Nr. 18© Samstag den 4. August 1888. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. _ , r p _ k p «uaa Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Bureaur S ch u l st r a ß e 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Jheil. Bekanntmachung. Bei der am 2. d. M. vorgenommenen Wahl ist Herr Nathan Rosenthal zum Mitglied des Vorstandes der israel. Religionsgemeinde dahier gewählt worden. Es wird dies mit dem Ansüge'n öffentlich bekannt gemacht, daß während 3 Tagen, nämlich den 6, 7. und 8. d. M., das Wahlprotokoll mit allen Anlagen auf deni Bureau des 1. Vorstehers, Herrn Meier Homberger, offengelegt sein wird und daß während dieser Frist die Stimmberechtigten, sowie der Gewählte von dem Wahlprotokoll und deffen Anlagen Einsicht nehmen und auch Einwendungen gegen die Wahl oder gegen den Gewählten, bezw- auch Ablehnung der Wahl, bei Vermeidung des Ausschluffes bei Großherzoglichem Kreisamt Gießen vorbringen können. Gießen, den 3. August 1888. Der Wahl-Commiffär: Haustaedt, Regierungs-Accessist. _______________________ Politische Rundschau. Gießen, 3. August. Die Hoffnungen, mit denen die Völker Europas auf die PeterSbrriHer Kaiser- begegnung blicken, haben unmittelbar nach der Rückkehr Kaiser Wilhelms Mf deutschen Boden eine besondere Kräftigung durch den Besuch des Monarchen b$n Fürsten Bismarck in Friedrichsruhe erfahren. Am Dienstag gegen Mitternacht sprach der Kaiser auf dem lauenburgischen Landsitze seines Kanzlers vor und weilte der erlauchte »Gast daselbst bis zur Mittagsstunde des folgenden Tages, und wird von langen mnb eingehenden Verhandlungen berichtet, die der Kaiser während des größten Theiles sseines Friedrichsruher Aufenthaltes mit dem Reichskanzler gepflogen. Den natürlichen Untergrund derselben haben zweifellos die Ergebnisse der Petersburger Kaiserzusammenkunft gebildet und wenn nun hierüber zwischen Kaiser Wilhelm und seinem erprobten ersten Oiathgeber verhandelt worden ist, so darf die Welt hierin eine friedekündende Besiegelung der Petersburger Besprechungen erblicken. Sicherlich kann man die Conferenz won Friedrichsruh als beytfBorläufer der angekündtgten diplomatischen Campagne Letkachten, welche die ErwMhtngen der Völker von einer gesicherten Fortdauer des Friedens, deren Grundlage die nun beendigte Kaiserreise bildet, im weiteren Verlaufe dieses Jahres hoffentlich krönen wird. Auf die glänzende Centenarseier König Ludwig- I. in München hat die Katastrophe beim Festzuge einen dunkeln Schatten geworfen. Während officiell gemeldet wird, daß durch den Durchbruch einiger der beim Festzuge am Dienstag werwendeten Elephanten nur eine Person getödtet und acht Personen verletzt worden leien, stellt sich nach privaten Berichten das Unglück leider als von größerem Umfange heraus. Hiernach sind bis jetzt fünf Tobte zu constatiren, die Zahl der schwerer Verletzten soll sich auf dreißig und mehr belaufen und noch weit größer scheint die Zahl derjenigen zu sein, welche bei der Katastrophe geringere Verletzungen erhielten. Die gerichtliche Untersuchung über den die bayerische Hauptstadt noch immer in Aufregung haltenden Zwischenfall ist in vollem Gange begriffen. Der Kronprinz Victor Emanuel von Italien traf, von der Schweiz kommend, «am Mittwoch in München ein, von wo der Prinz Ende der Woche nach Dresden weiter zu reisen beabsichtigt. Nachdem in Oesterreich die Dienstentlassung des Feldzeugmeisters v. Kuhn bislang hauptsächlich die Kosten der Tagcsdiscussion getragen, stehen in deren Mittelpunkte seit ein paar Tagen RückiriUsgerüchte bezüglich des Herrn v. Gautsch, des österreichischen Unterrichtsministers. Ob dieselben einen Untergrund haben, läßt sich noch nicht mit Sicherheit beurteilen, jedenfalls treten sie aber mit großer Bestimmtheit auf. Daß Herr v. Gautsch weder ein Mann nach den Herzen der Czechen und Polen, noch der Clericalen ist, das ist ja allgemein bekannt und so erscheint das Gerücht, es werde von beiden Seiten ein neuer Sturmlauf gegen die Stellung des Ministers vorbereitet, nicht gerade unglaublich. Die aufständische Bewegung, welche vor einiger Zeit auf der Insel Java ausgebrochen war, kann jetzt als endgültig niedergeschlagen betrachtet werden. Eine im Haag eingegangene amtliche Nachricht aus Batavia besagt, daß die Häupter der Empörung mit Hilfe der Bevölkerung gefangen genommen worden seien; einige von ihnen, welche Widerftand geleistet, hätten hierbei ihren Tod gefunden. Der Ausstand der Pariser Erdarbeiter, welcher nachgerade den Character einer social-revolutionären Erneute anzunehmen drohte, scheint seinen Höhepunkt jetzt überschritten zu haben. Seit Mittwoch hat ein Theil der am Strike betheiligt gewesenen Erdarbeiter die Arbeit wieder ausgenommen und auch die befürchtete Ausdehnung des Strikes auf andere Zweige des Bauwesens in Paris ist, abgesehen von vereinzelten Anläufen, nicht eingetreten. Immerhin ist die Situation in der französischen Hauptstadt noch eine derartige, daß die Regierung die angeordneten militärischen und polizeilichen Vorsichtsmaßregeln noch nicht rückgängig machen kann. Die Franzosen wollen eine zweite Probemobiltsirung in Scene setzen, diesmal aber an ihren Ostgrenzen. Außer der 11. Division — Hauptquartier Nancy — sollen das 146. und das 156. Linienregiment in Soul, die Jäger in Luneville und. Saint Nicolas und zwei Husarenregimenter mobil gemacht werden; nun, die deutsche Regierung wird auf ihrer Hut sein 1 In Paris sand am Mittwoch eine Versammlung der Actionäre der Panama- Can al-G es ells chaft statt. Herr v. Lesseps hielt einen Vortrag über den Stand der Canal-Arbeiten und erklärte er, der Verwaltungsrath habe die Verpflichtung übernommen, den Canal im Jahre 1890 für die Schiffahrt zu eröffnen. Die Geschichte der italienisch-französischen Verstimmungen ist durch die Crispi'schen Noten über die Massauah-Angelegenheit wieder um ein Capitel vermehrt worden. Die Entschlossenheit, mit welcher der italienische Ministerpräsident gegen das übelwollende Benehmen Frankreichs in der Massauahfrage aufgetreten ist, findet in ganz Italien den ungeteilten Beifall aller Parteien, während man sich anderseits in Frankreich hierdurch sehr verletzt fühlt. Es heißt denn auch, daß das Pariser Cabinet bereits eine scharfe Note gegen Italien anläßlich der jüngsten Kundgebungen Crispi's an die Mächte gerichtet habe und soll die französische Antwort in diesen Tagen veröffentlicht werden. In Rußland ist die 900jährige Gedenkfeier zur Erinnerung an die Einführung des Christenthums in Rußland in verhältnißmäßig bescheidenem Rahmen verlaufen. Dor allem ist es aber nicht gelungen, der Feier einen großen politischen Anstrich zu geben, wie von gewisser Seite verflicht worden war und selbst die größten panflavistischen Schreier werden nicht zu behaupten wagen, daß man in Kiew ein allgemeines slavi- sches Verbrüderungsfest begangen habe. Das englische Unterhaus bot in dieser Woche wieder einmal das Schauspiel der Debatten-Hinausziehung durch die gladstonianische und irische Opposition dar. Schon seit vorigem Sonnabend bebattirte das Haus über den grundlegenden Paragraphen 1 der Bill, betr. die Parnell'sche Untersuchungscommission, ohne hiermit bis Mittwoch Abend zu Stande gekommen zu sein, da die Opposition den Debattenschluß durch Stellung immer neuer Amendements immer wieder htnauszuziehen wußte. Der Schatz- fecretair Goschen erklärte daher in der Mittwochssitzung, falls bis Freitag Nachts 1 Uhr kein abschließendes Resultat erzielt sei, sollten die einzelnen Paragraphen der Bill alsdann ohne Debatte zur Abstimmung gebracht werden. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Korrespondenz. Bureau. Berlin, 2. August. Der Kaiser wurde gestern bei seiner Ankunft im Marmor- palais von der Kaiserin Friedrich und deren Tochter begrüßt. Er wohnte heute Vormittag den Truppenübungen auf dem Bornstedter Felde bei, nahm später in dem Marmorpalais Vorträge entgegen und arbeitete mit dem Chef des Militärkabinets. — Der „Post" zufolge ist der Fürst Radolin zum Obersttruchseß ernannt worden. Berlin, 2. August. Minister Graf Herbert Bismarck ist aus Friedrichsruh heute hier eingetroffen. Berlin, 2. August. In der heutigen socialdemokrattschen Wahlversammlung wurde Liebknecht als Candidat für den 6. Reichstagswahlkreis aufgestellt. Die Versammlung wurde schließlich polizeilich aufgelöst. Aachen, 2. August. Die englische Post von gestern ftüh ist wegen Sturmes im Canal ausgeblieben. BreSlau, 2. August. Nach einem Telegramm der „Volkszeitung" aus Schwien- tochlowitz ist der Gascanal der Hochofenanlage „Falvahütte" explodirt; ein Ingenieur und ein Werkmeister sind verbrüht, drei Maurer verschüttet. München, 2. August. Der Kronprinz von Italien besuchte gestern dm Prinzregenten, welcher demselben einen Gegenbesuch abstattete. Karlsruhe, 2. August. Der Großherzog schickte seinen Flügeladjutanten, Major Müller, nach Heidelberg, um dem griechischen Kronprinzen zum Geburtstage zu gratuliren und ihm einen großen Kupferstich, Heidelberg darstellend, zu überreichen. — Der Großherzog empfing den Afrtkaretsendm Tappenbeck vor seiner Rückkehr nach Kamerun. Paris, 2. August. Der Strike der Erdarbeiter dauert fort. Vormittags durchzogen mehrere Trupps Sttikender das Quais, um die Radkarren der Nichtstrikenden und deren Arbeitsgeräte in's Wasser zu werfen, — Die Syndikatskammer der Kutscher beschloß, daß alle zu ihrem Verbände Gehörenden die Arbeit morgen früh niederlegen. London, 2. August. Im Unterhaus beantragte Labcmchere anläßlich des heutigen Leitartikels der „Times", der die Parnelliten und Gladstone und Harcourt Morley wegen ihres gestrigen Verhallens heftig an griff, auszusprechen, daß die „Times" die Privilegien des Hauses verletzt habe. Goschen gab solches zu, es sei aber wegen früherer Vorkommnisse rathsam, den Antrag durch Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen. Gladstone stimmte bei und ersuchte Labouchere, den Antrag zurückzuziehen, was auch, nachdem Redmond Morlei die „Times" heftig angegriffen hat, geschah. Mit 237 gegen 185 Stimmen wurde der Antrag Goschen's, daß die weiteren Paragraphen, wenn die Einzeldebatte bis 1 Uhr früh unerledigt bleiben würde, der Rest der Parnell - Bill ohne weitere Debatte zur Abstimmung gebracht werden solle, abgelehnt. London, 2. August. Der fast in ganz England anhaltende Regen hat verheerende Ueberschwemmungen herbeigeführt, welche stellenweise die Ernte gänzlich vernichtet haben. Die östlichen Stadltheilc Londons, die größtenteils von der ärmeren Bevölkerung bewohnt werden, stehen unter Wasser; es herrscht dort großes Elend. Rom, 2. August. Der Papst wird demnächst eine Encyklika an die Orient- Bischöfe erlassen. - In Bologna haben die Bäckergesellen die Arbeit eingestellt; in Folge dessen haben die Brodverkäufer einen einzigen Laden für Brodverkauf in der Gallerte der Landwirthe errichtet. Rom, 2. August. In der Gemeinde Ponza di Arcinazzo (Provinz Rom) pro- vocirten die in den Gemeindewahlen unterlegenen Klerikalen Excesse; sie bewarfen die requtrirten Carabinieri mit Steinen, wobei einige verwundet wurden. Die Carabinieri gebrauchten ihre Waffen und ein Excedent wurde schwer verwundet, achtzehn verhaftet. Die Ordnung ist wieder hergestellt. . Lokales. Gießen, 3. August. sKunstnotiz.] Es gereicht uns zu besonderem Vergnügen, auf die im Erscheinen begriffene Fortsetzung eines Werkes Hinweisen zu können, weiches für jeden Bewohner der guten Stadl Gießen von dem höchsten Interesse ist und immerdar für Kind und Ktndeskinder bleiben wird. Wir meinen die vor einigen fahren erschienene, mit so enthusiastischem Beifall aufgenommene Sammlung Photographien von Gießen und seiner reizvollen Umgebung. Die außerordentliche Schönheit jedes einzelnen Blattes hat es vermocht, daß wett über Gießen hinaus das Werk, welches sein Entstehen der Liebe zur Vaterstadt, nicht dem Trachten nach materiellem Gewinne verdankt, Verbreitung unö eine Fülle von warmer Anerkennung gefunden hat, die wohl einzig in seiner Art dastehen dürfte. Ist doch sogar an allerhöchster Stelle die gnädigst wohlwollendste Entgegennahme erfolgt. Es sind im Laufe der Zeit der überaus rührigen Verlagsbuchhandlung von Emil Roth in Gießen, welche sich durch die Herausgabe ein bleibendes Verdienst erworben hat eine Anzahl der schmeichelhaftesten Kundgebungen in Wort und Schrift geworden, welche sich vollkommen übereinstimmend in lobender, theilweise begeisterter Weise über die Schönheit der hier gebotenen photographischen Schöpfungen aussprechen, welche von den bcrufenften Kräften hergestellt worden sind. Der über sein engeres Vaterland hmauS rühmlichst bekannte Hofphotograph Lange hat es mit seltener Meisterschaft und feinstem künstlerischen Takte verstanden, die durch besondere Schönheit und Lieblichkeit hervorragenden Punkte für seine Reproduktionen auszuwählen. Hier begegnen wir keiner Alltagswaare nach dem Worte „billig und schlecht", keiner Waare, die nur durch krämerhafte Spekulation entstanden, die schablonenmäßig ausgenommen und ebenso vervielfältigt worden; — hier sieht man vielmehr jedem Blatte an, daß innige Versenkung in die ewige Schönheit der Natur, Liebe für die Sache, glückliche geniale Beobachtungsgabe sich mit vollendeter Technik verbunden haben, um eine wahrhaft harmonische Schöpfung nach dem Blicke des Kenners, des strengen Kritikers zu bieten. Wir hatten schon öfters Gelegenheit, persönlich die peinliche Sorgsamkeit zu bewundern, welche auf jedes der vielen Bilder vom ersten Momente der Entstehung bis zum Ausstellen im Kunstladen verwandt wird, und es ist ein wirkliches unbestrittenes Verdienst, welches Künstler und Verleger durch Verbreitung dieser „Eabinetstücke" sich erworben haben. Zu diesem allen tritt ein verhältnißmäßig höchst wohlfeiler Preis, wie es auch besonders dankbar anzuerkennen ist, daß die Herausgeber sich nicht damit begnügen, bei den von Anfangs hergestellten Bildern es bewenden zu lassen, — vielmehr ihren Stolz und ihren Lohn darin suchen — unbeirrt durch entstehende hohe Geldopfer — durch neue vollkommenere Aufnahmen frühere zu erfetzen und neue Punkte aufzusuchen, welche würdige Ergänzungen abzugeben geeignet sind. Die Vervielfältigung der Blätter ist der Weltfirma Brück mann in München übertragen worden, welcher Name die beste Bürgschaft für größte Vollendung bietet. Gieße«, 3. August. Wie man uns soeben mittheilt, ist ein weiteres Rennen und zwar im Sciff (Etnruder) gelegentlich des Sommerfestes der Rudergesellschaft zu Stande gekommen; auf eine von dem hiesigen Sculler, Herrn Krailing, an seinen Gegner auf der Frankfurter und Mannheimer Regatta erlassene Herausforderung hat letzerer (Herr Martell vom Wetzlarer Ruderclub) dieselbe angenommen und wird am 12. August am Start erscheinen. Beide Herren zählen mit zu den besten Sciff - Ruderer der Saison und ist ein interessanter und heißer Wettkampf zu erwarten. Der Vorstand der hiesigeu Gesellschaft hat für dieses Rennen als Ehrenpreis einen Eompaß in ächtem Gold gestiftet. Bayreuther Bühnensestspiele. Plaudereien aus der Festsptelstadt. *** Bayreuth, 1. August 1888. I. „Hört ihr den Ruf? Nun danket Gott, daß ihr berufen, ihn zu hören!" Ueberall herrscht Glanz und Freude und der Tempel grüßt von seiner stolzen Höhe, umfluthet von goldenem Sonnenschein, die zahllosen Gäste, welche theils in unabsehbaren Equipagencolonnen, theils gleich einer Wallfahrt froher Pilger zu Fuß den Hügel emporstreben. Endlich hat sich das Haus bis auf den letzten Platz gefüllt, aller Herren Lander, alle Sprachen sind vertreten, die Tbüren werden geschlossen und tiefes Dunkel umfängt die sehnsüchtig Harrenden. Kein Laut regt sich, da wie ein Märchen aus einer anderen Welt erklingen die ersten tiefergreifenden Töne aus dem vollständig unsichtbaren Orchester herauf. Ein eigenthümltcher Schauer durchrieselt den aufmerksamen Zuhörer und wie ein Traum erscheint es fast, was man hört und sieht. Nicht der Glanz und der Tand unserer modernen Bühne, nicht die aufdringlichen, das Auge fesselnden Zierden lenken die Aufmerksamkeit ab von dem, was der Vorhang enthüllt, sondern eine Weihe ergießt sich über Alles und wenn Garnemanz (Gillmeister) sagt: „Hört ihr den Ruf? Nun danket Gott, daß ihr berufen, ihn zu hören", fo hat er Recht; denn glücklich schätzen wir Jeden, der berufen ist, in diesem Heiligthum zu weilen. Die ganze Aufführung des „Parsifal" war aus einem Guß, plastisch in jeder Beziehung, ein Festspiel in wahrstem Sinne des Wortes und die Kritik muß selbstverständlich die Waffen strecken, da sie nur bewundern kann. Jeder Darsteller ist Sänger und Schauspieler zugleich, wie es der Meister vorgeschrteben, da ist keine unschöne Beengung, keine falsche Betonung der Worte, sondern nur eine Harmonie, selbst bei den kleinsten Partien, und wenn sich am Schlüsse des ersten Acts der Vorhang schließt, so darf es nicht verwundern, wenn nach jener wahrhaft erbauenden Gralsfeier Alles still und ergriffen das Haus verläßt, um einige Zeit im Freien dm Gedanken nachzuhängen. Bald jedoch mahnen die Fanfaren, daß Der 2. Act beginnt. Klingfer (Scheidemantel) macht Kundry (Materna) mit ihrer Aufgabe als Zaubermädchen bekannt und als Parsifal (van Dyck) auf dem Schloß erscheint, verwandelt sich dasselbe in den Zaubergarten, belebt von in Blumengewändern gekleideten Mädchen. Eine liebliche Scene folgte jetzt und gipfelt später in Kundry's Erzählung von Parsifal's Mutter. Es ist unmöglich, mit Worten zu schildern, was das Ohr gehört, was die Augen gesehen; man muß sich selbst von Allem überzeugen und wird lange Zeit von der Erinnerung zehren können. Wir möchten fast behaupten, daß Wagner's Schöpfungen von dem wahrhaft gewürdigt werden können, der sie im hiesigen Festspielhause mit ganzem Herzen in sich ausgenommen hat. „Wie dünkt mich doch die Aue so schön", wird er „selig im Glauben" ausrufen und sicherlich eingestehen müssen, daß der Parsifal auf einer Alltagsbühne nicht möglich ist, daß ein Ensemble und ein Musterorchester wie das hiesige, ganz abgesehen von den stilvollen scentschen Arrangements zu einer Parsifal-Aufführung Grundbedingungen sind. —k. Vermischtes. Gießen, 1. August. ^Bestrafungen der Bettler und Landstreicher im Groß- herzogthum Hessen.] Im Jahre 1887 wurden im Großherzogthum Hessen ins- gesammt 3296 Bestrafungen von Bettlern und Landstreichern auf Grund des § 361, Nr. 3 und 4, rechtskräftig; davon kamen auf die Provinzen Starkenburg 1318, Ober- - essen 725, Rheinhessen 1253, oder im Durchschnitt täglich im Großherzogthum 9,0, in Starkenburg 3,6, in Oberhessen 2,0, in Rheinhessen 3,4. Die meisten Bestrafungen sanden statt im Januar (550), die wenigsten im August (133). Nach Jahreszeiten geordnet, ergibt sich, daß die meisten Straffälle in den Winter fallen (1479), im Frühling kamen 928, im Sommer 494, im Herbst 551 vor. Eine Vergleichung mit den Ergebnisfen aus vorderen Jahren zeigt, daß, nachdem im Jahre 1886 die Anzahl der Bestrafungen gestiegen war, im Jahre 1887 gegenüber dem Vorjahre in den drei Provinzen wieder eine Abnahme eingetreten und in den Provinzen Oberhessen und Rheinhessen wie im Großherzogthum, seit den Erhebungen von 1877 an, im Jahre 1887 der geringste Stand erreicht worden ist. Nur in Starkenburg weisen die Jahre 1884 und 1885 eine kleine Anzahl Bestrafungen (1192, bezw. 1314) auf, was einer Zunahme im Jahre 1887 um 126, bezw. 4 gleichkommt. Es entfallen auf 10,000 Einwohner Bestrafungen von Landstreichern unb Bettlern: in der Provinz 1885 1886 1887 Starkenburg 42,7 35,8 32,5 Oberhessen 30,1 30,7 27,6 Rheinhessen 46,3 49,7 42,4 im Großherzogthum Hessen 36,1 38,6 34,2 Nach absoluten Zahlen sind im Jahre 1887 in Starkenburg die meisten und in Oberhessen die wenigsten Bestrafungen oorgekommen, während in den vorhergehenden Jahren, bis zum Jahre 1879 zurück, Rheinhessen die meisten Bestrafungen aufweist. Im Verhältniß zur Bevölkerung bemessen, entfallen dagegen auf Rheinhessen in allen Jahren für welche Erhebungen vorltegen, die meisten Bestrafungen. Nach S 362 des Reichsstrafgesetzbuches kann bei der Verurtheilung zur Haft zugleich erkannt werden, daß die verurtheilten Personen nach verbüßter Strafe der Landespolizeibehörde überwiesen werden. Auf Grund dieser Paragraphen sind im Jahre 1887 in der Provinz Starkenburg 158, in Oberhessen 128, in Rheinhessen 280 zusammen 566 gerichtliche Ueberweisungen an die Landespolizeibehörde erkannt worden.' Von diesen 566 gerichtlichen Ueberweisungen sind durch die Landespolizeibehörden im Großherzogthum 377 Unterbringungen in ein Arbeitshaus und 6 Verweisungen aus dem Reichsgebiet verfügt worden. Die Unterbringung der Ueberwiesenen hat in dem Arbeitshaus zu Dieburg (Provinz Starkenburg) mit 346, in dem Filialarbeitshaus zu Worms (Provinz Rheinhessen) mit 31 stattgefunden. Von den Ueberwiefenen wurden untergebracht: a. für die Dauer von 3 Monaten und weniger ... 54 b. für die Dauer von mehr als 3 bis zu 6 Monaten . 117 c. für die Dauer von mehr als 6 Monaten bis unter 2 Jahren 107 d. für die Dauer von 2 Jahren......6 e. auf unbestimmte Zeit.......93 Hierzu ist erläuternd zu bemerken, daß zur Verbüßung von Nachhaft auf unbestimmte Zeit von den Landespolizeibehörden im Jahre 1887 283 Personen den Arbeitshäusern überwiesen worden sind. Diejenigen hiervon, welche im Laufe des Jahres 1887 ihre Haft beendeten, sind den auf bestimmte Dauer Untergebrachten unter a—o oben zugerechnet worden, fo daß am Schluß des Jahres nur die unter e verzeichneten Personen noch in Hast auf unbestimmte Zeit verblieben. Die Gesammtzahl der in den Arbeitshäufern auf Grund polizeilicher Anordnungen untergebrachten Personen betrug nach dem Stand vom 31. December 1887 126 und zwar befanden sich hiervon 119 im Arbeitshaus zu Dieburg und 7 im Filialarbeitshaus zu Worms. Neu-Ulrichstein, 1. August. sMonats-Bericht der Arbeiter -Eolonie pro Juli 1888.] Ultimo Juli sind in der Eolonie arbeits-, resp. stellenlos ins- gesammt 59. Hiervon waren Appreteur 1, Arbeiter 18, Bäcker 2, Barbiere 2, Brauer l, Buchbinder 4, Eigarrenmacher 1, Commis 3, Färber 1, Former 1, Gärtner 2' Hausbursche 1, Kellner 2, Kutscher 1, Maschinenschlosser 1, Messerschmied 1, Metzger 1, Schmiede 2, Schneider 4, Schreiber 4, Schuhmacher 3, Steindrucker 1, Tüncher l, Vergolder 1. Den Staaten nach kommen auf: Großherzogthum Hessen 11, Thüringen 5, Bayern 4, Württemberg 2, Mecklenburg 1. Von Preußen auf die Provinzen: Brandenburg 2, Hessen (Cassel) 3, Regierungsbezirk Wiesbaden 10, Hannover 1. Posen 1, Rheinland 8, Hohenzollern 1, Sachsen 3, Westfalen 3, Schlesien L Oesterreich 2, Rußland 1. Abgegangen sind im Laufe des Monats Juli 22. Davon gingen auf eigenen Wunsch 11, durch die Colonie in Stellung 4, durch eigenes Bemühen 4, zu ihrer Familie 2, durch Entlassung 1. Im Ganzen würden seit Eröffnung der Anstalt ausgenommen 964 Colonisten. Gearbeitet wurde an 1595 Tagen, incl. 432 für fremde Rechnung. Darsnstadt, 1. August. sPostpersonalnachrichten.] Angestellt ist der Postassistent Bergmann in Mainz. Ernannt ist der Postassistent Klöpptngerin Mainz zum Ober - Postassistenten. Versetzt sind der Postsecreiär Siedler von Darmstadt nach Erfurt behufs Uebernahme einer Buchhalterstelle bei der Ober-Postkasse daselbst, der Postsecretär Haag von Metz nach Darmstadt behufs Uebernahme einer Wreaubeamtenstelle erster Classr bei der Ober-Postdirectton, der Postassistent Schulens von Mainz nach Worms, der Postassistent Bergmann von Neuwied nach Mainz. Gestorben ist der Ober-Postdirectionssecretär Hofmann in Darmstadt. — Frankfurt, 2. August. Gestern fand die amtliche Probefahrt mither Straßenlocomotioe auf der Frankfurt-Eschersheimer Localbahn statt. An derselben nahmen Herr Regierungsassessor Steffens als Vertreter des Königlichen Polizei-Präsidiums und Herr Baurath Wagner als Sachverständiger theil. Die Probe fiel zur vollen Zufriedenheit der Commission aus, namentlich sprach sie sich über das angebrachte Bremssystem (Luftsaugbremse, System Korting-Hannover) anerkennend aus. Mittelst dieser Bremsvorrichtung konnte der aus Locomotive und 3 Wagen bestehende Zug bei der größten erlaubten Fahrgeschwindigkeit durch einen einfachen Griff auf eine Wagenlänge zum Stehen gebracht werden. Sobald die landespolizeiliche Genehmigung erthck ist, wird der Dampfbetrieb ausgenommen werden. — Bis zur Eröffnung des Centralbahnhofes soll noch Manches sertiggesteL werden. So arbeitet man jetzt seit einigen Tagen eifrig an der Fertigstellung btt gärtnerischen Anlagen vor der Fa?ade, sowie einer Zufuhrstraße von der Ostfeite. Di! Wartesäle sind schon sämmtlich ausmöblirt und machen einen prächtigen Eindruck. — Der Ueberschuß an jungen Juristen in Preußen ist zur Zeit ein derartige!, daß von der Reifeprüfung bis zur Anstellung mindestens 15 Jahre vergehen, wie die folgenden Zahlen ergeben. Das Studium der Rechtswissenschaft auf den 9 preußischen Universitäten betrieben: 1861—66 durchschnittlich 1207 Studenten, 1866-71 „ 1316 1871-76 „ 1898 1876-81 „ 2448 1881-83 „ 2645 Seitdem ist ein langsames Fallen eingetreten unb die Zahl betrug im verflossenen Jahre nur noch 2063. Dementsprechend fiel in den letzten Jahren auch bli Zahl der im Vorbereitungsdienste bei den Justizbehörden beschäftigten Referendarim sie hatte 1869 sich auf 1540, 1885 bereits auf 3883 belaufen und fiel 1886 auf 3551 Die Zahl der Gerichtsreserendarten, welche die Prüfung für die Befähigung M Rtchteramte bestanden, ist von 157 im Jahre 1871 auf 704 im Jahre 1887 gestiegen: Regterungsreserendarien waren im verflossenen Jahre etwa 400 vorhanden. Dec gegenüber gab es in demselben Jahre 4234 Richter und Staatsanwälte, 3069 Rechte anwälte unb Notare, unb bei den Communen haben etwa 400 höhere Justiz- uni Verwaltungsbeamte in Preußen Anstellung gehabt; die Zahl der betreffenden AM stellen betrug also 9567. Die actioe Dienstdauer beträgt nun etwa 28 Jahre unb £ würden daher im verflossenen Jahre 342 Stellen zur Neubesetzung gelangt sein. Die!« Zahl steht die Neuernennung von 704 Gerichtsassessoren und von 98 Rcgierungsassessori! gegenüber. Bei dem Vorhandensein von fast 2000 Assessoren unb etwa 330 jährliche! Vakanzen muß jetzt jeder Assessor durchschnittlich 6 Jahre aus Anstellung warten. Die! Zahlen sprechen beredt genug unb bebürfen keines Commentars. — sDer foginannte Starrkrampf im Wasser.] In jeder Babesaison hört tnfl von Fällen, in welchen geübte ©cf.» immer, ohne burch vorhergegangene große Kra! anstrengung ermüdet zu sein, angesichts des belebten Ufers nach anscheinend spielende! Plätschern im Wasser lautlos uterfhifen. „Ein Starrkrampf scheint die Kräfte bi Unglücklichen plötzlich gelähmt zu Huben", so heißt es bann in den Berichten. Ei amerikanischer Arzt, Dr. Roche, Hal die Erscheinung des plötzlichen Ertrinkens schwimv kundiger Personen seit längerer Zeit zum Gegenstände eifriger Studien gemacht un sich durch Untersuchungen an zahlreichen Ertrunkenen die Ueberzeugung verschafft, bo nicht Krampf die Ursache der plötzlichen Erlahmung aller Kräfte des Schwimme? gewesen. Schließlich gelangte Dr. Roche zum Abschluß seiner Untersuchung durcd ein« Zufall, der ihm um ein Haar selbst das Leben gekostet hätte. Beim Baden in ein« kleinen Meeresbucht überkam ihn nämlich selbst das Gefühl plötzlicher Erschlaffung? verlor die Sprache unb sank unter Wasser. Nur der glückliche Umstand, daß er d«l Lande nahe war, rettete ihn. Die Erklärung, welche der Doctor über diese eigenM liche Erscheinung gibt, der die Wissenschaft bislang vergebens nachgespürt, ist dicsi Der Schaum oder vielmehr der Wasserstaub der kleinen Welle, welche sich Schwimmen an der Lippe des Badenden bricht, wird durch die Nasenlöcher etngeat^ unb, mit dem Athemzug durch den Schlund gelangend, von der Luftröhre eingesogen. Er dringt hinter der Eptglottis (Zäpfchen) ein und vermeidet solchergestalt den feinfühlenden Wärter, welchen Mutter Natur dort zum Schutz der Luftröhre gegen durch den Mund eindringende schädliche Einflüsse ftattonirt hat — und die Folge ist eine augenblickliche Stockung sämmtlicher Respirations-Organe, ähnlich der Erscheinung, wenn ein Stückchen Brod oder irgend ein anderer fester Körper „in die verkehrte Kehle geräth", wie die Landleute sagen. Solcher Zufall, selbst unter den günstigsten Umständen, ist sehr bedenklich, doppelt gefährlich aber, wenn eine Person sich ganz allein int Wasser befindet. Geräth das Wasser bet dem Beginn eines Athemzuges in die Luftröhre, wenn die Lungen ganz luftleer sind, so wird der Körper sogar augenblicklich untersinken; ereignet sich dies dagegen während des Athemholens, so wird der Kampf um etwas verlängert und tritt es am Schluß der Respiration ein, so mag der Körper sich immerhin eine Weile über der Oberfläche hallen, doch bleibt auch in diesem Fall das Untersinken unvermeidlich. Bemerkt man daher, daß ein Schwimmender oder Badender ungewöhnliche Bewegungen mit den Armen macht, so sollte man keinen Augenblick zögern, ihm zu Hilfe zu eilen, selbst wenn er keinen Ruf um Hilfe ausstößt. Krakau. Dieser Tage wurden auf der Bahnstation Biala (in Eongreßpolen) elf griechtsch-unirte Familien in Kelten mit der Terespoler Bahn nach Sibirien trans- porttrt, weil sie dm Uebertrttt zur orthodoxen Kirche verweigert hatten. Ihr Vermögen wurde confisctrt. Das zahlreich versammelte Landvolk bewarf die escorttrenden Gendarmen mit Steinen. Landwirthfchaftliche Nachrichten. (Nachdruck verboten.) — (Kainitdüngung für Kartoffeln.) Was sich für eins schickt, schickt sich nicht sür alles, das ist ein Satz, der nirgends mehr Anwendung findet oder vielmehr finden sollte, als in der Landwirthschaft, leider aber gerade von den Landwirthen nicht beachtet wird. Da hat z. B. jeder Landwirth schon viel von den Wirkungen des Kaintts gehört, wird er doch in allen landwirtschaftlichen Zeitungen und Zeitschriften warm empfohlen. Der Landwirth hat auch vielleicht selbst einen Versuch mit der Beigabe der Kainitdüngung gemacht und einen schönen Erfolg damit erzielt. Es ist deshalb gar nicht so selten, daß er nun denkt, die Düngung mit Kainit, Kamallit und ähnlichen Mischungen fortzusehen. Das ist gut und lobenswerth, aber es muß doch mit Auswahl und Vor- I sicht geschehen. Bringt nur ja keinen Kainit im Frühjahr oder Winter aus den [ Kartoffelacker, das wäre ein sicheres Mittel, um die nächste Kartoffelernte zu vernichten. Denn auf die Kartoffeln wirken die im Kainit enthaltenen Chlorverbindungen sehr schädigend und es macht sich ihre Einwirkung auch noch bemerkbar, wenn der Kainit schon früh im Herbst auf den Acker gebracht wurde. Selbst bei einer Düngung, die o lange vorb.r erfolgte, werden die Chlorsalze nicht vollständig untergespült und es sollte daher Kainit nie direct als Düngung für Kartoffeln angewendet, sondern immer erst nach der Kainitdüngung eine Vorfrucht gebaut werden. Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen. Evangelische Gemeivde. G o 1 t e s d i e n st. 10. Sonntag nach Trinitatis, den 5. August: Vormittags 9>/r Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Nachmittags 2^2 Uhr: Pfarrer Schlosser. Kinderkirche und Katechismuslehre fallen aus. Am Sonntag, den 12 August, wird nach beiden Gottesdiensten die jährliche Kollekte für die innere Mission in Hessen erhoben werden. _ ,, Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 5. bis 11. August besorgt Pfarrer Schlosser. Katholische Gemeinde. 11. Sonntag nach Pfingsten. Von 6 Uhr an Beichte. Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion. Um l/,10 Uhr: Hochamt und Predigt. „ 2 Uhr: Andacht. Gottesdienst in der Synagoge. Freitag Abend 7™ Uhr, Samstag Morgen 800 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr Samstag Abend 8*° Uhr. Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. Luft 14, Wasser 13 Gr. Gießen, den 3. August 1888. Rübsamen. Allgemeiner Anzeiger. MchWe Eisenbahnen. Mit dem heutigen Tage werden der Nachtrag I zum Lokal-Gütertarif und der Nachtrag IV zum Lokal - Personentarif ausgegeben. Dieselben enthalten unter Anderem die Bestimmungen und Tarifsätze für den Güterverkehr, sowie die Fahrpreise rc. für den Personenverkehr auf der demnächst zur Eröffnung gelangenden Nebenbahn Stockbeim—Gedern. Gießen, den 1. August 1888. 6236 Großherzogliche Direktion- | Wegen Räumung des Jocals bis zum 1. September werden sämmtliche noch vorräthigen Waa r en zu jedem annehmbaren Preise ausverkaust. L J. Cb. Retter Erben. Korbwcidenverkauf. Montag, den 6. August, Vormittags 10 Uhr, am Wärterhaus 72 beginnend, läßt die Bahnverwaltung die Korbweiden an den Böschungen des Rodberg-EinschnittS aus 5 Jahre öffentlich meistbieteno verkaufen- Gießen, den 2. August 1888. 6238 Königliche Bahnmeisterei 14. Bekanntmachung. SamStag, den 11. August d. I., Vormütags IOV2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Rathhause nachstehende Waldwegbau- und Grabenarbeiten für 1889/90 : veranschlagt zu 1) Basaltsteinlieserung «X 2716.— *2) Steinsetzerlobn „ 148.96 3) Chaussirarbeit „ 1397.70 4) Ueberdecken „ 129.08 öffentlich versteigert werden. Die fraglichen Arbeiten sind vorher bei den betreffenden Forstwarten einzusehen. Gießen, den 3. August 1888. Großh. Bürgermeisterei Gießen. ________A. Bramm. 6251 Installsiionsarbeit Die Herstellung der Wafferleitungs- anlage sür das neue hiesige chemische Laboratorium, veranschlagt zu 3728 -X., soll aus dem Wege des öffentlichen. Angebots vergeben werden. Pläne, Voranschlag und Bedingungen können aus unserem Bureau eingesehen werden. Die Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, spätestens bis zum SamStag, d. 11. August d. I., Vormittags 11 Uhr, portofrei bei uns einzureichen, um welche Zeit auch die Eröffnung der Angebote in Gegenwart der etwa erschienenen Jntereffenten stattfindet. Gießen, den 3. Auzust 1888. Grobherzogliches Kreisbauamt Gießen. *6252 Walter. — Populäre Geologie. --- In gemeinverständlicher Darstellung und künstlerischer Ausstattung sich an „Brehms Tierleben" anschließend, schien: Erdgeschichte. Von Prof. Dr. Melct/ior: Neumayr. Mit 916 Textabbildungen, 4 Karten und 27 Chromotafeln. L Saffiaubände 32 M. - L8 Hefte a 1 M. Prospekte gratis. — Erstes Heft und Band I durch alle Buchhandlungen zur Ansicht. Bibliographisches Institut in Regenschirme für Damen, Herren und Kinder in besten Qualitäten und eleganten Ausstattungen empfiehlt in großer Auswahl zu billigsten Preisen 1. 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Kommode, Sophas, Schreibtische, 2 Sekretäre, 2 Büffets und sonstige Gegenstände öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert. Gießen, den 1. August 1888. Bühner, 6254 Gerichtsvollzieher. Möbel-Dersteigerung? Montag, den 6. August, Nachmittags von 2 Ubr an, werden im Haus der Keller'schen Buchdruckerei, Sonnen- straße 6, überflüssig gewordene, aut erhaltene Möbel versteigert; besonders kommen zum Ausgebot: Sophas, Schränke, Kommoden, Tische, Stühle, Spiegel, Bücherreale, ein Tafelklavier, eine Nähmaschine (Singer), Bettstellen, Gaslampen und verschiedenes Hausgeräthe. 6134 Im Auftrag: Louis Rothenberger, Taxator. Ieikgeöotenes. Neue holl. Boll-Häringe, deSgl. marinirt mit pikanter Sauce, frische ital. Pfirsiche, diverse frische fische empfiehlt 6255 __________C. G. Kleinheit n. 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