergeschirre, Bäckereigeräthschasten, Fässer (darunter 5 Stück gute Stückfässer), Waschbütten, 1 neue Kelter mit 2 Schrauben und Zubehör, 1 leichter Mühlwagen, 1 Federwagen (Brink), ein einsp. Chaisengeschirr, 10 vollst. Beiten, Säcke, Schränke, Tische, Bänke, 2 Sopha's und alles mögliche Hausgeräthe, 1 amerik. Ofen (Lönhold's Patent). Sodann eine Scheune von meist Eichenholz, die leicht zum Wohnhaus umzuändern ist, mit Anbau, ein kleinerer Anbau, Gartenhaus, Hobelbank rc. 15—18 Meter Kiefernholz, 14 Fuß lang, zu Pfosten und Balken geeignet, eine Parthie Mist und Composthaufen. Anfang Donnerstag, den 16. d. M., mit Versteigerung der Pferde- Bergermühle (Post Lich), 8. Februar 1888. 1132 Burg. Montag, den 13. Februar, Nachmittags 2 Uhr werden in dem Hofe Grünbergerstratze 15 gegen Baarzahlung versteigert: 1 Küchenschrank mit Glasaufsatz, 1 Kommode, 1 ovaler Spiegel, 6 Bilder und 1 Wanduhr. Versteigerung bestimmt. Geißler, 1143 Gerichtsvollzieher. Widerruf. Die gegen Förster Stein zu Treis a. d- Lumda in der Wirthschaft des Georg Kehr I V. daselbst ausgesprochene Beleidigung nehme ich hiermit als unwahr zurück. 1146______Heinrich Konrad Will. 1128 Ein Dienstmädchen, welches hier seine Familie hat, wird sofort gesucht. Reuen-Bäue 31 (sog. Wodestraße). Holzversteigerung im BpPknrödkrGemeindrwald. Dienstag, d. 14h Februar d. I., Vormittags 9 Uhr, soll in dem District Eichbusch nachverzeichnetes Holz versteigert werden: 53 Eichen-Stämme mit 9,54 fm, 212 Fichten - Stämme von 12—34 cm Durchm., 10—18 m Länge mit 77,54 fm, 20 Eichen-Derbstangen m. 1,44 fm, 115 Fichten-Derbstangen m. 8,57 fm, 395 Fichten-Reisstangen m. 8,87 fm. Mittwoch, d. 13. Febr. d I., Vormittags 9 Uhr: 22 Raummeter Buchen-Scheit, 26 „ „ Knüppel, 75 „ Radel-Knüppel, 1070 Buchen-Wellen, 3730 Radel-Wellen. Der Anfang ist zur bestimmten Stunde. Zusammenkunft jedesmal im Ort. Das Holz kann zu jeder Zeit abgefahren werden. Oppenrod, den 8. Februar 1888. Großh. Bürgermeisterei Oppenrod. Petri. 1131 Versteigerung eleganter Möbel. Donnerstag, den 16. Februar, Mittags 2 Uhr, werden im Saale des Caf 6 Leib noch wenig gebrauchte Möbel, als: 2 Verticow's, 2 Chiffonniers, 2 ovale Tische, 1 Ausziehtisch, 3 komplette Betten mit Sprungfederund 3theiliger Matratze, 1 engl. Waschtisch mit Service, Waschkommode und Nachttisch mit Marmorplatte, 1 Handtuchständer, 1 einthür. tannener und 1 polirter eichener Klriderschrank, 1 Kleiderständer, 1 Pfeilerschrank, 1 Kommode, 1 Sopha, 1 großes Etagere, 3 grotze Spiegel, Stühle, 1 Regulator, 1 Wecker, 1 Stutzuhr, 1 Küchenschrank, Kücheneinrichtung rc. versteigert. Sodann wird bet dieser Gelegenheit mitoerfteigert: 1 vollständiges Tafel- service, ca. 100 St., und bei Versteigerung vom 9. d. M. zurückgebliebene 1 Maha- gonibüchcrschrank, 1 großer Ankleidespiegel und 1 Polftersopha. Im Auftrag: 1145 Hoffmann, Ortsgerichtsmann. Sehr schöne Maskenanrüge für Herren und Damen sind billig zu verleihen. 1137 Gasthof »Stadt Cassel-, II. Stock. Weibliche Krankenpflege im Kriege. Unter Bezugnahme auf den Aufruf vom 5. l. M. ist noch zu bemerken, daß außer bei dem Unterzeichneten (Gartenstraße 21) Listen zum Einzeichnen von Krankenpflegerinnen auch bei Herrn Louis Petri 111. (Asterweg) und „ Glaser H. Scherff (Löwengaffe) offen liegen. Gießen, den 10. Februar 1888. Der Borstand des HülfSvereinS Dr. Stammler. 562 3 3 3 Das durch seine gute Qualität so allgemein beliebt • gewordene Flaschenbier von Gebr. Röhrle „ Franziskaner (dunkel) „ , Wiener Export „ kostet frei in's Haus geliefert: 14 grosse FL oder 26 halbe FL Böhmisch Export Mk. »» 26 n » n 30 n 14 , 16 , Sämmtliche Iarmularien für Krankenkassen sind nunmehr bei mir zu haben. Wilh. Klee Schreibmaterialienhandlung zu Gieße«. Mer Emil Pistor im 72. Lebensjahre. Allen Verwandten und Freunden theilen wir dies tief betrübt mit. Giessen, den 9. Februar 1888. Die trauernden Hinterbliebenen Der Borstand 1133 alte 101.00, neue 102.20 Telegraphischer Coursbericht der Berliner Börse vom 10. Februar 1888. Oesterr. Creditactien Tendenz: steigend Redaetion: A. Scheyda. - 106 80 101.20 102.80 105.90 104 90 106.00 97.30 103.00 102.50 97.50 103.50 191.50 90.00 78.00 91.40 16.13-16.16 16.12-16.15 20.29-20.34 4.16—4.20 94.30 104.00 86.90 63.70 95.40 136 00 u ver- e 13. Zm Namen der trauernden Hinterbliebenen: Georg Melior. Oesterr. Staatsbabn-Actien 1880 4% Russen Obltg. 4% untf. Egypter Oblig. 1127] Möblirtes . miethen. Kat! Disconto-Com.-Antbeile Laura-Actien 139.75 85.25 77.50 31/g°/o Solms-Brauns. Oblig. 4% Gießener Oblig. 4% Oesterr. Goldrente 4,/5°/o Oesterr. Silberrente 5% Portugiesen Oblig. Darmst. Bank-Actien Geldsorten. Tüchtige Rockarbeiter suchen [1138] Gebr. Stamm 1144 Ein tüchtiges Dienstmädchen gesuch.. Frau Louise Förtsch. Bürger - Gesellschaft. Sonntag, den 12. Februar: LarnmnIMche ÄüenüunIerhaNuna mit Theater Restauration Schnell. s SamStag den 11. Februar, Abends 8 Uhr: Concert von Komiker Matthias mit Gaseilschaft. frei! - Sonntag: 2 Concerte auf dem Lahnstein. Anfang präcis 8 Uhr. [1136] SamStag großartige Versammlung im Beremslocal. Berathuug über den Fastnachtszug, [1134 oaper zahlreiches Erscheinen aller actioen und mactiven Mitglieder sehr erwünscht. Samstag, 11. Februar 1888 t Außerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: Tanzkränzchen. [1142 Coursbericht der frankfurter Börse. R-ichsbank-Disconto 3% «. Februar 1888. Franks. Bank-Dt8conto 3% Todes Anzeige. Astern Nachmittag verschied nach kurzem schweren Leiden unser unvergeßlicher Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Wilhelm Melior ?U Homburg vor der Höhe was wir Freunden und Bekannten tiefbetrübt mitlheilen. Großen-Buseck, am 10. Februar 1888. , Die Met Sonntag den 12. Februar, Nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause (Marktstrasse 10) aus statt. 1135 4% Preußische Consols 3V2°/o do. 4% Nassauer Obltg. 4% Bayerische Oblig. 4°/o Badische Oblig. 4% Hessische Oblig. 4% Franks. Hypothbk.-Pfandbr. 4W/o Franks. Landwsch. Creditbk.- Oblig. 4°/o Hamb. Hypothbk.-Pfandbr. 072% d0. 5% Buderus Oblig. 4% Ungar. Goldrente 74.60 5% Gemischte Russen Heute Nacht verschied nach längerem Leiden unser lieber Vater, Grossvater und Schwiegervater ° ®rud und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) In Gießen. ~--------------- ®‘* heutige Nummer enthält 1 Blatt und 1 Beilage Heute Freitag Abend: Lärnrvatikische Metzelsuppe 6ei Burkhardt, 1149 Bahnhofstraße. Hkermischte Anzeigen. "?01 „Bauschutt und Asche wird unentgeltlich abgefahren. S. Katzenstei«. 1126 Für einen ordentlichen Jungen tol^i b" einem tüchtigen Schuhmacher- meisier Stelle als Lehrling gesucht. Zu erfragen in der Expedition d. «l. AermieHungen. 1129] Marburgerstr. 13, part. 4, auf Wunsch 5 Zimmer mit allem Zubehör, 1- Juni, event. früher, zu vermietben. 11t 1 Ein Familienlogis zu vermietben. Löwengasse 29 1071 Eine möbl. Wohnung zu ver- mrethen.Schillerstraße 27. 1/40] Trockenes kleingemachtes Holz mlllgst bei Zimmermeister Ruckstuhl, Aster weg 50. 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Dagegen hält man es für kaum ausführbar, bereits in diefem Sommer die Verlage zu erledigen, zumal die Mehrzahl der Abgeordneten das dringende BedÜrfniß hat, stch an der Hand der einzelnen Bcstim- muvgen gründlich mit Industriellen uuO Sachverständigen über den Gesetzentwurf zu verständigen. — Die Neußerlichkeiten in der Erscheinung des Reichskanzlers während sslvec großen Rede im Reichstage werden in einem Berichte der „Köln. Zlg." folgendermaßen geschildert: „Eben hatte der Präsident bie hergebrachten geschäftlichen Einleitungen vorgetragen, oa erschien, flinken Schrittes auf seinen Plctz am Tisch des Banoesrath» zuschreitend, Fürst Bismarck in Dem bekannten dunkeln Kürassierrock mit aelbcrn Kragen. Kaum wieder halte der Fürst Zeit gehabt, das Haus durch ein einfaches Augenglas zu mustern, als der Präsioeut den eigentlichen Gegenstand der Tagesordnung aufrief und ter Reichskanzler stch sofort ei hob. Es ist mehr al« überraschens, eine wie kleine, fast könne Stimme in diesem riesenhaften Körper wohnt. Dazu scheint es auch, als ob das Sprechen den Reichskanzler ermüde, fast schmerze, sodaß es für die erste Zeit in gelindem Sinne beängstigend ist, ibm zu folgen. Die fast zuckenden halben Drebungen des Kopses, das Vor- und RückLärt-beuaen des Oberkörpers bei Verschmähung jibcr Handbewegung — der Reichskanzler spricht saft unausgesetzt mit im Rücken übereinandergelegten Händen — das abwechselnde Stützen des Körpers bald auf dem rechten, bald auf dem linken Fuß, all' das macht den Eindruck, als spreche der Fürst mir großer Anstrengung und nur sehr ungern. Für den Näherstehenden mag es einen eigenen Reiz haben, daß gerade die Ironien und Schärfen, wie die humorvollen und launigen Wendungen, in denen der R-ichskanzler ja Meister ist, mit halbunterdrückter Stimme und unter absichtlicher Vermeidung jeder ihre Wirkung erhöhenden Betonung vorgebracht werden; dem etwas entfernt Sitzenden geht dadurch das eigentlich Fesselnde verloren. Und dennoch packt der Fürst durch die Art, seine Gedanken von Weitem einzuleiten und sie so unwiderleglich zu begründen, bevor er sie noch eigentlich formulirt hat, auch bei längeren, namentlich geschichtlichen Darlegungen den Hörer so allgewaltig, daß die zwei Stunden, während welcher er nahezu sprach, vorüber waren,, wie ein kurzer Augenblick Nach der ersten Stunde war es unverkennbar, wie außerordentlich die ängstliche Sorgfalt, mit der jedes Wort abgewogen wird, bevor es über die Lippen kommt, den Reichskanzler anstrengte und abspannte. In immer kürzeren Zwischenpausen leerte er das mit einer Mischung von Selters- und Biliner Wasser und Wein gefüllte Glas, das ihm der hmter ihm stehende Sohn Herbert immer wieder erneuerte; wiederholt machte er baraaf aufmerksam, daß nicht genug Kohlensäure im Glase sei; je größer die Anstrengung und die Müdigkeit wurde, desto schwieriger schien es, das Getränk richtig zu mischen. Ein unotrLnnbarer Beweis der körperlichen Abgespanntheit." Arankreich. Paris, 7. Februar. Die heutigen Abendblätter bringen lange Be- sprechungm über Brnmarck's Rrde, die von vielen Blättern mit unwürdiger Heftigkeit angegriffen wird; so äußert „Paris" in einem „Das Ungeheuer" überschriebenen Artikel, Bismarck greise Fortschritt, Recht und Gerechtigkeit an, aber der Reichskanzler sei im Grunde ferne« Herzens oermuthlich nicht so voll Heiterkeit, als er zur Schau trage, er fürchte den Krieg und werde ihn rffchl um eine Bagatelle onsangen; für ihn sei Bulgarien eine solche. War werde man dazu in Wien fügen, wo man die Unterordnung Bulgariens unter Oesterreich als Existenz-Bedingung betrachte; indeß die Ansicht feiner Bundesgenossen mache Bismarck dis wenigste Sorge. Die „France" äußert: „Aus Bismarck's Rr)e ist eine beredte Antwort zu erwarten, nämlich der Abschluß des Bündniffes mit Rußland und womöglich auch mit England und der Türkei." Die „France" wünscht auch, daß ein Redner die französische Rcdnerbühne besteige, um dem furor teutonicus die Gefühle der patriotischen Solidarität, der Gloiren und Hoffnungen der furia francese entgegen zu setzen. Der „National" sucht zu beweisen, daß das Werk Bismarck's auf schwachen Füßen stehe: das Ganze sei ein Coup, den ein Mann spiele, der nicht sterben wolle, ohne fein Mark befestigt zu haben; aber wenn Deutschland sich bis an die Zähne bewaffne und olle Parteien sich vereinigten, sobald man ihnen die bedrohte Einheit des Reiches vorführe, so sei es wehr als je geboten, wachsam zu sein. (Köln. Ztg.) L o k « 1 e *. ' Gießen, 10. Februar. In der Sitzung der „Oberhessischen Gesellschaft für • Natur- und Heilkunde" am 8. Februar sprach uir zahlreichen Zuhörern Herr Pros. | Dr. Spengel über „Die Stützen der Abstammungslehre". In Bezug auf j die Entstehung des Sennensystems, sowie auf die Stntsluth ist, wie frühere Redner zeigten, die Wissenschaft zu anderen Ergebnissen gelangt als die alttestamentltche Ueber- lieferung lehrt. Ebenso ist es mit der Entstehung der Thiere; auch hier ist die Genesis nicht in Übereinstimmung mit der Forschung. ! Entweder sind alle Thierfornien unabhängig von einander geschaffen worden, wie es die biblische Schöpfungsgeschichte lehrt, oder das Geschaffene änderte stch im Laufe der Zeit und wurde wieder zum Ausgangspunkt weiterer Veränderungen, wie < es die Abstammungstheorie lehrt. Redner zeigte an zahlreichen Beispielen, daß die Eigenschaften einer Thierart ; nicht unveränderlich sind. Es zeigen sich individuelle Abweichungen und geographische I Varietäten. j Manche derselben werden zü dauernd auftretenden, oft nur auf kleine Bezirke ! beschränkte Varietäten, wenn auch der Bau einzelner Körpertheile selbst bei sehr ver- i schtedenen Geschöpfen nach demselben Plan stattfindet und aus denselben Theilen besteht. Redner zeigt, daß z. B. das Vorderbein des Pferdes, das Flugorgan der Fledermaus oder das Ptenedactilus und die Flosse des Wals nach demselben Grundplan und aus i denselben Theilen gebildet sind. / Latz neue Arien von Thieren im Laufe der Zeit entstanden sind, lehren besonders : die Versteinerungen. Die Lehre von Euvier, daß die verschiedenen Thierformen zu f verschiedenen Zeiten geschaffen worden seien, nachdem die vora'usgegangenen durch : gewaltige Ereignisse untergegangen waren, konnte vor der Erfahrung nicht bestehen, t Es haben sich vielmehr neue Formen aus den früheren allmälig entwickelt und finden • wir die Uebergangssormen als Versteinerungen. Durch diese ist z. B. die große Kluft ; zwischen Vögeln und Amphibien ausgefüllt worden und zwar sowohl durch Amphibien ( mit Federn als durch Vögel mit gezahnten Kiefern. ! So nimmt also die Abstammungslehle an, daß eine fortdauernde Umwandlung und Umformung der Stammformen stattgefunden habe. Ist doch z. B. der Uebergang ! von dem fünfzehigen Pferde in der früheren Tertiärzeit zu unserem jetzigen einzehigen j Pferde durch alle Zwischenglieder nachweisbar. \ — । .1. । ...........- — i Darmstadt, 6. Februar. Seit einigen Tagen werden zur Reinigung unserer J Trottoirs Handwägelchen benutzt, welche eine Vorrichtung zum Gießen ähnlich wie die X Wasserfässer, Haden. Nachdem die Trottoirs auf diese Weise ordentlich bespritzt sind, werden sie durch hinter dem Wagen hergehende Straßenkehrer mit Besen von beträchtlicher Kehrlänge gereinigt. Wie man sich durch den Augenschein überzeugen kann, wird auf diese Weise eine gründliche Reinigung erzielt und der zähe Schmutz, der sich auf den Asphalt- und Cement-Trottoirs bei feuchter Witterung so gern bildet, vollständig entfernt. — Die amtliche fakultative Trichinenschau ist für Darmstadt heute t in's Leben getreten. Die Gebühren für Untersuchung eines Schweines sind auf 35 * festgesetzt. Darmstadt, 8. Februar. Zur internationalen Jubiläumsausstellung in Mel- ( bourne haben sich bis jetzt aus dem Großherzogthum Hessen folgende Firmen gemeldet: j Karl Traiser in Darmstadt, Mechaniker und Reißzeugfabrikant; Mayer, Michel j u. Deninger in Mainz, Lederfabrikanten; Simon Wolf in Mainz, Schuhwaaren- • fabrikant; Dörr u. Reinhard in Worms, Lederfabrikanten; Dick u. Kirschten in Offen- t baß, Wagenfabrikanten; Julius Formstecher in Offenbach, Albumpapierfabrikant; \ I. A. Galette u. Er, in Offenbach, Staniolkapseln- und Kellereigeräthschaftenfabrikanten, \ und Heyligenstädt u. Ep. in Gießen, Maschinenfabrikanten. Berlin, 8. Februar. Seit dem Tage des Berliner Congresses hatte unsere ; Telegraphenverwaltung nicht wieder eine solche Fülle von Depeschen an die Provinzen 1 und an das Ausland abzugeben, wie am 6. Februar von Nachmittags 3 Uhr bis spät \ in die Nacht hinein. Außer Betracht lassen wir die telegraphischen Miltheilungen an J vreußische und deutsche Blätter, die stundenweise über einen gemietheten Draht ver- i fügen. Die österreichische und unaarische Presse erhielt Berichte von zweitausend bis s viertausend Worten. England erhielt neben ausführlichen Analysen der Bismarck'schen j Rede Telegramme bis zu fünftausend Worten und in gleichem Umfange übermittelte । das Kabel Depeschen nach Newyork. Die französische Presse begnügte sich mit zweitausend Worten, in gleicher Ausführlichkeit wurde Italien bedient. Nach Rußland gingen nur knapp gehaltene Eindrucksberichte, ebenso nach Kopenhagen, Stockholm, Brüssel und Madrid. . Es war wegen der zahlreichen Drähte, die Berlin mit allen Hauptplatzen des Festlandes verbinden, möglich, daß die Depeschenbeförderung für die Presse nicht unter dem Massenandrang der Riesentelegramme litt, die von den sämmt- I lichen Gesandtschaften an ihre Regierungen abgingen. Diesen officiellen Sitzungs- ! berichten folgten ungewöhnlich umfangreiche Telegramme mit Urtheilen und Eindrucks- | Darlegungen. Morse und Hughes arbeiteten so vortrefflich rasch und sicher, daß nur i eine verhältnißmäßig geringe Verstärkung des Personals erforderlich war. Es gingen i gestern an Absender von diesen Telegrammen Bescheide dahin lautend ein, es wäre jeder Satz und jedes Wort unoerstümmeli eingelroffen. Kurz, man war des Lobes voll über die außerordentlichen Leistungen der Reichstelegraphie. Interessant ist ein Vergleich der gegenwärtigen Drahtberichterstattung und»der zur Zeit des Berliner Eon- gresses. Damals war das zeitungslesende Publikum weitaus noch nicht so verwöhnt wie jetzt; die Telegramme haben an Umfang ungefähr um das vierfache zugenommen und die Raschheit der Beförderung hat sich reichlich verdoppelt, einfach weil die Zahl der Drähte wesentlich vermehrt ist. Wenn in drei Stunden ununterbrochener Arbeit etwa 4000 Worte telegraphirt worden, so ist das gewiß eine recht anerkennenswerthe | Leistung. Die Blätter in Newyork erhielten wegen des sechsstündigen Zeitunterschieds ? die große Bismarck - Rede in früher Abendstunde, so daß also in Amerika die erste ' Hälfte der zweistündigen Rede schon zwischen 7 und 8 Uhr Abends gelten werden ' konnte. Nach dem inzwischen hier erschienenen stenographischen Bericht gingen gestern | im Lause des Tages noch eine Unmasse von Ergänzungs-Telegrammen ab. Allgemeiner Anzeiger. Specialität: Alleinverkauf der patentirterr Kalender-RegulateurS und Standuhren in stylgerechten Gehäusen, Deutsches Reichspatent Nr. 9454, bei C. Mette’s Nacht Georg Spies, 1007 Uhrmacher, 1« Kirchenplatz 14. Wer zeichnet mit schwarzer Kreive Figuren Ntttlh gegebenen Vorlagen «« eine weiß- Wand. Offerten nimmt die Exp. d. Bl. entgegen. 1125 1121 Ein Mann in gesetzten Jahr. w. i 1041 Gesucht ein Mädchen vom Lande leichte Beschäftigung. Anzufr.j.d.Exp.d. Bl. I per 1. März. Näh. in der Exp. d. Bl. Hulzversteigerung im Fürstlich n Herrngarten u. Dietrichüberg bei Villingen. MittwVch den 15. d MtS., Morgens 9 Uhr, sollen in obigem Revier 8 Eichenstangen — 0,30 Festm, 57 Festm. Fichtenbohnenstangen nebst 53 Raumm. Buchen-Scheitholz, 96,8 Raumm. Eichen- und Buchen-Prüqelholz, 529 Raumm. Buchen Oberholz resp. Durchforstungsreiser, 25,5 Raumm. Buchen- und Eichen-Stockholz öffentlich verkauft werden. Hungen, den 6. Februar 1888. Fürstl. Rentamt: 1002 Demme. Dreh- und Frats-DpLhne, ausge- j 1074] Teltersweg 81 n. ein braves zeichnetes Brennmaterial, per Sack 15 X ! Dienstmädchen für Küche und Haus- bei Ludw. Müller, Schillerstr. [1035 J arbeit gegen Ende März gesucht. Stein’s Garten 884 im bei von von von von von 593 ÜÖfc Redastion: A. Scheyda. 2)rucf und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. 1.20 0.50 Sichen Nadel Birken Die F. Hol berg, Kirchenplatz 8. Rmtr. 21 241,8 Rmtr. 46,8 50 Bffiriell u. beachtenswrrth! Z @tne officielle Karte der Nord- u. West- Ztaaten Amerikas, in welcher alle nicht in Besitz genommenen jetzt für Besiedlung noch offene Landergebiete der VereinigtenStaaten veranschaulicht werden, sowie ein illustrirtes Pamphlet, genaue Beschreibung dieser Län- dereien u. wie dieselb. erworben werden können, enthaltend, wird freianJeden gesandt roetoerfetnenpZatnen und Adresse einsendet' Diese Publikationen enth. nur solche Aus- tünfteu. Schilderungen, welche offic. Quellen entnommen u. dah.durchaus zuverlässig sind. Man adressire: C. H. Warren, bi allen Qualitäten mit Firmendruck empfiehlt zu billigen Preisen BrühTsche Druckerei. Carl Bieler 148 ,Kaffee-Lager Rmtr. 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Februar 1888, von Bormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde in den Districten Philosophenwald, Stolzen- morgen, , Tanne und Haingesboden nachverzeichnetesHolz versteigert werden: A. Bau-, Werk- und Nutzholz. 1 Eichenflamm mit 0,42 Festm., 240 Fichenstämme mit 90,15 Festm., worunter Kiefernschnittholz für Schreiner bis zu 46 Cmtr- Durchmesser, 1684 Fichtenstangen mit 22,88 Festm. B. Brennholz. Scheith. Kuüppelh. Stockh. Reish llniversal-Lederfett empfiehlt billigst 995 Chr. Ludw. Thomas, 10 Neuen Bäue 10. Gebrüder Gehrig Hoflieferanten, Berlin SV Beffelstratze 16, empfehlen allen Müttern für Zahnen leidende Kinder ihre Jahren bewährten [< Zahnhalsbänder. In Gießen ächt au haben Chr. Ludw. Thomas. __Neuen Bäue 10. Grow EnlreeMtittdll Sonntag den 12. Februar d. J. Mllet« im Vorverkauf bei den Herren G. Gerhardt (Linden- platz) und A. Kretzschmar (Seltersweg 41): Ieifgeßotenes. Tragbare Oefen m. Carbonnatronheizung. 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