Nr. 5.. Freitag den 6. Januar 1888. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. •i ■ W »5 U jSnrsaur Schul st raße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf, Zmtkicher Hheit. Betreffend: Die Ueberwachung der in fremde Pflege gegebenen Kinder unter 6 Jahren. Gießen, den 4. Januar 1888. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des KreiseS. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 10. December v. Jr. (Anzeigebl. Nr. 290) noch nicht entsprochen haben, werden hierdurch an alsbaldige Erledigung derselben erinnert. Dr. Boekmann. Politische Neberficht Gießen, 5. Januar. Die Aufhellung der politischen Lage, welche sich mit dem Jahreswechsel an die Veröffentlichung der gefälschten Aktenstücke knüpfte, scheint erfreulicher Weise andauern zu wollen. Von der Spree, wie von der Donau und der Newa erklingen jetzt fortgesetzt die Friedensschalmeien und überall überbieten sich die Regierungsblätter förmlich an beruhigenden Versicherungen. Daneben fehlt es auch nicht an positiveren Friedenszeichen, wozu namentlich die Verleihung des Schwarzen Aolerordens feilens Kaiser Wilhelms an den deutschen Botschafter in Petersburg, General von Schweinitz, gehört. Diese besondere Auszeichnung darf wohl als eine Anerkennung für die geschickte Durchführung der schwierigen Aufgaben gelten, welche Herrn v. Schweinitz gerade in den letzten Tagen oblagen und die ohne Zweifel für die Erhaltung des Friedens von höchster Wichtigkeit waren. —- Zu gleicher Zeit ist auch der ungarische Ministerpräsident v. Tisza vrm Kaiser Wilhelm durch eine Ordensausqeichnung, durch die Verleihung des Großkreuzes des Rothen Adlerordens, geehrt morden und die friedenszuversichtliche Neujahrsrede Tisza's wird wohl der Grund dieser Auszeichnung gewesen sein. — Auch über die russischen Truppenrüstungen werden nunmehr beruhigende Mittheilungen verbreitet und da auch die Einberufung der österreichischen Reservisten eine zufriedenstellende Aufklärung erfahren hat, so scheint endlich der vorausgegangenen Periode hochgradiger politischer Erregung eine Epoche allmälicher Beruhigung für Europa folgen zu wollen. Nachdem nun der Zwischenfall mit den gefälschten Aktenstücken wieder so glücklich beseitigt worden ist, tauchen gegenwärtig allerlei Spekulationen über die Urheberschaft dieser satanischen Zettelei gegen das Deutsche Reich auf und verlegt z. B. die „Köln. Ztg." den Ursprung der Jntrigue in die russenfreundlichen Kreise von Bukarest. Der frühere russische Gesandte bei der rumänischen Regierung, Fürst Uruffow, welcher zur Zeit Gesandter in^ Brüssel ist, soll bedenklich in die Fälschungs - Affaire verwickelt sein und heißt es,, er "solle deßhalb von seinem Brüsseler Posten abberufen werden. Sollte diese gegen den Fürsten Urussow erhobene schwere Anschuldigung in der That begründet sein, so wäre seine bloße Enthebung von dem Brüsseler Gesandtschaftsposten jedenfalls noch eine außerordentlich milde Strafe. Gegenüber der Versicherung Berliner Blätter, Kaiser Wilhelm habe neun Neujahrsempfang keinerlei politische Aeußerungen gethan, wird jetzt be- rrchtet, der Kaiser habe einem höheren Militär gegenüber geäußert, wie sehr es ihn freue, daß gleichzeitig mit den guten Nachrichten über das Befinden des Kronprinzen Berichte über eine beruhigendere Gestaltung der politischen Lage emgelaufen seien. Ueber die Stellung der bayerischen Negierung zu der vielerörterten En- cyklrka des Papstes an die bayerischen Bischöfe wird aus privater Quelle fol-endes berichtet: Das Actenstück sei zwar sehr vieldeutig, berühre aber den eigentlichen Streitpunkt kaum. Was eigentlich den Papst zu der Encyklika veranlaßt, sei den Ministern unerfindlich; wenn dieselbe auf das Drängen der Intransigenten und Ultramontanen erfolgte und einen neuen Culturkampf Hervorrufen sollte, so würde die Staatsregierung dem gegenüber auf der Verfassung stehen bleiben und diese Anstcht theile auch der Prinz-Regent. Indessen sei es vorderhand noch zweifelhaft, ob sich die bayerischen Ultramontanen auf Grund der Encyklika zu einer besonderen Action entschließen würden. Aus socialdemokratischenKreisen verlautet, die Socialdemokraten würden sich, falls die im neuen Socialistengesetze angeblich beantragte Ex- patriirung (Ausweisung aus dem Reiche) eingesührt werden sollte, an den Rerchstagswahlen nicht mehr betheiligen. . Die Jubiläumsfeierlichkeiten in Rom haben in ihrem Fortgänge auch rme Kundgebung des Kaisers von Rußland gebracht, die um so über- raschmder wirkt, als dem Petersburger Hofe eine ablehnende Haltung gegen das gefammte Papstjubiläum zugeschrieben worden war. Daß dem aber nicht so rst, bekundet die dem Papste seitens des Czaren zugegangene Beglückwünschungs- oepesche, dre sehr warm gehalten ist und im Weiteren die Erwartung Kaiser i Alexanders ausspricht, daß ihm die Weisheit des Papstes gestatten werde, die Bedürfnisse der römischen Kirche mit den fundamentalen Grundsätzen seines Reiches zu versöhnen. Die englische Regierung zicht die Zügel auf I r l a n d immer straffer an. Dre Zweigvereine der Nationalliga in den Grafschaften Dublin und Meath sollen unterdrückt werden und ebenso die Centralexecution der Liga, die ihren Sitz in Dublin hat. Das Ministerium Salisbury will also in der seit einiger Zeit gegen die irischen Verschwörer und Unruhestifter eingeschlagenen energischen Politik fortfahren und es scheint bis jetzt nicht, als ob dieselbe ein verkehrtes Mittel zur Beruhigung der „grünen Insel" sei. Fürst Ferdinand von Bulgarien denkt offenbar nicht daran, seinen unsicheren Thron zu verlassen. Einen neuen Beweis für diesen Entschluß des Bulgarenfürsten bildet der von ihm an den Ministerpräsidenten Stambuloff gerichtete Erlaß, der sich über die Haltung der Sobranje gegenüber dem Throne und der Regierung anerkennend ausspricht. Der Fürst hofft, daß die bis jetzt getroffenen Maßnahmen dem Vaterlande die Möglichkeit gewähren werden, die vorhandenen Schwierigkeiten zu bekämpfen und eine ruhigere, für die Entwickelung des Landes günstigere Periode abzuwarten. Angesichts der schwierigen inneren und äußeren Lage Bulgariens, wie auch in Berücksichtigung der Angriffe, denen Fürst Ferdinand selbst in neuester Zeit seitens eines Theiles der europäischen Regierungspresse fortgesetzt zum Ziele dient, erscheint der Optimismus des jungen Herrschers immerhin bemerkenswerth. Aeulschland. Aus Oberheffen, 3. Januar. Vom Vorstand des deutschen Vereins gegen Den Mißbrauch geistiger Getränke ist an den deutschen Reichstag eine Eingabe gerichtet worden des Inhalts, dahin wirken zu wollen, daß retchsgesetz- ltche Bestimmungen erlassen werden, nach welchen I. 1) die zulässige höchste Zahl von Wicthschaften und Kleinhandlungen für Branntwein-Vertrieb nach der Bevölkerung der Gemeinde bemessen wird, mit der Ermächtigung für die Landesund Provinz-Gesetzgebung, innerhalb der allgemeinen Reichs-Schranke die Ver- hältnißzahl der Schenken noch weiter zu beschränken, und mit einer Neuseststellung dieser Verhältnißzahlen nach bestimmter Frist; 2) solchen Wirtschaften und Kletnhandlungen eine besondere Abgabe auserlegt werden kann; 3) solchen Wirtschaften vorgeschrieben wird: a, weder an Minderjährige noch an Betrunkene oder Trunkenbolde Schnaps zu schenken, d. nur gegen baare Bezahlung Schnaps zu schenken, c neben dem Branntwein andere Getränke von schwachem Alkohol-Gehalt oder ohne solchen, sowie auch Speisen vorräthig zu halten; 4) a. die Trennung solcher Wirthschasten und Kletnhandlungen von jedem anderen Kleinhandelsgeschäft herbeigesührt und aufrechterhalten wird, b. die Er- laubniß zur Gastwirtschaft getrennt wird von dem Recht, an andere als Wohngäste geistige Getränke auszuschenken; 5) die Strafen für unbefugten Branntweinschank derart verschärft werden, daß die ausgesprochenen Verdate volle thatsächltche Geltung erlangen; — II. 1) öffentliches Äergerniß erregende und nicht unverschuldete Trunkenheit bestraft wird; 2) Trunkenbolde entmündigt, und aus ausreichende Dauer in eine geeignete Heilanstalt verwiesen werden können. Darmstadt, 2. Januar. Bereit» aus dem vorigen Landtage ging ein von 13 Abgeordneten gestellter Antrag dahin, die Regierung zu ersuchen, die Frage der Uebernahme der Kosten aller öffentlichen (staatlichen) Schulen auf die Staatskasse einer genauen Untersuchung zu unterziehen. In Hessen ist m allmäliger Entwickelung des Schulwesens schon ein beträchtlicher Theil der durch die Volksschule entstehenden Kosten auf die Staatskasse übernommen worden (im neuesten Budget figuriren folgende Posten: Schullehrer - Seminarien 111,230 - 4- Januar. Zur Theilnahme an der morgen stallfin- denden Hoiiagd werden u . Ä. der Fürst zu Solmr-Ltch, der Fürst zu Yien« burg>Büdingen und der Fürst zu Dsenburg-Birstein ermattet. J , °on UN» bereit» erwähnte Neujahr«.Galatasel' findet am Rücksicht aus die Thellnehmer de« Judithsester, welcher an demselben Tage Avendr im hiesigen Saalbau begangen wird. y ö uu I - Se. Excellenz Generallieutenant Westerweller von Anthony Generaladiatant und Hofmarschall Er. RönigL Hoheit de» Großherzogr giedt heule Abend m den Räumen der vereinigten Casinogesellschaft ein The densant an welchem sich auch die Grobherzogliche Familie betheiligen wird. ‘ I „ Q ®ir £?*i.en' Rnbe* im Laufe diese» Monat» im Alten Valais I nm Luisenplotz wo diese Veranstaltungen immer abgehalten werden, ein Großh I jß 0 I D Q 11 stall. I Vermischtes. ©täbte$VeHe(en "fi»®die^Einnahmen"bnfelben*für "i^ST^aT" Imd’bcnannter »Ws tÄVISWft ««»««»-SWääx Telegraphische DepescheK» bolff s leiert«, EOPKessvsKderr- - Brrrea«. Oldenburg, welcher sich^ als biwfttf^ ^rh^cn @eor0 von wsatf“ macht- heute eine einstündige meppeiy5”0Uet®“”le^a36rbfrr'hnMa*r3titU,?^mcIbun0cn ü£er das Eisenbahnunglück DarmAadt, 4. Jan. Se. Königs. Hoheit her Großbenoa ernnfinnen heute m 21. den Real Gymnasiallehrer Geiger aus Gießen 9 ß „ . »awnftaH, 4.3anuar (Militärbtenft.Nachricht.) Es wurde Dr. Alt, Nr^'lttl n(®,£§enJ ,2' Großh Hess. Landwehr-Regt«. m Asststenzarzt 1. Klasse der Reserve befördert. kataend, MU“.r' v®16 "Este .Armee Verordnungsblatt" bringt folgende allerhöchste Cabtvetsordre: S-h-ltenen Vortrag bestimme Ich für künftige Neubeschaffun- ’ Fußarlillerie nachstehende, durch Mein- Ordre vom 3. März 1887 für die Jntanlerie eingesührte Proben: 1) de» Tornisters in' en“.nb Aragegerüst, 2) der Patronlaschcn — für die vorderen ■aVm6 JUm ^?r°fNciere der Jnsanterie maßgebend —, 3) de» Kochge- re k9'q:4 r b H„S3.tOmeu.ltle- Dte gejammte Fußarlillerie, mit Ausnahme de» Garde Fubartillene.Regimentr, erhält schwarzer Lederzeug. Al« zweite Fußbe» bin Paar Schnürschuhe nach der Probe für bie Infanterie mit in’» gelb zu (u^ten, au^ gestalte Ich, daß die Feldflasche unter Fortfall der Traae- riemen am Brodbeutel getragen wird. Bezüglich der Ausführung der aus Bor- stehen, em stch ergebenden Aenderungen in der Ausrüstung der Fußartillerie ver- M M"UMM9^ Meiner oben erwähnten Ordre. Ferner r. ^,toben ,u 1 unb 2' sowie bie veränderte Tragemeise der Feldflasche gellen künftig auch für die Pioniere und dar Eisenbahn'Reaiment Da» Kriegrministeiium hat hiernach dar Weitere zu veranlaffen 9' Berlin, den 22. December 1887. SBilfielm Berlin, 3. Januar. Da» „Berl. Tagebl." Halle aemeldet haft in @;a„ Sento eine Miltheilung der Geh. Medicinalrath» Prof. Dr. Tbiersch in Leivzia eingegam en sei, da« derselbe nach dem neuesten Stand de» Kehlkopfleidenr de« 6nki” iUneiflt| b°6 eine Krebserkrankung nicht vorliege. Dar h.n hpriihmtoM Qah.r ...t__... Ott ^errn Prof. Dr ^Thiersch den berühmten Leiter unsere» städtischen Krankenhause» St. Jacob m, dir M i' ? begründet sei, und e- hat daraus ^bdicinalrath Dr. Thiersch die Güte gehabt, uns Folgend.-» zu l er erfuc^e Sie, den betr. Mittheilungen Folgende« hinzuzusüaen • 'Bro. I feffot Thiersch ist allerdings der Ansicht, daß die Diagnose Krebs" nicht I Ä bie Drüsen.Anschwelluugen vollkommen zurückgeaan kn bbnc6@n ri*Häd6Eh 6moi3n-na n K-blkopfe» vernarbt sein sollten. E?ist Ä.Äi'Ä'S ?" Äi Ää S toÄ.!“'1”M“ "d ... derlin, 4. Januar. Sehr hochstehende Personen haben bei Audienzen in I letzten -tauen ausgesprochen, daß nach den neuesten t,! njxf" HL öcn I pnnzen doch nid)tfireb^ufein Wue. ®?mit fttmmt Tageblall' aus San Remo überein, wonach die Aerrte auf (Sinmb nnn®it r,'^cr ncr I in U lebten Tagen es für sehr wahrscheinlich hallen dktz das Lttden artiger Natur, sondern em seltener Fall o,n SnmbelhaüteMjündunS s-i (F M' Oesterreich. Sie, osten zu erklären, daß ich kriegerische Intentionen nie hatte — Einem Wiener Telegramme des „Czas" zufolge sind Denstchland unJ H,»6“6I uberetngefommen, zeitweilig eine rufsische Okkupation Bnlaariens Oesterreich nicht einseitig, sondern in I I niebei ®Ä b™ "euerbings voto ■Xm fcttftBB äR « ÄKS* August, ist an den Masern erkrankt. °^n ^rin8cn ®e0Tfl/ Prinz Friedrich bahnlinten st"dcr'«e?!e°hr'heute'wieder ^äuteenom^""""^^"''" g-fperrten Eisen- Görlitz ist noch gesperrt ausgenommen worden. Tie Linie Bautzin- man irrste!' bie Absich?^geha^°habeb mit Peter-bura^1 ber »Rowoje Wremja", baß ab-- m Petersburg durchaus nicht vor Begierbe^brenne^dies/n ba6 ma,t trauen zwischen Oesterreich-Ungarn unb Deu?fch7and z^säem^" •flnble' Gervais an Stelle de^Mahy's das^Marinenart!.^^n übernimmt Contreadmtral "e" ^ücht vom Rücktritt Nacht durch eine Feuersbrunst w^Asche gelegt^^a^ofabrik wurde in vergangener ,« g(w„. $Sff»S J 8 p ! a I e i. I Bietzen, 5. Januar. Die Stadt vießen batte im iR«ß/ft7 .* r> * . I Einnahme von 96 930.29 JL Diese Summe *»as 1886/87 eine Octror- I zusammen: a. für Getränke 23 601 84 h folgenden Einnahmen e. für Schlach^ieb>, Frankfurt bis jetzt noch lockiges^Haar.^'"" ift 24 3,‘6rc 0811 kleiner Statur, glatt rafirt unb trägt gewöhnstch einen °?-uuen JaquL«nÄg"' °'°uen Win.erüberzieher unb trug Blumenthal ein Lustfpielbichter ist der mit m ' ?a& Oscar Schranken treten darf ®er SBrobeDfeil" b,„ ,r ® bs.ß 3ttxron0e ruhig In bie in Berlin abschob, war — wenn nicht Alles trügt — ^eQ^ßiet* 6>-'Utf