Nr. 28» Erstes Blatt. Sonntag den 9. December 1388 "uuts- und Anzeigedlatt für den Kreis Gießen 'Skittaut Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf, Ies-grapytsch< Pepeschnr. SV»M's telegr. «arrespoudenz. V«re«r. Berlin, 7. December. Se. Majestät der Kaiser hat in einem dem Magistrate beute zugegangenen Schreiben die Genehmigung zur Anlage einer Pferdebahn in der Frtedrtchsstratze über die Linden abgelehnt. Die projecttrte Straßenbreite sei doch zu gering für den wachsenden Verkehr. Einer Pferdebahnoerbindung über die Linden an einer anderen Stelle, worüber ein neues Project vorzulegen sei, würde voraussichtlich nichts im Wege stehen. — Dem Vernehmen nach soll daS im auswärtigen Amte ausgearbeitete Weißbuch über die ostafrtkantschen Verhältnisse, welches voraussichtlich morgen dem BundeS- rathe und dem Reichstage zugehen wird, sehr umfangreich sein und eine historische Darstellung der Uebernahme der ostafrtkantschen Küste in den deutschen Schutz, sowie der Verhandlungen mit dem Sultan von Zanzibar, sodann die Berichte über den Aufstand und die deßhalb mtt dem auswärtigen Amte gewechselten Depeschen und schließlich dte Verhandlungen über die Unterdrückung des Sclavenhandels und die Durchführung der Blokade enthalten. betters. zu einer gewissen Zett sein Buch zur Regtsttirung vorzulegen wird nickt m c Innehaltung der Altersgrenze von 70 Jahren wird das GefeL n i* hÄh^UkCrn‘ m^nc Person bin für das Deckungsverfahren- doch ist ®orb.en' das Umlageoerfahren mit Bildung eines Staatsreserve- Ii°n6b8mn^u^te5>* Die Eapttalansammlung kann dadurch unschädlich gemacht werden daß man ihre Verwaltung dccentralisirt. Die Organisation der Verwaltung nack bedauern sei, daß dte Regierung und auch das Haur so wenig Verstandniß zeige für die wichtige, sociale Bedeutung der Fabrik-, der 2lrmen= bi"?'Gesetzgebung Es fehlt unter meinen Freunden nicht an solchen^ d! fcr QRf $Odta0, nord nicht gekommen erachtm. Aber der Gegenwart falle „ b Lösung socialer Fragen zu und eine Partei, die sich dieser Aufgabe nicht bewußt werde, müsse die Folgen tragen. - B r.tn,n Ä^J?beA ^setz geht zu weit, denn es umfaßt Klassen, dte Gesetz haben werden. Es fer davor zu warnen, daß der Retcks- U "vH ^-.,bVorlage hmausgehe. In den 70er Jahren würde man auf die Vorlage sowohl von der Industrie, wie von den Arbeitern eine entschieden ablehnende Antwort erhalten haben. Die Ortsklassen wird man als einen Compromiß annehmeir m?l|ai’;abcr' Ur "JA ebenso unannehmbar wie dte Lohnklassen. Ich brauche bet memer ablehnendm Haltung gegenüber dem Gesetz um andere Vorschläge "Echt ru bemühen. Den alleinstehenden Arbeiter schützt man durch das Gesetz nicht vor der Armenpflege Der invalide Arbeiter hat seine Kräfte so erschöpft, daß sie nicht lange mehr vorhalten; eine Aufbesserung der Kräfte ist von der Rente nicht moglick. Wohl aber kann der Arbeitgeber ein Jnteresie daran haben, einen Arbeiter invalrde erklären zu lasten. Dann darf dieser Mann nickt mehr verdienen als den Betrag der Rente, wenn er diese nicht verlieren will. Ob die Vorlage ein Act der Armenpflege sei oder nicht, ist lediglich ein Streit um Worte. Von den Steuerüber- fchüsten wird nichts mehr vorhanden sein, wenn das Gesetz in Kraft tritt; wir werden dann, um den Reichszuschuß zu decken, neue indirecte Steuern bewilligen sollen. Der gan»e Geseheutwurf wird deir Arbeitern nicht helfen, sondern ihnen schaden in ihrem Sribslandigkeitsgefühl. Höhere Renten können Sie ohne höhere Prämien nicht ae- wahren. Run werden die Arbeitgeber, namentlich die größeren, ibre Prämien durch Lohnreduction wieder einbringm, und den Reichszuschuß zahlt der Arbeiter ebenfalls zum größten Theil. Der Arbeiter zahlt also die Prämie so ziemlich allein. Das Deckungsoerfahren ist zweifellos das bessere, Capitalansammlungen sind dabet nicht ui vermeiden; wie aber, wenn die Renten nothwendig erhöht werden müssen? Das Quittungsbuch ist zwar unentbehrlich, aber leider nicht empfehlenswerth. Schuld daran sind Diejenigen, welche die Abneigung gegen dies Buch bei den Arbeitern durch dte Forderung der Arbeitsbücher hervorgerufen haben. Zu leugnen ist nicht, daß das Quittungsbuch dte Stelle des Arbeitsbuches wirksam vertreten kann, denn es wird stets ergeben, wo der Arbeiter früher gearbeit hat, da dieser Arbeitgeber die Marken etnklebt und cassirt. Dte Berufsgcnossenschaften waren einst das Lieblingskind, heute sind sie das Stiefkind der Socialgesetzgebung. Auch ich halte ihr Htnetnztehen in die Organisation nicht für zweckmäßig. Dte von der Regierung vorgeschlagene neue Orga- nisatlon hat bisher wenig Freunde gefunden und die neuen Vorschläge scheinen mir wenig geeignet. Eine Retchsanstalt wird heftigen parttcularistischen Widerstand finden und keineswegs das leisten können, was man von ihr et wartet. Die Verwaltung, rote sie ooraeschlagen, ist sehr ähnlich einem Staat im Staate, er ähnelt bereits sehr den Vorschlägen und Ideen der Socialdemokraten. Zum socialen Frieden aber kommen Sie damit nicht. Man kann es dem Arbeiter nicht verdenken, wenn er fordert, denn die Landwirthschaft ist ja auf diesem Wege zu bedeutenden Zugeständntssen gelangt. Das ist aber das Bedenkliche dieser neueren Gesetzgebung, daß sie nie zu Ende kommt. Die freiwilligen Bestrebungen der Arbeiter und Arbeitgeber werden dadurch in den Hintergrund gedrängt. Man darf nicht den Arbeitern den Glauben nehmen, daß sie aus eigener Kraft für sich sorgen können. Abg. Leuschner (Rp.): Der Umfang des Gesetzes ist ein zu großer. Arbeiter mit 2000 v* Jahreseinkommen brauchen eine so geringe Rente nicht. Dte landwirth- schaftltchen Arbeiter sind heute meistens schon besser gestellt, als es nach der Vorlage geschehen soll. Die Reichsanstalt ist ein nothwendiges und wünschenswerthes Central- Justitut. Die Berufsgenossenschaften haben sich nicht bewährt, doch muß man sie bei- behalten, bis man Besseres an ihre Stelle setzen kann. Die Rentenabstufung der Vorlage ist richtig. Vor zu hoher Bemessung der Rente wird man sich hüten müssen, denn niedrige Renten kann man leicht erhöhen, hohe Renten aber schwer oder gar nicht erniedrigen. Ohne Reichsbettrag ist der Gesetzentwurf nicht annehmbar. Das Umlage- verfahren sei dem Deckungsoerfahren oorzuziehen. Redner empfiehlt Vorberathung durch eine Eommission von 28 Mitgliedern. Rach einer kurzen Auswechselung persönlicher Bemerkungen zwischen dem badt- chen Bevollmächtigten v. Marschall und dem Abg. Schrader vertagt das Haus die weitere Berathung bis Montag 12 Uhr. Zugleich wird die erste und zweite Be- rathung der Katser-Wtlhelm-Denkmals-Vorlage aus die Tagesordnung gesetzt. Schluß 43/4 Uhr. Deutscher Reichstag. 10. Plenarsitzung. Freitag, den 7. December 1888, 11 Uhr. «offe5ayUo86mann'‘oänffiobttcaUt ->■ B°°tUch-r, wirt) fottgeE Alters- und Jnvaliden-Versorgungs-Vorlage „ r ^8- Dr* ® u$I (natl.): sehen In der Vorlage keine Behandlung oder Erledigung prtnclpteller polnsichkr Fragen. Grillendergers Ausführungen waren in- ^Anfangs verlarigte er Ablehnung, später wollte er zum Zustandekommen urtlhelsen. Uns scheust die Frage der Herabsetzung der Altersgrenze einer näheren Er- Arung wenh^ Stellt °ra„ a^r die Minimalgrenze auf 60 Jahre fest, so dürften die Beiträge sich um 80pCt. erhöhen. Es wurde das auch eine colossale Belastung der Lmrdwrrthschatt herbeiführen, da etwa 200 000 landwinhschaftliche aber nur 97 000 A'b-Uer der Industrie in diese Altersgrenze fallen. Die Verso?gung der Halb JnvalrE ?t*b8eit ermäßigte die Bank ihren Prioatsatz auf 3^4 %. Nichtsdestoweniger wurde S 3vnÄö6bter "°n < -t 4 vXKW Handel und ÄÄbr Dtt eme derartige Bankpolitik, die genöthigt ist, bur^ Disconterhöhung zu belasten, wenn ihr von 313 Millionen De- diese^Maßrea^nU^ ^^ogen werden, näher zu beleuchten. Genug sei damit gesagt daß Börse roa^natüruTTprf^ ungerechtfertigt empfunden wird. Der erste Eindruck auf die ,. . J® .r natürlich verstimmend. Bald aber trat, infolge ostentativer Käufe die nn. wieder hervor. 9iucfi fae'ntp nm ' die feste Stimmung an von Var s °->c 5rc,taS' Jmnten P4 di- Cours- behaupten hauptsächlich 4- rsäsb,'.0.” .~.a"4r»"»"»—«• - °- neübt 6™efnonm^rbfiaeUhn*ek$lmOni,r6Ö6un8 6i86er ,einen Einfluß auf di- Cours- aus- ÄsS .ch-Mi.r üjzüa Coursc der Fraukfurtcr Börst. Staatsanleihen. Schweizer Stickereien 4°/o Hessische Obligation. „ Bayern .... „ Baden Cours vom c>o/oPortugies.-Anl.v.86 4V2% do. . . . Cours vom 1. Dec. 106.35 107.10 7. Dec. 106.60 107.10 1. Dec. 100.20 95.40 7. Dec. 100.40 95.40 Lo/o Sächsische Rente. 104.95 93 70 104.95 93.65 101.85 101.50 91.85 73.10 94.15 94.20 5o/o amort. Serb. Gold- 81.75 li'/,o/oBremerStaatsanl. „ Hamd.Staatsrente 101.95 101 15 Rente .... 5o/y SerbischeEisenbahn- 81.40 4o/o Okstr. Goldrente . „ GriechischeMonopol- Anleihe . . . 5o/v Rumänische Rente . 92^— 71.80 94 10 Hyp.-Obl. L. A. . 4o/oSchwed.Oblig.l880l I0/0Türken cono. . . . 5o/o priv. Egypter. . . 85.— 102.45 14.95 102.20 84.90 102.50 14.95 102.20 ^'/-°/°RusflscheAnl.. . 94.05 „ Argent. Gold-Anl. _______ v. 1887 . . . 92.60 1 93.30 | | . , t ohne Apprst Hunderten von Mustern wieder frisch eingetroffen bei 4°/e Pfälz. Ludwigsbahn (Bexbach) . . . „ Hessische Ludwigsb. Eisenbahn-Prioritäten. 103.55 1 — 40/0 Südbahn Lombarder 3% do. do. 4% Prag-Duxer Gold . 96.20 60.75 100.60 96.10 60.64 100.90 68/69 garant. . — 103.55 „ Rudolf Gold (Salzkammergut) . . „ Elisabethb. steuerfrei Gold . . . . 50/0 Oestr. «Ltaatsbahn. 4% do. do. 3% do. do. 1 102.10 107.55 101.60 - 101.60 101.70 102.10 107.30 101.50 „ Franz-Josef Silber 3% staatl. garant. Jlal. Eisenbahn . . 3o/o Lioorneser . . . 79.70 59.80 65.— 80.20 59.70 64 90 I.—VIII.Emiss.. 3% do. Ergänzungsnetz 5% Nordwestbatm Gold 82.75 78.20 108.05 82.75 78.05 | 107.95 4% Russische Südwest- Eisenbahn . . 4"/'e Wladikawkas garnt. 79.95 82.75 79.80 Ludwigshafen-Bexbach. Hessische Ludwigsbahn. Pfälzische Nordbahn . 8is-nbahn'Actt gesucht. Offerten in der Exped. geselle wird sofort gesucht von d. Bl. niederzulegen. I H» Bechthold, Wißmar. 8664] . . Mk. -.90 pr. Ctr., StürkcokeS . Wilh. Rudolph, Pianofabrik & Handlung, Giessen igegr. 1851). Nußcokcs, sür Stnbenhchung, ^rHrinert 1.- Wilh. 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