Kr. los Erstes SBUtt. Mittwoch dm 9. Mai 18$8- ießcucr AnPUW Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. -reis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohrr. >urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hßeil. arpi, rai®^ ;b rotur£/tler .?beodor Demmer von der 3. Compagme 1. Oberschles. Jnfanterie-Regiments Nr. 22, geboren am 27. Januar 1865 zu Gießen, Kreis Großen rm Großherzogthum Heffen, früherer Hausrrer, ist die kriegsgerichtliche Untersuchung wegen Fahnenflucht im ContumaUal-Verfahr-u eingeleitet ML*“feeMert, zurückzukehren und sich spätestens in dem auf Dienstag den i. September 1888 Mittags 12"Uhr im Sen ÄS dner<^®elbftiafe^nnn1U?5ri^e^..^0ITII!lan^anturJ5lr!^etau,^en Termine zu melden, widrigenfalls derselbe in contumaciam für einen Deserteur erklärt und zu emer iseioitrafe von 150—3000 Mark verurteilt werden wird. 3 ben 4. Mai 1888. Königliches Kommandantur-Gericht. Politische Ueberficht» Gießen, 8. Mai. Der Kaiser verbrachte die Nacht vom Samstag zum Sonntag nicht so gut, wie die oorangegangenen letzten Nächte; es stellte sich ziemlich starke Eiterung ein, in Folge dessen der Schlaf öfters unterbrochen wurde. Doch befand sich der Kaiser am Sonntag Morgen fieberfrei und auch der übrige Theil des Tages verlief ziemlich gut, zumal ließ die Eiterung nach, indessen verblieb der erlauchte Patient auf Wunsch der Aerzte im Bett. Auch während der Nacht vom Sonntag zum Montag wurde der Schlaf desselben durch reichlichere Absonderung gestört und fühlte sich in Folge dessen der Kaiser am Montag früh etwas matt. Von privater Sette wird jedoch gemeldet, daß sich der hohe Kranke trotz der erheblichen Eiterausleerungen aus dem Kehlkopfe von Schling- und Alhmungsbeschwelden vollständig frei fühle und daß auch der Appetit keine Einbuße erlitten habe. Nunmehr hat auch das preußische Herrenhaus Stellung zum Volksschullastengesetz genommen. Seme Eommission führte am Samstag die Berathung zu Ende und decken sich die Eommissionsbeschlüsse in den meisten Punkten mit den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses, auch was die Resolution anbelangt, der zu Folge das Volksschullastengesetz eine Verfassungsänderung bedingt. Das Herrenhaus hat in seiner Samstagssitzung den Gesetzentwurf der Abgeordneten v. Schenckendorff und Kropatscheck, betr. die Gleichstellung der Lehrer an den nichtstaatlichen höheren Lehranstalten Preußens mit den Lehrern an den entsprechenden staatlichen Schulen, abermals abgelehnt. So bedauerlich das abermalige Scheitern dieser nur zeitgemäßen gesetzgeberischen Materie einerseits auch ist, so sind doch anderseits die bezüglichen Verhandlungen wenigstens des Abgeordnetenhauses nicht ohne Nutzen gewesen. Sie haben vor Allem gezeigt, welche Mißstände auf diesem speciellen Gebiete vorhanden sind und ein Material ergeben, aus welchem die Regierung einen selbstständigen Entwurf über die Gleichstellung der genannten Lehrerkategorie ausarbeiten lassen kann. Die badische erste Kammer hat sich bis Ende Mai vertagt, bis zu welchem Zeitpunkte der Commtssionsbericht über die Kirchenoorlage voraussichtlich oorliegen wird. Bekanntlich ist seitens der zweiten Kammer der Artikel 4 der Vorlage, welcher die Zulassung von in Baden verbotenen katholischen Orden behufs Aushilfe in der Seelsorge aussprach, gestrichen worden, da die liberale Mehrheit der Kammer nicht finden konnte, daß eine solche Maßregel ein zwingendes Bedürfniß sei. In der ersten Kammer resp. in der Commission ist man nun mit der radicalen Ablehnung des Artikels schon mit Rücksicht auf die Regierung nicht einverstanden und es wird versucht, die Regierungsvorlage in einigermaßen modtfictrter Form wiederherzustellen. In der altberühmten italienischen Universitätsstadt Bologna hat am Sonntag die Eröffnung der Musikausstellung in Gegenwart des Königspaares, des Kronprinzen, des Ministerpräsidenten Crispi und des Handelsminifters Grimaldt stattgefunden. Das Köntgspaar hat sich in Bologna Seitens der Bevölkerung einer außerordentlich enthusiastischen Aufnahme zu erfreuen gehabt, was namentlich deshalb bemerklich erscheint, weil die Stadt als eines der Hauptquartiere der radicalen Partei gilt. In der That ist von radicaler Sette auch eine Demonstration in Scene gesetzt worden, indem ein Haufen von etwa 200 republikanisch gesinnten Studenten die Seitens der königstreuen Studentenschaft dem Königspaare am Samstag Abend dargebrachte Ovation zu stören versuchte, wobei es zu wüsten Scenen kam. Das Gebühren der republikanischen Studentenschaft rief bet der Einwohnerschaft Bolognas große Entrüstung hervor und auf deren Rechnung sind wohl die begeisterten Kundgebungen zum Theil zu setzen, mit denen die Majestäten bei ihrer am Sonntag Nachmittag durch die Straßen der Stadt unternommenen Rundfahrt allenthalben begrüßt wurden. Der Kaiser von Brasilien, welcher seinen Aufenthalt in Florenz mit einem Aufenthalte in Mailand vertauscht hat, ist daselbst von einer Unpäßlichkeit befallen worden, doch werden die Gerüchte, nach denen der Kaiser Dom Pedro ernstlich erkrankt sein soll, als unzutreffend bezeichnet. Boulanger sucht seinen französischen Landsleuten auf jede Weist beizukommen. Jetzt ist er dabei, ein Werk herauszugeben, welches sich „Die deutsche Invasion" betitelt und dessen erste Lieferung soeben in 21/2 Millionen Exemplaren gratis zur Vertheilung gelangt ist. Dieselbe enthält als Prospectus einen autographtschen Brief Boulangers, in welchem sich der Ex-General dagegen verwahrt, ein Kriegsapostel zu sein und empfiehlt er die unparteiische Lectüre seines patriotischen Werkes, das beweisen werde, daß er von den höchsten Gefühlen für die französische Nation beseelt sei. Boulanger will seinen Landsleuten noch lange keinen Krieg wünschen, ihnen aber die Organisation I der nationalen Vertheidigung zeigen, die sie aus seinem Werke lernen sollen, in welchem ! nach der Versicherung Boulangers die Männer und die Vorgänge von 1870 mit Unparteilichkeit geschildert sind. — Vermuthlich läuft das ganze Unternehmen darauf hinaus, den Franzosen schwarz und weiß zu beweisen, daß sie 1870/71 Sieger geblieben wären, wenn sie eben einen Boulanger als Generalissimus gehabt hätten; man darf wirklich neugierig sein, ob der Ex-General mit dieser seiner neuesten Leimruthe viele Gimpel fangen wird. Die Patriotenliga hat ein Manifest erlassen, in welchem Boulanger als Führer der „nationalen Partei" Frankreichs förmlich anerkannt wird, die Ver- | brüderung zwischen den Boulangisten und den Anhängern DSroulödes ist also eine vollständige. Dem englischen Unterhause ist in der That nun ebenfalls eine „Wehrvorlage" zugegangen, in der jedoch von einer namhaften Verstärkung des brtttischen Heeres oder der Flotte nicht die Rede ist, ebensowenig von durchgreifenden militärischen Reformen. Im Großen und Ganzen enthält die Vorlage nur Vorschriften, welche eine raschere Mobilisirung des Heeres bezwecken und Vorschläge zur Anlage einiger neuer Küstenbefestigungen, bezüglich deren dem Unterhause eine wettere Vorlage zugehen soll, welche dem Vernehmen nach 1 200 000 Pfund Sterling für die geplanten Befestigungen fordert und das will gerade nicht viel besagen. Berlin, 6. Mai. Der Kaiser empfing heute Nachmittag den Besuch der kron- prinzltchen und der Meiningenschen Herrschaften, sowie des Prinzen Heinrich, welche von 1 bls 3 Uhr im Charlottenburger Schlosse verweilten, und conferirte darauf mit dem Ober - Ceremonienmeifter Grafen Eulenburg. — Die Kaiserin begab sich mit den Prinzessinnen-Töchtern Vormittags 11 Uhr nach Berlin, um dem Prinzen Wilhelm dem ältesten Sohne des kronprinzlichen Paares, zu seinem heutigen Geburtstage zu gratuliren; sie traf dort mit der Kaiserin Augusta zusammen, die ebenfalls ihre Glück- wi'msche abstattete. Bei der Rückfahrt machte die Kaiserin Victoria dem Cultusmtnister Goßler einen Besuch. — Der Kronprinz conferirte gestern Nachmittag mit dem Chef der Admiralität, von Caprivi, dem General von Waldersee, und dem Professor Gneist. Berlin, 7. Mai. Der „Reichsanzeiger" meldet: In den Grafenstand wurden erhoben Bodelschwing - Plettenberg und Steinberg. In den Freiherrnftand wurden erhoben Gersdorff (Bauchwitz), Minister Lucius, vier Brüder Stumm. Geadelt wurden 33 Personen, darunter Achenbach, Gneist, Hardt, Heyer, Lucanus, Marcard, Franz Mendelssohn, Kammergerichtspräsident Oehlschläger, Werner Siemens, Generalarzt Wegner (Berlin), Dietze (Barby), Heimendahl (Crefeld), Jordan (Straßburg), Curator Meier (Göttingen), Oberpräsident Steinmann (Schleswig), de Voß (Itzehoe), Websky (Schwangfeld), Weiß, (Soldin), Weyrauch (Cassel). Alle Oberpräsidenten führen für die Dauer ihrer Amtsausführung das Prädikat Excellenz. — Der „Reichsanzeiger" meldet ferner: Ernannt wurden zu Wirklichen Geheim-Räthen (Excellenz) der Gesandte Alvensleben (Brüssel) und der Gesandte le Maiftre (Athen), ' der Unterstaats- secretär Puttkamer-Straßburg, Ministerialdirector Duddenhausen, Provinzialsteuerdirector Hellwig-Berlin, Oberbaudireclor Schneider-Berlin. Das Prädikat Excellenz erhielt der Burggraf Marienburg, Graf Dohna-Finkenstein. Den Rang von Räthen erster Claffe erhielten Geheimrath Roltenburg-Berlin, Hauptbank-Vtcepräsident Koch- Berlin; zum Kronsyndikus ernannt wurde Oberlandesgerichts - Präsident Holleben- Königsberg. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Corresporrderrz-Bureau. Berlin, 7. Mai. Des Kaisers Schlaf in der Nacht wurde durch reichliche Absonderung und Husten unterbrochen. Das Fieber stand gestern Abend auf 38 3 heute früh 37,9 Gr. Die Nahrungszunahme ist genügend, ebenso der Appetit. Der Kaiser bleibt im Bette. — Der Kaiser nahm Vormittags einen längeren Vortrag Wilmowski's entgegen und empfing den Besuch der Herzogin Wilhelm von Mecklenburg. — Die Kaiserin begab sich Nachmittags nach Berlin. — Die „Nordd. Allgem. Ztg." meldet: Der Kaiser fühlt sich seit Samstag Abend etwas matt und angegriffen, ohne daß dafür in den objectiven Krankheitssymptomen ein ausreichender Grund zu finden ist. Grund zu augenblicklichen Besorgnissen liegt in dieser hoffentlich vorübergehenden Körperschwäche nicht, die sich schon wiederholt im Laufe der letzten Wochen gezeigt hat und bisher immer wieder überwunden worden ist. Berlin, 7. Mai. Der Kaiser hatte einen guten Tag, die Nachmittagsstunden waren befriedigend. Das Fieber war Nachmittags sehr gering. — Der Kaiser conferirte nach 5 Uhr kurze Zeit mit dem Reichskanzler Fürsten Bismarck. ötrlin, 7. Mai. Das Abgeordnetenhaus nahm ohne Debatte in dritter Lesung das Gesetz über die Verleihung von Korporationsrechten an Ordensniederlassungen an. Der Gesetzentwurf betreffend die Verbesserung der Oder und Spree wird in erster Lesung einer 21 gliedrigen Commission überwiesen. Im Laufe der Debatte berührte der Abgeordnete von Schorlemer Alst die Frage des Rhein-Emskanales, wünschte deren endliche Erledigung und beantragte die Herabsetzung der Beitragskosten der Interessenten. Der Minister von Scholz erklärte, auch die Regierung wünsche lebhaft das Zustandekommen des Rhein-Emskanales. Der Minister von Maybach wünscht, daß die Vorlage recht bald erledigt werden möge, damit man noch vor Pfingsten an die Arbeit gehen könne, über den Antrag des Abgeordneten von Schorlemer-Alst würde man sich verständigen können. Zum Schluß wurden sämmtliche auf der Tagesordnung stehenden Petitionen thells durch Uebergang zur Tagesordnung, theils durch Ueberweisung an die Regierung erledigt. In der nächsten morgen um 1 Uhr stattfindenden Sitzung kommen kleinere Vorlagen und Petitionen zur Berathung. — Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht das Ergebniß der amtlichen Untersuchungen der Vorgänge in Belfort, wo vier deutsche Studenten insultirt wurden und bemerkt hierzu: Die Bahnbeamten hätten ihre Schuldigkeit gethan, indem sie den überfallenen Studenten Schutz gewährten und dieselben anständig behandelten. Die Polizisten hätten vielleicht mehr Energie beweisen sollen. Das Benehmen der Offiziere lasse aber einen traurigen Schluß auf den Geist und die Bildung des französischen Offiziercorps zu. Deutschland könne nur wünschen, daß solche Offiziere J dem französischen Offiziercorps erhalten blieben, Angesichts der Vorgänge könne man nicht erwarten, daß sich Deutsche an den Ausstellungen Frankreichs betheiligten, um i ihr Eigenthum einer ähnlichen Behandlung auszusetzen, wie die Personen dort erfahren. - Karlsruhe, 7. Mai. Der Großherzog leidet, der „Karlsr. Ztg." zufolge, seit •< Samstag an einer katarrhalischen Affektion der Luftröhre, verbunden mit einem all- ' gemeinen Erkältungszustand, welcher ihn nöthigt, zeitweise zu Bett zu bleiben, jedenfalls aber das Zimmer nicht zu verlassen. Alle Vorträge, Meldungen und Audienzen wurden abbestellt. c Paris, 7. Mai. Von den gestrigen Gemeindewahlen in ganz ^rankrerch sind bisher nur die Resultate aus den größeren Städten bekannt. Diese scheinen im Allgemeinen zu Gunsten der Republikaner ausgefallen zu sein, gewähren aber noch keinen Ueberblick des Gesammt - Resultats. Anscheinend sind viele Stichwahlen nothwendig. — In Seine-et-Oise sind nur drei Glasfabriken geschlossen; in allen übrigen beschlossen die Arbeiter, f.^tzuarbeiten. — Das „Journal des Debats" verlangt die Auflösung der Patriotenliga. — Die Abendblätter heben hervor, daß augenblicklich es unmöglich sei, ein präclses Gesammturtheil über die Resultate der Muntcipalrathswahlen zu fällen, da viele derselben, durch rein locale Motive beeinflußt, in keiner Weise mit Politik Zusammenhängen. Boulanger wurde in Tülle in Folge des freiwilligen Beschlusses der Arbeiter der dortigen Waffenfabrik in den Municipalrath gewählt.; Paris, 7. Mai. Der Municipalrath votirte 10,000 Francs zur Unterstützung für die Familien der Glashüttenarbetter der Departements Seine und Seine-et-Oise, welche durch die Schließung der Fabriken beschäftigungslos geworden sind. Vor der Abstimmung machte der Seinepräfekt besondere Vorbehalte bezüglich des Votums. Der Setnepräfekt constatirte, daß augenblicklich 2500 Arbeiter der Glashütten beschäftigungslos sind. — Der Ertrag der indirekten Steuern im April ergibt ein Plus von 4 Mill., gegenüber dem Voranschlag, ein Plus von 5 Mill, gegen den April 1887. — Boulanger wird am Freitag nach Dünkirchen gehen und sich von da nach Lille begeben, wo er am Samstag zu verweilen gedenkt und an einem Bankett für 600 Personen theil- nehmen wird. Er beabsichtigt, am Sonntag die Gruben von Anztn und Denain zu besuchen und am Montag nach Valenciennes, Cambrat und (Laint-Quenttn zu reisen. In Saint-Quentin wird er einem großen Bankett unter dem Vorsitz des Deputirten Turquet beiwohnen. London, 7. Mai. Unterhaus. Unterstaatssekretär Fergusson erklärte auf eine Anfrage, zwischen der Regierung und dem Papste hätten keinerlei nichtoffiztelle politische Verhandlungen stattgefunden. Was die Samoafrage angehe, so sei Tamasese jetzt de facto König von Samoa und werde als solcher auch von der Regierung praktisch anerkannt. Die Regierung habe keinen Grund, bei den Differenzen mit dem früheren Könige Malietoa irgendwie Partei zu ergreifen. Die Vertragsbeziehungen zwischen England, Deutschland und den Vereinigten Staaten bezüglich Samoas seien unverändert. — Der erste Lord des Schatzes, Smith, theilte mit, die Pfingstferien würden vom 18. bis 31. Mai dauern. Konstantinopel, 7. Mai. Da es dem armenisch-katholischen Patriarchen Azarian gelungen ist, die Wiederaussöhnung der Armenier mit den sogenannten Anti- hussanisten herbeizuführen, so verlas der Patriarch in Anwesenheit zahlreicher Ktrchen- genossen ein Reskript, worin die Wtederaussöhnung feierlich bekräftigt wird. Newyork, 7. Mai. Bei Locust Eap in Pennfylvanien löste sich der erste Theil eines 75 Waggons starken Güterzuges ab und wurde am Fuße des steilen Abfalles aufgehalten. Da die Bremsen des zweiten Thetles versagten, kam derselbe ins Laufen und stieß auf den stehenden ersten Theil. Ein mit Pulver beladener Waggon explodtrte und zerstörte 17 in der Nachbarschaft liegende Häuser, die von Bediensteten der Reading-Eisenbahn bewohnt waren. Die Kohlenvorräthe und Trümmer fingen Feuer. Acht Personen, meistens Kinder verbrannten, viele wurden theils schwer, theils leicht verwundet. 12 Waggons sind zertrümmert. Berlin, 8. Mai. fPrivatdepesche.^ Bulletin von 9 Uhr Morgens. Der Kaiser hatte eine bessere Nacht und fühlt sich heute kräftiger. Fieber ist gering geblieben. L o k s t e 4. Gießen, 8. Mai. In der gestern Abend im Caf6 Leib stattgefundenen Zusammenkunft des Hessischen Zweigvereins deutscher Liqueurfabrikanten, in der die bedeutendsten Firmen des hiesigen Platzes vertreten waren, wurde, veranlaßt durch die erneuten Ringbestrebungen und die damit verbundene Beunruhigung der Branntweinbranche, einstimmig beschlossen: „sich mit dem Vorschläge des Verbandes südwestdeutscher Branntweininteressenten zur Gründung einer Einkaufscommission einverstanden zu erklären mit dem ausdrücklichen Bemerken, von den Brennern, Sprit- Fabrikanten und -Händlern, welche der geplanten Sptritusbank angehören oder fernerhin derartige Projecte unterstützen, nichts zu kaufen, daß es jedoch Jedem unbenommen bleibt, von solchen zu kaufen, die der Sptritusbank nicht beitreten." Gieße«, 8. Mai. Die gestrige außerordentliche Generalversammlung des land- wirthschaftlichen Provinztalvereins wählte nach Durchberathung der neuen Statuten den seitherigen 1. Präsidenten Herrn Adalbert Freiherrn von Nordeck zur Rabenau wieder, an Stelle des Herrn Regierungsraths Nover, welcher infolge seiner Ernennung nicht wtedergewählt werden konnte, Herrn Gutsbesitzer Sch lenke hier zum Vtce- präsidenten. Gieße«, 8. Mat. Wegen Vergehen gegen § 175 des R.-St.-G.-Bs. in Verbindung mit Einbruch wurde gestern ein hiesiger Einwohner verhaftet. — Ein bei der Kehr-Colonne beschäftigter Mann tälschte auf den Namen seines Vorarbeiters einen Gutschein für eine Woche Mittagessen. Er wurde dteserhalb zur Anzeige gebracht. Univerfitäts«Chronik. — Der Director des allgemeinen Krankenhauses in Hamburg, Cur sch mann, folgt einem Rufe nach Leipzig als Nachfolger Wagner's. — Dem außerordentlichen Professor der Theologie in Leipzig, Lic. Dr. Eduard König, wurde von der theologischen Fakultät in Erlangen in Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der alttestamentlichen Schrtftforschung und der Hebratschen Sprache die theologische Doctorwürde honoris causa verliehen Vermischtes. Marburg, 4. Mat. Ein bedauernswerther Unfall rreignete sich gestern Abend aus der Station Sarnau der Marburg-Laaspher Secunbärbahn, indem der dortige Bahnhoss-Nachtwachter Ebert beim Uebergange oberhalb des Bahnhoss von dem Sufle Nr. 438 überfahren und derart oe, letzt wurde, datz derselbe heute Morgen in der hiesigen chirurgischen Klinik, wohin man rhn gebracht hatte, verstarb. O Frankfurt a. M., 4. Mai. (Große internationale Hunde-Ausstellung.) Die Vorbereitungen zu dieser m den Tagen vom 10.-13. Mai incl. statlfindenden großen kynologischen Ausstellung, der größten, die jemals auf dem Continent abflehalten wurde, nehmen raschen und erfreulichen Fortgang. Die officielle Eröffnung der Ausstellung erfolgt am 10. Mai Vormittags in Anwesenheit der hiesigen Behördenspitzen. An demselben Tage, Vormittags 9 Uhr, beginnt bereits die Prämiirung der Hunde durch das Prersrrchter-Collegium. Zur Vorführung der Thiere sind 15 große Lauf- Platze eingerichtet. 1000 Boxen, die in England angesertigt wurden, sind bereits an ihren Bestimmungsort abgegangen. Die Landwirthschastliche Halle wird prächtig decorirt werden. Der Magistrat Frankfurts stellte zu diesem Behufe bereilwilligst Fahnen zur Verfügung. Dte^ Ausstellung wird gegen Feuersgefahr völlig geschützt sein. Vier Feuerwehrleute sind ständig in den Ausstellungsräumen stationirt, das hiesige ' Regiment stellt zu den nothwendigen Handreichungen und Hilfeleistungen 100 Soldaten auf die Dauer der Ausstellung. Das Ministerium der öffentlichen Arbeiten hat verfügt, daß auf allen preußischen Bahnen freier Rücktransport für unverkauft gebliebene Hunde erfolgen soll, die gleiche Vergünstigung haben zahlreiche Privat-Eisenbahngesell- schaften des In- und Auslanves zugestanden. Das lebhafteste Interesse findet natürlich die Ausstellung in England, dem Eldorado jeden Sports. Von dort aus werden zahlreiche der schönsten und seltensten Rassen zur Ausstellung gebracht werden; englische Berichterstatter und Zeichner haben im Auftrage kynologischer und sportlicher Blätter ihre Anwesenheit während der Ausstellung angezeigt. Von deutschen Concurrenten bringt Prinz Solms die größte Anzahl Hunde, nämlich |45, zur Ausstellung. Die Anzahl der dem Comtis zur Verfügung gestellten Preise wächst von Tag zu Tag. Auch das Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten wird 5 silberne und 10 broncene Preise spenden. — Besondere Erwähnung verdient noch, daß Herr Dr. Hans v. Kadtsch-Wien während der Ausstellung — jedenfalls im großen Saal des Zoologischen Gartens — einen Vortrag über das Thema: „Der stichelhaarige deutsche Vorstehhund und seine Stellung zum rauhhaarigen Vorstehhund anderer Rassen" halten wird. — Frankfurt a. M., 7. Mat. Gestern war hier großer Renntag. Die Bicycler liefen bezw. fuhren im Palmengarten und die Pferde am Forsthaus. Das Frühjahrs-Rennen des Rheinischen Rennoeretns bestand aus 5 Nummern, das Velociped- Wettfahren aus nicht weniger als 11. Letztere alle ausrusühren, würde den Raum dieses Blattes allzu sehr in Anspruch nehmen, es sei daher nur erwähnt, daß im Zwetrad-Hauptfahren (5000 Meter gleich 12% Runden, 1. Preis eine completer Silberkasten im Werthe von 200 Jü, 2. Preis eine Marmor-Standuhr im Werthe von 100 v4L, 3. Preis ein Bterhumpen im Werthe von 40 JL) August Lehr vom hiesigen Bicycle-Club als Erster das Ziel passirte. Zweiter war Josef Goebel aus Mainz, dem Frankfurter Radfahrer-Verein angehörig, und Dritter Tobias Herbel vom Mannheimer Velociped-Club. Zetten: 10 Minuten 23%o Sec., 10 Minuten 23% Sec. und 10 Minuten 30% Sec. Man ersieht aus den Zeitunterschieden, daß der Kampf ein sehr harter war. Im Dreirad-Hauptfahren (4000 Meter gleich 10 Runden, 1. Preis eine goldene Kette mit Medaillon im Werthe von 150 JL, 2. Preis ein silbernes Schreibzeug im Werthe von 60 J4) siegte Louis Stein vom hiesigen Radfahrer-Verein in 8 Minuten 34% Secunden. Zweiter: Theodor Jaide vom Velociped-Verein zu Mannheim, Dritter: Otto Stein vom hiesigen Radfahrer-Verein. Interessant war auch das Tandem-Fahren, zu dem leider nur 3 Paare erschienen waren. Die Pferderennen am Forsthaus ergaben folgende Resultate: I. Eröffnungsrennen. 400 Herrenreiten. Dist. 1200Meter. Es siegte leicht d'Orotlle's braune Stute „Mirella" über Graf Leiningens br. St. „Carmen". Es liefen nur diese beiden Pterde. 11. Flachrennen. 800 JL Herrenreiten. Dist. 1800 Meter. Es liefen sieben Pferde. Sieger: 1) Ritter v. Lössl's F.-W. „Spring-Blossom", geritten vom Artillerie- Lieutenant Freiherrn v. Rettzeustein, 2) Oppenheim's schw. St. „EgSrte", 3) Oehl- schlägers F.-G. „Donner". IH. Offiziers-Hürden-Rennen. 1000 JL Dist. 2400 Meter. 8 Hürden 0,9 Meter hoch. Von 4 concurrirenden Pferden blieben Sieger: 1) Frhr. v. Reitzen- stein's F.-W. „Durdans", geritten vom Besitzer, 2) Frhr. o. Broich's br. St. „Perle fine", 3) v. Kaufmaun's „Langridge". IV. Jagd-Rennen. 1. Preis 1500 JL, 2. Preis 300 JL Internationales Herrenreiten. Dist. 2400 Meter. Etwa 12 Hindernisse nicht mehr als 3 Meter breit und 0,9 Meter hoch. Es liefen 4 Pferde. Ersteres war N. Suermondt's F.-H. „Mikado", geritten vom Besitzer. Zweites: Oehlschläger's F.-H. „Nachtwächter", geritten von Riltmeister von Heyden-Linden. Drittes: Ritter v. Lössl's F.-W. „Este", geritten vom Besitzer. Der Kampf war hierbei ein sehr harter. V. Große Steeple-Chase. Ehrenpreis des dahingeschiedenen Kaisers 1800 Jü, wovon 1500 .K dem ersten, 300 JL dem zweiten Pferd zufallen. Dist. 4000 Meter mit ca. 15 Hindernissen, 4,5 Meter breit und nicht über 1 Meter hoch. Sieger: 1) H. Suermondt's br. St. „Waldine", geritten vom Besitzer, 2) Ritter v. Lössl's F.-St. „The Fawn", geritten von Rittmeister von Heyden-Linden, 3) Lieutenant Nolle's br. W. „Landsear", geritten von Lieutenant Suermondt. „Waldine" gewann leicht mit 2 Längen. Frankenberg, 3. Mai. Das unbefugte und verderbliche Tragen von Waffen hat gestern in Frankenau einen beklagenswerthen Unglücksfall zur Folge gehabt. Einige auswärts in Arbeit stehende junge Leute aus Frankenau, welche sich heute dahier zur Musterung zu stellen hatten, benutzten gemeinsam einen Wagen Izur Heimfahrt. Kurz vor Frankenau gegen halb 8 Uhr Abends angekommen, will der Johs. Müller, Christian Sohn, ihre Ankunft durch einen Schuß anmelden, zieht den mit einer Spitzkugel geladenen Revolver, schießt und trifft den neben ihm fitzenden Johs. Schellberg, Daniel Sohn, so unglücklich in den Kopf, daß dieser sofort tobt niedersank. — Bewegungsspiele für Knaben unter Aufsicht städtischer Lehrer werden in Berlin von Monat Mai ab jeden Mittwoch und Samstag Nachmittag von 4—6 Uhr im Friedrichs- und Humboldthatn, im sog. Eichbusch vor dem Schlesischen Thore, am Fuße des Kreuzberges, sowie auf den Exercierplätzen hinter der Ulanencaserne bei Moabit und an der Schönhauser Allee staltfinden. Die Theilnahme an diesen Leibesübungen steht jedem Knaben frei. — Die zur Landwehr gehörenden Officiere, Unterofficiere und Mannschaften führen jetzt nicht mehr wie früher die betreffende Regimentsnummer auf den Achselklappen, da nach dem Gesetz vom 11. Februar l. Js., betreffend die Abänderung der Wehrpflicht, die aus den Brigadeoerbänden hervorgehenden Mobilmachungs-Formationen die Nummern ihrer Brigaden zu führen haben. In Preußen haben die der Landwebr angehörenden Officiere und Mannschaften hiernach die bisher geführten Regimentsnummern auf den Achselklappen mit der Nummer der betreffenden Brigade vertauscht. Bei uns in Hessen soll die Landwehr überhaupt keine Nummer auf den Achselklappen tragen, wie dies bereits an den Stamm - Mannschaften beobachtet werden kann. Die Officiere und Mannschaften der ersten (49.) Infanterie-Brigade (Bezirke Darmstadt I, Offenbach, Friedberg, Gießen) tragen weiße Achselklappen ohne Nummer, diejenigen der zweiten (50.) Infanterie-Brigade (Darmstadt II, Erbach, Mainz, Worms) gelbe Achselklappen, ebenfalls ohne Nummer. Landwirthschastliche Nachrichten. (Nachdruck verboten.) — sDie Kreuzung von Weizen und Roggen.j Bei dem heutigen Stande der Landwirthschaft muß Alles dahin streben, möglichst viel und möglichst billig zu pro- duciren. Diesem Bestreben entspringen auch die Bemühungen, immer neue lohnendere Varietäten der Getreide zu erzielen. Damit gewinnen auch die Versuche, Roggen und Weizen, die beiden Verwandten, zu kreuzen, eine hohe Bedeutung. Der Zweck dieses Verfahrens ist der, zu sehen, ob durch die Kreuzung mit Weizen und Roggen eine Pflanze gezüchtet und gewonnen werden kann, welche Körner ergibt, die so gut sind wie Weizen und die dabei als Pflanze dem Roggen entspricht, eine Pflanze, die dort wächst, wo Weizen nicht mehr gedeiht, die sich demnach mit ärmerem und leichterem Boden zufrieden gibt und zeitiger reift als Weizen. Die Versuche sind nun in England anscheinend erfolgreich betrieben worden. Mr. Charles Bernard berichtete nun vor einiger Zeit im „Century Magazine" über derartige Versuche. Die Fortpflanzungsorgane sind in einer Kapsel eingeschlossen und hierdurch vor jeder Vermischung mit dem Blüthenstmbe anderer Pflanzen geschützt. Um nun eine künstliche Befruchtung vorzunehmen, muß, nach der Uebersetzung der „Deutsch, landwirthsch. Presse", eine Oeffnung in der die Weizenblüthe umschließenden Kapsel gemacht und der fremde Blüthenstaub hineingeführt werden. Dies ist der Vorgang bei der Bildung der zahlreichen Weizenspielarten. Auf analogem Wege wurde nun die Kreuzung zwischen Weizen und Roggen vorgenommen. Bet einer Aehre von Armstrong's grannenlosem, weißem Weizen wurden die Blüthenkapseln sorgfältig geöffnet, die Staubfäden mit einer feinen ecbeere behutsam entfernt, als feite noch grün waren, und als sich dann die Stempel (Blüthenkolben) in dem zur Befruchtung geeigneten Zustande der Entwicklung befanden, wurde der Blüthenstaub einer gewöhnlichen Roggenähre über selbe geschüttet und dann die Kapseln wieder sorgfältig geschlossen. Diese Operation wurde dreimal wiederholt, die Weizen-Aehre sodann mit eimm Papter- ringe umgeben und der ferneren Entwicklung überlassen. Im Jahre 1883 gelang es, von dieser Aehre 10 gute Samenkörner zu gewinnen. Dieselben wurden am 29. September desselben Jahres neuerlich ausgepslanzt. Hiervon gingen 9 Körner auf. Im Sommer des Jahres 1884 entwickelten 8 von diesen Pflanzen gute Körner; bie neunte • brachte einige Körner hervor, die anscheinend keimunfähig und werthlos waren. Es stellte sich indeß bald heraus, daß die guten Körner nur Weizen ergaben, wenn auch in den oertchiedensten Varietäten. Erhöhte Wichtigkeit gebührt jedoch dem zweiten Thetle dieses Versuches, der sich auf die anscheinend werihlosen Samenkörner bezog. Eine der ursprünglichen 9 Pflanzen trug 14 Aehren, welche jedoch nur 17 oer- schrumpfte und schmale Körner ergaoen. Die Pflanze an stch wies einige Eigenheiten des Roggens auf und dies gab Hoffnung, daß einige dieser Körner keimfähig wären. Die 17 Körner wurden am 29. September 1884 gesteckt; hiervon gingen 15 Pflanzen auf, 2 wurden zufällig zerstört, die übrigen 13 wuchsen und überwinterten gut. Im Juli 1885 boten sie einen sonderbaren Anblick. Die Aehren waren Wetzen-Aehren, ähnelten jedoch ausgesprochen jenen des Roggens. Die Pflanzen waren durchschnilltich 1 Meter hoch, die höchste maß 115 Centimeter. Im Ganzen wurden 107 Aehren oder 71/, per Pflanze gezählt. Alle Aehren enthielten mehr oder weniger Korner. Von jeder Pflanze wurde je ein Korn ausgewählt, das ganz vollkommen entwickelt und in jeder Richtung hin gutes Samenkorn zu sein schien. 5 von diesen Körnern waren größer als das größte Weizenkorn, einige sogar größer als Roggenkörner, alle jedoch den Roggenkörnern ähnlich. Im Ganzen schienen diese Körner Weizen zu sein und doch hatten sie etwas von der Gestalt des Roggens. Die Untersuchung des Mehlgehaltes unterblieb mit Rücksicht auf die geringe Quäntttät dieser Ernte. So stehen jetzt die Versuche. Es ist die Frage, ob die gewonnene Spielart zwischen Weizen und Roggen beständig ist, damit wäre das Problem der Kreuzung des Weizens und Roggens gelöst und der Landwirthschaft ein großer Dienst erwiesen. Gießen, 8. Mai. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 1.05—1.10, Hühnereier pr. St. 5 2 Stück 9 H, Enteneier 5— H, Gänseeier St. 9—1OH, Käie vr. St. 4—8 A. Käsematte per St. 3 Erbsen per Liter 16 H, Linsen per Liter 30 Tauben per Paar X 0.70—0.90, Hühner per Stück X 0.85, bis 1.00, Hahnen per Stück X 1.70—2.20, Enten per Stück X 2.00—2.50, Ochsenfleisch per Pfund 56—84 Kuh- und Rindfleisch 45—50,$, Schweinefleisch 50—6u $, I Hammelfleisch 54-64 H, Kalbfleisch 40—46 $, Kartoffeln per 100 Kilo X 4.50-6.50, Zwiebeln per Centner X 13.00—14.00, Milch per Liter 12—18 H, Weißkraut Stück D-00 $. Herborn (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 7. Mai. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 232 Ochsen, Kühe und Rinder und 1046 Schweine. Der nächste Markt ist am 28. Mai d. I. Frankfurt, 7. Mai. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Ange- trieben waren 335 Ochsen, ca. 24 Bullen, ca. 276 Kühe und Rinder, ca. 392 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 59-61, 2. Qual. X 54-56, Kühe und Rinder 1. Qual. X 53-55, 2. Qual. X 46-48 per 100 Pfund Schlachtgewicht Jcalber 1. Qual. 52—55 $, 2. Qual. 45—48 $ per 1 Pfund Schlachtgewicht. ,, Ar a? kfurt, 7. Mai. (Getreide-Dreise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer 19,75, fremder X 18,50—20,50, Roggen eff. hies. X 14,00—14,25, fremder 'M ^0'00—00,00 Gerste effectiv hiesige und Wetterauer X 15,00—17,50, fremde X 00,00—00,00, Hafer eff. hies. X 14,25—14,75, fremder X 00,00—00,00. Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in der Stadt Gießen. 18. Woche. Vom 29. April bis 5. Mai 1888. Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 35,6 o/go. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im 1. Lebensjahr: 2.- vom —15. Jahr: Lungenentzündung 6 5 — 1 Lungenschwindsucht 2 (1) 2 (1) — _ Nierenentzündung 1 (1) 1 (1) — — Krebs 1 (1) 1 (1) — — Diarrhöe 1 1 _ Lebensschwäche 1 _ 1 — Diphtherie 1 (1) — — 1 (1) Summa: 13 9 2 2 Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Kirchliche Anzeigen der evsngel. Gemeinde. Gottesdienst. Himmelfahrttag, 10. Mai: Vormittags 9^2 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Nachmittags 2 Uhr in der Friedhofkapelle: Pfarrer Schlosser. Allgemeiner Anzeiger. Aufforderung. Heinrich Schreiner II. Eheleute von Ruttershausen haben einen Kaufbrief über Flur V Nr. 41 dasiger Gemarkung von Georg Kinkel von La, dessen Quittung nicht beglaubigt ist. Wer noch Ansprüche auf den Kauf- schMng hat, muß solche binnen 6 Wochen hier gellend machen, sonst wird die Zahlung als erfolgt angenommen und Verfügung wegen Löschens des beschränkten Eintrags er* theilt. Gießen, den 3. Mai 1888. Großh. Amtsgericht. Langsdorfs. 3958 Bekanntmachung. B et r.: den Hess. - Rheinischen Bergbauverein zu Gießen. Im Gesellschafts-Register Großh. Amtsgerichts Gießen wurde heute folgender Eintrag vollzogen: „Laut notarieller Verhandlung vom 4. April 1888 ist die Bestellung des W. Wild en Hayn und des Sebastian Alexander Scheidet als Vorstandsmitglieder widerrufen und Lagegen: 1. Director Friedrich Ernst zu Trais-Horloff, 2. Regierungsrath a. D. Albert Müller in Charlottenburg in den Vorstand gewählt worden." Gießen, den 30. April 1888. Neidhart, 3937 Gerichtsschreiber. Freiwillige Immobilien- Perfleigerung. Mittwoch, den 16. Mai l. I., Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Ludwig Schmidt I. Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 35 Nr. l34/ioo — 195 Meter Hof- raithe auf die Grünberger- Straße, Flur 35 Nr. 268Vio — 455 Meter Grabgarten daselbst, Flur 34 — Nr 599G t0 — 382 Meter Hof- raithe zwischen dem Wäldchen und dem Schießhaus, Flur 34 Nr. 599’/m — 79 Meter Grabgarten daselbst einer einmaligen freiwilligen Versteigerung ausgesetzt werden. Gießen, 8. Mai 1888. Großherzogliches Ortsgericht Gießen- I- V. d. V-: Vogt, Ortsgerichtsmann. 3948 Prima Schellfische und > Zander 3962 ! empfiehlt C. G. Kleinheit». Wllh. Wirsig, Handschuh-Fabrik, 16 Seltersweg 16 empfiehlt in großer Auswahl zu billigsten Preisen alle Neuheiten in ächt ziegenledernen Glace-, Wild-, Seiden- und Stoff-Handschuhen. Großes Lager in 3942 Shlipsen, Cravatlen, Hosenträgern, Herrenhemden, Kragen, Manschetten und ManschettenKnöpsen. ■■ Handschuhe werden nach Maaß angefertigt^^—- Tonangebend für Mode und Handarbeit, unterhaltend und nützlich. Der Bazar Mustrirte Damen- und Moden-Zeitung. 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Den Empfang der Neuheiten in Biixkius und Paletotstoffen in schöner Auswahl zeigt hiermit an Juiiias Hiipsteiu, Lindenplatz und Ecke der Wallthorstraße. Anfertigung von Herren- und Knabenanzügen unter Garantie für gutes Passen 2605 Freiwillige Immobitien- Verjteiaerung. Mittwoch, den 16. Mai l. I., Nachmiltags 2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Johann Christian Retter Erben in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 1 Nr. 308 — 19 Meter Hofraum, Miststätte und Waschküche in der Kaplansgasse, Flur I Nr. 309 — 181 Meter Hofraum mit Scheuer daselbst, Flur I Nr. 565 — 69 Meter Hofraithe auf dem Seltersweg getrennt oder zusammen einer freiwilligen Versteigerung ausgesetzt werden. Gießen, den 8. Mai 1888. Großh. Ortsgericht Gießen. I V. d. V-: 3917 Vogt, Ortsgerichtsmann.______ Versteigerung von Wein und Cigarren. Mittwoch, den v. d. MtS., Vormittags 10 Ubr, indem früher Bramm- schen Locale (Neustadt 55) dahier versteigere ich im Auftrage von H. 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