Mittwoch den 5. December Nr. 28S 1888. Vvreaur Schulstraße 7. Meßmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. nr.-rx.i-i mii h»a WnnMrtÄ Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst Politische Rundschau Gießen, 4. December. Der Vorsitzende des braunschweigischen Staatsministeriums, Graf von Görtz-Wrisberg, ist um seine Entlassung etngekommen. da seine Gesundheit schon seit längerer Zett erschüttert ist. Die Stichwahl im hannover'schen ReichstagSwahUreise Melle-Diephol- zwtschen dem bisherigen Abgeordneten Dr. Sattler (nat.-lib.) und dem Welfen v. Arns- waldt scheint den Sieg des letzteren ergeben zu haben, nach den bis jetzt hierüber vorliegenden Meldungen zu urtheilen. Dre nationalltberale Partei hätte also genannten Wahlkreis, den sie erst im Jahre 1884 den Welfen nach hartem Kampfe entriß und im Jahre 1887 mit großer Mehrheit behauptete, wiederum an die hannover'schen Protestler verloren und hat es den Anschein, als ob die freisinnigen Elemente des Wahlkreises überwiegend für den welfischen Candidaten eingetreten seien. Der Kreis Melle-Diepholz wäre demnach schon der vierte Wahlkreis, den die Nationalliberalen in Nachwahlen an die Gegner des Eartells seit den allgemeinen Wahlen des 21. Februar 1887 verloren haben und bereits stehen sie vor zwei weiteren Nachwahlen, welche für die nationalliberale Partei vielleicht ebenfalls parlamentarischen Verlust ergeben werden. Sie muß den durch das Ableben des Abg. v. Degenfeld vertretungslos gewordenen Wahlkreis Kehl- Offenburg (Baden) gegen die Clericalen und den hannover'schen Wahlkreis Eelle, dessen Mandat Abg. Baurschmidt niedergelegt hat, gegen die Welfen vertheidtgen und in beiden Fällen müssen die Nationalltberalen jedenfalls alle Kräfte anspannen, wenn sie Sieger bleiben wollen. Das 40jLhrige RegiernngSjnbilLnm des Kaisers von Oesterreich ist von der Presse des Katserstaates ohne Unterschied der Nationalität in Artikeln und Gedichten, in langen geschichtlichen und anderen Aufsätzen gefeiert worden und fanden außerdem in allen Thetlen Oesterreich-Ungarns festliche Veranstaltungen in Anknüpfung an das Negierungsjubtläum des Kaisers statt. Von auswärtigen Blättern, welche des Jubiläums gedachten, ist namentlich das „Journ. de St. Petersb." zu nennen. Dasselbe hebt in einem Artikel hervor, daß die hervorragenden Eigenschaften dieses Monarchen von allen Höfen voll gewürdigt würden, und daß trotz der Verschiedenheiten in den politischen Gesichtspunkten, welche Regierungen und Nationen von einander trennen können, Jedermann den loyalen Bestrebungen des Monarchen, seinen Völkern die Wohlthaten des Friedens inmitten einer bewegten Zeit zu sichern, volle Gerechtigkeit widerfahren lassen werde. In PariS ist die Bandirrfeier, wenn man von dem Zusammenstoß zwischen Studenten und Boulangtsten im Lateinischen Viertel absieht, so ziemlich ordnungsmäßig vorübergegangen. Zwar war viel Volk auf den Beinen, schon wegen des Sonntags, aber weder bei dem Zuge des Pariser Gemeinderaths und der verschiedenen ultraradicalen und socialiftischen Gruppen nach dem Montmartre-Kirchhofe, noch am Grabe Baudin's selbst ist es zu irgend welchen Ruhestörungen gekommen, nur ein paar Individuen wurden wegen Versuchs zum Scandalmachen verhaftet. Die Abordnungen der vereinigten Linken der Deputirtenkammer, der republikanischen Vereinigung, sowie der republikanischen Linken des Senats, welche keine Lust fühlten, mit Communards und Socialtsten zusammen zu marschtren, hatten bereits am Sonntag Vormittag am Grabe Baudin's Kränze ntedergelegt. Der Zug des MunictpalrathS selbst blieb an Stärke weit hinter den gehegten Erwartungen zurück, denn er mochte kaum 10,000 Teilnehmer zählen, von denen die Hälfte aus der Umgegend von Paris Herbetgekommen war. Um 1 Uhr Nachmittags setzte sich der Zug vom Stadthause aus in Bewegung, und langte gegen 3 Uhr vor dem Grabdenkmale Baudin's auf dem Montmartre- Kirchhofe an. Der Präsident des Gemeinderathes, Darlot, hielt eine Rede, in welcher er als Zweck der Demonstration die Verherrlichung der unerschrockenen Vertheidigung des republikanischen Rechtes und die Erinnerung an alle geächteten Opfer des Staatsstreiches bezeichnete. Der Redner griff sodann den Boulangismus heftig an und hob hervor, die französische Demokratie stähle sich an dem ruhmvollen Beispiele Baudin's. Er sei an das Grab desselben gekommen, nicht nur, um dem Todten seine Ehrfurcht zu bezeugen, sondern auch, um Beweise gegen den Eäsarismus zu sammeln, welcher die Stirn wieder zu erheben wage; die Rede Darlot's schloß mit einem Hoch auf die Republik Der hierauf stattfindende Vorbetmurich des Zuges am Denkmal verlief ebenfalls ohne jede Störung und war um V<5 Uhr beendigt; die Theilnehmer kehrten alsdann in die Stadt zurück. Die Boulangtsten hatten sich von der ganzen Feier fern gehalten, unter dem Vorgeben, sie wollten hierdurch allen Provocattonen der Regierung widerstehen, welche sich gerade diesen Tag ausgesucht habe und Paris „decembrisiren wolle In Wahrheit aber hatten die Boulangisten jede lärmende Demonstration bei den getroffenen weitreichenden Vorsichtsmaßregeln der Regierung als nutzlos erkannt und Boulanger selber war am Sonntag gar nicht in Parts anwesend. Die Bertheidigrrrrg Suakin'S ist eine'Angelegenheit, welche die englische Regierung jetzt wieder lebhaft beschäftigt. Zur Mr arkung der egypttschen Garnison dieses von Osman Digma ernstlich bedrohten wichtigen Platzes sollen eng ische Soldaten herbeigezogen werden, da sich die Sudanesen durch ganz stilgerecht angelegte Trancheen und Laufgräben bis dicht an die Außenwerke Stadt herangearbeitet haben Bei dem tollkühnen Muthe der Rebellen ist es aber nicht unwahrscheinlich, daß sie einen Sturm auf die Stadt unternehmen, ^schon dieselbe unter den Kanonen der enaltscken Krteasschiffe liegt, und es ist mehr als fraglich, ob dre egypttschen Bataillone eft?em^e n e^gisch en^Anlaufe 'der Belagerer Stand halten würden. Aber die bloße Entsendung eines englischen Regiments nach Suaktn genügt zur vollständigen Sicherung des Platzes noch nicht, es müssen vielmehr die Schaaren Osman Digma s aus dem Vorterrain vertrieben werden und das dürfte sich für die Engländer zu einem harten Stück Arbeit gestalten. Ob sich dieselben indessen zu einem kräftigen^Vorstoß«- gegen die Sudanesen bei Suakin entschließen werden, muß nach den kürzlich im englischen Unterbause seitens des Unterstaatsfecretärs Fergusson abgegebenen Erklärungen bezweifelt werden^ Dieselben besagen, daß England es aufgegeben habe die feindlichen Stämme bet Suaktn durch größere Operationen weit in's Innere zu treiben, sondern es wolle in Suaktn sich lediglich in der Defensive halten. Fergusson bezeichnete hierbei die Nachrichten über die Bedrohung Suakin's als bedeutend übertrieben und meinte er, die Einnahme Suakin's durch die Rebellen sei unmöglich, anderseits bezeichnete Fergusson die Behauptung des Platzes zur befferen Unterdrückung des Sklavenhandels als noth- wendig. Offenbar glauben die Engländer, sich in ihrer wichtigen Stellung in Suaktn auch ohne die Enfaltung größerer militärischer Machtmittel gegen Osman Digma behaupten zu können — wenn dies nur kein verhängnißvoller Jrrthum ist! Deutschland. Berlin, 3. December. In den letzten Tagen ist ein kurhefsischer Verein gegen den Wucher begründet worden. Derselbe bezweckt vor allen Dingen, der wucherischen Ausbeutung der Bevölkerung entgegenzuwtrken, der unbemittelteren Bevölkerung die fehlende Gelegenheit zu solider und billiger Befriedigung ihres Ereditbedürfnisses zu beschaffen, namentlich durch Gründung von ländlichen Darlehnskaffen (nach Raiffeisen'- schem^System) und endlich eine planmäßige allmähliche Entlastung von den bestehenden Schulden anzubahnen. — Der deutsche Fleischerverband hatte beim Reichstage eine Petition um Einführung der obligatorischen Trichinenschau und Uebernahme der dadurch entstehenden Kosten durch das Reich etngereicht. In dieser Frage sind indessen die Fleischer durchaus nicht einig. So hat der württembergische Fleischerverband beim Reichstage beantragt, diese Petition zurückzuweisen. Irankreich. Paris, 2. December. In dem Quartier Latin kam es nach der Rückkehr der Theilnehmer an den Kundgebungen auf dem Kirchhofe Montmartre zu einem Zwischenfalle. Mehrere Studenten, welche von dem Kirchhofe zurückkehrten und Schmähungen gegen Doulanger ausstießen, trafen auf der Brücke Saints Peres einen Omnibus, dessen Insassen Hochrufe auf Boulanger ausbrachten. Die Studenten griffen den Omnibus an, dessen Pferde scheu wurden und in einen Laden am Quai Voltaire ge- riethen. Die Studenten gingen auf den Quai zurück und hielten einen anderen Omnibus in der Nähe des Pont Neuf an, wurden aber ihrerseits von einer Anzahl Boulangisten anaefallen, mit denen sie handgemein wurden. Die Polizei trennte schließlich die Streitenden. Paris, 2. December. Boulanger ist um 3 Uhr in Nevers eingetroffen; bei seiner Ankunft wurden einige Rufe „Es lebe Boulanger" gehört, die von einer anderen Seite mit Pfeifen beantwortet wurden, die Behörden hatten strenge Vorsichtsmaßregeln getroffen und alle Straßen, die nach dem Hotel, in dem Boulanger abgeftiegen war, führten, abgesperrt. Der Deputirte Laporte hatte den Präfekten ersucht, den Freunden Boula-mer's zu gestatten, dmselben zu begrüßen, allein der Präfekt schlug die Bitte ab; nur denjenigen Personen, die eine Karte zur'Thetlnahme an dem Banket aufweisen konnten, wurde das ungehinderte Passireu der Straße gestattet. Ielegrapyisch« v epischen. UUfct. gtrrtftenXm • »timrtu Berlin, 3. December. Die gemischte Deputation des Magistrats und der Stadtverordneten für Errichtung eines Kaiser-Friedrich-Denkmals beschloß, die weitere Berathung bis nach der Beschlußfassung des Reichstags über die Vorlage, betreffend das Kaiser-Wilhelms-Denkmal, auszusetzen. — Der Bundesrath erthetlte dem Zusatzvertrag zu dem deutsch-schweizerischen Handelsverttag seine Zustimmung. . „ ... . Berlin, 3. December. In der heutigen Sitzung der Budgetkommission wurden die Positionen des Heeresetats für die Adjulanturoffiztere und für Offiziere in besonderen Stellungen, worunter sich auch 60000 JL für die beiden Generalfeldmarschälle von Moltke und von Blumenthal befinden, desgleichen die Mehrforderungen für Geld- und Naturalverpflegung genehmigt und schließlich das ganze Ordinartum nach einer längeren rein sachlichen Diskussion glatt und unverändert bewilligt. Berlin, 3. December. Die „Berl. Pol. Nachr." sprechen sich auf das Entschiedenste gegen die Betheiligung des kapitalbesttzenden deutschen Publikums an der neuen russischen Anleihe aus, da die Convertirung nur der Deckmantel für ganz andere weitreichende Ziele der russischen Politik bilde. Sie weisen auf die fraternisirenden Panslavisten mit ihren Patrtotenbündeleten bin und sagen am Schluffe des Artikels: Es würde mehr als ein Verbrechen, es würde schlimmer als ein Fehler sein, wollte deutsches Kapital jetzt, wo ihm die Möglichkeit geboten wird, aus den russischen Engagements mit blauem Auge davon zu kommen, durch eine Bethetltgung bei der Anleihe den neuen panslaotsttsch-chauvinistischen Zettelungen auf den grünen Zweig verhelfe^ 3 December. Herzog Karl Theodor in Bayern sandte dem Jubilar Gebeimrath v. Pettenkofer ein Handschreiben, Prinz Ludwig Ferdinand ein Telegramm aus Madrid; Kultusminister von Goßler gatulirte e6enfaa§ S1“. pc£s sönlichen Gratulation erschien Regterungsrath Dr. Renk, Mitglied des Reichsgesund- hettsamts.^ 3 December. Der „Staatsanzeiger" meldet aus Nizza: körperliche Befinden des Königs war seit der Ankunft ein leidliches- Die günstige Herbstwitterung gestattete den Genuß der Luft am Meeresgestade, welche den Athmungs- organen des Patienten zuträglich ist. In den letzten Tagen kündigte sich der Winter durch heftigen Sturm und starke mit Hagel verbundene Regengüsse an. Eine leichte Verdauungsstörung, woran der König in letzter Zeit litt, ist im Rückgang begriffen. — Der Schluß des Landtags wird am 5. December erwartet. Bern. 3 December. Die dermalige Session der eidgenössischen Räthe wurde beute durch die Präsidenten Ruffy (Nationalrath) und Schoch (Ständerath) eröffnet. Die Versammlung trat sofort in geschäftliche Berathungen ein. Wien, 3. December. Eine Zuschrift der „Pol. Corresp." aus Berlin führt aus, daß noch vor einigen Tagen sogar in finanziellen Krisen Zweifel gehegt wurden, ob die neue russische Anleihe auch in Deutschland zur Emission aufgelegt werden solle. Erst ganz kürzlich wurde authentisch bekannt, daß die russische Anleihe nicht nur auf dem nrgltschen ftanzösischen, holländischen und amerikanischen, sondern auch auf dem viel gewarnten deutschen Markt aufgelegt werden solle. Die englische BetheittgunA wird nur so aufgefaßt, daß das englische Kapital die Absicht hat, die noch in seinem Besitz befindlichen russischen Werthe gelegentlich einer künstltch erzeugten Hausse tn Deutschland los zu werden. Bezüglich Frankreichs ist man sich klar, daß die dortige kaute Ftnance bereitwillig die Gelegenheit ergriff, ihre Sympathie für Rußland zu bekunden. Die Bethetltgung deutscher Interessenten sei aber nur unter der Annahme SÄ ä L ‘fÄSflÄI SS Ä ÄS' ! dürfte zum Gesandten Frankreichs in Belgrad ernannt werden. er betreffs des Antrags des Finanzministers Vorbehalte mache. Der Erwählte nahm — Die Budgetcommission beauftragte ihren Generalberichterstatter Roche, über'r forderte, wird nächster Tage ihr gerichtliches Nachspiel finden. Der fahrlässigen bas außerordentliche Kriegsbudget der Kammer zu berichten mit der Maßgabe, daß .. Tödtung beschuldigt, sind durch Beschluß der Anklagekammer vier Personen vor die ftairnfta des ^tnanimtnilters Vorbebalte mache. Der ßrmnhrfp nnhm fötrnffnmmer Nt-rmiesen und imnr hpr ffShHfrfi» (Snfpnmoiftpr unk Un»«- Strafkammer verwiesen und zwar der städtische Hafenmeister und einer seiner Gehülfen welche beide Angestellte die Badeanstalt zu Beginn des Sommers zu untersuchen batten und über deren Einrichtung keinen Anstand erhoben haben, die Besitzerin der Badeanstalt, sowie ein Bautechniker, der schon seit Jahren mit der Instandhaltung der Badeanstalt beauftragt ist. Neben einer langen Reihe Zeugen sind zu der Gerichtsverhandlung mehrere Sachverständige geladen. — Ein frecher Ueberfall erregt hier ziemlich peinliches Aufsehen. Das Töchterchen des Rechtsanwalts Dr. Feod. Mayer, welches sich der Zierde eines prächtigen Haarwuchses erfreut, wurde am gestrigen Abend in einer belebten Straße von zwei Frauenzimmern überfallen, welche dem Kinde den prächtigen Zopf abzuschneiden versuchten. Das kräftige Kind wehrte sich aus Leibeskräften und schrie um Hilfe, so daß die beiden Uebelthäterinnen den Zopf nur zur Hälfte abschneiden konnten. Obwohl ähnliche Fälle hier schon mehr vorgekommen, ist es der Polizeibehörde noch nicht gelungen, den Uebel- thätertnnen^auf die Spur zu kommen. UniverfitätS-Ehronik. München, 3. December. Eine Abordnung der städtischen Collegien mit den beiden Bürgermeistern an der Spitze überbrachte heute dem Geheimrath v. P e t t e n k o f e r anläßlich seines 70. Geburtstages eine von einer kunstreich ausgeführten Widmungsurkunde begleitete Ehrengabe von 10,000 JL, welche als Stiftung für wissenschaftliche und menschenfreundliche Zwecke tm^Namen und Geiste des Jubilars für alle weiten dienen soll. München, 3. December. Zum 70. Geburtstage Pettenkofer's stiftete die Stadt Leipzig 5000 JL für Hygieneprämten. Glückwünsche sandten ferner die Universitäten Leyden, Moskau, Petersburg, Kiew, Klausenburg, Prag, Göttingen, New- Haven, das Reichsgesundheitsamt, der schweizerische Aerzteverein, die bayerischen Eor- poralionen des Aerztestandes rc. Der Prinzregent übersandte ein prächtiges Bouquet , Jena, 3. December. Professor Meyer folgt einem Rufe nach Heidelberg an Schulze s Stelle. — Seit heute Nachmittag lagert auf dem Rhein ein derart dichter undurchdringlicher Nebel, daß jegliche Schifffahrt eingestellt ist. Die Trajectboote können^nur mit der allergrößten Vorsicht fahren. Selbst in den Straßen ist der Nebel so dicht, daß man nicht weniae Schritt weit sehen kann. ,r — sSchnetdige Antwort.) Serenissimus (empfängt den Obermeister der ^riseur-Jnnung in Audienz): „Ah, ganz recht — dankbare Erinnerung an trübe Tage — sind's ja wohl gewesen, der Uns in der gefährlichen Nervenkrankheit die Haare so geschickt vom Kopfe schor?" — Obermeister: „Zu Befehl, Euer Durchlaucht, — es war der schönste Abschnitt meines Lebens!" Lokales. Gießen, 4. December. Fürst Bismarck hat auf die Verleihung der theologischen T ocwrwürde hin an den Decan der theologischen Facultät zu Gießen nachfolgendes Schreiben gerichtet: Friedrichsruh, den 22. November 1888. Die mir Seitens der Universität Gießen erwiesene hohe Ehre hat mich herzlich erfreut und bitte ich Euerer Hochwohlgeboren den Ausdruck meines Zankes für diesen Beweis wohlwollender Anerkennung dem Herrn Rector, dem Senat und insbesondere auch den Herren Mitgliedern der theologischen Facultät übermitteln zu wollen. Eingedenk des Geistes, in welchem die Universität Gießen von dem Landgrafen Ludwig gegründet wurde, ist sie stets eine Vertreterin der Duldsamkeit auf theologischem Gebiete gewesen, und meinem Eintreten für duldsames und praktisches Chrtstmthum verdanke ich die Auszeichnung, die mir zu Thell geworden ist. Wer sich der eigenen Unzulänglichkeit bewußt ist, wird in dem Maße, in welchem Alter und Erfahrung seine Kenntniß der Menschen und der Dinge erweitern, duldsam für die Meinung Anderer. (unterz.) v. Bismarck. Gieße«, 4. December. sNeues Theaters Wir sind in der angenehmen Lage, aus das morgen Mittwoch den 5. d. stattfindende Benefiz des Herrn Ema nue, Taußig verweisen, welches entschieden zu einem interessanten Theaterabend sich gestalten wird. Nicht nur die Wahl des Stückes, die blaue Grotte, Schwank in von Emil Pohl, das bei allen seinen Aufführungen sich des lebhaften Beifalls von Publikum und Kritik erfreute und die Gelegenheit die geradezu künstlerisch aus- gefuhrte, von Herrn Petri gemalte Grottendecoratton des 2. Aktes zu sehen, sondern N" Taußig mit zu den meistbeschäftigten und verwend- bursten Mitgliedern des „Neuen Theaters" zählt, lassen ein volles Haus erwarten. b«aU^TTr;°F, tC"F.;0C t ni£r nic!cä eEuemal zur Aufführung, da die Kosten der- ve^hLltnißmaßig bedeutende sind und die entsprechende „blaue Grotte" von "?n-r Ruder-Ge ellschaft" nur für diesen Abend Herrn Taußig zur Verfügung gestellt wurde. Die Hauptrollen befinden sich in den bewährten Händen den Auftrag an. Paris, 3. December. Bei der gestrigen Anti-Boulangisten-Conferenz in Nevers wurden mehrere Reden gehalten und eine Resolution angenommen, welche gegen cäsa- ristische Umtriebe protesttrt und Boulanger für einen Verräther des Vaterlandes und Plagiator Bonaparte's erklärt. Die Boulangisten in Nevers protestirten gegen die Haltung Lcs Präfekten, welcher den Empfang Boulanger's hinderte; das sei die Handlungsweise einer bethörten Regierung, die nur dem Namen nach eine republikanische fei. Wem, die Stunde gekommen sei, werde man wissen, in legaler Weise seinen Unwillen über derartige Gewaltthätigkeiten kundzugeben. Das letzte Wort werde ben Boulangisten gehören. — Das Bankst.^zu Ehren Boulanger's in Nevers, an welchem 500 Personen theilnahmen, begann um 5 Uhr. Boulanger führte in feiner Rede aus, die gegenwärtige Lage fei eine ähnliche wie am 2. December 1851; aber kein Mensch sei so thöricht, ein autoritäres Regime wie damals wiederherftellen zu wollen. Man dürfe nicht auf 1851, sondern müsse auf 1789 zurückgretfen. Es lägen dieselben Bedürfnisse im Innern vor, dieselbe Nothwendrgkeit, die nationale Vertheidigung zu organiftren. Hierzu sei die Revision der Verfassung das Mittel, um die Republik herzustellen, deren Verfassung als „nicht nach ministeriellem Belieben, sondern rin von der Nation ausgearbeiteter und von ihr angenommener Gesellschaftsvertrag roäre\ Ein solcher würde in Wahrheit die nationale Republik darstellen. In einigen Monaten würden 8 Millionen ihre Stimmen für eine solche Republik abgeben. Brüssel, 3. December. Der Gemeinderath genehmigte einstimmig eine Verfügung, woourch alle öffentlichen, vom Bürgermeister nicht genehmigten Auszüge verboten werden. Die Verfügung ist durch die gestrigen socialistischen Kundgebungen motivtrt. Sansibar, 3. December. Die Blokade-Geschwader gingen heute nach dem unruhigen Therle der Küste ab. Washington, 3. December. Präsident Eleoeland ließ dem heute wieder zusammengetretenen Congresse eine Botschaft zugehen, worin er auf der Revision des Zolltarifs besteht, die nothwendig sei, um die ungerechtfertigte und gefährliche Anhäufung von Geldern in der Schatzkammer herabzumindern. Das Verhällntß der Vereinigten Staaten zu den fremden Mächten sei ein friedliches; über die schwebenden Fragen seien freundschaftliche Verhandlungen im Gange. Die Botschaft tadelt scharf das Verhalten Lord Sackoille's, empfiehlt im Uebrigen eine Revision der Naturalisationsgesetze und die Suspendirung der Silberausprägung; der Fischereioertrag mit England biete eine praktische Unterlage zu einer für beide Theile ehrenvollen Regelung der Differenzen. — Betreffs der Naturalisationsfrage sagt die Botschaft Cleoelands, er empfehle eine Revision derselben zur Verhinderung von Mißbräuchen Seitens der Einwanderer, welche das amerikanische Bürgerrecht nachsuchen, dann in ihre alte Heimath zurückkehren und sich dadurch den Pflichten und Verantwortlichkeiten in beiden Ländern entziehen, während sie den Schutz Amerikas beanspruchen, was ernste internationale Verwickelungen herbeiführe. — Die Einnahmen des im Juni abgelaufenen Finanzjahres weisen eine Zunahme von 7’/a Millionen, die Ausgaben eine Abnahme von 8*/4 Millionen auf. Die Gefammteinnahmen für das Jahr 1888 werden auf 377 Millionen, die Ausgaben auf 273 Millionen geschätzt. Trotz des Ankaufs von Bonds beträgt der Ueberschuß im Staatsschätze 52Vt Millionen Dollars. Mexico, 3. December. General Porfirio Diaz trat heute für eine neue Amtsperiode die Präsidentschaft der Republik an. Literarische-. a Lexikon der feine« Sitte. Prakisches Hand- und Nachschlagebuch für alle Fälle des gesellschaftlichen Verkehrs. Von Kurt Adelfels. Broschin 3.60 JL Eleg. geb. 4.50 JL Verlag von Levy & Müller in Stuttgart. Wer wäre nicht schon in die Lage gekommen, in irgend einer gesellschaftlichen tfrage — sei es gelegentlich eines Besuches, sei es aus Anlaß eines Balles, einer @in= labung, einer Hochzeit u. s. w. sich Raths erholen zu müssen! Hunderte von Fällen epfliren, in denen selbst der in den gesellschaftlichen Formen Bestbewanderte eines Ehrers bedarf. In allen solchen Fällen wird „Das Lexikon der feinen Sitte" vor- treffliche Dienste leisten. Dasselbe ist gewissermaßen als der Ariadnefaden in dem oer- ichlungenen Labyrinthe des gesellschaftlichen Lebens zu bezeichnen, welchen sich ein Jeder zu eigen machen sollte, denn so wenig der Jurist alle Gesetze im Kopfe haben kann, so wenig kann selbst der Gebildete, der langst in der Gesellschaft heimisch ist, in allen Tauen und Formen des gesellschaftlichen Verkehrs Bescheid wissen, während doch in der Welt, wie sie nun einmal ist, oft nichts schwerer verziehen wird und das Fortkommen mehr erschwert, als ein vielleicht nur geringfügiger Verstoß gegen guten Ton und feine edtte. Das prächtig ausgestattete Buch wollen wir als ein für's Leben nützliches und gewiß auch bei Jung und Alt willkommenes Festgeschenk angelegentlich empfehlen. Handel und Verkehr. 1 0^ 1hDecember. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, pr. Pfd 1,05—1,10, Hühnereier, 1 St. 7—8 2 St.--ßmteneier 0— i Va-Ä.. der 00-00 H, Käse pr. St. 5-8 Käsematte pr. St 3 ^ Erbsen vr Pit^ß * Lins-n pr. Siter 29 Tauben pr. Sar JL 0,40-0,bb/Hühner pr? St ^0 80-100 Seiten pr. St. 0^0—1 20^ Enten pr. St. JL. 1,40—2,00, Ochsenfleisch pr Pfd 7 b- December. (Viehmarkt). Angetrieben waren 305 Ochsen. 4 Bullen, 422 Kühe, Stiere und Rinder, 248 Kälber 775 Hämmd fing Die Preise stellten sich pro 100 Pfund Schlachtgewicht? Ochsen 1 Qual 6k' 2. Qual. JL 56-59, Bullen 1. Qual. JL 41-42 2 Qual ^ 38 40 bt^66' JC 14,75-”fremb» ÄÄm M 00,00. Hafer hiesiger Köln-Gießener Eisenbahn), 3. December. Auf den beutiaen hiesigen Markt wurden gebracht 702 Stück Rinduieh und 329 Schweine Tüe nächsten Mrsmartt? 2L ®CCCmber (Weihnach.dmark.) und am 28 ° December (L , ^ie Beleuchtung der Treppen in den Häusern roirb trott nors atfommtoer Unfälle und wiederholter Ermahnungen Immer noch nicht gehörig beachtet ” an dieser Stelle nochmals daraus aufmerksam, daß nur der Hausbesitzer Pachter - sofern über diesen Punkt keine besonderen Verabredungen besteben- L ungenügender Beleuchtung ein Unfall auf der Treppe porkommt an oie beschädigte Person gesetzlich verpflichtet ist. In Köln längst ein Hausbesitzer an einen Dienstmann, der auf solche Weise verun- ÄT SSJ&WÄ* E-Summe pon'ca. Vermischtes. Wedel^b-t°d^ De-emb-r. sPostpersonalnachrichten.) Der Postassistent worden bCm d°s'am.e in Heppenheim «Bergstraße) etatsmäßtg angestelli «ntlassem^ Pai'tverwalier Schnabel in Homberg (Oberhessen) ist aus dem Postdienste ,tm Siffem geben an, wie viel- der Todesfälle betreffenden Krankheit aus von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Allgemeiner Anzeiger. A. Fangmann toren in stilvollen Gehäusen. 9746 9764 9762 Keller, Beigeordneter. Emil Eis tor empfiehlt Gebrüder Scheel. 9744 Hielten, tauet* s- s CD U* to Zar Verhütung und Heilung von ansteckenden Krankheiten gebrauche man unser giftfreies Jeitgebotenes. 9731 Ein achtjähriges Pferd, gut im Zug, ist billig zu verkaufen. Näheres Ederstraße 6. 9749 Ein gebrauchtes gut erhaltenes Tafelelavier ift preiswürdig abzugeben. Näheres in der Exped- d. Bl. Prachtvolle Schellfische, Zander, gew Stockfische, lebende Karpfen, Sprotten, Bücklinge, Lachs rc. empfiehlt C. G. BJeinhenn. 15®- Nürnberger Lebkuchen in großer Auswahl.9760 Buckskin. 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Januar des dem Jahre, in welchem die Wahl stattfindet, vorhergehenden Jahres an zur Einkommensteuer zugezogen worden sind. Die Stimmberechtigung jedes der unter 2 bezeichneten Stimmfähigen ist davon abhängig, daß derselbe spätestens vor dem Schluß des Jahres, welches dem Jahre, in welchem die Wahl stattfindet, vorhergegangen ist, bei dem' Bürgermeister, in dessen Amtslokal die mündliche Erklärung abgegeben hat, daß j er sein Stimmrecht in Anspruch nehme, wobei er auch gleichzeitig Jahr und Tag seiner Geburt, den Tag, seit welchem er in der Gemeinde wohnt und denj» Zeitpunkt, seit welchetn er Einkommensteuer bezahlt, anzugeben und auf Erfordern nachzuweisen hat. Stimmfähige der oben bezeichneten Art, welche die Abgabe dieser Erklärung bis zum 31. December d. I. unterlassen, können bei einer im Laufe des Jahres 1889 nothwendig werdenden Wahl zur Stadtverordneten-Versammlung oder bei einer solchen Wahl, für welche oie Stimmberechtigung durch die Stimmberechtigung zur Stadtverordnetenwahl bedingt ist, kein Stimmrecht in Bekanrrrmachrmg. Diejenigen hiesigen Einwohner, welche im Laufe dieses Jahres Hunde abgeschafft haben, wollen dies spätestens bis zum 31. December d. I. entweder schriftlich oder mündlich in Selbstperson bei der unterzeichneten Stelle anzeigen, indem sonst die Verbindlichkeit zur Entrichtung der Hundeabgaben auch im folgenden Jahre und so lange fortdauert, als diese Anzeige versäumt wird. Gießen, den 3. December 1888. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Bettcolter empfehlen in guten Qualitäten 9732 Gebrüder Scheel überzeugen kann. e , H. EUinger, Asterweg 6, 1. Stock. Staufen, Ballhandschuhe, Entfetten, Ballatlaffe, Damen- und Sindethüte werden zu jedem Preis abgegeben. 9747 H. 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Staatsbahn-Actien-Act. 209.00 156.05 Lombard. Eisenbahn- ,, 82 3/4 252.1 8 Galizische do. „ 174.3/4 Mafle (jtt Jlr. 285 »es „flicBener Anzeiger '. Deutschland. Berlin, 1. December. Von einem der größeren zum Centralverbande Deutscher Industrieller gehörenden Vereine war bei dem Directorium desselben beantragt worden, den Bestrebungen auf Ermäßigung der Personentarife der Eisenbahnen entgegenzutreten, welche, veranlaßt durch das bekannte Engel'sche Buch über „Eisenbahnreformen", seit einiger Zeit in der Presse bemerkbar werden. Begründet war der Antrag mit dem Hinweis auf den Umstand, daß die Ueberschüsse der Preußischen Staatsetsenbahnen nicht dem Personenverkehr entstammen, sondern von dem Güterverkehr geliefert werden. Der beantragende Verein vertrat demzufolge die Ansicht, daß die erwähnten Ueberschüsse in erster Reihe auch dem Güterverkehr, namentlich dem Transport der Massengüter zu Gute kommen müßten. Hierbei wären ganz besonders diejenigen Fälle zu berücksichtigen, in denen durch Ermäßigung der Productionskosten und Erleichterung der Ausfuhr die ausländische Eoncurrenz wirksamer bekämpft werden könnte. Das Directorium des Centralverbandes konnte sich der Begründung des beantragenden Vereins in vollem Umfange anschlteßen, umsomehr, da seines Wissens die häufig aufgestellte Behauptung, daß die Einnahmen der preußischen Staatseisenbahnen aus dem Personenverkehr kaum die Selbstkosten decken und daß demnach die Ueberschüsse lediglich von dem Güterverkehr aufgebracht werden, von zuständiger Seite bisher nicht widerlegt worden ist. Demgemäß stellte sich das Directorium des Centralverbandes in seiner Sitzung vom 26. November d. I. auch vollständig auf den Standpunkt des beantragenden Vereins, daß eventuelle Tarifermäßtgungen zunächst dem Güterverkehr zu Gute kominen müßten und daß der Personenverkehr auf solche Ermäßigungen vorläufig keinen Anspruch habe. Dem Anträge selbst, eine Agitation gegen die erwähnten Bestrebungen einzuleiten, konnte das Directorium jedoch nicht Folge geben, da es vacb seiner Ansicht an einem greifbaren Object fehle. Den in der Presse hervorgetretenen Forderungen konnte das Directorium eine entsprechende Bedeutung um so weniger beilegen, da andererseits in Zeitungen, von denen angenommen wird, daß sie eine gewisse Fühlung mit den maßgebenden Kreisen haben, entschieden in Abrede gestellt worden war, daß beim Ministerium der öffentlichen Arbeiten die Absicht bestehe, die Personentarife zu ermäßigen. Zugegeben wurden nur vorbereitende Schritte, um eine Erleichterung für die Arbeiter zur Erreichung ihrer Arbeitsstellen herbeizuführen, wofür die Industrie dem Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten nur dankbar sein kann. Der ganzen Sache legte das Directorium jedoch solche Bedeutung'bei, daß es beschloß, die Aufmerksamkeit der Mitglieder des Centraloerbandes durch ein Rundschreiben auf die in Rede stehende Angelegenheit zu lenken. — Der „Kreuz-Zeitung" zufolge besteht die Absicht, im Süden Berlins eine neue Garntsonsktrche zu bauen. Afrika. Zanzibar, 30. November. S. M. Schiff „Sophie" hat bei Saadani eine Anzahl Dhaus zerstört, welche die Insurgenten auf dem Festlande mit Waffen und Munition versorgen wollten. Während des Kampfes wurden 10 Araber und auf deutscher Seite der Oberztmmermannsgast Zimmermann getödtet. Vermischtes. — Eine erschütternde Tragödie erzählt das „Wiener Fremdenblatt": Nächst der Bahnstation Brandeis am Adler befindet sich ein Wächterhäuschen. Dort standen am Sonntag Abend der Bahnwächter und seine Frau; sie erwarteten den Personenzug, mit welchem ihr als Bremser bediensteter Sohn das Wächterhäuschen passiren sollte. Die Frau hielt einen Korb in der Hand, in welchem sich das Essen für ihren Sohn befand. So warteten sie immer auf ihn, so oft er in die Station einfuhr, so M.tt.fcshÄ SS™ teÄ'ä’Ää "r*» Ä® * s M warm geblieben waren. Eben, als der Zug e nberfubr gtelt sie den Korb frohlockend empor wie eine Siegestrophäe ihres wackeren SK der alte Vater stand neben ihr, klopfenden Herzens wielmmer wenn ei sollte. In ihrer Freude bemerkten sie gar nicht, daß auf dem Geleise, an welchem sie standen, der in der Richtung nach Wien verkehrende Hua baber- brauste. Die Locomotive erfaßte die alten Leute, ein leichtes wimmerndes Geräusch und betbe befanden sich unter den Rädern der Maschine. Ein Schrei des Entsetzens aliirf mit°nnnpibhn ^u9cn scr' benn Passagiere derselben batten das schreckltch/un- t angesehen, ohne den armen Leuten helfen zu können. Der alte Bahnwächter und seine Frau waren von der Maschine zermalmt worden; erst in Trübau wurden an den Radern derselben die Kletderreste und Fleischstücke der Verunglucktenb^mertt che Sohn, der sich auf den Anblick seiner Eltern so sehr gefreut !^tc Entsetzliche mit ansehen, ohne daß es ihm möglich gewesen wäre den ae- liebten Eltern in ihrer Todesnoth beizuspringen, die Pflicht hielt ihn, den'Bremser mit eherner Gewalt auf seinem Posten zurück. Von Zeit zu Seit liest die Pocnmntinp ihre schrillen Pfiffe erschallen,„ aber diese vermochten nicht den Schmerzensschrei seiner verwundeten Seele zu übertönen. So fuhr der unglückliche Bremser in die Nacht m Unb ^ b'.ode Nacht breitete sich über sein verzweifelndes Herz. Er hatte keme Eltern mehr, z ______________ 6 M ex t Aul aß zum Wohlthun.) Dieser Tage wurde der Gastwirth Frohner m Budapest von seiner Frau geschieden. Der Stimmung, die ihn in Folge dessen beherrschte gibt er nun durch - verschiedene Wohlthätigkeitsakte Ausdruck. So ungarischen Journalisten Pensions-Anstalt 2000 fl. gespendet. Ferner stiftete g 102? cin österreichischer Schüler erhält, welcher die ungarische Sprache m Wort und Schrift erlernt. Auch errichtet er in seinem Heimathsorte Jnzers- dorf ein Krankenhaus. M 8 Literarische-. „ , -r 3«m Christfeste. Deutsche- Weihnachtsblatt. Preis 2 50 4. unter diesem Tttel bringt die bekannte G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung ein Unternehmen, das allgemeiner Beachtung werth ist und sich wohl auch des allgemeinsten Beifalls versichert halten darf. Es ist eigentlich zu verwundern, daß ein solches Festjournal, wie das nun vorliegende Grote'sche Weihnachtsblatt, nicht früher schon in deutschen Landen seine regelmäßige Verbreitung zur festlichen Weihnachtszeit gefunden hat. In Frankreich und England sind Festblätter dieser Art längst eingebürgert Es zählt dort zur hergebrachten Sitte, mit Anbruch des December eines der Londoner oder Pariser Weihnachtsblätter anzuschaffen und am abendlichen Familientische sich ihres weihnachtlich anregenden Inhalts zu freuen. Mancherlei Weihnachtssitten sind auch bei uns zu Hause. Aber als eine der schönsten würde es doch gelten können, wenn man in der vorweihnachtlichen Zeit dieses stattliche Grote'sche Heft „Zum Christfest" heimtrüge, als ein sichtbares Zeichen dafür, daß an dem innigst und tiefst empfundenen unserer Feste die Geister im Hause nicht fehlen sollen, durch welche jedwede Feier erst ihre höhere Weihe erhält, nämlich die der Poesie und Kunst. Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Es wird hierdurch -ur öffentlichen Kennt- niß gebracht, daß bei der Spar- und Leihkaffe Gieße« in den Monaten De- • cemoer l. I. und Januar k. I. folgende Geschäftstage festgesetzt worden sind: Mittwoch den 5. December 1888, Donnerstag ee 6. ■ Samstag ff 8. w Dienstag 11. Mittwoch 12. Donnerstag ff 13. Samstag u 15. Montag ff 17. w Dienstag II 18. V Mittwoch ff 19. If Donnerstag ff 20. If Samstag ff 22. Montag ff 24. u Freitag ff 28. — Samstag M 29. ff Montag u 31. ff Mittwoch 2. Januar 1889, Donnerstag ff 3. ff Samstag ff 5. ff Dienstag 8. Mittwoch 9. Donnerstag w 10. ff Samstag If 12. H Die Beischreibung bezw. Empfangnahme der Zinsen von Capitaleinlagen pro 1888 kann an diesen Tagen erfolgen, zu welchem Zwecke die Schuldscheine vorzulegen sind. Die Großh.Bürgermeistereien des Sparkassebezirks werden ersucht, vorstehende Bekanntmachung auf ortsübliche Weise zur Kenntniß der Ortseinwohner bringen zu lassen. Gießen, den 26. November 1888. Der Rechner der Spar- u. Leihkasse Gießen-: Doering. Wegzugshalber ist ein noch wenig gebrauchtes kreuzsaittges Fianino preiswürdig zu verkaufen. Näheres in der Exped. d. Bl. 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