Siu 31 Domierstag den 9. Februar 18881 Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Brrrsäir r S ch u l st r a ß e 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. ÖT8 Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinflerlohrr. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Amtlicher Hyeil. SSetreffenb: Die Beaufsichtigung der Spinnstuben. Gießen, am 6. Februar 1888. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche noch mit Erledigung unserer Verfügung vom 17. v. Mts. — Anzeiger Nr 19 weites ' im r . werden hieran mit Frist von 3 Tagen erinnert. i y 3n- 3roeites "ylatt ~ lm Rückstände sind, ___________ Boekmann. Politisede Ueberfkcbt. Sroßherzoglicher Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann. — Das Auftreten der Schweinepest in Schweden und Dänemark hat Veranlassung gegeben, dieser sehr bösartigen Seuche höhern Ort« nähere Auf. merksamkeit zu schenken. Wenngleich sich die Seuche in Deutschland noch nicht gezeigt hat, so erscheint es doch geboten, geeignete Maßregeln gegen eine Ser* Weppung derselben zu ergreifen und namentlich die Kenntniß der Krankheits- Erscheinungen, welche an den von der Seuche ergriffenen Schweinen wahrge- nommen werben, in möglichst weite Kreise gelangen zu lassen. Zu diesem Zwecke ist ministertellerseits angeordnet, durch die Landräthe u. s. w. eine kurze Beschreibung derjenigen KrankheitS'Erscheinungen bekannt zu machen, welche das Vorhandensein der Schweinepest, und zwar bei lebenden und bei getöbteten ober verendeten Schweinen erkennen lassen. Aesterreich. Wien, 6. Februar. Die Rebe Bismarck's macht hier einen mächtigen, packenben Eindruck. Die Subtilität, mit der er von Rußland und über die Person des Czaren sprach, wird al« Beweis der bestehenden Friedens-Tendenzen angesehen. Die Börse ist sehr fest auf die Rede Bismarck'-, doch etwas zurück- yaltend, da von den ungarischen Osstciösen die Eventualität größerer Mlttär- Credite fignalistrt wirb, wobei Oesterreich dem wutschen Beispiele weide folgen "Men, namentlich fei die Ausrüstung des Landsturm» beabsichtigt. Entscheid Deutschland. 0-Februar. Dem „Berl. Tagebl." wird aus San Remo be- richtet, im unteren Theile des Kehlkopfes des Kronprinzen habe neuerdings die Gießen, 8. Februar. Fürst Bismarck hat in der Montagssttznng des Reichstages bei der ersten Lesung des Anleihegesetzes eine große polittsche Rede gehalten, die schon feit Wochen signalisier war und der man in ganz Europa mit um so größerer Spannung entgegensah, als ja vor wenig Tagen die Veröffentlichung des^deutsch'österreichischen Bündniß-Verlrages so unerwartet erfolgte. Nun, die Welt hat sich in ihren Erwartungen nicht getäuscht, denn die oratorische Leistung des Reichskanzlers vom Montag gehört in jeder Beziehung mit zu dem Besten, was her leitende deutsche Staatsmann öffentlich je gesprochen — selten hat aber auch Fürst Bismarck einen so unmittelbaren Erfolg, einen so gewaltigen Beifall auf allen Seiten des Reichstages erzielt, wie mit feiner Montagsrede. Dieselbe war oftmals von zustimmenden Kundgebungen aus dem Hause rote von den dichtbesetzten Tribünen herab unterbrochen, besonder», als Fürst Bismarck oer» ndjerte. Deutschland könne dem Ausgange eines etwaigen Krieges mit Ruhe entgegensetzen, es fei feines Erfolges gewiß und ebenso bei der Erklärung, die Monarchen und Minister in Deutschland seien von einer Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit erfüllt, von der man im Auslande nur eine sehr unvollkommen" Vorstellung habe. Aber am gewaltigsten burchtodte der Beifallssturm doch das Haus, als Fürst Bismarck geendigt hatte und wohl noch nie ist >m deutschen Reuystage eine so spontane Kundgebung erlebt worden. Der Emdruck, bett die Rede im Hause gemacht, offenbarte stch sofort in dessen Beschlüssen: Auf Antrag Centtums-Abg^ordneten v. Franckenstein warb das Anleihegesetz unter einmütiger patriotischer Zustimmung der Redner der beiden conseroativen Fcac- tionen, wie d-r Nationalliberalen und der Freifinnigen an die Budgetcommtsston verwle.en, wo dessen Ln - dloe - Annahme — also die Annahme ohne weitere Discupron — bereits gesichert ist. Hierauf erfolgte die Annahme des Wehr« gefstzs« in zweiter Lesung ebenfalls sofort im Ganzen unter anhaltendem Bei. falls uno sprach Fürst Bismarck für dieses Vertrauen zur Regierung seinen Dank aus. Dar Reichiparlament kann also einen selten-schönen Tag verzeichnen und die Elnmiithigkeit, mit welcher die Vertreter der Ration die Gesetzentwürfe, welche die neue Verstärkung unserer Wehrkraft begründen, genehmigt haben, wird ihren tiefen Eindruck auf dar Ausland ebensowenig verfehlen, wie die kraftvolle Rede des fürsten Bismarck selbst. Denn offen verkündigt es der Kanzler, daß Deutsch, land ein Schwert nur zu seiner Bertheidigung ziehen, daß er aber alsdann mit demselben furchtbare Schläge aurzutheilen wissen werde. Diese Sprache ist sehr deutlich und man darf jetzt wohl hoffen, daß mit der denkwürdige« Reichs - tagssitzung vom 6. Februar die so lang ersehnte Wendung zum Bessern in den internationalen Verhältniffen endlich eintreten wird. Der Reichstag berieth am Dienstag den conservativ.nationalliberalen Antrag aas Verlängerung der Legirlatur.Perioden in zweiter Lesunq und ist dessen Annahme auch erfolgt. 1 Der russische Botschafter in Berlin, Gras Schuwalosf weilte in voriger Woche in Petersburg. Er sollte schon am vorigen Samstag aus se.nen Posten zurückkehren, wa, aber nicht geschah und brachte man diese Verzögerung mit einer Be.schärsung der internationalen Lage in Verbindung. Nun wird aber bekannt, s Gras Schuwaloff an Bronchitis erkrankt und deshalb an der R- yr nach Berlin verhindert war. Dieselbe ist inzwischen am Dienstag erfolgt. 1 9 w . «^eue Seit" in Petersburg begrüßt die Rede Bismarck's fehr sympathisch. Luch die Londoner Morgenblätter vom Dienstag äußern sich sehr anerkennend über dieselbe, sie hoffen von ihr eine beruhigende Wirkung in Europa und bezeichnen die Kundgebung als eine mächtige Bürgschast für die Erhaltung des Friedens. Anschwellung eine schwache Vergrößerung erfahren; dieselbe erschwere da« Athme«, erleichtere jedoch da, Schlucken. - Der „Voss. Ztg.» wird dagegen gemeldet, das Befinden der Kronprinzen sei unverändert, sein Aussehen srisch der Kopsfchmerz sei ganz verschwunden. , . ~ Die neuerdings vielgenannten Schutzleute Jhring-Mahlow und Raporra haben vom Kaiser das Allgemeine Ehrenzeichen erhalten. . ®runb der rückwirkenden Kraft der die Fürsorge für die Wittwen “nb Waisen von Angehörigen be$ Landheeres und der Seemacht belr. Gesetzes vom 17. Juni v Js. haben biejenigeu Wittwen von Osficieren, Asrzten im Olfkiersrange und Beamten des Reichsheeres und der Reichsflotte, deren Ebe« männer nach dem 1 April 1882 im thätigen Dienste ober als Ruhegehalts. Wartege'dz. Empfänger verstorben sind und zur Zett ihres Todes zur Entrichtung von Wittwen. und Waifen-Geldbeiträgen nach den Bestimmungen des vorerwähnten Gesetzes verpflichtet waren, vom 1. Juli 1887 Anspruch auf Gewährung von Wittwengeld; ebenso Wa sen oer vorbezeichneten Militärper- hntvn m einmal ein Parlament eines natürlichen Todes sterbe, die meisten würden aufgelöst. Aber auch der Hinweis auf andere Staaten verfange nicht; denn man dürfe doch nur auf föderative Staaten blicken und in keinem föderativen Staate gebe es längere Perioden als bei uns. Wir müßten uns doch außerdem sagen, daß die Rechte unseres Parlaments nur geringe seien und daß wir die Verantwortlichkeit für Steuerlasten : hätten, wahrend die Vortheile den Einzelstaaten zu Gute kämen. Herr Miquel habe | vor Jahren bereits gesagt, daß das deutsche Volk gerade als Gegenrecht für die i Strebungen des Particularismus, mit denen wir noch sehr zu rechnen haben würden so oft als möglich an die Wahlurne geführt werden müsse. Der erste Streich gegen das Wahlrecht sei die Verweigerung der Diäten gewesen. Der Reichskanzler habe , gestern ausgesprochen, daß er gegebenen Falls nicht auf die Pflichttreue, sondern auf die Begeisterung des Volkes sich stützen müsse. Trete dieser Antrag nicht die Rechte des Volkes mit Fußen? Kein Dialectiker könne bestreiten, daß derselbe die 93er- Minderung der Volksrechte bedeute. (Beifall links.) Die Discussion wird hierauf geschlossen. Persönlich bemerkt Abg. Böckel (Antisemit), daß er gegen den Antrag stimmen werde. Die namentliche Abstimmung über S 1 des Antrags ergiebt die Annahme mit 183 gegen 95 Stimmen. S 2 stellt fest, daß dieses Gesetz mit Ablauf der gegenwärtigen Legislaturperiode des Reichstags in Kraft treten soll. Abg. Rickert beantragt folgenden Zusatz: Die Mitglieder des Reichstags erhalten auf Reichskosten Reisekosten und Diäten. Bis die Frage durch ein Reichs- gefetz geordnet ist, stellen die Regierungen die Reisekosten und Diäten fest. Abgg. o. Kardorff und o. Bennigsen bestreiten den Zusammenhang dieses Antrags mit der vorliegenden Materie. Die Abgg. Rickert und Dr. Windthorst treten dafür ein, daß ein materieller Zusammenhang zwischen beiden Fragen durchaus existire. Abg. v. Bennigsen betont, daß ebenso wie der Antrag Rickert auch ein Antrag aus Aeudcrung jedes anderen Paragraphen der Verfassung zulässig wäre. (Soc.) beantragt, die Frage der Zulässigkeit dieses Antrags der veschaftsordnungscommission zur Prüfung zu überweisen. Der Antrag Singer wird abgelehnt und beschlossen, den Antrag Rickert nicht mit dem Anträge Bennigsen zusammen zu behandeln. S 2 und der ganze Antrag wird hierauf angenommen. ar x morgen 1 Uhr. Wehroorlage, Antrag Lohren (Brodtaxen), Antrag Munckel-Reichensperger. * TelegravhrM Depeschen Wolfl'ö telegr. Eor^espondenr"B«rea«. , ..Berlin, 7. Februar. Se. Majestät der Kaiser empfing Vormittags den Polt- asidenten, horte eine Reihe militärischer Meldungen und conferirte dann mit rUbedyll und Caprivi. Nachmittags machte der Kaiser eine Ausfahrt und empfina darauf den Fürsten Bismarck. ö OQn —71. Budget - Commission des Reichstages nahmj heute unverändert die 280 Millionenanleihe sur Militarzwecke an. m t — Dem Reichskanzler Fürsten Bismarck gehen aus zahlreichen Orten unseres Vaterlandes enthusiastische Zustimmungs- und Beglückwünschungstelegramme aus Anlaß der gestrigen Rede zu. - 7" Das Gerücht, Professor Bergmann sei nach San Remo gereift, ist unbegründet. Bergmann reifte gestern nach Kiel, von wo er heute zurückkehite. . . Derli«, 7 Februar. Alle Zeitungen ohne Unterschied der Partetstellung heben überwältigenden Eindruck der ßeftrigen Rede Bismarck's und die rückhaltlose Ein- muthigkelt hervor, mit welcher der Reichstag den Vorlagen zustimmt. Die „9tordd. Allg. Ztg. sagt, diese Kundgebung drücke nicht nur die Uebereinstimmung des ganzen deutschen Volkes mit der Politik des Reichskanzlers aus, sondern bezeuge auch die Einigkeit und Kraft, womit das deutsche Volk die Aufgabe, der Hort des Friedens zu sein nach jeder Richtung zu erfüllen bereit ist. - Die „Nationalzeitung" glaubt, der Aus pruch Bismarck's gegen jeden Angriffskrieg werde der dauernde Leitstern der deutschen Neichspolitik sein und bleiben. Der Reichskanzler habe, indem er das deutsche NU* dem Gedanken vertraut mache, sich an die Leistung der schweren Militärlasten als Grundbedingung unserer Zustände zu gewöhnen, die Nation von einer Gemüths- versafsung befreit, Me das winhschaftliche Leben lähmte. Wien, 7 Februar. Die „Presse" entnimmt der Rede Bismarck's eine größere Friedenszuoer ficht, als erwartet wurde, wenn sie sich auch auf die eigene militärische Starke stutze und nicht aus Harmlosigkeit des Gegners rechne. Die „Deutsche Leitung" memt, die deutsche Nation werde der Rede des Fürsten bewundernd zujubeln. Das „9teue SBtener jtageblatt" sagt, im Munde Bismarck's klinge der Hinweis auf die Augen öffnen rote Prahlerei; seine Erklärungen müßten Freund und Feind die . 3 ” Das „Fremdenblatt" schreibt: Die Rede Bismarck's wird für längere Beit treue Spiegelbild der die Welt beherrschenden Situation bleiben, welche keine un- uricbenöftorung befürchten läßt, aber doch die Staaten veranlaßt, auf ihre I."- ^tungsfähigkeit bedacht zu sein. Was der Kanzler über die Publikation de? Bundnißvertrags und über die Natur des Bündnisses mit Oesterreich-Ungarn und des en Zweck im deutschen Reichstag ausgesprochen, stehe in vollster Ueberetnfttnununa mit der in Oesterreich-Ungarn herrschenden Auffasfung und tfi dem innigen, aus der Gemeinsamkeit der Zwecke und der politischen Anschauung herausgewachsenen Bündnisse voUkommen adaquat; es wird dem Friedensbuud neue moralische Kraft verleihen. Der mächtige Appell an Deutschlands Macht und Wehrkraft, an das stolze Bewußtsein mH iugefallenen Stellung, die dieses gegen seine Feinde P11! ^U/7?erl^c s^ark genug ist, wird überall einen lang dauernden Nachhall finden. Da die Kraft des deutschen Reiches dem Frieden und dem Rechte gilt, »en, die_es stärken können, und darunter auch das gewaltige, aus der lliede des Kanzlers strömende moralische Moment, als willkommene Bundesgenossen des Friedens und der Ordnung begrüßt werden, fc.rrw.n drbruar. Der „Nemzet" schreibt: Bezüglich der Rede Bismarck's herrsche die allgemeine Ansicht vor, daß dieselbe eine der mächtigsten Kundgebungen unserer Zeit ist Hinsichtlich der internationalen Frage und deren Bedeutung für bie nfreulick * U"b ba§ $atcrIanb wirke die Rede nicht nur beruhigend, sondern geradezu arr -- ?<**<$* Februar. Flourens richtete an die Wähler des Departements Basses- Alpes, in dem er sich als Kandidat hat aufstellen lassen, ein Manifest, worin es heißt: Er strebe, daß Frankreich groß, geeinigt und glücklich sei, daß die Demokratie die Freiheit immer mehr entwickeln und der Frieden zugleich mit der Sicherheit des Landes und der nationalen Würde gewahrt bleiben möge. m . London, 7. Februar. Sammtliche Morgenblätter sprechen sich über die gestrige ^ebe BiSmarck S dahin aus, daß dieselbe eine beruhigende Wirkung auf Europa aus- ÜbC 30 rm Nadelholz - Nutzscheite (Rollscheite), 8 rm Nadelholz-Nutzknüppel und 28 „ „ Nutzreiser(Spalier- stangen). Zusammenkunft Vormittags 10 Uhr im Holzschlage District Raedern bei ; Stamm Nr. 1. Sämmtliches Holz | liegt an bequemer Abfahrt unweit der 1 Gladenbach-Gießener Chaussee. Wilsbach, den 6. Februar 1888. Der Bürgermeister. 1081 Seiberth. ! Srutzhölz. Versteigerung. 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Februar 1888. ... S-ÄFS* *** b" **** 2Ute Vorträge für den ev. Kirchbaufonds. WSunenL Der nächste Vortrag findet erst nächste Woche am Freitaa i in7A ö den 17. d. Mts , statt. * ^r^llag . ^070 Der zweite Stock meines Hauses, —-- ; 4 eo. 6 Zrmmer, Gartenantheil u. Wasserleitung, per Mai oder April an ruhige ' Veute billig zu vermiethen. Zu erfragen bei Frau M. Heichelheim, I Seltersweg 20, I. St. I 1071 Eine kleine Wohnung und ein ’ mobliries Zimmer zu vermiethen. ! __Schillerftraße 27. \ 1072 Ein Stübchen mit Bett zu ver» lnietben- Katharinengasse 10. 1092 Eia Logis an ruhige Leute zu vermiethen. Spengler^Schneider. 109'] Logis, )-4 Zimmer mir Zub b. ' ZU-vermiethen. L. Huhn. 10^6 Ein freund!. Logis, bestehend aus 3 bis 4 Zimmern und Kabinet, mit abgeschlossenem Korridor ist sofort oder später zu vermiethen. H» Plank, Kaplansgasse 2. 1088 Ein kleines Zimmer zu vermiethen. . H' Roth. Löwengasse 24. 1095 Ein möblirtes und ein unmöbl. 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