Nr. 207 Mittwoch den 5 September 1888. Kichemr Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. i V«r-au- Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. W Amtlicher HheiL. Betreffend: Tilgung der Schaftäude. Bekanntmachung. Unter Bezugnahme auf unsere Verfügung vom 29. v. Mts. — Anzeiger 203 — bringen wir zur öffentlichen Kenntniß, daß der Ausbruch der Räude unter den Schafheerden zu Watzenborn-Steinberg nunmehr festgestellt worden ist. Die bereits verfügte Sperre bleibt unter diesen Umständen selbstverständlich aufrecht erhalten. Gießen, den 3. September 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Jost. Politische Rundschau Gietzen, 4. September. In voriger Woche hat wiederum eine Sitzung -es preußischen Staats- ' Ministeriums stattgesunden, in welcher dessen neuer Vtcepräsident, Staatsminister won Bötticher, zum ersten Male dm Vorsitz führte. Die Sitzung war von keiner besonderen Wichtigkeit, da es sich nur um die Erledigung laufender Angelegenheiten handelte. Erft im Laufe des nächsten Monats, zu welchem Zeitpunkte sich die Mitglieder des Staatsmtnifteriums wieder vollzählig in Berlin etngefunden haben werden— abgesehen vom Fürsten Bismarck — dürften die Sitzungen des preußischen Minifter- collegiums durch die gemeinsamen Beratungen über die gesetzgeberischen Vorlagen — zunächst für den Landtag — erhöhte Bedeutung erlangen. In erhebendster Weise ist auch diesmal der nationale Gedenktag, der 2. September, an zahlreichen Orten des deutschen Vaterlandes begangen worden. Vtel- . fach konnte hierbei die Beobachtung gemacht werdm, daß die Betheiltgung, namentlich , der unteren Bevölkerungskreise an der Feier eine stärkere und regere war, als schon r fielt einer Reihe von Jahren und offenbar wirkte da der Umstand, daß Heuer der i Sedantag auf einen Sonntag fiel, mit ein. Vielleicht erblickt man hierin an maßgebender Stelle einen Wink, die Sedanfeier auch in künfttgm Jahren stets an einem Sonntag abzuhalten, entweder an dem ersten Sonntag vor oder dem ersten Sonntag nach dem 2. September. Denn so berechtigt der Gedanke an und für sich ist, die Erinnerungsfeier an Sedan an diesem welthistorischen Datum zu begehen, so sind doch gerade in der Woche über sehr Viele durch ihren Beruf davon abgehalten, in unverkürzter Weise am Nationalfeste theilnehmen zu können, so lange letzteres überhaupt ’ nicht officiell zu einem Fest- und Feiertage erklärt wird und dies könnte für das ganze Reich selbstverständlich nur von retchswegen geschehen. Jedenfalls erscheint schon von diesem Standpunkt aus betrachtet, eine einheitliche Reform der Sedanfeier als geboten und hoffentlich wird man in den zunächst hierzu berufenen Kreisen diesen Gedanken 1 enner ernstlichen Erwägung unterziehen. Die Kaiserin von Rußland ist, begleitet vom Großfürsten-Thronfolger und - der Großfürstin Xenia, in der Nacht vom Samstag zum Sonntag von Gmunden 1 wieder abgereist, um nach Rußland zurückzukehren. Noch am Tage ihrer Abreise hatte die russische Herrscherin den Besuch des Kaisers von Oesterreich empfangen und bereits - «uf der Reise, in Prerau in Mähren, wurde die Czarewna noch vom Erzherzog Karl ( Ludwig und dessen Gemahlin, Erzherzogin Maria Theresia, begrüßt, obwohl das erzherzogliche Paar kaum erst von den Tauffeierlichkeiten am deutschen Kaiserhofe nach . ißien zurückgekehrt war. Obwohl Kaiser Franz Josef erst am kommenden 2. Dezember sein 49jähriges Regierungs-Jubiläum feiert, so gtebt letzteres doch schon jetzt zu verschiedenen Festlichkeiten in Oesterreich-Ungarn Anlaß. Zu denselben gehörte auch das am Sonntag staltgesundene Festschießen des Wiener Schützencorps, welches sich zu einem großen t Volksfeste gestaltete; in der Hofburg nahm Kronprinz Rudolf in Vertretung seines kaiserlichen Vaters die Huldigung der Schützen entgegen. Die R e i s e, welche König Humbert und der italienische Thronfolger gegenwärtig durch die Romagna, welche italienische Provinz bis 1860 den nördlichen Theil des Kirchenstaates bildete, unternehmen, gestaltet sich zu einem wahren Triumphzuge. Allenthalben wird den hohen Reisenden ein Empfang seitens der Bevölkerung bereitet, den man den Gipfel des Enthusiasmus nennen kann und aller Orten, wo der König und der Kronprinz Aufenthalt nahmen, wetteiferten die Bewohner , ihre Treue und Ergebenheit gegen das Haus Savoyen darzuthun. Am Samstag Abend reisten die hohen Herrschaften von Forli, wo sie mehrere Tage geweilt, ab, um den Besuch der Romagna zu Ende zu führen. Das Räuberwesen droht der bulgarischen Regierung nachgerade über den Kopf zu wachsen. Auf die berüchtigte Briganten-Affaire von Bellova, welche sogar die Federn der europäischen Diplomatie in Bewegung setzte, ist bereits eine neue 2 „Heldenthat" des bulgarischen Brigantenthums gefolgt, indem bet Dubnitza, einer nicht i unbedeutenden Handelsstadt im südwestlichen Bulgarien, neuerdings drei Personen von Räubern überfallen und fortgeschleppt wurden. Die Einzelheiten über dieses neueste Stückchen der bulgarischen Banditen sind zwar noch abzuwarten, es beweist jedoch auch J b schon, daß das Räuberunwesen in Bulgarien immer üppiger sich entfaltet und daß die bisherigen Versuche der Regierung in Sofia, dem Treiben der einheimischen Rinal- dini's energisch entgegenzutreten, nichts weniger als abschreckend auf letztere gewirkt e haben. Daß diese leider nur zu wahren „Räubergeschichten" die Regierung des Coburgers mehr und mehr in Mißcredit im westlichen Europa bringen müssen, braucht wohl kaum erst näher ausgeführt zu werden.___________________ peutschlsno. Berlin, 2. September. Die Kaiserin.Augusta Victoria wird, wie man der „Schl. Ztg." aus Sprottau schreibt, am 15. September mit ihren Söhnen auf Schloß Primkenau elntreffen, um daselbst für einige Zeit Aufenthalt zu nehmen. Berlin, 3. September. Zur Probe werden augenblicklich von einigen Offizieren , iinb Feldwebeln der preußischen Garde-Infanterie diejenigen Säbelmodelle getragen, welche möglicherweise für das gesammte preußische Jnfanterie-Offiziercorps eingeführt werden. Eine hiesige Eorrespondenz gibt davon folgende Beschreibung: Der Säbelgriff entspricht genau demjenigen der jetzigen Degen, die Klinge hingegen ist 10 Eentimeter länger wie diejenige der letzteren und befindet sich in einer blanken stählernen Scheide. Diese hat oberhalb zwei gegenüberliegende feste Ringe, welche keinerlei Drehung gestatten. An diese ist je ein Riemenband befestigt, welches sich nach unten schräg von dem unter der Uniform getragenen Leibriemen abzweigt. Beim Waffenrock ist der Säbel so eingehängt, daß sich dessen Ringe einige Eentimeter unterhalb des Rockendes befinden. Heber die Einführung des Schleppsäbels bei dm Infanterie-Offizieren des preußischen Heeres verlautet indeß noch nichts Bestimmtes. Weder ist das Modell genehmigt noch die Art der Befestigung des Säbels an den Tragriemen. Es ist auch bereits der Vorschlag erörtert worden, die Säbelkoppel, wie bei den Unteroffizieren und Gemeinen, Über den Rock zu schnallen. Der Kaiser interessirt sich lebhaft für diese Angelegenheit und hat persönlich schon Trageversuche gemacht. Telegraphische Depeschen. Wolff'S lelegr. Correspondenz - Burea«. Berlin, 3. September. Se. Majestät der Kaiser empfing gestern im Marmorpalais den Botschafter Grafen Solms in einer längeren Audienz, conferirte heute mit dem Unterstaatssecretär Grafen Berchem, arbeitete mit dem Chef des Civilcabinets und erteilte dem deutschen Gesandten !n ^then, Le Haistre, Audienz. — Ihre Majestät die Kaiserin Augusta besuchte heute bas Augusta - Hospital und kehrte dann nach Babelsberg zurück, wo Allerhöchstdieselbe den Grafen Berchem, dm Chef des Civilcabinets v. Lucanus, den Gesandten v. Bülow und den General v. Werder bei sich zum Diner sah. — Der Kronprinz von Griechenland stattete dem Kaiser und der Kaiserin heute Mittag im Marmorpalais einen Besuch ab. — Der Gesandte v. Schlözer ist heute Vormittag nach Dresden abgereist. — Die Fürstin Bismarck ist hier eingetroffen. Berlin, 3. September. Eine eben ausgegebene besondere Nummer des „Reichsanzeigers" enthält die Bekanntmachung, daß heute in Potsdam mit Bewilligung des Kaisers und unter Zustimmung der Kaiserinnen Friedrich und Augusta die Verlobung der Prinzessin Sophie, Schwester des Kaisers, mit dem Kronprinzen von Griechenland erfolgte. Wegen der tiefen Trauer wird von sonst üblichen Feierlichkeiten abgesehm. Hirfchberg, 3. September. In Folge andauernder Regengüsse beginnen die Gebirgsflüsse wieder zu steigen, die Vorstadt Sand ist theilweise überschwemmt. Freiburg i. B., 3. September. Bei der Begrüßung der Teilnehmer der 35. Generalversammlung der deutschen Katholiken hielt Windthorst eine Rede, in welcher er die badische Ordensfrage besprach. Ferner sprachen Lingens, Graf Galm und Rackö. Das Programm enthält drei öffentliche und drei geschlossene Generalversammlungen, sowie Festlichkeiten. London, 3. September. Einer Meldung des Bureau Reuter aus Baltimore zufolge wurde gestern eine Reihe Waarenmagazine in dem schönsten Stadtviertel durch Feuersbrunst zerstört; eines davon stürzte während des Brandes ein und wurden dadurch sieben Feuerwehrmänner getödtet. Der Schaden wird auf eine halbe Million Dollars geschätzt. Malmoe, 3. September. Der König wurde bei seiner Rückkehr enthusiastisch empfangen. Bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Dejeuner toastete der Bürgermeister Ahlftroem auf den König, welcher, mit Jubel begrüßt, einen Trinkspruch auf den Deutschen Kaiser ausbrachte. wobei er sich ungefähr folgendermaßen äußerte: In Schweden, wo die Gastfreundschaft von jeher Sitte, könne man die Gefühle schätzen, die ihn bei seiner Heimkehr, nachdem er im Kaiserschlosse in der Hauptstadt Deutschlands Gastfreundschaft genossen habe, beseelten. Alle Anwesenden könnten gewiß die Dankbarkeit, der er durch einen Toast auf den Kaiser Wilhelm Ausdruck geben wolle, verstehen. Dadurch, daß der Kaiser dem jüngstgeborenen Prinzen nicht nur seinen (des Königs) Namen, sondern ausschließlich schwedische Namen verliehen habe, habe er nicht nur ihm, sondern auch dem ganzen Lande einen Beweis seiner freundschaftlichen Gesinnung geben wollen. Er sei überzeugt, alle Anwesenden würden den Toast auf den mächtigen Kaiser, der jetzt auch dem Verbände der schwedischen Streitmacht angehöre, in solcher Weise zustimmen, daß es auf der anderen Seite der Ostsee widerhalle. Lokales. Gieße«, 6. September. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 6. September 1888, Nachmittags 4 Uhr. 1. Die Abhör der Löber'schen Sttftsrechnung für 1887/88. 2. Vergebung der Kirsch'schen Stiftungszinsen. 3. Gesuch des Johs. Arnold um Ertheilung der Concession zum Wirth- schaftsbetrieb. 4. Gesuch des Wil h. Fritsch um Erlaubniß zum Ausschank von Spirituosen. 5. Die Anstellung von Schutzmännern. 6. Gesuch des Reichsbankagenten C. W. Dietz um Befreiung von Entrichtung der Gewerbsteuer. 7. Den Schleußenwärterdienst. 8. Gesuch des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege um Ver- willigung eines Zuschusses. 9. Die Wodestraße. 10. Gesuch der Bewohner der Lahn- und Hammstraße um Beleuchtung mit Gas. 11. Gesuch um Aufstellung eines Ventilbrunnens in der Lahnstraße. 12. Decretur von Kostenrechnungen. Niederste Mittlere Mittel früherer Jahre . Höchste . . . . Wärmegrad« der Lahn nnd der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Ubr t Luft 17, Wasser 13«/, Gr. Gießen, dm 4. September 1888. Rübsamen. 3,4 ob. 11,95 „ 13,65 „ . ..... 23 0 Niederschlag an 14 Tagen . . . * . . 3,08 Par Roll " tm Mittel früherer Jahre an 14 Tagen 2,32 „ „ Darmstadt, 1. September. sPostpersonalnachrichten.s Versetzt sind die Postverwalter Banger! von Ober-Ingelheim nach Lampertheim, Griesheimer von Viernheim nach Homberg (Oberhessen), Walter von Lampertheim nach Darmstadt, die Postassistenten Hoffmann von Grünberg (Hessen) nach Jugenheim (Bergstraße), Fleckenstein von Neuwied nach Wald-Michelbach. Der Ober-Telegraphenassistent Lohse in Mainz tritt auf seinen Antrag in den Ruhestand. Gestorben sind der Ober-Postmeister a. D. Pfaltz in Darmstadt, der Ober- Postsecretär Tröller in Mainz, der Postexpeditor a. D. Friedrich in Lorsch (Hessen). — Die diesjährige Ausschußsitzung des Thierschutz Vereins für das Groß- herzogthum Hessen findet am 26. September im BahnhLtel der Hessischen Ludwigsbahn in Darmstadt, die ordentliche Generalversammlung am 17. October im Gasthaus „Zum Stern" in Büdingen statt. A Mainz,^3. September. Der Sedantag ist hier vollständig unbemerkt Gottesdienst in der Synagoge. , ar, . Neujahrsfeft (6. September). xoo iik nd 6^ Uhr, Donnerstag Morgen 7°° Uhr, Donnerstag Mittag U^T' $r™?0 borgen 7oo Uhr, Freitag Abend Goo Uhr, L-amstag Morgen 8« Uhr. Samsraa Mittag 4™ Ubr, SamStag Abend 7" Uhr. Landwirthfchaftliche Nachrichten. (Nachdruck verboten.) 0PThl~a ®armcb^ÜfS6 ^7 Zimmerpflanzen ist im Allgemeinen ein weit igewöhnlich annimmt, wenigstens gilt dies für die Jahreszeit, wo -Pflanzen/ich im Zustande der Ruhe befinden, im Späiherbste und Winter. merX bift^npmA bf?bc? dieser Zeit die Zimmerpflanzen bei 3 bis 8 Grad Reaumur, meistens ist eine constante Zimmerwarme von 15 Grad ihr Tod. Man stelle deshalb WO51Ö0iIlcb tn direct geheizte Wohnräume. Selbstverständlich darf ^rSUd) niä)t H."ler blne gewisse Grenze herabgehen. Können auch einzelne ftaLrm vorübergehend aushalten, so wird längere Kälte, besonders tarker a uf tritt von Topfpflanzen nicht ertragen. Weiß man auch nickt genau, m®?1 dessen für iede Pflanzengattung sich befindet, so wird man doch gut ? ®rah wo Pflanzen überwintert werden, nicht unter 2 bis „ ?b°umur Warme sinken zu lassen; es sollte deshalb, wenn man viele ober otelerlet 4.opfpflanjen hat, zwischen denselben ein Thermometer angebracht fein Ist M.Ctnnb eTr^*inPfi?n art « i“8c,ra8cn. Dort wollte ein junger Mann seinen Hund erschießen. Nachdem durch den ersten Schuß das Thier niederaestreckt wurden Zweifel geäußert, ob der Hund auch lobt s-, Ein L-hrläa lief b7n>u um streik Brust kaf ln,ei^ ®*“6' rod*er den Lehrling derart mrhaftet. ‘ ' b 8 b 1 bereits nach einer Stunde verstarb. Der Thäter wurde — Am Samstag hat man hier einen Falschmünzer verhaftet. Derselbe heißt Franke und ist erst vor Kurzem von Straßburg hierher gezogen und hat angeblich als Chorsänger an der hiesigen Bühne Beschäftigung gefunden. Die nachgemachlen Münzen sind Einmarkstücke und tragen die sehr guten Falsifikate die Jahreszahl 1883. Die Frau des Fälschers wurde am Samstag in einem Metzgerladen beim Verausgaben einer falschen Münze betroffen, was zur Entdeckung führte. Eine vorgenommene Haussuchung war erfolglos und leugnete Franke anfänglich auch, bei wiederholtem Verhör gab derselbe schließlich doch zu, die Fälschungen begangen zu haben und bezeichnet er auch das Versteck der Formen und einer Reihe von Falsifikaten. —' Ein Gerücht von einem grausigen Leichenfund, der in der „Neuen Anlage" gemacht worden, durcheilte am Samstag Abend die Stadt. Die Staatsanwallschaft begab sich an die Fundstelle und richtig, Erdarbeiter hatten ein menschliches Skelett blosgelegt, das bei näherer Besichtigung aber schon über 100 Jahre unter der Erde gelegen haben muß, welch letztere Thatsache das Grausige des Fundes bedeutend verminderte. — Falsche Kaiser-Friedrich-Zwanzigmarkstücke sind in Berlin aufgetaucht. Es war allerdings zu befürchten, daß Schwindler sich den Mangel an Kaiser Friedrich- Münzen zum Nutzen machen würden. Darum Vorsicht. Berlin, 1. September. Die Ueberlieferung von der Potsdamer Riesengarde König Friedrich Wilhelm I. lebt noch immer im 1. Garde - Regiment zu Fuß fort. Der Träger des Schellenbaumes bei der Regimentsmusik ist ein wirklicher Riese, der in den Straßen Berlins allgemeines Aufsehen erregt. Sein vierfüßiges Gegenstück ist das Paukenpferd des Regiments Gardes du Corps, welches bis zum Rücken sechs Fuß mißt. — Bei den Berliner Gardeofficieren sind jetzt die „Wadenkneifer" völlig ver- schwundm. Die Herren tragen jetzt Beinkleider von gefälligem Schnitt. Ebenso sind die Schnabelschuhe beseitigt, seitdem der Kaiser einen Officier sarkastisch gefragt hat, ob er Plattfüße zu verbergen habe. — sDie Eidesformel für Beisitzer der berufsgenossenschaftlichen Schiedsgerichte.) Anläßlich einer Anfrage hat das Reichsversicherungsamt betreffs der Vereidigung der Beisitzer der berufsgenossenschaftlichen Schiedsgerichte und deren Stellvertreter empfohlen, dieselbe in der Weise vorzunehmen, daß der Vorsitzende des Schiedsgerichts an die zu Beeidigenden bei ihrer ersten Dienstleistung in öffentlicher Sitzung die Worte richtet: „Sie schwören bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, die Pflichten eines Schiedsgerichtsbeisitzers getreulich zu erfüllen und Ihre Stimmen nach bestem Wissen und Gewissen abzugeben", und daß die Beisitzer den Eid leisten, und dann ein Jeder einzeln die Worte spricht: „Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe." — Die „Berliner Politischen Nachrichten" bringen in ihrer Nummer vom 27. d. M. folgende Mittheilung: Wie bekannt, wird im Frühjahr 1889 zu Berlin die deutsche allgemeine Ausstellung für Unfallverhütung eröffnet werden. Nach den Anmeldungen, welche dazu bereits etngegangen sind, verspricht die Ausstellung eine Ausdehnung zu erhalten, wie sie zur Erreichung des ihr gesteckten Zieles umfassender wohl kaum gedacht werden kann. Nicht nur die Mehrzahl der größeren deutschen Etablissements werden sich an । derselben betheiligen, auch der größte Arbeitgeber, der preußische Staat selbst, wird mit I den verschiedensten Ausstellungsgegenständen, wie Bergwerksmodellen, Eisenbahn- I Vorrichtungen, statistischen und kartographischen Arbeiten aller Art dabei heroortreten. So große Erwartungen deshalb die in Aussicht stehende Brthetligung bezüglich des Erfolges der Ausstellung hervorzurufen geeignet ist, so sind doch in letzter Zeit, wie wir hören, innerhalb der betheiligten Kreise Zweifel darüber angeregt worden, ob dieser Erfolg nicht etwa durch die Kürze der Zeit, für welche vorläufig das Ausstellungsgebäude benutzt werden darf, in ungünstiger Weise beeinflußt werden könnte. Es läßt sich ja nicht leugnen, daß der Zeitraum von drei Monaten, April bis Juni einschließlich wie er bisher nur in's Auge gefaßt werden konnte, nicht blos verhäitnißmäßig kurz ist, sondern daß auch das Frühjahr als solches nicht gerade die günstigste Zett für Ausstellungen, namentlich bezüglich des Zuzuges der Besucher von außerhalb, darstellt. Das Landesausstellungsgebäude ist nun aber vom 1. Juli jedes Jahres ab für die akademische Kunstausstellung reseroirt, und es erheben sich hieraus Schwierigkeiten für die Verlängerung der Unfalloerhütungsausstellung, die, da das Gebäude beide Aus- I stellungen zugleich nicht tn sich aufnehmen kann, nur durch ein Verzichtleisten auf die Eröffnung der akademischen Kunstausstellung schon am 1. Juli nächsten Jahres gehoben I werden könnten. Wie wir erfahren, werden gegenwärtig zwischen den beteiligten I Kreisen zur Hebung dieser Schwierigkeiten Verhandlungen gepflogen und wenn auch I deren Ergebniß bisher nicht abzusehen ist, so darf man dock überzeugt sein, daß namentlich Seitens der dabet in Frage kommenden Behörden Alles aufgeboten werden I wird, um den Wünscken nach Verlängerung der Dauer der Unfallverhütungsausstellung so viel als nur irgend möglich entgegenzukommen und damit den Erfolg eines Werkes sicherstellen xu helfen, das nur in einem socialpolitischen Zeitalter, wie dem unserigen denkbar und ausführbar ist und das den Humanitären Bestrebungen unserer Arbeit- I geber zum Schutze der Gesundheit und des Lebens der Arbeiter ein würdiges Denkmal zu setzen bestimmt ist. | Nürnberg, 30. August. Einen unglaublich dummen Spaß, der ihnen teuer I zu stehen kommen wird, machten sich dieser Tage einige Mägde eines Bauern tm Wiens befinbpt fnm in mr fL in einer Vorstadt 2 Ctos^Ma^över^ausgerückt ~~ Wen Xruppen ber hefigen Garnison sind heute in I wieder nicht durch die Taube - und der Schluß ist vorläufig^— das «Handel und Verkehr. 1 ^od)exnnaTtt foftete: Butter, pr. Md. ^/jOO-IJO, Hühnereier 1 St. 6- J 2 St. 11- H, Enteneier 6-7 H, Gänse- der 0—00 H, Käse pr. St. 4—7 H, Kasematte pr. St. 3 H, Erbsen pr Liter 18 H Linsen pr. Liter 28 H, Tauben pr. Paar 0,50—0,70, Hühner pr. St ^ 0 90—1 U0-2,00"ORnAisch ^ S 6J 68 rdj, Kuh- und Rindfleisch 45—54 H, Schweinefleisch 50—60 ^9» fiammpTfTHfrft 54—^ulbfleisch 40—46 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo JL 4,50—6^0, Zwiebeln per Gentner JL 6,00-7,50, Milch pr. Liter 12-18 Weißkraut pr. St. 10-30 bem C®Ä‘Än.rtt ™ V0n ®aw6U» btM »- »• M. an auf ™ F^^urt 3. September. (Viehmarkt). Angetrieben waren 404 Ochsen, 50 Bullen, b90 Kühe, Stiere und Rinder, 315 Kälber, 82 Hämmel, 205 Schweine ®te ?)retfe stellten sich pro 100 ^funb Schlachtgewicht: Ochsen 1. Dual. M. 62—64* 2- 55—1>7, Süllen 1. Dual, jl 39-41, 2. Dual M 37-38, Kühe, Stiere und R nder 1 Dual. M 50-52, 2. Dual. JL 40-44, Kälber 1. CuaL nro Viund ©«[a^ gemixt 55-62 4, 2. Dual. 52-55 Hämmel 1. Duäl 60-62 ^ 4. AJual. 48—50 H. " Gottesdienst der israelitischen Ketigionsgesellschast. Neujahr. 616 Uhr, Donnerstag Vormittag 7«r Uhr, Donnerstag Nach- mittag 4oo Uhr, Donnerstag Abend 7«> Uhr, Freitag Vormittag 7°o Uhr, Freitags Abend Ab ^710 uhE^0 Bormtttag 8« Uhr, Samstag Nachmittag 4« Uhr, Samstag Gieße«, 4. September. Seitens des Publikums werden allgemein Klagm darüber laut, daß die Fußwege in unseren Anlagen von Kinderwagen in einer Art und Weise befahren werden, die für die Spaziergänger belästigend ist. Zwei und mehr Wagen werden gewöhnlich von den in ganz besonders wichtiger Unterhaltung begriffenen Kindermädchen nebeneinander hergefahren und diesen Letzteren ist es ganz egal, ob man vorbei kann, ohne sich an den Rädern der Wagen zu beschmutzen, ober nicht. Dieselbe Wahrnehmung kann man aber auch innerhalb ber Stabt auf ben Trottoirs machen, nur baß hier biefe Art Verkehrsstörung etwas gefährlicher wirb. Trohbem man behörblicherseits berechtigt ist, gegen berartlge Ungehörigkeiten einzuschreiten refp. bas Befahren ber Promenabenwege unb Trottoirs mitKtnberwagen zu verbieten, ist seither aus Rücksicht auf bie Kinber baoon Abstanb genommen worben. Sollte aber bas Publikum burch bas hier gerügte Benehmen ber Kinbermäbchen noch weiter in ber angebeuteten Weise belästigt werben, so würbe bas Befahren ber Wege in ben Anlagen unb ber Bürgersteige einfach verboten, bas Zuwiberhanbeln gegen bas Verbot bestraft werben. Es liegt sonach im Interesse ber betreffenden Herrschaften, ihren Kindermädchen einzuschärfen, in Zukunft das Nebeneinanderfahren der Kinderwagen und das gruppenweise Beisammenstehen in den Anlagen wie innerhalb ber Stadt zu unterlassen. Berlin, 3. September. Um den oft stark besetzten Postschaltern ber Auflieferung von Telegrammen ben Vorrang zu sichern, sinb bie Postannahmebeamten an ben Schaltern, an welchem bie Annahme unb Ausgabe von Postsenbungen unb Telegrammen gemeinsam erfolgt, angewiesen worben, bie Auflieferer von Telegrammen mit Vorzug abzufertigen. Durch Schalteranschlag werben biejenigen Corresponbenten, welche Telegramme abzugeben haben, aufgeforbert, bie Telegramme hochzuhalten, so baß ber Beamte barauf aufmerksam wirb; berselbe wirb bann bie beschleunigte Ent- gegennahme herbeiführen. Vermischtes. Allgemeiner Anzeiger. “M'- St Georger Ausbruch in der früher Bramm'schen Hofraithe $ per 3 JL, ©C ' 1 ö 1 behor prerswerth abzugeben. 7°74 TchtllrrffraRe im \ -9iS6erea in ber >>■ st.__ m : ®er °Ech ins Deutsche übertragene Finanzbericht der Portugiesischen ' werden . ^in Dkifftvoch^lhend 6 Uhr iwZ Z ■ vermiethen. K. KleeS, Ludwigstraße ß.U bleibt Hoher »EeiettatiP il» * $ Ädenh j vollständig neu hergerichtete UMuffru. 3'“*“,8C G-schSt« ««■ aWÄ.-S T e, . „ 7046 } P^^mann.LLL ll ----------d- JXL. Schulhof m6r9,59] Ludwigstraße 5 (Südseitesist dst ®*“** «-«»«>« 4750 Eine irenn^r ---- I V. E , «ursche ’ÄS‘ I Marburg. H . für ein hiesiges Geschäft rbm!PTnh) npf 1 ~ 7Ö59 EinKorallenarmbändchen am i —^olereg in ber Spedition d. Bl. " ' ? Telegraphischer Lvi bericht der Berliner Börse V0A 4 ry.~i -*<-) fr, —" —- ? banl- 18- UrflP Alt nv» _ c n Oesterr. Credttactien * 164 00 ' ‘ ^bptember 1888 70o8 Eln StockUtt Elsenbeingriff und ? ÄLu ^aracJl5au§aTbciten erfahren, zu ’ ^esterr. Staatsbabn-Acticn 10590 Namen m Lollar abhanden gekommen. Man > ® gesucht von 6 1880 4% Russen Oblig. 1 ,yU ersucht denselben Neustadt 8 abruaeben ^rau Director Stammler, unif. Egypter Oblia. _______________________________________Gartenftraße 21. 1 Redactton: i. D. Hermann Elle.