Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen. a® ■ ■ Bnreau r Schul st raße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Dringerlohm Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Deutschland. Berlin, 1. December. Die Direction der Neu-Guinea-Gesellschaft bezeichnet die über Die Compagnie umlaufenden Mittheilungen als unrichtig und entstellt, und erklärt, die Compagnie verfüge über ausreichende Mittel, um alle Verbindlichkeiten zu erfüllen und habe ihr Schutzgebiet dem Reiche nicht angeboten. Die Behauptung, daß der Landeshauptmann Krätke im nächsten Frühjahre ebenfalls wieder zurücktreten wolle, sei nur insoweit richtig, als der Urlaub des Landeshauptmanns Krätke im nächsten Juni ablaufe, und als über das Verbleiben desselben, womit er sich im Principe einverstanden erklärt, noch die Verhandlungen schweben. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Verfüaung des Ministers der Land- wirthfchaft an sammtliche Generallandschaftsdtrecttonen und Oberpräsidenten, in welchem er behufs Wahrung der landwtrthschaftlichen Interessen zur eingehenden Prüfung des Entwurfs des neuen bürgerlichen Gesetzbuches, des Einführungsgesetzes zu demselben und der Grundbuchordnung, sowie zur Mtttheilung von etwaigen Wünschen und Anträgen auffordert. Stettin/ 1. December. Heute Mittag 12 Uhr ging der Stapellauf des neuerbauten Schnelldampfers der Hamburg-Amerikanischen Packetfahct-Actten-Gesellschaft, für die Linie Hamburg-Newyork bestimmt, in Anwesenheit der Spitzen der Behörden, der chinesischen Gesandtschaft, sowie zahlreichen Publikums auf der Werft „Vulkan" glücklich von Statten. Die Taufe vollzog in der üblichen Weise Fräulein Hernissen auf den Namen Ihrer Majestät der Kaiserin „Victoria Augusta". — Bei dem anläßlich des heutigen Stapellaufs des neuen Schnelldampfers „Victoria Augusta" folgenden Festessen verkündigte der Viceprasident der Hamburg- Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gefellschaft, Tietgens, daß Senator Carl Schurz die Vertretung der Gesellschaft in Nordamerika übernommen habe. Diese Nachricht wurde von der Versammlung mit Jubel begrüßt. Bremen, 1. December. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger meldet aus Hcilrernest: Am 30. November Abends von dem auf Marienwiese, Halbinsel Heia, gestrandeten englischen Dampfer „Glencotl", Capitän Philipp, zwölf Personen durch den Raketenapparat der Station Heisternest gerettet. Sturm aus Nord- Nord-Ost. Hesterreich. Wien, 1. December. Abgeordnetenhaus. * Präsident Smolka gedachte in der heutigen Sitzung des morgen stattfindenden 40jährigen Regierungs-Jubiläums des Kaisers. Unter Hinweis auf den Wunsch des Kaisers, daß dieser Tag nur durch Akte der Wohlthätigkeit begangen werden solle, hielt er es trotzdem für angezeigt, daß gerade die freigewählte Volksvertretung der hohen Bedeutung des Tages Ausdruck gebe. Bewegten Herzens gedachte der Präsident des 3. December 1848, wo er selbst an der Spitze des ersten österreichischen Reichstags dem Kaiser Glückwünsche zu seiner Thronbesteigung darbrachte. Smolka schilderte die segensreiche Regierungszeit des Kaisers, das innige Verhältniß unwandelbarer Liebe zwischen dem Kaiser und seinen Völkern. Mit Stolz und Freude" — schloß Smolka — „kann der Kaiser auf seine vierzigjährige Regierung zurückdlicken an der Spitze eines Reiches, das achtunggebietender dasteht als je als Bundesgenosse gesucht, als starker treuer Verbündeter geschätzt, und getragen von der unbegrenzten Liebe seiner Völker." — Das Haus brachte hierauf ein dreimaliges begeistertes Hoch aus. Herrenhaus. Präsident Graf Ferd. Trautmannsdorff hielt gleichfalls anläßlich des Jahrestages der Thronbesteigung des Kaisers eine patriotische Ansprache, worin er sagte, dem Kaiser lei die Liebe seiner Untertanen und der Dank seiner Völker für aUe§ Gute, bas sie seiner weisen Führung verdanken, im vollsten Maße zu Theil geworden. \ IrauLreich. Paris, 1. December. Das Comitä der Patriotenliga hat beschlossen, morgen öffentliche Kundgebungen am Grabe der bei Champigny gefallenen Soldaten zu veranstalten. Telegraphisch« Depeschen. «Kar- «^rrespondenz - Burr an. Varis, 2. December. Eine Erklärung des boulangistischen Comitä's besagt, dasselbe werde sich von der Kundgebung zu Ehren Baudin's fern halten. Das verehrungswürdige Andenken des letzteren verpflichte leden Burger, allen Provokationen der Negierung, welche gerade diesen Tag ausgesucht habe und Parrs „decembrifiren W°Ue' PariS^ 2^ December, Nachm. 1 Uhr 55 Mim Viele Neugierige hatten sich seit Vormittag um das Denkmal Baudins am Eingang des Friedhofes Montmartre grupprrt. Abordnungen der Vereinigung der Linken der Kammer, der republikanischen Vereinigung, sowie der republikanischen Linken des Senats, welche an dem Zuge des Mumcipalrathes nicht theilnehmen wollten, waren im Laufe des Vormittags emgettoffen, um Kranze an dem Denkmae niederzulegen. Um 1 Uhr setzte sich der Zug des Mumclpalrathes oom Hotel de Ville nach dem Kirchhof Montmartre in Bewegung. Seit Mittag ist behuss Aufrechterhaltung der Ordnung der Wagenverkehr in welche der.Zug passirt, polizeilich untersagt. Eine ungeheure Menschenmenge ^trchzieht die^ Straßen, dochis die Ruhe bisher in keiner Weise gestört worden. — Boulanger ist heute Vormittag ^ati«,bÄember, Nachm. 3 Uhr. Der Zug des Municipalrath-s brauchte eine Stunde um den Boulevard Sebastopol zu passiren und zieht gegenwärtig am Nordbahnbose vorüber. Einige Rufe: „Es lebe die Republik!" untermischt mit Puffen, wurden vernommen, als die Gruppe der Deputirten und der Municipalräthe bei der Rue Rivott vorüberzog. Eine Person wurde auf dem Boulevard Magenta verhaftet. Paris. 2 December, Nachm. 4 Uhr 20 Min. Der Zug war bedeutend weniger stark, ms man angenommen hatte, und wird auf ungefähr 10,000 Personen geschätzt, von denen etwa die Hälfte aus der Provinz gekommen waren. Um 3 Uhr langte der Kua vor dem Denkmal Baudins an. Der Präsident des Municipalrathes, Darlot, Mett eine Rede in welcher er erklärte, die Theilnehmer an dem Zuge hätten die un- ?r chrockene Verthetigung des republikanischen Rechtes verherrlichen wollen; sie hatten alle geächteten Opfer des Staatsstreiches feiern wollen. Der Redner wachte sodann eine Anwieluna auf den Boulangismus, welchen er heftig angriff unb hob hervor, die D^mokratte stähle"sich ^an dem Beispiel des ruhmvollen Tobten. Er komme an das Grab Baudins, nicht nur um ihm Ehrfurcht zu bezeugen, sondern auch UM^B s aeaen den Cäsarismus zu sammeln, welcher die Stirn zu erheben wage. Der Redner schloß: Gestärkt und gekräftigt durch die edlen Erinnerungen, wollen wir uns trauensvoll einigen in dem Rufe: Es lebe die Republik! — Um 3^2 Uhr begann der Vorbeimarsch vor dem Denkmal Baudins. Die Feier verlief ohne Zwischenfall. Paris, 2. December, Nachm. 5 Uhr 20 Min. Die Kundgebung verlief obne Zwischenfall; der Vorbeimarsch am Denkmal Baudins war um 4'/» Uhr beendet. Die Theilnehmer kehrten in die Stadt zurück, welche bald ihr gewöhnliches ruhiges Aussehen wieder annahm. Petersburg, 2. December. Anläßlich des Regierungs-Jubiläums des Kaisers Franz Joies bringt das, ,Journal de St. Petersbourg" einen Artikel, in welchem hervorgehoben wird, daß die hervorragenden Eigenschaften dieses Monarchen von allen Höfen voll gewürdigt werden und daß trotz Der Verschiedenheiten in den politiichen Gesichtspunkten, welche Regierungen und Nationen von einander trennen können, Jedermann den loyalen Bemühungen des Monarchen, seinen Völkern die Wohlthaten des Friedens inmitten einer bewegten Zeit zu sichern, volle Gerechtigkeit widerfahren lassen werde. Darmstadt, 3. December. Der Großherzog hat sich mit den Prinzen Heinrich und Wilhelm nach Philippsruhe begeben, um der Trauerfeier für den verunglückten Landgrafen von Hessen beizuwohnen. Lokales. Gießen, 3. December. Samstag den 8. December, Vormittags 9 Uhr beginnend, findet eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhesfen statt, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung kommen: 1. Recurs des Jacob Häuser in Gießen wegen verweigerter Concession zum BranntweinauSschank. 2. Enteignung von Gelände in.^der Gemarkung Laubach für die Nebenbahn Hungen—Laubach. 3. Klage des Ortsarmenverbandes Gießen gegen den Landarmenverband Alsfeld wegen Unterstützung der Katharine Ortwein aus Grebenau. 4. Klage des Ortsarmenverbandes Wohnfeld gegen den Ortsarmenverband Nieder-Gemünden wegen Unterstützung und Uebernahme der Familie des Heinrich Mobr. 5. Klage des Ortsarmenverbandes Bönstadt gegen den Ortsarmenverband Altenstadt wegen Regreßansprüchen hinsichtlich der Familie Dröll. 6. Recurs der israelitischen Religionsgemeinde Gießen wegen des Voranschlags dieser Gemeinde pro 1888/89. Gießen, 3. December. sSarasate-ConccrtJ Wer gestern Nachmittag beim Verlassen des Concertsaales die Mienen der Zuhörer gemustert hat, der ist nicht im Zweifel, daß Herr Pablo de Sara säte es verstanden hat, sein Publikum in den Zustand zu versetzen, den man landläufig als den Des Entzücktseins bezeichnet; wenigstens steht Referent nicht an, von sich dieses Bekenntniß abzulegen. Das M e n d e l s s o h n'sche Concert ist unter den zahlreichen Violinconcerten das gesangreichste und für das Instrument dankbarste. Man hört es oft und jeder Künstler hat es auf seinem Programm. Aber es ist kein Zufall, daß Meister Joachim es nicht mit Vorliebe spielt und nicht so gut zu Gehör bringt, wie z. B. seine Schülerin Frl. Marie Soldat. Mendelssohn's Concert ist für weibliche Naturen geschrieben, womit nicht im Widerspruch steht, daß besonders der erste Satz kräftige Accente erfordert. Man könnte geneigt sein, gerade Herrn Sarasate für den berufenen Interpreten dieses Gesangsstücks par excellence zu halten. Dem ist nicht so; selbst sein größter Bewunderer wird nicht behaupten können, daß er in den Geist der Composition ein- gedrungen sei. Unseres Erachtens hängt das damit zusammen, daß Sarasate kein Deutscher ist. Man sagt wohl: Musik ist international. Der Satz ist nicht richtig, ober boch nur in solcher Allgemeinheit gültig, baß er werthlos wirb. Ein Deutscher kann keine spanische Romanze und keine Habanera spielen, aber einem Spanier wird bafür ber Geist beutscher Musikstücke nie aufgchm unb er thut barum gut, sie beutschen Künstlern zu überlassen. Diesen Einbruck gewannen wir von dem Vortrag des Concertes durch Herrn Sarasate. Er spielte es, um es kurz zu sagen, unmotivirt. Das gilt von allen drei Sätzen, ganz besonders vom ersten. Derselbe ist ein sehr durchsichtig aufaebauteS, keineswegs aber leicht fundamentirtes Kunstwerk. Sarasate schwelgte in Wohllaut, aber er blieb durchaus auf der Oberfläche. Ueber die Triolenpassagen huschte er mit bewunderungswürdiger Leichtigkeit, die überhaupt allen Leggiero-Partien zu Gute kam, hinweg. Aber wo sind die Motive für die meist übertriebene Geschwindigkeit, mit Der diese Passagen vorgetragen wurden, für das abrupte stringendo, für das unendliche ritardando ? In der Composition liegen sie sicher nicht. Und warum fehlte jeder Accent? con forga hat Mendelssohn an dem Mittelpunkt des Satzes vorgeschrieben, wo der Ton sich siegreich tn ble höchsten Höhen schwingt. Hier fehlte jubeln!)eftraft und mächtige Breite des Tons. Das gleiche gilt von den Octaoengängen im Miltes satze des etwas weichlichen, aber so wunderbar einschmeichelnden Andantes. Ueber das Tempo des letzten Satzes läßt sich streiten; wir glauben aber, daß deutsche Künstler in der Weise, wie Sarasate es auch hier that, die Bravour nicht in den Vordergrund stellen würden. In erster Linie hat der Componist das Wort, in zweiter erst der ausübende Künstler. Auch die C h o p i n' s ch e N o c t u r n e hatte unter der Willkürlichkeit zu leiden, mit der sie vorgetragen wurde. Wie sehr Sarasate selbst, freilich nicht ganz in unserem Sinne, die Wahrheit des Gesagten zu schätzen weiß, zeigt der Umstand, daß sich in den übrigen Stucken des Programms Componist und Künstler in einer Person vereinigt zeigten. Freilich fft es Contredande, die Sarasate in Gestalt dieser Faust-Phantasie in den Concert- saal geschmuggelt hat. Aber er hat sie für sich geschrieben. Er verlangt ja nicht, datz sie ein Anderer spielen ober wir sie von einem Anderen hören sollen. Sarasate spielt und wir lauschen. Hier offenbart sich seine Individualität dem entzückten Hörer. Wie hinreißend wirkte der berühmte Walzer bei dieser Wiedergabe; man bemerkte deutlich, daß das Publikum nur m»t Mühe den Jubel zurückhielt. Und diese Romanze! Meinte man nicht unter den südlichen Himmel versetzt zu sein und den Liebhaber zu belauschen, wie er der Geliebten süße Töne zum geöffneten Fenster hinaus singt? Der Preis aber gebührt dem Vortrag der beiden letzten Stücke, der geradezu bnuckenD war. Man versteht, daß seine Landsleute fast närrisch sind, wenn ihnen der KunNler zum Feste auf freiem Platz seine Weisen singt. Hält es doch uns kaum aus dem schmalen Stuhl im heißen Concertsaal! Man glaubt sich in ein Feenland versetzt; jedenfalls kann dort nicht bestrickender musicirt werden. Da ist's auch unnothig, den Eindruck zu analysiren. Das Flageolett, die perlenden Läufe, die Weichheit des Tones, das coquette Pizzicato der linken Hand, die Unfehlbarkeit der Intonation, die Grazie der Bogenführung: auch anderen Geigern steht Aehnliches zur Verfügung. Aber Die wundervolle Vereinigung aller Eigenschaften, welche den Meister des melodischen Spieles kennzeichnet, man wird sie nicht so leicht wiederfinden. Der undankbaren Aufgabe, Partnerin eines Sarasate zu sein, hatte sich Madame Berthe Marx unterzogen. Dte Künstlerin wird selber wissen, daß das Interesse Les Publikums dem Stern des Abends gehört. Indessen war, was sie uns bot, nicht ersten Ranges. Der Barcarolle von Chopin fehlte die Poesie, und die Toccata hielt am Schluß nicht, was der markig vorgetragene Anfang versprach. Am besten gefiel uns das Spiel in der Liszt'schen, freilich sehr dürftigen Composition. Das Mendels- sohn'scke Concert begleitete sie nicht mit der nölhigen Hingebung. Es ist aber auch ein musikalischer Unfug, daß eine Begleitung, die so wie diese dem Orchester aus der Seele geschrieben ist, auf dem Clavier durch die Concertsäle geschleppt wird. G. Kr. Gietzerr, 3. December. (Theaters Die „Posse mit Gesang" hat, ganz unserer Erwartung entsprechend, heute mindestens ebensovtele Zuschauer angetockt, wie das „Volksstück mit Gesang" am Todtensonntag, also nicht wenige, und diesen imponierte „des Lebens Mai", ein trotz seines duftigen Titels hinlänglich derbes Stück, sichtlich. An Kalauern ist das Machwerk überreich z. B. daß „Mooses" von Moos, „Moos" dagegen von Moses komme, mag ja an sich noch so richtig sein, ist aber immerhin ein Kalauer zweifelhaften Ranges. Die Mehrzahl dieser harmlosen „Witze" fällt übrigens über dte Redensart „Sitzenbleiben" oder „Sitzen" lassen her. Heber die Aufführung läßt sich viel gutes sagen. Herr Reineres spielte den Lüderitz mit unvergleichlicher Komik. Namentlich das „entschieden schneidige" Vorgehen des schwiegersohnsüchtigen alten Herrn gegenüber dem betrunkenen Seifensieder verfehlte seine Wirkung nicht. Ebenso war seine tödtliche Angst vor den Angriffen der schwtegerm utt e rsüchtigen Tanzlehrerin Duval rührend. Neben Lüderitz nahm dte Rolle seiner Tochter Adele einiges Interesse in Anspruch, gespielt, und zwar recht hübsch gespielt von Frl. Egkert. Die Dame sang auch heute recht nett; nur möchten wir bemerken, daß das „ch" in „schmeichelnd" wie überall, als „ch" ausgesprochen, und demgemäß natürlich auch gesungen wird. Nur das „g" wird unter gewissen Voraussetzungen wie ein weiches „k" gesprochen. Der nämliche Fehler ist uns schon früher einmal beim nämlichen Wort aufgefallen. Daß Frl. Egkert das Wort Kindesliebe durch einen tiefen Athemzug entzwetschnitt, schrieben wir dem „kleinen Spitz" zu gute, den sie jedoch entschieden übertrieben darstellle. Der gleiche Vorwurf trifft auch Herrn Lowe (Nöhlich); dieser hat einen Betrunkenen rein als solchen vorzüglich dargestellt, aber der Zusammenhang erfordert hier einen minder hohen Grad der Trunkenheit. Herr Krertz (Fritz) war gut; warum unterließ er jedoch am Schlüsse die obligate Umarmung der „Krieger"? Frl. Müller spielte die Lene recht sympathisch, nur sah sie gegenüber ihrer Nichte etwas zu jugendlich aus — oder etwa diese zu alt? Süß- milch war bei Herrn Pieper in bewährten Händen. Seine Gestikulationen mit dem Spazierslock waren allerliebst. Herr Taußig (Kleer) gab das gebrochene Deutsch sehr gut wieder, im Vergleich mit anderen (zu fließend gesprochenen) Stellen, sogar zu gut. Was das sehr komische Spiel des Frl. Hell mut anlangt, so konnte man heute ihr Pathos der „früheren großen Tragödie" zu gute halten, und unter diesem Gesichtspunkte war es ungemein wirksam. zu - «fffeemüWe Lenes zeichnete sich vor anderen ihrer Art vortheilhaft durch Geräuschlosigkeit aus, jedenfalls eine neue für nervenschwache Dienstboten berechnete Verbesserung. Zu einer Wiederholung des Stückes möchten wir der ^Direktion, ganz abgesehen vom Inhalt, schon um deswillen nicht rathen, weil sie zu kostspielig ist, — wenigstens im Punkte der Cylinderhüte. Th. M—n. Gießen, 3. December. (Neues Theater.) Am Dienstag, den 4. d. M. steht uns wiederum eine Ausführung einer Novität bevor und zwar wird der Schwank von Malachow und Elsner aegeden, „Wenn man im Dunkeln küßt." Wir sind unserer rührigen Direktion aufrichtig Dank schuldig, daß sie uns mit den besseren und besten m l der Lustspielliteratur bekannt macht, und wollen wünschen, daß auch unser Publicum durch zahlreichen Besuch dieses Streben anerkennt. Obiges Stück können nilt bestem Gewissen empfehlen, um so mehr, da die Besetzung eine vorzügliche ist. Vermischtes. „ Jetzt.) In unseren Tagen, wo die Studenten sich Clnbhäuser bauen und die Horsäle alle Bequemlichkeit bieten, muß eine Verordnung höchst seltsam ^"bren, die einstmals an der Pariser Universität erlassen wurde. Im 'Jahre 1366 ? & bte Kardinale Jean de St. Marc und Gilles Aicolm de Montagu, Studirenden nach alter Gewohnheit auf dem mit Stroh bestreuten Boden, mcht ober auf S uhlen oder Banken sitzen sollten. Da in jener Zeit oft über 12,000 !?Uf ^eser einzigen Universität gezählt wurden, brauchte man eine große in'Ät Lehrraume zu bestreuen. Und daher kam es, daß die Straße, in der die meisten Horsäle lagen, die Strohstraße genannt wurde. — Wie viel Stroh be§ (Strafee tagtäglich gedroschen wurde, hat sich der Berechnung 2ras, unerreicht beste Mittel gegen Heiserkeit, t )tnb "un die Sodener Mineral-Pastillen überall voll- oUttg anerkannt. Nicht allein in unseren deutschen Gauen, sondern, was um so J?1 2t^Ianbe sind dieselben als solche ausgenommen, und die die vornehmsten Aerzte rühmen die mit ihnen erzielten TsLüh0 Stuft;, Hals- und Lungenleiden. Kein anderes Präparat erreicht ihre ^ae & lvohlthatige Beruhigung, ihre belebende und ausheilende Kraft. ot?'O0-fiien cu5b Mineralwasser - Handlungen haben dieselben per Schachtel ä 85 H vorrathig, doch prüfe man sorgfältig, ob die Schachteln dte ovalen imbihnSnrtrfnMrVh1 Ä bem Facsimile PH. Herrn. Fay tragen, denn zur Täuschung ÄÄÄ Ä™’" tm,Wn Wcn Sodener Mineral-Pastlllen Eine Wanderung durch die Gießener Weihnschls- Ausstellungen. (Fortsetzung aus Nummer 283.) u. Gchreibmaterialien-Handlungnebst Geschäftsbücher- Lager des Herrn Ph. Ludektng, die Schreiber Dieses bet Beaehuna des Snfh.räCti,er Ersehen „links liegen ließ", birgt, nach der Ausstattung des Schau- 21USn,a61 "üd"ch°r ©eaenftänbe, bi- als S £ Sä »»ää uÄer-r MeMer bezweifeln fein wirb, „ns einmal in den Ausstellungen aeübt Ifen?el"' H°rn und sonstigen Materialien, aus denen kunssi ' Smfeben SÄ iÄ ^ J111 unb *u drehen, zu sticheln rind zu schnitzen wis en T-li U rht, sobald er nur einigermaßen in die Wünsche unserer trauen' äS iÄ"b »wsss s äätä gtt ässtää säht - ä&t&'ÄÄÄiÄÄatfS* i ÄSJSXS ft’! nachtswoche Herzensbündnisse geschlossen rcsp. Verlobungenaefet-r? =«$ rJösi-ssS SsBäS 1 ! nachtsangebinde ihr Herz spendiren, dafür zu sorgen, daß dieses Geschenk auch von einem äußeren Zeichen der Liebe begleitet sei. Dazu eignet sich nun aber nichts Besseres, als ein goldenes Ringelein (böse Menschen behaupten zwar, ein goldener Reis sei das erste Glied zu Hymens Rosenkette); darum flugs zum Goldschmied, der seine Werkstatt bei C. Bruck am Kreuz, I. Noll am Seltersweg, E. Loos in der Sonnenstraße, H. Huhn tu der Schulstraße, Chr. Leo am Seltersweg, W. Böger am Seltersweg, H. Zimmer am Kreuz ausgeschlagen hat. Alles Ränkeschmieden von Tanten und Schwteger- muttern 12 epe hort auf, sobald der angehende Schwiegersohn Ernst macht, vom Ringeschmieden zu sprechen — und eine Jungfrau in den Zwanzigern, die ein so unscheinbares Ringelein am Weihnachtsfeste ausschlägt, ist drs heute noch nicht entdeckt worden. Aber nicht nur Ringe schmieden unsere eben bezeichneten Mitbürger, nein, 0k versteh en auch andere Sachen herzustellen, die auf Bräute, Geschwister, Cousinchen und Töchterchen gerade so anziehend wirken, wie auf — Stlberdiebe. Da diese letztere Spätes aber im Allgemeinen höchst selten zu sein scheint (nur Frankfurt a. M., wo '?ouch die Vorbedingungen zum Gedeihen derselben bessere sind als bei uns, besitzt davon noch ein Prachtexemplar), so glaube ich den zahlreichen mit Bräuten, Cousinen und Töchtern versehenen und gewöhnlich vor Weihnachten in hohem Ansehen stehenden langen und alten Herren und Vätern verrathen zu können, daß fie'obne wUrC5- k°r b™ ^un.ft bcr Silberdiebe getrost goldene und silberne Ketten, Löffel, ^*bai“on8' logar Uhren aller Art, bei großer Auswahl und zu den verschiedensten Preisen kaufen können. Zeit bedeutet Geld! Ein guter Zeitmesser oder Chronometer rote der Deutsche sagt, aber kostet Geld - und wer wüßte wohl eine geeignetere Zett zum Geld ausgeben, als gerade die Weihnachtszeit — darum hinein n die Laden der Gold- und Silberschmiede und der Uhrmacher, unter weich' le^tnen ncub Martin Vogt, Wallthorftraße, Fr. Zimmermann, Seltersweg, am Archenplatz genannt sein mögen. Bei ihnen wird die Auswahl an Kostbarkeiten vollkommen befriedigen. Nicht minder herzerquickend, ja für viele geschenkebedürftige Frauen und JrMg- ttaum zwischen 5 unb 90 Jahren unentbehrlich, präsentiren sich unsere Putzgeschäfte. Madame Mode ist jahraus jahrein so thätig in der Anfertigung ihrer Artikel, daß es udon lange ketnen Eheherrn mehr gtebt, der auch nur im Entferntesten daran glaubt, baftfte eines Tages zu Gunsten seiner Börse ihee Thätigkett auch nur einschränken, b4ePn l!L^c?In Ob nun gerade ein DamenHut ein besonders geeignetes Weihnachtsgeschenk ist, können wir nicht beurteilen; daß er aber, namentlich roenn er „urvdern" ist, das begehrenswertheste Toilettenstück unserer Damenwelt der it, Gegenwart und Zukunft unb nebenbei oft ein wichtiger Bestanbtheil des hausttchen Friedens i,t stehl bombenfest. Und in welch' herrlicher, allerliebster, unvergleichlich retzenber unb kostbarer Fa?on weiß ber Hut sich in ben Schaufenstern ju jcigen. CS gtebt runbe, ovale unb auch eckige, hohe unb niedrige, spitze unb breite Hute; eS gtebt aber auch welche, bie gar feine Form haben und - das sind die b.nn^ ^.\-AOÄe d)t QerabcC bezüglich der Form sehr oft die gewagtesten „Behaup- tungen ausgestellt resp. aufgesetzt werden, so muß doch constatirt werden, daß glück- lich-rw-ile Ein gut Theil unserer Damen und MSdch-n sich noch gefchmockooll zu kleiden weiß, unb baß auch bem guten Geschmack Rechnung getragen wird, kann man beob- Fernen 21- Sangmann, Pauli, Geschwister Holderg, / . E°h5-nd, L. Vertraud, Hof-Wenzel, und Köhler nl*‘ "ur.Hute, auch BLudcr, Schleifen, Federn, Spitzen, Blumen, Besötze u. s w. in den heirlichsten Farben und in gediegenster Arbeit sind ausgestellt und laden zum Kaufe ein. An Trägerinnen von all' dielen m i°dlen, wie an dankbaren Blicken der damit Beschenkten. Wenn das liebe Christktndchen alle die mehr oder minder laut gewordenen rrn'™ unJcrcr Trauen und Töchter sorgfältig regiftrirt hat, so kann es auch auf er^";?$anbei"l!nß zu ben Weihnachts-Einkäufen nicht an unseren Putz- unb Mobe- gcschaften vorubergehen. Kirchlilhk Aii;rigkn dcr evangelischen Gemeinde. schule ®iBsmoffUean: rT01™8 bT 3‘ D-c--nber, Abends 8 Uhr, in der Kleinkinder- vr Naumann * P' Turmbau zu Babel, Stolz und Verwirrung. Pfarrer * ’ w Ul U II Ile hnrh rÄ^ual das Gebiet der Mode betreten haben, so können wir dasselbe nieder verlassen, ohne unserer Manufacturwaaren- unb Con- ^^Hseschafte zu gedenken, dte, so viel wenigstens aus dem Jnseratentheil des „Anzeigers ersichtlich, ebenfalls verkaufen, wo nicht gar ausoerkaufen wollen. Groß ist die Zahl der Schaufenster, an welchen sich die Lüstres, Mozambiques, Moires, dte verschtedenarttgsten Setdenstoffe, Cachemires, Diagonales, Ripse, Köper rc. ?c. in fo üiden Mustern, Farben, Qualitäten und Breiten dem Auge des Beschauers bar; b ekC1^"^r tQU? tcb Auswahl in Cattunen, Druckzeugen, Schürzen, Bändern und wuchern, die geschäftige Hände dem Käufer vorlegen. Unb nun erst die fertigen Sachen, die fronen JCmter; und Regenmäntel, Tricottaillen, Pellerinen und wer weiß was sonst noch Alles was zu des — Weibes Ausstattung gehört. In ber That fordern b b ^U^lagen der Modewaarenhandlungkn zur Bewunderung von Selten ^),^"'Ubuwelt heraus. -vZUnge und einmal jung gewesene Damen finden auch hier ein Feld, auf welchem sich bte Wunsche säen lassen, bie hoffentlich alle erfüllt werben wer>n bas Hebe Weihnachtsfest nickt in ben Verbacht kommen soll, baß es eigentlich frnnflCpn^n,e^ verfehlt. Sinb nur Damen ba und erörtern die wichtigsten „Staats- fr?rrntn ^Eibt es gewöhnlich auch bei diesen Fragen. Tritt aber ein in1"9 ^u/r Frau oder auch seiner erwachsenen Töchter an so ein Schau- !^U'ter beran, so genugtschon em Halbwegs vernehmliches „Ach, wie schön!" unb ein um ihn zu überzeugen, baß selbst in einem georbneten Staatswesen ^aprtel „Außerorbentliche Ausgaben" nicht im Bubget fehlen barf. Ja, Ausrufe Rippenstöße unb bittenbe Augen reben eine Sprache mittelst mrsiändi!i?n ^^^Eeßener Bürger mit jeber Kamerunerin ohne Dolmetscher verständigen kann, eine Sprache, gegen welche unser Volapük eine Quälerei ist. Wer J?CÖe m Zweifel barüber ist, welche Stoffsorte ober welcher Damen- mantcl am besten zur Gestalt ober zu bem Gesicht ber zu Beschenkenben paßt ober ^7aaenben^^VHMÄ“Öf“n^^^J0 ?' rber ben Preis bieses ober jenes „in dieses Fach D C o bn «ünscht, wende sich vertrauensvoll an folgende Firmen: W. Attig, L Em'rsheim Nachf, A. Docter, Aug. Montanus, Meyerhofs L Goslar, I. Pfeffer, (Sehr. Stamm, H. Katz, W. Katz unb I. Schmücker Mäbcken"^ANps^ fertige Sachen führen, währenb unsere Frauen und al- ä Auausia^n Brandenburg schenkte der Kaiserin Victoria ^rpuhp 4?lbuttJfK0c ueultch eine Schürze, bie ihr besbalb besondere fe i/ • der Kaiser sich eine tüchtige Hausfrau nur mit Schürze denken t nhn^*ÄUr ^^jenigen also, welcke dem Beispiele der Brandenburger Damen folaen g chä^i?/ck beson^?.^^^' fd uebm den bereits genannten Mauufacturwaaren- emnfnMpn h^onders die Lachmann'sche Schurzenfabrik in der Bismarckstraße emp'ol)Lev-(Fortsetzung folgt.) @erfte ?3n8Bo yL „(Fruchipreise). Weizen M 19,10, Korn M. 16,20, ®”rtoff^ ** 17'°°' S°m°n 18,00, Wicken JL 13,00, Wnfrn^Ra9Hfürt' 1 ®“em6er; Erbsen ganze pr. Psd. 12-18 H, do. geschalte U-18L, Gefckui^Üi^1^'