Nr. 288 Samstag den 8. December 1888. WMWW Anzeiger Amts- und Anzeigeblntt für den Kreis Gießen. V-r-a«: Schulstr ° ß - 7. ' Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. W To^be^^n™ tot^äbrii4 2 marf"to Amtlicher Iheit. Betreffend: Anonyme Anzeigen. Es laufen in neuerer Zeit vielfach anonyme Anzeigen bei uns ein. Wir bemerken deßhalb, daß wir solche regelmäßig unberücksichtigt lassen. Gießen, am 1. December 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Politische Rundschau Gießen, 7. December. Kaiser Wilhelm hat erfreulicher Weise seine Ausfahrten wieder aufnehmm können und ist demnach der Erkältungszustand des hohen Herrn als vollständig beseitigt zu betrachten. Auch die angeblich aus der Umgebung des Monarchen stammenden privaten Nachrichten, wonach der Kaiser in den letzten Wochen auch von seinem alten Ohrenleiden heimgesucht worden sei, werden jetzt von competenter Sette als durchaus unzutreffend bezeichnet. Die vom Reichskanzler eingeführten berühmten parlamentarischen Abende sind durch seinen Sohn, den Staalssecretär Grafen Herbert BiSmarck, wieder ausgenommen worden. Am Montag Abend fand bet demselben die erste derartige gesellschaftliche Vereinigung statt, zu welcher zahlreiche Reichstagsabgeordnete, Bundesraths- mitglteder und Beamte der Reichsämter, wie der preußischen Ministerien erschienen waren. Herr Premierlieutenant Witzmann hat dem Fürsten BiSmarL in Friedrichsruhe dieser Tage Vortrag über die ostafrtkanischen Angelegenheiten gehalten und der Reichskanzler konnte sich hierzu schwerlich eine berufenere Persönlichkeit aussuchen, als den berühmten Afrika-Reisenden. Da Herr Wißmann demnächst versuchen will, mit einer ersten deutschen Expedition zu Emin Pascha vorzudringen, so dürste sein Besuch in Friedrichsruhe in erster Linie mit dem deutschen Emtn-Pascha-Unter- nehmen zusammenhängen. Bei dem Interesse, welches letzterem auch in den Kreisen der Reichsregierung entgegengetragen wird, kann man jedenfalls annehmen, daß Fürst Bismarck Herrn Wißmann die wohlwollende Unterstützung des Reiches bei seiner Expedition, soweit jene einem solchen privaten Unternehmen gegenüber angezeigt ist, zuge- fichert hat. Kaiser WUhelm hat an den Kaiser von ^Oesterreich anläßlich dessen Regierungsjubiläums ein überaus warmes Glückwunsch-Schreiben gerichtet, in welchem der erlauchte Briefschreiber seinen Gefühlen persönlicher Freundschaft gegen den Kaiser Franz Josef den innigsten Ausdruck gibt und mit besonderer Wärme des unerschütterlichen Bundes ihrer Reiche gedenkt. Diese Kundgebung des deutschen Kaisers ist wohl das beste Dementi all' der Gerüchte über die angeblichen Verstimmungen zwischen Berlin und Wien, welche sich in dem nun glücklich beendigten deutsch-österreichischen Zeitungskriege ausdrücken sollten. Uebrtgens sind dem Kaiser Franz Josef von Seiten des Königs Humbert von Italien und vieler anderer Monarchen zu seinem Ehrentage die herzlichsten Glückwünsche zugegangen. In Gerbte« haben am 5. December die anderweitigen Neuwahlen zur Skupschtina ihren Anfang genommen, von deren Ausgange die nächste Zukunft des Serbenlandes abhängt. lieber die Wahlresultate liegen bis jetzt nur höchst lückenhafte Meldungen vor. Das griechische Ministerium Trikupis hat seitens der Deputirtenkammer ein glänzendes Vertrauensvotum erhalten. Dasselbe knüpfte an die mehrtägigen Kammer- verhundlungen über die Finanzpolitik der Regierung an, die am Dienstag zum Abschluß gelangten und ein mit 85 gegen 54 Stimmen genehmigtes Vertrauensvotum für das Ministerium zur Folge hatten. Die Frage der Dertheidigung Suakin'S gegen die Sudanesen ist im englischen Unterhause am Dienstag wiederum des Langen und Bretten erörtert worden. Hauptsächlich drehte sich die Debatte um den Antrag Lord Ehurchtll's, das Haus zu vertagen und hierdurch gegen die Unzulänglichkeit der von der englischen Regierung in Egypten ergriffenen militärischen Maßnahmen zu protesttren. Der Antrag Ehurchtll's knüpfte an Erklärungen des Kriegsministers Lord Stanhope an, wonach die egyptischen Militärbehörden und ihre dortigen englischen Berather die Stärke der zur Dertheidigung Suakin's abgesandten englischen Truppen als vollkommen genügend erklärt hätten, im Gegensatz zu der Auffassung Londoner militärischer Autoritäten. Auch stützte sich der Kriegsminister darauf, daß General Grenfell, der englische Oberbefehlshaber in Suakin, auf telegraphische Anfrage erwidert habe, er fühle sich mit der gegenwärtigen Streitmacht des Erfolges sicher. Der Antrag Ehurchtll's ward schließlich abgelehnt und versicherte dann der Krtegsmtnifter nochmals, daß die Militärbehörden in Egypten die nach Suakin abgegangenen Verstärkungen für vollkommen genügend hielten. — Da dieselben nur 700 Mann betragen, so scheinen die offenbaren Besorgnisse der Londoner militärischen Kreise um das Schicksal Suakin's allerdings nicht unbegründet. In Nordamerika trat in dieser Woche der Eongreß zu seiner letzten Session unter der Präsidentschaft Eleveland's zusammen. Im Vordergründe der Verhandlungen werden die durch die Botschaft Eleveland's angeregten finanziellen und Tariffragen stehen, zu welchen Debatten der Bericht des Schatzsecretärs Farschild eine recht günstige Grundlage liefert. Denn nicht weniger als ein Ueberschuß von 96,444,000 Dollars war am 29. September des laufenden Jahres im Staatssäckel der Union vorhanden, so daß die für europäische Ftnauzoerhältnisse märchenhaft klingende Meinung des Schatzsecretärs, es würde noch vor dem Jahre 1900 die gcsammte Staatsschuld der Union, mit allen Zinsen sich auf 1393 Millionen Dollars belaufend, amorttsirt sein, zutreffen könnte. — O, glückliches Land der Aankee's! peutschlaud. Darmstadt, 6. December. Die Stelle eines Eultur - Ingenieurs mit einem Gehalt bis zu 3300 jährlich ist demnächst, vorerst jedoch nur provisorisch, zu besetzen. Anmeidungen find bis zum 15. Januar 1889 bei Großh. Ministerium des Innern (und der Justiz einzureichen. Der Erneuerung bereits eingereichter Bewerbungen bedar es nicht. Bewerber, die ihre Studien an einer technischen Hochschule absolvirt haben werden vorzugsweise berücksichtigt werden. Darmstadt, 6. December. Das Amtsblatt des Großh. Minffteriums des Innern und der Justiz, Section für Justizverwaltung, Nr. 31, enthält Ausschreiben d. d. Darmstadt, 29. November, betreffend das Gesetz vom 11. Juni 1887 über die Unterbringung jugendlicher Uebelthäter und verwahrloster Kinder; hier die Anweisung der bei der amtsgerichtlichen Sachuntersuchung erwachsenden Zeugengebühren. Bertt«, 6. December. Der Meldung eines hiesigen Blattes aus Zanzibar zufolge hat die deutsche Kreuzerfregatte „Carola" bereits eine mit Sklaven vollgepfropfte arabische Dhau abgefangen. — Der „Kreuzzeitung" zufolge dürfte man sich für das kommende Frühjahr auf ausgedehnte Massenstreiks gefaßt machen. (F. I.) Krankreich. Paris, 6. December. In der Kammer spielte sich heute eine stürmische Scene ab. Floquet hatte mit Bezug auf die gestrige Kammerverhandlung dem Abgeordneten Laroge bemerkt, die Minister würden persönlich nicht gegen ein wider sie gerichtetes Tadelsvotum stimmen. Hierauf rief Basly, Laroge's Verhalten sei Wasser auf die Mühle der Boulangiften. Auf einen Zwischenruf Susint's rief Basly: „Sie sind ein Schafskopf!" Susint und Basly wurden handgemein, die Rechte klatschte Beifall. (F. I.)" ■ Deutscher Reichstag. 9. Plenarsitzung. Donnerstag, den 6. December 1888, 12 Uhr. und Tribünen sind gut besetzt. Am Bundesrathstische: v. Bo etlicher» Bosse, Lohmann, v. Wodtke. Eingegangen ist der Handelsvertrag mit der Schweiz und ein Gesetzentwurf betr. die Vorarbeiten zu einem National-Denkmal für Kaiser Wilhelm I. Das Haus tritt in die Tagesordnung ein: Erste Berathung der Alters- und In valid en-Versicherung. Staatssecretär Dr. v. Boetticher: Die große Mehrheit des Hauses hat sich auf dm Boden der Socialpolitik gesteUr und eine Reihe von Einwendungen gegen die Vorlage werden hier kaum wiederholt werden, nachdem sie in der Presse bereits ihre Erledigung gefunden. Die Regierung ist für die in der Presse staltgefundene Kritik dankbar. Nur vor einer Art der Kritik ist zu warnen, nämlich der nach dem Grundsätze geübten: Ich kenne die Absichten der Regierung nicht, aber ich mißbillige sie. Bedenklich ist es auch, Einzelheiten aus dem Zusammenhänge herauszugretfen und abgesondert zu zergliedern. — Man hat, was Einzelheiten anbelangt, gewünscht, zunächst die neue Einrichtung auf einen engeren Kreis von Personen, etwa auf die der Unfallversicherung unterstehenden, zu beschränken. Diesem Wunsche widersprechen Gründe der Billigkeit. Wir werden etwa 13*/z Millionen Arbeiter haben, die dem neuen Gesetz untergeben. — Man hat gesagt, es könne sich die Vorlage auf die Invalidität beschränken; allein die Altersversorgung wird einen sehr Heilfamen Einfluß üben, denn alt zu werden hoffen Alle. Man hat die Rente zu niedrig befunden, sie ein Bulter- brod genannt. Aber bedenken wir die Belastung der Industrie! Besser mit einer geringeren Last eine leistungsfähige Industrie, als mit zu hohen Renten deren Ruin und damit Enttäuschung der Arbeiter. Bei Einsetzung der Ortsklassen schloß sich der Entwurf der bereits bestehenden Einrichtung der Kranken-Versicherung an. Nun wird gewünscht, diese Ortsklassen durch Lohnklassen zu ersetzen. Die Regierung wird gewiß für jede Verbesserung dankbar fein, (Bravo!) aber ich glaube, diese Lohnklassen werden große Schwierigkeiten haben. Die Lohne ändern sich, sie werden zum Theil in Naturalim gezahlt, wie sollen die Schwankungen berücksichtigt werden? Wie soll sich namentlich das Markenwesen gestalten? Eine Lohnstatistlk extstirt nicht. Trotzalledem Halle ich die Lohnklassen für diskutabel. — Nun wünscht man Herabfetzung der Altersgrenze. Aber wenn L>ie diese auf 68 Jahre normiren, so müssen Sic um 13pCt., bei60Jahrm sogar um 38pCt. die jetzigen Beiträge erhöhen. Hier ist also Vorsicht geboten. Redner polernisirt dann mit einer gewissen Presse, welche die Absichten der Regierung so dar- stcllt, als ob diese nur eine Verbesserung der Armenpflege bezweckt. Dieses agitatorische Verfahren werde widerlegt durch die vom Kanzler bei Berathung der Unfallversicherung gemachten Darlegungen über die Ziele der Socialgesetzgebung. — Was die mehrfach gewünschte Acndcrung des Prämtendeckungs-Verfahrens und dessen Ersetzung durch ein Umlage-Verfahren betrifft, so muß man bedenken, daß letzteres die Arbeiter und die Industrie für die Zukunft, für den Fall eines unglücklichen Krieges, bei Seuchen u. dgl. zu schwer belastet. Auch unter normalen Verhältnissen wird der Arbeiter durch das Umlageverfahren geschädigt, weil höchst ungleich belastet. Die im Deckungsverfahren gesammelten Kapitalien wird man in der Weise wieder nutzbar machen, daß sie den Kreisen wieder zufließen, denen sie entzogen sind. Ein solcher Modus wird sich ja wohl finden lassen. Zu große Capitalienansammlungen sind nicht zu furchten; sie werden etwa 21/* Milliarde betragen. Während Sparkassen und Stiftungen 5 Milliarden solcher Kapitalien besitzen, ohne daß Schwierigkeiten bestehen. — Die preußische Regierung würde es gern gesehen haben, wenn die Berufsgenossenschaften Trager der Versicherung geworden wären; sie könnte sich aber den gegen solche Einrichtung sprechenden Gründen nicht verschließen und deshalb war der Bundesrathsbeschluß bezüglich der Träger der Versicherung ein einheitlicher; auch ein Anschluß an die Träger der Krankenversicherung empfahl sich nicht, da letztere äußerst veränderlich sind. Die Idee einer obersten Reichsanslalt stieß, so sympathisch sie auch sein mag, doch auf große Schwierigkeiten. Der vorgeschlagene Anschluß an die kommunal-Verwaltungen scheint der beste und billigste. Die namentlich von socialiftischer Seite erhobenen Bedenken gegen Marken und Quittungsbuch sind wohl übertrieben und beruhen wohl nur auf politischer Tendenz. ES sind alle Bestimmungen zum Schutze der Arbeiter getroffen gegen Mißbrauch der Quittungsbücher, die für den Nachweis der Zahlung unentbehrlich sind, weil man sonst eine Prämie setzen würde auf Faulheit und Vagabondage. Auch hier möge man, wenn man könne, Verbesserungsvorschläge machen. Eine absolut end- gültige Lösung des gesetzgeberischen Problems kann die Vorlage nicht bringen. Was Kaiser Wilhelm I. angeftrebt, Kaiser Friedrich in seine Märzkundgebung ausgenommen, das zu verwirklichen erstrebt der regierende Kaiser und seine hohen Verbündeten. Diese Gesetzgebung wird eines der schönsten Blätter der deutschen Geschichte bilden. Lassen Sie sich, meine Herren, bet ihren Arbeiten leiten von dem Satze: Liebet die Brüder! (Bravo!) Al:g. Grillenderger (Soc.): Goldene Worte haben wir genug gehört, aber goldene Thaten fehlen. Man will den Pelz waschen, ohne ihn naß zu machen. Soctal- reform bi-ißt, den Anthetl des Arbeiters an der productiven Arbeit zu erhöhen; aber die Vorlage ist Armengesetzgebung, das haben Scheffle, Platter u. A. anerkannt. Die Unfall- uno Krankenversicherung sind doch zu gut, um diese Vorlage als die Krönung jener zu bezeichnen. Am liebsten wäre es mir, wenn diese Vorlage einfach abgelehnt würde, denn thatsächlich handelt es sich nur um eine anderweite Regelung der Armenpflege, zu welchem Zwecke der Arbeiter mehr belastet wird. Bei einer Altersversorgung muß man auch die Versorgung Derjenigen anstreben, zu deren Unterhalt der Unterstützungsbedürftige verpflichtet wird. Man sollte die Kreise der unter das Unfallgesetz Fallenden erweitern. Außer den vom Vorredner bereits angedeuteten Bedenken haben wir noch die des Mangels jeglicher Rückgewähr der Beiträge. Mit der Beseitigung der Berufsgenoss i ' haften sind wir einverstanden, denn diese sind nur Organisationen der Unternehmer und haben es auch vielfach dahin gebracht, daß als Entschädigungen infolge von Unfällen ganz unzureichende Sätze gezahlt werden. Ließe man den Berufsgenossenschaften die Verwaltung der Alters- und Jnvalidenversorgung, so würden sich diese bemühen, alle Lasten der Unfallversicherung auf die Invalidenversicherung abzuwälzen, namentlich wenn für die letztere das Umlageverfahren angenommen würde. Das Markensystem ist nicht praktisch, seit man die Ortsklassen etngeführt hat; es wäre nur anwendbar, wenn man einen einzigen Entschädigungssatz hätte. Die ganze vorgeschlagene Orqantsationsform bekundet, daß man das Wahlrecht der Arbeiter fürchtet. Wir werden eine Retchsversicherungsanstalt auf der Grundlage der communalen Verbände, nach Art der Organisation der freien Hülfskassen, beantragen. Der Reichs- beitrag ist untzchnicht hoch genug. Arbeiter mit einem Einkommen bis 750 JL müssen beitragsfrei bleiben; ihre Beiträge muß daS Reich zahlen. Bezüglich der Beitragsberechnung sind die mitgetheilten Berechnungen unrichtig und nicht maßgebend. Man sollte zunächst eine gründliche und umfassende Arbeiterstattsttk veranlassen. Jedenfalls würden die Arbeiter lieber einen höheren Beitrag zahlen, wenn sie früher in den Genuß der Rente kämen. Rach den Hirsch'schen Tabellen über die Sterbefälle bei den centra- lisirten Hülfskassen erreichte das Durchschnittsalter der Versicherten überhaupt nicht 70 Jahre, so daß diese ganze Altersversicherung nur geringen praktischen Werth hat. Die richtige Altersgrenze wäre das 60., besser noch das 56. Lebensjahr. Die Rente ist so gering, daß damit der Unterhalt für einen Arbeiter an keinem Orte gedeckt werden kann, selbst für die Armenpflege müsse mehr aufgewendet werden. Man hätte 120 JL als niedrigsten Rentensatz bestehen lassen sollen und von da aufsteigend die Sätze normiren sollen, statt sie bis auf 72 JL zu ermäßigen. Das ist nicht einmal eine Verbesserung der Armenpflege. Und mit solchem Elend, das sie dem Arbeiter für fein Alter zeigen, hoffen Sie die Arbeiter der soctalistischen Bewegung zu entfremden? Die Lohnklaffen bestehen ganz gut für Arbeiter der bayerischen Staatsinstitute und es wäre leicht, eine Lohnstatistik von den Berufsgenossenschaften zu bekommen. Der Be- 6riff der Invalidität ist nach der Vorlage ein sehr dehnbarer. Invalide wird, wer täglich nicht mehr den Satz der Rente verdienen kann. Kann er nur wenig mehr verdienen, so ist er nicht invalide. Es wird sich eine Gelegenheit finden, einem solchen altenJlrbeiter einen Tagesverdienst von 30-40 H zuzuwenden. Er darf sich dieser Arbeit nicht entziehen, wenn er nicht als Arbeitsscheuer oder Simulant behandelt roerden will. Dadurch wird aber in schädlichster Weise auf die Löhne gedrückt. Roch fchlechter, oder richtiger garnicht, ist für die Halbinvaliden gesorgt. Das Jahr ist mit ™rbiit3rood)en zu lang berechnet. In manchen katholischen Gegenden würde die j Abrechnung der Feiertage kaum noch 47 Arbeitswochen ergeben. Man darf das J Arbeitsjahr nur mit 40 Wochen berechnen. Jugendliche Arbeiterinnen, Dienstboten, \ bie fick später verheirathen, sollten die Hälfte ihrer Beiträge zurückerstattet erhalten. Durch bie Eapitalansammlungen wird der Zinsfuß gedrückt; die Edelsten der Ration werden billige Hypotheken auf ihren großen Gütern bekommen. Aber wenn nun einmal eine soctalistische Regierung käme und einen Strich durch diese Hypotheken machte, konnten da nicht diese Edelsten auf der Strecke liegen bleiben? Mißkauch des Sj.uitUmggbudjS läßt sich nicht ' ‘nbern, so lange der Arbeitgeber das Buch in die ^tanbe bekommt. Das Dutt* .uDud) allein würde das ganze Gesetz für uns unannehmbar machen, obwohl .* bereit sind überall da mitzuhelfen, wo es möglich ist, ? «esserungen für den '.cveiter zu schaffen. Tragen Sie den berechtigten Wünschen der Arbeiter Rechnung, so werden wir zu dem Zustandekommen des Gesetzes beitragen. Aber glauben Sie nicht, daß die Arbeiter jemals die Hand küssen werden, die das Ausnahmegesetz schuf, die Brod verspricht und einen Stein giebt. Badischer Bundesbeoollmachtigter v. Marschall: Im Ernste kann man doch nicht glauben, daß hier eine verbesserte Armenpflege für 13 Millionen Bürger geschaffen werden soll. Redner legt den Unterschied der Almosen-Empfänger und der Invaliden dar, der so groß sei, daß beide gar nicht verwechselt werden können. Die Haltung der Socialdemokraten beweise, daß wir auf dem rechten Wege mit der Socialreform sind. Die Arbeiter werden bald einsehen, daß die Vorlage ihnen in einem Jahre mehr bringt, als bie Socialdemokratie ihnen bisher im Ganzen gebracht hat. Das Haus vertagt die weitere Berathung auf Freitag 11 Uhr. ! Schluß: 4«/« Uhr. Telegraphische Pepesche». IBeXtt’* telegr. EorrespOvderrz - Vrrreim. ILrriversttLLs - tzhrorüL. .r. , 5 December. Das Verzeichniß der Studirenden unserer Universität weist die Ziffer 5790 aus,1177mehr als im Sommer und 322 mehr als im letzten .Ai- theologische F°cuULt zahlt 840 Studenten, bie juristische 1585, bie rnedt- c'nts»- H56, bie philosophische 1909, Von b-n 1351 Preußen, welche sich in bet letzten h,fltn„bE ,f «J575 aul Gymnasien hervorgcgangen, 322 aus Realgymnasien; 344 besitzen kein Reisezeugniß. Zum Horen ber Vorlesungen sinb außer den 5790 [ « »ta,wUtlln?n "och 1895 berechtig,, fo baß bie Gefarnmtzahl also sich aus ^5 beläuft. Unter ben europäischen Ausländern stnb 127 Russen, 86 Schweizer, 39k°s»ter xe'*er' 1n7mU?6ftn' ?? Briten, 13 Luxemburger, je 11 Italiener, Franzosen unb Rumänen, 10 Griechen, 9 Schweben unb Norweger; 171 Stubirenbe sinb aus Amerika, 39 aus Asien. k „ «tetzen, 7. December. s5. Abonnement sc oncert.l Das gestrige Programm bot manches Interessante, in einer Ausführung, der wir unsere vollste ^Anerkennung zollen müssen. Den Anfang machte die Ouvertüre zu Ignaz Brüll's liebenswürdiger Oper „Das goldene Kreuz". Sodann folgte Gounod's Meditation" eine reizend tnftrumentirte Bearbeitung des O-änr-Präludiums aus Back's wobl- temperirtem Claoier". Vor allem müssen wir hier die fast absolute Reinheit der Geigen heroorheben. In Goltermann's Romanze für Violoncello, von Herrn Krapp sehr zeichnete sich das Orchester durch äußerst becente Begleitung aus. Dm Schluß der ersten Abtheilung bildete der Marsch aus Lachner's Suite in D-moll Dieses Werk ragt durch eine außerordentlich feine Harmonik hervor, erinnert aber in auffallender Weise an den Marsch aus Weber's Elavierconcert in F-moll (op 79) dem pompösen Trio ist die Stimmführung der Blechbläser äußerst interessant. Bei dem Vortrag des Marsches konnte man ein Piano bewundern, wie wir es im Concert- verein bis jetzt nur äußerst selten gehört haben. dritten Theil eröffnete die contrapunktisch hochinteressante Festouverture zum Heidelberger Jubiläum von Siegfried Ochs. Die Jntroduction ist eine harmonisch Durchführung der bekannten Weise „Altheidelberg, du feine", der auch die Themen des Hauptsatzes entnommen sind. Von großartiger Wirkung ist der Ein- satz ber Posaune, ber in kanonischer Verarbeitung über einem langen Orgelpunkte ber Melodie „EtnsesteBurg" bringt. Aber geradezu ein Meisterwerk contra; punktischer Arbeit ist der Schluß, wo nach einem abermaligen Orgelpunkte beide Melo- bteen nebeneinander durchgeführt werden. Ein entzückendes Stückchen ist bas stürmisch da capo verlangte Liebesliebcken von zaubert, mit seiner guitarrenartigen Pizzikatobegleitung. r den zweiten Theil bildende Sinfonie „König Lear" von Lubwig Heibings- feld ist nicht nur an sich hochinteressant, sie wirb es noch mehr durch einen Vergleich mit Wagners C-dur-n f^vreau warten müssen, währen^sie fitzt Vermischtes. nächsten Frühjahr unsere Tannenwaldungen diesem grimmigen Feinde nicht zum Opfer fallen sollen. 200, 300 und 400, ja sogar 500 Insekten sind an einzelnen Bäumen ro?irben'm dieser schrecklichen Mtttheilung bemerkt mit einer Anspielung 8 Juj die dortigen Bodenprodukte ein Mainzer Blatt mit frischem Humor: Die Reblaus j hat hiernach bei dem in Griesheim herrschenden notorischen Mangel ihrer sonst ge- wohnten Nahrung bereits die Tanne angeknuppert! Wenn sie nur nicht am Ende c 2 December. Unser Großherzogthum ist nicht reich an geschichtlich unb orchitectonisch bebeutenden Gebäuden. Eins dieser wenigen ist die sogen. „Alte Canzlei dahier. Erbaut in der Mitte des 14. Jahrhunderts ist sie ein vorzügliches 2^110« ber alten Wasserburgen. Hoch ragt der Bergfried über den Pallas und die zugehörigen Gebäude empor. Bis auf Landgraf Ludwig IV. wohnten bie hessischen Lanbesherren mitihren Familien in biefem Schlosse. Der Landgraf Philipp ber ^hpr1518*'15^ * Di recte deutsche Postdampfechlffahrt von Hamburg nach Newyork jeden Mittwoch und Sonntag, von Havre nach Newyork jeden Dienstag, Von Stettin nach Newyork alle 14 Tage, von Hamburg nach Westindien monatlich 4 mal, von Hamburg nach Mexico monatlich 1 mal. Die Post - Dampfschiffe der Gesellschaft bieten bei ausgezeichneter Verpflegung, vorzügliche Reisige logen Leit sowohl für Cajüte- wie Zwischendecks-Passagiere. Nähere Auskunft ertheilt [205 Der Generalagent: J. F. 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