Nr. 103 "Erstes Blatt. Donnerstag den 3. Mai Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt> für den Kreis Gießen. »«rea«t Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des M-ntagS. .8r<*6Ä^FGrlich2Mark20Pf.mitBrtngcrlohn. ----- J llttfn ntP 7ICAU m*4-aX X» O nm___# rn rw-\ r Politische Ueberficht. Gießen, 2. Mai. Die Wiedererholung Kaiser Friedrichs von seinem jüngsten schweren Krankhettsanfalle schritt bis zum Montag derart vorwärts, daß die Uebersiedelung des Monarchen nach Schloß Frtedrichskron bei Potsdam jetzt in ernstliche Erwägung gezogen wird, wie man nunmehr auS Berliner Hofkreisen meldet. Nur muß sich erst noch das Allgemeinbefinden des hohen Patienten noch weiter heben, da er sich noch immer matt und angegriffen fühlt, was bei der kaum erst überwundenen gefährlichen Krisis indessen ganz erklärlich erscheint, auch hängt die projectirte Uebersiedelung mit vom Eintritte beständiger warmer Witterung ab. Von einem Frühlingsaufenthalte des Kaisers in Wiesbaden ist dagegen für jetzt wenigstens keine Rede. — Nicht geringes Aufsehen erregt es, daß Professor o. Bergmann aus der Reihe der den Kaiser behandelnden Aerzte ausgeschteden ist und fehlt bereits auch dem Montagsbulletin die Unterschrift des berühmten Klinikers, seine Stelle hat Professor Bardeleben, Director der chirurgischen Abtheilung an der Berliner Charitö, übernommen. Es entzieht sich noch der weiteren Kenntnißnahme, in welcher Weise Professor v. Bergmann sein jedenfalls auffallendes Rücktrtttsgesuch begründet hat, begreiflich aber erscheint es, daß dieser Vorgang ganz abgesehen von den sonstigen sich hieran knüpfenden Muthmaßungen von Neuem die Gerüchte von ernstlichen Differenzen zwischen den Aerzten unseres Kaisers hat aufleben lassen und es ist nur tief bedauerlich, daß den: deutschen Volke wie dem Auslande ein derartiges Schauspiel fort und fort geboten wird, obschon sich dasselbe mehr hinter den Eoulissen als vor ihnen abspielt. Zur Beruhigung möge jedoch bet dem Ersätze Bergmanns durch Bardeleben dienen, daß bei dem hohen Kranken keinerlei Veränderung oder Eomplication des Leidens eingetreten ist, auf welche etwa der eingetretene ärztliche Wechsel zurückgeführt werden könnte, daß man auch im Kreise der Angehörigen und Verwandten des Kaisers die letzte Krisis wieder für überwunden hält, geht aus der am Montag erfolgten Abreise des grotzherzog'lich badischen Paares von Berlin und dessen Rückkehr nach Karlsruhe hervor. Ferner heißt es, die Kaiserin Victoria gedenke den überschwemmten Elbgegenden einen Besuch abzustatten, sobald der Zustand des Kaisers sich soweit gebessert haben wird, daß sich die Kaiserin ohne Bedenken von der Seite ihres erlauchten Gemahls für einen Tag entfernen kann; ein Extrazug soll für diesen Zweck schon seit mehreren Tagen bereit stehen. Die einstündige Audienz, welche die Königin von England bei ihrem Aufenthalte in Berlin, resp. Eharlottenburg dem Fürsten Bismarck gewährte, hat eine Reihe von Muthmaßungen über den Inhalt dieser offenbar politischen Unterredung hervorgerufen. Es muß indessen dahingestellt bleiben, inwieweit dieselben begründet sind, oder nicht, da eben die Audienz nur unter vier Augen stattfand, und so läßt sich auch nicht entscheiden, was an dem jetzt durch die Tagespresse gehenden Gerücht, es sei in der Audienz u. A. von der welsischen Frage die Rede gewesen, Wahres ist. Spectell soll es sich um die endgültige Regelung der Thronfolge in Braunschweig gehandelt haben, eine Annahme, die indessen nur dahin gedeutet werden könnte, daß der Herzog von Cumberland seinen formellen Verzicht auf den braunschweigischen Thron ausgesprochen hat, denn daß die englische Monarchin die Fürsprecherin für den welsischen Prätendenten gemacht haben sollte, ist doch nicht gut denkbar! Bei der im westfälischen Reichstagswahlkreise Altena-Iserlohn vorgenommenen Ersatzwahl hat sich eine engere Wahl zwischen dem nationalltberalen Candidaten, Herbes, und dem Candidaten der Freisinnigen, Langerhans, nöthig gemacht. Da Herr Herbes seinem freisinnigen Gegner um nur ca. 500 Stimmen voraus ist und anderseits auf den ultramontanen Candidaten und den Candidaten der Socialdemokraten zusammen ca. 3600 Stimmen gefallen sind, so ist in Anbetracht des bekannten Verhaltens der beiden letzten Parteien bei Stichwahlen kaum daran zu zweifeln, daß dem Candidaten der freisinnigen Partei das Mandat schließlich zufallen wird. Tas prentzische Abgeordnetenhaus genehmigte am Montag in zweiter Lesung die Vorlage, betr. die Regulirung der Weichsel und Nogat, nach langen und lebhaften Debatten im Allgemeinen nach den ersten Beschlüssen der Commission unter Annahme einiger von den Abgeordneten Stengel und Rickert beantragten Modificationen. Am Dienstag beschäftigte sich das Haus mit der dritten Berathung der Eisenbahn- Vorlage und der zweiten Lesung der Kreis- und Provinzialordnung für Schleswig- Holstein. Auch in Elsatz-Lothringen hat sich die Theilnahme für die Ueberschwemmten in Norddeutschland in erfreulicher Weise geoffenbart. Die von der Fürstin Hohenlohe, Gattin des Statthalters, eröffnete Gaben-Sammlung in den Reichslanden zu Gunsten der Ueberschwemmten ist von einem unerwartet reichlichen Erfolge begleitet gewesen und wurden dem Berliner Central-Comit4 zur Unterstützung der Ueberschwemmten 140,000 Mark als erste Rate der elsaß-lothringischen Hilfsgelder überwiesen. Zu der Sammlung in den Reichslanden ist aus den Kreisen der eingeborenen Bevölkerung hervorragend beigesteuert worden. Karl Schurz, der berühmte deutsch - amerikanische Politiker und Staatsmann, weilt mit den Seinigen seit etwa acht Tagen auf deutschem Boden. In der Reichs- Hauptstadt ist dem transoceanischen Gaste in den dortigen politischen und parlamentarischen Kreisen eine ganz besonders auszeichnende Aufnahme zu Theil geworden und stattete er u. A. auch dem Fürsten Bismarck auf dessen Einladung hin einen längeren Besuch ab. Wenn wir nicht irren, hatte Schurz seit 1867 Deutschland nicht wiedergesehen. Der Präsident der französischen Republik hat seine siebentägige politische Rundreise im Südwesten des Landes beendigt und ist am Dienstag Abend wieder in Paris eingetroffen, der Zweck derselben, unter der Initiative des Staatsoberhauptes eine republikanische Gegenströmung gegenüber der „ plebiscitären" Bewegung der Boulangisten und ihrer bonaparttstischen Hintermänner hervorzurufen, ist insofern erreicht worden, als Herr Carnot auf seiner Reise überall eine recht sympathische Aufnahme fand und speziell in Bordeaux, der Metropole des westlichen Frankreich, hat .".B^uch zu entschiedenen Kundgebungen für die Republik geführt. Von Seiten des Präsidenten selbst ist in einer Reihe von Unterwegsreden die energische Versicherung abgegeben worden, er würde die Republik gegen ihre offenen wie heimlichen Feinde ' ^hon zu schützen wissen, wobei er nicht unterließ, wie er namentlich in seiner zu Bordeaux gehaltenen Banketrede gethan hat, die Einigkeit unter den Republikanern ®ieber at§ das hervorzuheben, was bei Eindämmung der boulangistischen Hochfluth am meisten Noth thue. Summa Summarum hat das Auftreten Carnots im Sudwesten Frankreichs in den republikanischen Kreisen des Landes einen ganz günstigen Eindruck gemacht, aber ob derselbe nachhalten wird, das muß erst abgewartet werden. Vorläufig genießen die gemäßigten -Republikaner nach den überraschenden Wahlerfolgen der Boulangisten wenigstens die kleine Genugthuung, daß bet den Ersatzwahlen zur Deputirtenkammer in der Js^-re und in Ober-Savoyen ihre Candidaten gewählt worden sind. Dafür steckt der Boulanger-Rummel neue bedenkliche Satten heraus denn die Straßenunruhen, welche von den Boulangisten in Nancy und Toulouse heroorgerufen worden sind, bekunden deutlich, daß die revolutionären Elemente in der Boulangerbewegung immer mehr Oberwasser bekommen. Auf der Heimreise von Bordeaux nach Paris wurde dem Präsidenten Carnot m^der Stadt Rochefort von einer großen Volksmenge ein sich durch seine besondere Warme auszeichnender Empfang bereitet. «. Italien stehen die afrikanischen Dinge wieder einmal im Vorder- gründe des Tagesinleresscs. Am Mittwoch sand in der Deputirtenkammer die schon «nr a^9efünbigte Afrikadebatte statt, wobei der Cabinetchef zum soundsovielten Male Erläuterungen über die afrikanische Politik der Regierung gab. Seine Grund- lage bildete hierbei das „Grünbuch" über die Massauah-Angelegenheit, aus welcher politischen Actensammlung hervorgeht, daß die italienische Regierung in den früheren Friedensverhandlungen mit dem Negus nicht nur den unbedingten und unbestrittenen Besitz von Sahatt, sondern auch von andern Positionen verlangte, welche die Italiener kaum flüchtig einmal besetzt hatten, wie z. B. das Thal von Aliet. Außerdem forderte Jtalren das „Protectorat" über weitere Gebietstheile Abyssiniens und für später den Abschluß eines Handels- und Freundschaftsvertrages. Das scheint dem Negus zu viel gewesen zu sein, da er nicht weiter „reagirte", inzwischen sind nun aber zwischen dem General San Marzano und dem abyssintschen Herrscher neue Verhandlungen etn- geleitet worden, da letzterer infolge des Abfalles vieler Soldaten und des erneuten Vordringens der Sudanesen arg in der Klemme steckt und es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Unterhandlungen diesmal zum definitiven Friedensschlüsse zwischen Wien und Abnfsinien führen werden. In dem Kampfe zwischen der englischen Regierung und der irischen Nattonal- ltga macht sich jetzt die päpstliche Intervention etwas nachdrücklicher geltend In dem dieser Tage veröffentlichten Texte der betreffenden päpstlichen Bulle werden die irischen Bischöfe angewiesen, „vorsichtig, aber eindringlich" den katholischen Clerus und die Laien zu ermahnen, daß sie die Grenzen der Ehristenliebe und der Gerechtigkeit in ihrem Bestreben, Heilmittel für ihre traurige Lage ausfindig zu machen, nicht überschreiten. Es ist indessen recht fraglich, ob diese sanfte Mahnung bei dem niederen katholischen Clerus Irlands, in dessen Reihen sich die fanatischsten Parteigänger der Nationalliga finden, Gehör finden wird, es wird hierzu vielmehr stärkerer Mittel bedürfen, und mit solchen dürfe man im Vatican nicht gleich bei der Hand sein. Die Reise des Fürsten Ferdinand nach Nordbulgarien verläuft bis jetzt ganz im Sinne der Machthaber in Sofia. Der ihm überall bereitete Empfang läßt an Loyalität nichts zu wünschen übrig und namentlich ist dem Coburger in dem historisch so berühmten Plewna, welche Stadt bislang als eine der Hochburgen der bulgarischen Opposition galt, eine warme Aufnahme bereitet worden. Freilich bat man es hier nur mit offiziellen Berichten zu thun; es bleibt abzuwarten, wie die privaten Berichte klingen werden. Aus Kamerun wird gemeldet, daß die unter Führung der Lieutenants Kunth und Tappenbeck stehende Expedition auf ihrem Zuge landeinwärts vom südlichen Kamerungebiete von einem feindlichen Stamme überfallen und größtentheils niedergemetzelt worden ist. Kunth und Tappenbeck, obwohl beide schwer verwundet, konnten mit dem Reste der Expedition noch gerettet werden. Berlin, 1. Mai, 9 Uhr Abends. Die seit mehreren Tagen begründete föoffnuna daß die Phase des Leidens des Kaisers, die mit dem Eintritt Q überwunden unb in eine langsame Reconoalescenz übergegangen sei, ist seit gestern vermindert. Die gestrige Steigerung des Fiebers war eine unerwartete Erscheinung und wenn sie auch m der Hauptsache von einer äußeren Entzündung herrührt, die sich in der Umgebung der durch die Tracheotomie entstandenen Wunde befindet, so wird Verlauf der nLchstm Tage, namentlich auch der heutigen Nacht darüber Aufschluß geben, ob der Zwischenfall nur ein vorübergehender ist. Einzelne Zeitungen wissen nämlich zu berichten, daß auch der Auswurf vermehrt und der Etter dickflüssiger sei. Die Athmung ist dagegen frei und auch nur unmerklich beschleunigt. Am meisten Sorge macht den Aerzten der Kräftezuftand des Kaisers. Die Hebung desselben ist nur sehr langsam vor sich gegangen und jeder neue Fteberanfall bedeutet nicht nur eine Verzögerung, sondern auch einen Verlust. Der Kaiser fühlte sich heute matter undan- gegr ffener als in den letzten Tagen, er muß, um die Kräfte zu schonen, bis auf Weiteres im Bett bleiben und vertauscht dasselbe manchmal auf kurze Zett mit dem Sopha. Die Aerzte sind in ihrem Urtheil über die nächste Zeit zurückhaltend, da Niemand sagen kann, ob nicht unerwartete Zwischenfälle etntreten. (F. Z.) .. dtklin, 1. Mai. In militärischen Kreisen spricht man davon, daß der neuerdings zum General der Infanterie beförderte Chef der Admiralität, v. Caprivi, auf einen mehrfach geäußerten Wunsch hin vielleicht schon in nächster Zeit zum com- mandtrenden General eines demnächst frei werdenden Armeekorps ernannt werden wird. Als seinen Nachfolger erwartet man jetzt mit großer Bestimmtheit einen Marineofficier. Dem Range nach der älteste ist zur Zeit der Vice-Admiral Graf Monts, Chef der Marinestalion der Nordsee, der bet der letzten schweren Erkrankung Caprivis den Chef der Admiralität längere Zeit vertreten hat. Endgiltige Ernennungen liegen aber zur Zeit noch nicht vor. Berlin, 29. April. In der Wohnung eines Handwerkers in der Koppenstraße in Berlin wurden am Freitag annähernd 40000 Stück socialdemokratische Flugblätter von der Polizei abgefaßt. Dieselben waren frisch gedruckt und trugen den Vermerk: ^Genossenschaftsdruckeret Hotlingen-Zürich." Man war noch mit dem Falzen beschäftigt. Das Flugblatt behandelt den Regterungsansang Kaiser Friedrichs und ist dem Ver- nehmen nach in sehr heftiger Sprache gehalten. Die Polizei verhaftete vier Personen, welche ihr theils bei der Herstellung, theils bet der Expedtrung der Flugblätter betheiligt Telegraphische Depeschen. Wolff's telegr. Correspondenz- Bureau. Berlin, 1. Mai. Der Kaiser nahm Vormittags den Vortrag des Generals Winterfeld entgegen und konfertrte Nachmittags mit dem Reichskanzler. — Die „Nordd. Allgem. Ztg." meldet: Das Befinden des Kaisers ist heute weniger gut als vorher und als nach dem ziemlich beständigen Fieberabfalle zu erwarten war. Das Fieber zeigt seit gestern ein wenn auch geringes Ansteigen, auch der Schlaf war in letzter Nacht unruhig und wenig erquickend. In Folge dessen fühlte der Kaiser sich heute früh etwas matt und angegriffen, auch war der Appetit gering. Der Kaiser wird heute im Bette bleiben. Die Anwendung fieberwidriger Mittel geschieht sehr mäßig und vorsichtig; man hofft mehr von der Reaction des kräftigen Organismus gegen das Fieber und seine Ursachen. Ein Wechsel des Aufenthaltsorts konnte unter solchen Umständen bislang nicht ernstlich erwogen werden. — Die „Nordd. Allg. Ztg." kann die Notiz der Presse, bei der Zusammenkunft des Reichskanzlers mit der Königin Victoria habe die endgiltige Regelung der braun-' schweigischen Thronfolgefrage einen wesentlichen Theil der Unterredung gebildet, als aus der Luft gegriffen bezeichnen. Die braunschweigische Frage sei dabei mit keinem Worte auch nur gestreift worden. Berlin, 1. Mai. Das Abgeordnetenhaus nahm in der dritten Lesung die Sekundärbahnvorlage fast durchgängig nach den Beschlüssen der zweiten Lesung an und genehmigte die ersten dreizehn Paragraphen der Kreisordnung für die Provinz Schleswig-Holstein, sowie die Paragraphen 51 bis 69 ohne Debatte. Zu dem § 50 (Bestellung der kommissarischen Amtsvorsteher) wurde nach namentlicher Abstimmung mit 180 gegen 104 Stimmen der Antrag des Abgeordneten Althaus angenommen, betreffend die Wiederherstellung der von der Commission gestrichenen Bestimmungen, wonach die von dem Provinzialrathe zu gewissen Vorschlägen abgelehnte Zustimmung auf den Antrag des Oberpräsidenten durch den Minister ergänzt werden kann. Der Minister v. Puttkamer hatte den Antrag befürwortet. — Morgen um 11 Uhr findet die nächste Sitzung statt, in welcher die heutige Berathung fortgesetzt und außerdem noch über kleinere Vorlagen berathen werden wird. Paris, 1. Mat. Präsident Carnot verließ heute Vormittag, von einer dicht- geschaarten Menge begrüßt, Rochefort und wird für heute Abend 7 Uhr hier zurückerwartet. — Der heutige Mtnisterrath beschäftigte sich mit den laufenden Geschäften. Frey- cinet tf)eilte mit, er werde sich morgen mit den Mitgliedern der militärischen Versuchs-Commission nach Chalon begeben, um Versuchen mit Sprengstoffen beizuwohnen. Paris, 1. Mai. Präsident Carnot ist heute Abend 7V< Uhr hier eingetroffen. Gegen 2000 Menschen hatten sich am Bahnhof Montparnasse etngefunden; als der Wagen mit dem Präsidenten in den Boulevard Montparnasse etnbog, wurden Rufe „Vive Boulanger!“ laut, denen bald solche „Vive la r^publique!“ folgten. Rom, 1. Mai. Der Kronprinz besuchte heule in Begleitung des Generals ' Doncien und anderer Offiziere das tiburtinische Fort, als plötzlich eine Schachtel mit Dynamit explodirte. Die Verletzung des Kronprinzen ist kaum nennenswerth, der General ist leicht verletzt und ein Hauptmann verwundet. Rom, 1. Mai. Vor Schluß der heutigen Kammersitzung fragte Bonghi bei der Regierung wegen des Gerüchtes an, wonach heute dem Kronprinzen, mehreren Generälen und einem Offizier in einem Fort Roms infolge Explosion von Dynamit ein Unfall zugestoßen sei. Der Marineminister erklärte, daß der Prinz durch den £ Unfall nur leichte Contusionen erlitten hätte und auch die Offiziere nur leicht verwundet seien. Der Prinz wohnte den Uebungen weiter bei. Berlin, 2. Mai. sPrivatdepesche.) Bulletin von 9 Uhr Vormittags. Der Kaiser hat die Nacht gut zugebracht und fühlt sich wohler. Das Fieber ist gering. Karl Hillebrand. XX Zur Erinnerung an berühmte Söhne Gießens sind zwei Häuser durch Marmortafeln ausgezeichnet. Die eine Denktafel befindet sich an dem Hause „Neuen Baue 9", worin Friedrich Diez, der unsterbliche Begründer der romanischen Philologie, geboren ist, und die andere ist an dem Hause „Westanlage 3", der Geburtsstätte des angesehenen Schriftstellers Karl Hillebrand, angebracht. Da der letztere in seiner Vaterstadt nur noch Wenigen bekannt sein dürfte, so werden die nachfolgenden Mittheilungen, die wir theils mündlichen Aeußerungen seiner noch lebenden Zeitgenossen, theils den nach seinem Tode in öffentlichen Blättern erschienenen Nachrufen entnehmen, manchen unserer Leser ohne Zweifel willkommen sein. Als Sohn des Professors Hillebrand, des Philosophen und Literarhistorikers, gehörte er dem eng verwachsenen akademischen Clan an. Den Mittelpunkt des geistigen Lebens bildeten damals seines Vaters Haus und das Liebigs. Die liebenswürdige Heiterkeit und Offenheit seines Wesens, seine Gewandtheit in allen körperlichen Uebungen, fein Selbstgefühl und seine Initiative, selbst ein gewisser pädagogischer Jnstinct machten ihn zum geborenen Leiter der Jugend. Durch seine Leclüre romantisch angehaucht, kam auch in die von ihm geleiteten Knabenspiele ein abenteuerlicher Zug hinein. Als freie Indianer durchschwärmten die Gymnasiasten unter seiner Führung die Wälder, lagerten um nächtliche Feuer und selbst den Raubzügen in fremde Obstgärten wußte er einen romantischen Anstrich zu verleihen. Besonders liebte es Karl Hillebrand, seine Mitschüler nach dem benachbarten Wetzlar zu führen, wo sie sich an historischen und literarischen Erinnerungen berauschten. Am Wertherbrunnen verzehrten sie das mitgebrachte Mahl und in „Garbenheim" recitirten sie bei einem Glase Bier homerische Verse. Als der junge Hillebrand Bulwers Pelham gelesen, ging ihm ein neues Ideal, das eines englischen Gentleman, auf; er kleidete sich fortan sorgfältig und nahm ein aristokratisches Wesen an. Von Arbeiten war der junge Schüler kein besonderer Freund, desto mehr nahm seine ganze Lebensführung einen studentischen Charakter an. Schülerkneipen und Schülerverbindungen beschäftigten ihn, und die Vorgänge in der Studentenschaft wurden in seinem Hause eifrig besprochen. Die Primanerzeitung, die Karl Hillebrand redigirte, verspottete mit Witzen und Karrikaturen Lehrer und Schüler. Das Gymnasium vermochte diesem schrankenlosen Treiben kein Hinderniß entgegen zu legen, die ganze Thätigkeit der Anstalt war darauf gerichtet, einen Anschein von Disciplin notdürftig aufrecht zu erhalten, und auch das gelang nicht immer. Es kam die Revolution des Jahres 1848. Sie traf Karl Hillebrand als fiotten und geistig höchst angeregten Studenten. Er zog in der rothen Mütze der Starkenburger auf. Die Rivalität zwischen den grünmützigen Teutonen und den rothmützigen Starkenburgern (die Hassia scheint davon nicht berührt gewesen zu sein) war das treibende Element im Gießener Studentenleben jener Tage. Die Teutonen waren oder wollten fein, was wir heute „feudal" nennen, die Starkenburger „schneidig". Aber die Gießener Klingen waren auf allen Hochschulen in der Runde gefürchtet. „Der Friseur und der Schneider, sagt F. Dernburg in der „National-Zeitung", spielten im Studentenleben noch keine Rolle." Zu dem studentischen Leben Gießens brachten die zahlreichen Schüler Liebigs aus England und Amerika eine Mischung von Weltmännischem und Internationalem, das ihm einen neuen Reiz beifügte. Karl Hillebrand kam wiederholt, was der heutige Studentenjargon nennt „abgestochen" nach Hause. Seine Schwester Marie — die Familie umfaßte außer Vater und Mutter vier Söhne und drei Töchter — hatte sich vorsorglich einen Vorrath von Heftpflaster und Compressen angelegt. Und wenn sie oben ihres chirurgischen Amtes gewaltet hatte, stieg sie hilfebringend auch nach dem unteren Stocke, wo ein Teutone gleichfalls mit aufgerissenem Gesicht angelangt, wenn wieder einmal Starkenburger und Teutonen sich in gewaltigen Schlägermensuren gemessen hatten. Mit Moritz Bardeleben (jetzt Landgerichtspräsident in Berlin) kam ein neues Moment in den Freundeskreis. Um Bardeleben's Haupt schwebte der Nimbus eines Dichters. Auch war er mit Otto Roquette befreundet. In seine poetische Welt zog er feinen Bruder Adolf, damals Prosector des Professors Bischoff, Karl Hillebrand, einen Dernburg, Hermann Welcker (jetzt Professor der Anatomie in Halle) und andere. Mit Erstaunen sah die Studentenschaft in diesem poetischen Conventtkel Mitglieder der beiden kämpfenden Corps in Freundschaft und Dichtkunst vereinigt. Man beschloß die I Herausgabe eines „Musenalmanachs" als Asyl für heimathlose Gedichte Di Manuscripte kamen haufenweise, !und was in Bettacht der Zeitverhältnisse — es war im Sommer 1848 — noch verwunderlicher war, der Musenalmanach fand nicht blos einen Verleger, sondern erlebte auch zwei Auflagen. Vielleicht sind die Dichter und deren Familien die Hauptkäufer gewesen! Das Studium Karl Hillebrands war die Jurisprudenz, zu der ihn jedenfalls sein lebhaftes Interesse für die Politik hingezogen; aber das Studiren selbst spielte eine recht bescheidene Rolle. Freundschaft und Liebe, Studentenleben und Poesie und die ßectüre der französischen Historiker und Socialiften (Madame Roland, Proudhon rc) erfüllten ihn ganz. Als die übergroße Mehrzahl schon von den Märztagen des Jahres 1848 bitter ernüchtert war, lebte Karl Hillebrand noch in dieser Sturm- und Drangzeit fort und diesen Jugendrausch hat er theuer genug gebüßt. Ein junges Gemüth voller Enthusiasmus, ohne jede Kenntviß der Bedingungen des Staatslebens, hielt er natürlich die radikalste Lösung für die beste. Paris und die französische Republik waren selbstverständlich Maßstab und Muster. Aber auch im Volksttibunenthum bewahrte er sich noch einen aristokratischen Zug; er trug keine Blouse und keinen vergriffenen Schlapphut, ja er hielt es sogar für seiner Führerrolle entsprechend, sich eine Art von Adjutanten zuzulegen. Die Wahl fiel auf einen riesigen Schuster, der lange Conrad genannt. Die Frankfurter Septembertage waren entscheidend für sein Lebensschicksal. Mit einem Male war er sammt seinem Karabiner aus Gießen verschwunden; er war nach Frankfurt gegangen, um dem deutschen Parlamente zu Hilfe zu ziehen, um für das Vaterland zu sterben. Nun wurde einer feiner Jugendträume erfüllt: er hatte auf einer Barrikade im Kugelregen gestanden, er hatte für Freiheit und Vaterland gekämpft. Als die Geschichte bald genug ein Ende nahm, schlug er sich, um der Polizei aus dem Gesicht zu kommen, für eine Zeitlang zur Seite. Zunächst nach dem Odenwald, wo ihn die treue Schwester Marie aufsuchte und dann nach Straßburg zu Freunden brachte. Wie alles Neue, Eigenartige und Fremdländische fesselte auch das Straßburger Studentenleben, das mit unseren Anschauungen in so schneidendem Gegensatz steht, seine Einbildungskraft. Als er sich überzeugt, daß sein Barrikadenbau in Frankfurt unbemerkt geblieben, kehrte ec aus Straßburg nach Gießen gegen Frühjahr zurück. Nun war eine neue Metamorphose mit ihm vorgegangen, der Straßburger dtudiant en droit zeigte sich den Hut nach hinten gerückt, die kurze Pfeife im Munde, die Hände in den Hosen und ein leichtgeschürztes französisches Studentenlied vor sich trällernd. Jetzt sollte es ernstlich ans Studiren gehen, aber wiederum war es die Politik, die einen Strich durch diese Vorsätze machte. Die Nationalversammlung hatte die Verfassung vollendet und einen Kaiser in der Person des Königs Friedrich Wilhelm von Preußen gewählt. Die Kaiserdeputation war nach Berlin gegangen. König Friedrich Wilhelm war Die Kaiserkrone zu schwer, er lehnte sie ab. iRun stunden alle Gemüther in Flammen, die letzten revolutionären Zuckungen traten zu Tage. Und wiederum war es die enthusiastische Jugend, die sich berufen glaubte, für ihre Ideen zu kämpfen und zu sterben. Eines Morgens war Karl Hillebrands Bett wieder leer, der junge Schwärmer war nach Baden gezogen. Der Verlauf des badischen Feldzuges ist männiglich bekannt. Aus den Casematten von Rastatt entflohen, ging unser Landsmann nach Paris, und dort, mitten in dem Treiben der Weltstadt, lernte er die Erscheinungen des öffentlichen Lebens nüchtern, ja skeptisch beurteilen. Bald bedeutete ein Name ihm nichts, aber Alles die Sache. Wenn er das Wort „Freiheit" hörte, dann untersuchte er vor Allem genau, was Derjenige, der es ausgesprochen, sich darunter gedacht. Und immer tiefer bohrte er sich in eine grausam skeptische Betrachtung aller landläufigen Schlagworte hinein, immer mißtrauischer wurde er gegen die Losung des Augenblickes. Durch sieben Jahre bockte er an der philosophischen Facultät zu Douai fremde Literaturen und da hatte er Gelegenheit, zu bekunden, wie tief er in den Geist der französischen Sprache eingedrungen war. Während er in Douai lebte, schrieb er viel für das „Journal des D6bats" und für die „Revue des deux Mondes". Der Herausgeber des letzteren Journals behauptete damals allen Ernstes, er habe bloß zwei Mitarbeiter, welche ein vollkommen tadelloses Französisch schreiben und diese beiden seien Deutsche: Karl Hillebrand und Rudolph Lindau (der ältere Bruder Lindaus). Im Jahre 1884 starb der deutsche, in Gießen geborene Schriftsteller, in der Fremde, in Florenz. Er ist keine sechzig Jahre all geworden und fein Tod bedeutete ihm Erlösung von langem Siechthum. Seine Leiche wurde seiner Anordnung gemäß in Nom verbrannt. Dem großen Publikum war sein Name nicht sehr geläufig. „Nur eine Gemeinde von Feinschmeckern, sagt F. Groß, „hielt treulich zu ihm und begrüßte jede seiner Publicationen als etwas Köstliches. Eigentlich populär konnte er nicht werden, denn für umfassende Popularität fehlte ihm die Schmiegsamkeit, die sich den Strömungen des Tages anzupassen, die Nachgiebigkeit, welche der herrschenden Richtung Zugeständnisse zu machen weiß." Auch aus einem anderen Grunde dehnte sich der Kreis seiner Verehrer nicht auf das ganze gebildete deutsche Publikum aus; feine hervorragendsten Schöpfungen waren Aufsätze, die in vornehmen Zeitschriften erschienen, und für solche Essays, in denen Macaulay und Sainte-Beuve so Großes geleistet, hat man in Deutschland nur wenig Sinn. Als Engländer oder Franzose wäre er in der ersten Reihe seiner Genossen gestanden. Dennoch betrieb er die fremden Idiome (er war auch Correspondent der „Times") nur als Liebhaberei und wollte sich von seiner Mission als deutscher Geschichtsschreiber, als deutscher Essayist nicht lossagen. Seine Hauptwerke hat er in feiner Muttersprache geschrieben: „Geschichte Frankreichs von der Thronbesteigung Louis Philipps bis zum Falle Napoleons III."; „Aus dem Jahrhundert der Revolution"; „Frankreich und die Franzosen in der zweiten Hälfte des- neunzehnten Jahrhunderts"; „Aus und über England"; „Profile"; „Zeitgenossen und Zeitgenössisches"; „Völker, Zeiten und Menschen"; „Wälsches und Deutsches" u. f. w. In diesen Bänden hat er einen unermeßlichen Reichthum an Gedanken, an Resultates einer tiefen und fruchtbaren Bildung aufgespeichert. Zu seinen Lieblings-Ideen gehörte es, den geistigen Verkehr zwischen Deutschland und Italien zu vermitteln. Zu diesem Behufe ließ er eine Vierteljahrsschrift erscheinen, „Italia", welche dazu beitragen sollte, daß Italien über Deutschland und dieses über jenes gründlich unterrichtet werde. Das schöne Unternehmen, das heute vielleicht prosperirt hätte, ging aus Mangel an Theilnahme ein. Was Karl Hillebrand zu einer der bemerkenswerthesten Gestalten in der zeitgenössischen Literatur machte, das ist seine Unabhängigkeit, Ehrlichkeit, Offenherzigkeit, seine noble Natur, fein Muth, gegen den Strom zu schwimmen, feine Wahrheitsliebe, um deren willen er sich auch von denjenigen trennte, mit denen er bisher brüderlich gewandert. Unstreitig war er confervativ, aber er konnte auch den Confervativen unangenehme Dinge sagen. Er stand höher als auf der Zinne der Partei, und vielleicht eben deshalb hat keine der bestehenden Parteien ihn auf den Schild gehoben. Autorckäts- glauben war ihm unbekannt. Er verehrte Bismarck als einen der bedeutendsten Männer des Jahrhunderts, aber dem deutschen Chauvinismus ging er energisch zu Leibe. Seines Werthes war unser Mitbürger sich wohl bewußt und er mochte an sich selbst denken, als er behauptete, jeder Adel, auch derjenige des Charakters und des Geistes, sei ein Geburtsadel. Ein Adeliger in des Wortes bestem Sinne ist er gewesen: Lohn konnte ihn nicht locken, Strafe nicht schrecken. Er sagte, was er dachte, und er glaubte an das, was er sagte. Have atque vale! Vermisch tes. Da rmstadt, 1. Mai. Die diesjährige General-Versammlung des Verbandes mittelrheinischer Bildungsvereine wird am Sonntag den 24. Juni in Butzbach abgehalten werden. △ Mainz, 1. Mai. Für die bekannte Rhederfirma H. A. Disch sind heute Nachmittag von der Werft von Aron und Gollmann in Stettin zwei neue Schraubendampfer hier angekommen, die speciell zur Verwendung auf dem Main gebaut wurden. Dieselben sind sowohl zur Personenbeförderung als auch zum Schleppen eingerichtet und fassen auf dem mit Quersitzen versehenen Deck wie zwei halbhohen entsprechend geräumigen Salons nahezu 500 Personen. Die Maschinen haben eine Stärke von 160 inbicirten Pferdekräften. Mit Rücksicht auf den bei niedergelegten Nadelwehren möglicherweise eintretenden niedrigen Wasserstand des Maines haben die Schiffe nur I einen Tiefgang von einem Meter. Das Schleppen auf dem Main soll der hauptsächliche Zweck der Schiffe sein, doch beabsichtigt die Firma Disch dieselben an Private und Gesellschaften zu Ausflügen zu überlassen. A Mainz, 1. Mai. Zwischen dem Bürgermeister von Alzey und der Mehrheit der dortigen Stadtverordneten bestehen schon seit längerer Zeit allerlei Differenzen, die hauptsächlich durch Competenzsragen hervorgerufen sind. Die Entscheidung in einem solchen Conflict hatte gestern der Provinzialausschutz von Rheinhessen zu treffen. An Stelle des freiwillig von seinem Amte zurückgetretenen ersten Beigeordneten wählten die Stadtverordneten am 28. April v. I. einen anderen Beigeordneten und beschlossen die Stadtverordneten in einer weiteren Sitzung am 23. Juli ausdrücklich, daß dieser neugewählte Beigeordnete als erster Beigeordneter zu betrachten sei und er in allen Dingen den Bürgermeister zu vertreten habe. Gegen diesen Beschlutz erbob der Bürgermeister mit Erfolg Beschwerde bei dem Kreisausschuß, dahingehend, daß die Stadtverordneten überhaupt nur Beigeordnete, nicht aber erste oder zweite zu wählen hätten, und die Vertheilung der Geschäfte dem Bürgermeister obliege. Auf diesen Beschluß erfolgte Beschwerde bei dem Provinzialausschuß und entschied nun der Letztere, daß die Stadtverordneten berechtigt, vorauszubestimmen, welcher Beigeordnete den Bürgermeister im Verhinderungsfälle zu vertreten, im Uebrigen aber der Bürgermeister das Recht habe, die Geschäfte nach seinem Ermessen unter die Beigeordneten zu vertheilen. — Ein hiesiger Lohnkutscher, der gestern Abend eine Gesellschaft nach Gonsenheim fuhr, mußte seine Gewohnheit, ein Glas über den Durst zu trinken, mit seinem Leben büßen. Auf der Rückfahrt verlor er, nachdem er vorher schon einmal in die Felder gefahren und den Wagen mit den Insassen umgeworfen hatte, den Weg und stürzte mit seinem Fuhrwerk in einen zwei Meter tiefen Bach. Unglücklicherweise fiel er zwischen die Pferde, von denen eines ihm mit den Hufen die Hirnschale zerschmetterte, sodaß der Tod sofort eintrat. Das andere Pferd brach das Genick und blieb todt auf der Stelle liegen. Die Mtether des Wagens hatten nach dem ersten Unfall zum Glück I vorgezogen, den Weg hierher zu Fuß etnzuschlagen, ansonsten sie bei dem zweiten Fall möglicherweise auch noch in übler Weise in Mitleidenschaft gezogen worden wären. . _ I el, April. Gestern fand dahier unter dem Vorsitz des Herrn Ober- lanbesgertchts-Präsidenlen nach vorausgegangener schriftlicher eine mündliche Referendar- Prufung statt. An derselben nahmen fünf Rechtscandidaten Theil, von welchen vier bestanden, nämlich die Herren Backhaus-Marburg, Buderus-Cassel, v. Hippel-Gießen und v. Schmidt-Cassel. v Weiß ganzfeid. Satin merveilleux von Mk. 1.85 bis Mk. 10.25 per Met. — (20 Qual.) — versendet roben- und stückweise porto- und zollfrei das Fabrik-D6pot G. Henneberg (K. u. K. Hofl.) Zürich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 Pf. Porto. 3762 Temperatur in Gieße«. t t April 1888. Niederste......... 2 9 °R. Mittlere.......+ 5,83 „ * Mittel früherer Jahre.....+ 6,79 „ Höchste........4- 16,8 „ Niederschlag an 10 Tagen .... 0,61 Par. Zoll. v im Mittel früherer Jahre an 12 Tagen 1,39 „ „ Kemmerich’s Fleisch-Extract ist vom feinsten Geschmack und grösster Ausgiebigkeit. Das Beste ist stets das Billigste. B— Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Betreffend: Die Ausführung des Bauunfallversicherungsgesetzes vom 11. Juli 1887. Unter Bezugnahme auf das Ausschreiben Großherzoglichen Kreisamts Gießen vom 24. December 1887 in Nr. 303 des Gießener Anzeigers und die daselbst veröffentlichten Bekanntmachungen fordern wir alle diejenigen Personen, welche danach zur Einlieferung der geforderten Nachweise verpflichtet erscheinen, auf, diese Nachweise pro April d. I unter Angabe der verwendeten Arbeitstage und der verdienten Löhne oder Gehälter auf dem vorgeschriebenen Formular bei Vermeidung der im Gesetz angedrohten Ordnungsstrafe bis längstens 6. Mai d. I. an uns abzuliefern. Wir bemerken, daß zur Einlieferung dieser Nachweise verpflichtet erscheinen : a) alle Privatpersonen, welche Bauarbeiten nicht gewerbsmäßig als Unternehmer d. h. für ihre eigene Rechnung ausführen lassen, b) diejenigen, welche Arbeiter bei dem Osensetzen, Tapezieren Stubenbohnen, Anbringung, Abnahme und Reparatur von Wetterrouleaux u. s. w. beschäftigen und c) diejenigen Bauhandwerker, welche Bauarbeiten ausführen, die zu ihrem gewerbsmäßigen Betriebe nicht gehören. Gießen, 30. April 1888. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 3759_____________________A Bramm._________________________ Wekamttmächümgl Die Aufnahme schulpflichtiger Kinder in die Stadtschulen zu Gießen findet am 7. Mai d. I., Morgens von 9—12 Uhr, statt, und zwar werden die Knaben im Schulhause in der Schulstraße, die Mädchen im Schulhause in der Westanlage ausgenommen. Schulpflichtig sind alle Kinder, welche bis dahin 6 Jahre alt geworden sind. Doch können auf Wunsch der Eltern oder deren Stellvertreter auch solche leiblich und geistig nicht unreife Kinder ausgenommen werden, die bis zum 30. September d. I. das sechste Lebensjahr vollenden. Bei der Ausnahme ist der Impfschein vorzuzeigen, auch sind Name und Stand des Vaters oder dessen Stellvertreters und der Geburtstag des Kindes genau anzugeben. Gießen, den 1. Mai 1888. Für den Schulvorstand: 3731 A. Bramm, Fuhr, Hahn, Bürgermeister.Oberlehrer. Freitag, den 4 Mai 1. I., Nachmittags 2 Uhr, werden in meiner Amtsstube gegen Baarzahlung versteigert: Sophas, Kommoden, Schränke, Tische, Waschtische, Spiegel, Bilder, Stühle, 1 Nähmaschine, 2 silb. Taschenuhren, 1 Wand.ibr, 1 Regulator, 1 Hobelbank, 1 Stoßkarren, 1 Ladeneinrichtung, 2 Pferde, 1 Kuh u a. m. Geißler, 3758 Gerichtsvollzieher. Ieilgeöoteues. von 70 H an bis zu den hochfeinsten Einbänden (eigene Fabrikation!) empfiehlt Ernst Balser, 3752__________Buchbinderei.___ Kartoffeln | verkauft Emil Lotz. 3566 Eine noch gut erhaltene Podesttreppe zu verkaufen. Frankfurterstraße 89. Worms, das hoher Ehren werth, Glück wird jetzt von dort bescheert durch die bereits am 30. Mai sicher stattfindende Ziehung der WormserLooseä2Mk. Gewinne 50,000 Mark W. Haupttreffer 20,000 und 10,000 Mk. in Gold, die wir Baar und ohne Abzug auszahlen. Prospekte gratis. 11 Loose f. 20 JL Porto und Liste 30 Pfg. Loose zu beziehen durch alle be- kanntenVerkaufsstellen, sowie durch die General-Agentur: Ludw. Müller & Co., Bankgeschäft, Nürnberg, München, Hamburg und Berlin. 3734 Möven-Eier ; vom Kunitzer See, bekannt als sehr feine Delicatesse, empfiehlt 3743 Carl Scfiiwaabe Ecke Mäusburg. Julius Buch Ecke Mäusburg. Alleinige Niederlage für Oberhessen der berühmten Mainzer Schuhfabrik von S. Wolf. rs c® k © 6» 5 S ? 03 fl ö L O CD > fa .2 cn 'd 3 er * (g et- ® CD * g ® g 5 c S« *1 w* O d GQ g ti CD Z 5 S.WOLF Anerkannt die besten Schuhe und Stiefel in ganz Deutschland. 3753 Preisgekrönt auf allen Ausstellungen. Garnirte Damen- und Mädchen-Strohhüte, Herren- und Knaben-Strohhüte, Blumen, Federn, Bänder, Agraffen, sowie sämmtliche Artikel der Putzbranche empfiehlt 3756 Albert Behrend, Marktstraste 32 neben Herrn Conditor Kinkel. o J. G. D. Bapst 8 q empfiehlt 1066 g o Haushaltungs-Ausstattungen, q o Kochgeschirre, emaillirt, verzinnt und in Gußeisen, o O Eimer, emaillirt, verzinkt und schwarz, Q © Waschtische, mit und ohne Garnitur. o ö Garteumöbel, eiserne Bettstellen. O q Kohlenhandlung en gros & en detail. 53000DD000000500000000CtoOOO Prof. Dr« Jäger'fche Normal-Hemden, Hosen, Jacken, Socken, Leibbinden, Stoff zum Flicken; Prof. Dr. Lahmann'sche Baumwollene Reform-Hemden, -Hosen und-Jacken für Diejenigen, denen Wolle zu warm macht, sehr zu empfehlen, sowie jede Art von Unterjacken und Hosen in Seide, Wolle, Baumwolle, Filet in allen Größen und Weiten empfiehlt 3727 G. Rübsamesr. T ödes-Anzeige (3761 Die trauernden Hinterbliebenen Die Beerdigung findet Freitag den 4. Mai, Nachmittags 5 Uhr, vom Bahnhof aus statt. Knaheo- k BttD-SMM neueste Formen, empfehle in bedeutenderAuswahl zu sehr billigen Preisen. A. Fangmann 3189 Garantie für jedes Paar Für kleine Füsse Für schmale Füsse Für breite Füsse | Für grosse Füsse gesucht in der Pulvermühle. Reparaturen und Maasarbeit billigst. 1368 Neuenweg 40. vermiethen. Chr4 Drrill 3749 Coursvericht der Frankfurter Börse 3754 Schneidermeister. Tendenz: nachgebend. Um stille Theilnahme bitten Giessen, den 2. Mai 1888. 3729 Zwei anständige Leute können Schlafstelle erhalten- Gründergerftr.42. 3742] Laden mit oder ohne Logis per 1. Juni zu vermiethen Seltersweg 14 I. E" Solideste Fussbekleidung. Bequemes Tragen, elegante Fa^on, dauerhafte Arbeit. Knopf- und Schnürstiefel, Halbschuhe, Schäften stiefel^ Arbeiterschuhe. Mittwoch, den 16» Mai (israelitischer Steftfag). findet Ball statt, wozu ergebens! einladet Norddeutsche Hagel-Versicherungs-Gesellschaft. Schon seit dem Jahre 1877 die bei weitem größte aller bestehenden Hagels Versicherungs-GeseUschaften. Geschäftsumfang 1887: 59,099 Policen mit 429,441,949 Mark Versicherungs- Summe. Die Gesellschaft hat während ihres 19jährigen Bestehens 573,894 Policen mit über 4500 Millionen Mark Versicherungssumme abgeschlossen und für 76,536 Schäden 36,790,029 Mark Entschädigung geleistet. Bemerkenswerthe Einrichtungen: Entschädigung von 6 °'o ab, bei Verzicht auf die Schäden unter 12 u/o, Ermäßigung der Prämie um 20 0 0, Gewährung eines bis 50 % steigenden Rabatts für Schadenfreiheit^ desgleichen von 5 °/o bei 5jähriger Versicherung. — Abschätzung der Schäden unter Mitwirkung der von den Mitgliedern in den Bezirks-Versammlungen gewählten Taxatoren. Billige und bequeme Versicherung der kleinen Ackerwirthe durch die Gemeinde-Versicherungen. — Billige Verwaltung und dadurch niedrige Beiträge. — 3735- Neserven: 300 000 Mark. Zu jeder näheren Auskunft, sowie Uebersendung von Antragsformularen sind bereit Wolf