i 1 I i l \ l E E l i F ff Ic itt J. ;■ i 1 tre ki 6. 5 E ,3 £ J L 5 K n ? a ? j f p' 5 5 u r Nr. 1S4L Donnerstag den 9. August Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen , PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. ' Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Vureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. . Politische Rundschau. Gießen, 8. August. Der Besuch unseres Kaisers beim König Humbert von Italien soll .nunmehr nach soeben stattgefundenem überaus herzlichen Briefwechsel zwischen beiden Monarchen endgültig festgesetzt worden sein. Kaiser Wilhelm würde nach Beendigung seines Besuches am Wiener Hofe sich von der österreichischen Hauptstadt direct nach Rom begeben und hier für einige Tage der Gast des ihm verbündetm und befreundeten italienischen Herrschers sein. Der Besuch in Wien und Rom soll bestimmt im October stattfinden, nur die nähere Zeitbestimmung bleibt noch abzuwarten. Wie es bei dem Erscheinen des deutschen Kaisers in Rom mit der deltcaten Frage seines Besuches im Vattcan gehalten werden soll, entzieht sich allerdings noch der Kcnntniß weiterer Kreise, aber es wird venichert, daß auch nach letzterer Richtung hin durch stattgefundene Verhandlungen bereits Alles befriedigend geregelt sei. Vermuthlich wird Herr v. Schlözer, der preußische Gesandte beim Vatikan, bei seiner neulichen Anwesenheit in Friedrichsruhe dem Reichskanzler auch über die gedachte Etiketten-Frage Bericht erstattet haben. Abermals sind verschiedene deutsche Landestheile von Ueber schwemm ungen heimgesucht und deren Bewohner hierdurch in schwere Bedrängniß versetzt worden. Besonders betrübend lauten diesmal die Nachrichten aus Schlesien, wo das Hirschberger Thal, sowie die Thäler des Bober und des Queitz durch die entfesselten Fluthen in einen einzigen See verwandelt wurden. Die Ernte ist in diesen Gegenden total vernichtet , während das Hochwasser auch an Häusern, Eisenbahndämmen u. s. w. arge Verwüstungen angerichtet hat; Menschenleben scheinen aber, soweit bekannt, glücklicher Weise nicht verloren gegangen zu sein. Möge den schwer betroffenen Bewohnern dieser Thäler bald die Hilfe ihrer Brüder im Reiche in zureichendem Maße zu Theil werden! Auch aus Ost- und Westpreußen, Posen, Pommern und noch andern Gegenden Deutschlands sind lange Hiobsposten eingegangen. Die Linie Elbing-Güldenboden, welche in Folge des Hochwassers unfahrbar geworden war, ist seit Montag wieder pafsirbar und auch die schlesischen Eisenbahnstrecken, auf denen der Betrieb wegen des Hochwassers hatte ausgesetzt werden müssen, dürften zur Stunde wieder fahrbar geworden sein. König Milan von Serbien hat, begleitet von seinem Sohne Alexander, Wien am Mittwoch nach fünftägigem Aufenthalte wieder verlassen und sich zunächst nach Bad Veldes in Krain begeben. Daß die Ehescheidungs-Angelegenheit des serbischen Königspaares mit der Anwesenheit König Milans in Wien etwas zu thun gehabt haben sollte, wie behauptet wurde, ist kaum anzunehmen, zumal sich der Wiener Hof dem serbischen Ehedrama gegenüber bislang sehr reservirt verhalten hat. Die Strikebewegung in der französischen Hauptstadt will ihren kritischen Eharacter noch immer nicht verlieren. Fast jeder Tag bringt noch aus Paris die Kunde von Ausschreitungen der feiernden Arbeiter und von infolge dessen heroor- gerufenen Zusammenstößen derselben mit der Polizei. Seit einigen Tagen fpielen hierbei neben den strikenden Erdarbeitern auch die strikenden Friseure und Kaffeehauskellner eine Rolle und besonders benehmen sich die letzteren rabiat. So zogen dieselben am Montag nach Beendigung einer Versammlung nach dem Opernhaus- und Börsenviertel und drohten, die dortgelegenen Kaffeehäuser zu plündern und zu zerstören, welche Drohung freilich nicht ausgeführt werden konnte, da die Polizei die Tumultuanten zerstreute. So lange indessen von den Behörden und vor Allem der Regierung selber nicht energischer gegen das Treiben der Strikenden eingeschritten wird, werden dieselben die Hauptstadt noch weiter tyrannisiren und man sah deshalb in Paris nicht ohne Besorgniß dem Begräbnisse des ehemaligen Eommune-Generals Eudes entgegen, an welchem die Strikenden thetlnehmen wollten. Auch aus der Provinz meldet der französische Telegraph bedenkliche Vorgänge. In Laon wurden die beim Baue eines Tunnels beschäftigten französischen Arbeiter von mit Revolvern bewaffneten Italienern angegriffen und entspann sich ein Kampf, in welchem die Italiener einen Tobten und vier Verwundete hatten; ein officieller Bericht wird jedoch abzuwarten sein. Noch ernster ging es am Montag Abend in Amiens zu.^ Hier griffen strikende Arbeiter die Weberei von Cocquel an, plünderten dos Fabrikgebäude und setzten es in Brand. Da die Gensdarmerie sich gegen die Aufrührer als zu schwach erwies, kam ihr eine Abtheilung rettender Jäger zu Hilfe, aber erst nachdem noch Polizci-Abtheilungen und mehrere Compagnien Infanterie herbei- \ geeilt waren, gelang es, die Strikenden zu zerstreuen und das Feuer zu löschen. Auch hiev gab es Todte und Verwundete, da die Truppen sogar vom Feuergewehr Gebrauch \ machen mußten. j Zu der neuesten Colonialerwerbung der Italiener in Ostafrika, der Be- 1 setzung von Zula, liegt bis jetzt Näheres nur von griechischer Seite vor, indem die griechische Regierung nach Rom ofnciell mitthetlen ließ, daß sie die Besetzung Zulas und das Protectorat Italiens über Zula anerkenne. Ein ernsthafter Einspruch gegen diesen neuesten Schritt der italienischen Colonialpolitik steht überhaupt kaum zu befürchten, wenigstens würde ein solcher Protest post festum schwerlich einen praktischen Erfolg haben. Der transatlantische Telegraph bringt die Trauerkunde von dem in New-York erfolgten Ableben des Generals Sheridan, eines der berühmtesten uniontstischen Heerführer aus dem Secessionskriege. Sheridan führte die Unionstruppen in zahlreichen Gefechten und Schlachten zum Stege, wie er in diesem Kriege überhaupt nie geschlagen worden ist. Die Einschließung und Capttulatton der südstaatlichen Armee unter Lee bei Richmond war hervorragend mit den meisterhaften strategischen Bewegungen General Sheridans zu danken. Telegraphische Depeschen. Wolsf'S telegr. Correspondenz • Bureau. Berlin, 6. August. Seine Majestät der Kaiser nahm gestern das Diner bei I der Kaiserin Friedrich in Schloß Friedrichskron ein und empfing später im Marmor- ! palais den Afrikareisenden Wißmann. Heute Morgen 7 Uhr 28 Min. fuhr der Kaiser mittelst Extrazuges nach Schöneberg, stieg daselbst zu Pferde und wohnte auf dem Tempelhofer Felde, umgeben von der gefammten Generalität und fremdherrlichen Officteren, dem Exercieren des Füsilierbataillons des Franz-Regiments nach dem neuen ' Reglement bei. Er fuhr hierauf nach dem königlichen Schloß in Berlin, hörte mitt- ' Die Kritik der Alters- und Invalidenversicherung. Seit der Veröffentlichung des von den Bundesrathsausschüssen umaearbeiteten neuen Entwurfes des Alters- und Jnvalidenversicherungsgesetzes für die Arbeiter b^t die Presse aller Parteien sich eingehend mit dieser wichtige,k gesetzgeberischen Mat-rle beschäftigt und kann man die Preßurtheile hierüber jetzt als abgeschlossen betrarbt-n Erfreulicher Weise läßt sich hierbei vor Allem conftattten, daß der humane Grund' gedankc des Gesetzentwurfes säst auf allseitige Billigung und Anerkennung gestoßen fft und nur wenige u 'raradikaie Organe haben sich verbisien selbst gegen das P incip her Alters- und Jnvalidenversichermig erklärt. Die einschneidendste Veränderung welche d-r letzige Entwurf im Vergleich mit dem früheren aufweist, die Ersetzung derBeruA genostenscha ten durch Land-s°-is.cherungsanstalt-n resp. Provinzial- und Cornmunal- a™ ?ra8cr b-r Organisation, erfreut sich überwiegend der Billigung der offent ichen Meinung und lediglich vom practischen Standpunkt aus betrachtet bedeutet die Einführung geographffchcr Verbände gegenüber den bcrussgewerblichen Genossen schäften entschieden eine Verbesserung des Entwurss. Ebenso gilt dies von weniaer hervorragenden Bestnumungen des umgeänderten Entwurfes und ist da besonders her Einschränkung der ursprünglichen langen Wartezeit bei der Altersgrenze von 30 Jahren - wenigstens für die Versicherten, welche jetzt das 40. Jahr überschritten haben - i tCm Wegfall der Fixrrung der bedenklich hohen Beitrage von Arbeitgebern wie Arbeitnehmern fast allsettig zugestimmt worden. _. Dafür hat sich freilich die öffentliche Meinung mit anderen, nicht unwesentlichen Emzelhelten des neuen Entwurfes theilweise nicht einverstanden erklärt. So wird vielfach die Altersrente von 240 je noch als zu niedrig und die Altersgrenze von 70 Jahren, von welcher an der Genuß dieser Rente erst beginnen soll, als ru weit hinausgeschoben bezeichnet und führt man in letzterer Beziehung als Hauvtaeaen- arg u ment an, daß das Durchschnittslebensalter der arbeitenden Klassen weil hinter hem in Aussicht genommenen 70. Lebensjahre zurückstehe, während die Bemessung der Rentenhohe bis zum Maximalbetrage von 240 JL als immer noch nicht ben gier- Werten vor Mangel schützend erachtet wird. Weiter hat das beibehaltene Kaott»l- Deckungsoerfahren hauptsächlich wegen der ihm fehlenden statistischen Unterlagen^ van vielen Selten her abfällige Beurtheilung erfahren und ist dafür das Umlageverfabren durch°us"b°w°ähr"' W‘E E8 M toOn bd bcn Krankenkassen und Unfallgenossenschast-n „ . Endlich ist es auch als ein bedenklicher Fehler des umgeänderten Entwurfes g^ugt worden daß derselbe nur Ganzinvaliden kennt, welche dauernde, völlige Arbetts- unsahigkest nachweisen sollen, zumal es der Entwurf unterläßt, den Begriff der völligen Invalidität scharfer zu beftntren. Es muß zugegeben werden, daß der Entwurf nicht nur in diesen sondern auch in manchen anderen Einzelheiten verb-sserungsbedürsttg erscheint und es wäre deshalb zu wünschen, daß der Bundcsrath bei der zweiten Lesung der Vorlaae den von den öffentlichen Meinung gemachten Einwürsen die nöthige Beachiung schenkt? Außerdem konnte es aber der ganzen Materie nur von Vortheil sein, wenn der Bundesratb ii» mit den Wünschen und Interessen der Arbeiter und Arbeitgeber sowie mit ben 91? schauungcn wiffenschaftltcher Volkswirts»- über dte hierbei in Betracht kommenden ^°a n °-rtraut machte, denn nur dann erst würden die weiteren V-rbandtungcn über -rhatt n U"b Invalidenversicherung den natürlichsten und praktischsten Untergrund tärische Meldungen arbeitete mit dem Ches des Militärkabinets und frühstückte Im Äb,“ SÄ“ * I *" «■"” «• ÄÄWfÄ“ «• XStt . Bonn, 7 August. Bei dem gestrigen Festbanket des Anthropologen-Conoreffes wurde folgendes Telegramm an den Kaiser adgesandt: „Die in SBonn ” beutl$en Anthropologen senden Ew. Majestät ehrerbietigen Gruß und sind dn emstln Zeiten eingedenk welche das Band zwischen Volk und Herrscher nur noch sestcr^nüps en Aus bewegtem Herzen ruien wir: Heil, Herl unserem Kaiser!" rnupslen. . a _ Aachen, 7. August. Die englische Post von gestern früh ist au§aebHeh?n das Schiff wegen ungünstigen Windes den Anschluß in Ostende verfehl?bat ' 1 Hirschberg, 7. August. Die Bahndirection macht bekannt , daß die Str-^ mleber ber8cfteQt- ble Strecke Gr-iffenberg-Fried-b-r/ noch sänget 71 August. König Vttlan von Serbien besuchte heüte Mittoa den Minister Kallay und reifte dann um 8 Uhr 15 Minuten zu einem bretroötientlirfJn I?U£n h * na* dad Velden ab. Er begibt sich sodann auf vier Wochen nach Reichenberg. uuu* Paris, 7. August. Zwischen den strikenden Friseur - Gehilfen, Kaffeebaus. Kellnern und der Polizei fanden heute mehrfache Zusammenstöße statt. Mehrere Exc-denten wurden verhaftet. Die Versammlung der strikenden Erdarbeiter befchlob eine Adresse an Floquet zu richten, in weicher sie die Zurückziehung der Truppen und der Polizei, welche die Bauplatze bewachen, sordern, andernfalls werde die Regteruna die D-ran,Wartung fur.bie weiteren Folgen tragen müssen. Zugleich wurde beto offen® aniuu® men PrU* ftabtltoen 6ommiffion üb